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person

Dr. Ernst Bannerth

 

* 13.10.1895 in Eilenburg in Sachsen
† 29.04.1976  in Kairo

 

Orientalist
  

Bannerth entstammte einer wohlhabenden Familie in Leipzig. Er besuchte in Leipzig das Gymnasium und wurde 1913 Berufsoffizier. 1916 kam er als Leutnant in das deutsche Asienkorps, das die türkischen Truppen am Persischen Golf unterstützen sollte. Er wirkte als Dolmetsch und perfektionierte seine Arabischkenntnisse bzw. lernte mehrere arabische Dialekte. Ende 1917 kam er in britische Kriegsgefangenschaft, aus der er erst 1920 zurückkehren konnte. Er trat in die Benediktinerabtei St. Ottilien in Bayern ein. Nach Problemen mit den Ordensoberen ging er nach Wien, schloss dort sein Theologiestudium ab und wurde 1930 zum Priester geweiht. 1931 bis 1933 war er Kaplan in Jennersdorf, dann bis 1938 Pfarradministrator in Stoob. Bannerth studierte in Leipzig und in Wien Orientalistik und promovierte 1941 in Wien zum Dr. phil.

Bannerth war im Ständestaat politisch stark engagiert und Kurat der Burgenländischen Heimatschützen. Er geriet in starkem Gegensatz zu den Nationalsozialisten. 1938 wurde er für mehrere Monate in Oberpullendorf in Untersuchungshaft genommen. Um weitere Konflikte zu vermeiden versetzte ihn die Apostolische Administratur zunächst nach St. Michael, dann nach Olbendorf und schließlich nach Stotzing.

Im Februar 1942 wurde Bannerth zur Wehrmacht eingezogen und als Dolmetsch für orientalische Sprachen eingesetzt. Man versetzte ihn in die "Indische Legion", die für die Befreiung Indiens von der englischen Kolonialherrschaft eingesetzt werden sollte. 1944 desertierte Bannerth in Südfrankreich und schloss sich dem französischen Widerstand an. Durch seine Kenntnis arabischer und indischer Untergrundtätigkeit war er aber den Briten verdächtig und wurde vom britischen Geheimdienst interniert. Erst 1947 wurde er entlassen und konnte die Pfarre Stotzing bis 1953 wieder übernehmen. Anschließend war er Pfarrverweser in Mörbisch und Krankenhausseelsorger in Eisenstadt. Er war Religionslehrer an den Gymnasien in Mattersburg und Eisenstadt und am Theresianum in Eisenstadt. Er leitete das katholische Bildungswerk und im katholischen Akademikerverband. Er hielt zahlreiche Vorträge über den Islam.

Wissenschaftlich beschäftigte sich Bannerth mit arabischen Dialekten und der islamischen Mystik, besonders mit dem Sufismus, und der islamischen Philosophie. Er war an der Universität Wien als Lektor tätih und habilitierte sich 1956. 1965 wurde er außerordentlicher Professor.  Seine Forschungsreisen führten ihn nach Marokko, Algerien, Ägypten und in den Irak.

1961 übersiedelte Bannerth aus gesundheitlichen Gründen nach Ägypten. Er lebte im Dominikanerkonvent in Kairo und arbeitete am Orientalischen Institut der Dominikaner. An der Islamischen Universität hielt er Gastvorlesungen. Neben zahlreichen wissenschaftlichen Werken veröffentlichte er 1958 das populärwissenschaftliche Buch "Islam heute - morgen",  1973 erschien sein Hauptwerk "Islamische Wallfahrtsstätten Kairos".

1976 starb Bannerth im Italienischen Krankenhaus in Kairo.

Literatur: