grohotolsky

DDr. Rudolf Grohotolsky

 

* 9.8.1922 in Tobaj

 

beruf
  

Der Sohn einer Bauernfamilie besuchte nach der Volks- und Hauptschule die Handelsschule in Wien, ging dann nach Graz, wo er an der Handelsakademie maturierte. Von 1941 bis 1945 bei der Deutschen Wehrmacht, kehrte er, mehrfach ausgezeichnet, nach Kriegsende in die Heimat zurück und begann an der Universität Graz Staats- und Rechtswissenschaften zu studieren. 1948 promovierte er zum Dr. rer. pol., 1950 zum Dr. iur. Schon 1948 war er in den burgenländischen Landesdienst eingetreten, wo er zunächst in der Gewerbeabteilung des Amtes der Landesregierung in Eisenstadt und ab 1949 bei der Bezirkshauptmannschaft Jennersdorf Dienst tat. Mit Anfang 1958 wurde er zum Bezirkshauptmann bestellt.
 

In Jennerdorf begann Grohotolsky auch in der ÖVP mitzuarbeiten. Der ehrgeizige und talentierte Jurist wurde 1954 zum Bezirksparteiobmann gewählt und kam 1956 in den Burgenländischen Landtag, wo er 1960 Dritter Landtagspräsident wurde. Als im August 1961 Landeshauptmann Johann Wagner  aus seinem Amt schied, rückte Grohotolsky als Landesrat in die Landesregierung nach. Dies entsprach sicherlich dem innerparteilichen Proporz - gehörte er doch wie Wagner dem Wirtschaftsbund an und kam aus dem Südburgenland - war aber zugleich auch eine Folge der bisherigen Tätigkeit als Jurist und Wirtschaftsexperte in seinem Klub und seiner vielbeachteten Reden im Landtag. Er übernahm das bisher von Wagner geleitete Gewerbe- und Gemeindereferat, sowie die Landesbuchhaltung und Belange des Außenhandels: gleichzeitig wurde er auch Landesfeuerwehrreferent. 1961 bis 1978 war Grohotolsky auch Klubobmann des ÖVP-Landtagsklubs. Er war nun maßgeblich an der Wirtschaftsentwicklung des Burgenlandes in den nächsten zwei Jahrzehnten beteiligt, wobei neben der Ansiedlung von Großbetrieben sein besonderes Augenmerk der Förderung der Klein- und Mittelbetriebe galt und die Spannbreite seiner Arbeit von der Initiierung des Landeswirtschaftsförderungsgesetzes bis zur Erdgasversorgung durch die BEGAS reichte. Im Bereich des Außenhandels hatte er am Zustandekommen der Kompensationsabkommen der Handelskammer mit den jugoslawischen Teilrepubliken Slowenien und Kroatien wesentlichen Anteil. Auch in anderen Funktionen war Grohotolsky wesentlich an der Entwicklung beteiligt. In der Burgenländischen Handelskammer bekleidete er von 1965 bis 1971 die Funktion des Obmannstellvertreters der Sektion Handel (er war von 1965  bis 1986 Gesellschafter der A&O-Großhandlung Brückler Jennersdorf), dann bis 1988 deren Sektionsobmann. Ab 1964 war er Vorsitzender des Aufsichtsrates der Kurbad Tatzmannsdorf AG., er war Mitglied des Aufsichtsrates der Donau-Kraftwerke AG. in Wien (bis 1979) und Mitglied del Aufsichtsrates des Österreichischen Wirtschaftsverlages (bis 1989).
Die Turbulenzen im Zuge des WBO - Skandals veranlassten die ÖVP, den integren und angesehenen Politiker im Juni 1982  zum geschäftsführenden Landesparteiobmann zu bestelle und wenige Tage später den zurücktretenden Landeshauptmannstellvertreter Dr. Franz Sauerzopf durch ihn zu ersetzen.  Am Landesparteitag 1983 wurde Grohotolsky zum Landesparteiobmann der ÖVP gewählt. Anfang 1986 schied er nach fast 25-jähriger Zugehörigkeit aus der Landesregierung aus.
 

Aus:  Gerald Schlag (Hg.), Burgenland. Geschichte, Kultur, Wirtschaft in Biographien