industriestandorte1930

Industriestandorte 1930

 

Als das Burgenland zu Österreich kam, gab es im ganzen Land nur 31 Industrie- und Bergbaubetriebe mit jeweils mehr als 20 Beschäftigten. Typisch für die burgenländische Industrie waren jene Branchen, welche die örtlichen Bodenschätze oder die landwirtschaftlichen Produkte weiterverarbeiteten. Zu den Schlüsselbereichen entwickelten sich die Textilindustrie, die Stein- und keramische Industrie sowie die Nahrungs- und Genussmittelindustrie. Anfangs hatte auch der Bergbau einen hohen Stellenwert.

Die Wirtschaftspolitik der unmittelbaren Nachkriegszeit war bestrebt, die Inflation in den Griff zu bekommen und die Wirtschaft zu stabilisieren. Dies führte im Burgenland dazu, dass die ohnehin bescheidene Zahl von industriellen Unternehmungen leicht zurückging. Aber nach Überwindung der Inflation und der Stabilisierungskrise zeigten sich zwischen 1925 und 1929 zaghafte Wachstumsansätze in der burgenländischen Industrie. Diese waren durch die allgemeine Konjunkturentwicklung bedingt. Diese konjunkturell bedingten Impulse führten zwar zur Gründung einiger neuer Betriebe, aber nicht zu einer Verbesserung der Industriestruktur des Landes. Im wesentlichen blieben drei Branchen dominant: die Textilindustrie, die Stein- und keramische Industrie sowie die Nahrungs- und Genussmittelindustrie. Allein auf diese drei Branchen entfielen im Jahre 1930 knapp 90% der in der burgenländischen Industrie Beschäftigten! Rund die Hälfte aller industriellen Arbeitnehmer fand in der Textilindustrie Beschäftigung.

Diese einseitige Ausrichtung der burgenländischen Industriestruktur rächte sich ganz besonders in den Jahren der Weltwirtschaftskrise. Von der wirtschaftlichen Depression war vor allem die Textilindustrie betroffen. Die größte Textilfabrik des Burgenlandes in Neufeld reduzierte ihren Arbeiterstand von 1392 im Jahre 1930 auf 590 im Jahre 1933. Zwar verbesserte sich die Lage des Unternehmens, aber der Export von Juteerzeugnissen pendelte sich auf einem niedrigen Niveau ein.

 
Auch die Firma Hutter & Schranz in Pinkafeld kämpfte mit Exportschwierigkeiten. Ihre traditionellen Exporte in die Balkanstaaten gingen rasant zurück.
Weit besser als die Textilindustrie überstand die Nahrungs- und Genussmittelindustrie die Weltwirtschaftskrise. Zwar war die Branche mit nur zwei Betrieben im Jahre 1930 vertreten, aber die beiden Zuckerfabriken in Siegendorf und Hirm erwirtschafteten einen überaus hohen Wert der Industrieproduktion. Da sie hauptsächlich für den Inlandbedarf produzierten, wirkten sich die Preisschwankungen auf dem Weltmarkt nicht so ungünstig auf die beiden Unternehmen aus. Ganz im Gegenteil: Die Siegendorfer Zuckerfabrik erzeugte zwischen 1930 und 1936 mehr Weißzucker als je zuvor! Rekordergebnisse (260 000 bzw. 238 000 Zentner) ließen allerdings die Vorräte ansteigen. Daher mussten einschneidende Maßnahmen ergriffen werden, um die Vorräte wieder abzubauen. In der Folge wurde die Rübenanbaufläche im Einvernehmen mit den Landwirten um rund ein Viertel reduziert. Diese Maßnahme hatte Erfolg, da nun die Produktion dem gesunkenen Konsum angepasst werden konnte. - Die Hirmer und Siegendorfer Zuckerfabrik beschäftigten im Jahre 1930 zusammen knapp 1 500 Mitarbeiter, was rund 27% aller industriellen Arbeitnehmer des Landes ausmachte!

Dominierten in der Industriestruktur im wesentlichen nur drei Branchen, so ergab sich in der regionalen Verteilung der Industriestandorte ebenfalls eine auffallende Schwerpunktbildung. So konzentrierten sich in den Bezirken Mattersburg und Eisenstadt knapp 45% aller Industriebetriebe mit fast 45% aller industriellen Arbeitnehmer des Landes! Gemessen an der Zahl der Beschäftigten bildete der Bezirk Neusiedl/See das Schlusslicht in der industriellen Entwicklung des Burgenlandes.

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