landsee1425

Die Herrschaft Landsee um 1425

burglandsee

Im Traditionsbuch des Stiftes Göttweig wird 1158 ein "gotscalcus de Landeshere" erwähnt. Er gehörte zu einer Seitenlinie der Stubenberger. Seine Sippe waren Ministerialen der Grafen von Pitten und später der Herzöge von Steier. Bis 1286 werden in verschiedenen Dokumenten Gottschalk und Erchanger sowie dessen gleichnamiger Sohn erwähnt. Die Burg dürfte im 12. Jahrhundert von den Grafen von Pitten gegen die Ungarn erbaut worden sein. In der ungarischen Geschichtsschreibung wurde dies freilich immer wieder - mit eher fragwürdigen Argumenten - bestritten.  Um 1200 dürfte die Burg dann in ungarischen Besitz übergegangen sein.

Die Herrschaft Landsee-Lackenbach entwickelte sich auf dem Gebiet des ehemaligen Komitates Lutzmannsburg, des sich im 12. Jahrhundert in Auflösung befand. 1156, als König Gezá II. die Orte Lutzmannsburg, Gerersdorf und Frankenau an die Ritter Gottfried und Albrecht vergab, wurde Lutzmannsburg bereits als im Komitat Ödenburg gelegen bezeichnet. Der erste namentlich bekannte ungarische Besitzer  des Kernraumes der späteren Herrschaft Landsee - Lackenbach war ein Nikolaus, Sohn des Borz (Borc), Obergespan von Ödenburg, Palatin und Hofrichter aus dem Geschlecht Szák. Er kämpfte 1217 gemeinsam mit Graf Pousa an der Seite König Andreas II. von Ungarn im Heiligen Land. In einer Schenkungsurkunde König Andreas II. an Graf Posa scheint er als Nachbar und Besitzer der Herrschaft Landsee auf. Auch Kobersdorf war im Besitz der Szák.  Nach dem erbenlosen Tod des Nikolaus - er fiel 1241 in der Schlacht beim Fluss Sajó gegen die Tataren -  übertrug König Bela IV. 1285  das Komitat Lutzmannsburg mit Landsee an  Lorenz aus dem Geschlecht der Aba, königlicher Truchseß und Obergespan von Ödenburg. Er  hatte ebenfalls  an der Schlacht gegen die Tataren am Fluss Sajó teilgenommen.  Er erhielt Landsee als Entschädigung für die ihm verliehene aber an ihren früheren Besitzer zurück gegebenen Besitzungen des Konrad von Altenburg. Die Aba waren ein weitverzweigtes Geschlecht aus dem Stamm der Kabaren, der sich den Ungarn angeschlossen hatte und das mit Samuel Aba (1041 - 1044) für kurze Zeit auch einen ungarischen König stellte. Lorenz II. schloss sich vorübergehend den Güssingern an 1289, in der Güssinger Fehde, wurden auch Neckenmarkt und Landsee erobert. Lorenz I. wurde in Kloster Marienberg begraben. Später wurden die Lorenz- Söhne treue Parteigänger von König Karl Robert. Sie erhielten 1317 die großen Herrschaften Atyina und Novak in Slavonien. Von der Burg Atyina leitet sich der Name Atyinai oder Athinai ab. Unter den Nachkommen Lorenz I. kam es wiederholt zu Besitzstreitigkeiten und Gewalttätigkeiten. 1340 etwa mussten Johann und Peter Atinai wegen eines Mordes ein hohes Blutgeld zahlen.

Auf dem Gebiet der Herrschaft lebten auch noch königliche Burgmannen (iobagiones castri, servientes regis, udvornici), etwa in Horitschon und Gerersdorf. Auch Lorenz überließ ihnen noch in Neutal vier Hufen, mit der Verpflichtung zu Hof- und Heerfahrten. Zentrum der Herrschaft war zunächst Neckenmarkt, das von den Atinai befestigt wurde.  Abas Nachkommen, die Herrn von Atinai, waren etwa über ein Jahrhundert im Besitz der Herrschaft und konnten diese durch zahlreiche Neuerwerbungen vergrößern. Gegen Ende des 14. Jahrhunderts tauchen allerdings auch die mit ihnen verwandten Mattersdorf - Forchtensteiner als Mitbesitzer auf. Sie verpfändeten ihren Besitzanteil zeitweise an österreichische Ritter. 1289 wurde Landsee von Herzog Albrecht von Österreich erobert, im Frieden von Hainburg 1291 wieder an Ungarn zurück gegeben.

Noch nicht zur Herrschaft gehörten Unterpetersdorf, ein damals öder Burgbesitz, den 1318 der Ödenburger Bürger Genchul (Gensel) von König Karl Robert erwarb. Ebenfalls nicht zur Herrschaft gehörte der später wüstgefallene Ort Egered (Agaren) bei Ödenburg. 1284 erhielt den zu Ödenburg gehörenden Ort ein Meister Stefan, der als Bote zu Herzog Albrecht geschickt worden war, von König Ladislaus IV. König Andreas III. und König Karl Robert bestätigten diesen Besitz. 1482 scheint dann das Praedium Egered als Bestandteil der Herrschaft auf, von Ulrich von Grafenegg vermutlich widerrechtlich in Besitz genommen.  Pullendorf und Sankt Martin waren zeitweise an die Kanizsai verpfändet.

Siegmund Atinai, der letzte Angehörige der Familie, war sowohl mit den Kanizsai wie auch mit den Mattersburg - Forchtensteinern verwandt. Mit letzteren führte er wegen Besitzstreitigkeiten einen langen Prozess. 1425 wurden Burg und Herrschaft Landsee zu zwei Drittel von Sigismund Atinai an den Palatin Nikolaus von Gara übertragen. In der Urkunde König Sigismunds werden folgende Orte zur Herrschaft gezählt: Lackenbach, Draßmarkt, Neutal, Raiding, Lackendorf, Horitschon, Landsee, Neckenmarkt, Ober- und Mitterpullendorf, Ritzing, Samesdorf, St. Martin, Sergen (Zergen) sowie die Wüstungen UNterfrauenhaid, Gaberling (zwischen Weppersdorf und Lackenbach), Pychelsdorf und Vrkon Flurname Urkon auf dem Gemeindegebiet von Süttör bei Pamhagen). Zergen und Vrkon am Neusiedler See waren Neuerwerbungen. Draßmarkt, Horitschon, Landsee und Neckenmarkt hatten Dreißigstämter. An die Stelle Horitshons trat bald das weit verkehrsgünstiger gelegene Sr. Martin.

Die Garai benannten sich nach dem Dorf Gara im Komitat Valkó und wurde eines der mächtigsten Adelsgeschlechter Ungarns und hatte über drei Generationen hinweg die Palatinswürde inne. Nikolaus I. Garai, der Vater des Herrschaftsinhabers von Landsee, war nach dem Tode König Ludwigs I. des Großen eine Stütze seiner Witwe. Er wurde 1386 von aufständischen Adeligen bei der Verteidigung der Königin und der Königstochter Maria erschlagen. Sein Sohn Nikolaus schloss sich König Sigismund von Luxemburg an. Nikolaus II. machte die Garai zur mächtigsten Adelsfamilie Ungarns. Etwa 50 Burgen waren damals in ihrem Besitz. Er stand bedingungslos auf der Seite König Siegmunds und führte ab 1402  als Palatin während der häufigen Abwesenheit des Königs die Regierungsgeschäfte. Siegmund wurde der Schwager Garais. Dieser heiratete die Schwester, von Königin Barbara, Anna von Cilli. Die Opposition wurde von der Garai - Partei zunächst gnadenlos bekämpft, erst später kam es zur Aussöhnung. Militärisch erwarb sich Nikolaus Garai 1396 großes Verdienst, als er nach der Niederlage von Nikopolis die Reste des geschlagenen Heeres sammelte, während der König mit seinem engeren Gefolge nach Konstantinopel floh. Die Mattersdorf -Forchtensteiner standen der Garai - Partei fern.

Wilhelm von Forchtenstein wurden seine Besitzanteile gerichtlich entzogen. Er  konnte die Burg aber wieder in seinen Besitz bringen und verpfändete sie 1445 zusammen mit Kobersdorf an Herzog Albrecht VI. von Habsburg. Von ihm gingen die Herrschaften Landsee, Kobersdorf und Forchtenstein an seinen Bruder König Friedrich IV. (Kaiser Friedrich III.) über. Den Töchtern Wilhelms von Forchtenstein, Margaretha und Walpurga, wurde für den Fall einer Verehelichung eine hohe Mitgift zugesichert.  In der Zeit des Matthias Corvinus erhoben freilich auch die Gara wieder Anspruch.

Zur Herrschaft Landsee gehörten im Jahre 1425  die Märkte Neckenmarkt und Landsee, die Dörfer Draßmarkt, Ober- und Mitterpullendorf, Raiding, Neutal, St. Martin, Lackenbach, Szergeny (bei Kapuvár), Lackendorf, Horitschon, Ritzing, Samersdorf (bei Neckenmarkt), die Wüstungen Urkund (am Neusiedlersee), Pichlesdorff (im Grenzbereich von Lackenbach-Lackendorf-Ödenburg), Unterfrauenhaid, Gorbonuk (Gaberling, zwischen St.Martin und Lackenbach). In späterer Zeit gingen Urkon und Szergeny verloren, hinzu kamen noch im 15, Jahrhundert Baumgarten, Siegendorf, Rohrbach, Unterpetersdorf, Geresdorf, später auch Teile von Ober- und Unterrabnitz und Schwendgraben. Kroatische Neusiedlungen waren Weingraben und Kaisersdorf, Unterfrauenhaid wurde neu besiedelt, ebenso der Markt Landsee am Fuße der Burg. (nach: H.Prickler, Burgen und Schlösser im Burgenland, S,87 f.)

Friedrich III. setzte anfangs Pfleger ein, verpfändete dann aber die drei Herrschaften. Die Weispriach und die Grafenegger wurden Pfandinhaber. Unter den Grafeneggern kamen auch Orte im heutigen Nordburgenland, Baumgarten, Siegendorf und Rohrbach an die Herrschaft Landsee.  1458 ist Ulrich von Grafenegg Pfandherr von Landsee. Ulrich von Grafenegg stammte aus einem schwäbischen Rittergeschlecht. Als Söldnerführer kam er zu Ansehen und Reichtum. Er war auch Burgkapitän von Güns.  1445/46 wurde er mit der Kleinherrschaft Baumgarten belehnt, musste die Burg Baumgarten aber erst von Martin Weitraher erobern. Grafenegger stellte sich schließlich auf die Seite des jungen Ladislaus V. Postumus. Der Kaiser ließ mit Hilfe der Ödenburger Baumgarten im Jahre 1456 belagern und einnehmen. Einer vorübergehenden Aussöhnung folgte der Streit um das Erbe der Grafen von Cilli. Die meisten Adeligen stellten sich auf die Seite Ladislaus V. Erst nach dessen frühem Tod 1457 kam es 1458 erneut zu einer Aussöhnung. Ulrich von Grafenegg wurde Pfandherr von Landsee. Er gehörte zu jenen westungarischen Adeligen, die 1459 auf Burg Güssing Friedrich III. zum König von Ungarn wählten, gegen Mathhias Corvinus. Zusammen mit Berthold von Ellerbach und Andreas Baumkircher blieb er auch an der Seite des Kaisers, als sich die meisten enttäuscht abwandten. Sie eilten der von der Corvinus-Partei bedrängten Stadt Ödenburg zur Hilfe. Ödenburg trug Grafenegg die Gespanschaft und auch die Burghauptmannschaft Ödenburg an. Friedrich III. bestätigte diese Ernennung, Aber noch vor Abschluss des Ödenburger Friedensvertrages verzichtete er wieder auf diese Funktionen. Corvinus belehnte ihn mit Eisenstadt, trotz der Proteste der Kanizsay. Ulrich von Grafenegg machte weiterhin Karriere, wobei er die Gunst sowohl Friedrichs III. wie auch Matthias' Corvinus genoss. Er wurde in den Freiherrenstand erhoben. Wahrscheinlich im Zusammenhang mit der Baumkircherfehde kam es dann zum endgültigen Bruch mit dem Kaiser. In einer Fehde wurde seine Burg Baumgarten zerstört. Er verlegte seinen Sitz nach Landsee.

Sigmund von Weispriach war  ab 1459  Pfandherr von Landsee, zwischendurch fiel es wieder an den Grafenegger. Nach dem Tod  Ulrichs von Grafenegg 1487 wurde Landsee 1490 an die böhmischen Söldnerführer König Wladislaws II., Johann und Peter Mrakschi (Mraxe) verpfändet. Noch vor 1506 wurde Ulrich von Weispriach Besitzer von Burg und Herrschaft. Nach dem Tode Ulrichs von Weispriach kam es zur "Landseer Fehde", die die gesamte Region in Aufruhr versetzte. König Wladislaw II. von Ungarn betrachtete Landsee als heimgefallenes Lehen. Ulrichs Witwe Gertrud weigerte sich jedoch die Herrschaft herauszugeben. Die Fehde nahm den Charakter eines Kleinkrieges zwischen Gertrud und Ödenburg  an. Die Herrin auf Landsee bediente sich dabei des Räuberhauptmannes Franz Magusch. Sie wurde schließlich auf Befehl des Königs festgenommen und starb im Gefängnis.  Erst unter den Habsburger König Ferdinand I. konnten nach dessen Wahl zum König von Ungarn die Weispriach erneut mit Landsee belehnt werden. Gertruds Sohn Hans übergab 1548 Landsee seinem Schwager Erasmus Teuffl. Dieser wurde, von den Türken 1552 gefangen genommen, in Istanbul  hingerichtet  (der Legende nach in einen Sack eingenäht im Bosporus ertränkt). Seine Erben, seine drei Brüder,  verkauften die Herrschaft 1553 den Erzbischof von Gran, Nikolaus Oláh und drei seiner Vetter. Rabnitz gehörte nur zum Teil dazu. Weitere Besitzanteile in Ober- und Unterrabnitz wurden hinzu gekauft, etwa 1555 von Peter Erdödy (Herrschaft Rotenturm) und 1559 von Erasmus Puchheim, Freiherrn von Raabs und Krumbach. Vollständig besaßen die Olah damit die drei Dörfer aber noch immer nicht.

Der Erzbischof  erhielt 1561 das freie Verfügungsrecht über die Herrschaft, 1562 legte er testamentarisch fest, dass zu seinen Lebzeiten seine Geschwister und deren Kinder  die Benefizien der Herrschaft bekommen. Alleininhaber der Herrschaft sollte der  Sohn seiner Schwester Ursula, Nicolaus Oláh - Császár, werden. 1564, noch vor dem Tod des Erzbischofs, setzte ihn König Maximilian in das Erbe ein.  Nach ihm ist das Dorf Kaisersdorf (Császárfalu) benannt. Nikolaus Oláh - Császár hatte zwei Kinder. Sein Sohn Christoph verletzte sich durch einen Sturz vom Pferd schwer und starb bald darauf.

Seine Tochter Ursula heiratete Franz Dersffy von Szerdahely, aus einem Zweig der uralten deutschen Einwanderersippe der Györ. Die Familie nannte sich nach Ders II. von Szzardahely. Franz Dersffy war königlicher Mundschenk und Obergespan des Komitates Sáros und war im Türkenkampf aktiv, etwa 1597 bei der Belagerung von Pápa. Dersfyy war Protestant und förderte das Luthertum auf seinen Besitzungen.  Franz war in erster Ehe mit Magdalena Thurzó verheiratet. 1591 heirate er Ursula.  Ihre Tochter Ursula war in erster Ehe mit Franz Magóczi, Stadthauptmann von Kaschau, verheiratet, in zweiter Ehe ab 1612 mit Nikolaus Esterházy. Von nun an blieb die Herrschaft im Besitz der Esterhazy und wurde zum Ausgangspunkt für deren Aufstieg in Westungarn.

Die Burg Landsee, heute eine noch immer eindrucksvolle Ruine, wurde im späten 15. Jahrhundert um den älteren Burgfried - die Burg ist ja schon im 13. Jahrhundert nachweisbar- ausgebaut. Im 16. und 17. Jh. wurde sie zu einer mächtigen Festung mit sieben Türmen erweitert. In der Türkenkriegszeit war sie Zufluchtsort für die Bevölkerung. Als Wohnsitz der Herrschaftsinhaber wurde sie allerdings vom zentraler gelegenen und komfortableren Schloss Lackenbach abgelöst. Die Burg behielt die Funktion eines Waffenlagers. 1707 brannten einige Wohnräume ab, 1772 brannte die Burg vollständig ab, wurde nicht mehr renoviert und dem Verfall preisgegeben, da sie ihre Funktion verloren hatte.

Fortsetzung: Die Herrschaft Landsee - Lackenbach unter den Esterházy

Literatur: H. Prickler Burgen, Schlösser im Burgenland

Ernö Deak, Geschichte der Herrschaft Landsee - Lackenbach im 16. und 17. Jahrhundert, Wiener Dissertation 1969


pfeil top
footer-epochen fruehe neuzeit 2
footer-epochen
pfeil top