Csaplovics

Bild: Grafische Sammlung Tobler

 

Johann Csaplovics

 

* 22.09.1780 in Felső-Prébely (heute Pribelce, Slowakei)
† 29.05.1847 in Wien

 

Ethnograph und Topograph
  

Csaplovics entstammte einer alten Adelsfamilie. Er studierte Rechtswissenschaft und war als Rechtspraktikant in Neusohl tätig. 1799 wurde er Kanzleibeamter, 1904 Vizenotar. 1805 erhielt er das Advokatendiplom und war ab 1808 Komitatsgerichts - Assessor im Sohler Komitat.

1808 übersiedelte Csaplovics nach Wien. 1809 und 1813 war er Bediensteter der  der ungarischen Hofkanzlei in Wien.  Im September 1809 reiste in den slawonischen Marktflecken Pakracz (heute Pakrac in Kroatien), wo er dann bis zum Mai 1812 lebte und als  Kommissär des griechisch - katholischen Bischofs  Verwaltungs- und Rechtsaufgaben erledigte. Im April 1813 trat Csaplovics als Güterverwalter  in die Dienste der Grafen von Schönborn. Bereits im Jahre 1815 wurde er zum gräflichen Rat ernannt und ab 1819 leitete er als Direktor den gesamten Besitz  der Grafen in Ungarn. Später wechselte Csaplovics wieder in den Staatsdienst zurück und wirkte als Gerichtsassessor in verschienen Komitaten. 1840/1841 geriet er in eine heftige Auseinandersetzung mit der ungarischen Akademie der Wissenschaften, da er die Magyarisierungstendenzen bei den slawischen Völkern unter der ungarischen Krone kritisierte.

Neben seiner beruflichen Tätigkeit erforschte er die Volkskultur und verwendete als erster in Ungarn den Begriff "Ethnographie". Für Westungarn - Burgenland ist er insofern von großer Bedeutung, als er in seiner Arbeit "Croaten und Wenden in Ungarn, ethnographisch geschildert" (1828) die burgenländischen Kroaten ausführlich beschrieb. Neben vielen topographischen Beschreibungen gab er 1829 eine ethnographische Karte des Königreiches Ungarn heraus ("Gemälde von Ungern". Mit einer ethnographischen Karte. Zwei Bände,  Pest, 1829).  Weitere wichtige Arbeiten waren "Das Bartfelder Bad" Wien 1817 und "Slavonien und zum Theil Croatien. Ein Beitrag zur Völker- und Länderkunde. Theils aus eigener Ansicht und Erfahrung (1809-1812), theils auch aus späteren zuverlässigen Mittheilungen der Insassen. Zwei Bände.  Pest 1819, sowie "Topographisch-statistisches Archiv des Königreichs Ungarn". Zwei Bände,  Wien, 1821.
 Seinen Lebensabend verbrachte er in Wien, wo er auch 66-jährig verstarb.

Literatur:

  • Gestochen scharf. Porträts aus der grafischen Sammlung Tobler. Ausstellungskatalog. Eisenstadt 2014
  • Johann Csaplovics. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950. Band 1. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1957, S. 157.
  • Zeljko Holjevac, Über die (Un-) Erkennbarkeit der Reisekultur im Hintergrund von Csaplovics Beschreibung westungarischer Kroaten aus dem Jahre 1828. In: Kulturhistorisches Symposion MogersdorfBand 33, 2003. S.37 - 46