Späte Bronzezeit (Urnenfelderzeit) 1300/1200 - 750 v. Chr.

Ab dem 13. Jh. v. Chr. bildet sich in Mitteleuropa in einer Umbruchszeit, die etwa 200 Jahre andauert, ein großer Kulturkreis, der vor allem durch die Brandbestattung gekennzeichnet ist. Ausgangsgebiet ist die Lausitz, wo die Verbrennung der Toten und die Bestattung des Leichenbrandes in Urnen erstmals fassbar wird. Die Urnenfelderkultur breitet sich im 12. und 11. Jh. bis Spanien, Italien und auf den Balkan aus. Zumeist wird diese Ausbreitung mit der Wanderung der indogermanischen Völker in Verbindung gebracht. Ausläufer dieser Wanderung erreichen die Grenzen Ägyptens ("Seevölker") und Griechenland (Einwanderung der Dorer). Europa nimmt in dieser Zeit wesentliche, bis heute nachwirkende Grundstrukturen an. Im Zuge der Urnenfelderwanderung gelangen Menschengruppen und Kulturelemente in jene Teile Europas, in denen sie dann einige Jahrhunderte später als Völker oder Sprachgruppen fassbar werden. Allerdings ist die heutige Forschung bei der Beurteilung dieser (und ähnlicher späterer) "Wanderungen" sehr vorsichtig geworden. Es muss sich keineswegs ausschließlich um eine rasche Wanderungsbewegung oder gar nur um Kriegs- und Eroberungszüge gehandelt haben. Kleinräumige, allmähliche Bevölkerungsverschiebungen und auch Übernahme von Kulturgütern durch die ansässigen Bevölkerungsgruppen könnten eine wesentliche Rolle gespielt haben. Im 9. Jahrhundert bleibt die Urnenfelderkultur in Mitteleuropa erhalten. In den Randgebieten aber kommt es zu Sonderentwicklungen, die zu eigenständigen Kulturbereichen führen. In Italien etwa treten neben den von Norden her eingewanderten Italikern die Etrusker in den Vordergrund, deren Oberschicht vermutlich von Zuwanderern aus Kleinasien stark geprägt war, auf der Balkanhalbinsel werden nun neben den Griechen auch die Thraker und die Makedonier als eigenständige Gruppen fassbar. Von Osten her wird der Einfluss von Reitervölkern spürbar, die man als "Kimmerier" bezeichnet.
 In Österreich erfasste die Urnenfelderkultur zunächst das Alpenvorland und von dort aus im 12. Jahrhundert auch den Osten, das Karpatenbecken. Ein bedeutendes Zentrum des spätbronzezeitlichen Kupfererzbergbaues lag in Prein an der Rax. Ein großes Gräberfeld wurde in Pitten gefunden. Die berühmten Bronzediademe von Pitten und andere Fundgegenstände wie Gewandnadeln und Bronzegürtel beweisen den großen Reichtum der hier Bestatten. Die älteren Gräber von Pitten sind noch Körpergräber. Später ging man auch hier zur Brandbestattung über.
Im Gebiet des heutigen Burgenlandes setzte die Urnenfelderzeit etwas später ein als in Westösterreich. Die Gräber von Siegendorf gehören etwa noch einer vorurnenzeitlichen Kultur, der Caka-Kultur, an, die aber im 12. Jh. ebenfalls dem Urnenfeldereinfluss weichen musste. Die Csaka - Kultur erstreckte sich über Nordburgenland, Westungarn und die südwestliche Slowakei. In der Csaka - Kiltur gab es noch hügelgräberbestattungen, wahrscheinlich nur für die Oberschicht. Neben Siegendorf sind noch Hügelgräber in Rust, Zagersdorf, vielleicht auch in Gols und Zurndorf gefunden worden.
 

In der Urnenfelderkultur sind dann Grabhügel weitgehend unbekannt.  Ein weiterer wichtiger Fundort ist das Gräberfeld von Leithaprodersdorf mit besonderen Waffenbeigaben. Bei Sommerein und in Eisenstadt wurden Abbildungen der berühmten sanduhrförmigen Schilde der Spätbronzezeit gefunden. Charakteristisch für diese Zeit sind auch Bronzedepotfunde, etwa aus Oberloisdorf, Donnerskirchen oder Draßburg. Die Metallerzeugung und Verarbeitung erreichte einen beträchtlichen Umfang. Eventuell wurden auch die Erze von Badersdorf und Woppendorf am Csaterberg abgebaut. Die Burganlage von Velem (St. Veit, Velem-St.Vid bei Güns/Köszeg) war jedenfalls ein bedeutendes Zentrum der Metallbearbeitung.
 

Typisch für die Urnenfelderkultur sind große Befestigungsanlagen, die man als Adelssitze und Stammeszentren deutet. Sie bestanden dann in der Hallstattzeit ohne erkennbarem Bruch weiter. Diese Befestigungen werden auf einzeln stehenden Bergen oder auf Geländespornen angelegt und werden durch mächtige Wälle und Gräben gesichert. In ihnen stehen Wohngebäude, vielleicht der führenden Familien, aber auch Werkstätten und Speicher. Auch die Marktplätze liegen vermutlich innerhalb dieser Anlagen. Die Verstorbenen werden mit Waffen und Schmuck verbrannt, der Leichenbrand wird in einer Urne beigesetzt. Weitere Behälter mit Speisen und Getränken sowie Waffen und Werkzeuge werden beigegeben.
 In den Alpen und am Alpenostrand, besonders um das Leithagebirge, kommen Steinkistengräber vor. Die Steinkisten sind verziert und haben - wie der berühmte, 1932 in Illmitz gefundene Grabstein - gelegentlich ein "Seelenloch".
 Die meisten Krieger sind mit Speeren oder Lanzen, Schwert, Dolch und Schild ausgerüstet. Helme, Brustpanzer und Beinschienen gehören wohl ebenso zur Ausstattung zumindest der wohlhabenden Krieger, werden aber nicht mit bestattet. Das Pferd spielt als Reittier, aber auch als Wagenpferd in der Urnenfelderkultur eine wichtige Rolle. Dies beweisen die Beigaben von Pferdegeschirr. Viele Funde der späteren Urnenfelderzeit zeigen in dieser Beziehung Einflüsse aus dem Osten, vielleicht durch die Kimmerier, die in den südrussischen Steppen lebten, sei es, dass diese bis nach Mitteleuropa vorstießen oder auch nur durch Handelsbeziehungen (Pferdehandel!) die Urnenfelderkultur beeinflussten.
Besonders interessant sind die Ziermotive auf Schmuckstücken und Gefäßen: die "Vogelsonnenbarke", ein Schiff, das in einem Vogelkopf ausläuft, sowie das Sonnenrad und Entendarstellungen. Alle diese Motive haben ihre Parallelen etwa in Griechenland oder selbst bei den "Seevölkern", die Ägypten bestürmen und nur mit Mühe abgewehrt werden können.
 

Die Hügelgräber von Siegendorf


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