Schon in der Moskauer Deklaration von 1943 wurde erklärt, dass sich die Alliierten "in  keiner Weise durch irgend eine Änderung gebunden fühlen, die seit diesem Tag (15. März 1938, Anschluss an das Dritte Reich) in Österreich durchgeführt wurde". Das schloss die Wiedererrichtung des Burgenlandes ein, wenn es die Besatzungsmächte wünschten. In den Verhandlungen der European Advisory Commission in London 1944/45 bestanden die Sowjets auf der Zuteilung des gesamten Burgenlandes an ihre Besatzungszone.

Nach der Besetzung des Landes durch die Sowjetarmee erließ Marschall Tolbuchin, Befehlshaber der 3. Ukrainischen Front, in der ersten Aprilwoche 1945 einen Aufruf, in dem er hieß: " Bis zur Errichtung österreichischer Behörden auf demokratischem Wege durch das österreichische Volk selbst üben die Funktionen der zivilen Gewalt die von den Ortskommandanten der Roten Armee ernannten provisorischen Bürgermeister aus. Die provisorischen Bürgermeister werden der lokalen Bevölkerung entnommen ..." Die Rissen setzten also Bürgermeister ein, häufig Kommunisten, wenn es solche gab, oder Personen, die sich der Besatzungsmacht anbiederten. In vielen Orten wurden auch die Bürgermeister aus der Zeit vor 1938 wieder eingesetzt. Gelegentlich ließen die Ortskommandanten sogar "Wahlen" zu. Das Bürgermeisteramt war freilich nur wenig begehrt, da die Bürgermeister ständig mit Forderungen der Russen konfrontiert wurden und für alles, was nicht funktionierte, persönlich haftbar gemacht wurden. Um diese Bürgermeister entstanden dann "Komitees" oder Gemeindeausschüsse mit Vertretern der zugelassenen drei Parteien. Im August 1945 ordneten die Bezirkshauptmannschaften die Bildung von Gemeindeausschüssen an, die paritätisch mit Vertretern der SPÖ, der ÖVP und der Kommunisten besetzt werden mussten.

Erste Bemühungen um eine Wiedererrichtung des Landes gab es noch während der "Schlacht um Wien". Am 11. April trafen sich in Mattersburg "Persönlichkeiten aus dem politischen Leben der früheren Jahre" - Funktionäre des Ständestaates, Christlichsoziale und Sozialdemokraten, Es bildete sich aus diesem Kreis ein "Provisorisches Landeskomitee" unter der Führung des ehemaligen Christlichsozialen Landesrates Dr. Lorenz Karall. Dieser war Ziegeleibesitzer in Walbersdorf und galt in der nationalsozialistischen Zeit als "politisch Unzuverlässiger". Von sozialistischer Seite kam der Marzer Elektrikermeister Buchinger und einige Tage später auch der frühere Landesrat Dr. Ernst Hoffenreich. Das Problem dieser Gruppe war, dass es unmöglich war, Kontakte zu den anderen Landesteilen aufzunehmen. Im Süden war zudem inzwischen bekannt geworden, dass die Steiermark zur britischen Besatzungszone gehören würde. Daher war die Bereitschaft, sich einem neuen Burgenland unter sowjetischer Herrschaft anzuschließen, gering. In Eisenstadt warnte der dort von den Russen eingesetzte Bürgermeister Elek-Eiweck davor, die Erneuerung des Burgenlandes zu betreiben. Man hatte vor allem Angst vor einer Rückgliederung des Landes an UNgarn. Ein Alarmzeichen war, dass die Russen im nördlichen Burgenland und um Wr. Neustadt ungarische Truppen, die neu aufgestellten 1. und 6. Honvéddivisionen, stationiert hatten.

 

Nach der Wiedererrichtung der politischen Parteien und der Errichtung einer "Provisorischen Österreichischen Staatsregierung" in Wien entstand in Mattersburg am 11. Mai 1945 ein "Provisorischer Landesausschuss". Ihm gehörten drei Sozialisten (Dr. Hoffenreich, Josef Buchinger, Mathias Langecker), drei Christlichsoziale (Dr. Karall, Johann Simon, Dr. Karl Posch) und zwei Kommunisten (Michael Pinter, Franz Michalitsch) an. Man wollte mit Wien Kontakt aufnehmen, um "die durch die Naziverwaltung hervorgerufene Beraubung der Selbstverwaltung und Teilung des Landes, was für dad burgenländische Volk erniedrigend und verletzend war" rückgängig zu machen. In Wien aber dachte man keineswegs an die Wiederherstellung des Landes. In der "Vorläufigen Verfassung" wurde ausdrücklich die Teilung beibehalten. Staatssekretär Dr. Schärf wies die Burgenländer auf die neuerlich auftauchende Gefahr eines "slawischen Korridors" hin und auch Staatskanzler Renner befürchtete neuerliche ungarische Forderungen, Vor allem aber Niederösterreich leistete Widerstand. Im Mai 1945 fand in Eisenstadt eine Bürgermeisterkonferenz statt. Dort erklärten Landeshauptmann Figl, dessen sozialistischer Stellvertreter Helmer und sogar der aus dem Burgenland stammende zweite Landeshauptmannstellvertreter, der Kommunist Otto Mödlagl ihre feste Absicht, den bisherigen Zustand aufrecht zu erhalten. Die Sowjets äußersten sich dazu nicht, schufen aber vollendete Tatsachen. Anfang Juli zogen sie ihre Truppen aus der Steiermark ab und errichteten an der Lafnitz eine neue Demarkationslinie. Damit war die Wiedererrichtung des Burgenlandes eine Tatsache. Am 29. August wurde das "Verfassungsgesetz über die Wiederherstellung des selbständigen Landes Burgenland" beschlossen. Es trat mit 1. Oktober 1945 in Kraft.

Nun entsanden auch wieder burgenländische Parteiorganisationen. Die Führung der SPÖ übernahm der aus Prag zurück gekehrte Luswig Leser. die der ÖVP Lorenz Karall, die der Kommunisten Otto Mödlagl.Sie verhandelten miteinander und setzten am 12. September eine provisorische Landesregierung ein. Landeshauptmann wurde Leser, seine Stellvertreter Karall und Mödlagl. Weitere Mitglieder der Landesregierung wurden Johann Bauer, Anton Frisch und Johann Wagner von der ÖVP, Ignaz Till und Alaois Wessely von der SPÖ und Vinzenz Böröcz von der KPÖ. Die konstituierende Sitzung des Landesausschusses am 1. Oktober 1945 musste im Verwaltungsgebäude der Esterházy stattfinden, da alle wichtigen Gebäude von den Russen besetzt waren. Erst später bekam die Regierung das Schloss Esterházy zugewiesen. Zunächst musste die Landesregierung ihren Sitz in Wien nehmen. Dort entstanden auch die ersten Abteilungen der Landesverwaltung, von denen aber nur das Ernährungsamt voll ausgebaut wurde.

Für den 25. November 1945 wurden die ersten Wahlen, Nationalrats-, Landtags- und Gemeinderatswahlen, angesetzt. Die ÖVP erreichte dabei im Bund wie auch im Burgenland die absolute Mehrheit. Im Landtag hatte sie mit 51,7 % der Stimmen 17 Mandate, die SPÖ mit 45% 14 Mandate. Die Kommunisten konnten nur 3,3 % der Stimmen und ein Mandat erreichen. Landeshauptmann wurde Karall, sein Stellvertreter Leser. Dieser starb aber schon am 30. Oktober 1946 und wurde durch Alois Wessely ersetzt. Landesräte der ÖVP wurden Johann Bauer und Johann Wagner, die der SPÖ Alois Wessely und Hans Bögl.

Literatur:

  • Gerald Schlag, Burgenländische Politik in den Jahren 1934 - 1938 und 1945/46. In: Burgenland 1945. Eisenstadt 1985, S. 49 - 67


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