Urgeschichte und Römerzeit

Eine jungsteinzeitliche Siedlung aus der Zeit um 5500 v. Chr. wurde um Unteren Tiefgraben bei der Hotterbrücke an der Straße Richtung Loipersbach gefunden, auf einem sanften, nach Süden geneigten Hang in Bachnähe. Es war dies ein geradezu idealer Standort für die frühen Bauern. Dr. Kaus hat die Siedlung 2002 durch zahlreiche Streufunde lokalisiert. Gefunden wurden Keramikscherben, die eindeutig der Linearbandkeramischen Kultur zuzuordnen sind, Steinwerkzeuge und ein Spinnwirtel. Etwas weiter östlich wurde Keramik der Badener Kultur mit Fingertupfenverzierungen gefunden. Sie gehören bereits der Kupferzeit an, aus der auch ein höchst bemerkenswertes Tonfass von fast 40 cm Länge stammt. Es wurde bei Bachregulierungsarbeiten schon 1895 gefunden und befindet sich im Ödenburger Museum. Aus der Hallstattzeit stammt ein Gräberfeld im Hadspitzwald in der Nähe der Verbindungsstraße von Ödenburg nach Mattersburg. 1979 wurden bei einer Vermessung 30 Grabhügel gezählt. Davon sind nur 14 ungestört. Die Grabhügel waren ursprünglich etwa 3 m hoch. Heute sind die meisten mit 80 bis 100 cm kaum mehr zu erkennen. 1882 wurden einige der Hügelgräber fachgerecht untersucht. Neben dem in einer später vermoderten  Holzkiste abgelegten Leichenbrand wurden zahlreiche Tonscherben gefunden. Die Gräber sind der Zeit von 700 bis 600 v. Chr. zuzuordnen. 1924 führte Hautmann zwei weitere Grabungen durch. Aus der La Tène - Zeit stammen zwei keltische Lanzenspitzen und ein Schwert von den Eglseeäckern sowie eine keltische Nachbestattung in einem Hügelgrab im Hadspitzwald, ein Frauengrab mit Halsring und Armreif (im Naturhistorischen Museum in Wien).

In der Römerzeit war das Gebiet von Schattendorf, in unmittelbarer Nähe der bedeutenden Römerstadt Scarbantia - Ödenburg gelegen, natürlich dicht besiedelt. Eine wichtige Straße führte von der Stadt über Schattendorf am Südrand des Marzer Kogels über Walbersdorf durch die Wr. Neustädter Pforte. Siedlungsstellen und Friedhöfe aus der Römerzeit finden sich an mehreren Stellen des heutigen Schattendorf. In der Ried Eglsee liegen die Ruinen eines großen römischen Gutshofes (villa rustica). Sie lag einst am Nordufer eines flachen Sees, der vor etwa 200 Jahren nach einer Umleitung des Baches austrocknete. Die ganze Ried ist übersät mit Gefäßscherben, Ziegeln usw. Die vielen Münzfunde ermöglichen es, den Gutshof in die Zeit vom 1. Jahrhundert bis um 400 zu datieren. Ein weiterer römischer Bauernhof lag in der Ried "Unten". , eine Siedlung im Bereich von Brückengasse und Fabriksgasse. Dort wurde 1982 bei einem Hausbau ein sehr interessanter Fund bäuerlicher Geräte aus dem 4. Jahrhundert gemacht: ein größeres und zwei kleinere Pflugeisen, zwei große Seche (Vorschneidemesser zur Auflockerung der Erde), eine Hacke und eine Hypposandale (eiserner Hufschutz für ein Pferd vor der Erfindung des Hufeisens). Ein römisches Ziegelplattengrab aus dem 3. Jahrhundert wurde 1925 in der Zollhausstraße entdeckt. Im Kopfbereich des Skeletts lag eine Charon - Münze, in Ägypten zur Zeit Kaiser Diokletians geprägt. Sehr bekannt sind die beiden römischen Grabsteine, die in der Schattendorfer Kirchhofmauer eingelassen sind. Einer der Grabsteine wurde von Caius Statius Severus, Hauptmann der 13. Legion, für seinen freigelassenen Sklaven Caius gesetzt. Der zweite, stark beschädigte Grabstein weist auf einheimusche romanisierte Kelten hin. Ein weiteres Grabsteinfragment wurde 2002 gefunden.

Aus der Völkerwanderungszeit und dem Frühmittelalter gibt es nur wenige Funde. Aus dem 9. Jahrhundert stammen zwei Armreifen. Im Bereich des Gasthofes Sonnenhof wurden Feuerstellen mit Keramikscherben entdeckt.

Der Ortsname und die Anfänge des Dorfes

Im Jahre 1153 wurde im Testament des Adalbert, der im Auftrag König Gezas II. als Gesandter an den Hof Rogers II. nach Sizilien reiste, dessen Gut Suesla erwähnt. Er vermachte dieses Gut, für den Fall, dass er nicht zurückkehren sollte, der Nemediktinerabtei St. Martinsberg (Pannonhalma). Die Gleichsetzung von Suesla mit Schattendorf ist sehr wahrscheinlich, zumal 1225 die "Suslani" als Nachbarn von Agendorf erwähnt werden. Adalbert kehrte wahrscheinlich unversehrt zurück Jedenfalls findet sich Schattendorf später nicht im Besitz der Benediktinerabtei. Dieser Adalbert war vermutlich einer jener deutschen "Hospites", die nach Ungarn gerufen wurden, um das Land zu kolonisieren und zu christianisieren. Vielleicht gehörte er als Gefolgsmann der Adelsgruppe um die Mattersburg - Forchtensteiner an. Die Suslani könnten slawische Siedler aus der Zeit vor der Anlage der deutschen Dörfer gewesen sein, die das Tal des Zeiselbaches (Tauscherbaches, im Oberlauf Aubaches) rodeten. Darauf deuten auch altslawische Flurnamen in Loipersbach hin. Ihre kleinen Siedlungen lagen vermutlich in Loipersbach am Fuße des alten Kirchberges (heute Friedhof im "Peterer", im Spätmittelalter Peter-Pauls- Kirche), in Schattendorf ebenfalls am Fuße des Kirchhügels ("Vorstadt"). Die Bezeichnung Suslan, Suslen, Susleer, Zvzleen taucht in den Urkunden des 13. und 14. Jahrhunderts noch mehrmals auf. Sadundorf wird der Ort erstmals 1243 genannt, 1346 Sandorph, 1350 Sadundorf, 1387 Schadendorf und wird ab dem 15. Jahrhundert ausschließlich verwendet.

Suslan wird von der slawischen Wurzel "sus" abgeleitet, die Bezeichnung für Ratte oder Ziesel. Schattendorf wäre also "Zeisel(bach)dorf". Der deutsche Ortsname könnte von einem mittelhochdeutschen Personennamen Skato abgeleitet sein. Auffallend ist, dass Scatendorf im Norden gegenüber von Dagendorf (Agendorf) im Süden liegt. Man könnte also auch eine Lagebezeichnung annehmen und ein einzigartiges Ortsnamenspaar vermuten. Zum altslawischen Siedlungsansatz der Suslani oder einem Praedium, einem Gutshof  mit diesem Namen, was das Testament von 1153 nahe legt, könnte also im 12. Jahrhundert im Verlauf der deutschen Aufsiedlung das regelmäßig angelegte Straßendorf Schattendorf gekommen sein.

Mittelalter

Das Ortsgebiet gehörte im 13. Jahrhundert zumindest teilweise zum Gebiet der Komitatsburg Wieselburg. Besitzungen hatte das Kleinadelsgeschlecht der Schattendorfer oder Steinbrunner, die allmählich von den Mattersdorf -  Forchtensteinern  verdrängt wurden. 1243 verlieh König Belá IV. den Grafen Simon und Bertrand für ihre Verdienste im Kampf gegen die Mongolen (Verteidigung von Gran) den Besitz Schattendorf, terram Sadundorf, in der Größe von 10 Hufen aus dem Wieselburger Burgland. Damit begann der Anschluss an die Grafschaft Forchtenstein. 1278 wird als Besitzer von Teilen des Ortes ein Jakob, Verwandter des Gyula, genannt. Sein Besitz fiel an König Ladislaus IV. zurück. Dieser gab ihn an Simon von Mattersburg weiter. 1298 folgten drei weitere Hufen des Matthäus von Schattendorf, die König Andreas III. an Simon gab. Die Kleinadelsfamilie der Schattendorfer ging schließlich im Ödenburger Patriziat auf. Sie waren beim Ödenburger Stadtrichter Wolflo verschuldet. Die Mattersdorf - Forchtensteiner lösten ihre Schulden ein und kamen so in den Besitz weiterer Teile des Ortes. 1312 etwa verkaufte Merth, Sohn des Stefan von Steinbrunn aus einem Zweig der Schattendorfer, weiteren Besitz, darunter auch die Hälfte eines Turmes. Anscheinend besaßen also die Schattendorfer einen Wehr- oder Wohnturm im Ort. Weitere Verkäufe folgten. 1346 gehörte bereits der ganze Ort zu Forchtenstein. Die Mattersdorf - Forchtensteiner verpfändeten aber Teile des Ortes. 1360 etwa gab Nikolaus von Mattersdorf eine Kurie in Schattendorf an seinen Dienstmann, den Ritter Corrardus (Konrad). Zu diesem Besitz gehörte wahrscheinlich auch der Wohnturm. Von Konrad kam dieser Besitz an einen Rauscher. 1387 versetzte ihn Paul von Mattersdorf seinem Dienstmann Seidl (Seiwalt, Seibold) dem Freisinger. Hans von Forchtenstein fügte zwei weitere ganze Lehen hinzu. Später kam dieses Gut wieder an einen Thomas aus der Sippe der Schattendorfer, der in Ödenburg lebte. Michael, der Sohn dieses Thomas, verkaufte den aus vier Lehen bestehenden Freihof an Wolfgang Wagramer aus einer Dienstmannsfamilie der Forchtensteiner, der auch in anderen Orten Edelhöfe inne hatte. Dann kam der Hof an Johann Siebenhirter, kaiserlicher Küchenmeister, und weiters an den Ritter Gregor Gileis, damals Pfleger der Herrschaft Eisenstadt. Durch Erbschaft kam er wieder an eine Wagramer und an deren Gatten Leopold Wulczendorffer, dann durch Kauf an den Wr. Neustädter Bürger Michael Peckl, der auch den Sigleßer Edelhof besaß. Beide verkaufte er dem Hauptmann der Grafschaft Forchtenstein Alexander Schiffer von Freiling. Damit wurde dieser Teil von Schattendorf Teil der Kleinherrschaft Petlau in Sigleß. Der Schattendorfer Edelhof verfiel, die Äcker wurden an die Bauern verpachtet.

Schattendorfer Bauern hatten auch Besitzungen in den Nachbargemeinden, etwa Paul Lang einen Obstgarten in Agendorf. Weingärten besaßen Schattendorfer auch in Ödenburg. Aus dem 15. Jahrhundert sind die Namen von Schattendorfer Bauern bekannt, die ihren Wein nach Ödenburg "flüchteten", das heißt gegen Gebühren in Ödenburger Keller in Sicherheit brachten. Im ältesten Forchtensteiner Urbar von 1498/1500 werden die Schattendorfer Untertanen aufgezählt. Es gab 10 ganze, 9 halbe Lehen und drei Hofstätten. Öde waren ein ganzes Lehen, fünf Hofstätten und zwei Mühlen. Mit den in Baumgarten angesiedelten Kroaten gerieten die Schattendorfer bald in einen heftigen Konflikt um die Hottergrenze. Mehrmals gab es "Rumor und Pluetvergiessen", Eine Kommission musste eingesetzt werden, die die neue Grenze ausmaß.

Frühe Neuzeit

In der Folgezeit machte Schattendorf die Geschichte der Herrschaft Forchtenstein mit, bis zur Übernahme durch die Weispriach. Für die Ablöse der Pfandherrschaft und das Versprechen der Habsburger, die Herrschaft nie mehr zu verpfänden, leistete auch Schattendorf einen hohen Beitrag von 300 Gulden. Das Opfer lohnte sich zunächst. So wie die gesamte Herrschaft erlebte auch Schattendorf unter der Verwaltung der niederösterreichischen Kammer eine Blütezeit. Die Siedlung wuchs stark, große Waldflächen wurden gerodet. Noch immer gehörten 9 Untertanen zur Herrschaft Petlau des Freiherrn Christoph von Rappach. In einem Urbar von 1589 wurden sie erstmals mit verzeichnet. Interessant ist, dass es laut Urbar zwei verschiedene Arten von Lehen gab: die Lehen "auf dem Deutschen" und die etwas größeren Lehen "auf dem Ungarischen". Diese Unterscheidung ging wahrscheinlich auf die hochmittelalterliche Besitzzersplitterung zurück. Es gab 3 deutsche Ganzlehen und 11 Halblehen sowie 5 ungarische Ganz- und 8 Halblehen. Je ein deutsches und ein ungarischen Viertellehen waren im Besitz eines einzigen Bauern. Dazu kamen 6 Hofstätten. Rappach hatte neun Untertanen, die der Grafschaft Forchtenstein als "Vogtholden" unterstellt waren. Das ganze Dorf bestand mit dem Pfarrhof aus 50 Wirtschaften und 54 Häusern. In Schattendorf lebte als Hofstättler Antoni Wordan (Jordan), ein Maurermeister, vermutlich einer der vielen Bauhandwerker, die damals aus Italien, aus dem Gebiet um den Comosee, zugezogen waren. Er arbeitete vermutlich in Ödenburg.

1622 kam Schattendorf mit der Herrschaft Forchtenstein zunächst als Pfand, 1626 als Eigentum an die Esterházy. Nach der "Reincorporation" an Ungarn wurden alle österreichischen Grundbesitzer mit Gewalt enteignet und vertrieben, darunter auch der Freiherr Johann Christoph Urschenbeck, der damals Inhaber der Kleinherrschaft Petlau und damit auch eines Drittels von Schattendorf war (14 Bauernhöfe und außerdem 150 Joch Grund). Seine Besitzungen wurden nun der Herrschaft Forchtenstein angeschlossen. Nikolaus Esterházy verpfändete Schattendorf jedoch sofort wieder. 1628 kam der Ort zusammen mit Krensdorf und einen Teil von Draßburg an die Familie Gáál. 1630 befanden sich Schattendorf, ein Ödenburger Stadthaus und eine Wulkamühle im Pfandbesitz des kaiserlichen Vizehauptmannes von Papá, Georg Husszútóti. Dieser war Kalvinist. er setzte in Schattendorf einen evangelischen Prediger ein, dem es offensichtlich gelang, die gesamte Bevölkerung für die neue Lehre zu gewinnen. Husszútóti vermachte seinen Besitz testamentarisch der Frau Judith Rumi, der Witwe Daniel Esterházys. Sie verlangte von den Schattendorfern so hohe Abgaben und Robotleistungen, dass die Bauern den Gehorsam verweigerten. 1657 ließ sie deshalb die Schattendorfer in ihrem Edelsitz Gattendorf von einem Herrenstuhl verurteilen. Die Schattendorfer wandten sich an Paul Esterházy um Hilfe. Dieser löste das Pfand wohl ein, gab die Pfandgüter aber sofort weiter - auf 10 Jahre an die Paulinermönche. Damit verband er wohl die Absicht, die Pauliner würden Schattendorf wieder katholisch machen. Daraus wurde aber nichts.

Haeretiker und Catholici frigidi

Anlässlich einer Visitation im Jahre 1641 kam es zu einem heftigen Konflikt zwischen den Schattendorfern und den Visitatoren. Die Schattendorfer warfen ihnen falsche Aufzeichnungen bei einer früheren Visitation vor und beschimpften diese, "unter Missachtung der Gottesfurcht und der Anordnung des Erlauchtigsten Herrn Palatin - Grafen und des Ehrwürdigen Herrn Prälaten von Györ mit äußerst beleidigenden Worten". Die Empörung der Visitatoren war groß. Dazu kam noch, dass der Dorfrichter Kaspar Schüerz erklärte, sie könnten schreiben, was sie wollten, die Schattendorfer würden sich nicht darum kümmern. Noch 1659 beklagte der Visitator, dass die Pfarre von "Häretikern" besetzt sei. In diesem Jahr ließ Paul Esterházy, nachdem das Dorf von den Paulinern an ihn zurückgefallen war, auch in Schattendorf Dragoner einquartieren. Diese brachen in das Haus des evangelischen Pfarrers ein und vernichteten angeblich dessen Bücher. Der Pfarrer, den man Festungshaft in Forchtenstein androhte, musste fliehen. Zwischen den betrunkenen Soldaten und der Ortsbevölkerung kam es zu einer Schlägerei. Esterházy verhängte eine hohe Geldbuße über den Ort und es erschienen zwei Franziskaner, die die Aushändigung der Kirchenschlüssel verlangten. Denjenigen, die sich nicht beugen wollten, wurde die Vertreibung angedroht. So wurden die Schattendorfer am 17. und 18. Dezember 1859 nach einer Massenbeichte und einem Eid auf die Bibel wieder katholisch. Sie mussten sich verpflichten, einen katholischen Pfarrer anzustellen. Aber noch 1663 mussten die Visitatoren feststellen, dass  sie erst vor kurzem "bekehrt" worden waren und noch immer "catholici frigidi" wären - "frostige" Katholiken also.

Bevölkerungsentwicklung

Zwischen 1589 und 1675 wuchs die Bevölkerung von Schattendorf stark an, die Zahl der Häuser verdoppelte sich auf 109. Die Ansässigkeiten wurden immer kleiner. Es gab nun 20 Halblehen. 58 Viertellehen, 2 Dreiachtellehen, 4 Achtellehen und 20 Kleinhäusler, 2 Mühlen, eine Gemeindeschmiede und drei Halterhäuschen. Zum Pfarrhof gehörte ein halbes, zum Gemeindehaus ein Viertellehen. Von den alten Familiennamen kamen noch relativ viele vor, die Kuruzzenkriege von 1605 und 1622 dürften nicht allzu verlustreich gewesen sein. Aber auch viele neue Familiennamen tauchen in diesem Jahrhundert bis 1675 auf. Im folgenden Jahrhundert war dann das Wachstum nur mehr bescheiden. Die Verwüstungen durch die Türken 1683, deren tatarische Hilfstruppen am 4. September Schattendorf plünderten und anzündeten, und durch die Kuruzzen 1704 bis 1708 wirkten sich aus, ebenso die Pest und schwere Tierseuchen. 1684 gab es eine Missernte, wie Hans Tschany in seiner Ödenburger Chronik berichtet. Esterhazy beanspruchte zudem die gesamte Weinernte Ödenburgs und der Dörfer um die Stadt, als Entschädigung für die Schäden, die die Türken in seiner Herrschaft angerichtet hatten. Die Begründung war, dass die Stadt den Türken gehuldigt hatte. Der Kaiser musste ihm dieses Ansinnen untersagen. 1684 war auch ein Heuschreckenjahr. 1687 kamen die Heuschreckenschwärme erneut und 1749 wurde der Schattendorfer Wald kahl gefressen.  1725/26 verendete innerhalb eines halben Jahres nahezu der gesamte Tierbestand. Hagelunwetter und Überschwemmungen kamen dazu, etwa 1774 und wieder 1775, 1782, 1802 und 1803. Ein Katastrophenjahr war 1707 mit schwerem Hagelschaden und einem Großbrand. Weitere Brände gab es 1829 und 1830, besonders folgenschwer aber 1834, 1839 und 1841, die jeweils nahezu das gesamte Dorf in Schutt und Asche legten. Zwar waren die meisten Häuser 1841 schon versichert, von den nahezu 60 000 Gulden Schaden war aber nur etwa ein Drittel gedeckt.

1799 verpflichtete sich die Gemeinde zu einer Verbesserung der Schulverhältnisse. 1780 zog die Grundherrschaft das Gemeindehaus mit dem Gemeindewirtshaus ein und richtete dort ein herrschaftliches Wirtshaus ein. 1846 erlaubte die Grundherrschaft auf der Angerried die Errichtung von Curial - Söllnerhäuser für 17 Inwohnerfamilien. Diese zahlten dafür einen jährlichen Hauszins für einen Gulden und mussten 36 Tage Handrobot leisten. 1855 konnten die Verbindlichkeiten vom Grundherrn für 140 Gulden abgelöst werden.

Wirtschaft

Im Vergleich zum 16. Jahrhundert stieg die Abgabenbelastung durch die Grundherrschaft im 17. Jahrhundert erheblich an. Der Ort schloss mit dem Grundherrn Paul Esterházy einen Kontrakt, durch den ein Großteil der Abgaben und Leistungen durch eine Pauschalsumme abgelöst wurde (Deorgi- und Michaeli - Dienst, Torkrin, Robotgeld, Mühlzins ...). 1675 betrug das Contraktgeld 800 Gulden, dazu noch 200 Gulden Quartier- oder Soldatengeld. Als Bannwein musste der Ort 30 Forchtensteiner Eimer ausschenken, dazu noch 10 Eimer auf dem Kleinfrauenhaider Pfingstkirtag. Anstelle von Brennholzlieferungen zahlte die Gemeinde weitere 60 Gulden, das Tazgeld betrug 125 Gulden. An Bergrecht wurden 15 ´1/2 Eimer abgeliefert. Von den Zinsfeldern wurden Getreideabgaben verlangt. Für die herrschaftliche Küche hatte der Ort 300 Hühner, 499 Eier und je drei Schafe und Lämmer zu liefern. Anlässlich des Bannteidings hatte jeder Hauswirt einen Groschen zu zahlen.

Schattendorf war ein Ort, in dem der Getreideanbau am wichtigsten war. Er wurde auf etwa 1000 Joch Ackerland betrieben. Nach 1857/60 wurden weitere 200 Joch Wiesen in Ackerland umgewandelt. Die Getreideerträge waren relativ hoch. Der Weinbau ging zwar noch auf das Mittelalter zurück, war aber flächenmäßig nicht sehr bedeutend. Nach einem Forchtensteiner Bergbuch von 1570 gab es nur 28 1/4 Viertelweingärten, je etwa zur Hälfte auf dem "Khoglhuet" und im "Grilnpuchl" (Krippelberg). Sie befanden  sich zu 59 % in den Händen der Schattendorfer, die allerdings auch Weingärten in den Nachbarorten besaßen. Bis 1589 wurde die Weingartenfläche stark ausgeweitet, sie betrug nunmehr 74 1/2 Viertelweingärten, fast alle im Besitz der Einheimischen. Die Ausweitung erfolgte vor allem in der Ried Langenleiten. Im 18. Jahrhundert wurde die Weingartenfläche nochmals stark ausgeweitet. Die Qualität des Weines war aber nicht sehr hoch. Der Wein diente vor allem dem Eigenbedarf. Die Reblauskatastrophe vernichtete dann einen Großteil der Weingärten. 1965 wurde mit etwa 50 ha wieder der Umfang des 19. Jahrhunderts erreicht.

Grundentlastung

1848, nach der Niederschlagung des ungarischen Aufstandes, wurden auch in Schattendorf Soldaten einquartiert, 1850 etwa 56 Mann und 64 Pferde, ab 1851 ein Teil eines Kürassierregimentes,  erneut eine schwere Belastung für den Ort. 1853 wurde die 1848 beschlossene Grundentlastung durchgeführt. 165 Bauernhöfe auf 37 2/8 Sessionen erhielten das Verfügungsrecht über ihren Urbarialgrund. Dafür übernahm die Entschädigung an die ehemaligen Grundherrn der Staat. Die für die Bauern verbleibende Belastung war aber ohnedies noch hoch genug. 1863 wurden in einem Vertrag mit den Esterhazy auch die Rodungsgründe, die Remanentialgründe, die Pachtgründe und das Bergrecht abgelöst. Der verbleibende fürstliche Besitz wurde kommassiert. Die Esterhazy erhielten ihren Grund mit sehr guten Böden an der Grenze zu Baumgarten. Für 139 Joch Rodungsgründe mussten 8365 Gulden bezahlt werden. Von den 184 Joch Hofzinsgründen behielten die Esterházy die Hälfte, die andere Hälfte musste mit 80 Gulden pro Joch von den bisherigen Nutzern abgelöst werden, zusammen 7388 Gulden. Der hohe Anteil an Remanentialgründen, fast 280 Joch, kostete weitere 8212 Gulden, zusätzlich die seit 1848 berechneten 5 % Zinsen pro Jahr. Dazu kam noch die Ablöse des Bergrechtes. Insgesamt hatte das Dorf nahezu 34 000 Gulden Ablöse zu zahlen, ab 1864 in Halbjahresraten auf 18 Jahre. Von den 296 Joch Hutweide behielten die Esterházy 120 Joch. Davon stifteten sie insgesamt etwa 5 Joch - für den Pfarrer, den Lehrer, für arme Kinder, für Baum- und Reitschule sowie für die Vergrößerung des Friedhofes. Wald und Weide des Dorfes wurden nicht aufgeteilt, sie blieben im gemeinsamen Eigentum.  1879 wurde die "Urbarialgemeinde" gegründet.

Weitere Entwicklung im 19. Jahrhundert

1854, 1861 und 1862 gab es wider Brände. Verwaltungsmäßig wurde Schattendorf 1870/71 beim Bezirk Ödenburg belassen. Es war eine Kleingemeinde mit einer Gemeinderepräsentanz und einem Gemeindevorstand mit Richter, Vizerichter Geschworenen und einem Kreisnotär, ab 1886 auch mit Waisenvater und einem Kreisarzt, der seinen Sitz allerdings in Ödenburg hatte. Zum Kreisnotariat Schattendorf gehörten auch Baumgarten und Klingenbach. Nach der Einführung der Zivilehe 1894 wurde die staatliche Matrikelführung eingerichtet. Das Kreisnotariat wurde auch Matrikelbezirk. 1882 bis 1891 gab es in Schattendorf auch ein Postamt. 1889 wurde die Freiwillige Feuerwehr gegründet.

1900 war Schattendorf noch überwiegend ein Bauerndorf. Von den 1902 Einwohnern lebten noch 63,4 % von der Landwirtschaft, 24,1 % von Industrie und Gewerbe, 3,8 % vom Handel und 1,4 % vom Verkehr sowie 0,8 % vom öffentlichen Dienst bzw. von Freien Berufen. 4,8 % lebten vom Taglohn. Der sozialökonomische Wandel war aber um die Jahrhundertwende schon voll im Gange. 1010 wurden von den 2159 Einwohnern nur mehr 52 % der Landwirtschaft, hingegen schon 34,4 % der Industrie und dem Gewerbe zugezählt. Besonders stark angestiegen waren die Beschäftigten im Verkehrswesen, von 26 auf 82 Personen (hauptsächlich Eisenbahner). Die Zahl der Taglöhner ging von 92 auf 13 zurück.

Im Dorf gab es nur die üblichen, für den lokalen Bedarf arbeitenden Handwerksbetriebe. 1901 errichtete die Firma Brix eine Pfeifenfabrik. 1903 stellte sie die Produktion ein, um sie 1906 wieder aufzunehmen. Arbeit fanden die Schattendorfer zum Teil in den Ödenburger Fabriken.

Eisenbahnbau

Von größter Bedeutung für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung Schattendorfs war der Bau der beiden Eisenbahnlinien, zwischen denen der Ort liegt. Als eine der frühesten Eisenbahnlinien wurde die Wr. Neustadt - Ödenburger Bahn schon 1847 fertig gestellt. Auch wenn sie zunächst wenig frequentiert wurde - auch wegen der hohen Fahrpreise - schuf sie doch viele neue Möglichkeiten für das übervölkerte Dorf, in dem die Landwirtschaft schon längst nicht mehr in der Lage war, allen Menschen Erwerbsmöglichkeiten zu bieten. Mit der Bahn wurde es möglich, als Wochenpendler in Wien zu arbeiten, wo in der "Gründerzeit" wegen des enormen Baubooms viele Bauarbeiter benötigt wurden. Von 1872 bis 1879 wurde dann auch noch die Raaberbahn von Ödenburg nach Ebenfurt errichtet und damit ein direkter Anschluss nach Wien geschaffen.

Zwischenkriegszeit

Im 1. Weltkrieg hatte Schattendorf 83 Gefallene zu beklagen. Bei der Explosion in der Munitionsfabrik in Wöllersdorf im September 1918 starben 12 Frauen aus Schattendorf. Die Not war sehr groß, die ohnedies oft nur sehr geringen Unterstützungsbeträge wurden vielfach nicht ausbezahlt. Etwa 700 Personen waren unterversorgt. Vor allem Kriegerwitwen und allein stehende Alte traf die Not besonders.  In den Auseinandersetzungen um das zukünftige Schicksal Deutschwestungarns kam es natürlich auch in Schattendorf zu großer Verunsicherung. Die Arbeiter waren überwiegend für den Anschluss an Österreich. In der Bauernschaft war man wohl für die deutsche Autonomie, aus politischen Gründen einem Anschluss an Österreich gegenüber skeptisch. Am 18. November 1918 wandte sich die Bevölkerung gegen ihren Notär Géza Bak. Dieser musste aus dem Ort fliehen, seine Kanzlei und seine Wohnung wurden verwüstet. Während der Rätezeit übernahm auch in Schattendorf ein "Arbeiter-, Bauern- und Soldatenrat die Gemeinde. Nach dem Ende der Rätezeit wurde wieder die alte Gemeinderepräsentanz eingesetzt. Wie das Christliche Ödenburger Tagblatt  vom 7. Feber 1921 berichtete gab es eine große Volksversammlung in der Pfeifenfabrik. Redner waren Hans Ambroschitz von den Großdeutschen, der spätere Chefredakteur des Freien Burgenländers, Ludwig Leser von den Sozialdemokraten und Karl Unger von den Christlichsozialen. Sie legten ein eindeutiges Bekenntnis für den Anschluss an Österreich ab und fanden in der Bevölkerung große Zustimmung. Bemerkenswert war, dass es der Christlichsoziale Unger wagte, sich gegen die Geistlichkeit zu wenden, die von der Kanzel aus für Ungarn agitierte.

Nach dem Anschluss an Österreich war die Gefahr für Schattendorf und seine Nachbargemeinden noch nicht vorbei. Die Ungarn verlangten eine Grenzberichtigung, und zwar das ganze Gebiet von der Siegendorfer Zuckerfabrik bis nach Loipersbach.Sie argumentierten mit der Wasserversorgung Ödenburgs. Die betroffenen Gemeinden richteten Bittschriften an die Interalliierte Grenzbestimmungskommission und an den Völkerbund. Demonstrationen  und Kundgebungen fanden statt. Mitte März 1922 kam die Grenzbestimmungskommission aus Vertretern Frankreichs, Großbritanniens, Italiens, Japans, Österreichs und Ungarns in das Gebiet, am 22. März nach Schattendorf. Die Bevölkerung äußerte eindeutig den Wunsch nach der Zugehörigkeit zu Österreich. So wurde der Grenzverlauf im Herbst 1922 von der Botschafterkonferenz bestätigt. Noch war die Grenze nicht undurchlässig. Ab Mitte der 1920er Jahre wurden die Übertrittsbestimmungen wieder gelockert, Schattendorfer konnten wieder in Ödenburg arbeiten, etwa im Baugwerbe oder als landwirtschaftliche Arbeiter bei der Stadt Ödenburg. Der Schmuggel nahm Ende der 1920er Jahre stark zu. Wurde jemand erwischt, verlor er die Grenzübertrittsbewilligung. Die Bäuerinnen konnten ihre Milch wieder nach Ödenburg bringen und nützten den Rückweg, um in Ungarn weit billigere Nahrungsmittel  (Eier, Wein, Brot, Mehl ...) in geringen Mengen über die Grenze zu bringen. In Richtung Ungarn wurde Zucker geschmuggelt. Anfang der 1930er Jahre war der Schmuggel dann nicht mehr zu kontrollieren. Er nahm größere Ausmaße an. Vieh und Getreide wurde über die Grenze gebracht. Immer häufiger wurden bewaffnete Schmugglerbanden tätig und es kam zum Schusswechsel mit den Zollbeamten. Die Zöllner bekamen Militärassistenz. Wer erwischt wurde hatte hohe Strafen zu zahlen oder wanderte gar in den Arrest. Am 22. Juli 1932 kam es zu einem schlimmen Zwischenfall. Der Schattendorfer Michael Pinter wurde beim Bahnhof Loipersbach - Schattendorf von einem Zollwachebeamten erschossen. Die Empörung im Dorf war groß, die Gendarmerie musste verstärkt werden. Pfarrer und Bürgermeister versuchten in ihren Begräbnisansprachen zu beruhigen. Am 10. Dezember 1932 wurde ein 16jähriger Schattendorfer, der vom Schmuggeln zurückgekehrt war, von einem Zollwachebeamten angeschossen und starb im Spital.

Nach dem Anschluss an Österreich wurde Schattendorf zunächst dem Bezirk Eisenstadt zugeteilt, ab 7. April 1922 dem Bezirk Mattersburg. Das Kreisnotariat wurde in Kreissekretariat umbenannt. Es umfasste zunächst neben Schattendorf auch Baumgarten und Klingenbach, ab 7. April 1922 neben Schattendorf  nur mehr Baumgarten. Am 12. August 1922 wurde in Schattendorf eine Gemeindeverwaltungskommission eingesetzt , an der Spitze mit Matthias Grasl und Ludwig Jauner von den Sozialdemokraten, Gregor Pinter von den Christlichsozialen und Johann Müllner von den Großdeutschen. Die erste Gemeinderatswahl am 25. März 1923 brachte den Sozialdemokraten 617 Stimmen und 8 Mandate, den Christlichsozialen 460 Stimmen und 6 Mandate. Bürgermeister wurde Johann Grafl, Vizebürgermeister Johann Tranker (Christlichsozialer) und Michael Bernhard (Sozialdemokrat).

1924 kam es beim Bau des Zollhauses zu einem Streik der Arbeiter. Ein Streit zwischen politischer Gemeinde und Urbarialgemeinde entzweite die Bevölkerung. Vor allem aber durch den Streit um die Schule wurde die Kluft vertieft. Die Sozialdemokraten wollten die Umwandlung der Volksschule in eine Gemeindeschule, Pfarrer und Christlichsoziale wollten dies verhindern und die katholisch - konfessionelle Schule beibehalten. Der Straßenneubau wurde zwar gemeinsam beschlossen, um die Durchführung wurde ebenfalls heftig gestritten. Nach einem Misstrauensantrag trat der Bürgermeister zurück. Die Konflikte konnten aber nicht beigelegt werden. Der Gemeinderat löste sich schließlich auf. Die Neuwahlen am 8. November 1925 verschoben das politische Gewicht stark in Richtung Sozialdemokraten. Diese erreichten mit 679 Stimmen 10 Mandate, die Christlichsozialen mit 424 Stimmen nur 6 Mandate. Das Klima im Gemeinderat wurde zunehmend schlechter. Die Christlichsozialen legten gegen Gemeinderatsbeschlüsse immer wieder Berufungen ein, denen zum Teil auch stattgegeben wurde.

1925 begannen die Frontkämpfer, in den Bezirken Eisenstadt, Mattersburg und Oberpullendorf Ortsgruppen zu gründen. Die Bemühungen richteten sich dabei vor allem auf die Dörfer entlang der Bahnlinie Ödenburg - Wiener Neustadt, obwohl diese - wie zum Beispiel Schattendorf - bereits eine sozialdemokratische Mehrheit hatten. Man vermutet heute, dass es dabei vor allem um die Sicherung der Bahnlinie ging, auf der eventuelle Waffenlieferungen aus Horthy - Ungarn erfolgen konnten. Die Zusammenstöße mit Sozialdemokraten häuften sich 1925/26. Diese begannen, Schutzbundabteilungen aufzustellen, unter anderen auch in Schattendorf.  Schon im Juni 1926 zeigte sich der Bezirkshauptmann von Mattersburg höchst besorgt und befürchtete weitere Konflikte. Er verbot eine Frontkämpferversammlung in Schattendorf, da die Schutzbündler drohten, diese mit Gewalt zu verhindern. Diese Versammlung fand dann etwa einen Monat später, im Juli 1926, statt. Es kam zu einer Rauferei, selbst Schüsse fielen - ohne zunächst Schaden anzurichten. Ebenfalls in Schattendorf fand das erste große Treffen des burgenländischen Republikanischen Schutzbundes statt.  Es wurde   zu einer Demonstration der Stärke der Sozialdemokratie. Die zahlenmäßig weit unterlegenen Frontkämpfer fühlten sich vom Schutzbund bedroht. Es verging nun kein Wochenende mehr ohne eine politisch motivierte Rauferei. Am 31. Dezember 1926 kam es während einer Sylvesterfeier der Sozialdemokraten in Loipersbach erneut zu tätlichen Auseinandersetzungen. Zwei Frontkämpfer wurden verhaftet.

Für den 30. Jänner 1927 meldeten die Frontkämpfer in Schattendorf eine Versammlung an. Die Führer des Schutzbundes sahen darin eine Provokation. Sie bezeichneten die Frontkämpfer als Monarchisten und - was in der damaligen Zeit ein besonders schlimmes Schimpfwort war und tatsächlich kaum zutraf - als "Magyaronen", also als Ungarnfreunde, die die Abtretung des Burgenlandes an Österreich rückgängig machen wollten. Dementsprechend verbittert reagierten die Frontkämpfer. Als nun auch die Schutzbündler für den gleichen Tag in Schattendorf einen Aufmarsch ankündigten, war der Konflikt vorprogrammiert. Dabei sollte der Organisator des Schutzbundes und frühere Angehörige der Volkswehr, Oberleutnant Hoffmann, sprechen. Die Schutzbundveranstaltung war nicht angemeldet. Das war auch der Grund, warum der Gendarmerieposten  Schattendorf keinerlei Vorkehrungen treffen konnte. Nicht alle Schutzbündler waren mit diesem harten Konfrontationskurs einverstanden, manche warnten vor den Folgen, einige Gruppen lehnten die Teilnahme ab. Thomas Preschitz, der Schutzbundführer des Bezirkes Mattersburg, wollte die Kraftprobe. Seine Person verschärfte den Konflikt noch, denn Preschitz war in nichtsozialistischen Kreisen als Angehöriger des Volksgerichtshofes in der Zeit der Räterepublik äußerst verhasst.

Der 30. Jänner 1927 verlief äußerst turbulent. Schon bald nach der Ankunft der Schutzbundabteilungen aus Draßburg, Baumgarten und Klingenbach in Schattendorf kam es zu den ersten Zwischenfällen. Schutzbündler drangen in das Vereinslokal der Frontkämpfer im Gasthaus Tscharmann ein und begannen dort zu randalieren. Der Sohn des Wirtes gab Alarmschüsse ab, worauf die Gendarmerie erschien und die Streitenden trennte. Das Ziel von Preschitz war es, die Frontkämpferversammlung zu verhindern. Er ließ die Schutzbündler, etwa 150 Mann, zum Bahnhof Loipersbach - Schattendorf marschieren. Die aus Loipersbach kommenden, etwa 40 Frontkämpfer wurden mit Waffeneinsatz gezwungen, umzukehren. Unmittelbar darauf traf am Bahnhof der Zug mit den Frontkämpferführern aus Niederösterreich und Wien ein. Es waren dies etwa zehn Personen, unter ihnen Hauptmann A. Seifert, der Oberst Hiltl vertrat, und der Sekretär der Frontkämpfervereinigung, Josef Landgraf. Auch sie wurden von den Schutzbündlern attakiert und mussten im Bahnhofsgebäude Schutz suchen. Erst nach Eintreffen der Gendarmerie konnten sie unter deren Schutz zu Fuß entlang der Bahnlinie in Richtung Mattersburg abziehen.

Um etwa vier Uhr nachmittags zogen die Schutzbündler, die sich nun ganz als "Sieger" fühlten, ins Dorf zurück. Als sie am Gasthof Tscharmann vorbeikamen wurden Drohungen laut, Steine wurden in Richtung Gasthaus geworfen und immer mehr Schutzbündler lösten sich aus der Kolonne, um gegen das Wirtshaus der Frontkämpfer vorzudringen. Einige von ihnen drangen in den Hof und in die Küche ein.

Im Gasthaus war die kleine Schar der örtlichen Frontkämpfer versammelt. Sie mussten voller Zorn ihre Niederlage zur Kenntnis nehmen. Sie fühlten sich im Recht, da ihre Versammlung ja behördlich genehmigt war, die Sozialdemokraten hingegen diese verhindert hatten. Die Söhne des Wirtes, Joseph und Hieronimus, der Schwiegersohn Johann Pinter und einige andere Frontkämpfer bekamen es mit der Angst zu tun und zogen sich in die Wohnräume des Hauses zurück. Dort standen seit den Ereignissen am Vormittag geladene Gewehre bereit. Joseph Tscharmann gab einige Schüsse auf die gegenüberliegende Hausmauer ab, um die Eindringlinge aus dem Hof zu vertreiben. Hieronimus Tscharmann und Johann Pinter schossen von einem vergitterten Fenster aus in Richtung Straße. Die Schrotpatronen hatten eine verheerende Wirkung. Mehrere Personen wurden schwer, einige leicht verletzt. Ein siebenjähriger Schüler aus Schattendorf und ein kriegsinvalider Schutzbündler aus Klingenbach  starben. Die Schützen flohen anschließend über die nahe Grenze nach Ungarn. Dabei wurden sie beschossen. Später kehrten sie zurück und stellten sich dem Gerichtsverfahren, das bekanntlich vor einem Geschworengericht mit ihrem Freispruch endete.

Während die Ereignisse in Schattendorf und im Burgenland zur Besinnung und Ernüchterung führten, kam es in Wien und Wr. Neustadt zu Demonstrationen und Streiks. Während des Begräbnisses am 2. Feber wurde in ganz Österreich ein viertelstündiger Generalstreik durchgeführt. Am 3. Feber kam es auch im Nationalrat zu turbulenten Szenen.Im Sommer wurde der Prozess gegen die Schützen von Schattendorf vor einem Geschworenengericht in Wien durchgeführt. Sie wurden, da man ihnen Notwehr zubilligte, freigesprochen. Das Urteil hatte am 15. Juli die bekannten, furchtbaren Folgen: Brand des Justizpalastes, Einsatz der Polizei, 90 Tote und hunderte Verletzte. Die politischen Gegensätze wurden unüberbrückbar.

Die Gemeinderatswahlen vom 20. März 1927 brachten den Sozialdemokraten 728 Stimmen und 9 Mandate, den Christlichsozialen 456 Stimmen und 6 Mandate. Johann Grafl blieb Bürgermeister. Die hohe Arbeitslosigkeit, die sinkenden Einnahmen und wohl auch die inneren Gegensätze lähmten die Arbeit für die Gemeinde. Wenn man von der Elektrifizierung absieht wurde in der gesamten Zwischenkriegszeit nur wenig in der Gemeinde geleistet. Ein Problem war das Fehlen eines Postamtes. Schattendorf und Loipersbach wurden von Marz aus nur unzulänglich versorgt. 1927 wurde schließlich in Schattendorf ein Postamt eingerichtet. Im Jänner 1925 wurde auf Initiative Pfarrer Kleindls die Raiffeisenkasse gegründet. 1928 folgte ein Sparverein der Kleinbauern und Arbeiter. Ende 1933 wurde die Milchverwertungsgenossenschaft errichtet. 1926 errichtete die Gemeinde in der Gartengasse ein Haus für den Gemeindearzt mit Ordinationsraum. Auch die Post wurde in dem Gebäude untergebracht. Gemeindearzt war Dr. Alfred Berger, der wegen seiner jüdischen Herkunft 1938 in die USA emigrieren musste.

 Streitigkeiten gab es mit den Nachbargemeinden Baumgarten und Loipersbach  um die Beiträge, die diese zum Kreissekretariat zu leisten hatten. In dieser Frage wurde ein Kompromiss gefunden. Der Amtmann stellte seine Frau als Hilfskraft an und diese wurde von Loipersbach entlohnt. Auch die Streitigkeiten um die Schule hörten nicht auf. Das Gebäude gehörte dem römisch-katholischen Schulstuhl, die Schule war eine Gemeindeschule. Die Gemeinderatswahl von 1931 brachte den Sozialdemokraten 512 Stimmen und 7 Mandate, den Christlichsozialen 428 Stimmen und 6 Mandate und einer Oppositionspartei 198 Stimmen und 2 Mandate. Die Oppositionsparte stellte mit Johann Trimmel den Bürgermeister, Johann Grafl (Soz. Dem.) und Johann Bauer (Chr.S.) wurden Vizebürgermeister.

1932 wurde ein Schmuggler aus Schattendorf in der Nähe des Bahnhofes Loipersbach - Schattendorf von einem Zollwachebeamten erschossen. Der Schmuggel hatte in dieser Zeit einen großen Umfang angenommen. Die Wirtschaftskrise traf die Schattendorfer besonders schwer, da viele der Maurer und Hilfsarbeiter arbeitslos wurden. Im Oktober 1932 waren schon 350 Personen arbeitslos.

1934 mussten die Sozialdemokraten aus dem Gemeinderat ausscheiden. Im Juli 1936 wurde ein Dollfußdenkmal errichtet, das die Nationalsozialisten im März 1938 abtragen ließen.  Trimmel blieb bei der Ergänzungswahl im Mai 1934 Bürgermeister. Die Landesregierung bestellte schließlich über Vorschlag der Vaterländischen Front die 15 Mitglieder des Gemeindetages. Sie wählten Johann Bauer zum Bürgermeister. Auch in Schattendorf hatte inzwischen die Hinwendung zum Nationalsozialismus begonnen.

Bei der Volksabstimmung vom 10 April 1938 stimmten alle 1582 Stimmberechtigten für den Anschluss an das Deutsche Reich. Am 17. Mai 1938 ernannte Landeshauptmann Portschy den Maurer Michael Plank zum Gemeindeverwalter. Im 2. Weltkrieg hatte der Ort 120 Gefallene und 65 Vermisste zu beklagen. Neben Dr. Berger wurde auch die jüdische Kaufmannsfamilie Nussbaum vertrieben. Chlodhilde Nussbaum und ihr Sohn Siegfried gingen nach Palästina, ihre Töchter Elsa und Karoline kamen im Konzentrationslager ums Leben. Ihr Sohn Adalbert fand in Frenkreich eine neue Heimat.

Ab November 1944 wurden etwa 150 bis 200 ungarische Juden nach Schattendorf gebracht. Von SA und Volkssturm bewacht wurden sie in den drei Gasthäusern und in Privathäusern untergebracht. Sie wurden zu Arbeiten am "Ostwall" eingesetzt. Ende März 1945 waren noch 50 kranke Juden im Gasthof Grafl. Sie wurden wenige Tage vor Einmarsch der Roten Armee abtransportiert. An den Begräbnisstätten der 33 in Schattendorf verstorbenen Juden wurden von der israelitischen Kultusgemeinde und bezahlt von der Republik Österreich drei Gedenksteine aufgestellt. Sie werden vom Verein Shalom betreut.

Nachkriegszeit

Nach der Besetzung durch die Russen, die ohne Kampfhandlungen, aber mit den üblichen schweren Ausschreitungen gegen die Zivilbevölkerung vor sich ging, wurde Michael Pinter als Bürgermeister eingesetzt. Am 8. September bildete sich ein provisorischer Gemeindeausschuss, in dem 7 Vertreter der SPÖ, 5 der ÖVP und 3 Kommunisten vertreten waren. Bürgermeister blieb Pinter, Vizebürgermeister waren Johann Bauer und Stefan Simon.  Die ehemaligen Nationalsozialisten mussten die Schanzgräben einebnen. Schattendorfer wurden auch zu Aufräumarbeiten am Bahnhof Wr. Neustadt zur Zwangsarbeit eingesetzt. Der letzten Kriegsgefangene kehrte erst im November 1950 heim.   Wegen der großen Unsicherheit gab es ab Feber 1946 eine ständige Nachtpolizei mit vier Mann und ab April auch drei Flurhüter.

Unmittelbar nach dem Krieg lebte auch der Schmuggel wieder auf. Es gab noch keine österreichische Zollwache. Die Grenze konnte noch mit Passierscheinen, die von der Gemeinde ausgestellt wurden, überschritten werden. Wer von der ungarischen Zollwache erwischt wurde kam aber in Ödenburg ins Gefängnis. Die Sowjetsoldaten beteiligten sich im großen Stil mit ihren Fahrzeugen am Schmuggel. Ab 1946 wurde die Grenze auch auf österreichischer Seite von Hilfsgendarmen bewacht. Am 14. Mai 1947 stellten sie an der Grenze 117 jüdische Männer, Frauen und Kinder aus Rumänien, die nach Wien und von dort weiter nach Palästina wollten. Man versorgte sie mit Brot und wollte sie beim Bahnhof zurück nach Ungarn abschieben. Die Ungarn waren aber nicht bereit, sie zu übernehmen. So mussten sie drei Tage an der Bahnbrücke, sozusagen zwischen Ungarn und Österreich, ausharren. Schließlich wurden sie im Gasthaus Ferstl einquariert und einige Tage lang versorgt. Ein sowjetischer Major und zwei ungarische Offiziere brachten sie schließlich nach Ödenburg zurück. Ihr weiteres Schicksal ist nicht bekannt.

Erste Wiederaufbaumaßnahmen waren die Instandsetzung des Gemeindeamtes, der Straßen und die Erweiterung des Stromnetzes. 1947 wurde das Schulgebäude renoviert, in den folgenden Jahren eine Brücke über den Tauscherbach gebaut und der Bach reguliert. Im Mai 1949 wurde Michael Pinter als Bürgermeister das Misstrauen ausgesprochen. Die Gemeinderatswahl vom 26. November 1949 leitete den Jahrzehnte lang ungebrochenen Aufstieg der SPÖ ein. Sie erhielt 886 Stimmen und 11 Mandate, die ÖVP 465 Stimmen und 5 Mandate. Die KPÖ erhielt nur mehr 118 Stimmen und 1 Mandat. Bürgermeister wurde erneut Pinter, später von Stefan Simon abgelöst. Bei den Gemeinderatswahlen von 1954 verschwand die KPÖ, die SPÖ erhielt 12, die ÖVP 5 Mandate, Ab 1957 wurde Matthias Pinter Bürgermeister und blieb es über 20 Jahre. Er machte auch als Landespolitiker Karriere, im Landtag und schließlich als Landtagspräsident. 1951 wurde mit dem Ausbau der Fabriksgasse begonnen, es folgten weitere Straßen, die Bachregulierung, die Kanalisation und der Ausbau der Volksschule. Diese Arbeiten bestimmten die 1950er Jahre. Die großen Auf- und Ausbauvorhaben setzten 1960 ein. Die Gemeinde kaufte von der Pfarre den "Druschplatz" als Baugrundstück für die neue Hauptschule. 1961 wurde von der Urbarialgemeinde ein Grundstück gekauft und 1962 an die Firma Triumph International weiter gegeben, die dort eine Textilfabrik errichtete. Erstmals standen Industriearbeitsplätze im Ort selbst zur Verfügung, wenn auch nur Niedriglohnarbeitsplätze für Frauen. Die Gemeinderatswahl von 1962 brachte der SPÖ 1200 Stimmen und 13, der ÖVP nur mehr 385 Stimmen und 4 Mandate. Die Wahl von 1967 änderte daran nichts. 1963 wurde der Bau der Ringwasserleitung beschlossen und am 6. November 1966 die Hauptschule eröffnet. Zum Schulsprengel gehörten neben Schattendorf auch Loipersbach, Baumgarten und Draßburg. Die Friedhofshalle wurde fertig gestellt und 1971 mit dem Bau des Zentralamtsgebäudes begonnen. 1972 gab es wieder Gemeinderatswahlen. Die SPÖ erhielt 1299 Stimmen und 18 Mandate, eine Namensliste 426 Stimmen und 5 Mandate. Größte Projekte waren neben der Ortskanalisation der Bau des Schwimmbades und eines Sportzentrums. Das Schwimmbad wurde 1976 eröffnet. 1977 trat Matthias Pinter nach 20 Jahren als Bürgermeister zurück. Sein Nachfolger wurde  der Hauptschuldirektor Herbert Pinter. 1984 ging die zentrale Kläranlage in Betrieb.

Bis 1987 stieg der Anteil der SPÖ - Stimmen bei den Gemeinderatswahlen ständig an, bis auf 75,2 %. 1997 sank ihr Anteil auf 69 %. In diesem Jahr trat mit der FPÖ erstmals eine dritte Wahl werbende Kraft auf, die auf Anhieb 12 % der Stimmen und zwei Gemeinderatsmandate erreichte, 2002 aber wieder auf 5 % und ein Mandat absank. 2002 erreichte die SPÖ mit 77,2 % ihr bestes Wahlergebnis. Die ÖVP blieb in der Nachkriegszeit  auf einem Niveau von etwa einem Viertel der Stimmen. 1992 erreichte sie mit 29,2 % ihr bestes Ergebnis, 2002 fiel sie auf 17,8 %. 1972 kandidierte sie nicht, die Namensliste "Josef Grafl" bekam 25,7 % der Stimmen. Auf den Langzeitbürgermeister Matthias Pinter folgte Herbert Pinter, der bei der ersten Direktwahl des Bürgermeisters 70,5 % der Stimmen erhielt. Sein in der Bevölkerung besonders beliebter Nachfolger Alfred Grafl erreichte 2002 sogar 80 %. Seit 2012 ist Johann Lotter Bürgermeister.

Die 1960er und 1970er Jahre waren für den überwiegenden Teil der Schattendorfer Berufstätigen die Zeit des Pendelns, nach Wien als Wochenpendler. Unter der Woche lebten sie in möglichst billigen Quartieren, versorgt mit Lebensmitteln, die sie von zu Hause mitbrachten. Alte, Frauen und Kinder mussten die kleinen Landwirtschaften und die Hausgärten besorgen. Am Wochenende wurde an den vielen neuen Einfamilienhäusern gebaut, wobei die Nachbarschaftshilfe eine wichtige Rolle spielte. Anfang der 1960er Jahre wurde das Wochenpendeln allmählich vom Tagespendeln abgelöst. Pendlerzüge wurden eingerichtet und der Einsatz von Bussen - täglich fuhren bis fünf Busse aus Schattendorf nach Wien - verkürzte die Fahrzeiten, die aber noch immer eineinhalb- bis zwei Stunden hin und zurück betrugen. Erst mit der Verbesserung der Straßen und dann der Bau der Südautobahn bedeuteten eine große Erleichterung. Natürlich kam es auch zur Abwanderung, vor allem gut qualifizierter jüngerer Menschen, die in der Stadt ihren neuen Lebensmittelpunkt fanden.

Bis in die 1980er Jahre war Hausbauzeit. jede freie Minute wurde genützt, um am neuen Eigenheim zu arbeiten. 1945 gab es in Schattendorf etwa 490 Häuser, 1991 waren es 977. Zahlreiche neue Straßenzüge entstanden, die natürlich auch aufgeschlossen werden mussten, mit Kanal, Wasserleitung, Strom. Die Hausbauten wurden trotz der Kapitalarmut durch die Nachbarschaftshilfe möglich. Noch immer gab es  im Dorf zahlreiche Maurer, Zimmerleute, Bauarbeiter. Auch die Wohnbauförderung war wichtig. Jedenfalls konnte in wenigen Jahrzehnten das Wohnungsproblem gelöst werden, der Lebensstandard stieg deutlich an.

Ungarnaufstand 1956

Als Grenzgemeinde war Schattendorf natürlich stark betroffen. Im Oktober 1956 kamen täglich etwa 39 bis 50 Flüchtlinge, am 4. November, nach der Invasion der Sowjetarmee in Ungarn, waren es 500 an einem Tag. Ab 10. November wurden diejenigen, die nicht sofort weiter reisen konnten, im Zollhaus und  in der Schule untergebracht und versorgt. Erst im Dezember endete der Flüchtlingsstrom. Vereinzelt kamen aber noch immer Menschen über die Grenze, nun schon unter Lebensgefahr.

Eiserner Vorhang und Grenzöffnung

In der unmittelbaren Nachkriegszeit war die Grenze noch relativ durchgängig und wurde auch für den Schmuggel genützt. Mit der Errichtung des "Eisernen Vorhanges 1948 war es damit vorbei. Im Frühjahr 1956 wurden die Grenzsperren abgebaut. Bis zur Niederschlagung des Ungarnaufstandes im November konnte man die Grenze wieder ungehindert passieren. Dann wurden die Stacheldrahtverhaue wieder aufgebaut. Die tükischen  Tretminen hatten zahlreiche Unfälle zur Folge. Sie wurden schließlich entschärft, dafür aber etwas hinter der Grenze die "Signalanlage" aufgebaut.

Am 18. April 1989, nach der großen "Wende" in der kommunistischen Welt, begannen die ungarischen Grenztruppen mit dem Abbau der ohnedies längst veralteten  Grenzsperren. Am 27. Juli wurde auch im Bereich Schattendorf damit begonnen.  Bis September 1989 war der Abbau abgeschlossen. Im Sommer 1989 setzte der Strom der DDR-Bürger über die Grenze ein. Etwa 300 Menschen aus der DDR kamen bei  Schattendorf illegal über die Grenze. Ab 11. September wurde dann die Grenze für DDR-Bürger geöffnet. Die illegalen Grenzübertritte, nunmehr von Menschen hauptsächlich aus Rumänien, aber auch aus vielen anderen Ländern nahmen aber weiter zu und verunsicherten die Menschen in den Grenzdörfern. Zwischen 1990 bis 1997 wurden in Schattendorf 4000 illegale Grenzgänger aufgegriffen. Die Bevölkerung begrüßte daher die Aufstockung des Grenzüberwachungspostens auf bis zu 50 Mann und den Assistenzeinsatz des Bundesheeres ab 3. September 1990. Die Soldaten, die in Gasthäusern untergebracht waren, wurden von der Bevölkerung mit Erleichterung aufgenommen. Man fühlte sich wieder etwas sicherer.

Ab 1990 wurde der Grenzübergang nach Agendorf gelegentlich geöffnet und schließlich zum ausgebauten Grenzübergang. Mit vielen tausend Fahrzeugen an manchen Tagen wurde er allerdings auch zur Belastung für den bisher vom Durchgangsverkehr verschonten  Ort.

Die Entwicklung der Pfarre

Obwohl  Schattendorf wahrscheinlich schon im Mittelalter eine Pfarre war gibt es darüber keine Nachrichten. Erst 1503 wird ein Zechmeister erwähnt, der in Ödenburg 400 Mauerziegel kaufte. In den späteren Visitationen wird von einer Glocke aus dem Jahre 1540 gesprochen und ein Wandtabernakel erwähnt, was für eine gotische Kirche sprechen würde. Nach 1583 war ein Melchior Welholz für einige Jahre katholischer Pfarrer in Schattendorf. Ihm sollte Samuel Weinstein folgen, zuvor Kaplan in Ödenburg. Die Schattendorfer weigerten sich aber, ihn zu akzeptieren, ermuntert vom Burghauptmann Kollonitsch. Im Jahre 1590 konnte Georg Rendl, zuvor Pfarrer in Rust, zwar installiert werden, verließ den Ort aber schon nach wenigen Wochen wegen ständiger "Leibs- und Lebensgefahr". Andreas Scherer, der Pfarrer von Ödenburg, befürchtete, die Schattendorfer würden die dem Pfarrer zustehenden Abgaben unter sich aufteilen und ersuchte den Klosterrat, den Ödenburger Benefiziaten Georg Loninger als Pfarrer einzusetzen. Er wurde provisorisch installiert. Der Richter Rappachs in Schattendorf, dazu ein gewisser Krispin Millner und der Gastwirt als Anführer machten Loninger aber große Schwierigkeiten. 1593 wurden der Pfarrer, Richter und Geschworene vor den Erzherzog nach Wien zitiert. Es kam jedoch zu keiner Lösung des Konflikts. 1597 kamen kaiserliche Visitatoren nach Schattendorf. Loninger, der auch in Loipersbach Pfarrer war, sollte die Stadtpfarre Ödenburg übernehmen. Dies war kein verlockendes Angebot, denn der Pfarrhof war in der evangelischen Stadt sehr öde. 1598 starb Loninger nach kurzer Zeit in Ödenburg. Vorübergehend wurde Schattendorf sogar von Rust aus betreut. 1614 war Sebastian Sutor (Schuster) Pfarrer von Rust, Kroisbach und Schattendorf. Unter dem Pfandherrn Hússzotóti wurde Schattendorf, wie die Visitatoren 1641 berichteten, kalvinistisch. Offiziell, also aus katholischer Sicht, gehörte der Ort zur Pfarre Kroisbach. Mit dem dortigen Pfarrer Georg Henke gab es jedoch ständig Streitigkeiten. Kaspar Schüerz (Tschürtz), der Dorfrichter, trat den Visitatoren zu deren Empörung sehr ungebührlich entgegen. 1641 hatte die Kirche einen Holzturm und drei Altäre, von denen zwei völlig leer waren und der dritte "ungeweiht". Die Kirche war in einem desolaten Zustand, das Pfarrhaus vernachlässigt. Der Pfarrer aus Kroisbach kam nur gelegentlich nach Schattendorf. 1859 fand erneut eine Visitation statt. Man verbot den Visitatoren  das Betreten der Kirche. Es gab im Ort nur einige wenige Katholiken. Die Pfründe verwaltete der kalvinistische Prediger. Auch ein Schulmeister war vorhanden. Esterhazy bestellte 1660 den Zisterzienserpater Alberich Leingruber, früher Pfarrer in Neckenmarkt und Mattersburg, zum Pfarrer in Schattendorf. Die Gemeinde baute ihm einen neuen Pfarrhof und gab ihm die zustehenden Pfründe. Schulmeister war Matthias Posch. Es folgten die bereits erwähnten Gewaltmaßnahmen des Grundherrn mit der Stationierung von Soldaten in Schattendorf. 1663 galten dann die Schattendorfer bereits alle als Katholiken, wenn auch nicht mit großer Begeisterung. 1670 war Johann Franz Elenson Pfarrer, ein gebürtiger Wiener. Es gab keine lLagen, vor allem weil der Pfarrer sehr häufig abwesend war, auch zur Zeit der Visitation. Mit der Gemeinde stritt er wegen des Weinausschankes zu Ostern, den er für sich in Anspruch nahm. Die Visitatoren setzten ihn ab. Daraufhin übernahm der evangelische Pfarrer von Loipersbach den neuen Pfarrhof. Es war dies wahrscheinlich Christoph Baumgartner aus Villach, der 1648 in Agendorf von Bischof Musay für Schattendorf ordiniert wurde. 1673 plünderte Oberst Zeuss mit seinen Soldaten den Pfarrhof völlig aus. 1674 war Johann Batalicz, ein dreißigjähriger Kroate aus Schützen am Gebirge, Pfarrer. Er hatte eine junge Frau bei sich, von der er sich trotz mehrmaliger Aufforderungen des Dechanten nicht trennen wollte.  Die Kirche war noch immer in einem sehr schlechten Zustand. Die Visitatoren warfen ihm vor, dass er die Taufen im Pfarrhof durchführte. Hoch interessant ist die Nachricht, dass 1674 schon zwei Matrikenbücher vorhanden waren. Die erhaltenen Matriken beginnen aber erst 1691. Sie könnten 1683, als die Tataren den Ort plünderten und anzündeten, verbrannt sein. Der nächste Pfarrer war Michael Kersnerich, ein Draßburger. Er wirkte etwa 30 Jahre lang in Schattendorf  und war auch Benefiziat in Ödenburg. Er ließ die neue Kirche 1703 erbauen, zunächst noch ohne Turm. Die Glocken hingen auf einem Holzgerüst. Die neue Kirche war nicht mehr dem Heiligen Martin geweiht, sie hatte ein Michael-Patrozinium. Unter ihm verfestigte sich der Katholizismus. Schon Ende des 17. und dann vor allem während des 18. Jahrhunderts gab es schon einige aus Schattendorf stammende Pfarrer und auch Ordensleute. Der Nachfolger hieß Paul Kersnerich aus Ödenburg. Er wirkte von 1708 bis 1712 in Schattendorf. 1713 war Florian Paur Pfarrer, zuvor Kaplan in Eisenstadt. Er besaß zahlreiche Bücher. Er starb 1719. Ab 1720 war der gebürtige Schattendorfer Paul Pinter Pfarrer, dann 1740 bis 1770 Josef Illésy. 1747 wurde der Grundstein für den 22 m hohen Turm gelegt. Als Pfarrer folgten Georg Streitl 1770 bis 1792 und dann Johann Bornträger bis 1822. 1824 bis 1835 war Josef Köberlein Edler von Rittersfeld  Pfarrer, sein Nachfolger der bisherige Pfarrer von Kleinhöflein Andreas Szimeth bis 1848. Michael Lehner war bis 1884 als Pfarrer sehr aktiv, betrieb die Anschaffung einer neuen Glocke, die 1852 geweiht wurde.1854 fand eine große Innenrenovierung der Kirche statt. Nach dem großen Brand von 1854 musste auch das Pfarrhaus renoviert werden. Die Pfarre war zu dieser Zeit reich, sie besaß ein Stiftungsvermögen von 6000 Gulden, davon mehr als die Hälfte fürstliche Schuldverschreibungen. Pfarrer Lehner war sehr angesehen., er wurde 1874 Ehrenkanoniker von Raab. 1881 hielt er in Schattendorf eine Volksmission ab. Lehners Nachfolger war Josef Schuster von 1885 bis 1909, ein energischer und strenger Mann. 1902 wurde im Obstgarten des Pfarrers die neue Schule gebaut. Pfarrer Kaindlbauer, 1909 bis 1916, ließ eine Innenrenovierung der Kirche durchführen. Josef Kleindl, 1916 bis 1928, war ein gebürtiger Antauer, der in die politischen Auseinandersetzungen hineingezogen wurde. Er war mit den Schützen von 1927 verwandt. Seine Position war danach unhaltbar. 1928 übernahm er die Pfarre Gols. Noch im Juni 1927 hatte er den katholischen Burschenverein gegründet. Von 1928 bis 1936 wirkte der Deutschböhme Franz Mayer als Pfarrer. Er war wegen seiner deutschnationalen Einstellung aus seiner Heimat vertrieben worden. Er versuchte vergebens, den tiefen Riss in der Gemeinde zu überbrücken. Der Schulstreit lebte wieder auf. Es gab eine Wahl des Schulstuhls. Die vom Pfarrer und vom alten Schulstuhl aufgestellten Männer erhielten nur 134 Stimmen, eine von den Sozialdemokraten eingebrachte Liste hingegen 428. Diese Wahl wurde aber von der Kirche nicht anerkannt. Eine neuerliche Volksmission war ein Fehlschlag, sie wurde von einem Großteil der Bevölkerung boykottiert. 1929 visitierte Kardinal Piffl die frisch restaurierte Kirche. Erst unter dem nächsten Pfarrer Leopold Müller, 1936 bis 1950, konnten die Gegensätze etwas abgebaut werden. Das katholische Vereinsleben war schon in der Zwischenkriegszeit sehr rege: 1913 entstand der katholische Männergesangsverein "Eintracht", dann der katholische Burschenverein und der Katholische Mädchenbund, 1930 die Katholische Aktion und dann nach dem Krieg 1947 die Katholische Jungschar, 1951 die Katholische Arbeiterbewegung und die Katholische Frauenbewegung, 1967 die Katholische Arbeiterjugend. Im Gegensatz zum leutseligen Müller war Pfarrer Franz Spuller ein Eiferer, der die Messen mit großem Aufwand feiern ließ. Er ließ den Pfarrhof renovieren und den Bau eines Pfarrkindergartens einleiten. Die Aussöhnung der Sozialdemokratie mit der Kirche wurde unter dem allseits beliebten Pfarrer Dr. Karl Bauer vollendet, der 1959 sein Amt antrat. Er blieb bis 1983. Er ließ eine Generalsanierung der Kirche durchführen. Seine Nachfolger waren drei Kroaten und ein in Ungarn geborener Kroate, die alle relativ kurze Zeit in Schattendorf blieben: Franz Grozaj (1983 bis 1987), Josef Prets (1987/88), Mag. Marco Loncar (1988 bis 1990) und Pater Franz Radek (1990/91)  1985 bis 1991 wurde der Altarraum neu gestaltet.1991 wurde Dr. Johannes Fleischhacker Pfarrer. Er blieb bis 1999. Er entschloss sich 1992, den Pfarrkindergarten zu schließen. Verhandlungen mit der Gemeinde über eine Übernahme des Kindergartens blieben erfolglos. 1995 fasste der Gemeinderat den Beschluss, einen neuen Kindergarten zu bauen. Heftige Auseinandersetzungen im Gemeinderat waren die Folge. 1996 wurde der Gemeindekindergarten eröffnet. Das Gebäude der Volksschule gehörte noch immer der Kirche und war nicht im besten Zustand. 1997 wurde dann die Volksschule von der Gemeinde gekauft.  1996 gab es eine Außenrenovierung der Kirche, 2002 eine komplette Innenrenovierung.  Derzeit ist Mag. Johannes Schlegl Pfarrer von Schattendorf. 

Literatur:

Landestopographie. Bezirk Mattersburg. Band III/3

Schattendorf. Seine Geschichte und seine Menschen.