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Die evangelische Kirche. Ansichtskarte. Sammlung Floiger

Von der Lage, vom Klima und von den Böden her war Lutzmannsburg ein bevorzugter Siedlungsplatz, der - wie zahlreiche Funde von Gefäßresten und Wohngruben zeigen - schon in der Jungsteinzeit genutzt wurde.
Aus der Römerzeit sind, wie angesichts der Nähe zu Savaria-Steinamanger und der Lage an der "Bernsteinstraße" nicht anders zu erwarten, zahlreiche römische Landhäuser und Siedlungsplätze belegt. In jüngster Zeit wurde durch Ausgrabungen auch ein Militärlager, wahrscheinlich ein Marschlager, bei Strebersdorf/ Lutzmannsburg belegt. Auch die dazugehörende Siedlung wurde gefunden. Mindestens zwei römerzeitliche Villen sind bekannt. Besonders interessant sind Gebäudereste im Weingebirge, etwa auf dem Gelände der ehemaligen Burg bei der Katholischen Pfarrkirche, wo große Mengen an römischen Ziegel und Dachziegel gefunden wurden, und an zwei weiteren Stellen. H. Prickler vermutet - da zu Beginn des 13. Jahrhunderts bereits das ganze Weingebirge für den Weinbau genutzt wurde - eine gewisse Kontinuität des Weinbaues aus der Römerzeit. So wäre es auch nicht weiter verwunderlich, dass die ersten ungarischen Könige Lutzmannsburg zum Sitz einer Burggespanschaft gemacht haben. Auch die Komitatsvororte Ödenburg, Raab und Wieselburg wären ja an der Stelle von Römerstädten entstanden. Die römischen Ziegel hätten beim Bau der Komitatsburg Verwendung gefunden.
Um die Jahrtausendwende, nach der Niederlage der Magyaren auf dem Lechfeld, ihrer Sesshaftwerdung und Christianisierung unter König Stephan d. Heiligen kamen mit der bayrischen Herzogstochter Gisela, der Gemahlin Stephans, deutsche Bauern und Bürger ins Land. Lutzmannsburg wurde nach der Umgestaltung des Landes nach deutschem Vorbild Sitz einer Burgespanschaft, eines Komitates. Im späten 13. Jahrhundert wurde dieses Komitat, nachdem es durch zahlreiche Landschenkungen bereits stark durchlöchert war, dem Komitat Ödenburg angeschlossen Parallel dazu erfolgte die Kirchenorganisation. Im Bistum Raab wurden Archidiakonate in Wieselburg, Ödenburg, Eisenburg und Lutzmannsburg eingerichtet.
Erstmals urkundlich erwähnt wird Lutzmannsburg in Jahre 1156. König Geisa (Geza) II. verlieh in diesem Jahr den ins Land gerufenen, wahrscheinlich aus Meißen stammenden Rittern Gottfried und Albrecht für ihre Kriegsdienste unter anderen Besitzungen das Dorf "Lusman" mit dem Marktzoll und die Dörfer Gerolth (Kroatisch Geresdorf) und Sarud (Frankenau). Damit kann Lutzmannsburg als der älteste Marktort des heutigen Burgenlandes bezeichnet werden. Die Nachkommen der beiden Ritter nannten sich später "Frankenauer" oder "Gös". Gegen die Schenkung protestierte Ivanka, der Gespan des Komitates Lutzmannsburg, der behauptete, der Markt würde zum Komitat gehören. Er wurde jedoch von König Stephan III. 1171 abgewiesen. Der Markt und vor allem der Weinbau erlebten noch im 13. Jahrhundert einen großen Aufschwung.
Mit Lutzmannsburg erlebte auch die gesamte Umgebung einen entsprechenden Aufstieg. 1195 schenkte Banus Dominicus dem Kloster Heiligenkreuz im Wienerwald die Orte Mannersdorf, Strebersdorf, Klostermarienberg, Prössing, Putzelsdorf, Minihof, Warasdorf und Agendorf - Mit Mühlen, Feldern, Wiesen und Wäldern sowie Weingärten. Dominicus hatte ein Kreuzzugsgelübde abgelegt, konnte dieses aber nicht einhalten. Die Zisterzienser gründeten das Kloster Marienberg. In einer spätestens 1218 ausgestellten Urkunde schenkte auch Iwan, Ritter des Königs und des Erzbischofs Berthold von Kalocsa, dem Kloster einige Güter. Er bestimmte den Erzbischof für den Fall seines Todes zum Treuhänder seines Besitzes und Beschützer seiner Familie. Zu seinen Besitzungen zählte er die halben Einkünfte in "Luceman", eine Mühle mit vier Gängen, von denen einer Loden mahlte, eine Mühle mit zwei Gängen und zwei weiteren zum Lodenmahlen, das Bergrecht von neun Weingärten und drei weitere Weingärten, die er selbst auspflanzen ließ. Dem Kloster vermachte er drei ganze Höfe und einen Weingarten in Lutzmannsburg. Besonders bemerkenswert an dieser Urkunde ist, dass die Namen der Bauern genannt werden, für diese Zeit außerordentlich selten, da die Familiennamen ja größtenteils erst später entstanden. Sie hießen Weyman, Haberweyn und Wergant, Hirsman und Pesner. Ebenso bemerkenswert ist - neben der Erwähnung des umfangreichen Weinbaues - die Nennung der Mühlen und die Lodenerzeugung, der älteste Hinweis auf Textilgewerbe in diesem Raum.
Die königliche Burg, die Komitatsburg, war in der Mitte des 13. Jahrhunderts bereits zugrunde gegangen. 1955 bis 1958 wurden Ausgrabungen in und um die katholische Kirche durchgeführt. Sie zeigten, dass es zwei feste Bauten gegeben hatte, deren Fundamente mit mächtigen Steinplatten befestigt waren.
Die Grundherrschaft ging bis zum Ende des 13. Jahrhunderts von der Familie der Frankenauer - Gös an die Güssinger über, die Lutzmannsburg ihrer Herrschaft Güns eingliederten. Vor allem der Verfall der Burg, die Auflösung des Komitate und der Anschluss an Güns bedeutete für Lutzmannsburg einen Bedeutungsverlust. Lediglich der Sitz des Archidiakonates blieb. Lutzmannsburg konnte sich nicht - wie andere Komtatssitze - zur Stadt entwickeln. Es blieb auf der Grundlage des Weinbaues ein reicher Bauern- und Handwerkermarkt.
Die Pfarrkirche St.Veit wurde erst im frühen 15. Jahrhundert erbaut, dort, wo früher die Komitatsburg stand. 1445 brannte die Kirche ab, nur der Chor blieb erhalten. Das Langhaus und der Turm wurden aus Holz wieder aufgebaut und im 17. Jahrhundert durch den heutigen Ziegelbau ersetzt. Es muss aber schon früher eine Kirche gegeben haben. Prickler vermutet den Standort im Ortsteil Breiten, wo sich früher ein Friedhof befand, Die Gräber weisen bis in das 10. Jahrhundert zurück. Diese alte Diakonatskirche war wahrscheinlich dem Heiligen Koloman geweiht. Zum Diakonat Lutzmannsburg gehörten im 17. Jahrhundert alle Orte des heutigen mittleren Burgenlandes und des angrenzenden Westungarn bis zur Rabnitz und Kapuvar. Man könnte daraus schließen, dass einst das Komitat Lutzmannsburg eine ähnliche Ausdehnung hatte.
1445 wurde die Stadt Güns von Friedrich III. belagert. Dabei könnte auch Lutzmannsburg zerstört worden sein und die Kirche abgebrannt sein. Bei dem Brand gingen auch die alten Freiheitsbriefe verloren. Der Vizegespan von Ödenburg, Coloman de Völcsej, bestätigte auf Bitten des Marktrichters Peter Senfft, des Jakob Fleischhacker und des Bergmeisters Peter Lasla 1466 die alten Rechte des Marktes, nachdem zuvor zahlreiche Zeugen aus den umliegenden Orten gehört worden waren. Ein wichtiges Privileg, das dabei bestätigt wurde, war: Der Weinhandel der Marktbürger mit Österreich durfte durch den Kastellan der Herrschaft nicht behindert werden.
Im Spätmittelalter ging der Weinbau zurück und kleinere Dörfer, auch in der Umgebung von Lutzmannsburg, wurden öde, so etwa Spanfurt, Putzelsdorf (Zarka) zwischen Geresdorf und Minihof oder Engelsdorf (Enyed, Engud, Zangelsdorf) bei Frankenau. Auch andere Dörfer wie Geresdorf, Minihof, Nikitsch, Frankenau, Groß- und Kleinwarasdorf, Nebersdorf und Klostermarienberg verödeten zum Teil. Auch Lutzmannsburg blieb nicht ganz verschont. 1451 waren 33 Halblehen dienstbar, 17 waren befreit, also wahrscheinlich öde. Der Ort bestand aus 61 Häusern. 8 Viertelhofstätten und zwei Mühlen waren dienstbar, eine Mühle gehörte dem Kloster Marienberg. 1532 nahm die Bevölkerung von Lutzmannsburg an der Verteidigung von Güns gegen die Türken teil. Der Markt wurde geplündert und gebrandschatzt.
Im weiteren Verlauf des 16. Jahrhunderts erlebte der Markt dann einen gewaltigen Aufschwung. Die Bevölkerung stieg vor allem durch die Zuwanderung deutscher Handwerker stark an. 1569 gab es bereits 118 Häuser. Der Weinbau erholte sich, das gesamte Weingebirge wurde bepflanzt. Auch die Dörfer der Umgebung konnten sich durch die Einsiedlung von Kroaten erholen.
1445 nahm Friedrich III., der spätere Kaiser, die Herrschaft Güns in Besitz, Sie wurde den österreichischen Verwaltungsbehörden unterstellt und blieb bis 1674, bis zur "Reincorporation" nach UNgarn, also über mehr als 200 Jahre, österreichisch. Friedrich verpfändete die Herrschaft an zumeist österreichische Adelige - 1449 an Friedrich Zeinger, 1451 an Bernhard Mitterndorfer und 1472 an Sigmund Prueschenk. Kaiser Maximilian I. verschrieb die Herrschaft dem Ambrosius Sárkány de Akosháza, zeitweise an die böhmischen Ritter Mraksche. 1530 kam des Pfandrecht an den kroatischen Adeligen Niclas Jurischitz, der 1532 Güns erfolgreich gegen die Türken verteidigte. Danach blieb ihm die Herrschaft auf Lebenszeit überlassen. Nach seinem Tod bemächtigten sich seine Neffen Niclas und Hans Jurischitz der Herrschaft. Diese wurde ihnen jedoch abgesprochen und 1547 um 6 000 Gulden an Hans von Weispriach verpfändet, 1550 an Weispriachs Schwiegersohn Christoph Teuffl. 1558 wurde wieder Niclas Jurischitz, der Schwager Teuffls, Pfandherr, Es folgten 1573 Franz von Schönaich, 1574 Catharina Batthyány, Johann Chóron de Devecser (Hans Tschuramb), dessen Tochter Margarethe, die Witwe Christoph Nádasdys seit 1586, deren Sohn Paul Nádasdy bis 1616. Der häufige Wechsel und die mit der Pfandherrschaft verbundene Ausbeutung wirkten sich negativ aus, Die Untertanen brachten auch immer wieder Klagen bei der niederösterreichischen Hofkammer ein.


1616 wurde die Herrschaft an den Freiherrn Thomas Széchy verpfändet. 1645 konnten seine Nachkommen die Herrschaft um 31 000 Gulden kaufen. Der Pfandschilling war inzwischen auf 246 253 Gulden angestiegen. 1647 erfolgte dann die bereits erwähnte Rückgliederung an Ungarn. Die Lutzmannsburger hatten sich aber schon 1645 von Dionysius Széchy ihre Rechte als "kaiserliche Untertanen" bestätigen lassen. Auch unter den Széchy gingen die Verpfändungen weiter. 1657 verpfändete Graf Johann Kéry im Auftrag der Juliana Széchy den Markt Lutzmannsburg um 15 000 Gulden an den Ödenburger Anwalt Stefan Vittnyédy, 1662 verpfändete ihn Peter Széchy an den Raaber Bischof Georg Széchenyi. Fünf Jahre später ging er an Johann Lippay, 1672 wieder an Széchenyi. Als Erzbischof von Gran verwendete dieser Lutzmannsburg als Stiftungsgut für das von ihm gegründete Budapester Jesuitenkolleg.
Die Herrschaft Güns ging in den Besitz der Esterházy über, der Markt Lutzmannsburg aber blieb fast bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts im Pfandbesitz der Jesuiten. 1747 erzwangen die Esterjázy nach mehreren Prozessen die Rückgabe.
Zu Beginn des 13. Jahrhunderts gab es neben dem Bauerndorf bereits eine Hofstattsiedlung in Richtung Weingebirge. Im ersten Urbar des Ortes von 1451 wurden 50 halbe Lehen und 8 Viertelhofstätten genannt. Nach den Zerstörungen von 1532 setzte ein starkes Wachstum ein. 1569 gab es 118 Ansässigkeiten, 28 ganze, 50 halbe und zwei Viertelsessionen, 16 Hofstätten, 18 Neustiftler und 4 Mühlen. Inzwischen war der aufgelassene Ort Spanfurt eingegliedert worden. Die Marktsiedlung lag entlang des Geresdorfer Baches und am Mühlkanal. Eine ständige Gefahr waren die häufigen Überschwemmungen. Die Siedlung war gegen Norden durch eine Mauer mit einem Turm abgeschlossen. 1592 wurden die neuen "Angerhäuser" erstmals urkundlich genannt, die vom Hochwasser immer wieder zerstört wurden. Erst im 18. Jahrhundert wurde dieser Siedlungsteil aufgegeben. 1813 und 1814 waren besonders schlimme Hochwasserjahre, sodass man sich entschloss, auch die Marktsiedlung aufzugeben. Der Ort wurde in etwas höherer Lage an der Komitatsstraße neu erbaut. Die Häuserzahl stieg von 158 im Jahr 1752 auf 179 im Jahr 1923 an. Die Bevölkerung Lutzmannsburgs wuchs, vor allem in den Jahrzehnten um 1900, stark und erreichte 1910 einen Höchststand von 1321 Personen.
Durch Türken und Kuruzzen erlitt der Markt immer wieder schwere Schäden, besonders 1529 und 1532, während der Belagerung von Güns. 1605 wurde er durch Türken und Tataren im Gefolge Bocslais verwüstet, ebenso 1620 in der Bethlen - Rebellion. Ebenso große Schäden verursachten die Einquartierungen, obwohl dich der Markt immer wieder "salvia guardia" - Urkunden erkaufte. 1706 verwüsteten die deutschen und kroatischen Söldner des kaiserlichen Generals Pálffy den Ort und 1708 quartierte sich der Kuruzzengeneral Adam Balogh mit sechs Kompanien ganze acht Monate lang ein. Neben allen Nahrungsmitteln und Viehfutter mussten 133 Eimer Wein aus dem Gemeindekeller geliefert werden. Bezahlt wurde natürlich nicht ...
Sehr schwere Schäden erlitt der Markt immer wieder durch Überschwemmungen, trotz ständiger Arbeit an den Bachbetten und der Errichtung von Gräben und Wehren. 1736 wurden 13 Häuser fortgerissen, die Angerhäuser mussten aufgegeben werden. 1745 wurden mehr als 50 Häuser zerstört. 1813 wurden 103 Häuser völlig und 44 Häuser teilweise zerstört. Der Schaden betrug 83 429 Gulden. Damals wurde die Verlegung der Siedlung beschlossen. 1903 wurde durch Feuer ein Großteil des Ortes vernichtet, Die von den Maurermeistern Schrodt und Zicker errichteten spätbarocken und biedermeierzeitlichen Häuser mit schönen Giebeln wurden im neoklassizistischen Stil neu erbaut. Sie geben bis heute dem Ortskern ein ganz besonderes Gepräge.
Der Anschluss an Österreich und die neue Grenze brachten große Probleme, Lutzmannsburg lag nun verkehrsmäßig in einem "toten Winkel", ohne Hinterland. Das Handwerk, das ohnedies schon durch die Konkurrenz der industriellen Massenwaren geschädigt war, ging nun fast ganz zugrunde. Die Bevölkerungszahl ging auf 912 im Jahre 1961 zurück. Erst in jüngster Zeit, mit dem Aufbau der Therme und der Grenzöffnung, verbesserte sich die Situation grundlegend.
Die Gemeindeverwaltung war im Markt ähnlich organisiert wie in den Dörfern. An der Spitze stand der Marktrichter, aus einem Dreiervorschlag der Herrschaft gewählt, ihm zur Seite zwölf Geschworene, je zur Hälfte von der Herrschaft und der Gemeinde ernannt. Marktschreiber, "Notär", war bis ins 19. Jahrhundert der Schulmeister. Sehr wichtig war das Berggericht mit dem Bergmeister und den Berggeschworenen. Es war für alle Weinbauangelegenheiten zuständig.
So wie in vielen Städten und Märkten Westungarns war auch in Lutzmannsburg das Handwerk in Kombination mit dem Weinbau hoch entwickelt. Das Handwerk war seit dem 16. Jahrhundert in Zünften organisiert, die den Hauptzünften in Ödenburg oder Wr. Neustadt angehörten und deren Zunftordnungen übernahmen. Besonders stark vertreten waren die Leinweber, Zischmenmacher (Stiefelmacher), Fleischhauer, Zimmerleute, Riemer, Tischler und Mauerer, daneben Wagner, Schneider, Hutmacher, Müller Kürschner, Hufschmiede, Schlosser, Seiler, Schuster, Bäcker, Korbflechter, Sattler, Tuchmacher, Fassbinder, Lederer, Schnüremacher und Lebzelter. Oft waren die Zünfte auch konfessionell einheitlich, entweder evangelisch oder katholisch. Alle Handwerker besaßen Weingärten, die handwerkliche Tätigkeit konzentrierte sich auf den Winter.
Weinbau und Handwerk ermöglichten einen entsprechenden Wohlstand, der von Testamenten und anderen Dokumenten bezeugt wird. Dementsprechend hochstehend war auch die materielle Kultur, die bei den reichen Weinbauern durchaus als "bürgerlich" bezeichnet werden kann. Die Häuser waren mit Möbeln und Hausrat entsprechend ausgestattet, die Festtagsbekleidung war aufwändig. Die Häuser waren großzügig mit verzierten Giebeln, Arkadenhöfen und später mit ansprechenden klassizistischen Fassaden ausgestattet.
Kirchengeschichte
In den 1670er Jahren wandte sich der katholische Pfarrer Blasius Rieder den Lehren Luthers zu. Die gesamte Kirchengemeinde folgte. 1579 wurde er vor den Bischof in Raab zitiert, blieb aber standhaft. Später war er für vier Jahre Pfarrer in Weppersdorf und Kobersdorf. Von den folgenden Pfarrern sind bekannt: Salomon Agnetis aus Reps in Siebenbürgen, der die Augsburger Confession 1616 in Csepreg unterfertigte und dort für die Evangelische Pfarre in dem kaiserlichen Markt Lutzmannsburg ordiniert wurde; 1622 ging er nach Harkau. Dann Florian Georg Papa´aus Weimar und Johann Jakob Rumpold, Paul Reinthaler, Wenzel Weingarth (1652 - 1658), der ein Matrikelbuch anlegte, und Johann Vibegius (1859 - 1673). Unter Vibegius wurden das Kirchenschiff (der heute katholischen Kirche) und der Turm neu erbaut. Im Oktober 1673 wurde er in Anwesenheit des Erzbischofs von Kalocsa und Bischofs von Raab Georg Szechényi vertrieben. Er lebte anschließend längere Zeit als Privatmann in Ödenburg , 1682 wählte ihn die Gemeinde Pressburg zu ihren Pfarrer. In der Gegenreformation blieben die Lutzmannsburger überwiegend evangelisch. Zahlreiche Schriften sind aus der Zeit der Verfolgung erhalten und belegen, dass Hausandachten abgehalten wurden. Nachdem das Toleranzpatent die Wiedererrichtung der evangelischen Gemeinde ermöglichte wurde zunächst ein turmloses Bethaus (dort, wo heute die Volksschule steht) und eine evangelische Schule errichtet. 1846 bis 1848 erfolgte der Bau der großen evangelischen Kirche im Ortszentrum.
Der Weinbau in Lutzmannsburg
Aus dem Jahre 1569 ist ein Bergrechtsverzeichnis mit den Namen aller Weingartenbesitzer erhalten. Die Weingärten erstreckten sich über eine Fläche von 120 ha, mit 400 Parzellen und 250 Eigentümer. Der durchschnittliche Besitz betrug 49,5 a. Einige reiche Weinbauern besaßen aber um die 2 ha. Diese benötigten für die Bewirtschaftung zahlreiche familienfremde Arbeitskräfte. Sie ernteten durchschnittlich 70 - 90 hl, in Spitzenjahren über 100 hl. Im 16. Jahrhundert gehörten noch mehr als die Hälfte der Weingärten Ortsfremden, vor allem aus den Nachbargemeinden Frankenau, Strebersdorf, Tenning und Heils, aber auch aus entfernteren Orten, sogar aus Österreich, etwa aus Kirchschlag. Die Herrschaftsweingärten wurden in Robot bestellt. Bergrecht und Zehent mussten nach Güns geführt werden. H. Prickler hat errechnet, dass im Lutzmannsburger Weingebirge mehr als 1000 Personen Arbeit fanden. Bis 1677 ging die Zahl der Auswärtigen zurück, die Einheimischen konnten ihre Besitzungen vergrößern. 1677 hatten auch einige Adelige Weingärten in Lutzmannsburg, etwa Moises Cziráky, der in Unterrabnitz ein Kastell und Teile der Orte Oberrabnitz, Unterrabnitz und Schwendgraben besaß, zeitweise aus Teile von Strebersdorf in Pfand hatte, oder György Ratky, der einige Lutzmannsburger Bauern- und Hofstättlerfamilien in Pfand hatte. Im Jahre 1716 befanden sich noch 43,5 % der Weingärten in auswärtigem Besitz, davon der Großteil im Besitz der Frankenauer und Tenninger. Die Besitzzersplitterung hatte stark zugenommen, die Fluktuation war groß. Eine Neuvermessung 1767 zeigte, dass die Zahl der Parzellen auf 951 gestiegen war. Die Esterházy bewirtschafteten danals drei Weingärten, ebenso besaßen die Pfarren Lutzmannsburg und Frankenau Weingärten. Auch einige im Dienste der Esterházy stehende Adelige hatten Weingärten in Lutzmannsburg. Die Marktgemeinde bewirtschaftete ebenfalls einen großen Weingarten und deckte mit dem Ertrag einen großen Teil der Gemeindeausgaben. 1772 lagen erstmals viele kleinere Weingärten öde, ähnlich wie auch in den anderen Weinbaugebieten Westungarns. Dies war eine Folge der Absatzkrise nach dem Verlust Schlesiens, aber auch der vermehrten Robotleistungen, die die Grundherrschaft verlangte. 1838 waren bereits 42 % der Weingartenfläche gerodet und in Äcker umgewandelt. 1854, als das erste staatliche Grundbuch angelegt wurde, waren schon zwei Drittel der Weingärten gerodet. Nach kurzfristiger Erholung brachte das Auftreten der Reblaus am Ende des 19. Jahrhunderts die völlige Katastrophe. Die Umstellung auf reblaussichere Unterlagsreben war mit hohen arbeitsmäßigen und finanziellen Belastungen verbunden. Erst in den 1960er und 1970er Jahren wurde auf moderne Drahtrahmenkulturen umgestellt. Es entstanden viele Neuanlagen, die Flächen wurden arrondiert. 1967 wurde eine Winzergenossenschaft gegründet. Der Neuaufstieg des berühmten Lutzmannsburger Weines begann.
Der Weinabsatz erfolgte in der weiteren Umgebung, besonders in der Buckligen Welt - trotz der immer wieder verhängten Einfuhrverbote für ungarische Weine nach Niederösterreich. Der Schmuggel war beträchtlich. Seit dem 16. Jahrhundert wurden verstärkt die "Oberländer" (Schlesien, Polen) beliefert, meist über die Stadt Güns. Die Transporte gingen über Pressburg und Olmütz nach Breslau, Liegnitz, Neisse und dann weiter nach Krakau bis nach Danzig. Es waren zumeist schlesische Händler, die den "Günser" aufkauften und transportierten. Der Markt Lutzmannsburg besaß über ein halbes Jahr das Schankrecht, meist pachtete man vom Grundherrn auch das Schankrecht über die zweite Jahreshälfte. Als Schanksteuer wurde unter österreichischer Verwaltung die "Täz" oder "doppeltes Zapfenmaß" eingehoben, etwa 15 % des Verkaufspreises. Dies war ursprünglich eine staatliche Steuer, die später an die Grundherrn verpachtet wurde. Die Grundherrn hoben sie unberechtigter Weise auch nach der Rückkehr der Herrschaft zu Ungarn ein. Beträchtliche Nutzen bezog der Grundherr aus dem "Bannwein" - der Markt musste eine bestimmte Menge Wein vom Grundherrn zu einem überhöhten Preis ausschenken. Meist war dieser Wein von minderer Qualität. Im 18. Jahrhundert errichtete die Grundherrschaft eigene Wirtshäuser. Die Bauern wurden gezwungen, ihren Wein als "Anspannwein" zuerst der Grundherrschaft anzubieten. Der Markt Lutzmannsburg kaufte der Herrschaft schließlich das Weinschankrecht ab. Es entstanden zwei Gemeindewirtshäuser.

Literatur: Harald Prickler, 750 Jahre Weinbaugemeinde Lutzmannsburg. Festschrift 1968