kloster marz

Ein noch immer nicht eindeutig geklärtes Problem in der burgenländischen Geschichtsforschung sind Existenz und Lage des "Klosters" in Marz.
Im Jahre 1223 schenkten der Adelige Baica und sein Sohn dem Abt des Zisterzienserklosters Klostermarienberg eine Wiese in Engeldorf (an der Rabnitz, zwischen Klostermarienberg und Frankenau). Unter den Zeugen wird auch ein "prepositus de Mvorih", also ein Propst von Marz, genannt. 1295 ernannte Bischof Theodor von Raab einen Bruder Nikolaus zum Propst des St.Peters - Klosters in "Hurpach", eines Klosters der Augustiner - Chorherrn. Genau genommen ist die Bezeichnung "Kloster" falsch, man müsste von einem "Stift" sprechen. Die Augustiner - Chorherrn waren aus Säkularkanonikerstiften, aus Wohngemeinschaften von Geistlichen entstanden. Diese entwickelten sich durch Annahme der Augustiner - Regel zu den Augustiner - Chorherrn. Mit einem der großen "Stifte" späterer Zeit war Marz aber sicher nicht zu vergleichen. Es waren nur wenige "Mönche", die hier zusammen lebten. Die Urkunden geben leider keinen Aufschluss darüber, wo das Kloster lag. Sicher ist nur, dass es innerhalb der Diözese Raab zu suchen ist.
"Hurpach" meint nach Meinung vieler Historiker nicht Rohrbach, sondern eher Sopronhorpács bei Güns. Dort gibt es eine spätromanische Kirche aus der Zeit der Urkundenausstellung. Demnach hätte es in Marz nie ein Kloster gegeben. Dagegen spricht die Erwähnung eines Propstes von Marz und auch die mündliche Überlieferung in Marz selbst. Dass mit "Hurpach" eventuell doch Marz gemeint sein könnte wird durch eine andere Urkunde aus dem Jahre 1335 gestützt, in der von zwei Dörfern "Horpach" gesprochen wird. Im Mittelalter könnte also auch Marz mit dem Namen Rohrbach bezeichnet worden sein - oder der Urkundenschreiber hatte nicht die nötigen Ortskenntnisse.
In der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts wurden weitere Pröpste von Marz erwähnt: Wilhelm, Kaspar und ein Ulrich Nuspemmer. Sie werden im Totenbuch des Augustinerchorherrenstift St.Pölten erwähnt. St. Pöten war anscheinend das "Mutterkloster" von Marz. Vielleicht wurden der erste Propst und die Geistlichen von St. Pölten - das auch das gleiche Patrozinium hat - entsandt. In der Urkunde von 1335 wurde von Stefan, Sohn des Herbord aus der Familie der Osl, veranlasst, dass der Besitz des Johannes, Sohn des Mark von Zemendorf, zwischen den beiden Orten Horpach ("medio duarum villarum Horpach") von der Allgemeinheit nicht genutzt werden darf. Leonhard Prickler vermutet in der Festschrift Mar, dass das KLoster kurz vor Ausstellung dieser Urkunde verödete und der Klosterbesitz zwischen Marz und Rohrbach an die Stifterfamilie, also die Oslsippe, der auch Johannes von Zemendorf angehörte, zurück fiel.

 
Das Kloster kann aber nicht lange unbestiftet geblieben sein. Eine Urkunde aus dem Jahre 1358 berichtet, dass Peter, Sohn des Andreas von Agyagos, ebenfalls aus der Oslsippe abstammend, dem Propst Rueger des St. Pöltener Klosters, in Horpach 180 Joch Ackerland in Kér übertrug. In dieser Urkunde wurde auch bestätigt, dass die Osl das Kloster gegründet und dort ihre Grablege hatten. Letzteres traf wohl nur auf einen Osl - Zweig zu, denn die Osl hatten im Prämonstratenserkloster Csorna ihr "Hauskloster" und ihre Grablege.
1438 starb in St.Pölten der Chorherr Petrus, der im Totenbuch als ehemaliger Propst von Marz bezeichnet wird. Seinen vom Marzer Konvent gewählten Nachfolger Paulus ließ der St. Pötener Propst Christian Seewieser jedoch nicht nach Marz ziehen. Er gab dem Marzer Konvent und der Pfarrgemeinde die Erlaubnis, einen neuen Propst zu wählen. Diese ungewöhnliche Anordnung spricht dafür, dass die Chorherren auch die Pfarrseelsorge in Marz besorgten. 1461 soll der letzte Marzer Propst Peter gestorben sein. 1463 wird dann erstmals ein Marzer Pfarrer erwähnt. In diesen Jahren dürfte also die Marzer Propstei aus Mangel an Nachwuchs zu bestehen aufgehört haben.
Die Frage ist: Wo lag das Marzer "Kloster"? Ein Kupferstich von Matthias Greischer aus der Zeit um 1680 zeigt zusammen mit der Kirche ein recht großes Gebäude. Auch die Katastralvermessung von 1856 zeigt vis-á-vis von der Kirche ein Gebäude um einen Hof, Hier wäre das Marzer "Kloster" zu suchen. Später wurde das Gebäude als Pfarrhof genutzt - wie ein altes Foto beweist, ein ansehnliches Gebäude. Heute steht an seinem Platz der neue Pfarrhof. Andere Standorte wie etwa das "Klosterrückerl" in Rohrbach, der "Wiesa-Berg" (Wiesenberg) am Südrand des Marzer Kogels oder der Standort des späteren Ödenburger Meierhofes in Loipersbach können ausgeschlossen werden.
Literatur: Leonhard Prickler, Die Geschichte von Marz (4.-19. Jahrhundert) In: Festschrift 800 Jahre Marz. 2002. S. 59-64

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