Eisenstadt

Die Entwicklung der Stadt im Überblick

(nach H. Prickler, Österreichischer Städteatlas, Band Eisenstadt)

1264 wird Eisenstadt als das "kleine Martinsdorf" erstmals urkundlich erwähnt. Der Ort ist aber älter. Im Bereich des heutigen Martinsdomes wurden Spuren einer romanischen Kapelle gefunden, die eindeutig aus dem 12. Jahrhundert stammen. Eisenstadt war ein Bauerndorf mit dreißig Lehen. Noch vor dem 14. Jahrhundert machte der Bevölkerungszuwachs die Aufteilung der Lehen in Halb- und Viertelhöfe erforderlich., zahlreiche Söllnerhäuser entstanden. Im Spätmittelalter wies der Ort bereits die heutige räumliche Struktur der Innenstadt auf: drei annähernd parallel verlaufende Straßenzüge.

Grundherr der Stadt war die Familie Gutkeled, eine Adelssippe deutscher Abstammung, die im ganzen Wulkabecken reich begütert war. Johann Gutkeled erbaute wahrscheinlich die erste Burg in Eisenstadt. Die archäologische Erforschung des Innenhofes hat ergeben, dass dies wahrscheinlich schon im späten 13. oder frühen 14. Jahrhundert geschah. Harald Prickler vermutet, dass der Ort schon 1296 gewisse "Freiheiten" besaß, also vermutlich ein Marktrecht.

1364 fielen die Herrschaft Hornstein und damit auch Eisenstadt an die Kaniszai, einem mächtigen Zweig der Osl - vermutlich ein altes Grenzwächtergeschlecht petschenegischer Herkunft. Sie machten Eisenstadt zum Zentrum ihrer ständig wachsenden Herrschaft im Wulkabecken. 1371 erhielt die Familie Kaniszai von König Ludwig I. das Recht, den zu ihrer Herrschaft gehörenden Ort zu befestigen. Sie bauten auch den inzwischen verfallenen Herrensitz wieder auf. 1373 erhielt Eisenstadt ein herrschaftliches "Stadtrecht". Die Urkunde ist im  lateinischen Original nicht erhalten, die Abschrift bzw. Übersetzung in die deutsche Sprache wurde gelegentlich in ihrer Echtheit angezweifelt, wird aber heute eher für echt gehalten. Sie enthielt bemerkenswerte Rechte. Die Stadt wurde aus der Befehlsgewalt des Burggrafen genommen, durfte Bürgermeister, Richter und Rat (Zwölfer) frei wählen und übte über ihre Bürger die Gerichtsbarkeit, auch die Blutgerichtsbarkeit, aus. In wirtschaftlicher Hinsicht war für die Stadt, deren Haupterwerbszweid der Weinbau war, die Befreiung vom Bergrecht, also vom Weinzehent, besonders wichtig.

Die Befestigungsmauer, die erst im 19. Jahrhundert größtenteils abgerissen wurde, hatte beachtliche Ausmaße. Die Hauptmauer war 7,5 m hoch, ihr war im Süden eine etwas niedrigere Zwingermauer vorgelegt, davor lag der breite Stadtgraben. Es gab zwei stark befestigte Toranlagen. Dieser Befestigung verdankte der Stadt ihren Namen "Eisenstadt". Ebenfalls zur Befestigung trug das Franziskanerkloster bei. 1414 wird es erstmals urkundlich erwähnt, gegründet wurde es wahrscheinlich schon 1386. In der Reformationszeit wurde es säkularisiert und diente als Bürgerspital. 1629 wurde es durch Nikolaus Esterházy wieder errichtet. Reste des gotischen Baues wurden verwendet, der Turm der Kirche ist allerdings erst in der Barockzeit entstanden.

Stadtpfarrkirche war die wesentlich kleinere Martinskirche. Sie wurde 1417 durch eine Stiftung reich ausgestattet. Im frühen 15. Jahrhundert gab es mehrere Benefiziate, deren Zahl bis zur Reformation auf 11 anwuchs, und auch eine Schule. 1463 begann Johann Siebenhirter, kaiserlicher Küchenmeister und Großmeister des St. Georgs - Ritterordens, dem die Herrschaft von Kaiser Friedrich III. verpfändet worden war, mit dem Bau einer neuen, großen Kirche, an der bis ins frühe 16. Jahrhundert gebaut wurde. Von den zwei geplanten gewaltigen Türmen des Westwerkes wurde allerdings nur einer errichtet (1522 fertig gestellt). 1589 vernichtete ein großer Brand nahezu alle Häuser und auch das dreischiffige Langhaus der Kirche stürzte ein. Es wurde erst 1629/30 wieder hergestellt.

Schon Ende des 13. Jahrhunderts sind in Eisenstadt auch Juden nachgewiesen. Gegen Ende des Mittelalters und dann 1529, nach der Vertreibung der Juden aus Ödenburg, wurde der Zuzug stärker. Es kam zu Konflikten mit der Stadt, wobei vor allem die Frage der Gerichtsbarkeit über die Juden umstritten war. Die Juden konzentrierten sich in der Folgezeit immer mehr zwischen Schloss und Bürgerstadt. Ihr Wohnbereich und das Gebiet am "oberen" (westlichen) Tor wurde nach langen Streitigkeiten als Eisenstadt - Schlossgrund der Gerichtsbarkeit der Stadt entzogen.

Zu großen Veränderungen kam es erst im Verlauf des 17. Jahrhunderts. Zunächst hatte der Stadtbrand von 1589 eine Verarmung zur Folge. Fast alle Bürgerhäuser, die Kirche, das Badhaus, die Fleischbänke. das Rathaus und die Schule wurden zerstört. Dazu kam der Türkenkrieg von 1593 bis 1605 und die Einquartierung kaiserlicher Soldaten. 1605 forderte ein Gefecht der Bürger mit den Kuruzzen Bocskays schwere Verluste. Erst im zweiten Drittel des 17. Jahrhunderts brachte der Weinbau wieder zunehmenden Wohlstand und die Herausbildung einer wohlhabenden Patrizierschicht, wozu vor allem Händler, aber auch frühere herrschaftliche Beamte zählten.

1647 übertrug Kaiser Ferdinand III. die Herrschaft Eisenstadt an Nikolaus Etsreházy, der sie schon seit 1622 im Pfandbesitz hatte. 1648 nützte die Stadt diese günstige Gelegenheit, um sich die Stellung einer königlich ungarischen Freistadt zu erkaufen. Sie zahlte 16 000 Gulden und zusätzlich 3 000 Eimer Wein im Wert von 9 000 Gulden. Es dauerte jedoch noch lange, bis die Stadt ihre Freiheit gegenüber Esterházy durchsetzen konnte. Die junge Freistadt erbaute ein repräsentatives Rathaus, dahinter das städtische Zeughaus, einen Getreidekasten und ein städtisches Brauhaus.

1663 ließ Paul Esterházy die alte Burg zum Teil abreißen und durch italienische Baumeister das frühbarocke Schloss errichten. 1672 war es vollendet. Das alte "obere" Stadttor wurde abgerissen und etwas versetzt ein neues Stadttor errichtet. Auf dem Schlossgrund wurde der neue Meierhof errichtet. Auf dem Schlossgrund entstand die "Fürstenstadt", die zeitweise im heftigen Gegensatz zur Bürgerstadt, zur königlichen Freistadt, stand. 1667 bekam auch der Schlossgrund ein Marktrecht, es siedelten sich Handwerker und nach 1671 auch viele Juden an. Die Handwerker erhielten Zunftprivilegien und die Herrschaftszünfte wurden von Purbach nach Eisenstadt verlegt. 1655 wurde der Schlossgrund auch eine selbständige Pfarre.

Schon Nikolaus Esterházy trug erheblich zur Wiedererrichtung und baulichen Erneuerung des Franziskanerklosters in der Stadt bei. Paul Esterházy gründete 1678 das Augustinerinnenkloster, zunächst in einem Bürgerhaus auf dem Hauptplatz, wogegen die Stadt heftig protestierte. Schließlich wurde ein Neubau neben dem Schloss 1687 errichtet. Nach Aufhebung des Ordens wurde an der Stelle des Klosters das esterházysche Zentralverwaltungsgebäude errichtet. Auf der Anhöhe gegen Kleinhöflein errichtete Paul Esterházy zunächst eine Kapelle und ein Spital. Schließlich begann er mit dem Bau der großen Doppelkirche nach den Plänen des Franziskanerpaters Felix Nierinck. Sie sollte eine Apotheose des siegreichen Katholizismus werden. größer als der Kölner Dom. Der Kalvarienberg mit der Kapelle Maria Einsiedeln war 1705 vollendet. 1715 wurde mit dem Bau der Wallfahrtskirche Mariä Heimsuchung begonnen, die aber nur zu einem kleinen Teil fertig gestellt wurde  (nur das Presbyterium). 1772 wurde der Bau eingestellt. 1711 wurde am "Oberberg" ein zweites Franziskanerkloster gegründet. Nach Aufhebung des Klosters war dieses Gebäude (heute Haus der Begegnung) die "Schlosspropstei", also Sitz des Pfarrers der Gemeinde Schlossgrund-Oberberg.

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts entstand an der neuen Kirche eine Siedlung, später Eisenstadt - Oberberg genannt. In die neue Judensiedlung beim Meierhof übersiedelten allmählich die Juden aus der Innenstadt, aber auch viele aus Nikolsburg zugezogene Juden. Das Areal, in dem auch Synagoge, Judenschule und Judenfriedhof untergebracht waren, war sehr beengt. Zeitweise lebten dort 900 Menschen.

Im 18. Jahrhundert entstanden die beiden Vorstädte St. Rochus und St. Antonius. 1759/60 erbaute Paul Esterházy das neue Krankenhaus, das er den Barmherzigen Brüdern übergab. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde auch der Schlossplatz endgültig gestaltet, Hofstallungen, Wagenburg und Hauptwache wurden errichtet. Im umgestalteten Schlosspark wurde die Orangerie gebaut.

Im 19. Jahrhundert wurde die Stadtbefestigung allmählich abgebrochen. Die Einwohnerzahl der Stadt stagnierte. Erst 1897 wurde die Stadt durch den Bau der Verbindungsbahn von Wulkaprodersdorf nach Pressburg an das Eisenbahnnetz angeschlossen. 1900 wurde ein Elektrizitätswerk errichtet.  Der neue Aufschwung der Stadt begann mit dem Anschluss des Burgenlandes an Österreich und mit der Funktion der Stadt als Landeshauptstadt. 1921 wurde der Landtag im Gebäude der ehemaligen Militäroberrealschule (Kaserne) untergebracht, 1925 wurde die Stadt Sitz der Landesregierung. 1929 wurde das neue Landhaus errichtet. Es entstanden zahlreiche weitere neue öffentliche Gebäude, etwa die der Kammern, Krankenkassen, Banken sowie die großen Wohnhausanlagen für Beamte. 1924 wurde der Schlossgrund, 1938 auch die selbständigen Gemeinden Unterberg und Oberberg der Stadt angeschlossen, die jüdische Bevölkerung wurde vertrieben. 1971 wurden die Orte St. Georgen und Kleinhöflein endgültig in die Stadt eingegliedert.

Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Besatzungszeit erfolgte eine rasche bauliche Ausweitung. Neben vielen öffentlichen Gebäuden, vor allem Schulen,  entstanden zahlreiche Wohnhausanlagen und Einfamilienhäuser. Industriebetriebe, Supermärkte, aber auch Ämter wie das Finanzamt und der Sitz der BEWAG siedelten sich im Süden und im Südosten der Stadt an.

Urgeschichte

Wie auf Grund der klimabegünstigten Lage nicht anders zu erwarten weist das Gebiet von Eisenstadt mit St. Georgen und Kleinhöflein eine lückenlose Besiedlung seit der Jungsteinzeit auf. Etwa 50 urgeschichtliche Fundstätten sind bekannt.

Jungsteinzeitliche Siedlungen lagen in der Ebene, an der Wulka, am Eisbach und am Aubach sowie auf den Kirchäckern. Sie sind durch Tonscherben der Linearbandkeramischen Kultur und Steingeräte belegt. Eine besonders schöne, große Steinaxt wurde in der Nähe des Burgstallberges gefunden. Sowohl in der Stadt wie auch in den beiden Dörfern wurden Siedlungen der spätjungsteinzeitlichen Lengyel - Kultur gefunden. Die Badener Kultur ist mit einer sehr schönen Tasse vertreten.

Neuere Erkenntnisse haben ergeben, dass der Burgstallberg wahrscheinlich schon gegen Ende der Frühbronzezeit, um 1800/1700 v. Chr. befestigt war, vielleicht mit einer in Ostösterreich - Westungarn  keineswegs üblichen Trockensteinmauer. Nur auf dem Föllik bei Großhöflein fand sich eine ähnliche Befestigung. Die am Burgstall gefundene Keramik gehört der Draßburger Kultur an. Am esterhazyschen Tiergarten in St. Georgen wurden Gefäße der Wieselburger Kultur gefunden. Drei Bronzespiralarmbänder aus einem Weingarten bei Eisenstadt befinden sich im Landesmuseum. Sie stammen aus der mittleren Bronzezeit.

Von ganz besonderem Interesse ist ein Fund aus der Jüngeren Bronzezeit, der Urnenfelderkultur. 1903 wurde in der Nähe der römischen Villa eine etwa 50 cm hohe Steinplatte gefunden. Sie weist eine Ritzzeichnung auf, die heute als die Darstellung eines "Sanduhrschildes" gedeutet wird. Diese Schilde waren im 13.  und 12. Jh. vor Christus im Karpatenraum in Verwendung und sind  in Ägypten auf den Darstellungen der Schlacht von Kadesch zu finden. Sie wurden von den Hethitern und ihren Hilfsvölkern verwendet. Die Spekulationen über die Herkunft der "Seevölker" aus dem Karpatenraum, die damals den östlichen Mittelmeerraum mit Krieg überzogen, scheinen dadurch neue Nahrung zu bekommen. Eine ähnliche Darstellung wurde bei Sommerein gefunden. Nicht weit vom Eisenstädter Fundort wurden Gräber des 8. Jahrhunderts entdeckt. Unter den Beigaben war unter anderem neben einem reich verzierten Messer ein Rasiermesser mit halbmondfürmiger Klinge aus Bronze und Ringgriff. Dieser Typ kommt hauptsächlich in Etrurien vor. Das Eisenstädter Exemplar wurde inzwischen in vielen internationalen Ausstellungen gezeigt.

In der älteren Eisenzeit wurde der Burgstallberg zu einer Höhensiedlung ausgebaut. Sie war ein Fürstensitz  der Hallstattkultur (Kalenderberggruppe). Unter den vielen Tonscherben fand sich auch eine mit stilisierter Menschendarstellung. 1956 wurde am Südfuß des Burgstalles ein Brandgrab aus der Hallstattzeit mit dem für die damalige Zeit typischen Trinkgeschirrsatz gefunden und in St. Georgen ein Grab aus eben dieser Zeit mit einer besonders schönen Keramiktasse. Relativ wenige Funde gibt es aus der La Tène - Zeit, der jüngeren Eisenzeit. Ein keltisches Gräberfeld und das dazugehörige Dorf wurden in Kleinhöflein gefunden. In einem der Gräber fand sich eine bronzene Gürtelkette mit Pferdekopfhaken.

In der Römerzeit befanden sich auf dem Gebiet der drei Orte mehrere römische Gutshöfe (villae rusticae). Der Gutshof auf den Eisenstädter Gölbesäckern  (südlich der Kaserne) wurde ab 1903 ausgegraben. Das Hauptgebäude war ein prächtiger großer Bau mit einem quadratischen Grundriss (30 x 40 m), mit Mosaikfußböden, Wandmalereien und Fußbodenheizung in einigen Räumen. Die Badeanlage war in einem Nebengebäude, das durch einen gedeckten Korridor mit dem Haupthaus verbunden war. Unter den Funden waren Weihesteine für Silvanus, Diana und Merkur, ein kleines Relief zeigt szenen aus dem Mithraskult und Teile eines Marmortisches werden mit dem frühen Christentum in Verbindung gebracht. Die Villa Rustica wurde wahrscheinlich in der zweiten Hälfte des 1, Jahrhunderts errichtet. Weitere Funde aus der Römerzeit sind der St. Georgener "Attilastein", der Grabstein des Marcus Atilius Amoenus, und eine 12 cm hohe Bronzestatuette des Fruchtbarkeits- und Weinbaugottes  Bacchus - Dionysos ("Bacchus von Eisenstadt", stark vergrößerte Replik beim Kulturzentrum). Neben dem Wein scheint auch schon in der Römerzeit eine Art von Bier bei der keltisch - romanischen Bevölkerung beliebt gewesen zu sein. In der Steinmühle an der Wulka befindet sich ein Grabstein, auf dem ein Curmisag(us), der "Biertrinker", erwähnt wird. Aus der Völkerwanderungszeit ist nur ein kleiner frühawarischer Friedhof bekannt.

Ortsname und erste urkundliche Erwähnung

Im  13. und 14. Jahrhundert wird der Ort als "minor Mortin" bezeichnet, in der (umstrittenen) Urkunde von 1373 als "Wenigmerterstorff", aber auch als Mortunzzaben und Zabemortun. Um die Namensdeutung wurde viel gerätselt.  Die Ableitung vom Martinspatrozinium wäre möglich. Auch an einen Gründer der Siedlung mit Namen Martin wurde gedacht. Ein Zusammenhang könnte mit der Nennung von Großmartinsdorf, Mattersburg, bestehen, das im Hochmittelalter tatsächlich größer war. Nach H. Prickler deutet das Namenspaar auf etwa zeitgleiche Entstehung hin. Auch die spätere Bezeichnung Eisenstadt wurde verschieden gedeutet - vom Eisenhandel bis hin zum Ausfluss des wachsenden Bürgerstolzes, der in der  Siedlung nach der Errichtung der starken Befestigung die "eiserne" sehen wollte. Abgelehnt wird heute zumeist die Gleichsetzung mit dem "castrum quod ferreum vocatur" (eine Burg, die eiserne genannt), das 1118 von Markgraf Leopold III. von Österreich erobert wurde. Die Eisenstädter Burg entstand erst viel später. Die Komitatsburg Eisenburg (Vasvar), auf die sich die Nachricht wohl bezieht, ist hingegen schon 1100 nachgewiesen.

Bei den  Ausgrabungen von 1958 wurden die Reste einer romanischen Kirche und ein achteckiger Karner entdeckt, der vermutlich schon in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts entstanden ist. Der Karner lässt auf eine selbständige Pfarre schließen. Rittsteuer meint dazu, dass Eisenstadt eine "Stephanspfarre" war, also noch zur Zeit Stephans des Heiligen im frühen 11. Jahrhundert gegründet wurde.

Die erste gesicherte urkundliche Nennung erfolgte erst im Jahre 1246. Kardinalbischof Stephan von Praeneste investierte den Kleriker Girold, Neffe des Bischofs Timotheus von Agram, mit der "capella sancti Martini de minore Mortin" und mit anderen Kirchen in der Diözese Raab. Vermutlich war diese "Kapelle" bereits Pfarrkirche. Die Entstehung des Ortes ist also spätestens im 12. Jahrhundert anzusetzen. Darauf deutet auch die Ausgrabung in der St. Martinspfarrkirche (Dom) hin, die die Spuren einer romanischen Kapelle aus dem 12. Jahrhundert entdeckte. Sein Nachfolger war der Raaber Kleriker Girold. Der damalige Papst Urban IV. bestätigte seine Pfründe. Der Papst beauftragte den Erzbischof von Gran, Girold in die ihm von Kardinalbischof Stefan von Praeneste verliehene Martinskapelle einzuweisen.

Herrschaftsgeschichte

Die ersten nachweisbaren Grundherrn waren die aus Schwaben stammenden Gutkeled. Die Siedlung hatte ursprünglich wohl 28 - 30 ganze Lehen. Zu einem Lehen gehörten etwa 30 Joch Ackerland, 3 Weingartensatzen, ein Krautgarten und 3 Waldlüsse. Noch vor dem 14. Jahrhundert fand die Teilung in halbe und Viertellehen statt und es entstanden viele Hofstätten (Söllnerhäuser), die zumeist über 1 1/2 Joch Ackerland, ein Gärtlein, eine Weingartensätze und drei kleine Holzlüsse verfügten. Die Siedlung hatte drei parallele Straßen, die sich im östlichen Teil schmalangerförmig erweiterten. Die Lehen lagen an der mittleren, der Hauptstraße. Diese Hofstellen wurden geteilt und es entstanden die Höfe in der Pfarr- und in der Haydngasse. An der Außenseite dieser beiden Straßen lagen die Hofstätten.

Die Grundherren waren zunächst die Gutkeled von St. Margarethen. Bei der Teilung von 1300 fiel Eisenstadt an Johann von Gutkeled. Nach dem Erlöschen des Hauptzweiges dieser Familie fiel der größte Teil Eisenstadts und St. Georgens anscheinend an den König zurück. Später - der genaue Zeitpunkt ist unbekannt - kam  Eisenstadt an die Kanizsai, die mit der Herrschaft Hornstein und Besitzanteilen in Pöttelsdorf im Wulkaraum Fuß gefasst hatten. 1371 gehörte Eisenstadt jedenfalls den Kanizsai und zu deren Herrschaft Hornstein.  In diesem Jahr erhielten die Witwe Johanns von Kanizsai und dessen Söhne für die "villa seu oppidum Zabamortun" das Mauerrecht. 1373 erhielt Eisenstadt von den Kanizsai wichtige Privilegien, die später als grundherrschaftliches "Stadtrecht" gesehen und von den Eisenstädtern verteidigt wurden. Die Urkunde von 1373, ihre Bestätigung durch den Bischof von Erlau und Erzbischof von Gran Johann Kanizsai, sind beim großen Stadtbrand von 15528 verloren gegangen. An der Echtheit der erhaltenen deutschen Übersetzungen wird aber kaum Zweifel bestehen.  1388 gestattete König Sigismund dem Johannes Kanizsai, Erzbischof von Gran und Reichskanzler, zwei Jahrmärkte in Eisenstadt.

Die Urkunde von 1373 und spätere Bestätigungen sind  also  nicht im Original vorhanden. Es gibt nur deutschsprachige Übersetzungen  aus dem 16. Jahrhundert. So wurden Zweifel an der Echtheit geäußert. Auch der Zeitpunkt der Errichtung der Burg war umstritten. Die im Jahre 1983 im Schlosshof durchgeführte archäologische Untersuchung hat aber wertvolle neue Erkenntnisse gebracht. Im Hof stand offenbar ein später komplett abgerissener Saalbau, der von einer rechteckigen Mantelmauer mit vier Ecktürmen umgeben war. Diese Anlage wurde ins frühe 14. und sogar ins späte 13. Jahrhundert datiert. Die Burg ist also älter als bisher angenommen, der Ort muss schon früh, unter den Gutkeled eine Sonderstellung gehabt haben. Darauf deuten auch die Teilungsverträge. Auch die Namensformen des 14. Jahrhunderts weisen auf eine Sondestellung schon 1296 hin: Mortunzzabou, Zabemortun ... enthalten "szabad" die ungarische Bezeichnung für "frei". Vermutlich gab es also schon viel früher ein Marktrecht und einen Herrensitz bereits unter den Gutkeled. 1296 gab es auch schon eine jüdische Niederlassung, die meist bei einem Herrschaftssitz eingeräumt wurden.

Die Urkunde von 1373 nahm die Bürger von Eisenstadt von der Gerichtsgewalt des Burggrafen von Hornstein bzw. Eisenstadt aus, gestand ihnen die freie Wahl von Bürgermeister, Richter und Rat zu. Die Gerichtsbarkeit der Stadt bezog sich auf alle Angelegenheiten, die "minderen und größeren", also offenbar auch auf die Blutgerichtsbarkeit. Da im 15. Jh. Münzfälscher abgeurteilt wurden - darauf stand die Todesstrafe - scheint die Stadt also tatsächlich die Hoch- oder Blutgerichtsbarkeit gehabt zu haben, wie sie in den Auseinandersetzungen mit den Pfandherrn im 16. Jahrhundert immer wieder behauptete.  Appellationsinstanz blieb aber auch weiterhin die Grundherrschaft. Die Stadt erhielt für 10 Jahre Abgabenfreiheit, danach mussten 70 Pfund Pfennige, je zur Hälte zu Georgi und Michaeli, bezahlt werden. Die Bürger bekamen freien Zu- und Abzug und mussten auch keine "Weisat" - eine Beisteuer zur Hochzeit eines Herrschaftsangehörigen - bezahlen, außer die gaben diese freiwillig. Auch auf die Mitsprache bei der Heirat von Bürgerwitwen und Bürgerkindern verzichtete die Herrschaft.

Zentrum der Herrschaft wurde zunächst aber Hornstein. Die um 1340 im königlichen Auftrag von Stefan Laczkffy erbaute Burg hatte vor allem strategische Bedeutung in der Abwehr der Österreicher. 1364 fiel Hornstein an die Kanizsai. Diese waren anscheinend schon früh bestrebt, an dessen Stelle den Ausbau von Eisenstadt, das weit günstiger als Herrschaftsmittelpunkt gelegen war, zu fördern. Als sie schließlich das Befestigungsrecht erhielten wurde ebenfalls die Wehrfunktion im unsicheren Grenzraum besonders betont. 1372 bekam die Herrschaft Hornstein vorteilhafte Weinhandelsrechte, von denen Eisenstadt profitierte. Parallel zur Verleihung der verschiedenen Rechte wurde gegen Ende des 14. Jahrhunderts die Eisenstädter Burg zu einem repräsentativen Herrschaftssitz ausgebaut. Dort verweilte gegen Ende des 15. Jahrhunderts mehrmals König Sigismund, u. a. anlässlich der Hochzeit eines Kanizsai. Die Burg lag jedenfalls innerhalb der Stadtmauern, einschließlich Wirtschaftsgebäude. Mit der Errichtung der Stadtmauer wurde 1371 begonnen. 1373 wurden die Mauern bereits erwähnt, waren also schon fertig gestellt. 1388 wurde Eisenstadt als "mit Mauern stark befestigt" bezeichnet. Die neue deutsche Bezeichnung (Eisnenstat, Eisnemstat, Eisneinstat) wurde anscheinend davon abgeleitet.  Die Hauptmauer war 7 1/2 Meterhoch, davor lag eine niedrigere Zwingmauer, davor ein Stadtgraben. Über den Graben führten Zugbrücken zu den beiden  Doppeltoren, die mit starken Türmen versehen waren. Das neben der Burg liegende obere Tor (Rote Porten) und die anschließenden Mauerteile waren im 17. Jahrhundert zwischen Stadt und Herrschaft umstritten. Die Nordmauer der Stadt wurde durch die Errichtung des Franziskanerklosters gesichert.  1386 ist es nachweisbar, 1414 wurde das Kloster erstmals urkundlich erwähnt. Es wurde von Johannes von Kanizsa, Bischof von Erlau und Erzbischof von Gran, reich ausgestattet. In protestantischer Zeit soll es Bürgerspital gewesen sein. Aus dem "Hauskloster" der Kanizsai stammt auch die älteste deutsche Handschrift des Burgenlandes. Sie kam aus dem Bodenseeraum und wurde wahrscheinlich von Johannes von Kanizsai, Erzbischof und Kanzler Sigismunds, der am Konstanzer Konzil teilnahm, dem Kloster geschenkt. Es ist dies ein "Märterbuch", eine mittelhochdeutsche Heiligenlegendendichtung. Ein Teil dieser Handschrift ist erhalten geblieben, weil sie später, im 17. Jahrhundert,  als Füllmaterial für die Buchdeckel von Waisenbüchern des esterhazyschen Familienarchivs verwendet wurde.  Erst 1628/29 wurde das Kloster vom damaligen Pfandherrn Nikolaus Esterhazy neu eingerichtet und baulich entsprechend ausgestattet. 1778 wurde der Turm angebaut. Die gotische St. Martinskapelle wurde wurde im 14. Jahrhundert zu einer Pfarrkirche ausgebaut. Im frühen 15. Jahrhundert bestanden mehrere Benefiziate, eine Schule und wahrscheinlich ein Bürgerspital. Die Zahl der Benefiziate stieg bis zur Reformation auf 11 an. 1463 begann Johann Siebenhirter, kaiserlicher Küchenmeister und später Großmeister des von Friedrich III. gegründeten St. Georgs - Ritterordens, mit dem Umbau und der Vergrößerung der Kirche. Siebenhirter bekam von Friedrich III. die Herrschaft Eisenstadt und die Grafschaft Forchtenstein übertragen. Der Bau der Kirche zog sich bis ins frühe 16. Jahrhundert hin und wurde durch päpstliche Ablassdekrete unterstützt. Von den geplanten Türmen wurde nur der 1522 fertig gestellte Nordturm  verwirklicht. Im großen Stadtbrand von 1589 stürzte das Langhausgewölbe der Kirche ein und wurde erst 1628/30, unter dem Pfandherrn Nikolaus Esterházy, erneuert. Im Friedhof zwischen der Martinskirche und der Stadtmauer wurde gegen Ende des 15. Jahrhunderts eine Michaelskapelle errichtet. Sie diente zeitweise als Ersatzkirche für die Martinskirche. 1804 wurde sie abgerissen.

1445 fielen Hornstein und Eisenstadt in die Hände Herzog Albrechts VI. von Österreich. Er verpfändete die Herrschaft an Ulrich Eitzinger. Von seinem Bruder Konrad Eitzinger gelangte sie 1453 an Kaiser Friedrich III., der schon mehrere Herrschaften im Grenzgebiet besaß. Die Habsburger bestätigten die Privilegien sowohl der Stadt wie auch der Untertanendörfer und verboten den jeweiligen Pfandherrn, die Abgaben und Leistungen zu erhöhen. 1463 überließ Friedrich III. die Herrschaft Siebenhirter. Dieser ließ die prächtige Wehrkirche bauen, mit dem starken Turm, und anscheinend auch als Ordenskirche des damals gegründeten St. Georgs - Ritterordens. Der Turm der Kirche wurde erst 1520 oder 1522 vollendet. Siebenhirter erwirkte 1468 von Papst Paul I. ein Ablassdekret zugunsten der Martinskirche.  Zur Grundherrschaft Eisenstadt gehörten zu dieser Zeit St. Georgen, Kleinhöflein, St. Margarethen, Oslip, Schützen a. Geb., Donnerskirchen, Purbach, Oggau, Zagersdorf, Illmitz, Apetlon, Martenhofen (später Wüstung) und Teile der Orte Trausdorf, Wulkaprodersdorf, Antau, Zemendorf, Müllendorf, Marz und Neusiedl a. S. sowie das verödete Dorf Tempfl an der Wulka.

Im Frieden von Preßburg 1491 wurde Eisenstadt den Brüdern Heinrich und Sigmund Prüschenk (Grafen con Hardegg), die sich um das Zustandekommen des Friedens besonders verdient gemacht hatten, als Pfand übertragen. Bis 1509 blieben sie Pfandherrn von Eisenstadt. Im Jahre 1500 legten sie das erste Urbar der Herrschaft an, das für die Forschung äußerst informativ ist. Die Stadt hatte damals 137 Häuser, darunter den Pfarrhof und sechs Judenhäuser. Der Bischof von Wr. Nezstadt hatte ein Haus, ebenso eine Priesterbruderschaft, eine Badstube, eine Hauerzeche und eine Handwerkerzeche. Die Lehen waren schon stark aufgesplittert, es gab nur mehr drei ganze und ein Dreiviertellehen, 16 Halb- und 60 Viertellehen, 17 ganze und 28 kleine oder Teilhofstätten. Die Familiennamen waren in Eisenstadt wie auch in Kleinhöflein und St. Georgen ohne Ausnahme deutsch.

Wirtschaftlich war der Weinbau und Weinhandel von größter Bedeutung, aber auch das Handwerk blühte am Herrschaftssitz auf. Eisenstädter Wein wurde etwa an der Hoftafel König Sigismunds getrunken. Die Eisenstädter zahlten der Herrschaft kein Bergrecht, sie entrichteten lediglich einen kleinen Betrag an die Stadt selbst. Auswärtige Weingartenbesitzer mussten hingegen der Grundherrschaft das Bergrecht in Most abliefern. Die Befreiung vom Dreißigstzoll in Ödenburg und weitere Zollprivilegien waren für die Stadt von größter Bedeutung.

Nach den Türkenkriegen von 1529 und 1532 erlebte Eisenstadt einen beachtlichen Aufschwung. Menschen aus allen deutschsprachigen Gebieten zogen zu, die verödeten Dörfer der Wulkaebene wurden mit Kroaten besiedelt. Kaufleute und Bauhandwerker kamen auch aus "Welschland" (Italien). Die Fluktuation war stark. 1569 bestanden etwa 140 Häuser. 80 der rund 100 verschiedenen Familiennamen von 1500 sind verschwunden. Negativ wirkte sich der Stadtbrand von 1589 und die Kriegsjahre von 1605 und und 1619 bis 1622 aus. Erst in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts setzte ein neuer Bevölkerungsaufschwung ein. In Eisenstadt wurde der Schlossgrund und das Gebiet am neuen Meierhof außerhalb der Stadtmauer  bebaut, in St. Georgen entstanden die 13 Neuhäusl am unteren Ortseingang. Größere Siedlungserweiterungen fanden dann erst im 18. Jahrhundert durch die Anlage der Vorstädte St. Antoni und St. Rochi statt. Außerhalb des unteren Stadttores entstand die Spitalgasse. Dort war schon im 17. Jahrhundert das neue Spital entstanden. 

Die Juden bewohnten 14 alte und 15 neue Häuser. 1671 wurden sie kurzfristig aus der Stadt vertrieben, Paul Esterházy wies ihnen im Bereich des neuen Meierhofes einen Siedlungsplatz zu. Mit Juden aus den alten Häusern in der Stadt und Zuzüglern aus Nikolsburg entstand das Judenstädtl Unterberg. Eine neue Synagoge, ein Armenhaus und ein Friedhof wurden errichtet. Der alte Judenfriedhof im Garten beim Schloss wurde aufgelassen.

Die städtische Autonomie, Kampf um die Hochgerichtsbarkeit

Das Bestreben der Stadt war es stets, ihre Privilegien, "Freiheiten" und "alte Gewohnheiten" zu behaupten und bestätigen zu lassen. Vor allem um die Hochegrichtsbarkeit kam es dabei zu Konflikten. 1509 war Dr. Veit von Fürst, Schwiegersohn des Grafen Heinrich von Hardegg, Pfandinhaber und Hauptmann der Herrschaft Eisenstadt geworden, 1515 dessen Bruder Ernst von Fürst.  und 1528 dessen Sohn Moritz von Fürst. Moritz kam in Konflikt mit der Stadt, die sich bei der niederösterreichischen Kammer beschwerte. Er schaffte das Bürgermeisteramt ab, ließ außerhalb der Stadtmauer kleine Fischteiche anlegen und auch die Benützung des Schwemmteiches verbieten. Die Stadt bekam Recht, das Bürgermeisteramt aber blieb abgeschafft. Noch gravierender waren die Gegensätze zum nächsten Pfadherrn ab 1553, Hans von Weispriach. Dieser griff in Gerichtsverfahren der Stadt, etwa in einem Hexenprozess, ein. Dagegen wehrte sich die Stadt. Die hohe Gerichtsbarkeit wurde schließlich Weispriach zugesprochen.

1571 starb Hans von Weispriach. Die Pfandsumme wurde von der Kammer an dessen Töchter bezahlt und damit kam die Stadt wieder als kaiserliches Eigengut unter direkte Herrschaft der Habsburger. Die Stadt leistete dazu einen Beitrag von 4000 Gulden und erhielt dafür die Zusage, nie mehr verpfändet zu werden. Kaiser Maximilian II. gab der Stadt die Hochgerichtsbarkeit zurück. Der Richter musste von nun an nach seiner Wahl am Neujahrstag nach Wien, um einen Eid zu leisten und "Bann und Acht" zu empfangen. Der Galgen stand an der Straße neben dem Eisbach. Da dieser auch für Delinquenten aus den Dörfern der Herrschaft "benützt" wurde, kam es erneut zu Streitigkeiten. 1581 sprach Kaiser Rudolf die Landgerichtsbarkeit wieder der Herrschaft zu, 1607 bekam die Stadt ihre Gerichtshoheit zurück. Um die Gerichtshoheit über die Juden gab es weitere Streitigkeiten. Der Galgen gelangte an die Herrschaft, die Stadt erhielt einen eigenen Galgen. Gerichtsakte der Stadt sind leider nicht erhalten, sie fielen den Stadtbränden zum Opfer.

Stadtbefestigung, bauliche Entwicklung und Stadtverwaltung in der frühen Neuzeit

Während der Türkenzüge von 1529 und 1532 wurde die Umgebung verwüstet, Eisenstadt hat wahrscheinlich - so wie die meisten Städte - gehuldigt zu haben. Danach wurden Stadtmauern, Türme und Toranlagen in Stand gesetzt und Basteien  gebaut, eine in der Nordostecke (Pulverturm), beim unteren Stadttor und im Süden, an der St. Martinskirche. Die Tortürme und die Basteien wurden mit Kanonen bestückt. Unter Weispriach wurde in der Stadt ein herrschaftliches Brauhaus  und ein Hofstall innerhalb der Mauern, in der Südwestecke, errichtet. Ebenfalls im 16. Jahrhundert gebaut wurde der "Alte Saal" - im Bereich der Tiefgarage vor dem Schloss - den Paul Esterházy dann abreißen ließ. Weißpriach legte nördlich des Schlosses einen Tiergarten an. Am 16. August 1589 brach im Hause des herrschaftlichen Gegenschreibers (Leiter der Kanzlei) Andre Dallinger in der Pfarrgasse  ein verheerender Stadtbrand aus, der neben vielen Bürgerhäusern auch die öffentlichen Gebäude einschließlich des Rathauses und der Kirche vernichtete. Die Bauten des 16. Jahrhunderts verschwanden fast vollständig und wurden durch neue Häuser ersetzt. Die Stadt verarmte im Gefolge dieses Ereignisses.

Der "lange Türkenkrieg" 1593 - 1606 und die Bocskairebellion brachten der Stadt häufige Einquartierungen kaiserlicher Soldaten.1605 kam es vor dem Unteren Stadttor zu einen Kampf mit den Heiducken Bocskais, der in der Bürgerschaft einen hohen Blutzoll forderte. Als Entschädigung für diese schweren Opfer erhielt die Stadt 1611 und 1621 Bestätigungen ihrer Privilegien und Weinhandelsprivilegien sowie 1623 einen zweiten Jahrmarkt. 1655 kamen zwei weitere Jahrmärkte hinzu und ein Wochenmarkt jeden Samstag.

Noch vor 1569 richtete die Stadt in einem Viertellehenshaus ein Rathaus ein. Es lag an der Ecke Marktstraße (Hauptstraße) - Pfarrgassl, gegenüber dem heutigen Rathaus. Vor dem Rathaus lag der "Platz", der Marktplatz. Dort befand sich auch der um 1580 errichtete Pranger. Dieser wurde 1813 auf die Leinwandbleiche vor die untere Stadtmauer versetzt, ist dann aber im späten 19. Jahrhundert verschwunden.  Neben dem jährlich gewählten Richter gab es den aus 12 Männern bestehenden Inneren Rat und den ebenfalls zwölfköpfigen Äußeren Rat.

Der Weinbau als Grundlage des Wohlstandes

Im Spätmittelalter und in der Frühen Neuzeit besaßen alle Bürger Eisenstadts auch Weingärten, ja selbst Kleinhäusler und Inwohner bemühten sich, Weingartenbesitz zu erwerben. Ein beträchtlicher Teil der Weingärten war im Besitz Auswärtiger, was die hohe Wertschätzung  für den Wein aus Eisenstadt beweist. Größte Weingartenried war der Burgstall. Interessant ist, dass das Bergrecht der Eisenstädter an die Stadt, das der Auswärtigen hingegen an die Grundherrschaft bezahlt wurde. Um 1570/1600 umfasste die Weingartenfläche rd. 327 Viertel (ca 140 ha). Die Weingärten zogen such am gesamten Leithagebirgshang hin. Im Spätmittelalter reichten sie noch viel weiter am Hang hinauf, in Bereiche, die heute bewaldet sind. Vor allem die Bodenerosion auf den steileren Hängen war wohl die Ursache für die Aufgabe dieser Weingärten noch im Spätmittelalter.  Zählt man die Weingartenflächen von St. Georgen und Kleinhöflein hinzu kommt man 1579 auf  1200 Viertel (516 ha). In späterer Zeit wurden immer mehr Weingärten in Richtung Wulkaebene ausgesetzt. 1995 betrug die Weingartenfläche 791 ha. Aus den Bergbüchern vom Ende des 17. Jahrhunderts kann man ersehen, dass sich zwei Drittel der Weingartenfläche im Besitz der Eisenstädter Bürger befanden, weit mehr als in den Weinbaugemeinden der Herrschaft. Eisenstadt hatte auch in den Nachbarorten St. Georgen und Kleinhöflein beachtlichen Weingartenbesitz (insgesamt 400 bis 450 Viertel, etwa 170 bis 190 ha). Im frühen 17. Jahrhundert gelang es einigen Weinbauern, ihre Flächen stark zu vergrößern. Die beiden Spitzenbetriebe etwa ernteten in einem durchschnittlichen Erntejahr 600 bis 700 hl, im Spitzenjahr 1637 sogar 2 144 hl. Dementsprechend wohlhabend waren diese Weinbauernfamilien.  Im 18. Jahrhundert wurden viele größere Betriebe aufgeteilt. Es überwogen bei weitem die Klein- und Kleinstbetriebe, die der Ergänzung zum bürgerlichen Handwerk oder Handel dienten.

Im Eisenstädter Schlosskeller wurden bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts die Trauben aus den herrschaftlichen Eigenweingärten in St. Georgen, Eisenstadt, Kleinhöflein, Donnerskirchen, Rust u. a.. die Bergrechtsabgaben, manchmal auch "Anspannweine" (Zwangskäufe von den Untertanen, zu niedrigeren Preisen) gelagert. Der Schlosskeller fasste etwa 3000 bis 4500 hl. Um 1740 wurde der Leisserhof in Donnerskirchen zum fürstlichen Hauptkeller. Von Eisenstadt aus wurde auch der kaiserliche Hof beliefert.

Um 1600 war etwa die Hälfte der Weingärten in der Herrschaft im Besitz Auswärtiger. Deren Ernte durfte zwischen Michaeli und Martini zollfrei über die Leithagrenze ausgeführt werden. Mit diesen Weinen betrieben die niederösterreichischen Besitzer einen umfangreichen Handel mit den "Oberländern". Aber auch die Ortsansässigen hatten das Recht auf Grund verschiedener Privilegien (etwa von König Ludwig I. an die Kanizsai)  ihren Wein nach Mähren. Böhmen und Polen zu verkaufen. Der Transport ging über "Untere Straße", über Preßburg und Sillein nach Krakau) oder über die "Obere Straße", über Niederösterreich, wobei die Donau bei Fischamend oder über die Wiener Taborbrücke übersetzt wurde. Die Stadt Eisenstadt bekam meist ein Durchfuhrkontingent von 4000 Eimern (Ödenburg: 6000 Eimer). Die Käufer kamen aus den Oberländern, holten den Wein ab und organisierten den Transport. Ein einheimischer Weinhändlerstand entwickelte sich erst im 18. Jahrhundert, wobei die Eisenstädter Juden die führende Rolle spielten. Um 1790 wurde die Weinhandelsfirma Wolf gegründet, die im 19. Jahrhundert zum führenden Handelsunternehmen aufstieg. Daneben hatte auch die Firma Samu Unger Bedeutung.  Samu Unger unterhielt während des 1. Weltkrieges auf eigene Kosten ein Spital für 15 Verwundete. Nach dem Krieg verarmte er. Er war der einzige Jude Eisenstadts, der 1938 nicht ausgewiesen wurde. ER starb während des 2. Weltkrieges. Christliche Weinhändler waren die Familie Leinner, die einen Keller im Leinnerhaus und im Husarenstadel  in der Rusterstraße unterhielt. Nach dem 1. Weltkrieg kaufte die Firma Wolf die Kellereien auf.

Reformation und katholische Erneuerung

Der Pfarrer war bis 1539 katholisch. Nach einem Visitationsprotokoll von 1544 hatte die Gemeinde seit fünf Jahren keinen Pfarrer. Bangratius Strassguettel war Benefiziat und Vikar. Sowohl die Pfarre wie auch der Pfarrer waren reich ausgestattet. Die von Fürst - Dr. Veit von Fürst war noch katholisch, Moritz von Fürst war bereits evangelisch -  und die Weispriach waren als Pfandherrn der Meinung, dass sie als Vögte über die Einsetzung der Pfarrer bestimmen könnten. Die Bestätigung durch den Bischof sah man damals nur als Formsache. Das Kloster wurde von Moritz Fürst beschlagnahmt.  Unter Hans Weispriach, seit 1553 Pfandherr,  setzte sich auch in Eisenstadt die lutherische Glaubensrichtung durch. 1551 berichtete der Ödenburger Stadtnotar Jakob, dass die Pfarrer von Groß- und Kleinhöflein, St. Georgen und Krensdorf lutherisch geworden seien.  Mit Georg Eckhel, Ecker  (1556 - 1562)  war ein evangelischer Pfarrer in der Stadt tätig. Er wurde in St.Pölten geboren, war regulierter Chorherr und Pfarrer von Bruck/Leitha. 1556 heiratete er und flüchtete unter den Schutz Weispriachs nach Eisenstadt. Wegen Verhöhnung der alten Zeremonien erhielt er zwei Ermahnungen und zog sich nach Piesting und Enzersfeld zurück. Sein Nachfolger war Florian Peter (1562 - 1568).  Weispriach versuchte, auch die eben erst angesiedelten Kroaten für die Lehre Luthers zu gewinnen. Er berief Stefan Consul, einen Mitarbeiter der slawischen Druckerei, die Hans Ungnad von Weißenwolf nach seiner Emigration in Urach eingerichtet hatte. Weispriach und die Stadt Ödenburg kauften geistliche Bücher in kroatischer Sprache. Ob und wie lange Consul Pfarrer in Eisenstadt war, ist nicht zu klären. Weispriach versuchte angeblich auch, die Juden zu bekehren.  Das Franziskanerkloster wurde aufgelöst, die Einkünfte sollten einem Bürgerspital zugute kommen. Weispriach musste sie jedoch an den Orden zurückgeben. Das Klostergebäude wurde bis 1628, der Wiedererrichtung des Klosters durch Nikolaus Esterházy,  als Verwaltungsgebäude genutzt. Weitere evangelische Pfarrer waren Jakob Beigewitzer, Georg Futterer und Albert Böttinger. Jakob Beigewitzer war 1568 bis 1582 Pfarrer. Er nahm sich besonders um den Schulunterricht an. Unter Stadthauptmann Georg Kollonitsch wirkten dann noch Georg Futterer und der Flacianer Albert Böttinger in der Stadt. 1581 musste Beigewitzer auf Befehl Kaiser Rudolfs II. die Stadt verlassen. Kollonitsch sollte ebenfalls abgesetzt werden, konnte sich aber mit Müh und Not behaupten, musste aber jede Einmischung in die kirchlichen Angelegenheiten vermeiden. Der Klosterrat erhielt den Auftrag, den Prädikanten Beigewitzer abzuschieben und den katholischen Pfarrer Dr. Georg Würffl (Würfel) einzusetzen. Kollonitsch und der Archidiakon Spillinger mussten die Einführung vornehmen. Die Bevölkerung leistete zwar keinen Widerstand, stand aber weiterhin hinter Beigewitzer. Würfel beklagte sich deshalb beim Klosterrat. Er war aber wegen seiner Habgier - er wollte zusätzlich zu Eisenstadt auch noch die Pfarren St. Georgen, Kleinhöflein und Kleinfrauenhaid - und wegen seines üblen Lebenswandels beim Klosterrat nicht sehr beliebt. Spillinger und der Raaber Bischof standen aber zunächst hinter ihm- Es wurde ihm ein junger Kaplan, Johann Honoman, beigegeben. Der Kaplan meldete dem Klosterrat, "der Pfarrer Georg Würffl sey selzhamb, hat ain weib bei Ime, so zuvor ain Pfarrer zu Medling gehabt". Sowohl Würfl wie der Kaplan mussten gehen. Der Kloasterrat setzte mit Johann Hoffmann erst 1586 einen neuen katholischen Pfarrer in Eisenstadt und in Kleinhöflein - gegen den Willen der dortigen Bevölkerung - ein. Hoffmann war ein guter Priester, geriet aber mit den protestantischen Bürgern bald in Konflikt und beschwerte sich, dass diese zu Pfarrer Stock nach Katzelsdorf ausliefen. Deshalb wurde die Bestätigung der Wahl einer neuen Stadtobrigkeit verweigert. Der Klosterrat ermahnte den Stadtrat nach einer kommissionellen Untersuchung, den katholischen Gottesdienst zu besuchen. Aber auch Hoffmann wurde nach Wien zitiert und ermahnt. Nach dem Eisturz des Gewölbes der Stadtpfarrkirche beim Brand von 1589 konnten dort keine Messen mehr gelesen werden. Erneut beschwerte sich Hoffmann beim Erzherzog, "dass die gmein Von der Kirch und Gottesdienst abweichen, Vnd sich zu denen anderen sectischen Predicanten hauffenweis begeben, khomben in keine Khirchen ... Vnd da ich inen gleich mit der Obrigkeit drohe, so geben sy doch nichts darumb, lachen sich die Handt voll, tun Ires gefallens was sie wollen ..." 1593 entsagte Hoffmann offenbar der Pfarre und starb zwei Jahre später. Erst 1596 wurde mit Ambrosius Feigl (bis 1600) ein neuer Pfarrer eingesetzt. 1597 hatte er erst 60 Kommunikanten. Er bekam die Bewilligung, die neben der verfallenen Pfarrkirche stehende Kapelle zur Abhaltung von Gottesdiensten zu verwenden. Auf Feigl folgte Fabianus de Rudolphi (1600 - 1604), der aber wegen seines anstößigen Lebenswandels abtreten musste. Zu dieser Zeit erstarkte der Protestantismus wieder, aobwohl 1599 Kollonitsch gestorben war. Die Stadtverwaltung, vor allem der Richter Simon Gruber, waren evangelisch. Der  katholischen Pfarrer Georg Batthicus (1606 - 1609) begann, die wirtschaftlichen Verhältnisse der Pfarre in Ordnung zubringen. Seine Nachfolger, Joachim Turle (1609 - 1613), ein Wr. Neustädter Benefiziat, und Balthasar Lospüchler waren ungeeignet. Erst unter dem tüchtigen Priester Johann Koch (1614 - 1629) konnte die Katholisierung Fortschritte machen.

Die Pfarre wurde also ab 1581 vom Wiener Klosterrat wieder mit katholischen Priestern besetzt, die evangelische Einstellung der Bevölkerung hielt sich aber noch lange. Dazu trug bei, dass die Pfarrkirche durch den großen Stadtbrand von 1589 verwüstet war. Die katholischen Pfarrer konnten unter diesen Umständen nicht Fuß fassen und wechselten häufig. Die Maßnahmen gegen die evangelischen Bürger waren äußerst scharf. Viele mussten nach Ödenburg abwandern, nicht katholische Personen durften in der Stadt nicht aufgenommen werden. Daniel Gruber etwa, wohl der Sohn des Stadtrichters Simon Gruber, kaufte in Straßburg ca. 140 Bücher, viele davon religiösen Inhalts. Er hatte in Wittemberg und anschließend wohl in Straßburg studiert und  war anscheinend umfassend gebildet. Er verließ Eisenstadt und ließ sich in Ödenburg nieder.  Erst mit der Wiederherstellung der Kirche und des Klosters unter Esterházy konnte die Rekatholisierung sich allmählich durchsetzen.


Die Erhebung zur Freistadt

1622 musste Kaiser Ferdinand II. dem ungarischen Magnaten Nikolaus Esterházy die beiden Herrschaften Eisenstadt und Forchtenstein verpfänden, im Tausch gegen Munkacs. Offiziell wurde dieser Schritt als Belohnung für Esterhazy wegen dessen Verdienste um den Nikolsburger Frieden mit Bethlen gesetzt. Tatsächlich ging es aber darum, Esterházy an die kaiserliche Partei zu binden. Damit wurde das Versprechen der Habsburger von 1572, die beiden Herrschaften niemals wieder zu verpfänden, gebrochen. Eisenstadt machte diese Zusage geltend und blieb weiterhin der niederösterreichischen Kammer unterstellt. Esterhazy drängte aber immer heftiger auf die Eigentumsübertragung. 1626 gliederte er Forchtenstein und Kobersdorf wieder Ungarn ein, das gleiche Schicksal drohte auch Eisenstadt. Die Stadtväter unternehmen alles, um dies zu verhindern. Sie reisten dem Kaiser sogar zum Regensburger Reichstag nach. Auf dem Pressburger Landtag von 1645 machte König Ferdinand III. der ungarischen Nationalpartei große Zugeständnisse, 1647 gab er nach und erlaubte die "Rückgliederung"  der an das Haus Österreich verpfändeten Herrschaften, darunter auch Herrschaft und Stadt Eisenstadt, an Ungarn.

Unter Stadtrichter Paul Eisfort versuchte die Stadt, der gefürchteten Magnatenherrschaft zu entgehen. Sie strebte die Erhebung zur königlich ungarischen Freistadt an. Der Preis dafür war überaus hoch: 16 000 Gulden Bargeld und zusätzlich 3000 Eimer Wein (3220 hl) im Wert von 9000 Gulden. 1648 erfolgte die Freistadterhebung. Die Probleme mit dem Herrschaftsinhaber, seit 1648/49 auch Eigentümer, Nikolaus Esterhazy, waren damit aber keineswegs gelöst. Ladislaus Esterhazy weigerte sich, die Freiheit der Stadt anzuerkennen. Ihm wurden bei der Übertragung der Herrschaft - nach der Freistadterhebung - wieder alle Rechte zuerkannt, also Wein- und Getreidezehent, das Bergrecht ausländischer Weingartenbesitzer und der Hausdienst. Langwierige Prozesse, vor allem um das Obere Stadttor beim Schloss, folgten. Esterhazy brachte das Stadtwirtshaus, zwei Bürgerhäuser und eine Mühle an sich. Erst 1692 kam es zu einer schriftlichen Einigung. Esterhazy gab die Stadtbesitzungen zurück, die Stadt verzichtete auf ihre Rechtsansprüche am Oberen Stadttor.

Nach der Freistadterhebung baute die Stadt ein neues Rathaus an der Nordseite der Hauptstraße, mit Zeughaus, Getreidekasten und Brauhaus. Das Rathaus ist - abgesehen von kleinen Änderungen - mit seinen prächtigen Erkern und den Wandmalereien bis heute erhalten. 1663 ließ Paul Esterházy die alte Burg aus dem Mittelalter abreißen und von italienischen Baumeistern das neue, prächtige Schlossgebäude errichten, das damals große Aufmerksamkeit erregte. 1672 war der Bau, in den auch ältere Elemente wie die vier Ecktürme integriert wurden, fertig gestellt. Das alte Stadttor und der Turm wurden komplett abgerissen und etwas weiter südlich ein neues Tor gebaut. Im Schlossgarten wurden "Wasserkünste" installiert, auf dem Schlossplatz eine Dreifaltigkeitssäule aufgestellt. Außerhalb der Stadtmauer wurde ein neuer Meierhof mit Franarium und Stadel erbaut. Gegen den Widerstand der Stadt erwirkte Paul Esterhazy das Recht, auf dem Schlossgrund einen Wochenmarkt und später auch vier Jahrmärkte abhalten zu dürfen. Auf dem Schlossplatz siedelten sich viele Handwerker und ab 1671 auch viele Juden an. Um die Märkte und den Besuch der Wirtshäuser gab es weiterhin Streit zwischen der Stadt und der Herrschaft. Die Schlosskapelle wurde 1655 zur Pfarrkirche erhoben. 1794 entstand daraus die Pfarre Schlossgrund-Oberberg. Vor allem Paul Esterhazy erwies sich als eifriger Förderer des Barockkatholizismus. 1678 gründete er das Augustinerinnenkloster, das zunächst in einem Bürgerhaus in der Stadt untergebracht war. 1687 übersiedelt es nach Protesten der Stadt in einen Neubau in der Klostergasse (heute Haydngasse). In der Zeit Josefs II. wurde das Kloster aufgehoben und an Esterhazy verkauft. 1792 entstand dort die fürstliche Zentralverwaltung. Am Oberberg erbaute Paul Esterhazy eine Kapelle, dahinter wurde ein Kalvarienberg 1707 fertig gestellt. Die dahinter begonnene Wallfahrtskirche Mariä Heimsuchung blieb ein Torso, wurde trotzdem bald zu einer beliebten Wallfahrtsstätte (Bergkirche, Haydnkirche). Einige Patres aus dem Stadtkloster ließen sich am Oberberg nieder. Daraus entstand ein zweiter Konvent der Franziskaner. 1757-1766 erhielten sie ein neues großes Kloster, ein Wirtshaus für die Wallfahrer wurde eingerichtet. Das Kloster wurde unter Josef II. aufgehoben, das Gebäude wurde Sitz des Schlosspropstes ("Propsthaus", heute Haus der Begegnung).

Außerhalb der Stadtmauer, beim neuen Meirhof, wo schon zuvor Kleinhäusel bestanden, entstand die neue Judengasse, für neu angesiedelte Juden aus Nikolsburg, später auch für die Juden aus dem Schlossgrund. Die Siedlung rund um den Kalvarienberg, später Eisenstadt - Oberberg genannt, entstand aus Kleinhäusler- und Bauhandwerkerhäusern. Am Weg nach Kleinhöflein entstanden im 18. Jh. weitere herrschaftliche Bauten: Grenadierkaserne, Musikerhaus und Musikerhäuschen.

Nach der Erhebung zur Freistadt änderte sich an den inneren Verhältnissen wenig. Nach wie vor wurden der 12-köpfige Innere und der gleich große Äußere Rat gewählt. Der Äußere Rat wählte den "Vormund", der die Gesamtgemeinde gegenüber dem Inneren Rat vertrat. "Ratssenior" im Inneren Rat war meist der vorhergehende Richter. Dem Richter zur Seite standen  ehrenamtlich der Stadtkämmerer und der Unterkämmerer, der Kirchenmeister (Kirchenvater), Wachtmeister, Zimenter (der für die richtigen Maße sorgte), Visierer (Eichmeister), Fleisch- und Brotbeschauer, Bergmeister, Förster, Faßzieher, Brunnenmeister, Zapfenmaß - Einheber (Getränkesteuer), Schulinspektor, Spitalmeister und Rüstmeister, Stadt- oder Feuerhauptmann, Viertelmeister und Fähnrich (Stadtverteidigung). Kämmerer, Schulinspektor und Kirchenmeister waren meist Angehörige des Inneren Rates. Der Aufstieg zu den höchsten Ämtern folgte einem vorgegebenen Muster. Nur vereinzelt kam es vor, dass prominente Zuzügler höhere Ämter erreichten. Viele Patrizierfamilien waren im 17. Jahrhundert bereits  adelig. Ehemalige  Stadtschreiber und Schulleiter konnten manchmal das Richteramt erlangen. Bis 1613 waren die Richter evangelisch, danach ausschließlich katholisch. Der Richter wurde jährlich gewählt, manchmal blieb er zwei Jahre im Amt. Eher selten wurde er später noch einmal gewählt.

Höchster bezahlter Beamter war der Stadtschreiber oder Notär. Sie hatten meist Universitätsabschlüsse, waren oft bedeutende Persönlichkeiten mit guten familiären Verbindungen, erwarben manchmal Häuser in der Stadt und stiegen in das Patriziat auf. Der Gerichtsdiener war weniger angesehen. Eisenstadt hatte keinen eigenen "Freimann" (Scharfrichter). Dieser wurde bei Bedarf aus Ödenburg geholt. Besoldet wurden auch Lehrer und Organisten, die auch - wie die Pfarrer - Stolgebühren bekamen. Die Viehhirten mussten von den Viehbesitzern versorgt werden.

In der Mitte des 17. Jahrhunderts erlebt Eisenstadt eine wirtschaftliche Blütezeit. Einige hervorragende Weinernten und der Handel vor allem mit Schlesien brachten viel Geld in die Stadt. Die wohlhabenden Patrizier profitierten davon, es lebten Händler aller Art, italienische Kaufleute, ehemalige Herrschaftsbeamte und Lehrer mit größerem Vermögen in der Stadt. 1632 pachtete die Stadt die "Tatz", die landesfürstliche österreichische Getränkesteuer, wurde auch nach der Rückgliederung an Ungarn nicht abgeschafft, sie blieb eine städtische Abgabe. Immer mehr selbständige Zünfte entstanden, die Meister lösten sich aus den Wiener Neustädter, Wiener, Preßburger und Ödenburger Zünften. Es gab herrschaftliche Zünfte und Zünfte der Stadt. Es gab durchaus auch gehobene, spezialisierte Handwerker wie Buchdrucker und Buchbinder, Uhrmacher und Büchsenmacher, Zinngießer, Bierbrauer, Gold-, Kupfer- und Messingschmiede, Kürschner, Weißgerber, Lederer, Tuch- , Schnur- und Knopfmacher  und viele andere. Erst gegen Ende des 17. Jahrhunderts hörte die harte Konkurrenz zwischen herrschaftlichen und städtischen Zünften allmählich auf, es kam sogar zu Zusammenschlüssen. Besonders wichtig waren die Goldschmiede, die Wachszieher und Lebzelter, die auch zu den angesehendsten und reichsten Bürgern zählten. Zuwandernde Handwerker und Gesellen kamen fast ausschließlich aus den benachbarten österreichischen oder zumindest deutschsprachigen Ländern, nur selten aus dem übrigen Ungarn. Baumeister und Bauhandwerker stammten oft aus Italien. Sie und viele Kunsthandwerker, Maler, Steinmetze usw., zumeist im Dienste der Esterhazy,  lebten ebenfalls in der Stadt.

1500 wird bereits ein Badhaus genannt, das im Bereich des Unteren Tores lag. Daneben gab es ein weiteres Badhaus in der Stadt und eines in St. Georgen. Im 17. Jh. entstand ein herrschaftliches Badhaus auf dem Schlossgrund. Der Stadtbader Paul Ißl wird auch als Chirurg bezeichnet. Sein Sohn Johannes wirkte als Hofbader und Wundarzt am Schlossgrund. Der wahrscheinlich aus Italien stammende Georg Assoly war adeliger Chirurg und spielte auch eine wichtige Rolle im Stadtsenat. In der Stadt gab es einen Apotheker, um 1635 auch einen Hofapotheker. Auf dem Schlossgrund errichtete Paul Esterhazy eine Schlossapotheke. Im 18. Jahrhundert entstand beim Krankenhaus der Barmherzigen Brüder eine neue Apotheke. Das Krankenhaus wurde 1760 errichtet, gestiftet vom Fürstenhaus und privaten Wohltätern. Zuvor stand dort ein fürstliches Spital (Armen- und Siechenhaus), das nach Forchtenau verlegt wurde. Aus dem 17. Jahrhundert sind auch die Namen mehrerer in Eisenstadt ansässiger Ärzte bekannt, ebenso die mehrerer Hebammen.

Die Kaufleute genossen hohes gesellschaftliches Ansehen und waren entsprechend wohlhabend. Die Bürgermeister und Richter des Spätmittelalters waren zum Teil Kaufleute, ebenso wir viele Patrizier der frühen Neuzeit. Sie stellten Richter und andere Stadtmagistrate. Viele dieser Familien waren im 17. Jahrhundert bereits in den Adelsstand aufgestiegen und wappenführend. Auch auf dem Schlossgrund ließen sich einige Kaufleute nieder.

Gesellschaft in der Barockzeit

Nach der Konskription von 1752 wohnten innerhalb der Mauern 30 Familien, die nicht von der Landwirtschaft lebten., darunter ein Arzt, zwei Kaufleute, 24 Handwerker. Die 8 Inwohnerfamilien waren ebenfalls Handwerker (Zinngießer, Goldschmied, Reitermacher, Knöpfler ...). Außerhalb der Stadtmauern ein Gärtner, ein Korduanledermacher, 9 Kaufleute, vier Soldaten, Gewehrmacher, Hutmacher, Kammmacher, Messerschmied, Buchbinder ...Unter den dortigen Holden ohne Haus waren vier Chirurgen, zwei Gastwirte, ein Wetterprophet, zwei Kaufleute usw. Von den 107 Juden waren 19 ohne Berufsbezeichnung, 10 Lehrer, ein Schreiber, 43 Kaufleute, Barbier, Schneider, Fleischhauer, Kürschner, Wandernde ... 1758 lebten in der Stadt insgesamt 358 Familien. 177 Familien lebten von der Landwirtschaft, davon waren 130 Weinbauern. 127 Familien betrieben ein Handwerk und 20 einen Handel. 1774 wurden 143 Handwerker gezählt.

1785 lebten am Schlossgrund, in Unterberg und Oberberg zusammen 1873, in der Freistadt 2 271 Personen. In der Freistadt bestanden um 1770 205 - 210 besteuerte Häuser, dazu kamen 190 unbehauste Familien oder Wohnparteien. Im Esterházy-Bereich lebten 167 behauste und 119 unbehauste Familien. Die beiden Stadtbrände von 1768 und 1776 hatten viele Hausbesitzer an den Rand des Ruins gebracht. 

1770 - 1780 befanden sich 5 - 10 bürgerliche Häuser im Besitz von Adeligen, etwa der Gräfin Johanna Amor de Soria, die wahrscheinlich als Witwe ein Dreiviertelhaus erwarb. In ihrem Gefolge lamen noch einige weitere spanische Damen adeliger Herkunft nach Eisenstadt. Auch der Militär Hector de Correa verbrachte seinen Lebensabend in Eisenstadt. Baronesse Klara von Salla besaß zwei 2/4 Häuser und war mit dem Hauptmann von Zoller verheiratet. Sie hatte auch umfangreichen Weingarten- und Grundbesitz, eine Mühle und ein Wirtschaftsgebäude außerhalb der Stadtmauer. Weitere Adelige waren Alexandrina von Kussenics, Johann Christian Edler von Demel, Johann Baptist von Kleffer und Joseph Christoph von Zehetner. Die Volkszählung von 1784/85 weist für die Freistadt 32 und für die Esterházy - Ortsteile fünf adelige Personen auf. 1878 gab es in der Freistadt 8 Priester und 17 Ordensgeistliche, in den Esterhazyschen Ortsteilen 34 Geistliche.

Es gab in der Stadt nur wenige Beamte und Angehörige Freier Berufe: Stadtnotär und Stadtmedicus, Apotheker und Schuldirektor. Ein zweiter und ein dritter Lehrer wurden erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts angestellt. Esterházysche "Beamte" waren der Güterregent Ludwig Peter Rahier und der Leibarzt Dr. Molitor, der Rechtsvertreter (causarum director), der Schlossinspektor Michael Kleinrath, Forstmeister, Güterinspektoren, Verwalter, der fürstliche Kabinettmaler Basilius Grundmann, ein Bibliothekar. Gut bezahlt waren die Mitglieder der fürstlichen Hofmusik und des Theaters. Haydn etwa verdiente 1775 - nach der Übernahme der Organistenstelle - etwa 1000 Gulden.

Der Handel war in der Stadt nur schwach vertreten. 1786 wurden nur drei Firmen mit "offenem Gewölbe" genannt. Etwas größer war die Zahl der Krämer (7 - 10 Personen). Der Kaufmann Andreas Schwarczinger, der aus Pulkau in Niederösterreich stammte, gehörte zu den reichsten Bürgern der Stadt. Auch im Bereich des Schlossgrundes gab es einige Kaufleute, etwa den Eisenhändler Franz Prinke, am Oberberg einen Handelsmann und einen Kaufmann sowie drei Greißler. Dort waren die zahlreichen Devotionalienhändler charakteristisch ("Betenkramer").

48 verschiedene Handwerke waren in der Stadt vertreten, mit 226 Meistern und 172 Gesellen. Am stärksten waren mit 129 Meistern das Bekleidungs-, Textil- und lederverarbeitende Gewerbe. Um 1770/80 übten etwa 30 - 35 % der Erwerbstätigen haupt- oder nebenberuflich ein Handwerk aus. Viele Handwerker besaßen auch Weingärten.

In der Judengemeinde gehörten 1768 45% den Handelsberufen an (Fell-, Häute-, Bänder-, Wein-, Obst- und Tuchhandel), 12 % waren Handwerker, 21 % Dienstleistungsberufe (Dienstboten, Wein- und Branntweinschenker, Barbierer ...), 11 % "Bildungsberufe" (Schulmeister, Schreiber ...).

Zur städtischen Unterschicht kann man die Taglöhner, Hauer und Gärtner, die Dienstboten, einen Teil der Handwerksgesellen vor allem in den Bekleidungsberufen zählen. 1778 gab es an Taglöhnern 118 Männer und 137 Frauen (31 % der Berufstätigen), 193 Dienstboten (32 Männer und 161 Frauen, zusammen 24 % der Berufstätigen). Unter die Taglöhner wurden auch die Hauer gezählt, die aber größtenteils nicht im Taglohn bezahlt wurden sondern Verträge mit den Weingartenbesitzern hatten. Das Einkommen der Taglöhner und Hauer war jedenfalls bescheiden. Viele bekamen von ihren "Arbeitgebern" auch ein Stück Grund  (Gemüse, Obst, Kleintierhaltung). Ein Teil der Hauer lebte als Kleinhäusler in den Vorstädten. 1771/72 waren von 47 Kleinhäuslern 38 Taglöhner. Von den unbehausten Bürgern und Inwohnern wurden 120 als Hauer bezeichnet. Die Mobilität dieser Personen war sehr hoch. Ein großer Teil der Unterschicht war von Armut bedroht. 1778 gab es in der Stadt 20 (7 Männer, 13 Frauen) Bettler, 8 Arme, die von Stiftungen bzw. im Bürgerspital lebten. Dazu kamen im Schlossgrund und am Oberberg mindestens 20 Bettler bzw. Arme. 1772 bestellte die Stadt einen eigenen Bettelrichter, der auch die Aufgabe hatte, fremde Bettler aus der Stadt zu weisen. Jeden Freitag durften die Bettler gemeinsam von Haus zu Haus gehen und um Almosen bitten. Das Geld wurde dann aufgeteilt. Nicht teilnehmen durften die Juden. 1787 wurde ein einiger Armenfonds (Armeninstitut) aus diversen Stiftungen gebildet. Der Versorgung der verarmten und kranken Bürger diente das freistädtische Burgerspital.

Kultur der Barockzeit

Zur Zeit Nikolaus I. des "Prachtliebenden" residierten Fürst und Hof den Sommer über in Esterháza. In der dortigen prachtvollen Hofhaltung spielten Musik und Theater eine wichtige Rolle. Fürst Anton löste die dortige Hofhaltung ab 1790 allmählich auf, sie war nicht mehr finanzierbar. Eisenstadt wurde wieder Sommerresidenz. Dieser Prozess wurde ab 1794 von seinem Sohn Nikolaus II. fortgesetzt. Den Winter verbrachten die Fürsten in Wien, in einem der dortigen Palais (meist im "Majoratshaus" in der Wallnerstraße).

Nach dem Ausbau der Residenz der Fürstenfamilie entwickelte sich ein intensives höfisches musikalisches Leben, das seine Wurzeln einerseits in der Kirchenmusik (Orgel, Chor), andererseits in der Militärmusik hatte. Lautenisten, Geiger und Sänger sorgten für höfische Unterhaltung. Allmählich entwickelte sich daraus die fürstliche Hofkapelle, die unter hervorragenden Leitern wie Wenzl Zivilhoffer, Josef Gregor Werner und schließlich Joseph Haydn Weltruf erlangte. Paul Esterházy komponierte selbst geistliche Musik. Die Hofmusiker hatten am Schlossplatz ein eigenes Wohnhaus. Im 18. Jahrhundert wurde das Musikerhaus bei der Bergkirche erbaut. Auch ein Orgelbauer namens Lorenz Linkh wirkte in Eisenstadt.

1796 gehörten dem fürstlichen Hofstaat 110 bis 120 Personen an , dazu kam die Garde mit etwa 100 Mann. 1793 betrug des Gesamtaufwand für das Personal (ohne Garde) nahezu 81 000 Gulden.

Nikolaus II. errichtete die Musikkapelle  wieder, 1795 übernahm der inzwischen weltberühmte Haydn wieder deren Leitung., ebenso das Hoftheater.  1802 übernahm die Leitung der Kirchenmusik der Vizekapellmeister Johann Nepomuk Fuchs, die Kammermusik Luigi Tomasini und Johann Nepomuk Hummel wurde nach Eisenstadt berufen. Hummel wurde allerdings schon 1811 nach Streitigkeiten entlassen, 1813 auch die Hofmusikkapelle  Die Theateraufführungen fanden durch Wandertruppen, etwa im Herbst 1796 durch die Schauspieltruppe Johann Carl Stadlers, in einem Theaterbau aus Holz im Hofgarten oder im Gasthaus  statt. Der Plan eines Theaters konnte nicht realisiert werden. Später wurde der Festsaal (Haydnsaal) herangezogen. 1805 übernahm Heinrich Schmidt, ein Goethe - Schüler, die Leitung des Hoftheaters. Die Theater- bzw. Opernaufführungen aufführungen wurden mit großem Aufwand und Glanz und mit hervorragenden Sängern organisiert. Unter den Gästen war ein Großer Teil des Wiener Hochadels. Die Bibliothek, die Bildergalerie und das Kupferstichkabinett wurden vom kunstsinnigen Fürsten großzügig ausgebaut und verschlangen Unsummen. Die große Kunstsammlung wurde im 1814 von Fürst Alois Kaunitz gekauften Palais in Mariahilf untergebracht. In manchen Jahren stiegen die Ausgaben durch Veranstaltung von Festivitäten erheblich -  1794 etwa durch  die Einführung des Fürsten als Obergespan von Ödenburg  oder 1806 durch die Hochzeit der Tochter des Fürsten, Leopoldine, mit Fürst Moritz von Liechtenstein. Immer wieder zwangen aber die Knappen Finanzen zu Entlassungen. 1798 etwa wurde die "Offizierstafel", die gemeinsame Mahlzeit der höheren Beamten, aufgelassen. 

Ein wichtiges Element im höfischen Leben der Esterházy in Eisenstadt waren die Jagden. Schon unter Nikolaus I. war der Schützener Tiergarten errichtet, mit dem Jagdschloss Rendezvous. Am Föllik entstand ein weiteres Jagdschloss, ebenso in der Fasanerie  bei Steinbrunn. Eine Fasanerie gab es auch in Trausdorf. Die Jagden wurden für hochgestellte Persönlichkeiten veranstaltet.

Die großzügigen, vom französischen Architekten Charles Moreau geplanten  klassizistischen Umbauten am Schloss konnten nur zum Teil verwirklicht werden. An der Gartenseite waren zwei lange Flügel geplant als Verbindung zu einem Museumsbau und einem Theater.  Mit den Hofstallungen und der Hauptwache nach den Plänen des Wiener Architekten Henrizy und des fürstlichen Baumeisters Joseph Ringer wurde aber der Schlossplatz zu einem sehr repräsentativen Ensemble gestaltet. Bemerkenswert war und ist vor allem der Schlosspark, der stark erweitert wurde und im frühen 19. Jahrhundert im "englischen Stil" , als Landschaftsgarten, gestaltet wurde.

1813 mussten radikale Sparmaßnahmen eingeleitet werden. Musikkapelle und Theaterpersonal waren davon betroffen, der Hofstaat und die Verwaltung reduziert. Das Musikpersonal kostete 1813 noch fast 39 000 Gulden, davon wurden 33 000 Gulden eingespart. Der Hofstall wurde reduziert und die Grenadiergarde halbiert. Insgesamt wurden über 100 000 Gulden eingespart. Der Fürst verlegte seine Residenz zunehmend nach Wien.

Die bemerkenswerte Entwicklung des evangelischen Schulwesens und der städtischen Musikkultur fand in katholischer Zeit eine bruchlose Fortsetzung. In der Stadt wirkten bedeutende Organisten. Chorleiter waren die jeweiligen Schulleiter, von denen etwa Zacharias Heberle 1658/59 auch Stadtrichter war. Auch der Schlesier Johann Georg Teichmann konnte durch Heirat in das Patriziat aufsteigen. Andreas Höger, Sohn eines Leobener Wundarztes, der die Tochter des Kaufmannes Johann Seybaldt heiratete und als guter Musiker galt, war 1694/95 und 1697/98 Stadtrichter. Einer seiner Söhne wurde als Bildhauer in Ofen (Buda) berühmt, eine Tochter heiratete den Bildhauer Philipp Ungleich, Begründer einer Wiener Bildhauerdynastie, ein weiterer Sohn war Schlossorganist in Eisenstadt. Dessen Sohn war 1723 bis 1750 Stadtschreiber und 1753 Stadtrichter. Die städtische Schule befand sich am Domplatz, am Schlossgrund errichtete die Herrschaft eine Schule.

Die katholische Kirche und die Klöster in der frühen Neuzeit

Unter ungeeigneten katholischen Priestern konnte die katholische Erneuerung nicht Fuß fassen. Erst unter dem tüchtigen Priester Johann Koch (1614 - 1629) kam es zu Veränderungen. Der Erzherzog verweigerte einem evangelischen Richter die Bestätigung. Der Stadtrat blieb aber zunächst evangelisch dominiert. Auch wurden weiterhin, obwohl streng verboten - Evangelische als Bürger aufgenommen. 1617 fand die erste Jesuitenmission in Eisenstadt statt. Evangelische Bürger mussten die Stadt verlassen.

Mit dem Übergang der Herrschaft Eisenstadt an die Esterhazy setzte sich die Rekatholisierung endgültig durch. Auch in der Stadt gab es zur Zeit der Freistadterhebung nur mehr Katholiken. Evangelische durften nicht mehr in die Bürgerschaft aufgenommen werden. Der Prunk des barocken Katholizismus, der vor allem von der Familie Esterhazy entfaltet wurde, prägte auch die Bürgerstadt. 1610 begann die Erneuerung der Martinskirche und wurde ab 1629 vor allem von Nikolaus Esterházy vorangetrieben. 1629 wurde die Kirche geweiht. Esterházy stiftete den Hochaltar. Auch das Klosterwesen lebte wieder auf. Der Plan, einen Zisterzienserkonvent zu gründen, scheiterte allerdings. Das 1529 zerstörte Franziskanerkloster in der Stadt wurde von Weispriach in Anspruch genommen, dessen Einkünfte verwendete er für das Spital, musste sie aber schließlich an die Ödenburger Franziskaner abtreten. 1569 wollte die Stadt im Kloster ein Spital errichten. Weispriach war dagegen. Nikolaus Esterházy gelobte angeblich während der Schlacht von Lackenbach eine Kirche und ein Franziskanerkloster zu Ehren des Hl. Michael. 1630 bezogen die Franziskaner das neue Kloster. Paul Esterhazy ließ  mehrere Grüfte in der KLosterkirche errichten, darunter auch eine für die fürstliche Familie. 1768 brannten Kirche und Kloster ab. 1777/78 wurde der Turm angebaut.  Neben den Franziskanern entstand in der Stadt das Hochfürstliche Stift der Augustinerinnen, ein Stift ausschließlich für Damen des ungarischen Hochadels. Fürst Paul errichtete das Stift für die vielen Mädchen in seiner Familie und in der seines Bruders Franz. 1679 ließ er beim Schloss das Klostergebäude errichten. Seine Tochter Christina und andere Mädchen der Familie sowie anderer ungarischer Adelsfamilien traten in das Stift ein. Anschließend an das Stift wurde eine Kirche gebaut. 1687 befanden sich im Kloster 24 Schwestern, darunter fünf Angehörige der Familie Esterhazy. Christina wurde Äbtissin. Am Hauptplatz bekam das Stift ein weiteres Haus. Die Klausur nahmen die adeligen Damen nicht allzu ernst, so dass der Bischof einschreiten musste.  Im Kuruzzenkrieg blieb das Stift interessanter Weise verschont - die Schwestern hatten Verwandte auf der Seite der Aufständischen. Die Schwestern setzten sich für den von den Rebellen zum Tode "verurteilten" Stadtrichter Matthias Paur ein. Um die geistliche Jurisdiktion über das Stift stritten Stadt- und Schlosspfarre. 1722 entschied der Primas von Ungarn zugunsten der Stadtpfarre. Auch das Verhältnis zur Stadt blieb nicht ohne Konflikte. Bei, brand der Klosterzeile 1768 brannte auch das Stift nieder, die Schwestern fanden vorübergehend in Zillingtal Unterkunft. Obwohl die Schwestern im Garten ihres Klosters eine Schule einrichteten wurde das Stift unter Josef II. aufgehoben. Die Schwestern zogen sich auf den Oberberg zurück. 1788 kamen Kloster und Kirche sowie das Haus in der Hauptstraße an den ungarischen Religionsfonds. Fürst Anton Esterházy kaufte das Gebäude zurück und baute es zum Verwaltungsgebäude um.

Mit der Erhebung zur Freistadt ging auch das Patronatsrecht auf die Stadtgemeinde über. Der erste Pfarrer, den die Stadtgemeinde einsetzte, war der Zisterzienserabt Kaspar Jongelinus (1650 - 1659), der aus dem Kloster Eußersthal in der Pfalz vertrieben, nach Wien kam und gute Beziehungen zum kaiserlichen Hof hatte. Er verfasste zahlreiche wissenschaftliche Werke und erhielt den Titel eines Kaiserlichen Hofhostotiographen sowie eines Historiographen des Königreiches Ungarn. 1659 ging er in seine Heimat zurück. Der Schwabe Johann Werner (1659 - 1670) ließ die Kirche prächtig ausgestalten. Johannes Albert Hüfftner (1670 - 1680) war Doktor der Theologie und genoss in der Gemeinde hohes Ansehen. Jakob Bauer war gebürtiger Eisenstädter, Er war nur zwei Jahre Pfarrer, Pfarrer Konrad Lienardi (1682/83) war anscheinend unter den 400 Toten des Türkenjahres 1683. Einer der bedeutendsten Pfarrer der Stadt war Matthias Marckhl (1683 - 1725). Unterstützt von Paul Esterházy entfaltete sich in seiner Zeit das blühende barocke Gemeindeleben. Er gründete die Rosenkranzbruderschaft, veranstaltete mit Hilfe von Jesuiten, Franziskanern und Serviten Missionen. Die Errichtung des Kalvarienberges begann, Pestsäulen wurden aufgestellt, 1687 ein Priesterverein gegründet und das St. Anton - Benefiziat gestiftet. Marckhl war in der Bevölkerung sehr beliebt. Er wurde Dechant, Archidiakon, Titularabt und 1712 Titularbischof von Stagmien. Gegen den nächsten Pfarrer, Freiherrn Ämilian von Ludwigsdorf 1725 - 1742), gab es viele Klagen. Der Benefiziat Johann Thaddäus Rogan wurde zum Administrator ernannt und wurde anschließend bis 1752 Stadtpfarrer. Leopold Höger  (1752 - 1782) war gebürtiger Eisenstädter. Er setzte die Tätigkeit Marckhls und Rogans erfolgreich fort. Kapellen wurden gebaut und Stiftungen errichtet, die Kirchenmusik besonders gefördert. In der Pfarrkirche wurde ein neuer prächtiger Hochaltar errichtet und die Christenlehr - Bruderschaft gegründet. Es folgten der Eisenstädter Johann Baptist Ernst (1782 - 1787) und Leopold von Somogyi, der 1806 Bischof von Steinamanger wurde. Auch Andreas Weghofer  (1790 - 1802) war wahrscheinlich gebürtiger Eisenstädter, ebenso wie Josef Baptist (18ß2 - 1818) und Georg Degenheim (1818 - 1859). Unter ihm wurde der neue Friedhof eröffnet. Kasper Zechmeister (1860 - 1890) nahm sich besonders des Vereinslebens an, 1863 wurde ein Gesellenverein  und ein Kindheit - Jesu - Verein gegründet. Die katholische Volksschule wurde in eine Staatsschule umgewandelt. Zechmeister wurde 1883 Dechant und Titularabt, 1890 Domherr in Ödenburg. Unter  Viktor Horvath (1890 - 1917) wurde eine Kinderbewahranstalt mit Waisenhaus gegründet. Das Kircheninnere wurde "regotisiert". Auch Horvath war Dechant, Titularabt und 1917 Domherr von Raab. Es folgten Franz Schmidt (1917 - 1924), Josef Michl als Administrator und für kurze Zeit Johann Salaberger. Mit Michael Gangl wurde ein führender christlichsozialer Politiker Pfarrer in Eisenstadt. Zuvor, in der Anschlusszeit, war er Pfarrer in Neudörfl und Mentor des Christlichsozialen Politikers und Landesrates Michael Koch. 1922 wurde er Abgeordneter zum burgenländischen Landtag, 1923 bis 1934 war er Abgeordneter zum Nationalrat. Gangl blieb von 1929 bis 1962.Pfarrer. Unter ihm wurde die Pfarrkirche zur Domkirche umgestaltet. 1962 folgte Josef Rittsteuer, zuvor Pfarrer in Kleinfrauenhaid. Er war auch als Kirchenhistoriker von großer Bedeutung und schrieb mit seinem Buch "Kirche im Grenzraum" das Standardwerk zur katholischen Kirchengeschichte des Burgenlandes.

Unabhängig von der Stadtpfarre entwickelte sich die Stadtpfarre und Propstei Schlossgrund - Oberberg. Die Burg hatte wahrscheinlich schon im Mittelalter eine Kapelle. 1655 wurde die Schlosspfarre errichtet. 1661 die Schlosskapelle von Bischof Georg Széchényi geweiht. Erster Seelsorger war der Erziher der gräflichen Familie, Adam Salkovics. Die Schlosspfarre war ab 1675 eng mit einem Kleinhöfleiner Benefiziat verbunden. Thomas Walberger erhielt 1684 zusätzlich ein Benefizium in Großhöflein. und war ab 1686 Titularabt von Pest. Auf dem Oberberg wurde ein Armenhaus errichtet. 1703 zogen dort auch zwei Franziskanerpatres aus dem Stadtkloster ein, um den Bau des Kalvarienberges zu überwachen. Daraus entwickelte sich das Franziskanerkloster am Oberberg. Schlosspfarrer war der Italiener Franz Orsolini (gest. 1700), Dechant und Abt von Pest. Der Zagersdorfer Paul Andreas Ugrinovics führte als erster Schlosspfarrer den Titel Propst. Sitz des Propstes war zunächst das Schloss. 1707 wurde der Kalvarienberg eingeweiht, die Wallfahrer wurden von den Franziskanern betreut. Sie lebten zunächst im Armenhaus, dann wurde ihnen das gesamte Gebäude übertragen. 1711 übergab der Fürst das Armenhaus den Franziskanern. Die acht Mönche und zwei Laienbrüder erhielten die Hälfte der Geldspenden der Wallfahrer. Im Badhaus von Großhöflein stand seit Paul I. eine Nachbildung der Gnadenstatue von Maria Einsiedeln. 1707 wurden der dortige Edelhof  und das Badhaus von den Kuruzzen niedergebrannt, die Statue blieb unversehrt und wurde bald von zahlreichen Wallfahrern verehrt. Gegen den Widerstand der Großhöfleiner wurde diese Statue nach Eisenstadt - Oberberg überführt. Viele Wunderheilungen wurden vermeldet, die Zahl der Kommunionen stieg auf durchschnittlich 60 000 pro Jahr. Bald waren der Einsatz von mehr Ordensleuten und ein größeres Kloster erforderlich. Propst war ab 1730 der gebürtige Donnerskirchner Matthias Johannes Knoblauch. Er baute in Kleinhöflein einen Propsthof. Die zahlreichen Weingärten der Propstei wurden 1755 verkauft. Die Kleinhöfleiner Pfarre wurde mit der Propstei vereinigt, der Propst zog in den Pfarrhof. Unter Knoblauch wurde das Kloster der Barmherzigen Brüder errichtet. 1713 wurde ein neues Armenhaus (Spital) gebaut, die Kapelle 1739 zu einer Kirche ausgebaut. 1759 übergab Fürst Anton Esterházy den Barmherzigen Brüdern das Hospital samt Kirche, das Armenhaus wurde nach Forchtenau verlegt. Die Stiftung des Spitals war für sieben Ordensbrüder und einen Ordenspriester gedacht. 1751 erhielten die Franziskaner am Oberberg die Erlaubnis, ein neues, größeres Kloster zu bauen. 1766 waren die Arbeiten abgeschlossen. Inzwischen war auch der Bau der Bergkirche so weit gediehen dass diese 1803 geweiht werden konnte. 1787 wurde das Franziskanerkloster am Oberberg aufgehoben, die 15 Patres kamen in andere Klöster. Die Franziskaner aus der Stadt übernahmen die Seelsorge. Schließlich wurde an der Bergkirche eine eigene Pfarre errichtet. Die Schlosspfarre bestand weiterhin, wurde aber in Personalunion vom Propst und von drei Kaplänen geleitet. Das Klostergebäude erhielt der Fürst. Es wurde zum Teil als Wohnung für Propst und Kapläne, für Lehrer, Meßner und Organisten benützt, zum Teil wurde eine Schule untergebracht. Ein Teil des Gebäudes wurde in ein herrschaftliches Gasthaus ("Zum Goldenen Engel") umgewandelt. Propst Andreas Seitz, ein gebürtiger Eisenstädter, hatte gleichzeitig fünf Kapläne. Sein Nachfolger war Philipp Frankl (1820 - 1837), zuvor Stadtpfarrer von Rust.  Dann folgte Matthias Hackstock (1837 - 1849), der an der Cholera starb. Michael Pichler (1849 - 1890) stiftete für die Gemeinde Oberberg ein Armenhaus, Ferdinand Adler (1880 - 1893) gründete eine Kinderbewahranstalt. 1889 ließ er die Bergkirche renovieren. Sein Nachfolger Karl Varits (1893 - 1913) ließ den Kalvarienberg erneuern und ergänzen.  1944 starb er als Dompropst in Raab. In der Anschlusszeit war Michael Nagy  (1913 - 1924), anschließend Julius Pollak (1924 - 1940) und dann Dr. Josef Köller. Er war 1932 bis 1949 als Provikar der Vertreter des Apostolischen Administrators. 1953/54 wurden Bergkirche und Kalvarienberg mit hohem finanziellen Aufwand renoviert.

Wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung im 19. Jahrhundert

Eisenstadt hatte unter den Kuruzzen zu leiden, 1809 war die Stadt von den Franzosen besetzt. Besonders schwerwiegend war der Verlust Schlesiens als wichtigster Absatzmarkt für den Eisenstädter Wein. Im 18. Jahrhundert verarmte die Bürgerschaft, materiell, aber auch im Hinblick auf das geistige Leben, etwa im Bereich der Bücherkultur. Dazu trugen auch die Stadtbrände von 1744, 1768 und 1776 bei. Der Großbrand von 1768 vernichtete Franziskaner- und Augustinerinnenkloster, das Rathaus mit dem Archiv, das Haydn-Haus und 141 Bürgerhäuser. 10 Personen kamen in den Flammen um.  Der Brand von 1776 vernichtete 104 Häuser in der Hauptstraße, in der Klostergasse (heute Haydngasse) und in der Pfarrgasse. auch das Franziskanerkloster brannte erneut ab, 16 Personen verbrannten, 1857 waren 22 Häuser betroffen, zwischen Kirche und unterem Stadttor sowie 20 Häuser und einige Scheunen in der Vorstadt. 1888 brannte ein Teil der Innenstadt ab, 1904 43 Objekte in der Stadt, darunter der Pfarrhof.  Die Stadt wurde also mehrmals  fast zur Gänze zerstört, die Judenstadt Unterberg brannte 1795 ab. Auch die barocken Hausfassaden wurden nur zum Teil erneuert, die meisten wurden im Biedermeierstil neu gestaltet. Nur wenige bauliche Maßnahmen konnten in der Bürgerstadt gesetzt werden, etwa der Bau der Dreifaltigkeitssäule auf dem Hauptplatz, die Kapelle beim alten Bürgerspital, Friedhofskapellen und Bildstöcke.

Nach wie vor waren Weinbau und Handwerk die wichtigsten Erwerbsquellen. Daneben entstanden einige Tabakmacherwerkstätten, durch den Spanier Martorell, den aus Szegedin stammenden Lionardo und die oberösterreichische Familie Permayr. 1810 baute der aus Donnerskirchen stammende Wimmer in der Klostergasse vor der Stadtmauer eine Tabakfabrik, die aber bald wieder eingestellt wurde. 1816 wurde das Gelände von der Stadt gekauft und zum Gasthaus "Zur weißen Rose" umgewandelt. Außerhalb des südlichen Stadtgrabens errichtete 1810 Ferdinand Och eine kleine Samtbandfabrik. 1816 wurden seine Webstühle vom jüdischen Seidenbandfabrikanten Marcus Engländer gekauft, der im ehemaligen Wertheimerhaus eine Fabrik mit 40 Webstühlen einrichtete. Dieser Betrieb war einer der wenigen, die eine größere Zahl von Arbeitern beschäftigte.

Von größerer Bedeutung war die Lederfabrikation, so dass man Eisenstadt im 19. Jahrhundert gelegentlich als Ledermetropole bezeichnet hat. Im 19. Jahrhundert gab es Gerbereien in Lackenbach, Lockenhaus, Rechnitz, Oberwart, Pinkafeld, Bernstein und Eisenstadt. 1817 gründete Abraham Spitzer in Unterberg-Eisenstadt Nr.26 (heute Unterberggasse 26) eine Lederfabrik, die zu einer der größten im Ödenburger Kammerbezirk wurde. Im Jahre 1866 durfte die Lederfabrik den kaiserlichen Adler führen.

Erzeugt wurden "Sohlenleder", glatte Kuhhäute, Blankleder, Maschinenriemen und Alaunleder. Für ihre "Fabrikate" erhielt die Lederfabrik Spitzer bei der Wiener Weltausstellung 1873 ein "Anerkennungsdiplom". Durch die gute Absatzlage bedingt, wollte Leopold Spitzer 1895 seine Lederfabrik erweitern, das aber wegen "der Hygiene in Unterberg" abgelehnt wurde. Nach einer Vergrößerung der Fabrik 1903 wurde eine neue Dampfmaschine aufgestellt. Im April 1907 kam es zu einer Arbeitseinstellung in der Fabrik. Trotz Lohnerhöhung und Arbeitszeitverkürzung traten die Gerbergesellen am 28. April in den Streik. Der Streikgrund war, dass der Fabriksinhaber - Emil und Moritz Spitzer - die "Organisation für die Taglöhner" und den Beitritt der Taglöhner in den "Centralverband der Lederarbeiter" nicht anerkannten. Nach der Einigung anerkannten die Fabriksinhaber die Organisation der Arbeiter. Die Arbeiter wiederum verpflichteten sich, jeden Donnerstag um eine Stunde länger zu arbeiten; dafür wurden sie auch an Feiertagen bezahlt.

Eine zweite Lederfabrik stand in Eisenstadt in der Hauptstraße 19( heute: Hauptstraße 22).In diesem Haus betrieb schon 1752 Joseph Paur das Ledergewerbe. 1822 kam Anton Ignatz Grüssner nach Eisenstadt, pachtete von Lederermeister Georg Pogatscher das "Lederhaus" und kaufte es 1827. Mit seiner Tüchtigkeit baute er die kleine Gerberei zu einer kleinen Fabrik um und verbesserte seine Einrichtungen. Von Ignatz Spitzer bezog er "Knoppern" von ausgezeichneter Qualität. (Knoppern wurden für das Gerben verwendet.) Der Betrieb erzeugte vorwiegend Rind - und Sohlenleder. Der Absatz reichte bis Wien , Preßburg und Ödenburg. Die Lederfabrik wurde in der Zwischenkriegszeit von Adalbert Grüssner geschlossen, nur der Lederhandel blieb noch einige Jahre aufrecht.

Vor dem 1. Weltkrieg gab es neben den drei Lederfabriken eine Brauerei, eine Essigerzeugung, eine Textil- und eine Maschinenfabrik. Insgesamt waren die Ansätze einer Industrialisierung bescheiden, vor allem wenn man sie mit dem benachbarten Niederösterreich vergleicht. Kapitalmangel, räumliche Beengtheit, mangelnde Verkehrserschließung  und wohl auch wenig entwickelter Unternehmergeist in der Bevölkerung waren die Hauptgründe. Die 1879 gebaute Bahnlinie Raab - Ödenburg - Ebenfurt führte  an Eisenstadt vorbei. Die Bahnstation war in Müllendorf. Sie wurde mit der Stadt durch einen Stellwagenverkehr verbunden. Die Anbindung an das überregionale Eisenbahnnetz erfolgte erst 1897 durch eine Flügelbahn. Die Ödenburg - Preßburger Bahn verschaffte Eisenstadt einen direkten Bahnanschluss.  1888 gab es im Gasthaus "Goldener Adler" erstmals elektrisches Licht, 1900 wurde ein Elektrizitätswerk gebaut, 1892 wurde ein städtisches Telefon eingerichtet.

Im Jahre 1900 hatte die Stadt 3067 Einwohner. Noch immer lebten 20,3 % von der Landwirtschaft, 33,6 % von Industrie und Gewerbe, 7,7 % vom Handel und Kreditwesen, 4,9 % vom Verkehr, 8,9 % standen im öffentlichen Dienst oder waren in Freien Berufen tätig, 4,7 % gehörten dem Militär an, 3,9 % waren Taglöhner, 6,8 % Hausgesinde. Eine Änderung in der kleinstädtisch - dörflichen Struktur erfolgte durch den Bau des großen Kadetteninstitutes (heute Kaserne). Es wurde 1858 fertig gestellt. Das Gebäude diente zeitweise als Kaserne, als Militär - Unter- und Oberrealschule. Zeitweise war die Kaserne auch Sitz des Landtages. Auch einige Amtsgebäude wie das Stuhlrichteramt (später Bezirksgericht) wurden errichtet. 1926 bis 1929 kam dann das Landhaus hinzu. Die Erweiterung durch administrative Einrichtungen und durch Beamtenwohnungen erfolgte gegen Osten, in Richtung Kaserne.

Eisenstadt als Landeshauptstadt

Im Dezember 1921 waren die "Verwaltungsstelle für das Burgenland" und die provisorische Landesregierung in Wiener Neustadt, in der Militärakademie und teilweise im Neukloster, untergebracht. Nach dem Scheitern der "Landnahme" durch die Österreichische Gendarmerie mussten die Verwaltungsstellen, die zunächst bis Mattersburg gekommen waren, wieder zurückweichen. Der einzige Ort, der nach dem Anschluss an Österreich für deren Unterbringung geeignet war, war Sauerbrunn - verkehrsgünstig gelegen, mit Bahnanschluss und leer stehenden Pensionen und Villen. Im Jänner 1922 übersiedelte die Verwaltungsstelle nach Sauerbrunn. Aber schon im Sommer 1922 gab es keinen geeigneten Sitzungssaal für den ersten Burgenländischen Landtag. Die Versammlung musste im Festsaal der ehemaligen Militäroberrealschule in der Eisenstädter Kaserne zusammentreten. Die Kaserne war aber schon vom Militär (Feldjäger - Bataillon 1) belegt und kam als Regierungsgebäude nicht mehr in Frage. Auch die neue "Bundesmittelschule" mit Internat war in der Kaserne untergebracht.Da die Häuser in Sauerbrunn zum Teil nicht winterfest waren und die Besitzer hohe Entschädigungen verlangten musste dringend eine andere Lösung gefunden werden. Mattersdorf, seit 12. Juni 1922 Mattersburg, brachte sich als mögliche Landeshauptstadt ins Spiel. Eisenstadt hatte aber vom Anfang an die besseren Karten, als esterházysche Residenz und als Siedlung mit gewachsenen städtischen Strukturen. Die politischen Parteien blieben in der Frage der Landeshauptstadt zunächst zurückhaltend, Nur die Großdeutschen unter Mag. Adalbert Wolf traten für Eisenstadt ein, wobei aber die Bezeichnung Landeshauptstadt vermieden wurde, da man den Anspruch auf Ödenburg noch immer nicht aufgegeben hatte, Eisenstadt sollte "Sitz der Landesregierung und des Landtages" werden. Noch in der burgenländischen Landesverfassung vom 15. Jänner 1926 wurde die Bezeichnung "Landeshauptstadt" vermieden. Erst nach 1945 wurde Eisenstadt stillschweigend als Landeshauptstadt bezeichnet. 1923 tauchte aus finanziellen Gründen erneut der Vorschlag auf, die Landesverwaltung nach Wien oder Wr. Neustadt zu verlegen. Auch Landeshauptmann Dr. Alfred Rausnitz trat für Wr. Neustadt ein. Ein Problem war auch die Schaffung von etwa 150 benötigten Beamtenwohnungen. Eisenstadt versuchte seine Position durch die Eingemeindung von Eisenstadt - Schlossgrund und Unterberg zu verbessern. 1924 wurde Eisenstadt - Schlossgrund mit 205 Einwohnern eingemeindet. Die Judengemeinde verweigerte mit einer orthodoxen Mehrheit im Gemeinderat 1925 den Anschluss an Eisenstadt. Bewegung in die ungelöste Frage der Landeshauptstadt kam mit der Zusage des Bundes für jährliche Zuschüsse über die normalen Ertragsanteile. Im Süden des Landes wurde - vor allem von den Abgeordneten des Landbundes - Pinkafeld als Hauptstadt propagiert. Es fanden Kundgebungen und Demonstrationen in allen Orten, die sich bewarben, statt, wobei es Eisenstadt geschickt gelang, die Wiener Medien für seine Sache einzuspannen. Die Abstimmung wurde schließlich geheim und ohne Klubzwang durchgeführt. Die entscheidende Landtagssitzung war am 30. April 1925. Die beiden Mattersburger Michael Koch und Hans Suchard zogen ihr Eintreten für Mattersburg zugunsten von Sauerbrunn zurück. Dr. Paul Esterházy trat ebenfalls für Sauerbrunn ein und bot mehrere Gebäude als Geschenk an. Er befürchtete offenbar eine Enteignung des Schlosses in Eisenstadt. Drei Abstimmungen verliefen ergebnislos. Dann schied Pinkafeld aus. Damit waren 20 Stimmen für Eisenstadt und 9 dagegen. Das war die erforderliche Zweidrittelmehrheit. Landeshauptmann Josef Rauhofer, ein gebürtiger Mattersburger, trat noch am 50. April zurück und löste eine Regierungskrise aus, die fast neun Monate dauerte.

Es gelang in Eisenstadt zwischen Stadt und Kaserne ein geeignetes Baugelände zu finden. Für den Bau von Beamtenwohnungen wurde ein Teil des Kasernengeländes erworben und dort die Rheinlandsiedlung errichtet. Esterházy trat das Areal des Schweizerhofes ab und lieferte kostenlos Baumaterial. Die Landesregierung garantierte ihm dafür den ungestörten Besitz seiner Eisenstädter Gebäude. Ein Architekturwettbewerb erbrachte 1926 79 Entwürfe. Aus Kostengründen entschied man sich für den Gewinner des zweiten Preises, für den Entwurf von Rudolf Perthen. Am 14. 12. 1926 war Grundsteinlegung, 1929 wurde das fertige Gebäude übergeben und Regierung und Landtag zogen ein.

Mit der Hauptstadtfunktion wurde Eisenstadt zu einer Behörden- und Schulstadt. Mit dem Landesmuseum, dem Landesarchiv und der Landesbibliothek wurden wichtige kulturelle Einrichtungen geschaffen. In jüngerer Zeit kamen dazu: das Landesstudio Burgenland des ORF, das Haydn - Konservatorium, das Kulturzentrum. Im Wertheimerhaus wurde ein "Österreichisches Jüdisches Museum" eingerichtet. Auch die Kirchen schufen ihre Zentralen in Eisenstadt. 1924 wurde die Apostolische Administratur Burgenland errichtet, nach dem 2. Weltkrieg wurde der Bischofshof gebaut. 1922 wurde die Evangelische Superintendentur, zunächst in Oberschützen, eingerichtet und später nach Eisenstadt verlegt. Nach dem Anschluss an Österreich entstanden die Nationalbank, die Post, die Landwirtschaftskammer, die Arbeiterkammer, die Bauernschule. Für die wachsende Zahl der Beamten vor allem in der Landesverwaltung wurden Beamtenwohnungen in der Rheinlandstraße, im Schweizerhof (früher herrschaftliche Schweizerei) und in der Bahnstraße errichtet.

Nach dem 2. Weltkrieg kam mit der Industrialisierung ein weiteres Element in die Behörden- und Schulstadt. Im Süden und Osten der Stadt, entlang der Rusterstraße und der Mattersburger Straße, entstanden Industriebetriebe und große Einkaufszentren. Weit mehr Arbeitsplätze aber entstanden mit den Zentralen von BEWAG und BEGAS, Wasserleitungsverband und den zahlreichen Zentralen der öffentlichen Verwaltung wie Finanzamt und Kammer der gewerblichen Wirtschaft, das große Bundesrealgymnasium mit Bundeskonvikt, die Lehrerbildungsanstalt, das Landesgericht, das Bundesschulzentrum , die Landesfeuerwehrschule, die Pädagogische Akademie,  das ORF - Landesstudio. Das Krankenhaus wurde ausgebaut, die Krankenkassen errichteten ihre Landeszentralen. Auch zahlreiche Banken entstanden.  Der Wohnungsbau wurde vor allem von Wohnbaugenossenschaften getragen, die Wohngebiete wurden stark ausgedehnt.

Nahe der Altstadt befand sich das Gasthaus "Zur Weißen Rose". Es wurde 1945 bis 1955 von den Russen als Casino und als Sowjetisches Informationszentrum beschlagnahmt. Das Gebäude war im Besitz der Brauerei Schwechat und wurde 1956 als "Schwechaterhof" ein Restaurant und Hotelbetrieb. 1979 erwarb die Bundesländerversicherung den Komplex und errichtete unter Einbeziehung der ehemaligen Hauptschule den Bundesländerhof und das Hotel Burgenland.

Industrie nach 1945

Erst nach dem Abzug der Besatzungsmacht kam es zu ersten Industrieansiedlungen. Die Stadt stellte die ehemalige Hutweide zur Verfügung. Die Stromversorgung erfolgte durch die BEWAG. Schon 1900 hatte die Eisenstädter Elektrizitäts - Aktiengesellschaft ein kalorisches Kraftwerk im Bereich des heutigen Kulturzentrums in Betrieb genommen. Dort war dann der Sitz der BEWAG bis 1971, bis zum Bau der neuen Zentrale in der Kasernenstraße. 1990 wurde die BEWAG teilprivatisiert, 49 % wurden an die Burgenland - Holding verkauft. 1959 errichtete die Firma Ludwig Heuschneider, die von Wien nach Eisenstadt übersiedelte, einen Betrieb. Sie erzeugte Metallmöbel, musste aber bald in Konkurs gehen. Vorübergehend bestanden eine Textildruckerei und ein Unternehmen für Heizungstechnik  (Fa. Arnold, bis 1990). Ab 1960 bestand eine Niederlassung der Strick- und Wirkwarenfabrik Altmann, die in den 1960er Jahren etwa 200 bis 300 Frauen beschäftigte. Aber schon 1965 wurde der Betrieb wieder eingestellt. Ebenfalls 1960 begann die Polstermöbelproduktion der Firma Sykora und Prokop. 1963 musste die Firma in den Ausgleich gehen. Die Stadt blieb auf einem 5 Millionen Schilling Kommunalkredit sitzen. Auch zahlreiche weitere Firmen bestanden nur für kurze Zeit. 1968 nahm die Firma Huber Trikot - Strick und Wirkwaren den Betrieb auf. Sie wurde 1993 geschlossen. Die Betriebsansiedlungspolitik war also zunächst wenig erfolgreich. Erst die nächste Welle von Betriebsgründungen schuf Bleibendes. 1969 nahm die Firma Isosport  des Turnauer - Konzerns die Produktion auf. Sie erzeugt Verbundbauteile, Zubehör für  Schisportartikel und Camping, ab 1995 auch Zubehör für die Autoindustrie. 275 Mitarbeiter waren beschäftigt. 1978 vernichtete ein Großfeuer das Werk, das aber rasch wieder aufgebaut wurde. Mit Schibelägen, Glasfiberfedern, Tennissaiten, Glasfaserelementen für den Fahrzeugbau usw. ist der Betrieb sehr erfolgreich. Der Exporteinteil ist sehr hoch. Der Betrieb betreibt auch Forschung und bietet qualifizierte Arbeitsplätze. Erfolgreich war und ist auch die Eisenstädter Tochterfirma von Landis und Gyr. Leit- und Fernwirkstechnik, die ebenfalls hochqualifizierte Arbeitsplätze hat. Ein High - Tech Betrieb ist auch LMS - Laser Medical System, die sich in den Hallen von Huber-Trikot niederließ. Nach Anfangsproblemen konnten bald Erfolge erzielt werden.

Das Technologiezentrum Eisenstadt entstand im Zusammenwirken von WIBAG (Wirtschaftsservice Burgenland), der Wirtschaftsparkentwicklungsgesellschaft des Bundes und der Freistadt Eisenstadt sowie der Raiffeisen - Landesbank. Es wurde von EU, Bund und Land gefördert. 1997 war Baubeginn. Um einen Zentralbau mit Verwaltung und technischer Infrastruktur gruppieren sich "Container" für die einzelnen Unternehmen, unter anderem für die Nokia Austria Ges.m.b.H., die Österreich-Zentrale von Nokia mit Kompetenzzentrum.

Bevölkerungsentwicklung

Bis zur Residenzerhebung entwickelte sich die Einwohnerzahl ähnlich wie die anderer großer Dörfer am Leithagebirgshang und am Neusiedler See. 1515 wurden 137, 1569 150  und 1589 160 Lehensfamilien gezählt. 1675 lebten 25 fürstliche Untertanen im Schloss und im Meierhof. Es gab 13 alte und 45 neue Judenhäusl.  1649, 1679 und 1683 waren schwere Pestjahre. Die Kuruzzeneinfälle am Oberberg und Unterberg kosteten ebenfalls vielen Menschen das Leben. 1709 und 1714 brach die Pest im Getto aus. 1713 forderte die Pest 500 Opfer. 1715 und 1720 gab es in der Stadt 106 Haushalte, 1785 4410 Einwohner. 1821 hatte die Stadt 2407 Einwohner, Schlossgrund und Oberberg 1655 und das Getto 612 Einwohner.  1863 hatte die Stadt 3067 Einwohner, Oberberg 1818 und Schlossgrund 242 Einwohner. 1831 und 1849 waren Cholerajahre.  1900 hatten die drei Siedlungen zusammen 5210 Einwohner, 1923 4767, 1939 6594 (mit Kleinhöflein und St. Georgen), 1946 5060 und 1961 7134 Einwohner. Vor allem in den letzten Jahrzehnten stieg die Einwohnerzahl - auch als Folge der neuerlichen Eingliederung von St. Georgen und Kleinhöflein  - stark an. 1948/1950 waren Kleinhöflein und St. Georgen wieder selbständig geworden, 1971 wurden sie erneut eingemeindet.  1981 hatte die Stadt 10 102, 2001 11 334 und  2013  13 351 Einwohner. Die Geburtenbilanz ist negativ, die Zuwanderung nach wie vor stark. Zwischen 1991 und 2001 war die Wanderungsbilanz mit 1104 Personen positiv.

Stark verändert hat sich nach dem Anschluss des Burgenlandes an Österreich die ethnisch - sprachliche Struktur der Bevölkerung. 1910 kamen auf 3399 Deutsche 1255 Magyaren, 1934 auf 6047 Deutsche  302 Magyaren. Diese großen Veränderungen sind natürlich einerseits auf den Rückzug vieler magyarischer Beamter, Militärs usw. nach Ungarn zurückzuführen, größtenteils aber auf die sprachlich - nationale Eigendefinition der Bewohner. Auch die konfessionelle Zusammensetzung der Bevölkerung änderte sich: Die Zahl der Evangelischen stieg von 52 1890 auf 493 im Jahre 1961. Die Zahl der Juden lag 1843 bei 612 Personen, stieg bis 1871 auf einen Höchststand von 876 und fiel dann kontinuierlich bis 1923 auf 445 Personen. Die Abwanderung ging vor allem in Richtung Wien.

1784/85 lebten nach der Josephinischen Conscription in der Stadt 18 Geistliche, 32 Adelige, 19 Beamte, 181 Bürger, 130 Bürger- und Bauernerben, 304 Söllner und 110 Sonstige. 1934 waren (Berufstätige und Angehörige)  349 der Land- und Forstwirtschaft, 1174 Personen dem Gewerbe und der Industrie, 648 dem Handel und Verkehr, 139 dem Geld-, Kredit- und Versicherungswesen 1442 dem Öffentlichen Dienst, 362 den Freien Berufen, 49 dem häuslichen Dienst zuzuzählen. 555 waren ohne Beruf. Die sozialökonomische Struktur der Bevölkerung hat sich mit der Erhebung zur Landeshauptstadt erheblich geändert. Eisenstadt wurde zu einer "Beamtenstadt". Der Anteil der Freien Berufe nahm ebenfalls stark zu. Eisenstadt ist wie kaum eine andere Stadt in Österreich eine Einpendlerstadt. Schon in der Zwischenkriegszeit war der Anteil der Einpendler aus Trausdorf, Wulkaprodersdorf usw. sehr hoch. Heute stehen in den Umgebungsgemeinden günstigere Wohnungen und Bauplätze zur Verfügung.

Stadtplanung und Stadtentwicklung

Die Stadtentwicklung der jüngsten Zeit, der letzten Jahrzehnte, war durch Ausbau der Industrie- und Einkaufszentren entlang der Rusterstraße und der Mattersburger Straße gekennzeichnet, aber auch durch Ausdehnung der Wohngebiete bis hin zur Zersiedelung. Baugeschehen und Bevölkerungswachstum verlagerten sich aber zusehends in die Umlandgemeinden. Mit der Erstellung eines Verkehrskonzepts und der Errichtung der Fußgängerzone in der Innenstadt sollte der Kaufkraftabfluss aus dem Kernbereich gemindert werden. Als Stadterweiterungsgebiet wurden die Kirchäcker im Südosten der Stadt mit einer dichteren, jedoch stark durchgrünten Bebauung vorgesehen. Da dieses Gebiet in der Nähe des Zentrums liegt sollte dadurch auch der Stadtkern wieder gestärkt werden. Um die hohe Lebensqualität zu erhalten sieht das Stadtentwicklungskonzept vor, die Ausweitung der Siedlung im Norden, vor allem im Bereich des Schlossparks, einzuschränken.

Der im Süden gelegene Industrie- und Gewerbepark mit dem Technologiezentrum weist noch ausreichend Freiflächen auf. Das Verkehrsleitbild für die Zukunft sah vor allem den Ausbau des Bahnhofes, einen Busbahnhof und Park-and- Ride - Anlagen vor. Die Fußgängerzone sollte in Richtung Stadterweiterungsgebiet ausgedehnt werden.

Gründung einer evangelischen Kirchengemeinde und Errichtung der Superintendentur

Als mit dem Toleranzpatent von 1781 und den Beschlüssen des Preßburger Landtages von 1791 auch in Eisenstadt es wieder möglich wurde, sich zum evangelischen Glauben zu bekennen, gab es in der Stadt nur ganz wenige Protestanten, meist zugezogene Handwerker oder Hofbedienstete, Erst mit der Errichtung des Stuhlrichteramtes und des Militär - Unterrealgymnasiums kamen verstärkt evangelische Beamte, auch Offiziere und Lehrer in die Stadt. Die Initiative zur Gründung einer Kirchengemeinde ging 1885 vom pensionierten Gymnasialdirektor Paul von Kiraly und vom Rechtsanwalt Matthias Laschober aus. Sie strebten zunächst an, als Filiale von Ödenburg anerkannt zu werden, was auch gelang. Am 10. Mai 1888 fand in Eisenstadt der erste evangelische Gottesdienst statt. Die Gottesdienste wurden zumeist im Hotel Zur Weißen Rose abgehalten. In einem Bau- und Harmoniumfonds wurde für einen Betsaal gesammelt. Der geplante Erwerb der Josephi-Kapelle wurde jedoch vom katholischen Stadtpfarrer verhindert. Die Zahl der Evangelischen in Eisenstadt stagnierte, in Neufeld hingegen stieg sie nach der Gründung der Jutefabrik stark an. Der dortige Direktor Max Baum organisierte regelmäßig Gottesdienste. So wurde Neufeld Sitz eines "Misssionskreises" für das ganze Gebiet. Gustav Adolf Ludig wurde Pfarrer und 1900 wurde eine evangelische Kirche errichtet. Eisenstadt wurde Filiale der Muttergemeinde Neufeld. Treibende Kräfte in Eisenstadt waren die beiden Töchter von Kiralys, die in Eisenstadt den ersten Kindergarten gründeten. Sie organisierten den Religionsunterricht an den Staatsschulen. 1910 gab es in Eisenstadt 115, in Neufeld 121 Gemeindemitglieder. 1919 musste der Pfarrer Neufeld, das schwer unter der Wirtschaftskrise litt, verlassen. 1927 beschloss eine Gemeindeversammlung, Eisenstadt als Muttergemeinde anzu erkennen. Neufeld wurde von Wr. Neustadt aus, Eisenstadt von Rust aus betreut.

1926 wies Superintendent Theophil Beyer, der seinen Sitz in Oberschützen hattem auf die Notwendigkeit einer Gründung einer evangelischen Gemeinde in Eisenstadt, der neuen Landeshauptstadt, hin. 1932 gab es im Stadtgebiet von Eisenstadt 328 Evangelische. 1933 wurde das Pfarramt in Eisenstadt genehmigt, eine neue Gemeindevertretung gewählt. Kurator wurde der Arzt Dr. Friedrich Schrauf. Ab 1932 war Dr. Bernhard Zimmermann als Vikar in Eisenstadt tätig. Zimmermann war ein äußerst rühriger Kirchenhistoriker, der die evangelische Vergangenheit Eisenstadts erforschte. 1935 wurde Dr. Friedrich Kirchbaumer erster Pfarrer.

Am 1. Dezember 1935 wurde die neue "Auferstehungskirche" eingeweiht. Für den Bau einer Kirche in Eisenstadt war schon seit 1890 gesammelt worden, die Inflation und der Ausgleich der Eisenstädter Bezirkssparkasse hatten aber die angesparten Gelder entwertet. Vikar Zimmermann sammelte auf vielen Reisen, vor allem nach Deutschland, Geld. Der auch architektonisch bemerkenswerte Bau der Kirche und des angeschlössenen Pfarrhauses wurde an den Wiener Baumeister Ing. Soche vergeben. Die hohen Schulden, die gemacht wurden, mussten langfristig abgetragen werden. Erst 1938 war der Schuldenabbau beendet.  1938 hatte die Pfarre 411 Gemeindemitglieder.

1945 gingen die Kirchenbücher, das Pfarrarchiv, viele Inventarstücke und die Kirchenkasse sowie Sparbücher verloren. Im Pfarrhaus waren Besatzungssoldaten einquartiert. 1948 wurde Karl Taschner, ein gebürtiger Ödenburger, Kurator. Pfarrer Kirchbaumer ging nach Wien, sein Nachfolger wurde 1949 Mag. Heinrich Haselauer.  1985 begann eine umfassende Sanierung der Kirche, die die Gemeinde erneut finanziell schwer belastete. 1982 folgte auf Haselauer Dr. Johann Holzkorn als Pfarrer. 1994 lebten in der Pfarrgemeinde Eisenstadt - Neufeld 1138 Evangelische.

Erster Superintendent war Theophil Bayer (1924 - 1940) . Die Superintendentem Gustav Albert Dornhöfer und Hans Gamauf hatten pro forma eine zweite Pfarrstelle inne. 1975 wurde die Kirchenverfassung geändert, der Superintendent musste nun nicht mehr Pfarrer seines Amtssitzes sein, er konnte sein Amt hauptamtlich ausüben. 1953 wurde beschlossen, den Amtssitz nach Eisenstadt zu verlegen. In der Berggasse wurde das Amtsgebäude errichtet und 1956 von Gustav Dörnhöfer bezogen.

Eisenstadt als Bischofssitz

Die Entstehung der Diözese Eisenstadt (Dioecesis Sideropolis) war ein lang dauernder Prozess, da zunächst von Seiten der ungarischen Kirche Widerstand geleistet wurde. Nach dem Anschluss an Österreich wurde aus Teilen der Diözese Raab mit 99 Pfarren und aus Teilen der Diözese Steinamanger mit 58 Pfarren die Apostolische Administratur des Burgenlandes gebildet. Erzbischof Kardinal Dr. Friedrich Gustav Piffl wurde Apostolischer Administrator, ab 1932 Erzbischof Kardinal Dr. Theodor Innitzer. Im Konkordat von 1933 war die Erhebung zu einer Praelatura nullius vorgesehen, kam jedoch nicht zur Durchführung. Im November 1949 wurde Dr. Josef Schoiswohl zum Apostolischen Administrator ernannt und 1951 zum Titularbischof von Phytea geweiht. Schiswohl wurde Bischof von Seckau, 1954 folgte ihm DDr. Stefan László als Apostolischer Administrator nach. Provikare waren 1922 bis 1932 Dr. Franz Hlavati und 1932 bis 1949 Propstpfarrer Prälat Dr. Josef Köller. Amtssitz der Administratur war zunächst Wien, dann Eisenstadt, Mattersburg und Sauerbrunn, seit 12. November 1951 wieder Eisenstadt. Ab 1953/54 wurde die St. Martinskirche zur zukünftigen Bischofskirche ausgebaut, der Bischofshof und das Verwaltungsgebäude errichtet. Am 14. Oktober 1960 wurde DDr. László zum ersten Diözesanbischof der Diözese Eisenstadt ernannt. 1993 bis 2010 war Dr. Paul Iby Bischof, ab 2010 Dr. Ägidius Zsifkovics.

Die Diözese Eisenstadt ist Erhalter des Privatgymnasiums "Gymnasium der Diözese Eisenstadt Wolfgarten" und des Theresianums.

Literatur: Prickler, Harald und Seedoch Johann (Hg.), Eisenstadt. Bausteine zur Geschichte. Eisenstadt 1998