person

Martin Mersich der Ältere

 

* 30.10.1868 in Frankenau
† 30.07.1943 in Großwarasdorf

 

Pfarrer und Politiker
  

Seine Eltern, kroatische Bauern in Frankenau, schickten ihn für ein Jahr nach Tschapring, um ihn die deutsche und die ungarische Sprache lernen zu lassen. Er besuchte das Untergymnasium in Güns und dann das Gymnasium in Raab, wo er auch Theologie studierte. 1891 wurde er zum Priester geweiht und war anschließend als Kaplan und Pfarrer in Gattendorf, Unterfrauenhaid, Steinberg und Nikitsch tätig. 1906 kam er als Pfarrer nach Großwarasdorf und blieb dort bis zu seinem Tod.

1903 begann er mit der Herausgabe des "Kalendar Sv. Familije", für den der von ihm besonders geförderte Mate Mersich - Miliradic arbeitete. 1910 war er einer der Gründer der Zeitung "Nase Novine" (Unsere Zeitung), die bis 1922 bestand und in Raab herausgegeben wurde. Mersich wurde immer mehr zu einem führenden Sprecher der kroatischen Volksgruppe in Westungarn. Er war einer der Gründer des "Kroatischen Volksrates" (Hervatski Narodni Tanacs).  Auf Anregung des Schuldirektors von Kroatisch Minihof, Ivan Dobrovich, wurde 1919 die Gründung eines "kroatischen Kulturvereines" in Angriff genommen. Die Gründung erfolgte am 21. April 1921 in Ödenburg. Mersich wurde Präsident, Dobrovich Sekretär. Der Vorstand des Vereines setzte sich in einem Memorandum, das man den Leiter der Ententekommission, General Gamelin, überreichte, für den Verbleib der kroatischen Dörfer bei Ungarn ein. Dafür waren sowohl die ungarisch-patriotische Erziehung wie auch die Sorge um die konfessionellen Schulen, in denen man die Garantie für den Bestand der kroatischen Unterrichtssprache sah, maßgebend. Während des Einmarsches des österreichischen Bundesheeres im Burgenland floh Mersich nach Ungarn, kehrte aber bald zurück, da er sah, dass keine Repressionen zu befürchten waren. Der Kulturverein löste sich auf und wurde erst am 8. August 1929 in Wulkaprodersdorf neu gegründet.

Nach dem Anschluss an Österreich gründete Mersich eine "Christlich - kroatische Bauernpartei" , die als Sprachrohr die Christlich-kroatische Zeitung" unter Redaktion des Priesters Ignaz Horvath  herausgab. Die Partei scheiterte bei den Landtagswahlen, Dr. Lorenz Karall und andere Führungspersönlichkeiten wandten sich der Christlichsozialen Partei zu, die Zeitung wurde eingestellt. Bald darauf wurde, ebenfalls nur für kurze Zeit, die "Nase novine" gegründet. 1927 gründete Mersich einen "Cjristlichen Laienverband". Besonders interessant war eine "Kleine Kirchen- und Schulzeitung", die die heranwachsende Generation im christlichen Sinn und volkstumsbewusst beeinflussen sollte. Sie bestand bis 1939.

In seiner Kirchengemeinde Großwarasdorf war Mersich äußerst aktiv. Er wollte auch die wirtschaftlichen und sozialen Zustände verbessern. Er gründete ein Vereinshaus mit Veranstaltungssaal, Milchsammelstelle, Brückenwaage usw., eine Mühle sollte Teile des Ortes mit Strom versorgen. Es kam dann aber zu einer schweren Explosion im Keller der Mühle mit zwei Todesopfern. Die weiteren Pläne des Pfarrers - Anlage von Fischteichen, ein Wasserkraftwerk an der Rabnitz, der Abbau von Braunkohle - erforderten hohe Planungskosten, scheiterten aber durchwegs. Ein zunächst erfolgreicher Sparverein fiel der Wirtschaftskrise zum Opfer, eine Rentenkasse für die Bauern musste schon nach dem Anschluss an Österreich liquidiert werden. Am schlimmsten aber war der Bankrott der großen Dampfmühle. Die kleine Mühle wurde verpachtet, der Pächter investierte viel Geld, stellte eine Dampfmaschine auf, die auch Strom für den Ort liefern sollte, musste aber Konkurs anmelden. Mersich und andere Privatpersonen übernahmen einen Wechsel auf die Mühle, konnten ihn dann aber nicht einlösen. Die Beteiligten verloren viel Geld. Man gab Mersich die Schuld, er verlor sein Ansehen und er wurde von vielen Pfarrkindern gemieden. Verbittert zog er sich aus allen Ämtern zurück.

Literatur:

  • Burgenland. Geschichte, Kultur und Wirtschaft in Biographien. Eisenstadt 1991