industrie

Industriestandorte 1956 und 2010 (Entwurf: Ute Leonhardt)

 Das Burgenland wurde und wird auch heute noch vielfach als "Agrarland" geschildert. Das ist ein sehr vereinfachendes Klischeebild, das weder für die Vergangenheit noch für die Gegenwart stimmt. Gemeint ist damit, dass Großindustrien fehlen und in der Kulturlandschaft des Burgenlandes Industriebetriebe stark zurücktreten, was ja keineswegs ein Nachteil ist. Die größten Betriebe, die es je im Burgenland gab, waren die HITIAG in Neufeld mit 2000 (Textilien) und die Saniped in Großpetersdorf (Schuhe) mit 1300 Beschäftigten. Die meisten anderen Industriebetriebe waren und sind erheblich kleiner.

Historisch gesehen war Westungarn nicht nur sehr gewerbereich, es gab durchaus auch eine Fülle von Erzeugungsstätten, die man heute als "Industriebetriebe" bezeichnen würde. Sie knüpften zumeist an die Rohstoffvorkommen des Landes an: Schwefel-, Kupfer- und Eisenhütten im Bernsteiner Bergland, Eisen- und Kupferhämmer, Glashütten (in Bernstein, Glashütten bei Schlaining, Glashütten bei Lockenhaus) und Papiermühlen (Pinkafeld, Lockenhaus, Bernstein, Loipersdorf). Manche dieser Betriebe wie etwa die Bernsteiner Glashütte oder die Lockenhauser Papiermühle produzierten weit über den lokalen und regionalen Markt hinaus. Die "Unternehmer" waren die Grundherrn, die Angestellte der Herrschaft mit diesen Betrieben betrauten oder die Betriebe verpachteten

Im 14.Jh. sind in der Herrschaft Bernstein bereits zwei Eisenhütten nachweisbar. Aus dem 16. und 17.Jh. gibt es zahlreiche Hinweise auf Bergbau- und Montanbetriebe: ein Eisenwerk in Goberling, ein Eisenhammer in Pinkafeld, vor allem aber müssen die Schwefel-und Kupferbergwerke von Bergwerk erwähnt werden. Die Königsberg, die Herren von Bernstein, errichteten einige Schmelzhütten. Der Schwefel- und Kupferbergbau dürfte für die Gewerken recht ertragreich gewesen sein. Kupfer aus Bernstein wurde jedenfalls bis nach Polen und Italien gehandelt. Später kam das Bergwerk mit der Herrschaft Bernstein an die Batthyány; betrieben wurde es von einer Gewerkenkompanie, zeitweise auch vom Grundherrn. Im 18.Jh. ging dann die Produktion von Schwefel und Kupfervitriol immer mehr zurück. Auch in Bernstein selbst wurde Schwefel abgebaut. Anfang des 18.Jahrhunderts entstanden zwei Schwefelhütten.

In der Zeit des Merkantilismus kamen weitere Betriebe dieser Art hinzu, etwa das von Ludwig Batthyány betriebene Eisenwerk in Bocksdorf (Erzlagerstätte am Koglberg) und der Eisenhammer in Loipersdorf, der etwa 140 t Eisen jährlich erzeugte. 1770 wurde er auf die Produktion von Messingwaren (Kupfer aus Bernstein) umgestellt und beschäftigte 1784/85 immerhin 32 Facharbeiter und 23 Hilfskräfte. Die ersten größeren Textilfabriken wurden ebenfalls schon im 18.Jh. errichtet: in Neufeld etwa 1776 eine Kottonmanufaktur. 1789 entstand in Lockenhaus die Textilfirma Karl Popp, die nahezu 200 Jahre bestand. Für kurze Zeit bestand in Eisenstadt eine Samtbandmanufaktur und in Großpetersdorf eine Textilmanufaktur der Batthyány. Auch die Ledererzeugung war von Bedeutung: in Dörfl, Zurndorf und Potzneusiedl gab es Vorläufer, dann vor allem in Pinkafeld, wo sich mehrere Gerbereien zusammenschlossen, und besonders in Eisenstadt . Ebenfalls lokale Rohstoffe verarbeiteten die Sodafabriken in Illmitz, Essig- und Stärkefabriken in Hornstein und natürlich die beiden großen Zuckerfabriken in Hirm und in Siegendorf.

Im 19.Jh., bevor nach dem Ausgleich eine neue Gründungswelle einsetzte, gingen aber auch manche ältere Ansätze einer Industrialisierung wieder ein. So hatten etwa die Zündhölzer aus Pinkafeld und Neudörfl zeitweise einen hervorragenden Ruf. Die Arbeit in den Zündholzfabriken war allerdings ungesund und wurde auch schlecht bezahlt. 1878 bzw.1881 wurden die Betriebe eingestellt, nachdem der Druck der ausländischen Konkurrenz zu groß geworden war. Auch der burgenländischen Papierindustrie gelang die Modernisierung nicht. 1878 wurde in Pinkafeld die letzte Papierfabrik eingestellt. Die Glasfabrik Thalheim in Schreibersdorf hatte zunächst den enormen Vorteil, dass sie an Ort und Stelle über ein Braunkohlebergwerk verfügte. Um 1850 beschäftigte sie noch 20-30 Arbeiter. Aber auch sie unterlag der Konkurrenz der fortschrittlicheren Glasindustrie Böhmens. 1871 wurde sie endgültig eingestellt.

Verständlicher ist, dass sich die südburgenländischen Eisenhämmer angesichts der harten steirischen Konkurrenz nicht halten konnten: Die vielen kleinen Hammerwerke und Schmieden des frühen 19.Jhs. erzeugten einfache landwirtschaftliche Geräte für den lokalen Bedarf, die bald der importierten billigen und auch besseren Massenware weichen mussten. 1852 gab es noch 4 Hammerwerke, im Grobeisenhammerwerk Loipersdorf waren 10 Arbeiter, in Pinkafeld und Oberwart je 12 beschäftigt. Einen weiteren Eisenhammer gab es in Riedlingsdorf. Der Batthyánysche Hammer in Pinkafeld erzeugte in den 1850 er Jahren 10 000 Hacken, 30 000 Hauen und Schaufeln jährlich. Der Rohstoff wurde aus Vorau bezogen. Nach 1880 gab es nur mehr das Hammerwerk des Karl Fuith in Oberwart. In Pinkafeld beschäftigte der Eisenhändler Johann Fliegenschnee 7-8 Schlossermeister, die Schlösser und Beschläge erzeugten.

Auch die Bierbrauerei schaffte in Westungarn nicht den Sprung zum Großbetrieb, obwohl mit dem Hopfen des Raumes Bernstein - Pinkafeld ein hervorragendes Rohmaterial zur Verfügung stand. Im frühen 19.Jh. gab es noch zahlreiche kleine Brauereien: in Frauenkirchen, Kittsee, Mattersburg, Strebersdorf, Lockenhaus, Rechnitz, Oberwart und in Pinkafeld, wo drei Brauereien bestanden. 1881 waren davon nur mehr vier Brauereien übrig geblieben (Unterschützen, Oberwart, Pinkafeld, Neudörfl), von denen Pinkafeld und Neudörfl ebenfalls bald darauf eingestellt wurden. Schon damals wurden in Westungarn hauptsächlich österreichische Biere verkauft.

Das westungarische Textilgewerbe kämpfte - so wie vielerorts in Europa - einen verzweifelten Kampf ums Überleben. Die Umstellung auf industrielle Produktion gelang nur teilweise. Mitte des 19.Jhs. wurden noch an drei Orten Tuche erzeugt: in Lockenhaus, in Rechnitz und vor allem in Pinkafeld. Die Tuchmacherinnungen dieser drei Orte versuchten, durch Umstellung auf Lodenerzeugung und durch die Herstellung einfacher, billiger Tuche konkurrenzfähig zu bleiben. Im Verlauf der zweiten Jahrhunderthälfte ging die Zahl der selbständigen Meister rasch zurück. Einzelnen gelang es, kleine, fabriksmäßige Betriebe zu gründen, so etwa die Kotzen -und Lodenfabrik Ferdinand Lirsch - Theodor Martin in Sinnersdorf, deren Direktion in Pinkafeld war, die 1865 gegründete Pferde- und Montandeckenfabrik Rudolf Lirsch in Pinkafeld. In Pinkafeld versuchten die Tuchmacher, genossenschaftlich zu arbeiten. 1878 schlossen sich 37 Tuchmacher zu einer Genossenschaft zusammen, die eine gemeinsame "Fabrik" betrieb. Daneben entstand noch ein weiterer Betrieb: die Loden- und Kotzenfabrik von Alexander Putsch und Andreas Friedrich.

Die Begründer der burgenländisch- westungarischen Zuckerindustrie waren Daniel Rothermann, dessen Vater Wilhelm Heinrich als Zuckersiedermeister seinerzeit aus Hamburg nach Wr. Neustadt geholt worden war, dessen Schwager Ignaz Hartig und Conrad Patzenhofer, Schwiegersohn Rothermanns. Sie gründeten die Hirmer Zuckerfabrik, die 1850 anlief und bald beträchtliche Rübenmengen verarbeitete. 1853 begann Conrad Patzenhofer mit dem Bau der Siegendorfer Fabrik. In Hirm wurde zusätzlich Spiritus, in Siegendorf Rapsöl erzeugt. Vor allem während der Rübenkampagne boten die beiden Fabriken zahlreichen Menschen Arbeit, in Hirm waren etwa 100 - 400 Personen beschäftigt.

Nach dem "Ausgleich" von 1867 wuchs das Interesse an einer Industrialisierung Ungarns. Zu einer Welle von Neugründungen führten die Industrieförderungsgesetze von 1881, die Steuerfreiheit für Neugründungen bis zum Jahre 1895 vorsahen. Davon profitierte nunmehr auch der westungarische, bisher von Budapest aus eher vernachlässigte und infrastrukturell schlecht ausgestattete westungarische Raum. Vor allem österreichische Firmen gründeten unmittelbar an der Grenze Zweigbetriebe. Sie konnten so die Steuervorteile nützen, zugleich aber waren sie nahe am Wiener Absatzmarkt. Die Grenzgemeinden Neufeld, Neudörfl, Pinkafeld profitierten von diesen Neugründungen am meisten. Zur Erschließung neuer Standorte trug auch die die Errichtung der Raab-Ödenburg- Ebenfurther Bahn bei. In Neufeld etwa gründete das Wiener Chemieunternehmen J.Medinger &Söhne einen Zweigbetrieb, in den immer mehr Produktionszweige verlegt wurden. Um 1900 war die Weinsäureproduktion besonders wichtig. Ebenfalls in Neufeld wurde eine Zündkapselfabrik gegründet. Die Bleistiftfabrik Hardtmuth besteht bis heute (in Hirm), und in Neudörfl wurde die damals größte Zündwarenfabrik Ungarns errichtet.

Zum wichtigsten Industriezweig wurde schon damals die Textilindustrie: im Jahre 1888 wurde in Neufeld die "Erste Ungarische Jute-Spinnerei und Weberei" errichtet, die später mit anderen Betrieben zur HITIAG (Hanf-, Jute- und Textilit - Industrie AG) erweitert wurde. In Neudörfl entstand ein Zweigwerk der Wiener Textilfirma M. J. Elsinger, das wasserdichte Stoffe erzeugte. In der Weberei Preis &Co. waren sogar 400 Arbeitskräfte beschäftigt. In Hornstein bestand ebenfalls ein Textilbetrieb. 1919 entstand in Rudersdorf ein Zweigwerk der Leinweberei August Sattler's Söhne.

1921, beim Anschluss des Burgenlandes an Österreich, gab es im ganzen Land 31 Bergbau- und Industriebetriebe mit mehr als 20 Beschäftigten. 9 Betriebe gehörten der Textilindustrie an. Daran hat sich in der ersten .Republik nicht viel geändert. Zwar wurde im März 1923 ein burgenländischer "Beirat für Handel, Gewerbe und Industrie" gegründet, doch hatte dieser seinen Sitz in der Wiener Handelskammer. Erst 1946 wurde eine burgenländische Handelskammer mit Sitz in Eisenstadt gegründet. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg, während der Besatzungszeit, waren die Voraussetzungen für weitere Industriegründungen ungünstig. Erst in den 1960er Jahren sollte dann die große "Industrialisierungswelle" auch im Burgenland anlaufen. Sie wurde vom Land und von den Gemeinden kräftig gefördert. Das Ziel war, möglichst viele Arbeitsplätze im Lande selbst zu schaffen.

Tatsächlich gelang es, eine große Zahl von Zweigbetrieben österreichischer, aber auch ausländischer Firmen ins Land zu bekommen, da das große Reservoir an Arbeitskräften viele Betriebe in den Zeiten der Hochkonkunktur anlockte. Ein Ziel - so zeigte sich allerdings schon bald - konnte nicht erreicht werden: Arbeitsplätze für die vielen burgenländischen Pendler zu schaffen. Die neuen Arbeitsplätze waren zum Großteil schlecht bezahlt, sie erforderten ungelernte, meist weibliche Arbeitskräfte. Die Pendler aber blieben weiterhin in Wien und Niederösterreich, weil sie dort weit mehr verdienten. Die neuen Zweigbetriebe aber erwiesen sich als wenig stabil. Sobald die Firmen Absatzschwierigkeiten hatten, wurden diese "verlängerten Werkbänke" als erste geschlossen. Die niedrigen Löhne waren nur vorübergehend ein Anreiz, bald begann die Abwanderung in die außereuropäischen Niedriglohnländer. Die Arbeitsplätze und auch die oft gewährten, beträchtlichen Subventionen waren damit verloren.

Aber dieses Bild entspricht nur zum Teil der burgenländischen Realität. Manche der damals gegründeten Betriebe bestehen bis heute, einige produzieren heute andere Produkte, vor allem aber entstand auch eine beträchtliche Zahl von Industriebetrieben, die mit hoher Wertschöpfung arbeiten und die auch in der Zukunft kaum gefährdet sind.

"Burgenländische Gründerzeit"

Die Pinkafelder Textilfabriken konnten bald wieder mit ihrer Arbeit beginnen. In der Tuch- und Deckenfabrik Alexander Putsch, deren Sprengung verhindert werden konnte, waren 1946 schon wieder 250 Arbeiter beschäftigt. Auch die Betriebe Hutter & Schrantz und Adolf Posch liefen wieder an - es gab einen großen Bedarf an Anzugsstoffen und Wolldecken. Ähnlich war die Situation der Textilfabriken in Rudersdorf, Neudörfl und Hornstein. Die Neufelder Hanf-, Jute- und Textilit - Industrie  hatte ihre Maschinen zwar ebenfalls gerettet, ihr wichtigster Rohstoff aber, indische Jute, blieb weiterhin aus, sodass sie weiterhin Spinnpapier verarbeitete. Die Zuckerfabrik Hirm allerdings war nach dem Krieg eine Industrieruine. Sie war wie die Zuckerfabrik Siegendorf im Jahre 1938 in die deutsche Zuckerwirtschaft eingegliedert worden und fiel den strengen Rationalisierungsmaßnahmen der deutschen Zuckerwirtschaft zum Opfer. Nach der Kampagne 1940/41 wurde sie stillgelegt, die Fabrik diente als Lager für Flugzeugmotoren der Wr. Neustädter Flugzeugwerke. Die Anlagen wurden 1945 schwer beschädigt und außerdem als "deutsches Eigentum" der USIA unterstellt. So war an eine Wiedereröffnung nicht zu denken.

Die Siegendorfer Fabrik blieb zwar weitgehend unbeschädigt, verlor aber ihr gesamtes Zuckerlager und hatte zunächst jahrelang große Probleme mit der Rohstoffanlieferung. 1945 wurden keine Rüben angebaut, bis 1948 stieg die Anbaufläche erst allmählich wieder an. 1948 allerdings ermöglichte es die Marshallplanhilfe, Rohrzucker aus Kuba zuzukaufen. Dieser Rohzucker wurde von Triest aus mit der Bahn nach Siegendorf transportiert und dort weiter verarbeitet. Noch 1949/50 stellte er etwa ein Fünftel der Zuckerproduktion in Siegendorf. Die Produktion von Baumaterialien konnte - unter primitiven Bedingungen - ebenfalls schon kurz nach Kriegsende aufgenommen werden. Neben acht größeren Ziegelfabriken wurde auch eine Unzahl kleinerer Anlagen wieder in Betrieb genommen. Der Bedarf war gewaltig, nicht nur im Lande selbst, vor allem in Wien. 1949 standen schon zwölf größere Ziegeleien in Betrieb. Ähnlich war die Situation der Sägewerke. Mit der Erholung der Wirtschaft ab 1948 begann auch die Möbelproduktion anzulaufen. Die Ansiedlung der zunächst kleinen Neudörfler Firma des Karl Markon sollte sich bald als besonderer Glücksfall erweisen.

Die wichtigsten Neugründungen waren 1961 die Vossen-Frottier in Jennersdorf, die 1970 schon 700 Arbeitskräfte beschäftigte, 1964 in Oberschützen ein Zweigwerk der Fa. Halsenbach (Gummitülle und Synthetics), die Betriebe der Fa. Triumph International, die 1962/63 Werke in Oberwart, Oberpullendorf, Rechnitz und Schattendorf errichtete, die Werke der Altmann AG in Güssing, Pinkafeld und Weppersdorf und die Zweigwerke der Fa. Gloriette in Stegersbach, Weppersdorf, Kukmirn und Neutal. Die Bekleidungsindustrie dominierte also eindeutig.

In der Lebensmittelproduktion war die Siegendorfer Zuckerfabrik nach wie vor von größter Bedeutung. Der Betrieb wurde durch hohe Investitionen rationalisiert, die Beschäftigtenzahl sank dadurch von 700 auf 400. Der größte Betrieb der Branche aber war bereits die Felix Austria in Mattersburg, die zeitweise in der Hochsaison bis zu 900 Menschen beschäftigte. Zwei weitere Konservenfabriken wurden errichtet: die Scana-Amico in Neusiedl und ein Betrieb in Andau. Besonders bemerkenswert war der Aufstieg der bodenständigen Teigwarenfabrik Franz Wolf in Güssing, die 1956 als kleiner Handwerksbetrieb begonnen hatte. In Güssing fand auch die rasch wachsende Mineralwasserabfüllung einen wichtigen Standort, später gefolgt von Römerquelle in Edelstal.

In der chemischen Industrie kamen zu den bereits bestehenden Firmen in Neufeld (J.Medinger) und Neudörfl (Bickford) einige neue Firmen in der Kunststofferzeugung und die Bleistiftfabrikation der Koh-i-noor - Hardtmuth in Hirm.1969 wurde die Saniped-Fußkomfort in Großpetersdorf gegründet, ein Zweigwerk der Scholl-Gruppe.1972 beschäftigte sie über 1000 Arbeiter. In der Holzindustrie war die wichtigste Neugründung die Neudörfler Büromöbel, die 1972 300 Beschäftigte hatte. 1971 wurde - ebenfalls in Neudörfl - die Spanplattenfabrik der Homogenholz Ges.m.b.H. gegründet. Es kam aber auch zu zahlreichen Stilllegungen. Allein in den drei Rezessionsjahren 1966 bis 1970 wurden 18 Betriebe geschlossen, in der Mehrzahl alteingesessene, traditionsreiche Unternehmen. 1967 schlossen die Deckenfabrik Putsch in Pinkafeld und H.J.Elsinger und Söhne in Neudörfl. Die Hanf-Jute in Neufeld musste zunächst ihre Produktion vorübergehend einstellen und 1972 schließen. In ihren Betriebsgebäuden nahm die Myrtle Mill , ein Papier verarbeitender Betrieb, die Produktion auf. Auch die meisten kleinen Ziegeleien stellten 1966 bis 1970 ihren Betrieb ein.

Schlaglichter aus der burgenländischen Industriegeschichte

Johann Matthias Korabinsky, Geographisch - Historisches und Produkten - Lexikon von Ungarn, Preßburg 1786, S.50:

"Bernstein: Die ganze Gegend ist voll Schwefelbergwerke. Es wird hier treffliches Scheidewasser in großen Mengen verfertigt, welches durch gewisse Männer im Lande und auch außer Landes vertragen und versilbert wird. Außer Schwefel wird auch Kupfer gegraben und viel Zinnober zubereitet. "

In Deutschkreutz wurde von M.A.Trenker u.Co. ab 1884 "Ahorn-Extract-Brustzucker" aus dem Saft des amerikanischen Ahorns erzeugt.

 Suppen aus Rechnitz - In Rechnitz betrieb die Witwe Fanny Bogdányi eine "Einbrennsuppenmasse-Fabrik": Kümmel-, Erbsen-, Fisolen-, Gries- und Reissuppenkonserven wurden erzeugt, "welche von vorzüglicher Qualität sind und die Ueberzeugung wecken, dass in humanistischer und sanitärer Beziehung ihrer eine wichtige Mission harrt. Diese Artikel sind außerordentlich billig, aus dem besten Materiale hergestellt und besonders für Austheilung an die Armen und zur Benützung in Wohlthätigkeitsanstalten geeignet. Man sollte den in einem großen Theile des Landes wegen seiner Wohlfeilheit üblichen Alkohol durch diese billigen und nahrhaften Suppenconserven zu verdrängen suchen, das Volk mit denselben bekannt, und sie bei ihm beliebt machen, auch den Armen als Almosen geben und in Fällen von Noth und Unglück mit diesem Nahrungsstoffe aushelfen, lauter Umstände, auf welche es wünschenswert ist, die Aufmerksamkeit des großen Publikums zu lenken. Die Suppenconserven werden ausschließlich nur aus heimischen Rohstoffen hergestellt, sind von erprobter Dauerhaftigkeit, so dass sie auch nach anderthalb Jahren nichts von ihrer Schmackhaftigkeit verlieren, und durch einfaches Auflösen im warmen Wasser leicht in Suppe zu verwandeln sind. Diese Suppenconservenfabrik wurde im Jahre 1873 gegründet, ist vorzüglich eingerichtet... sie erzeugt täglich 80 000 Portionen, ist aber auch im Stande 150 000 Portionen per Tag zu liefern..." H.Hahnenkamp,Die burgenländische Industrie, 1.Teil, S.148

Frank und Dvorak in Pöttsching

Am 28.Juli 1960 nahm die Elektromotorenfabrik in Pöttsching ihren Betrieb auf, auf einem etwa 20 000 qm umfassenden Gelände. Die Errichtung des Betriebes war nicht ganz einfach, es mussten erst die nötigen infrastrukturellen Maßnahmen getroffen werden.: eine neue Starkstromleitung musste gebaut werden, neue Zufahrtsstraßen, der Steinbrunnerbach musste für die Entwässerung reguliert werden...

Pinkafeld 1961

Die Fa.Putsch hatte rund 350 Beschäftigte und erzeugte Anzug-und Kleiderstoffe, Decken verschiedenster Art. Die Fa.Pederka hatte rd.400 Beschäftigte und ein ähnliches Produktionsprogramm

Neuer Siemens - Betrieb in Pinkafeld

Der neue Betrieb erzeugt Bestandteile für Telefone und Nachrichtenanlagen. In der ersten Ausbaustufe stehen 240 Arbeitsplätze für vorwiegend weibliche, ungelernte Arbeitskräfte zur Verfügung; der Großteil der Arbeitskräfte muss umgeschult werden.

Steinbrunn 1961

Im Jahre 1961 entstanden in Steinbrunn zwei neue Betriebe: Die Vorarlberger Fa. Peyer errichtete ein Zweigwerk für Verpackkungsmaterialien, die Firma Himico begann mit der Erzeugung von Hemden.

Frauenarbeit in burgenländischen Fabriken. Von 1962 bis 1971 stieg die Zahl der beschäftigten Frauen um 42 % bzw. um etwa 5000 Personen. Die größten Zuwachsraten waren in den Metall verarbeitenden Betrieben, in der Bekleidungsindustrie und in der Nahrungs- u. Genussmittelindustrie zu verzeichnen.

Saniped in Großpetersdorf

Die Saniped wurde im August 1970 eröffnet. Am Zustandekommen dieses Projektes in Großpetersdorf war der dortige Bürgermeister Hans Krutzler maßgebend beteiligt, der seinen Ort zu einem der wichtigsten Industriestandorte im Südburgenland machte. In der Industriezone von Großpetersdorf waren am Höhepunkt der Entwicklung Mitte der 70er Jahre etwa 1500 Menschen beschäftigt. Die Saniped erzeugte Gesundheitsschuhe und beschäftigte 1975 980 Personen, zumeist junge ungelernte Mädchen und Frauen (60 %) und ältere, ebenso ungelernte und angelernte Männer. Es fanden also hauptsächlich die in der Landwirtschaft frei werdenden Arbeitskräfte Beschäftigung. Sowohl die pro Kopf-Produktivität als auch die Löhne waren eher niedrig.

Betriebsschließungen - Aus für burgenländische Textilfabrik

Im Südburgenland wurde nun die Schließung der Hosenfabrik Zorn angekündigt. Die billige Ostkonkurrenz, die der mit Investitionskosten von 40  Mill. S vor zehn Jahren errichteten Fabrik stetig Auftraggeber abwirbt, gilt als Grund. 75 Mitarbeiterinnen sind davon betroffen.

"Die Presse" vom 6.Mai 1994

Von der Schuhfabrik zu Thurner - Beugl

Ein holländisches Unternehmen, das auch in Oberwaltersdorf und Hartberg Betriebe hatte gründete 1972 den Betrieb; 100 Beschäftigte; die Gemeinde musste, um den Betrieb zu bekommen, Baukostenzuschüsse leisten. Im Sommer 1985 ging Robi allerdings in Konkurs, das Betriebsgebäude wurde zwangsversteigert. Es wurde von einem einheimischen Unternehmer erworben: Thurner Beugl. Thurner Senior hatte 1926 eine kleine Bäckerei gegründet; der Juniorchef machte mit Schwung und Unternehmergeist daraus einen Großbetrieb, der neben dem traditionellen burgenländischen "Beugl" auch Nuß- und Mohnstrudel erzeugte. Mit der Verlegung in die ehemalige Schuhfabrik konnte der Betrieb zusätzlich ausgeweitet und 50 Personen beschäftigt werden ...

Industriezone Süd

Das Landesentwicklungsprogramm Burgenland sah im Südburgenland den Raum Pinkafeld- Oberwart - Großpetersdorf als Industrieregion vor. Tatsächlich kam es in den 70er Jahren - neben einigen Stilllegungen vor allem in der Pinkafelder Textilindustrie - auch zu zahlreichen Neugründungen, wobei allerdings der Großteil wieder den Niedriglohnbranchen angehörte...

Wolf - Nudeln

Vom kleinen Gewerbebetrieb zur Fabrik. Die Teigwarenfabrik Wolf in Güssing ist ein Beispiel für einen im Lande selbst aus eigener Kraft gewachsenen Industriebetrieb. Die Familie Wolf betrieb eine kleine Bäckerei in Güssing. 1957 begann der damals 23-jährige Franz Wolf, der im Betrieb seiner Eltern arbeitete, zusammen mit vier Angestellten Suppennudeln zu produzieren und für sein Produkt allmählich einen Absatzmarkt in der Umgebung aufzubauen. 1958 erwarb er ein größeres Betriebsobjekt, das er umbaute. 1959 waren bereits 12 Arbeiter und ein Fahrverkäufer tätig, 1960 beschäftigte Wolf 40 Personen und drei Vertreter, dazu je einen Vertreter in Wien und Graz. In diesem Jahr wurde die Produktion auf das volle Teigwarensortiment ausgedehnt. Schon drei Jahre später waren über 100 Personen beschäftigt, 10 Vertreter und Zusteller sorgten für den Absatz, nun schon auf dem gesamtösterreichischen Markt. 1965 wurde eine Keksfabrik dazugebaut und 180 Menschen beschäftigt, 15 Vertreter und 25 Lastkraftwagen waren im Verkauf eingesetzt. Die Betriebsanlagen wurden immer weiter ausgebaut. 1975 hatte der Betrieb über 200 Beschäftigte. In einer betriebseigenen Hühnerfarm wurden 45 000 Legehennen gehalten und somit auch das frische Rohmaterial selbst produziert. Das Verpackungsmaterial wurde in einer betriebseigenen Druckerei teilweise selbst hergestellt. Mitte der 70er Jahre hatte die Firma Wolf trotz härtester Konkurrenz bei Teigwaren einen gesamtösterreichischen Marktanteil von 21 % erreicht. Die Zahl der Beschäftigten ging zwar seither stark zurück, die Firma Wolf ist aber nach wie vor für den südburgenländischen Arbeitsmarkt von größter Bedeutung.

Gründung der BIBAG

Aufgrund eines Beschlusses der burgenländischen Landesregierung wurde am 23.Juli 1973 die "Burgenländische Industrie- und Betriebsansiedlungsgesellschaft m.b.H." gegründet. Sie sollte die Ansiedlung leistungsfähiger Unternehmen fördern und die Voraussetzungen zur Bildung von Industriezentren im Burgenland schaffen. "Ziel: Schaffung und Sicherung von Arbeitsplätzen im Sinne des Bgld. Landes- und Wirtschaftsförderungsgesetzes unter Bedachtnahme auf das Bgld. Raumplanungsgesetz.

 Grundsteinlegung der Firma Preh in Oberpullendorf

Im Oktober 1986 kündigte die Fa. Preh an, dass sie Anfang 1987 ihren Betrieb schließen müsse. 196 Arbeitsplätze gingen damit wieder verloren. Ein "mehrstündiger Krisengipfel" fand im Verstaatlichtenministerium statt ... Für die Firma konnte schließlich ein Nachfolger gefunden werden - die Firma Kromberg und Schubert (Kroschu) aus Wuppertal, die Spezialkabel und Kabelsysteme erzeugt. BF 1975, 28.Mai, S.4

Industrie 1975, am Ende der ersten Industrialisierungswelle

Es gab 27 Betriebe mit mehr als 100, 4 Betriebe mit mehr als 500 Beschäftigten, und zwar die "Felix Austria" in Mattersburg, die "Triumph" mit Standorten in Oberwart, Rechnitz, Oberpullendorf und Schattendorf), Vossen in Jennersdorf und die "Saniped" in Großpetersdorf. Zu den Betrieben mit über 200 Beschäftigten gehörten die "Neudörfler Büromöbel", Siemens in Pinkafeld, die Siegendorfer Zuckerfabrik, Scana Amico, Konservenfabrik in Neusiedl, Sattler in Rudersdorf, das Bekleidungswerk Mariasdorf, Dobant in Pinkafeld, Gloriette in Stegersbach, Neutal und Stadtschlaining. 100 bis 200 Beschäftigte hatten die Homogen-Spanplattenfabrik in Neudörfl, die Firma Sirucek in Großpetersdorf, Sachs und Myrtle Mill in Neufeld, die Robi-Schuhfabrik in Steinberg, Brown-Boveri in Neutal, das Antimonbergwerk in Schlaining, die Teigwarenfabrik Wolf in Güssing, die Bekleidungsfirma Gahnal in Pinkafeld, Antexa (Neufeld), Halstenbach (Oberschützen), Hubers Erben (Eisenstadt), Popp (Lockenhaus), Hiesland (Steinbrunn) , Peter Mayer u. Sohn (Frauenkirchen).

 

 Matthias Pinter, 1976 zur "Zweiten Industrialisierung":

"... Mehr Arbeitsplätze ermöglichen aber auch, jenes unveräußerliche Recht zu verankern, das wir als unsere oberste soziale und politische Zielsetzung in den nächsten Jahren betrachten: Das Recht jedes einzelnen auf Arbeit, auf Sicherung seiner wirtschaftlichen Existenz. Und deshalb wollen wir im Burgenland eine zweite Industrialisierungswelle in Gang bringen und bis zum Ende der achtziger Jahre die Zahl der Arbeitsplätze auf 70 000 hinaufschrauben ..." BF 24.11. 1976,S.2

 Die Abo-Chemie - eine Betriebsansiedlung misslingt

Neben den vielen erfolgreichen Betriebsansiedlungen gab es auch immer wieder Rückschläge. Betriebe, die sich niederließen und auch entsprechende Unterstützungen kassierten, erwiesen sich als wenig konkurrenzfähig und schlossen ihre burgenländische Filiale bald wieder. Aber auch das Umweltbewusstsein der Bevölkerung nahm zu und man war nicht mehr bereit, jedes Projekt unkritisch zu akzeptieren.

Ein Beispiel für ein gescheitertes Industrieansiedlungsprojekt war die ABO-Chemie. Die Firma plante 1975/76 an einem burgenländischen Standort einen Betrieb, in dem täglich etwa 5 t Weingeläger (Rückstände bei der Weingärung) zu Weinsäure, Futterhefe und Kaliumsulfat verarbeitet werden sollten. 40 Mill. S sollten investiert werden (18 Mill. Eigenkapital der Firma), 40 Dauer- und 60 Saisonarbeitsplätze geschaffen werden. Für diesen neuen Betrieb setzte sich auch die BIBAG vehemt ein. Von Seiten der Umweltschützer bestanden vom Anfang an Bedenken. Vor allem wäre eine beträchtliche Menge von Kaliumsulfat in den Neusiedler See gelangt. Der erste Standort sollte Gols sein. Der Widerstand, vor allem von Seiten des Fremdenverkehrs, war groß. Daraufhin erklärte sich die Gemeinde Marz - die unter ihrem Bürgermeister Grath ihren Gewerbepark rasch ausbaute, den Betrieb aufzunehmen. Aber auch in Marz scheiterte das Projekt schließlich am Widerstand der Bevölkerung. Immer mehr Menschen wurde in dieser Zeit klar, dass eine Arbeitsplatzschaffung um jeden Preis nicht mehr Ziel führend sein konnte.

Die zweite Welle - Ziel: 60 000 Arbeitsplätze in den 80er Jahren

Das Burgenland steht vor einer zweiten Industrialisierungswelle kündigte Landeshauptmann Theodor Kery vor der Burgenländischen Wirtschaftskonferenz an. Um das gesteckte Ziel - 70.000 Arbeitsplätze in den achtziger Jahren im Land - zu erreichen, ist totales Engagement und ein ehrliches Bemühen um eine glückliche Synthese zwischen Bewahrung und Fortschritt, zwischen Tradition und Erneuerung notwendig, sagte Kery ... Breiten Raum widmete der Landeshauptmann den Perspektiven der künftigen Entwicklung der burgenländischen Wirtschaft. Ihr Ziel müsse darin bestehen - das Pro-Kopf-Einkommen der Burgenländer zu steigern - neue Arbeitsplätze zu schaffen - die Agrarstruktur und - die Infrastruktur zu verbessern.

Die Industriepolitik sei darauf ausgerichtet, wachstumsintensive Branchen zu fördern."In der zweiten Hälfte der achtziger Jahre werden im Burgenland 70.000 Arbeitsplätze vorhanden sein. Das ist unser Ziel" sagte Kery, denn ein Bedarf werde durch die Entwicklung der Altersstruktur, die Freiwerdung von Arbeitskräften in der Landwirtschaft und die verminderte Abwanderung gegeben sein. Von 1964 bis 1976 erhöhte sich die Zahl der Arbeitsplätze im Lande von 40 500 auf mehr als 55 000. Dabei gelte es, die vorhandenen Schwerpunkte zu nützen und neue zu schaffen, aber auch Eigeninitiativen zu berücksichtigen und zu fördern. In diesem Zusammenhang kündigte Kery die Schaffung eines Industrieansiedlungsfonds an, dessen Aufgabe im Ankauf und der Erschließung von Industriegründen bestehen werde. "Das Ziel aller Politik, vor allem auch der Wirtschaftspolitik muß es sein", sagte Kery abschließend, "Bewahrung und Fortschritt harmonisch zu verbinden, Tradition und Erneuerung gleiches Augenmerk zuzuwenden. Es gilt, eine behutsame Weiterentwicklung zu gewährleisten, die Lebensqualität , das bisschen menschliche Glück zu sichern. Damit das Burgenland liebenswert bleibt, aber lebenswerter wird." BF 24.11. 1976,S.5

Sommer in Stoob - Aufstieg aus eigener Kraft

Die Stoober Metallwarenfabrik, die aus bescheidenen Anfängen gewachsen war, tat 1986 einen interessanten Schritt: Michael Sommer bot seinen Mitarbeitern an, sich am Unternehmen zu beteiligen. 182 Mitarbeiter brachten 14,3 Mill. S auf - als stille Beteiligung; die Identifizierung mit dem Unternehmen wurde dadurch aber erheblich gestärkt. Die Beteiligungen erbrachten schöne Erträge. 1992 legte Sommer eine zweite Mitarbeiterbeteiligung auf, eine Beteiligungs Ges.m.b.H wurde gegründet...

Industriellenvereinigung: Landesgruppe Burgenland

1981 wurde eine Landesgruppe Burgenland der Vereinigung Österreichischer Industrieller gegründet. Erster Präsident wurde Karl H. Jeschko, Direktor der Felix Austria.

Der Fall Saniped -ein Beispiel für Burgenländische Industriepolitik

1980 kaufte der US-Multi Shering - Plough (Pharmazie und Kosmetik) die Scholl- Gruppe, zu der auch die Fabrik in Großpetersdorf, die die Saniped - Gesundheitsschuhe erzeugte. Saniped stellte nur 1 % des Konzernumsatzes, den US-Multi scheint es bei diesem Kauf eher um den gut eingeführten Markennamen Scholl gegangen zu sein bzw. um das ausgezeichnete Vertriebsnetz dieser Firma. Als Saniped immer stärkere Umsatzeinbußen hinnehmen musste, begann der Konzern ohne Vorwarnung Verkaufsverhandlungen, die aber ohne Erfolg blieben, da man nur die Schuhfabrik, nicht aber die Firma Scholl verkaufen wollte. Daraufhin wurde der Einstellungsbeschluss gefasst: im April 1986 sollten 600 Mitarbeiter gekündigt werden...

Auf das Alarmzeichen aus dem Burgenland setzte der damalige Bundeskanzler Sinowatz sofort eine Arbeitsgruppe ein, die Verhandlungen mit dem Multi aufnehmen sollte. In der Landespoltik kam es zu heftigen Auseinandersetzungen und Diskussionen, da von ÖVP-Seite diese drohende Pleite der Sinn der Ansiedlung derartiger Großbetriebe hinterfragt wurde. Es wurde argumentiert, dass viele Kleinbetriebe mit weit geringerem Einsatz weit höhere Arbeitsplatzsicherheit bieten könnten.

Nach ersten Verhandlungen konnten zunächst günstigere Bedingungen für den Verkauf erreicht werden. Am 11.April 1986 kaufte schließlich die BIBAG die Produktionsanlagen der Fa. Saniped um 30 Millionen Schilling. Dafür wurde von der Landesregierung (einstimmig) beschlossen, einen entsprechenden Kredit aufzunehmen. Alle Versuche aber, einen Schuhfabrikanten für Saniped zu interessieren, schlugen fehl, sodass man sich schließlich bemühte, auch Kontakte zu anderen Branchen aufzunehmen. Es gelang schließlich, die Packard Electric, eine Tochterfirma des General-Motors - Konzerns, für Großpetersdorf zu interessieren. Während die Schuhfabrikation noch weiterlief und nur allmählich Personal abbaute, begann General Motors bereits mit 100 Beschäftigten mit der Fabrikation von Kabelsätzen für die europäische Autoindustrie. So konnte eine größere Arbeitslosigkeit vermieden werden. Im Oktober 1986 unterschrieb die BIBAG schließlich den Vertrag mit General Motors, die bis 1987 600, bis 1988 800 Arbeitsplätze schaffen wollte und für 600 Arbeitsplätze eine Beschäftigungsgarantie auf 8 Jahre abgab.

Die Kosten für die Betriebsansiedlung betrugen 42 Millionen S, von denen zwei Drittel der Bund, ein Drittel das Land beisteuerten. Packard Electric erklärte sich bereit, in Großpetersdorf 110 Millionen S zu investieren. Nachdem der Betrieb erfolgreich lief, erklärte der Geschäftsführer, dass schon im ersten Geschäftsjahr mehr Steuer und Abgaben bezahlt wurden als die Förderung durch die öffentliche Hand betrug.

 LH.Kery zur drohenden Schließung von Saniped:

 "Hier zeigt sich vielmehr .- man kann es wohl gar nicht anders ausdrücken - der amerikanische Kapitalismus in seiner klarsten und brutalsten Form: Erstmals zeichnen sich rote Zahlen für einen Betrieb ab - und schon sollen 600 Mitarbeiter auf der Straße stehen. Das können wir einfach nicht zur Kenntnis nehmen, dieses soziale Unrecht darf nicht zum Tragen kommen."

Pioneer - Ein Großbetrieb expandiert

Von 1985 bis 1989 investierte die Firma rd. 500 Mill. S. Nach 1985 expandierte der Betrieb rasch. Die Beschäftigtenzahl wurde auf 300 verdoppelt, die der Saisonarbeiter auf 400 verdreifacht. Die Zahl der Verträge mit den Bauern wurden von 300 auf 2000 ausgeweitet. Allein im Burgenland stieg die Anbaufläche von 1000 auf 9000 ha. Vor allem ein Liefervertrag mit der Sowjetunion (30 000 t Saatgut jährlich) ermöglichte diese Expansion

Siegendorfer Zuckerfabrik - geschlossen!

"Es geht um eine ganze Region, wir können nicht zulassen, dass hier ohne Rücksicht auf die Menschen ein gut gehender Betrieb einfach geschlossen wird." " Hier wird der billigste Zucker Österreichs hergestellt, hier ist der einzige Standort, an dem Würfelzucker hergestellt werden kann, hier ist die Umweltfrage ... bestens gelöst ..."

AK-Präsident Piller, BF 7.10.1987

 Die Siegendorfer Zuckerfabrik, einer der ältesten Industriebetriebe im westungarisch -burgenländischen Raum, war von der Tullner Zuckerfabrik AG gekauft worden und hatte noch in den 1970er Jahren viel, etwa 500 Mill. S in die Modernisierung der Anlagen investiert. Die betriebswirtschaftlichen Daten sprachen auch durchwegs für ein Weiterbestehen. Umso überraschender kam nach der Fusion der beiden großen Zuckerproduzenten Tullner AG und Sugana der Beschluss, das Werk einzustellen. Man sah den Beschluss im Burgenland als "politische Entscheidung" hinter dem der niederösterreichische Bauernbund stehe und warf dem Raiffeisenverband ebenso wie den Bauernfunktionären der Kammern vor, sie hätten nicht genug gegen die Einstellung getan. Zunächst wurde zwar ein Aufschub bis August 1988 erreicht. Die Eigentümer aber stellten die Schließung im Rahmen ihres Rationalisierungskonzeptes als unerlässlich dar. Die Rübenbauern akzeptierten die Schließung, die Lieferkontingente in die niederösterreichischen Fabriken wurden ihnen weiter zugestanden. Im Jänner 1988 folgte trotz heftiger Proteste in Siegendorf der endgültige Beschluss, die Fabrik zuzusperren. Für den Ort und für die Region bedeutete das den Verlust von einigen hundert Arbeitsplätzen. Unmittelbar danach verlor Siegendorf auch die Klosterkellerei, die von einer niederösterreichischen Getränkefirma langfristig gepachtet wurde.

Die Einstellung der Fabrik hatte andere, schwerwiegende Folgen: Es ging dabei um die Frage, ob auf dem Gelände der Fabrik ein großer Recycling - Park errichtet werden sollte. Die Agrana, der neue Besitzer, plante zusammen mit einem Kärntner Unternehmen eine Anlage für Bodensanierung, Leuchtstoffröhrenrecycling, Redestillation von Lösungsmitteln. Etwa hundert hoch qualifizierte Arbeitskräfte sollten Beschäftigung finden. Dieses Projekt stieß auf heftigste Ablehnung bei der Bevölkerung von Siegendorf und Umgebung. Eine "Bürgerinitive gegen Giftmüll" wehrte sich heftig. Auch der Gemeinderat und schließlich die Landesregierung lehnten das Projekt ab - mit der Begründung, man könne dem Burgenland, das selbst nur wenig Sondermüll produziere, nicht den Großteil der Entsorgung zumuten. Ein weiteres Projekt, eine Leuchtstoffröhren - Recyclinganlage, in der jährlich zwei Millionen Leuchtstoffröhren entsorgt werden sollten, scheiterte etwas später auch in Marz.

Technologiezentren - Auch für das Burgenland?

" Ein echter 'Technologieschub' ist von einer Einrichtung zu erwarten, die sich schon im kommenden Jahr im Burgenland ansiedeln soll und einige Bedeutung für unsere Klein- und Mittelbetriebe erlangen dürfte: Ein 'Technologie - Transfer - Zentrum' wird die Aufgabe übernehmen, burgenländischen Betrieben eine ganze Palette modernster Forschungsergebnisse zu vermitteln und Entwicklungsarbeiten direkt zu unterstützen ... Das Zentrum wird durch einen Vertrag zwischen dem Land und dem Wissenschaftsministerium errichtet und durch die BIBAG sowie das Österreichische Forschungszentrum Seibersdorf betreut. Damit stehen burgenländischen Unternehmen die 500 Mitarbeiter des größten österreichischen Forschungspools sowie eine enorme Datenbank über wissenschaftliche Ergebnisse und technologische Entwicklungen zur Verfügung".

Bericht in der BF

Pressegespräch des BIBAG-Geschäftsführers Dr.Huber:

Dr. Huber teilte ... mit, dass derzeit durch die Rezessionstendenz Interessenten ihre ins Auge gefassten Betriebsgründungen im Burgenland momentan zurückstellen. Die bereits geführten Gespräche wurden aber nicht abgebrochen.Der BIBAG- Geschäftsführer teilte ferner mit, dass seit Bestehen der Gesellschaft mit 114 Unternehmungen Verhandlungen geführt wurden, wobei mit 11 Unternehmungen Vereinbarungen über die Errichtung eines Zweigwerkes beziehungsweise Übersiedlung des Betriebes in das Burgenland getroffen werden konnten. Dadurch ist es gelungen, rund 700 neue Arbeitsplätze zu schaffen. ... Als wichtige Unterlage für die Verhandlungen hat die BIBAG eine Bestandsaufnahme aller im Burgenland wohnhaften Erwerbstätigen (auch Pendler) durchgeführt..."

Gründung eines Technologiezentrums

Von der BIBAG gegründet, nahm ein burgenländisches Technologietransferzentrum am 1.Juli 1989 den Betrieb auf. Leiter wurde ein Wiener Biochemiker, Univ. Prof. Stackelberger, dem ein Assistent beigegeben wurde. Der Leiter kündigte im September 1989 zunächst eine gründliche "Bestandsaufnahme" und dann eine "Bildungsoffensive" an. Er wollte vor allem innovative Jungunternehmer ansprechen. Dann sollte die Einrichtung einer technologieorientierten Beratungsstelle erfolgen.
BF 1975, 28.Mai 1975

Die Industrie des Burgenlandes - Entwicklung und Probleme

Die "Industrialisierung" des Burgenlandes war zu Beginn der 80er Jahre abgeschlossen. Damals wurde sowohl der höchste Anteil an der Bruttowertschöpfung (1981: 34 %, einschließlich Gewerbe und Baugewerbe) wie auch der höchste Beschäftigtenanteil erreicht. Seither ging der Anteil an der Bruttowertschöpfung zurück. Mit 30 % liegt er heute deutlich unter dem österreichischen Durchschnitt. Diese Werte beziehen sich auf den gesamten sekundären Sektor. Betrachtet man die Industrie allein, fällt der Vergleich noch deutlicher aus: 1990 betrug der Anteil der Industrie im Burgenland etwa 13 %, im österreichischen Durchschnitt aber 21 %. Die Bauwirtschaft und das verarbeitende Gewerbe sind im Burgenland aber noch immer wichtiger als im österreichischen Durchschnitt: 1989: Bauwirtschaft im Burgenland 29,7 %, Österreich: 18,8 %; verarbeitendes Gewerbe im Burgenland 25,6 %, in Österreich 17,6 %). Vom Beschäftigtenanteil her hat sich die Position des Burgenlandes verbessert: 39,7 % der Beschäftigten im sekundären Sektor (Österreich : 36,6 %). Während in Gesamtösterreich der Anteil des sekundären Sektors schon stark zurückging stieg er im Burgenland noch immer an! Hier machte sich einerseits die verzögerte Entwicklung des Burgenlandes bemerkbar, andererseits aber auch der höhere Gewerbeanteil, da ja im Gewerbe nicht in dem hohen Ausmaß Arbeitsplätze wegrationalisiert wurden.

Die "Industrialisierung" des Burgenlandes hatte ihre besonderen Merkmale: Zwar wuchs die Wertschöpfung am Höhepunkt dieser Entwicklung sehr rasch, zwischen 1961 und 1981 im Durchschnitt um 9,4 % jährlich (Gesamtösterreich: 1,4 %). Bei genauerer Betrachtung zeigt sich ein besonders starkes Wachstum in jenen Jahren, in denen die Konjunkturlage besonders angespannt war und Arbeitskräfte im übrigen Österreich knapp waren. Dann wurden Betriebe, zumeist Zweigbetriebe, auch im Burgenland gegründet. Schon 1976 war ein deutlicher Rückschlag zu erkennen, die Entwicklung verlangsamte sich, die Zuwächse sanken unter das österreichische Niveau. Zahlreiche Betriebe wurden stillgelegt. Erst in der zweiten Hälfte der 80er Jahre begannen die Produktionswerte wieder stärker anzusteigen.

Die Zahl der Industriebeschäftigten nahm zwischen 1961 und 1990 jährlich durchschnittlich um 2,2 % zu, auch in Zeiten, als sie im übrigen Österreich bereits deutlich zurückging. Zwischen 1981 und 1985 wurden allerdings auch im Burgenland mehr Industriearbeitsplätze stillgelegt als neu gegründet. Der Vergleich mit dem übrigen Österreich zeigt immer wieder, dass das Hauptmotiv für die Industrieansiedlung im Burgenland die Nutzung der noch vorhandenen "Arbeitskraftreserven" war.

Heute arbeiten im Burgenland 243 Industriebetriebe mit 1990 durchschnittlich 49 Arbeitskräften (Österreich: 68). Die Produktivität der burgenländischen Industrie pro Beschäftigten liegt nach wie vor beträchtlich unter dem österreichischen Durchschnitt (insgesamt um ein Drittel). Die regionalen Unterschiede sind beträchtlich: Nordburgenland: -15,6 %, Mittelburgenland - 39,2 %, Südburgenland - 44,4 %. Ähnlich niedrig ist das Lohnniveau. Der Lohnsatz liegt 1990 um etwa 30 % unter dem österreichischen Durchschnitt. Der Frauenanteil an den Beschäftigten ist extrem hoch (etwa 50 %, im Südburgenland sogar 68 %; Österreich: etwa 28 %). Der Anteil der Angestellten und Facharbeiter ist weit niedriger als im österreichischen Durchschnitt.

Die burgenländische Industrie ist also nach wie vor eine Niedriglohnindustrie. In der Branchenstruktur hat es einige Verbesserungen gegeben. Der Anteil der Bekleidungsindustrie, der 1980 fast noch 50 % betrug, ist inzwischen auf etwa 30 % (1990) abgesunken, liegt damit aber noch immer weit über dem österreichischen Durchschnitt (etwa 12 %). Der "Technologiesektor" ist zwar auf über 33 % angewachsen (Österreich 46 %), bei genauerem Hinsehen zeigt sich aber auch hier eine weniger erfreuliche Seite: im Burgenland werden hauptsächlich einfache und standardisierte Komponenten für auswärtige Mutterbetriebe erzeugt. Die burgenländische Industrie hat also auch hier noch immer eine Pufferfunktion für die Innovationszentren. Mit der Internationalisierung der Arbeitsteilung, mit dem Abwandern vieler dieser Produktionszweige in Niedriglohnländer wurde das Burgenland dementsprechend immer uninteressanter. Insgesamt sind viele der burgenländischen Industriestandorte durch die neue Niedriglohnkonkurrenz im Osten Europas gefährdet. Im Lande selbst kam es zu keiner "Initialzündung" ,keinem "take off" in Richtung mehr Qualität. Die Wettbewerbsfähigkeit ist im Rückstand...

"Durch die Öffnung der Ostgrenzen ist die Gefährdung des burgenländischen Industriebesatzes erheblich angestiegen. Nun wirken Sogeffekte eines Lohngefälles von 1:13 aus unmittelbarer Nähe, wodurch die komparativen Standortnachteile österreichischer Randgebiete für Billiglohnproduktionen voll aufgebrochen sind. In der burgenländischen Industrie sind 64 % der Arbeitskräfte in Branchen beschäftigt, die potentiell durch die Ostkonkurrenz bedroht sind. Befragungen haben ergeben, dass in österreichischen Randgebieten fast die Hälfte der Unternehmen (WIFO-Umfrage: 46,2 %, Österreich: 33,4 %) die Produktion nach Osteuropa auslagern wird. Die Chance, die sich aus der Öffnung Osteuropas und durch den EU-Binnenmarkt ergeben, setzen strategiefähige Betriebe voraus, die über ein leistungsfähiges Organisations-, Wissens-,Marketingkapital verfügen. Dieses ist in der burgenländischen Industrie nicht ausreichend vorhanden." Regionalwirtschaftliches Konzept, ÖROK,S.27

Ausblick

Der größte "Vorteil" des Burgenlandes in den vergangenen Jahrzehnten, das hohe Arbeitskräftepotential mit niedrigen Löhnen, fällt weg. Mit den Oststaaten kann das Burgenland nicht konkurrieren. Mit einer weiteren "Industrieansiedlung" ist daher nicht zu rechnen, abgesehen von einigen wenigen günstigen Standorten, die außerdem im Einzugsbereich des Großraumes Wien liegen.

Andererseits bringt die Ostöffnung auch Vorteile. Das Marktpotential weitet sich in Richtung Osten gewaltig aus, die "Zugänglichkeit" wird immer besser. Die Frage ist, wie sehr dieser Faktor für das Burgenland Bedeutung hat, da ja große Landesteile abseits einer internationalen Verkehrsanbindung liegen. Es würden jetzt besonders "innovations- und strategiefähige Betriebe" gebraucht, die die neue Lagegunst nützen können. Solche Betriebe aber hat das Burgenland nur wenige. Es fehlt die "Gründertätigkeit" im Lande selbst, es fehlt ein Unternehmerpotential...

Relativ gut dran ist wieder einmal das Nordburgenland, hier insbesondere die Region Bruck - Hainburg - Neusiedl. Hier stimmen viele Voraussetzungen für Betriebsansiedlungen im großen Stil (gute Verkehrsanbindung durch Autobahn und Bahn, Flughafen Schwechat, freie Flächen, großes Arbeitskräftepotential, auch aus Slowakei und Ungarn, hoher Freizeitwert durch Neusiedler See). In abgeschwächter Form gilt das auch für den Raum Eisenstadt - Mattersburg. Schlecht stehen die Chancen hingegen auch weiterhin für das Mittel- und das Südburgenland. Hier zeigen sich nur wenige Perspektiven, etwa in grenzüberschreitenden Wirtschaftsparks, in punktueller Industrie- und Gewerbeentwicklung.

Die Arbeit der BIBAG

1981 erhielt die BIBAG zwei neue Manager: Mag. Richard Giefing, Beamter der Landesregierung, und Dr. Werner Eckhardt, ein Jurist aus der Handelskammer. Ihre Aufgabe war es, künftige Industrieansiedlungen in die vorgesehenen Schwerpunktzonen zu lenken bzw. Betriebe in das Land zu bringen, die eine qualitativ höherwertige Produktion hatten und damit krisensichere und dauerhafte Arbeitsplätze sichern konnten. Eine Aufgabe, die sich als äußerst schwierig erwies. Durch eine Übereinkunft mit der Bundesregierung wurde eine Sonderförderung für die burgenländische Wirtschaft möglich, die Mitte der 80er Jahre erhebliche zusätzliche Investitionen erlaubte.

1984 etwa wurden mit Hilfe des Sonderförderungsprogramms 370 Arbeitsplätze geschaffen und unter Aufbringung von 60 Mill. S Förderungsmittel 490 Mill. S investiert. Allerdings war die massive Industrialisierung nach wie vor politisch umstritten. Die ÖVP behauptete immer wieder, nur die Großbetriebe würden dadurch begünstigt, Kleinbetriebe hätten keine Chance, würden durch den Förderungsrost fallen. In den drei Jahren von 1984 bis 1987 wurden 297 Wirtschaftsobjekte mit 300 Mill. S gefördert, davon kamen zwei Drittel vom Bund; damit wurde eine Investitionssumme von 1,5 Mrd. S ausgelöst, etwa 8000 Arbeitsplätze "gesichert" und 1300 neu geschaffen.

1986 bekam die BIBAG neue Aufgaben übertragen: Sie sollte die Beratung der Regierung in allen Fragen der Wirtschaftspolitik übernehmen, sie sollte ferner ein Betriebsstandortkonzept entwickeln, das auch die Erhaltung der Konkurrenzfähigkeit der bestehenden Klein- und Mittelbetriebe beinhaltete und sie sollte eine Art Clearingstelle für die burgenländische Wirtschaft werden, um kleineren Gewerbebetrieben größere Marktchancen zu eröffnen.

Im Dezember 1988 erhielt die BIBAG mit dem 46-jährigen Dieter Graschitz, bisher Leiter einer Bankfiliale, einen neuen Geschäftsführer. Er meinte: "Die BIBAG kann nicht nur durch spektakuläre Ansiedlungserfolge berühmt werden. Ihre Zukunft liegt in der Beratung, im Aufzeigen neuer Möglichkeiten, in der Betreuung bereits bestehender Betriebe. Es ist eine Dienstleistungsorganisation ..." (BF 21. 12.1988,S.3)

Ab 1994/95 - Die WIBAG und der EU - Beitritt

Schon während der Beitrittverhandlungen zur EU wurde das Burgenland zur Gänze als förderungswürdiges Gebiet (Ziel -1 - Gebiet, strukturschwaches Gebiet) anerkannt. Nach dem Beitritt zur EU war klar, dass das Burgenland hohe Unterstützungszahlungen aus Brüssel zu erwarten hatte. Zahlreiche Projekte wurden eingereicht. Dazu der Vorstandsdirektor der WiBAG (Wirtschaftsservice Burgenland AG): " Wir können nicht einfach nach dem Gießkannenprinzip vorgehen, vielmehr trachten wir danach, dass das Burgenland einen Entwicklungsschub erfährt. Man muss auf die Qualität achten - sowohl im Tourismus, als auch bei den Betriebsansiedlungen." Ziel sollte sein: Stärkung der Wirtschaftskraft, Abbau der Arbeitslosenrate, Steigerung der fachlichen Qualifikation und eine Verbesserung der Lebenssituation. Geplant ist eine Planungsgesellschaft, die im Feber 1995 gegründet werden sollte.

Die Gründung der WIBAG erfolgte durch Fusion der BIBAG (Burgenländische Industrie- und Betriebsansiedlungs GmbH) mit der Burgenländischen Risiko - Kapitalbeteiligungs AG (BRiKaBAG). Zwischen der WIBAG und dem Land Burgenland wurde ein Treuhandvertrag zur Förderungsabwicklung geschaffen. Von der WIBAG wird erwartet, dass sie die Wirtschaftsförderung rasch, effektiv und ohne Mehrgeleisigkeit abwickelt. Die Förderung soll nach privatwirtschaftlichen Prinzipien erfolgen. Grundlage ist das Landeswirtschaftsförderungsgesetz von 1994. Es soll für Förderungswerber nur mehr einen einmaligen Zuschuss geben.


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