ansichtlockenhaus

Die Burg Lockenhaus wurde erstmals 1242 urkundlich erwähnt. Im Kampf König Belas IV. von Ungarn und Herzog Friedrichs II. von Österreich wurde die Burg, die den Mongolensturm unversehrt überstanden hatte,  von einem Torda, Sohn des Geur, im Auftrag Belas verteidigt. Die Burg kam in den Besitz des mächtigen  Geschlechtes Csák. Noch vor 1270 gelangte die Burg in den Besitz der Güssinger. Demetrius Csák war mit einer Güssingerin verheiratet und überließ die Burg seinem Schwiegervater. Vorübergehend gelangte die Burg in den Besitz Premysl Ottokars. 1279, bei der Teilung der Güssinger Besitzungen, fiel Lockenhaus an Nikolaus. Im Jahre 1337 eroberte der Woiwode Stefan Láczkfi auf Befehl des ungarischen Königs die Burg, die König Karl I. Robert behielt und die Güssinger entschädigte.

König Sigismund übergab die Burg 1390 den Kanizsay als Schenkung. Vorübergehend wurde sie von Herzog Wilhelm von Österreich erobert und einem gewissen Pergauer übergeben. 1409 war sie wieder im Besitz der Kanizsay. Am Besitz der Kanizsay änderte sich auch nichts, als König Maximilian I. 1490 die Burg eroberte. Sie schlossen sich nun dem Kaiser an. 1492 gehörte die Hälfte von Lockenhaus dem Georg Kanizsay, die andere Hälfte Ladislaus, Johann und Stephan Kanizsay. Johann, auch seinen Untertanen gegenüber ein gewalttätiger Grundherr, wurde der Treuelosigkeit angeklagt, weil er ein Mitglied des königlichen Gerichtshofes von Zala in Lockenhaus gefangen hielt und grausam behandelte. Lockenhaus wurde unter anderen Gütern von König Ladislaus II. dem königlichen Mundschenk Michael Policz und seinem Bruder und Petrus Erdödy übertragen. 1515 war die Herrschaft wieder im Besitz der Kanizsay. Unter den beiden Türkenzügen von 1529 und 1532 dürfte die Herrschaft stark gelitten haben. Das Franziskanerkloster von Lockenhaus wurde vernichtet.

1558 gelangten Burg und Herrschaft Lockenhaus nach dem Aussterben der Kanizsay über deren Erbtochter Ursula an Thomas Nádasdy. Unter den Nadásdy wurde das untere, neue Schloss dazugebaut. 1605 wurde die Burg von den Bocskai - Rebellen vergeblich belagert. Unter den Nadasdy wurden die Pfarren der Herrschaft mit evangelischen Predigern, nach dem Religionsgespräch von Tschapring (Csepreg) 1591 mit Lutheranern, besetzt. Sarvar und Deutschkreutz wurden unter Thomas, Franz II. (der "Schwarze Beg") und Paul Nadásdy zu Zentren des westungarischen Protestantismus. Franz III. trat 1643 zum Katholizismus über und heiratete Anna Julia Esterhazy, die Tochter des Palatins Nikolaus Esterházy.  Nach der Hinrichtung von Franz Nádasdy wegen dessen Beteiligung an der "Magnatenverschwörung" wurde die Herrschaft eingezogen, 1672 auf vier Jahre an Nikolaus Draskovich verpfändet und schließlich 1676 um 200 000 Gulden  an Paul Esterházy verkauft. Noch im 16. Jahrhundert wurde unter Franz II. Nadásdy  die ehemalige Klosterherrschaft Klostermarienberg eingegliedert. Damit war Lockenhaus eine der größten Herrschaften im westungarischen Raum. Deutschkreutz aber als eigenständige Herrschaft eingerichtet.1676, zum Zeitpunkt des Verkaufes an Paul I. Esterhazy, gehörten zur Herrschaft: Lockenhaus als Markt und Herrschaftsvorort, Piringsdorf, Pilgersdorf, Steinberg, Unterpullendorf, Bubendorf, Salmannsdorf, Langeck, Deutsch Gerisdorf, Steinbach, Rattersdorf, Liebing, Dörfl, teilweise Oberrabnitz, Hammer, Teich, Lebenbrunn, Kogl, Ober- und Unterkohlstätten, Hochstraß. Die Herrschaft Klostermarienberg wurde aufgelöst und die Dörfer Klostermarienberg, Mannersdorf, Unterloisdorf, Oberloisdorf, Strebersdorf, Kleinwarasdorf,  Kroatisch Minihof, Karl und die (heute in Ungarn gelegenen Orte) Prössing (Peresznye), Siegersdorf (Horvátzsidány) und Bleigraben (Olmód) auf die Herrschaften Deutschkreutz (Kroatisch Minihof und Kleinwarasdorf) und Lockenhaus (alle übrigen Orte) aufgeteilt. Den Ort Klostermarienberg schenkte Paul Esterházy 1679 dem Zisterzienserstift Lilienfeld.

1721 zählten 28 Orte zur Herrschaft: Lockenhaus, Langeck, Ober- und Unterkohlstätten, Deutsch Gerisdorf, Salmannsdorf, Bubendorf, Pilgersdorf, Kogl, Lebenbrunn, Steinbach, Karl, Hochstraß, Piringsdorf, Teich, Hammer, Rattersdorf. Liebing, Mannersdorf, Unterloisdorf, Bleigraben, Dörfl, Steinberg, Oberloisdorf, Unterpullendorf, Prössing, Strebersdorf, Siegersdorf. Unterpullendorf war von 1677 bis 1754 ständig verpfändet und wurde 1754 von der Familie Somogy ausgelöst. Die Herrschaft Güns, die 1721 nur mehr 5 Orte umfasste, wurde zeitweise gemeinsam mit der Herrschaft Lockenhaus verwaltet. Erst 1736 wurde im Günser Schloss wieder eine selbständige Verwaltung eingerichtet. 1750 wurde Strebersdorf von Lockenhaus abgetrennt und an Güns angeschlossen. 1758 trat Fürst Paul II. Anton die beiden Dörfer Prössing und Siegersdorf an Graf Daniel Esterházy, der die beiden Dörfer schon im Pfandbesitz hatte, im Tausch gegen Anteile an der Herrschaft Csobánc ab. Teile der Herrschaft waren immer wieder verpfändet. 

1848 gehörten 25 Orte zur Herrschaft Lockenhaus: Hochstraß - Unterrabnitz - Schwendgraben - Karl - Piringsdorf - Dörfl - Steinberg - Oberloisdorf - Unterpullendorf - Lockenhaus - Langeck - das Prädium Hochbuchen (bei Oberkohlstätten) - Ober- und Unterkohlstätten - Hammer und Teich - Liebing - Rattersdorf - Glashütten - Salmannsdorf - Deutsch Gerisdorf - Bubendorf - Pilgersdorf - Kogl - Lebenbrunn - Steinbach.

1533 wird von einem Stall unter dem Schloss für Kühe, Ochsen und Schweine berichtet, 1538 wurden 532 Schafe, 530 Lämmer und 52 Ziegen gehalten. 1553 wurde ein Teil des Nadásdy - Gestüts von Kapuvár nach Lockenhaus verlegt. Einer Abrechnung von 1657 kann man entnehmen, dass im Lockenhauser Meierhof hauptsächlich Schafe, Ziegen und Schweine gehalten wurden. Mitte des 16. Jahrhunderts wurden drei Teiche angelegt, 1558 kam ein weiterer Teich in Rattersdorf hinzu. Der große Teich zwischen dem Schloss und der Ortschaft Teich wurde durch einen Damm aufgestaut. Weingärten hatte die Herrschaft 1557 in Lockenhaus und in Rattersdorf. Der Lockenhauser Weingarten wurde lange Zeit nicht bearbeitet, 1557 aber wieder als "neu" bewirtschaftet.  1661 gab es in Lockenhaus keine Weingärten mehr.

In wirtschaftlicher Hinsicht war die Herrschaft Lockenhaus und auch der Hauptort, der Markt Lockenhaus,  neben der eher kargen Landwirtschaft und wenig Weinbau schon früh auf die Nutzung des Waldreichtums und der Bodenschätze ausgerichtet. Schon im 15. Jahrhundert gab es am Günsbach einen Eisenhammer, nach dem der Ort Hammer benannt ist. In Lockenhaus gab es eine Pulverstampfe, Ziegelofen, Brauerei, eine Papiermühle und eine Sägemühle. Die Pulverstampfe wurde 1597 erstmals urkundlich erwähnt. 1740 bestand sie noch. In diesem Jahr ersuchte die Wiener Hofkammer den Fürsten, rt möge den Pulvermacher Martin Strasser entlassen, damit er in Wien angestellt werde. 1670 bekam der Pulvermacher Matthias Schermann 27 Zentner Salpeter und lieferte ebenso viele Zentner Schießpulver ab. Graf Nadásdy ließ sich zweimal jährlich 15 Pfund Pulver schicken, um es zu erproben. Im Schloss waren damals 482 Zentner vorhanden (Aegid Schermann, Geschichte von Lockenhaus, S.238). 1657 wird ein Büchsenmacher erwähnt, in der herrschaftlichen Hammerschmiede, die 1661 als oberhalb des Dorfes bestehend erwähnt wird. Er musste jährlich 16 Gewehrrohre machen.

Die Papiermühle zwischen Hammer und Teich bestand schon 1755. Es wurde Schreib- und Konzeptpapier aus Hadern in Handarbeit geschöpft. Um 1864 wurde der Betrieb aufgelassen. Beim Meierhof in Lockenhaus bestand ein Bräuhaus, das Mitte des 19. Jahrhunderts aufgelassen wurde. Im Brauhaus wurde ein zweites herrschaftliches Gasthaus untergebracht und verpachtet.

1492 wird in Lockenhaus an der Güns  bereits eine Sägemühle erwähnt. 1519 gab es in der Herrschaft vier Sägemühlen. 1661 war die viergängige Herrschaftsmühle auch Sägewerk. 1674 verpachtete Draskovich die Hofmühle.1647 bestätigte Franz Nadásdy die Statuten und Privilegien der Müllnerzunft.  Bis 1905 bestand ein herrschaftlicher Ziegelofen, ebenso gab es mehrere Kalköfen. 1662 legte Pietro Orsolini das Zunftbuch der Steinmetze und Maurer an.

1860 pachtete ein Konsortium die Wälder von Lockenhaus. Daran beteiligt war ein reicher Zuckerfabrikant aus Brünn und die Wiener Ledererfamilie Flesch. Sie bauten eine Dampfsägemühle und richteten eine Parkettfabrik in der Burg ein. Angeblich waren 50 bis 100 Tischlergesellen beschäftigt. Die Übernutzung der Wälder bewog die Herrschaft schließlich, den Pachtvertrag zu kündigen. Allerdings dürfte auch die Herrschaft zu viel Holz geschlagen haben, besonders nach der Vergrößerung der Dampfsäge 1907. 1927/28 wurde eine Schmalspurbahn zum Holztransport nach Glashütten gebaut. 1924 errichtete der Pächter der Herrschaftsmühle Johann Braun bei Teich seine Möbelfabrik.

1559 wurde in Lockenhaus eine Herrschaftsmühle gebaut, 1597 dreigängig aus Steinen neu errichtet. Die Lockenhauser Herrschaftsmühle wurde noch vor dem 1. Weltkrieg vergrößert und modernisiert.

Eine Glashütte bestand bei Langeck (Ortsname Glashütten). Bedeutend war die Steinmetzenzunft von Lockenhaus.Nach der kanonischen Visitation von 1756 gab es in Lockenhaus 12 Zünfte: Flechter und Korbflechter, Zimmerleute, Tischler, Müller und Bäcker, Schuster, Hafner, Weber, Tuchmacher, Schneider, Hirten, Maurer und Fleischhauer. Im 19. Jahrhundert war die Zunft der Tuchmacher die größte. Etwa ein Drittel aller Lockenhauser war mit der Tuchfabrikation beschäftigt. Gesellen kamen von weit her, etwa aus dem Rheinland oder aus Schlesien, wie etwa die Tuchmacherfamilie Popp. In den 1840er Jahren soll es ca. 100 Meister und 150 bis 200 Gesellen gegeben haben.  Der Markt von Lockenhaus war ein typischer Handwerkermarkt. Einmal im Jahr fand ein Jahrmarkt statt, der meist gut besucht war.

Eine wichtige Rolle spielten im Ort jüdische Kaufleute. Um 1802 lebten fünf Juden in Lockenhaus. Um 1840 ließen sich Mayer Stössl und Johann Hoffmann aus Lackenbach in Lockenhaus nieder, Jakob Leitner kam aus Schlaining  und 1851 Salomon Kopfstein aus Lackenbach, aus einer esterházyschen Schutzjudenfamilie stammend. Kopfstein eröffnete ein Gemischtwarengeschäft. Seine Brüder Abraham und Isak ließen sich in Unterrabnitz und Pilgersdorf nieder. Jakob Leitner konvertierte um 1883 zum Katholizismus, sein Sohn gab das Geschäft aber auf. Die Söhne des Mayer Stössl, Max und Wolf, wurden sehr wohlhabend, Sie betrieben eine Schnittwaren-, Leder-, Mehl- und Eisenwarenhandlung und verkauften auch Schnaps. Mayer Stössl ließ auf eigene Kosten anfangs der 1880er Jahre am Hauptplatz eine Synagoge errichten. Begraben wurden die Lockenhauser Juden weiterhin in Lackenbach.

Die Burg

Der ältere Teil der Burg Lockenhaus stammt aus dem Mittelalter. Dazu gehören der Bergfrit und der Kapellenturm mit frühgotischen Fenstern. In der Kapelle sind noch Reste von Fresken aus dem 13. Jahrhundert erhalten. Der Palas hat im Erdgeschoss eine große, leicht gekrümmte Halle mit Kreuzrippengewölbe. Das tiefer gelegene "äußere Schloss" wurde im 17. Jahrhundert von Franz Nádasdy errichtet. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde die Burg nicht mehr bewohnt und verfiel immer mehr. Es diente "allerhand Gesindel, Bettler, Zigeuner als Unterschlupf" (Schermann, S. 35). In den 1860er Jahren pachtete ein Konsortium die fürstlichen Waldungen und richtete in der Burg eine Parkett-Fabrik ein. Zumindest ein Teil der Burg wurde bewohnbar gemacht. Später wurde die neue Burg gründlich renoviert und als Museum eingerichtet. Die Ruinen der alten Burg, besonders den größeren fünfeckigen Turm und den "Rittersaal", ließ Fürst Nikolaus Esterhazy teilweise durch den Architekten Stephan Möller aus Budapest und den Ödenburger Steinmetzen Hild restaurieren, dann aber die kostspieligen Arbeiten einstellen. Der Kapellenturm wurde 1935 neu gedeckt.

 


Kirche und Klöster

Das Lockenhauser Franziskanerkloster wurde 1316 von den Güssingern erbaut. Das Kloster brannte 1337 ab. Wahrscheinlich wurde es 1532 während der Belagerung von Güns von den Türken zerstört. In der Reformationszeit bestand das Kloster nicht mehr. Ungewiss ist, ob die Franziskaner auch die Seelsorge betrieben. 1428 wird die Pfarre urkundlich erwähnt.

Nach der Konversion Thomas Nadasdys zum Luthertum wurden wahrscheinlich auch in Lockenhaus und in den übrigen Pfarren der Herrschaft evangelische Pfarrer eingesetzt. Deren Name ist jedoch unbekannt. 1586 erbat Franz Nadasdy von Gregor Stansith einen Seelsorger für Lockenhaus. Der erste namentlich bekannte Pfarrer war Alger Johann, der 1596 die Augsburger Konfession unterschrieb. Nach Rittsteuer war er auch in Pilgersdorf tätig. Später kam er nach Ritzing, wo er anlässlich einer Visitation den Bischof von Raab und Gran als sein "geistliches Haupt" anerkannte. Markus Ott aus der Pfalz, der 1608 die Concordienformel unterschrieb, war ebenfalls Pfarrer. 1612 war der gelehrte Magister Meinhard  Unger Pfarrer, 1613 war Johann Kerts, ein Siebenbürger Sachse, Prädikant, 1637 Theodor Vogel.

 Wolfgang Lang  war damals Pfarrer von Pilgersdorf. In Piringsdorf wirkten nach Trost Johann Vibegius (1655-57). Anton Laymar 81658) und Andreas Graumann (1659). 1660 wurde er durch den Lockenhauser Richter im Auftrag Nadasdys vertrieben. Der Richter drang mit Hilfe von Bewaffneten in die Kirche ein und ließ Altar, Kanzel und Bänke zusammenschlagen. Sowohl in Pilgersdorf wie in Piringsdorf sind auch evangelische Lehrer belegt

1637 konvertierte Franz III. Nadásdy, die Rekatholisierung begann. Sie sollte sich über viele Jahre hinziehen. 1646 untersuchte eine königliche Kommission die konfessionellen Verhältnisse in Lockenhaus. Den Lockenhauser Lutheranern wurde befohlen, die Kirche mit all ihren Gütern an die Katholiken zurückzugeben. Diese willigten ein, dass in ihrer Kirche wie bisher auch weiterhin beide Konfessionen Gottesdienst halten durften. In den Jahren 1647 bis 1649 dürfte der Streit zwischen der evangelischen Mehrheit und den wenigen Katholiken einen Höhepunkt erreicht haben.   Letzter  evangelischer Pfarrer in Lockenhaus war wahrscheinlich Georg Sculteti.  1647 wurde von den Evangelischen Heinrich Trost nach Lockenhaus bzw. Piringsdorf berufen, eine bedeutende Pfarrerpersönlichkeit. Trost stammte aus Jena in Thüringen. Er wurde durch die gräfliche Familie Thurzó als Pfarrer von Lockenhaus empfohlen. 1647 wurde er auf der Synode zu St. Georgen bei Eisenstadt zum Pfarrer ordiniert. Anlässlich einer 1652 durch Bischof Musay vorgenommenen Kirchenvisitation war Trost Pfarrer in Piringsdorf, Lockenhaus war Filiale. Dies dürfte der Hintergrund der Beschwerden aus Lockenhaus gewesen sein, dass die Piringsdorfer den Katholiken ihre Kirche in Lockenhaus weggenommen hätten (Aegid Schermann, Geschichte von Lockenhaus, S. 132 f.) Die St. Ladislaus - Kirche in Lockenhaus war also anscheinend noch in den Händen der Protestanten. Am Reichstag von 1649  beschwerten sich die Evangelischen, dass der Grundherr ihnen ihre zugesicherte Kirche weggenommen hätte. Ihren Pfarrer könnten sie nur in Piringsdorf in einer Hütte erhalten. Außerdem würden sie von den Verwaltern verfolgt, auf Befehl des Oberverwalters Georg Réczey. 1655 gab es auf dem Reichstag erneut Beschwerden: Der Pfarrhof von Lockenhaus mit seinen Einkünften, den die königlichen Kommissionen zweimal den Lutheranern zugesprochen hätte, würde diesen vorenthalten  und die Evangelischen wären Drohungen und Verfolgungen ausgesetzt. 1658 berief  Ödenburg Heinrich Trost  für die Stadtdörfer Agendorf - Wandorf-Loipersbach als Pfarrer, wo er bis 1663 wirkte. 1664 war er Spitalspfarrer in Ödenburg. Nach der Vertreibung 1664 wurde er bei einer Trauung festgenommen. Nach einer abenteuerlichen Flucht - mit Hilfe eines Ödenburger Kaufmannes zunächst nach Wr. Neustadt, wo er sich monatelang verborgen hielt, konnte er sich schließlich nach Jena durchschlagen. Als stellenloser Exulant hielt er einen Vortrag über seine Erlebnisse in Ungarn und bekam schließlich vom Herzog von Sachsen eine Pfarrstelle. Erster katholischer Pfarrer von Lockenhaus war ein Anton Mangoni.

1655 ließ Franz Nádasdy, der katholisch geworden war, ein Augustiner-Eremitenkloster errichten. Ihnen gelang es in langer, keineswegs problemloser  Arbeit, die Herrschaft weitgehend zu rekatholisieren, wenn man von den Besitzern der Freihäuser in Pilgersdorf absieht. Laut Visitationsprotokoll des Stephan Kazó von Eisenburg (Vasvar) war die Bevölkerung der fünf Lockenhauser Pfarren  am Ende des 17. Jahrhunderts wieder ganz katholisch. 1731 führte Kardinal Sinzendorf eine Visitation durch. Der Bericht zeigt, dass es noch manche Probleme gab: "Das Volk ist zwar katholisch, aber sein Benehmen gegen die Ordensleute ist weniger gut ... Der Besuch des Gottesdienstes ist sehr lau, besonders bei der Christenlehre und noch mehr bei der Predigt ...Bei den Männern ist keine Frömmigkeit, kein Eifer; die ausgelassene Jugend ist hartnäckig und meidet die Kirche." (Aegid Schermann, Geschichte von Lockenhaus, S. 185).

Der Baumeister des Klosters wie auch der schönen barocken Pfarrkirche war der Komaske Pietro Orsolino. Der westliche Flügel des Klosters wurde erst 1720, unter den Esterhazy, erbaut. 1656 wird Caesar Syrott als erster Prior mit zwei Priestern und einem Laienbruder nach Lockenhaus geschickt. Sie vertrieben den evangelischen Prediger und ließen sich zunächst bis zur Fertigstellung des Klosterbaues im Pfarrhof nieder. Laut Visitationsprotokoll gab es damals in der Pfarre nur 16 Katholiken. 1820 wurde das Kloster aufgelöst, das Gebäude diente als Pfarrhof und als  Wohnschloss. Das Augustinerkloster verfügte über beträchtlichen Grundbesitz. Nadasdy stattete das Kloster mit einer jährlichen Zuwendung von 1200 Gulden, mit 30 Joch Feldern, der Mühle in Langeck und mehreren Weingärten in Rattersdorf aus. Auch in Deutschkreutz hatte das Kloster Weingärten. Auch in Nebersdorf hatten die Mönche Besitzungen und vorübergehend auch einige Sessionen und Söllner in Oberpullendorf. Die Augustiner versorgten die Pfarre Lockenhaus und vier weitere Pfarreien. Die Seelsorger mussten aber weiterhin im Kloster leben. Nur im Falle des weiter entfernten Steinberg wurde eine Ausnahme gemacht. Dort starben aber in relativ kurzer Zeit drei junge, vom Kloster entsandte Seelsorger. Man vermutete angeblich im Kloster, dass sie von den dortigen fanatischen Protestanten vergiftet wurden. So weigerte sich der Prior, einen weiteren Pfarrer zu entsenden. Das Recht auf die Pfarren Steinberg und Nebersdorf behauptete das Kloster aber auch weiterhin. Der Lockenhauser Konvent bestand aus etwa 6 bis 11 Priester und einigen Laienbrüdern. Die angeblich wertvolle Bibliothek wurde nach Auflösung des Klosters verschleudert. Die Klosteraufhebungen durch Josef II. betraf auch die ungarischen Augustiner-Eremiten, in Lockenhaus durften sie aber bleiben, wahrscheinlich wegen ihrer seelsorgerischen Arbeit. Die Zustände dürften in den letzten Jahrzehnten eher triste gewesen sein. Der Nachwuchs fehlte, der Konvent wurde immer kleiner, zwei Administratoren mussten versetzt werden, einer wegen Trunksucht. Es kam zu Konflikten mit der Gemeinde und auch mit dem Bischof. Prior Auer etwa war ein Gegner der Wallfahrten nach Mariazell. 1817 lebten nur mehr drei Mönche in Lockenhaus. Andere Orden weigerten sich, das Kloster zu übernehmen. Erst 1820 wurde der Konvent aufgelöst. Die Pfarre Lockenhaus sollte durch einen Weltpriester und zwei Kapläne betreut werden. Die noch lebenden Mönche erhielten eine Pension. Die 4370 Hochämter und 11 675 stillen Messen wurden durch wenige Messen ersetzt, die Messstiftungen für verfallen erklärt. Fürst Esterhazy übernahm das Patronat über die fünf Pfarren Lockenhaus, Rattersdorf, Piringsdorf, Pilgersdorf und Kohlstetten. Er erhielt aus dem Klostervermögen 24 000 Gulden, musste dafür aber die Seelsorger der fünf Pfarren erhalten. Die Klostergebäude gingen in fürstlichen Besitz über. Die ersten Weltpriester waren Paul Hafner (1820 bis 1845) und Georg Streit (1845 bis 1874).Julius Bertalanffy (1874 - 1905) aus einer Steinamangerer Buchdruckerfamilie wahr sehr gelehrt und widmete sich dem Ausbau des Schulwesens. Ein neuer Pfarrhof wurde gebaut, die Kirche renoviert. Matthias Heiss, aus Dörfl gebürtig, war ein überaus tatkräftiger Pfarrer, aber auch rechthaberisch und autoritär. In der Zeit der Räterepublik wurde er für einige Tage verhaftet.

Der Grundstein für die prächtige Barockkirche wurde 1656 gelegt, 1669 wurde sie geweiht.  Baumeister war Pietro Orsolini aus Siena, der später auch das Jesuitenkolleg in Güns baute. Unter der Kirche befindet sich die Gruft der Nadasdy, die sich früher unter der Schlosskapelle befand. In der Gruft sind neben den Nadasdy auch Angehörige der Familie Draskovich bestattet.

Zu Lockenhaus gehörten Hochstraß, Langeck und Piringsdorf als alte Filialen.Hammerteich und die Kohlstetten werden erst 1597 erwähnt, Glashütten 1697. Piringsdorf war wahrscheinlich schon in vorreformatorischer Zeit eine Pfarre. Die Evangelischen hatten 1660 eine eigene Kirche. 1745 erhielt die Gemeinde eine katholische Kirche. Ab 1750 ging ein Lockenhauser Pater jeden Sonn- und Feiertag nach Piringsdorf, 1752 wurde im Ort ein Lokalkaplan eingesetzt. 1820 wurde Piringsdorf selbständige Pfarre. Erster Pfarrer war Georg Fink. In Oberkohlstätten wurde1749 eine Kirche eingeweiht. 1790 wurde eine eigene Pfarre für Ober- und Unterkohlstätten eingerichtet, der auch Glashütten angeschlossen wurde.

1874 gründete Maria Esterházy, geborene Trautmannsdorf,  aus Dankbarkeit für die Genesung ihres Sohnes ein Kloster der Barmherzigen Schwestern. Drei Schwestern sollten für die Erziehung und den Unterricht in Handarbeit der Mädchen aus Lockenhaus und Umgebung sorgen, damit diese "gute Töchter, fromme, fleißige und verständige Hausfrauen" würden. Sie wurden im ehemaligen Kastnerhaus untergebracht und dort eine Hauskapelle eingerichtet. Die Schwestern übernahmen den Kindergarten und auch die Mädchenschule in zwei Klassen. 1919 kam es zu Unstimmigkeiten mit Pfarrer Heiss, die Schwestern verließen Lockenhaus 1920. Ihre Stelle nahmen die Schwestern vom göttlichen Erlöser in Ödenburg ein.

Literatur: H.Prickler, Burgen und Schlösser Burgenland. 2.Aufl. Birken - Verlag Wien

Aegid Schermann, Geschichte von Lockenhaus. Pannonhalma 1936

Die Lockenhauser Tuchmacher

Bereits um 1756 läßt sich in Lockenhaus eine Tuchmacherzunft nachweisen. Am Beginn des 19. Jahrhunderts war bereits ein Drittel der Bevölkerung ( 350-400 Personen) in diesem Gewerbe beschäftigt. Die Tuchmacherzunft hatte 1829 die "Hackerschmiede" gekauft, um sie als Tuchwalke zu nützen. Um 1840 arbeiteten ca. 100 Meister und 150-200 Gesellen im Marktort. Die Absatzprobleme der Produkte ließ die Walke kurzfristig schließen. Es konnten in der Folge nur "ordinäre Tücher" - billiger Loden - hergestellt werden. 1878/79 besaß die Lockenhauser Tuchmachergenossenschaft vier Wasserwerke mit Kratz- und Spinnmaschinen und eine Handwalke mit Webstühlen. Die Lage der Tuchfabrikation glich 1881 einem "langsamen Dahinsterben". In den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts besserte sich die Situation mit Salomon Kopstein.

Die Lockenhauser beschränkten sich auf die Herstellung von Loden und die Erzeugung von Pferdedecken und Laufteppiche. Die 25 Arbeiter erzeugten jährlich ca. 1000 Paar Pferdedecken, 500-600 Stück Loden und Laufteppiche, die in Wien und Budapest verkauft wurden. Nikolaus und Franz Moser erhielten 1885 bei "der allgemeinen Landesausstellung" die große Ausstellungsmedaille für Loden und Pferdewolldecken.

Die Walke der Tuchmacherinnung wurde nur mehr zur Kotzenerzeugung verwendet. Während Franz Moser 1894 seine Erzeugung einstellte, konnte Nikolaus Moser mit seiner Wasser-Spinnmaschine noch jährlich 500 Stück Pferdedecken herstellen. Die anderen Mitglieder der Genossenschaft stellten mit ihren Handmaschinen 100-200 Stück Pferdedecken her.

Für einen Aufschwung der Lockenhauser Tuchmacher fehlten das nötige Eigenkapital und Kredite; die Arbeiten mit der Walke wurden eingestellt. Nach der Klärung der Eigentumsfrage übernahm die Marktgemeinde Lockenhaus das Wasserwerk und die Walke. Es ging ab 1895 wieder aufwärts.........

Die Ödenburger Handels-und Gewerbekammer berichtet 1895 über die Auflösung der Lockenhauser Tuchmacherinnung und über eine "Lockenhauser Genossenschaft": die Genossenschaftsmitglieder erzeugten 1895 insgesamt 50 Stück Stoffe, 6o Stück Tuch, 90 Stück ungarisches Manteltuch und 100 Stück Flauschtuch in verschiedenen Farben. Der Verkauf konzentrierte sich auf Jahrmärkte. Ausländische Konkurrenz erschwerte den Absatz. Der Wochenlohn eines Arbeiters betrug 3 - 4 Gulden, jener der Arbeiterinnen 2,5-3 Gulden.

Aus dem Jahre 1906 gibt es ein Ansuchen der Gemeinde Lockenhaus, der Tuchmacher Karl, Wilhelm und Rudolf Popp, Nikolaus und Josef Moser und Johann Jesztl um "Unterstützung und staatliche Maschinen." Für eine gemeinsame Spinnerei hätten sich die genannten Tuchmacher verpflichten müssen, ein "Gebäude von 8 x 12 m, die notwendige Arbeitskraft und ein unbedingt notwendiges Betriebskapital" zur Verfügung zu stellen. Die Gemeinde erfüllte alle Voraussetzungen für die staatliche Hilfe. Für die Reparatur der Walke wurden 2.200 Kronen zugesagt.

Die Tuchmacherfamilie Popp gründete 1789 in Lockenhaus einen Betrieb, der von der ungarischen Regierung unterstützt wurde. Dadurch waren die Gebrüder Popp in der Lage, ihre Produktion auszuweiten: staatliche Maschinen - ein Reißwolf, Wollkrempelmaschinen, eine Mulejenny-Spinnmaschine mit 120 Spindeln - wurden 1907 genehmigt. Sieben Arbeiter waren an 4 Webstühlen beschäftigt. 1908 erlaubte der ungarische Handelsminister die Anschaffung eines Rohölmotors (Dieselmotor) mit 8 PS und zwei mechanische Webstühle.

Auch die alte Walkerei wurde auf Staatskosten erneuert und den Tuchmachern zur Verfügung gestellt. Fürst Nikolaus Esterházy ließ für seine Angestellten die Kleidung aus "Lockenhauser Tuch" fertigen. Die Gebrüder Popp erzeugten Flausch, Lodenstoffe und gehäkelte Tücher aus Wollgarn.

In den Jahren 1935, 1948 und 1955 wurde der Betrieb um eine Halle vergrößert . Trotz Kurzarbeit konnte der kapitalarme Betrieb nicht gehalten werden. 1986 wurde die Produktion endgültig eingestellt.

Quelle:

Hahnenkamp, Hans: Die Burgenländische Industrie, 2. Teil, S. 363f.

 Die Ereignisse 1848/49

Als die Kroaten heranzogen flüchteten die Frauen und Kinder in den Wald. Die Männer beschlossen, den Ort zu verteidigen, Schlossberg und Schüttenberg wurden besetzt und das Feuer eröffnet. Erst als sie sahen, welch großer Übermacht sie gegenüberstanden, flüchteten auch die Männer. Der Ort sollte gebrandsschatzt werden. Auf Bitten des Tuchmachermeisters Bründl, der den Befehlshaber der Kroaten persönlich kannte und angeblich auch des Kaplans Francsek - Pfarrer Streit lag krank in Wien - unterblieb die Brandschatzung. Tatsächlich war wohl entscheidend, dass die Kroaten trachteten, möglichst rasch über die österreichische Grenze zu kommen. Sie führten einen Lockenhauser als Gefangenen mit, doch konnte dieser entkommen. 1849 wurden Dragoner nach Lockenhaus verlegt. Dem Ort wurde zum Verhängnis, dass die Tuchmacher nicht nur dem kaiserlichen Militär sondern auch den aufständischen Ungarn Tuche geliefert hatten. Nach mehreren Untersuchungen wurden Tuche, Rohwolle und Material beschlagnahmt, nach Österreich gebracht und dort im Freien gelagert. Alle Versuche, diese zurück zu bekommen, waren zunächst vergeblich. Die Lockenhauser schickten so eine Delegation unter Franz Popp nach Wien. In einer Audienz beim Kaiser wurde die Rückgabe versprochen, die Waren waren aber inzwischen unbrauchbar geworden.

nach Aegid Schermann, Geschichte von Lockenhaus

Die Rätezeit

So wie in den anderen Orten wurde auch in Lockenhaus ein "Direktorium" aus 5 Räten unter der Leitung von Anton Augustin eingesetzt. Dechant Heiss wurde verhaftet und nach Steinamanger gebracht. Im Meierhof in Hochstraß wurde ein Betriebs - Rat eingesetzt. Als zu Pfingsten, am 8. Juni, die verfrühte Nachricht vom Sturz des Rätesystems eintraf, überfielen die Lockenhauser die Wache im fürstlichen Palais, zogen statt der roten eine weiße Fahne auf und sperrten die Rotgardisten in der Gendarmeriekaserne ein. Franz Klemm übernahm das Kommando über die Lockenhauser "weiße" Garde. Mit sechs Wagen fuhren die Lockenhauser nach Pilgersdorf und Steinbach, wo sie die roten Gardisten und Grenzwächter entwaffneten. Als die "Roten" unter Szamuely Güns besetzten und dort den Hauptmann Waisbecker und den Bauern Herschitz erschießen ließen, flüchteten auch die Lockenhauser "Weißen". In Lockenhaus, Deutsch Gerisdorf und Pilgersdorf wurden zahlreiche Menschen verhaftet und nach Güns gebracht, eingesperrt und verprügelt. In den Dörfern folgten Hausdurchsuchungen und die Zwangsablieferung von 100 Rinder und Schweinen.

nach Aegid Schermann, Geschichte von Lockenhaus