neckenmarktkirche

Der Ort wurde 1279 erstmals urkundlich erwähnt. Lorenz von Aba schenkte dem Kloster marienberg das Gut Lembach. In dieser Urkunde wird "Nek" genannt.1425 wird in Neckenmarkt eine Mautstelle erwähnt. 1482 wird der Ort ersmals als Markt bezeichnet, in einer Urkunde des Matthias Corvinus, in der er Ulrich von Grafenegg die Herrschaft Landsee übergab.1578 bestätigte König Rudolf II. den Märkten der Herrschaft, darunter auch Neckenmarkt, das Marktrecht. Es wurden zwei Jahrmärkte und ein Wochenmarkt abgehalten. 1655 fügte Ferdinand III. auf Ersuchen des Grundherrn einen dritten Jahrmarkt hinzu. Angesichts der Nähe von Ödenburg konnte sich der Neckenmarkter Markt nicht besonders gut entwickeln.
Größere Bedeutung hatte das Handwerk. 13 Handwerkerzechen hatten in Neckenmarkt ihren Sitz. Außerdem waren die sieben Neckenmarkter Mühlen von großer Bedeutung. Von den Zünften wurde die Ledererzunft von Dr. Felix Tobler genauer untersucht. Sie wurde erst 1807 durch Ablösung von der Mattersdorfer Ledererzunft gegründet. Ihr gehörten neben drei Lederermeistern aus Neckenmarkt, alte, traditionsreiche Betriebe, auch Lederer aus Deutschkreutz, Schützen (Lövö), Tschapring (Csepreg) und zwei Meister aus Kapuvár sowie einer aus Frauenkirchen an. Im Verlauf des 19. Jahrhunderts (bis 1872) kamen noch Meister aus Kobersdorf, Markt St.Martin, Großzinkendorf, Csorna, Neusiedl am See, Eisenstadt, Beled und sogar Komorn (Komárom) hinzu. Die Begründung für die Trennung war, dass die Jahrtage in Neckenmarkt leichter zu erreichen waren als in Mattersdorf. Die Zunftordnung der Neckenmarkter Zunft entsprach der Ödenburger Ledererordnung von 1696. (siehe Kapitel Zünfte).
Aus: Dr. Felix Tobeler, Die Neckenmarkter Lederer. In: 500 Jahre Marktgemeinde Neckenmarkt. 1982
"Aufgrund der bisher bearbeiteten Quellen können die Neckenmarkter Lederer bis zur Mitte des 17. Jhs. zurückverfolgt werden, doch ist nicht zu bezweifeln, dass bereits im 16. Jh. Lederer in Neckenmarkt ansässig waren.
Der erste namentlich bekannte Lederermeister in Neckenmarkt ist Wolf Lackner (am 1. Nov. 1668 wird seine Tochter Elisabeth getauft, er starb vor 1686). Sein Sohn Paul Lackner, der sich am 3. Februar 1686 mit Ursula Rohrer vermählte, führte den elterlichen Betrieb weiter, doch ist nicht bekannt, wie lange dies der Fall war. Außer Lackner ist aus dem letzten Drittel des 17. Jhs. ein weiterer Lederermeister aus Neckenmarkt bekannt, nämlich Hans Vollnhofer, dessen Betrieb sich kontinuierlich bis zur 2. Hälfte des 19. Jhs. verfolgen läßt. Seine Söhne Matthias (getauft am 24. Februar 1688, begraben am 29. Juli 1728 in Neckenmarkt) und Michael (gestorben vor dem 6. Juli 1723) waren ebenfalls als Lederermeister in Neckenmarkt ansässig. Während Elisabeth, Witwe nach Michael Vollnhofer sich am 12. Februar 1726 mit dem Zischmenmachermeister Johannes Augl wiedervermählte, wobei ihr Schwager Matthias noch als Trauzeuge fungierte, heiratete die Witwe des Matthias Vollnhofer, ebenfalls Elisabeth mit Namen, am 27. Februar 1729 den aus Marchegg stammenden Lederermeister Johann Thallpachmayr (Thalbachmayr). Dieser führte den Betrieb bis zu seinem Tode im Jahre 1755 (begraben am 5. Dezember 1755, 60 Jahre alt) weiter. Nach dem Tode seiner ersten Frau vermählte sich Johann Thallpachmayr am 16. Jänner 1742 mit der Bäckermeisterstochter Anna Maria Hoff er aus Deutschkreutz ein zweites Mal. Nach dem Tode ihres Mannes vermählte sich diese am 25. Februar 1756 mit dem aus Halbturn stammenden Lederermeister Lorenz Madt und nach dessen baldigem Tod in dritter Ehe am 1. August 1758 mit dem aus Piringsdorf stammenden Lederermeister Stefan Artner. Durch Einheirat ging der Betrieb schließlich auf die Familie Dubkowitsch über, die ihn bis zur Mitte der 60er Jahre des 19. Jhs. (bis zur Einstellung) führte.
Ein weiterer Ledererbetrieb läßt sich ebenfalls bis zum Ende des 17. Jhs. zurückverfolgen.
Am 24. November 1695 heiratet der aus Aspang stammende Lederermeister Lorenz Hasenhietl die Inwohnerin Maria Zünckh (Zinkh) aus Neckenmarkt. Dieser war bis zu seinem Tode (begraben am 13. Dezember 1732) als Lederer in Neckenmarkt tätig. Nach seinem Tod übernahm sein Sohn Johann Hasenhiet(t)l den väterlichen Betrieb und führte ihn bis 1759 (begraben am 25. Juli 1759, 44 Jahre alt). Anschließend übernahm der Lederermeister Josef Mohl (sein Vater Caspar Mohl war Lederermeister in Payerbach den Betrieb, der am 29. April 1760 Theresia, die Tochter des verstorbenen Johann Hasenhiet(t)l ehelichte. Nach seinem Ableben (vor 1775) vermählte sich der Lederermeister Johann Stöger mit der Witwe und führte den Betrieb fort. Diesem folgte sein Sohn Josef Stöger, der bis 1815 als Lederermeister in Neckenmarkt nachweisbar ist. Durch Einheirat ging der Betrieb auf Franz Meißel (Maysl) (1824—1832) und Franz Steinbacher (1832—1856) über. Wie lange der Betrieb nach 1856 noch bestand, ist nicht bekannt. Ein anderer Ledererbetrieb läßt sich ebenfalls über 100 Jahre kontinuierlich verfolgen. Als erster Inhaber dieses Betriebes bzw. dieser Werkstätte erscheint vor 1730 der Lederermeister Urban Steiner (Stainer). Nach seinem Tode heiratete der aus Lockenhaus stammende Lederer Martin Augustin am 29. August 1730 die Witwe Steiners, Regina, und führte den Betrieb bis 1748 (begraben am 28. Mai 1748, 50 Jahre alt). Am 28. September 1749 ehelichte der aus Trumau stammende Lederermeister Jakob Müzl die zum zweiten mal verwitwete Regina und übernahm den Betrieb. Nach seinem Tod (um 1756) kam der Betrieb auf den Lederermeister Ignaz Vollnhofer (ein Sohn des früher genannten Matthias Vollnhofer), der am 31. Oktober 1756 Susanna, eine Tochter des Martin Augustin geheiratet hatte. Nach Ignaz Vollnhofer (sen.), der nachweislich bis 1775 in den Quellen aufscheint, übernahm sein gleichnamiger Sohn Ignaz (jun.) nach dem Ableben seines Vaters den Betrieb uns führte ihn bis zum Jahre 1807. Durch Einheirat ging der Betrieb in diesem Jahr auf den Meister Michael Reumann (Raymonn) über, der ihn bis zu seinem Tod (1825?) führte.Danach ging der Betrieb auf seinen Stiefsohn Georg Vollnhofer (sen.) über (bis 1856) und von diesem auf dessen Sohn Georg (jun.), der wie bereits früher erwähnt, der letzte Zechmeister der Neckenmarkter Ledererzunft war. Seit 1841 ist noch eine weitere Ledererwerkstätte in Neckenmarkt nachgewiesen, die auf Kurialgrund errichtet worden war und vom Lederermeister Franz Stangl betrieben wurde. Für die Nutzung der Werkstätte hatte Stangl der Herrschaft den Werkstatt-Zins zu zahlen. Mit Wirkung vom 1. Jänner 1846 schloss die Herrschaft (Esterhäzy-Herrschaft Landsee-Lackenbach) mit Stangl einen Kontakt eines Kurial-söllnerhauses umgewandelt wurde. Stangl mußte anstatt des bisherigen Werkstatt-Zinses nach dem nunmehr als Kurialsöllnerhaus geltenden Gebäude jährlich 1 fl C. M. Hauszins zahlen und 30 Tage Handrobot für die Herrschaft verrichten oder diese in Geld ablösen, wobei ein Handrobottag mit 12 Kr C. M. berechnet wurde. "

Neckenmarkt war Teil der Herrschaft Landsee bzw. später Landsee - Lackenbach und machte das Schicksal dieser Herrschaft mit.

1767 gab es in Neckenmarkt nur ein halbes Lehen, 12 Dreiachtellehen, 61 Viertellehen und 11 Achtellehen. Besonders groß war die Zahl der Söllner mit Haus: Sie betrug 128. Dazu kamen noch 72 Söllner ohne Haus. Insgesamt überstieg also die Zahl der Söllner die der Lehensbauern beträchtlich. Ackerbau und Viehhaltung dienten hauptsächlich dem Eigenbedarf, Haupterwerbszweig war vor allem der Weinbau. Die Getreidezehentlisten, etwa die von 1554, zeigen die überragende Bedeutung des Weizen- und Halbkornanbaues, aber auch Hafer war wichtig. Später wurde häufiger auch Gerste angebaut. Die Viehhaltung eines typischen Viertellehens beschränkte sich auf ein Paar Ochsen, zwei Kühe, einige Schweine und Geflügel für den Eigenbedarf bzw. für die Abgaben an die Grundherrschaft. Reichere Bauern stellten eher die Ausnahme dar, so etwa der Fleischhauermeister Thomas Paur, in dessen Hinterlassenschaft 2 Rösser, 4 Ochsen, 2 Kühe, 50 Schafe und Ziegen und 10 Schweine aufgezählt werden (O.Gruber, 500 Jahre Marktgemeinde Neckenmarkt, S. 30) Der Geflügelzehent etwa betrug pro Jahr für die 75 Viertellehen 75 Kapaune, 150 Hühner und 450 Eier. Als "Verehrgaben" zu Weihnachten, Ostern und Pfingsten lieferte der Markt jeweils ein Kalb, 4 Kapaune, 6 Hühner und 150 Eier. Beträchtlichen Wohlstand konnten jene Familien erreichen, die über größeren Weingartenbesitz verfügten.
Herrschaftliche Eigenwirtschaft
So wie in anderen Orten der Herrschaft wurde auch in Neckenmarkt die herrschaftliche Eigenwirtschaft seit dem 16, Jahrhundert ausgebaut. Das Urbar von 1675 weist 57 1/2 Joch Acker und 67 1/2 Tagwerk Wiesen als Hofgründe aus. Es gab in Neckenmarkt keinen Meierhof. Umfangreich war vor allem der Weingartenbesitz der Herrschaft in Neckenmarkt. Schon Erasmus Teuffel hatte 1550 zehn Weingärten in Neckenmarkt erworben. 1554 besaß die Herrschaft unter Nikolaus Olah 16 Weingärten, 11 davon in Neckenmarkt. Die Ernte betrug in diesem Jahr 344 1/4 Eimer. Dazu kamen 48 3/4 Eimer Bergrecht und 505 1/4 Eimer Weinzehent. Die Erträge schwankten allerdings von Jahr zu Jahr stark. Der Ertrag der Eigenweingärten konnte in manchen Jahren auf 150 Eimer sinken. Unter den Nachfolgern des Erzbischofs kam es zum Versuch, den herrschaftlichen Weingartenbesitz durch Enteignung bäuerlicher Weingärten zu vermehren. Die Bauern leisteten Widerstand und sowohl der Erzbischof wie auch König Ferdinand untersagten diese Methoden. Um 1640 wird von einem "grosen weingartten in Nekhenmarkher gepürg" gesprochen, der durch Zusammenlegung herrschaftlicher Weingärten entstand. Um die Mitte des 18. Jahrhunderts gehörten der Herrschaft 31 Weingärten. Die Hofweingärten wurden auch von den Untertanen aus anderen Dörfern in Robotarbeit bewirtschaftet. Der Markt konnte zeitweise die Robot durch einen Kontrakt mit der Herrschaft in Geld ablösen. 1675 war nach dem Urbar jedes Viertelhaus jährlich einen gut beladenen Wagen Dünger in die Herrschaftsweingärten zu führen. Die herrschaftlichen Weine wurden in den Kellern in Kobersdorf und Lackenbach gelagert. 1637 wird bereits Ausbruchwein erwähnt.
Weinbau
Neckenmarkt gehörte zu den bedeutendsten Weinbaugemeinden Westungarns. Die Qualität der Neckenmarkter Weines war sehr geschätzt. Die Weingärten wurden zum Teil durch Lohnarbeiter bewirtschaftet. Das erklärt auch den hohen Anteil an Söllnern und Inwohnern an der Bevölkerung des Marktes. Sie fanden als Hauersknechte Arbeit. Nach dem Bergbuch von 1767 war ein beträchtlicher Teil der Weingärten im Besitz von Auswärtigen. Besonders stark vertreten: Harkauer, Horitschoner und (Unter-)petersdorfer. Aber auch Wandorfer und Ödenburger hatten Weingärten und immerhin 27 Weingärten waren noch im Besitz von Österreichern. Die Abgaben an die Herrschaft bestanden aus dem Weinzehent und dem Bergrechtswein. Ab1633 wird der "Anspannwein" erwähnt. Die Herrschaft zwang die einzelnen Dörfer, einen Teil ihrer Weinproduktion zu kaufen. Zu diesem Zweck wurden herrschaftliche Wirtshäuser betrieben. Das Schankrecht der Bauern wurde zeitlich eingeschränkt. Die Dörfer konnten diese Verpflichtung - der Wein war meist von schlechter Qualität - auch in Geld ablösen ("trockenes Wirtshausgeld"). Als Weinmaß war der Neckenmarkter Eimer (etwa 51 Liter) in Gebrauch und wurde erst im 18. Jahrhundert vom Ödenburger und später vom Pressburger Eimer abgelöst. An Weinsorten wurden auch in Neckenmarkt so wie in den meisten Orten des Nordburgenlandes vor allem der "weißedle Zapfner" geerntet, dazu kamen noch andere Sorten wie Muskateller, Weirer, Augster, Silberweiß ... Die Umstellung auf die neuen Rotweinsorten (Blaufränkisch, Blauburgunder) begann schon im 19. Jahrhundert, wobei Neckenmarkt neben Pöttelsdorf eine Pionierrolle zukam. Die Reblauskrise gegen Jahrhundertende beschleunigte dann diesen Prozess. 1968 wurde die Winzergenossenschaft Neckenmarkt gegründet und in der Folgezeit ausgebaut. 1968 wurden 1 Million kg, 1981 2,5 Millionen kg Trauebn übernommen. Mehr als die Hälfte der Ernte wird von Der Winzergenossenschaft, heute "Winzerkeller Neckenmarkt" vermarktet.
Im Jänner 1922 suchte die Gemeinde um die Erneuerung der Marktbefugnisse an. Sie erhielt die Genehmigung für vier Jahrmärkte, mit Viehauftrieb, der jedoch bald wieder wegen mangelnder Inanspruchnahme wieder eingestellt wurde. Zusätzlich wurde ein Karfreitagsmarkt abgehalten, der 1958 auf Mittwoch in der Karwoche (Fastenmarkt) verlegt wurde.
Literatur:
Lenneis, Eva / Lüning, Jens:
Die altbandkeramischen Siedlungen von Neckenmarkt und Strögen. (Universitätsforschungen zur prähistorischen Archäologie 82).
500 Jahre Marktgemeinde Neckenmarkt. Neckenmarkt 1982. Neben den erwähnten Artikel von Felix Tobler enthält die Festschrift einieg Kapitel von Oswald Gruber zum Weinbau und zur wirtschaftlichen Entwicklung.
Eine brauchbare moderne Ortsmonographie fehlt leider.