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Besitzunge der Osl in den Komitaten Ödenburg, Wieselburg und Eisenburg

Neben den vielen aus dem Westen zugewanderten Adelsgeschlechter gab es auch einheimische Familien, die im 12. und 13. Jahrhundert zu Ansehen und Macht kamen. Zu den wichtigsten gehörte die Sippe Osl, die bald weit verzweigt war. Einer ihrer wichtigsten Zweige waren die Kanizsai. Die Abstammung der Osl ist nicht exakt geklärt. Die meisten Historiker nehmen jedoch an, dass sie ursprünglich eine Grenzwächterfamilie petschenegischer Herkunft waren. Die Osl besaßen die meisten, aus dem Burgverband Ödenburgs herausgelösten Grenzwächtersiedlungen. Der gemeinsame Stammvater der Osl dürfte schon in der Mitte des 11. Jahrhunderts gelebt haben. Um 1200 ist die Familie bereits in vier Hauptlinien aufgesplittert, in die Osl, Súr, Németi und die Zemendorf-Antauer. Aus der Linie der Osl, die um Csorna ihre Besitzungen hatte, ging die Familie der Kanizsai hervor, die im 14. Jahrhundert zu einer der mächtigsten Familien im westlichen Ungarn aufstieg.
Osl I., der Begründer der Osl-Linie, aus der später die Kanizsai und die Csornai hervorgingen, und Moritz, der Begründer der Zemendorf-Antauer Linie, waren Brüder. Unbekannt ist, in welchem Verwandtschaftsverhältnis zu ihnen Súr I., der Begründer der Súr-Linie und Peter I., der Begründer der Németi-Linie, standen.

Die Súr
Súr I. hat wahrscheinlich seinen Erbbesitz Adul von König Andreas II. eingetauscht und Agyagos bei Kapuvár dafür bekommen. Comes Peter I., Sohn des Súr I., verkaufte 1232 einige Güter in Alrams (östlich von Neudörfl) um 60 Pfund an den Ezzelin von Wr. Neustadt. Beim Verkauf treten Ulrich von Walbersdorf und Eberhard, der Richter von Zemendorf, als Zeugen auf. In Alrams erwarben auch noch andere Wr. Neustädter Bürger und der Deutsche Orden Besitzungen, wobei aber die Osl ihre Herrschaftrechte behielten. Auch die Németi, die Grafen von Rosenfeld, die im Besitz von Oberpetersdorf waren, hatten Besitzungen in Alrams. König Karl Robert schenkte Alrams an seine Parteigänger, die Mattersdorf - Forchtensteiner, mit der Begründung, die Osl hätten Alrams dem Königreich Ungarn entfremdet, weil sie dort Besitzungen an Wr. Neustädter Bürger und an einen Pahamarius (=von Puchheim) verpfändet hätten. Die Súr hatten Besitzungen in Grußhöflein und "Sikrynpotok", wahrscheinlich Sieggraben. Ob Peter I. Súr der Begründer der Propstei Marz - Rohrbach war, ist umstritten. 1223 wird ein "prepositus Mvrih" erwähnt. Die Frage, ob mit der Propstei "Hurbach" tatsächlich Marz - Rohrbach gemeint ist oder doch Sopronhorpacs, ist nicht eindeutig entschieden. Die meisten Experten neigen heute eher zur zweiten Interpretation. Sur, ein Ort bei Pöttsching, der später wüst gefallen ist, könnte von Súr I. oder seinem Enkel Súr II. gegründet worden sein. 1278 war Súr II. Burgvogt von Kobersdorf. Noch vor 1298 kam es zu einer Aufteilung der Besitzungen in Großhöflein zwischen Súr II. und Andreas II. Ihr Bruder Georg (Gregor) erhielt Alrams. Der Deutsche Orden hatte inzwischen die Besitzungen Ezzelins in Alrams übernommen. 1298 verpfändete Súr II. die Hälfte seiner Besitzungen in Großhöflein seinem Schwiegersohn Perlup (Berthold), ebenso erneuerte dessen Pfandansprüche in Marz, da Perlup bei der Belagerung seiner Burg in Rohrbach seine Urkunden verloren hatte. Perlup war mit Margaretha, der Tochter Súrs II., verheiratet. Drei Jahre später wurden die Verträge erneuert. Rohrbach war zu diesem Zeitpunkt noch immer dem Perlup entzogen.Perlup stand im Dienste der Mattersdorf - Forchtensteiner. Er gab 1299 Besitzungen der Németi in Krensdorf, die er als Pfand innehatte, den Pöttelsdorfern weiter. Der Niedergang der Súr zeichnete sich bereits ab. Margaretha wurde nach Súrs II. und Perlups Tod von Magister Paul I. von Mattersdorf - Forchtenstein versorgt und dieser bekam dafür ihre Besitzungen verpfändet. Die Nachkommen Andreas II., Bruder Súrs II., konnten Alrams und Teile von Großhöflein noch halten. Eine Angehörige der Sippe, Klara, heiratete den Ödenburger Bürger Welflin (Wolfart), der sich "von Großhöflein" nannte. Ihre Nachkommen überließen so wie auch die anderen Nachkommen der Súr ihre Besitzungen den Forchtensteinern. Die verwandten Ostffy protestierten vergeblich.

Die Németi (von Rosenfeld)
Sie nannten sich nach Sopronnémeti bei Csorna. Ihr Begründer war ein comes Peter. Sein Sohn Peter II. ist 1237 anlässlich einer Abtretung von Osl - Besitzungen in Klein Csorna und Marz an das Kloster Csorna bezeugt. Dionys, ein Sohn Peters II., erhielt 1279 von König Ladislaus IV. Agendorf aus dem Besitz Peters von Agendorf, Burggraf von Ödenburg, der wegen Hochverrats hingerichtet worden war. Sein Bruder Peter III. verpfändete 6 Bauernhöfe in Krensdorf an Perlup von Rohrbach, der sie an die Pöttelsdorfer weitergab. Die Besitzungen der Németi in Oberpetersdorf gelangten in die Hände der Mattersdorf - Forchtensteiner, gemeinsam mit Sieggraben. Im Vertrag wird die die "ecclesia incastellatum", also die befestigte Kirche in Oberpetersdorf, genannt. Die Besitzungen in Agyagos wurden an die Kanizsai verpfändet, die in Stöttera an die Mattersdorf-Forchtensteiner, ein Teil der Seemaut in Sarród wurde dem Kloster in Csorna gestiftet. In einer Fehde mit Wr. Neustadt werden die Németi auch als Grafen von "Rosenfeld" bezeichnet. Wo dieses Rosenfeld lag ist nicht geklärt. Einige Németi versuchten schließlich, ihre Besitzungen in Stöttera, Krensdorf, Marz, Zemendorf und Großhöflein sowie in Agyagos und Németi an Österreicher zu verkaufen. Dagegen protestierten die Kanizsai, die als Verwandte ihr Vorkaufsrecht in Anspruch nahmen. Mit Stefan I. und Peter IV., die sich beide "von Krensdorf" (de Heren) nannten, starb dieser Familienzweig aus. Zuvor hatte Stefan noch seine Besitzungen an Lorenz von Mattersdorf - Forchtenstein verpfändet. Dagegen legten zahlreiche andere Osl - Zweige vor König Karl Robert Protest ein. Ein Teil der Németi - Besitzungen kam an die Ostffy.

Die Zemendorf - Antauer
Ihr Ahnherr war Moritz I., ein Bruder Osls I. 1230 wird Moritz in einer Schenkungsurkunde an das Familienkloster Csorna erwähnt. Moritz II. vermachte 1281 auf dem Totenbett eine Mühle in Zemendorf und seinen Anteil am Bergrecht auf dem Berg "Bithurianus" bei Marz dem Michaelskloster in Csorna. Bithurianus ist von magj. bojtorján = Klette abzuleiten, also dort, wo später das Dorf Klettendorf entstand. Klettendorf befand sich im Besitz der Vát, einer anderen Osl - Linie und verödete im 14. Jh. Georg, der Sohn Moritz I. und der Sohn Georgs, Mark, nannten sich nach Zemendorf. Auch dieser Familienzweig war bald gezwungen, Besitz zu verpfänden. Die Besitzungen in Csorna wurden an die Ostffy verkauft. Ihr Besitz in Harkau wurde an den Ödenburger Bürger Stefan verpfändet. Die wirtschaftliche Not der zahlreichen Osl- Nachkommen wird auch im Streit mit dem Hauskloster in Csorna deutlich. Propst Georg beschwerte sich beim Raaber Domkapitel, dass alle seine Patronatsherrn die Besitzungen des Klosters besetzt hielten und alle Abgaben in Anspruch nahmen.

 
In Harkau wurden weitere Anteile an Magister Peter, Sohn des Stefan, verpfändet und schließlich verkauft. In Harkau hatten allerdings auch noch andere Bürger der Stadt wie Andreas Linzer, Pfandanteile. Die Besitzungen der Zemendorfer in Agaren wurden ebenfalls an Peter von Harkau verkauft. Ab 1365 nannten sich die Zemendorfer nach Antau. Die Gründe dafür sind unbekannt. Nach A. Ernst (Landestopographie, Bezirk Mattersburg, Band 1, S.79) könnte dieser Schritt der Abwehr von Besitzansprüchen einer anderen Familie (Csuz) gedient haben. Die Antauer verkauften bald darauf 15 Bauernlehen in Antau an die Ostffy und gaben diesen ihre Besitzungen in Zemendorf in Pfand. 1396 folgten weitere Verkäufe in Bikiföld (zwischen Antau und Wulkaprodersdorf) sowie einer Mühle an die Pöttelsdorfer. Die Antauer waren inzwischen so verarmt, dass sie ihrer Schwester Anna das Hochzeitskleid nicht mehr bezahlen konnten. "Aus Not" verkauften sie Johann Linzer, dem Verwalter von Forchtenstein, Besitzungen sowie einen Teil von Antau den Pöttelsdorfern. Um 1410 starb auch diese Linie der Osl aus.

Weitere Osl - Linien
Weitere von Osl I. abstammende Linien waren die Kleinhöfleiner und Lóssy, die Viccay, die Stoober und Herbortyai, die Ostffy und - als die bedeutendste und für den westungarisch - burgenländischen Raum wichtigste - die Kanizsai. Beled I. war ein Sohn Osls I.. Sein Sohn Beled II. geriet mit anderen Familienangehörigen um das Erbe eines Onkels in einen Besitzstreit. Das königliche Hofgericht in Radkersburg teilte das Erbe in Stoob, Aranaz (Alrams ?), Bezernuk (Pöttsching ?), Csorna und Fertöszeplak in fünf Teile. Beled II. hatte auch Besitzanteile in Seyfried (ein Ort im Bereich von Neufeld). Er tauschte von König Ladislaus IV. Lócs, Micheldorf und Tard aus den Ödenburger Burgländereien ein. Wahrscheinlich gelangte auch Wallern damals in seinen Besitz. Die Güter wurden zwar weiter geteilt, aber gemeinsam verwaltet und bewirtschaftet. Die kleinen Besitzanteile reichten aber bald nicht mehr aus und Familienangehörige mussten als Ministeriale in den Dienst der großen Grundherrn, etwa der Mattersdorf - Forchtensteiner, treten. Lediglich der Kleinhöfleiner Zweig konnte sich zunächst besser behaupten und übernahm von den Verwandten Pfandgüter, etwa in Wallern. Ein anderer Angehöriger der Familie, Gregor, der mit einer wohlhabenden Österreicherin verheiratet war, besaß zusätzlich Anteile in Baumgarten und Rohrbach. Seine drei Söhne starben kinderlos. Die Viccay, die sich später Lóssy nannten, starben 1437 aus, ihre Güter wurden von einem entfernten Verwandten Georg von Vicca übernommen.
Besser konnten sich die Ostffy von Assonyfalwa halten. Sie stammten von Osl II., Sohn Osls I., ab. Osl II. war einer der Patronatsherrn von Csorna, 1235 Obergespan von Ödenburg, später königlicher Schatzmeister und Obergespan von Pressburg. Unter seinen Söhnen bekam die Familie von König Stefan V. für ihre Unterstützung im Kampf gegen Ottokar von Böhmen und Heinrich von Güssing sowie bei der Rückeroberung von Raab weitere Besitzungen. Osl III. heiratete eine Mattersdorf - Forchtensteinerin und erhielt als Mitgift Besitzungen bei Fertöszentmiklos. Nikolaus III., Dominik und Johann V. aus dieser Familie waren einflussreich, sie waren Obergespane mehrerer Komitate. Sie kauften Besitzungen anderer Osl - Linien auf. Aber auch sie begannen zu teilen, wovon etwa die Besitzungen in Marz betroffen waren. Zu Streitigkeiten und Gewalttätigkeiten kam es mit den Mattersburg - Forchtensteinern. Letztere überfielen die Bauern der Ostffy in Marz und beraubten sie. Die Forchtensteiner wurden wurden verurteilt, ignorierten aber die gegen sie verhängten Strafen. Die Ostffy hatten auch in Zemendorf und Antau Besitzungen und kauften weitere Anteile in Antau hinzu. Auf Großhöflein erhoben sie Erbansprüche. Auch hier wurden sie von den Forchtensteinern an der Besitznahme gehindert. Der Prozess zog sich lange hin. Sie erhielten schließlich 1438 eine Entschädigung. Der kinderlose Magister Georg adoptierte Klemens von Molnár, Bischof von Raab, und dessen Brüder und überschrieb ihnen seine noch immer umfangreichen Güter, darunter auch in Marz und in Antau. Ungeklärt ist freilich, ob dieser Vertrag tatsächlich Rechtskraft erlangte.
Die Váti (Wath, Wald, Walth ...)
Die Váti waren wahrscheinlich mit den Osl, den Zemendorf-Antauern, verschwägert. 1368 ist der erste Vertreter der Familie, Desiderius, urkundlich nachweisbar. Die Váti besaßen Klettendorf und Güter in Zemendorf. Im Jahre 1412 verkauften sie diese - in Zemendorf 12 ganze Lehen, zwei Hofstätten und eine halbe Mühle - an Koloman von Königsberg. Die Königsberg behielten diese Besitzungen bis 1627. Klettendorf war vermutlich schon zur Zeit des Verkaufs an die Königsberg verödet. Die Váti waren Burggrafen von Güns. Der Reichverweser Johann Hunyadi überließ den Brüdern Michael, Ladislaus II. und David II. wegen der Verdienste Michaels im Kampf gegen die Türken die Hälfte der Herrschaft Kobersdorf, nach dem erbenlosen Tod Wilhelms von Mattersdorf-Forchtenstein.

Die Biky
Auch die Kleinadelsfamilie der Biky spielte im heute burgenländischen Gebiet zeitweise eine wichtige Rolle. Nach ihnen ist der Badeort Bük benannt. Zwischen Antau und Wulkaprodersdorf lag das Dorf Bikyfölde. Die Vorfahren der Biky waren Burgleute der Komitatsburg von Ödenburg und hatten Burggüter zu Lehen. Sie waren Besitzer von Zillingtal. Auch in Klingenbach hatten sie Besitzungen, die der Ödenburger Stadtrichter Pero kaufte und dem Kloster Marienberg übertrug. Die Biky schlossen sich den Güssingern an. Deswegen wurde ihnen von König Karl I. Robert Zillingtal entzogen und den Mattersdorf - Forchtensteinern übertragen, die rechtzeitig die Seite gewechselt hatten. Besitzungen hatten die Biky auch in Antau, die sie 1360 den Pöttelsdorfern überließen. Später meldeten die Biky auch wieder Ansprüche auf Zillingtal an. Sie erhielten die Hälfte von Zillingtal und die beiden Eggendorf zugesprochen. 1368 verurteilte das Ödenburger Stadtgericht einen Johann von Bik wegen schwerer Körperverletzung zum Tode. Die Angehörigen der Sippe schworen Rache, wurden aber von König Ludwig davor gewarnt. Besitzungen hatten die Biky auch in Nebersdorf. Von Magister Peter von Harkau erwarben sie dessen Besitz in Harkau und Agaren. 1418 wurden drei Angehörige der Biky eines Raubmordes bezichtigt. Wie die Sache ausging ist nicht bekannt. Bikifölde gelangte später, unter den Kanizsai an das Franziskanerkloster in Eisenstadt.


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