kobersdfschloss

kobersdfort

Kundpoldesdorf
860 schenkte König Ludwig der Deutsche unter anderem auch einen Ort "Kundpoldesdorf", auf Bitten des Erzbischofs Aldwin, dem Erzbistum Salzburg. Die ältere Forschung setzte dieses Kundpoldesdorf oft mit Kobersdorf gleich. Heute gibt es aber berechtigte Zweifel.
Um die karolingerzeitliche Besiedlung Pannoniens nach der Unterwerfung der Awaren durch Karl d.Großen, vor allem um die Lokalisierung der in den wenigen Urkunden genannten Orte, ringen die Historiker schon lange. Eines der umstrittensten Probleme ist dabei Kundpoldesdorf. Von einigen Forschern wurde es mit Kobersdorf gleichgesetzt. Gegen diese Ansicht argumentierte Alfred Ratz und schlug Rumpersdorf vor, Fritz Zimmermann sah Kundpoldesdorf in Hannersdorf. Ein Hauptargument gegen Kobersdorf ist, dass der Ort ja nicht in der Diözese Salzburg sondern im Passauer Bereich lag.
Orts- und Flurnamen im Bereich der späteren Herrschaft Kobersdorf sprechen für eine dünne slawische Besiedlung der abgelegenen Täler in der Awarenzeit. Fritz Zimmermann etwa meinte, dass der Ortsname Kobersdorf aus slawisch "Kobilica", Stutenbach, herzuleiten sei. Ein Nebenbach des Schwarzbaches heißt Rossbach. Der Tessenbach könnte von einem slawischen Personennamen abgeleitet sein, der Ranbach (Rainbach, also Grenzbach) von Zaranuk potok, Wepur, vepr - Weppersdorf vom slawischen Wort für Eber, Gorbonouk /Gaberling von Gabrovnik (Weißbuche) usw. Auf eine Ansiedlung von Magyaren gibt es hingegen kaum Hinweise. Die deutsche Besiedlung erfolgte dann im 12. Jahrhundert.
Burg und Herrschaft
1222 schenkte König Andreas II. das Gebiet der späteren Herrschaft Kobersdorf seinem Gefolgsmann Pósa. König Andreas fiel auf dem Rückweg vom Kreuzzug in Griechenland in Gefangenschaft. Pósa befreite ihn, geriet dabei aber selbst in Gefangenschaft. Pósa hatte am Kreuzzug teilgenommen, ebenso wie sein Nachbar, der Besitzer von Landsee, Nikolaus, Sohn des Borz (Bors).
Die Schenkungsurkunde (Kleine Markbeschreibung) von 1222 lässt den Umfang des Gebietes einigermaßen erkennen: Dazu gehörten die Orte Weppersdorf, Lindgraben, Neudorf, Kobersdorf, Tschurndorf und Lackenbach. Damals, zur Zeit der Schenkung, bestanden nur zwei Orte: Weppersdorf (Wepur) und Lackenbach Minor Loucu). 1263 wurde Lackenbach abgetrennt. Oberpetersdorf und Kalkgruben kamen erst dazu, als die Herrschaft an die Mattersdorf-Forchtensteiner fiel. Oberpetersdorf, Kalkgruben und Sieggraben gehörten dem Nemeti - Zweig der Osl. Sie verkauften 1302 ihren Besitz an die Mattersdorf - Forchtensteiner. 1278 wird ein Graf Súr als Kastellan von Kobersdorf genannt. Seit Mitte des 15. Jahrhunderts gehört auch Stoob zur Herrschaft Kobersdorf.
Die mittelalterliche Wasserburg wurde schon zwischen 1222 und 1229 von Pósa, Sohn des Botus aus dem Geschlecht Szák, erbaut. Die Burg hatte ohne Zweifel große strategische Bedeutung. Sie kontrollierte - so wie Schwarzenbach auf österreichischer Seite - den Zugang nach Ungarn durch das Stooberbachtal. 1229 wird erstmals auch der Ort Kobersdorf als "...villae, que est aput castellum" genannt. Die Burg kam in den Besitz der Athinay von Neckenmarkt, die damals auch Burggrafen von Ödenburg und Verbündete der Güssinger waren. Kobersdorf dürfte von König Ottokar von Böhmen belagert worden sein. 1278 war ein Comes Súr II. aus der Súr- oder Agyagoslinie der Osl Kastellan in Kobersdorf. 1280 übergab König Ladislaus IV. die Burg dem Geschlecht der Csák, 1289 wurde Kobersdorf wie viele andere Burgen Westungarns von Herzog Albrecht I. von Österreich im Verlauf der "Güssinger Fehde" erobert. Nach der Einnahme von Neckenmarkt ergab sich Kobersdorf anscheinend ohne viel Gegenwehr. Berchtold von Emmerberg besetzte sie. 1291 wurde die Burg im Vertrag von Hainburg an Ungarn zurück gegeben und wahrscheinlich wieder von königlichen Kastellanen verwaltet. König Andreas III. verlieh die Burg den Grafen von Lamperg für dessen Verdienste bei der Aushandlung des Hainburger Vertrages. 1319 kaufte Simon II. von Forchtenstein-Mattersdorf die Burg. Vorübergehend war sie wieder in der Hand der Güssinger. 1319 ersuchten Paul und Lorenz von Mattersdorf-Forchtenstein König Karl Robert, die schon von ihrem Vater " von den Deutschen" gekaufte Burg zurückzuerstatten und als dauernden Besitz zu verleihen. 1323 ließen sie sich den Besitz feierlich bestätigen. 1332 leisteten die Csak in einem Ausgleich mit den Mattersdorf - Forchtensteiner Verzicht auf ihre Ansprüche auf Kobersdorf.
Ab 1319 war Kobersdorf also im Besitz der Mattersdorf - Forchtensteiner bis zum Aussterben dieses Geschlechts, also über 200 Jahre. Die Mattersdorf - Forchtensteiner verhielten sich nach dem Aussterben der Arpaden gegenüber dem neuen Herrschergeschlecht der Anjou loyal. Paul I. und Lorenz kämpften im königlichen Heer gegen die "Rebellen" und gegen König Stefan II. Urosch Milutin von Serbien, gegen Andreas von Güssing und gegen die Österreicher, die in die Grenzgebiete einfielen. Karl I. Robert bestätigte ihnen ihren Besitz, darunter Kobersdorf, der ihnen vorübergehend entrissen worden war.
Wilhelm, der letzte Mattersdorf - Forchtensteiner, verpfändete 1441 und 1445 und verkaufte schließlich 1447 Burg und Herrschaft an Herzog Albrecht VI. von Österreich. Albrecht VI. schloss einen Vergleich mit der Witwe Pauls III., Wilhelms Bruder, und deren beider Töchter. 1447 wird ein Johann Linzer als Hauptmann von Kobersdorf genannt. Nach dem erbenlosen Tod Wilhelms I. von Mattersdorf - Forchtenstein überließ der Gubernator Johann Hunyadi im Namen König Ladislaus V. dem Michael von Vát und seinen Brüdern die Hälfte der Burg und Herrschaft Kobersdorf - in Würdigung seines großen Verdienstes im Türkenkampf. Die andere Hälfte bekam Stefan Ugron. Sie wurden jedoch nie in den Besitz der Herrschaft eingewiesen.
Schon 1451 verkaufte Albrecht VI. die Burg, an seinen Bruder Friedrich, den späteren Kaiser Friedrich III. um 50 000 Gulden. Dieser verpfändete die Herrschaft an die Weispriach. Die Habsburger konnten Kobersdorf auch in den Friedensverträgen von 1463 (Vertrag von Ödenburg - Friedrich III. erklärte sich bereit, Ödenburg und die Stephanskrone an Matthias Corvinus auszuliefern, behielt aber die westungarischen Herrschaften) und 1491 (Vertrag von Pressburg) behaupten, Burg und Herrschaft blieben aber "intra fines regni Hungarie", also innerhalb der Grenzen des ungarischen Königreiches. Sie verpfändeten die Burg und Herrschaft aber zumeist an österreichische Adelige.
Unter den Weispriach
Schon 1458 dürfte Sigmund von Weispriach vorübergehend auf Kobersdorf gesessen sein, 1464 ist er Burggraf. Er wurde in den Freiherrnstand erhoben und anschließend mit der Herrschaft Koberdorf belehnt. Schon 1459 ist Sigmund Burgherr und wahrscheinlich Pfandinhaber von Landsee. Bis 1490 blieb Landsee abwechselnd in den Händen der Weispriach und der Grafenegger. Sigmund setzte in Kobersdorf Verwalter ein. 1458 etwa war Franz Stainpuchler Verwalter von Kobersdorf. Es kam zu Streitigkeiten mit den Nachbarn, mit Ödenburg und mit den Grafenegger, damals Pfandherrn von Landsee. Kurz darauf erwarb Sigmund Weispriach auch Landsee als Pfand. Die Wasserburg Kobersdorf war in dieser Zeit sehr baufällig, Kaiser Friedrich III. hatte sogar den Abbruch in Erwägung gezogen.
Sigmund von Weispriach betrieb eine geschickte Schauekelpolitik zwischen Ungarn und Österreich. Er schlug sich auf die Seite des Matthias Corvinus, der ihm 1466 Kobersdorf schenkte. 1467 war Sigmund auch Hauptmann und Obergespan von Ödenburg. 1471 verpfändete ihm Matthias Corvinus die Stadt Ödenburg. Ab 1473 schlug er sich wieder auf die Seite Friedrichs III. 1484, nach der Niederlage des Kaisers, entzog ihm Corvinus die westungarischen Herrschaften. Andreas Weispriach konnte allerdings Kobersdorf behaupten. Bald nennt Corvinus die beiden Weispriach wieder seine "Getreuen". Nach Sigmunds Tod wird Andreas die Gespanschaft Ödenburg verschrieben.
1493 war Sigmund Prüschenk Pfandherr, vorübergehend die Baumkircher und schließlich wieder die Weispriach. Die Weispriach stammten aus dem Lungau, hatten Mitte des 14. Jahrhunderts in Oberkärnten zahlreiche Pfandgüter inne und tauchten unter Friedrich III. in Westungarn auf. Sie verfügten über große finanzielle Mittel und waren wichtige Geldgeber des Kaisers. 1506 ist Ulrich von Weispriach Herr von Kobersdorf, nach ihm sein Sohn Hans von Weispriach. Sie erwarben auch Landsee.
1482 wird unter Weispriach die Vorburg errichtet und die protestantische Kapelle gebaut und später, schon im 16. Jahrhundert, von den Weispriach, die den Höhepunkt ihres Einflusses erreicht haben, die Burg erweitert. Die Herrschaft war - so wie die meisten Herrschaften Westungarns - protestantisch und blieb es, da auch die späteren Besitzer, obwohl katholisch, die Gegenreformation mit nur geringem Nachdruck durchführen.
Nach dem Tod Ulrichs von Weispriachs 1512 übernahm seine Witwe Gertraud die Herrschaften Landsee, Kobersdorf und Stickelberg. Unter Gertraud tobte die "Landseer Fehde", die das ganze Gebiet in große Unsicherheit und Unruhe versetzte und vor allem die Stadt Ödenburg und deren Stadtdörfer schwer traf.
Ulrichs Sohn Hans von Weispriach konnte das Wohlwollen des Kaisers gewinnen. Seine Frau, eine geborene Lunay, war Obersthofmeisterin und Erzieherin am Kaiserhof. 1527 bewährte sich Hans von Weispriach bei der Eroberung von Steinamanger und Körmend, 1531 war er Gespan von Ödenburg, 1537 auch Stadthauptmann. Schon 1541 wollte er Forchtenstein von Jakob von der Dürr kaufen. 1546 löste Erasmus Teufl für Weispriach Forchtenstein ein und übergab ihm die Herrschaft.
Hans von Weispriach war als Grundherr verhasst. Er setzte Zins und Robot willkürlich fest und anerkannte keine alten Rechte. Unter Hans Weispriach begann die Ansiedlung von Juden in seinen Herrschaften, deren Ertrag er dadurch steigern konnte. In Kobersdorf war der erste Jude ein Mann namens Gerstl. König Ferdinand I. hatte 1529 auf Ersuchen der Juden des Herzogtums Österreich die von Friedrich III. und Maximilian I. gewährten Freiheiten in Güns, Eisenstadt. Mattersburg, Kobersdorf, Zistersdorf und Marchegg bestätigt. 1544 ließ er aber die Juden aus dem Hetzogtum und aus den Herrschaften in Westungarn ausweisen. 1564 beteuerte Weispriach gegenüber der Kammer, keine Juden angesiedelt zu haben, vielmehr das Verbot des Kaisers beachtet zu haben. Er könne jedoch nicht verhindern, dass Juden mit Freibriefen des Kaisers und von anderen Herrschaften in seinen Herrschaften Handel treiben. Schließlich versuchte Weispriach entgegen der Anordnung Kaiser Maximilians II. die Juden aus der Herrschaft Mattersdorf - Forchtenstein ohne Ablöse zu vertreiben. Im Urbar von 1569 wird angeführt, dass die Juden dem gemeinen Mann durch ihren Handel das Brot wegnehmen. In Mattersburg gab es damals 67 Juden, die in neun Häusern lebten. Schließlich durften die Juden, die schon vor 1568 ansässig waren, bleiben.
Alle Proteste gegen Hans von Weispriach waren vergebens, sein Einfluss am Hof war zu groß. Erst als Maximilian II. den Thron bestieg waren die Beschwerden erfolgreich.
Unter Csóron und seinen Nachfolgern bis zu den Kery
Mitte des 16. Jahrhunderts war Christoph Teuffl von Krottendorf Besitzer, dann, ab 1563 dessen Schwager Johann Csóron (Hans Tschuram) von Devecser, mit einer Tochter des letzten Weispriach verheiratet, der das Renaissanceschloss neben der alten Burg erbauen ließ. Csóron führte einen langen Kampf mit der niederösterreichischen Kammer um die Steuerfreiheit der Herrschaft. Er wurde von der Kammer immer wieder gemahnt, nach Wien zitiert usw. Er erschien nicht, schickte eine Erklärung, in der er der Kammer das Recht auf Einhebung der Steuer in seiner Herrschaft bestritt. Als der Steuereinnehmer, der Wr. Neustädter Bürger Christoph Reitter nach Kobersdorf entsandt wurde, erhielt er dort keine Auskunft. Was er aber nebenbei erfuhr, war die Tatsache dass Csóron zu hohe Robotleistungen verlangte. 1569 konnte Csóron erneut eine Untersuchung verhindern, er war "verreist". Csóron nahm bald darauf Stellung zur Steuerfrage und behauptete, dass er laut Kaufvertrag nicht verpflichtet sei, Steuer zu zahlen. Die Kammer musste zwar anerkennen, dass er die Herrschaft als "freies Eigen" und nicht als Pfandgut besaß, die Steuerfreiheit wollte man aber nicht zugestehen. Obwohl fast jährlich zur Steuerzahlung aufgefordert, zahlten weder Csóron noch seine Nachfolger Steuern, sie haben "gethan was sie gelust undt ohn alle ainike Versteuerung die guetter frey genossen". Johann Listy, dem zweite Gemahl Anna Csórons, und Margaretha Nadasdy, der Schwester Annas, wurde sogar Gefängnis angedroht. Listy ließ sich entschuldigen, er könne nicht nach Wien kommen, da er am ungarischen Landtag teilnehmen müsse...Die Steuerschuld war inzwischen so angewachsen, dass sie den Wert der Herrschaft überstieg. Die Frage ist, warum weder Steuerbehörde noch Kaiser energisch einschritten. Der Kaiser wagte offenkundig wegen der heiklen staatsrechtlichen Stellung Kobersdorfs - die ungarischen Stände forderten ja ständig dessen "Rückgabe" - keinen Konflikt. So war auch die Hofkammer trotz gelegentlicher Drohungen völlig machtlos.
1626 wurde wieder einmal ein Rentmeister nach Kobersdorf geschickt, um die Abgebensituation zu erkunden. Es gelang ihm sogar, vom Hofrichter einige Auskünfte, allerdings nur über den Markt KObersdorf, zu bekommen: Es gab dort 21 Bauern, die zu Martini und Georgi je 4 Kreuzer oder 18 Pfennig und zu Weihnachten 3 Schilling an Steuern gaben. Weiters gab es 22 Hauer und Hofstättler, die zu Georgi und Michaeli je 15 Pfennig gaben. Die Robot leisteten alle Untertanen. Haussteuer zahlten sie nicht.
Nach Beschwerden der Untertanen vor allem über die viel zu hohe Robot wurde 1372 ein Vertrag zwischen Csoron und seinen Untertanen geschlossen. Die Robot wurde etwas eingeschränkt, vor allem die Arbeit auf den Meierhöfen wurde den Untertanen erlassen. Jährlich musste jedes ganze Lehen 6 Klafter Holz führen usw. Die Holznutzung für den Eigenbedarf wurde den Untertanen zugestanden. In diesem Vertrag wurden erstmals die beiden neuen Siedlungen Tschurndorf und Lindgraben erwähnt.
Besonders bemerkenswert ist, dass die Gemeinde ein Vorschlagsrecht bei der Anstellung des Prädikanten hatte. Den Richter wählte der Grundherr aus einem Vierervorschlag der Gemeinde.
Nach Csórons Tod 1586 begann eine unruhige Zeit für Kobersdorf: Burg und Herrschaft wurden geteilt, zunächst zwischen seinen beiden Töchtern Margaretha Nadasdy und Anna. Sein Schwiegersohn war Stefan Balassa de Gyarmat, später erbten die Listy einen Teil. Stoob besaßen die beiden Töchter gemeinsam, alle anderen Dörfer wurden strikt in zwei Hälften geteilt: Kobersdorf 23 Untertanen und eine Mühle und 10 Judenhäuser für Margaretha, 22 Untertanen und 8 Judenhäuser für Anna; Kalkgruben: 11 zu 13 Untertanen, Tschurndorf 14 zu 14, Lindgraben 16 zu 15, Neudorf 8 zu 12. In Neudorf hatte auch Margarethas Gatte Christoph Nadasdy 5 Untertanen. Anna hatte insgesamt 152, Margaretha 155 Untertanen. Das Schloss Kobersdorf wurde ebenfalls geteilt.
1586 verpfändete Margaretha nach dem Tod ihres Gemahls ihren Herrschaftsanteil ihrem Schwager Stephan Balassa de Gyarmat und der Schwester Anna. 1619 gab es erneut eine Teilung unter den Kindern der Anna Csóron: Elisabeth und Barbara aus ihrer ersten Ehe mit Balassa und Stephan II., Franz und Johann aus ihrer zweiten Ehe mit Stephan Liszti. Stefan II. starb kinderlos, sein Besitz wurde weiter geteilt unter seinen Neffen und Nichten. Dazu kamen bald weitere Besitzer durch Verkäufe und Verpfändungen. Die Besitzverhältnisse wurden undurchschaubar. 1628 wurden die Besitzungen der Barbara Balassa, mit ihren Söhnen Michael und Nikolaus und ihren Töchtern Marianne und Rosina, alle aus der Ehe mit Johann Joó de Janosháza, geteilt. 1629 verpfändete Johann Liszti seine Besitzungen in allen Dörfern an Sigismund Zay, verheiratet mit Marianne Joó. Sigmund Zay wurde von seinem Schwager im Kobersdorfer Burghof erschossen. Rosina Joó war mit Caspar Lippay verheiratet. 1633 kam es zu einer Neuaufteilung auf drei Linien. Die Verpfändungen aber gingen weiter, auch an Personen außerhalb des Verwandtschaftsverbandes. So wurden etwa in Stoob 10 Hofstätten an den St.Martiner Michael Jagatics verpfändet. In Weppersdorf und Stoob erwarb der Ödenburger Daniel Rauch, der als Oberdreißiger und Weingroßhändler reich geworden war, Pfandbesitzungen.
1626 wurde auch Kobersdorf - so wie Forchtenstein - dem ungarischen Staat "reincorporiert".
Erst unter Johann Kéry von Ipolyker, verheiratet mit Ursula Czobor, einer Urenkelin Csórons, konnten die Besitzteile wieder vereint werden. Ab 1648 war Johann I. Kery Mitbesitzer von Kobersdorf, auf Grund seiner Ehe mit Ursula Czobor Kery dürfte vermögender gewesen sein als die übrigen Mitbesitzer. Sein Vater war Obergespan mehrerer Komitate und wurde mit diplomatischen Aufgaben betraut. 1647 wurde er Kronwächter und 1654 erhielt er den Grafentitel. Johann Kery war Schwager Nikolaus Esterházys. Kery begann, verpfändete Herrschaftsteile auszulösen. Er und seine Frau bekamen jenen Herrschaftsteil, der einst von Margaretha an Anna Csorón verpfändet worden war. Er erwarb Herrschaftsanteile der Brüder Liszti und der Joó, die zum Teil weiter verpfändet worden waren. Schließlich löste er auch die an Daniel Rauch verpfändeten Güter aus. 1652 hatten neben Kery nur mehr zwei Mitbesitzer Anteile. 1652 wurde ein Urbar angelegt: Kery besaß 9 ganze, 92 halbe, 16 Viertel- und 6 Dreiviertellehen sowie 61 Hofstätten. 1653 erwarben Johann Kery und seine Söhne Johann II. und Franz auch den Besitzanteil der Marianne Joó, 1656 wurde ein weiterer Anteil der Joó / Lippay an Kery verpfändet. Neben Kery waren nur noch die Brüder Johann und Georg Lippay Besitzer der Herrschaft.
Kery ließ das Kobersdorfer Schloss bis 1656 - die Barbakane, der turmartige Vorbau zum Schloss, trägt die Jahreszahl 1656 - umbauen und stark erweitern. Es bekam damals jene Gestalt, die es bis heute hat. Der Hofbrunnen stammt aus dem Jahre 1654. Er trägt das Kery-Wappen. Es wurde nunmehr zwischen der "alten Burg" der Lippay und der "Neuen Burg" Kerys unterschieden. 1667 überließ Johann II. Liszti seine Räume in der Burg Franz I. Kery. Anschließend kam es zu einem Rechtsstreit zwischen den Lippay und Kery wegen der Umnaumaßnahmen, der erst 1671 beigelegt werden konnte. Johann Lippay war schwer verschuldet. Die Schulden wurden schließlich von Paul Esterházy bezahlt und der Betrag vom Kaufpreis abgezogen. Später überließ Esterhazy seinen Anteil an der Burg, die "alte Burg", im Tauschweg den Kery.
Johann Kerys Sohn Johann trat in den Paulinerorden ein und wurde später Bischof von Syrmien, Bischof von Csanad und Bischof von Waitzen. Die Herrschaft erbte Franz II.
Im April 1670 kam es in Kobersdorf zu einem Ereignis, das den Ruf Johann Kérys in der ungarischen Geschichtsschreibung sehr negativ prägte. Die beiden Verschwörer Franz Frangepany und Peter Zrinyi, mit Johanns Sohn Franz Kéry befreundet, hielten sich in Kobersdorf auf, weil sie sich diesseits der ungarischen Grenze für sicher hielten. Johann verriet sie jedoch an die kaiserlichen Behörden, sie wurden festgenommen und später hingerichtet.
Am 16. April 1670 übernachteten Peter Zrinyi und Franz Frangepan in Kobersdorf. Sie waren auf dem Weg nach Wien, da man ihnen Hoffnung gemacht hatte, der Kaiser würde Gnade walten lassen. Sie gehörten einer Gruppe von Adeligen an, die gegen die Wiener Politik nach dem "Schandfrieden von Eisenburg" opponierten: Franz Wesselenyi, Franz III. Nadasdy, Franz I. Rákóczy, Stephan Tököly, Georg Lippay, Erasmus Trattenbach u.a. Die Pläne dieser "Magnatenverschwörung" waren in Wien längst bekannt. Franz Kery hatte schon am 6. April Kaiser Leopold berichtet, dass Zrinyi mit ihm Verbindung aufgenommen hatte. Aus Wien erhielt Kery den Auftrag, er möge die beiden zur Fortsetzung ihrer Reise nach Wien ermutigen oder, wenn sie andere Pläne hätten, sie festzunehmen. Nicht ganz geklärt ist, ob sie freiwillig weiterreisten oder als Gefangene nach Wien gebracht wurden. Es wurde ihnen der Prozess gemacht und sie wurden hingerichtet. An Kery blieb jedenfalls der Vorwurf des "Verrates" hängen. Auch wenn Kery nicht an der "Verschwörung" beteiligt war musste er wahrscheinlich vorsichtig sein, um nicht der Verbindung mit den Verschwörern verdächtigt zu werden. Kerys Gattin war eine geborene Scécsy, ebenso wie die Gemahlin Wesselenys, die nach der Aussage Nadasdys im Prozess gegen ihn die eigentliche Urheberin der Verschwörung war. Johann Lippay, der Mitbesitzer Kobersdorfs, war der Neffe Georg Lippays, Erzbischof von Gran, der ebenfalls zur Verschwörergruppe gehörte. Er starb schon 1666. Auch Wesselenyi erlebte den Zusammenbruch der Verschwörung nicht mehr. Nadasdy hingegen wurde in Wr. Neustadt enthauptet.
Die Mitbesitzer Kobersdorfs, die Lippay, trugen sich mit dem Gedanken, ihren Herrschaftsanteil zu verkaufen. Sie waren in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Schon 1662 hatten sie ein Darlehen bei Paul Esterházy aufgenommen, 1678 musste Johann Lippay große Besitzungen an Johann Frumwelt verpfänden, Diese Verpfändungen löste 1680 Paul Esterházy ein. Noch im gleichen Jahr kaufte Paul Esterházy den Anteil Johann Lippays an der Herrschaft Kobersdorf. Kurz darauf schloss Esterházy mit Franz Kery einen Vertrag, der die Rechte Esterhazys an der Herrschaft Kobersdorf genau festlegte. Der Sohn Kerys, Franz III., war mit Barbara Esterházy, einer Großnichte Paul Esterházys, verheiratet. Franz II. Kery umgab sich hauptsächlich mit ungarischem und kroatischem Personal. Der Erzieher der Kinder war allerdings ein Deutscher.
Im Türkenkrieg von 1683 wurde das Schloss schwer mitgenommen. In der Ödenburger Chronik des Hans Tschany wird berichtet, dass die Dörfer des "Graffen Küry alle verbrent und vil dausendt Menschen abgefangen vnd weg geführt ihn die Dienstbarkeit" wurden. Franz II. hielt sich wahrscheinlich in Kobersdorf auf, seine Gattin flüchtete mit den Kindern nach Westen. Sie schloss sich dem Zug Paul Esterházys an. Auf dem Semmering wurde der Zug gestoppt, die Weiterreise für einige Zeit verwehrt. Die österreichische und die steirische Bevölkerung ließen den Ungarn, die vor den Türken flohen, ihre Abneigung spüren. 1694 kam es zu einem Tausch. Die Hälfte der Burg, die Esterhazy besaß, wurde gegen einen Teil der Burg in Güns den Kery überlassen. Kery war damit Alleinbesitzer.
Franz II. Kéry sah sich schließlich - schwer verschuldet - 1704 gezwungen, Schloss und Herrschaft um 150 000 Gulden seinem Schwager Fürst Paul Esterházy zu verkaufen.Franz Kery und sein Sohn Johann III. lebten fortan in Wien, die alte Gräfin Julianna Széchy in einer Mühle in Oberpetersdorf. Die Schulden der Kery, die Paul Esterhazy abzulösen hatte, betrugen 18. 000 Gulden, dazu kamen 10 000 Gulden Hypothekenlast. Interessant ist, wer die Kreditgeber der Kery waren: Darunter waren mit hohen Summen andere Adelige wie Christoph Gudenus, Adam Mesko, Baron Stubenvoll, Graf Winsischgrätz, aber auch der Pauliner Orden in Wiener Neustadt, die Stadt Steinamanger und andere. Die Abbezahlung zog sich noch über lange Zeit hin. Die Kerys bezogen beträchtliche Zinseinnahmen von den Esterhazy, zum Teil auch in Naturalien. Zum Kaufpreis kamen für die Esterházy noch weitere Belastungen aus dem Kauf der Herrschaft Kobersdorf. Die Familie Török von Telekes erhob Forderungen aus ihrer Abstammung von der Linie der Margaretha Csorón. Um ihren Erbanteil wurden mit der Familie Kery zahlreiche Prozesse geführt. Auch Esterhazy rechnete mit einer Fortführung und nahm daher eine entsprechende Haftungserklärung in den Kaufvertrag auf. Erst 1716 gelang im Vertrag von Ungarisch Altenburg ein Ausgleich. Es wurde eine Entschädigungssumme von 21 000 Rheinische Gulden vereinbart, für die Esterhazy garantierte. Zwei Drittel des Betrages forderte er von den Kerys ein. Die Ansprüche der Töröks waren damit befriedigt. Aber 1738 fochten Adam und Antonius Kery den Kaufvertrag von 1704 mit zweifelhaften Argumenten an. 1739 kam es unter Vermittlung des Erzbischofs von Gran. Fürst Paul II. Anton Esterházy zahlte weitere 30 000 Gulden an die Kery - Nachkommen.
1702 wurde, schon im Hinblick auf den Verkauf, ein neues Urbar angelegt: Zum Schloss gehörte ein neuer Meierhof und ein großer Obstgarten, um das Schloss lagen ein Zier- und Küchengarten, zwei Fischteiche und ein Tiergarten, Stallungen für 30 Pferde und eine große Scheune. Bei der Sägemühle befand sich ein alter Meierhof, ohne Viehbestand, aber mit Wohnungen für die Viehhirten. Es gab zwei Mühlen, die Oberschindelmühle (Mischakmühle) und die "Haffenschersche Mill", jede hatte zwei Mahlgänge.
Unter den Esterházy, die ja ihre prächtigen Residenzen in unmittelbarer Nähe hatten, verfiel das Schloss. Es diente verschiedenen Zwecken: zunächst war es Sitz des Herrschaftsverwalters, 1809 war es das Quartier für französische Offiziere, 1914 ein Gefangenenlager für Serben, 1942 bis 1945 erneut ein Gefangenenlager für Offiziere und schließlich bis 1947 Sitz einer Behörde der russischen Besatzungsmacht. Katastrophen wie 1876 ein Brand des Dachstuhles und 1895 eine schwere Überschwemmung , der die östlichen Basteimauern zum Opfer fielen, setzten dem Bauwerk zu. 1963 stand der Abriss zur Diskussion.
Die Wirtschaft der Herrschaft Kobersdorf war natürlich durch die Landwirtschaft dominiert, im Markt Kobersdorf und in einigen anderen Orten gab es aber auch ein entwickeltes Handwerk. Der Bergbau spielte, wenn man von den beiden schon 1222 erwähnten Kalkgruben absieht, keine Rolle. Im 16. Jahrhundert gab es einen zaghaften Versuch, nach Silbererz zu graben. Nikolaus Olah ließ Gesteinsproben untersuchen. Die Ergebnisse waren enttäuschend (dazu: Harald Prickler,Silberbergbau in den Landseer Bergen? Burgenländ. Heimatblätter 1965, S.181 ff.) Die Steinbrüche am Pauliberg wurden wahrscheinlich ebenfalls schon früh genutzt. Ein Teil des Kobersdorfer Schlosses wurde aus Basaltsteinen erbaut.
Der mittelalterliche Weinbau war komplett eingegangen. Im 17. und 18. Jahrhundert machte man den Versuch, ihn zu beleben. Weingärten gab es in Kobersdorf, Lindgraben und Stoob.
Das erste Urbar der Herrschaft stammt erst aus sehr später Zeit, aus dem Jahr 1652. Es betraf die Untertanen Kerys, aber auch ein Untertanenverzeichnis Lippays liegt vor. 1667 entstand ein Urbar Caspar Lippays. Weitere Urbare sind aus den Jahren 1690, 1691 und 1702. Genauere Nachrichten über die Abgaben haben wir erst aus der zeit des verkaufes an die Esterházy: Eine Viertelsession hatte zu Michaeli und Georgi an Hauszins 1 Gulden 25 Denare zu zahlen, einen großen Eimer Hafer, einen Vierteleimer Weizen, 5 Hühner, 10 Eier zu geben sowie 5 Pint Wacholderbeeren und ein großes Maß Kümmel. Die Robot wurde mit einem Wert von 10 Gulden angegeben. Insgesamt betrug die Leistung einer Viertelsession 12 Gulden 90 Denare. Die Söllner zahlten 6 Gulden 45 Denare. Das jährliche Einkommen der Herrschaft betrug 7075 Gulden 65 Denare. (nach Faymann, Herrschaft Kobersdorf). Neben der "ordentlichen Robot" mussten die Untertanen in der Ernte und in der Heumat drei Tage pro Viertellehen roboten.
Unter den Handwerkern der Herrschaft waren die Hafner besonders in Stoob und in Oberpetersdorf von großer Bedeutung. Im 18. Jahrhundert gab es auch in Kobersdorf Hafner. Die Zunftunterlagen sind verloren gegangen. Seit 1737 wurde ein Bruderschaftsbuch geführt. Im 19. Jahrhundert gab es in Oberpetersdorf mindestens 30 Hafner tätig, davon 14 selbständige Meister. Daneben blühte das Schneiderhandwerk. Im 18. Jahrhundert gab es in der Herrschaft 24 Meister und 15 bis 17 Gesellen. Sogar für den Wiener Hof wurde gearbeitet. Ende des 18. Jahrhunderts setzte der Niedergang ein. Der Zechmeister Alexander Klappek führte ihn auf die unter Josef II. erteilte Erlaubnis für die Juden zurück, ein Handwerk ausüben zu dürfen. Allein in Kobersdorf wurden 13 Juden als Schneider tätig. Erhalten sind aus dem Jahre 1614 die Statuten der Hufschmiede. Es gab 11 Meister und Gesellen.
In der Herrschaft Kobersdorf gab es zahlreiche Mühlen. 1597 überschreibt Liszty dem Isac Bertalanffy neben anderen Besitzungen auch eine Mühle am Stooberbach. Im Jahre 1651 verkauften Johann Kery und Und Ursula Csobór an Georg Kürtössy die Mühle am Stooberbach. Später waren Sigismund Leisser und dann Adam Stubenfol im Besitz der Mühle. In Weppersdorf gab es drei Mühlen, darunter die Schindler-Mühle und die Barakmühle. 1789 wurden die drei Mühlen als "untere Curialmühle", die "Kirchenmühle" und die "Behm-Mühle" genannt. In Kobersdorf gab es zwei Mühlen, die "Oberschindelmühle" und die Haffenschersche Mühle". Eine der Mühlen wurde schon 1572 erwähnt. Daneben bestand noch die Schlossmühle. Weitere Mühlen bestanden in Lindgraben (2), in Tschurndorf (3), in Oberpetersdorf (2) und in Kalkgruben (1).
Durch die Herrschaft Kobersdorf führte eine sehr wichtige Straße über den Markt Kobersdorf und Oberpetersdorf nach Schwarzenbach und Wiener Neustadt. In Weppersdorf, dem Straßenknotenpunkt, befand sich eine Mautstelle. Im 16. und 17. Jahrhundert spielten die Kobersdorfer Juden im Handel eine zunehmend wichtigere Rolle. Auf den jährlichen Jahrmärkten spielten die Erzeugnisse des Hafner-, Schmied- und Wagnerhandwerks eine wichtige Rolle.
Kirchengeschichte
Mutterpfarre der Herrschaft Kobersdorf war Weppersdorf, die auf das 13. Jahrhundert zurückgeht. Im 16. Jahrhundert gehörten zur Pfarre Weppersdorf die Filialen Kobersdorf, Tschurndorf, Lindgraben und Neudorf. Oberpetersdorf, das zunächst noch nicht zur Herrschaft gehörte, hatte eine sehr alte Kirche. Dort bestand schon 1302 eine Wehrkirche und eine Pfarre. Die Kirche könnte (nach Schmeller) schon im 12. Jh. aus einer Burganlage entstanden sein. Filialen waren Kalkgruben und Sieggraben. Oberpetersdorf war bis 1672 eine eigene Pfarre. Nach der Vertreibung des dortigen evangelischen Pfarrers wurde es ebenfalls Weppersdorf angeschlossen. 1725 und 1728 ist mit Mathias Praunecker ein eigener katholischer Pfarrer für Petersdorf und Kobersdorf bezeugt. 1754 wurde unter Pfarrer Andreas Köffler der Pfarrsitz von Oberpetersdorf nach Kobersdorf verlegt. Oberpetersdorf und Kalkgruben wurden Filialen von Kobersdorf. 1697 hatte die Kirche, auf einem Hügel über dem Dorf gelegen, ein mit Schindeln gedecktes Dach, einen hölzernen Turm mit zwei Glocken. Der Friedhof an der Kirche war mit einer Mauer umgeben.
Die Pfarren der Herrschaft Kobersdorf wurden durch Hans Weispriach mit evangelischen Pfarrern besetzt. In Weppersdorf war Georg Mühlberger der erste, 1564 genannte Pfarrer. Nach dem Tod des Hans Weispriach traten seine Töchter Esther, Judith und Susanne eifrig für den Protestantismus ein. Susanne war mit Christoph Teuffl verheiratet. Sie richtete 1564 im ehemaligen Kloster von Katzelsdorf eine evangelische Schule ein. Das Kloster war 1462 von Johann Sigismund Weispriach und seiner Gemahlin gegründet worden. 1529 wurde es von den Türken zerstört. 1560 zog Hans Weispriach die Klostergründe ein und vertrieb 1564 die letzten Franziskaner. 1593 wurde das Kloster an den Orden zurückgegeben. Hans Csóron war ebenfalls Protestant, wenn auch gemäßigter als Weispriach. Pfarrer war Blasius Rieder, der bis 1589 in Lutzmannsburg, dann in Weppersdorf wirkte. Er war in der Bevölkerung sehr beliebt. Listy nahm dann an seiner Stelle einen anderen, flacianischen Prediger auf. Die beiden Schwiegersöhne Hans Csórons, Christoph Nadasdy und und Stephan Listy waren ebenfalls Protestanten. Die Bewohner der Dörfer waren evangelisch, 1647 werden nur Neudorf, Tschurndorf und Lindgraben als katholisch bezeichnet (Buzás, Kanonische Visitation der Diözese Raab I. S. 122) 1597 wurde Weppersdorf visitiert, niemand erschien, Pfarrer Paul Frank schickte eine schriftliche Entschuldigung. Zur Mutterpfarre Weppersdorf gehörten damals die Filialen Kobersdorf, Oberpetersdorf, Lindgraben, Tschurndorf, Kalkgruben und Dessenbach (Neudorf).
Unter Franz Kery setzte die Gegenreformation voll ein. Nikolaus Esterhazy, zum Katholizismus konvertiert und eifriger Verfechter des katholischen Glaubens, war durch seine Ehe mit Ursula Dersffy in den Besitz der Herrschaft Landsee - Lackenbach gekommen. 1618 missionierten Jesuiten aus Tyrnau in Lackenbach, 1620 in der ganzen Herrschaft. Ab 1624 waren erste größere Erfolge zu erkennen. 1647 fand in St. Martin eine Visitation des Lutzmannsburger Archidiakons Johann Chákány statt, die auch Neudorf, Tschurndorf und Lindgraben erfasste. Die Gläubigen dieser drei Gemeinden beschwerten sich, dass ihnen das Recht der freien Religionsausübung von den evangelischen Grundherrn Kery und Lippay und vom evangelischen Prädikanten verwehrt wurde. Der Visitator ersuchte den Bischof um Erlaubnis für den St. Martiner Pfarrer, den Kroaten Franz Lorenz Slana, in diesen Gemeinden in einem Privathaus die Messe feiern zu dürfen. (Buzás, Visitationen I, S. 122) In Neudorf lebten damals 29 Familien, die bis auf zwei oder drei alle katholisch waren, in Tschurndorf 27 Bauernfamilien, die alle katholisch waren. In Weppersdorf hingegen waren nur 7 Bauernhäuser und 3 Söllner katholisch.
1651 liegt ein Bericht aus den evangelischen Gemeinden vor (Buzás, Visitationen I, S. 237 f.) In Weppersdorf und den Filialen Kobersdorf, Lindgraben,, Tschurndorf und Neudorf) wirkte als Pfarrer Magister Jacobus Lagus aus Hamburg, in Oberpetersdorf und der Filiale Kalkgruben Magister Georg Milner.
1643 konvertierte auch Franz Nadasdy. Johann Kery war noch Protestant, Franz Kery konvertierte ebenfalls. Seine Gemahlin Juliana Szecsy war eine fanatische Katholikin, sein Bruder Johann wurde Mönch und später Bischof. 1663 zeigte die Generalvisitation des Stephan Galovitius, Propst von Stuhlweißenburg und Raaber Domherr, bereits ein ganz anderes Bild. Der Weppersdorfer evangelische Pfarrer Hieronimus Christoph Foman aus Gotha war von Franz Kery vertrieben worden. Er fand inLoipersbach Zuflucht. In Kobersdorf war der Kroate Laurentius Vologh katholischer Pfarrer. Er war eigentlich Pfarrer von Weppersdorf, wohnte aber im Kobersdorfer Schloss. In der Visitation kommt er sehr schlecht weg, er wird als bequem und nachlässig geschildert (Buzás, Visitationen II, S.309 ff.) Oberpetersdorf und Stoob wurden nicht visitiert, da die beiden Orte noch immer von Protestanten bewohnt wurden. In Stoob gab es noch bis 1671 und in Oberpetersdorf bis 1672 evangelische Prediger. Die nächste Visitation von 1674 (Buzás, Visitationen III, S. 144 ff.) fand in Weppersdorf den Augustinereremiten Claudius Guenin aus Burgund als Pfarrer vor, in Stoob den Kroaten Michael Venericz. Beide hatten einen guten Ruf. In Oberpetersdorf gab es nur ein katholisches Haus, in Kalkgruben nur Evangelische, in Kobersdorf war bereits ein Drittel der Bevölkerung katholisch, Stoob war fast ausschließlich evangelisch. In Stoob folgte Vereicz, der aus Hornstein stammten, dem 1671 von Franz Kery vertriebenen evangelischen Pfarrer Martin Schwab. Bis auf 7 Familien waren noch alle Evangelische, hatten gegen ihren katholischen Pfarrer aber keine Beschwerden.
Zur Zeit der Visitation von 1697 (Buzás, Visitationen IV, S.335 ff.) war in Weppersdorf Paul Kersnerics Pfarrer. Er war 34 Jahre alt und hatte in Wien studiert. In Stoob war Michael Payzler Pfarrer, ein Kroate aus Antau mit nur mangelhaften Deutschkenntnissen. In Weppersdorf waren von 426 Personen etwa 300 evangelisch, in Kobersdorf lebten 201 Katholiken, 282 Evangelische und 140 Juden, in Stoob 77 Katholiken und 282 Evangelische. In der gesamten Herrschaft waren etwas mehr als die Hälfte der Bevölkerung evangelisch, ca. 5 % Juden.
Schärfere gegenreformatorische Maßnahmen wurden erst in den 1670er Jahren ergriffen, Andreas Miklossy, der Hofrichter Lippays, soll die Protestanten durch Ausplünderung und Folterung zum Glaubenswechsel gezwungen haben. Insgesamt nahm der Anteil der Evangelischen kontinuierlich ab, 1828 kamen in Kobersdorf auf 444 Katholiken nur mehr 329 Evangelische und 746 Juden. Die Zahl der Juden wuchs rasant an. In Weppersdorf konnte sich eine evangelische Mehrheit behaupten.
Ab 1754 war Kobersdorf eine eigene katholische Pfarre, mit Oberpetersdorf und Kalkgruben als Filialen. Schon 1723 wurde ein gemauerter Turm errichtet, 1732 das Langhaus neu erbaut. Der Kirchenbau wurde vom Fürsten Esterhazy übernommen. Wahrscheinlich steckten auch hier in den Baumaßnahmen wie in der Pfarrsitzverlegung gegenreformatorische Bemühungen. In den ab 1754 geführten Matriken wurde auch die Konfession vermerkt. 1757 und 1758 wurde je ein Glaubensübertritt zum Katholizismus vermerkt. Von 1760 bis 1792 war Georg Heiß katholischer Pfarrer. Er vermerkte noch die Heirat des ersten evangelischen Pfarrers Samuel Waltersdorffer mit der Ödenburger Bürgerstochter Susana Catharina Artner. Ab 1788 wurden nur mehr die Kinder von Katholiken in das Taufregister eingetragen.1792 war Paul Straus Administrator, dann 1793 bis 1807 Adam Simonics. Ihm folgte für kurze Zeit Johann Häretter und dann Franz Gálovits und, von 1840 bis 1850, Franz Xaver Rach. Zwischen 1808 und 1845 wurden insgesamt 14 Kinder getauft, die aus Mischehen stammten. Eine evangelische Taufe war in solchen Fällen verboten.
Die Evangelischen konnten ihre Kirchengemeinden erst wieder nach dem Toleranzpatent Josefs II. organisieren. 1783 organisierte sich in Kobersdorf eine evangelische Kirchengemeinde, der sich auch die Evangelischen in Weppersdorf, Oberpetersdorf, Tschurndorf, Kalkgruben und Lindgraben anschlossen. Die Gemeinde erhielt die Erlaubnis zur Errichtung eines Bethauses. 1784 war Samuel Waltersdorfer aus Modern bei Pressburg, ehemaliger Con-Rector der evangelischen Schule in Modern, erster evangelischer Pfarrer nach den Glaubensverfolgungen. Er wohnte zunächst in einem Bauernhaus, das zuvor von einem Wundarzt bewohnt worden war. Noch 1784 heiratete Waltersdorfer Susanna Catharina Artner aus Ödenburg. Bis 1791 mussten die Amtshandlungen noch dem katholischen Geistlichen angezeigt werden und die Stolgebühren an diesen gezahlt werden. Schon 1785 wurde mit dem Bau des evangelischen Bethauses begonnen. 1786 wurde um die Errichtung einer eigenen evangelischen Schule angesucht. Im Herbst 1787 konnten bereits die Schule und die Lehrerwohnung bezogen werden, ein Jahr später war auch das Pfarrhaus fertig gestellt. Altar und Kanzel wurden von Karl Erhard Artner aus Ödenburg gestiftet und stammten aus dem aufgelassenen Paulinerkloster in Wandorf. Das Altarbild stammt von Stefan Dorfmeister. 1793 konnte auch die neue, von Joseph Klügel in Güns gebaute Orgel in Betrieb genommen werden. Die neue evangelische Kirchengemeinde erbrachte also in wenigen Jahren eine unglaubliche Leistung, die sehr eindringlich beweist, wie sehr man die eigene Kirchengemeinde entbehrt hatte. Sie war nur durch eine starke Solidarität der Evangelischen möglich. 1798 hielten Superintendent Stephan von Nagy und Senior Jakob Bogsch die erste Kirchenvisitation ab. Sie stelleten fest: Der Gottesdienst fand an Sonn- und Feiertagen am Vormittag statt, am Nachmittag wurde Kinderlehre gehalten. An Werktagen kamen, außer zur Erntezeit, die Gläubigen täglich zu Gebet und Vorlesung. Alle 14 Tage wurde die Kommunion erteilt, die Beichte Tags zuvor gehalten. Die Kinder besuchten fleißig die Schule, gingen mit 12 Jahren zum Konfirmationsunterricht und wurden zu Ostern konfirmiert. 1810 hielt Senior Gottlieb Gamauf eine weitere Visitation ab. Waltersdorfer erhielt für seine Leistungen eine Gehaltserhöhung.Später wurde er Consenior des Ödenburger Distriktes. Interessant ist, dass die Gemeinde eine Spende von 150 Gulden zur Gehaltsaufbesserung der Lehrer am Ödenburger Gymnasium leistete. 1812 wurde ein Mesner angestellt.1823 wurde die Kirche mit Schindeln neu eingedeckt. 1823 gehörten zur evangelischen Kirchengemeinde 1245 Personen.
1831 trat Waltersdorfer in den Ruhestand und erhielt von der Kirchengemeinde eine jährliche Pension von 200 Gulden. Es folgte als Pfarrer Johann Unger, der Schwiegersohn Waltersdorfers, der bis 1867 die Pfarre betreute. 1858 zählte die Gemeinde bereits 1516 Personen, darunter 168 Schulkinder. 1856 wurde der Kirchturm gebaut und eine Glocke angeschafft.
In Stoob bestand 1786 eine evangelische Kirche, Weppersdorf ist erst seit 1906 eine eigene evangelische Pfarre.
Ob es in vorreformatorischer Zeit Schulen gab ist unbekannt. Anlässlich der Visitation von 1651 wird in Weppersdorf ein Lehrer erwähnt, ebenso in Oberpetersdorf. 1674 war Martin Speck, deutscher Katholik, Lehrer in Weppersdorf. In Oberpetersdorf gab es keinen Lehrer, das Schulhaus war vermietet. In Stoob wird noch 1674 ein evangelischer Ludimagister erwähnt, wahrscheinlich Adam Kirchmayer, der nach der Vertreibung Schwabs auch die Taufmatriken führte. Es gab ein gut gepflegtes Schulhaus. 1697 war in Weppersdorf, Kobersdorf und Oberpetersdorf Johann Port Lehrer, in Weppersdorf und Stoob Michael Temperger. 1728 wird mit Josef Horvath der erste Ludirector in Kobersdorf erwähnt. 1785 wurde in Kobersdorf auch eine evangelische Schule geschaffen, erster Lehrer war der gebürtige Ödenburger Johann Estel. Dieser wurde schon 1783 berufen und erteilte zunächst an der katholischen Schule den evangelischen Religionsunterricht. Bevor er als Lehrer in der neuen evangelischen Schule tätig werden konnte musste er vor dem k.k. Normal - Inspector v.Takáts in Raab eine Prüfung ablegen. In der Erntezeit waren vier Wochen schulfrei. Einmal pro Jahr fand unter Anwesenheit des Pfarrers und der Eltern eine öffentliche Prüfung statt. Sein Gehalt betrug 40 Gulden , ein Viertelmetzen Getreide pro Haus und das nötige Brennholz. Die Kinder hatten wöchentlich das Schulgeld und täglich das Brennholz mitzubringen. mitzubringen. Der Visitator stelte 1798 fest, dass die Schule fleißig besucht wurde. Nach Estel war ab 1811 Josef Traugott Schenner zwanzig Jahre lang Lehrer. Er war mit der Tochter des Kobersdorfer Wundarztes Susanna Theresia Köhler verheiratet. Natürlich hatte auch er den Kantor- und Organistendienst zu verrichten, 1815 war die Schule bereits zu klein, das Klassenzimmer wurde vergrößert und die Decke gehoben. 1823 waren 140 Schulkinder von einem Lehrer zu betreuen. Diese große Zahl bewog Weppersdorf, um die Genehmigung einer eigenen Schule anzusuchen. Ab 1837 war dort Johann Janisch Lehrer, gefolgt von Matthias Hammer (1837 - 1867). 1831 starb in Kobersdorf Josef Traugott Schenner im 38. Lebensjahr. Er hinterließ eine Witwe und fünf unmündige Kinder. Sein Nachfolger wurde Samuel Ebner, Absolvent des Ödenburger Lyceums.
1837 folgte auch Weppersdorf mit der Errichtung einer evangelischen Schule, 1888 Oberpetersdorf mit 43 Kinder. Dort war Paul Fuchs der erste Lehrer. In den kleinen Orten wurden erst viel später Staatsvolksschulen errichtet: 1899 in Lindgraben, 1905 in Kalkgruben und 1907 in Tschurndorf. Neudorf hatte eine alte katholische Schule.
Lehrer an der katholischen Pfarrschule von 1802 bis 1818 in Kobersdorf Josef Maninger, Unter dem Lehrer Emmerich Dorner besuchten 1873 38 Knaben und 36 Mädchen aus Kobersdorf, Oberpetersdorf und Kalkgruben die Schule. Dorner wurde für seine Dienste in der Schlosskapelle zusätzlich entlohnt. Für 12 arme Kinder zahlte der Fürst Esterházy.
Die bauliche Entwicklung
Das dreiecksförmige Schmalangerdorf wurde schon in der frühen Neuzeit erweitert, die Höfe zum Teil geteilt. Zwischen Schloss und Stooberbach wurden die Judenhäuser angeklegt. Der starke Bevölkerungsansteig vor allem im 19. Jahrhundert machte so wie in vielen anderen Dörfern die Anlage neuer Siedlungsteile auf Herrschaftsgrund erforderlich. Diese Kurial-Söllnerhäuser waren meist klein und mit keiner Ansässigkeit ausgestattet. Rodungsgrund konnten freilich auch die Söllner erwerben. Sie hatten aber keinen Anteil an der Weide- und Waldnutzung. Die Siedlungswerber suchten um die Freigabe von Hausplätzen an und schlossen mit der Herrschaft einen Kontrakt. Aus Kobersdorf sind mehrere solcher Kontrakte erhalten. 1838 etwa wurden 13 neue Söllnerhäuser in der Trift (Feldgasse, Theodor Kery - Straße) gebaut. Die Bauplätze waren mit 75 Quadratklafter recht klein. Jeder der Söllner hatte jährlich einen Gulden Conventionsmünze an Grundzins zu zahlen und musste 36 Tage Handrobot leisten. Sie mussten laut Vertrag auf Waldnutzungs- und Weiderechte verzichten. Sie durften ein Handwerk ausüben, dieses aber nicht ausweiten, "da sich die Herrschaft das Recht zur Errichtung von Fabriken ausdrücklich vorbehält". Sie durften auch keinen Handel treiben. Ein Curial-Söllnerhaus durfte immer nur im Besitz einer Familie sein und es durfte keine zweite Wohnung eingerichtet werden. Das Haus durfte nur zum Schätzwert verkauft oder vererbt werden, wobei die Grundherrschaft ein Vorkaufsrecht hatte. Sie musste dann aber einen Ersatzbauplatz zur Verfügung stellen. 1842 wurde die Inselgasse angelegt. Dort hatten die Curialhäuser verschiedene Grundstücksgrößen, von 68 bis 119 Quadratklafter. 1841 wurden Bauplätze in der Neugasse mit 68 Quadratklafter vergeben. Interessant ist, dass laut den Bauvorschriften "die Fassaden in Symmetrisch gleicher Form" gestaltet werden mussten und einheitliche Plankenzäune vorgeschrieben waren. Für den Bau musste "gutes, solides Material" verwendet werden. Die Besitzer dieser Häuser waren zum Teil Juden. Diese Häuser wurden während des großen Hochwassers von 1895 so schwer beschädigt, dass sie zum Teil verlassen wurden. 1845 wurden in der Waldgasse Baugründe zu 100 Quadratklafter vergeben.
Im "Jubiläumspark" stand das Gemeindehaus, ein Zinshaus, in dem zum Beispiel 1799 die Hebamme Helma Steinauerin lebte. Es gab auch ein Gemeindewirtshaus, das meist kurzfristig verpachtet war.
In Kobersdorf bestanden sechs herrschaftliche "Freihäuser", die zu keinen Abgaben an die Grundherrschaft verpflichtet waren. Das Freihaus Sallantay wurde vom Richter Michael Sallantay und seiner Frau Maria, die Hofschneiderin war, bewohnt. Unter den Esterhazy kam das Haus an Valentin Candido, der 1779 straßenseitig ein Stockhaus erbaute. Candido, der auch als Kaufmann tätig war, brachte es zu einem beachtlichen Wohlstand. Bei seinem Tod 1837 hinterließ er ein Vermögen von 16 000 Gulden. Ein weiteres Freihaus ging von Georg Piniel auf dessen Ziehsohn Georg Marx über, der von Gräfin Juliane Széchy-Kery einen Freibrief erhielt. Er hatte der Herrschaft Geld geliehen. Die Familie Marx erlosch erst mit Franz Josef Marx im Jahre 1985. Er war Landtagsabgeordneter der ÖVP, Obmann der Sozialversicherungsanstalt der Bauern und Obmann des Raiffeisenverbandes.
Die Hochwasserkatastrophe von 1895
Der Ort war schon immer durch Überschwemmungen nach Starkregenfällen gefährdet (etwa 1795 und 1831). Die Katastrophe vom 6. Juni 1895 war besonders folgenschwer. Innerhalb von zwei Stunden wurde der Ort total verwüstet, der Wasserstand des Baches lag etwa 4 m über dem Normalstand. 17 Menschen kamen ums Leben, etwa 30 Häuser wurden total zerstört. Die Konsequenz war die "Regulierung" des Baches, also die Uferverbauung durch Betonmauern. 1939 wurde damit begonnen. 1944 verursachte ein Hochwasser noch einmal schäden, vor allem in der Inselgasse. Ab 1950 wurden die Arbeiten fortgesetzt und 1965 abgeschlossen.
Kobersdorf als "Sommerfrische" und Fremdenverkehrsort
In der Zwischenkriegszeit war Kobersdorf ein für Familien aus Wien beliebter Urlaubsort, meist für Menschen mit geringem Einkommen aus der Mittelschicht. Neben der Mineralwasserquelle, dem Freibad und der waldreichen Umgebung waren es die günstigen Quartiere in Gasthöfen, Pensionen aber auch Privathäusern, die die Besucher anlockten.
Die Mineralwasserquelle wurde der Legende nach schon zur Zeit der Csoron-Herrschaft "entdeckt" und wurde von der Bevölkerung genutzt. Im Jahre 1696 wurde durch eine Überschwemmung der "Steg zum Sauerbrunnen" weggerissen. 1920 wurde eine Handpumpe angebracht. Die Bevölkerung holte das Wasser vom Sauerbrunnen mit "Plutzern", Tongefässe mit engem Hals, in denen das Wasser lange kühl und frisch blieb. 1830 wurde das Wasser erstmals vom Apotheker Würzler analysiert. Er fand heraus, dass es sich um einen alkalischen Säuerling handelt, dessen Inhaltsstoffe Natrium, Magnesium Kalzium und Eisen sich für Kuren bei Magen-, Darm- und Blasenleiden geeignet sind. 1957 wurde die Quelle neu gefasst, 1958 ein Brunnenhaus errichtet. Zehn Jahre später wurde in unmittelbarer Nähe eine neue Quelle erschlossen, mit artesischer Schüttung. Die alte Quelle wurde geschlossen, über der neuen 1967 ein Pavillon gebaut.
Das Mineralwasser, das heute als "Kobersdorfer" verkauft wird und einen großen Markt hat, kommt aus der Waldquelle. Diese entspringt am Fuße des Pauliberges nahe der niederösterreichischen Grenze. Sie ist seit 1830 bekannt und befindet sich im Eigentum der Esterhazy. Esrt zu Beginn des 20 Jahrhunderts fand die Quelle das Interesse von Investoren. Der Wiener Ing. Rudolf Haberl plante die Vermarktung im großen Stil. Er pachtete die Quelle von der Esterhazyschen Forstverwaltung, errichtete ein großzügiges Wohnhaus und ließ die Quelle fassen. 1912 wurde die Abfüllanlage in Betrieb genommen. Vom Anfang an aber gab es große Probleme mit dem Transport von Kobersdorf nach Ödenburg. Die Straßen waren schlecht, viele Flaschen zerbrachen. Ein Anschluss zur Bahnlinie in St. Martin kam nicht zustande. Der Weltkrieg trug dann weiter zum Scheitern bei. Ing. Haberl, der sein Vermögen bzw. die Mitgift seiner Frau verloren hatte, wurde von den Esterhyzy als Beamter der Forstverwaltung eingestellt und konnte mit seiner Familie weiterhin im von ihm gebauten Haus, nunmher Forsthaus, wohnen.
Ein zweiter Versuch, die Waldquelle zu nutzen, wurde erst 1958 von der Familie Hohl unternommen. Der Absatz kam in Schwung, nicht zuletzt durch die Belieferung der "Austrian Airlines". Nach dem plötzlichen Unfalltod von Elfriede Hohl, der treibenden Kraft des Unternehmens, wurde aber auch dieser Betrieb wieder eingestellt. Bald darauf pachtete 1979 die "Waldquelle Kobersdorf Ges. m. b. H. & Co KG" Grundstück und Betriebsgelände von Esterhazy. Trotz einiger Erfolge gab es nach wie vor Probleme vor allem mit der Zufahrt auf der Forststraße. Außerdem war die Quellschüttung erschöpft. 1986 wurde von der Gemeinde ein großes Industriegrundstück erworben und zwei Quellen von der Gemeinde langfristig gepachtet. Erst mit dieser "Neuen Waldquelle", mit der auch die Probleme der Umweltauflagen, der Stromversorgung, der Abwasserableitung gelöst wurden, gelang der endgültige Durchbruch. Auch die Anbindung Kobersdorfs an die Schnellstraße war wichtig. Es wurde ein mderner Abfüllbetrieb errichtet. Es können jährlich 90 Millionen Liter abgefüllt werden.
In der Zwischenkriegszeit war für die touristische Entwicklung auch das Kobersdorfer Freibad wichtig. Der Badebetrieb hatte in Kobersdorf bereits eine lange Tradition. Schon 1667 gab es ein Badehaus. Bader sind über lange Zeit belegt. 1910 wurde in der Grössing - Mühle (früher Hofmühle) eine Wannenbadeanlage errichtet, die bis 1920 bestand. 1906 wurde die Freiluftbadeanlage errichtet und mit Badehausaktien der Bevölkerung finanziert. Dadurch wurde die Anziehungskraft als "Sommerfrische" erheblich gesteigert. 1949 wurde das Schwimmbecken vergößert, 1962 die Anlage saniert. 1983 wurde die Anlage aus finanziellen Gründen stillgelegt. 1998 wurde die Anlage abgerissen und ein Parkplatz daraus gemacht.
Mit der Zunahme der Sommerfrischengäste wurden auch die Wirtshäuser ausgebaut. Darunter war neben den traditionsreichen Gasthäusern der Familien Schranz und Oberhofer auch ein jüdisches Gasthaus der Familie Weltsch. Unter den Feriengästen Kobersdorfs waren auch viele jüdische Familien. Aus der ehemaligen Kobervilla machte Joseph Schmidt eine Fremdenpension. 1960 wurde die Pension Sonnenhof errichtet und die Familie Pauer baute die Pension Waldhof. Auch Privatzimmer wurden vermietet.
Heute spielt der Fremdenverkehr in Kobersdorf eine eher bescheidene Rolle.
Literatur:
Walter Feymann, Geschichte der Herrschaft Kobersdorf von ihren Anfängen bis zur Übernahme durch Fürst Palatin Paul Esterhazy. Diss. Wien 1970.
Harald Prickler, Burgen und Schlösser im Burgenland
Otmar Schranz, Studien zur Geschichte der Herrschaft Kobersdorf. Hausarbeit aus Österreichischer Geschichte. Universität Wien, 1971
Margarethe Hausensteiner, Kobersdorf. Ein Ort in seiner Geschichte, Tradition und Entwicklung. Kobersdorf 2001