esterhazypaulI

Grafische Sammlung Dr. Felix Tobler (Copyright)

* 7. September 1635 in der Eisenstädter Burg
† 26. März 1713 in Eisenstadt

 


  

Er war der jüngste Sohn des Grafen Nikolaus Esterhazy aus dessen zweiter Ehe. Paul I. verbrachte seine Kindheit in der Großhöfleiner Kurie. Er wurde im Jesuitenkolleg in Tyrnau erzogen. Sein Halbbruder Stephan hatte schon früh in einem Gefecht gegen die Türken den Tod gefunden.  Nach dem Tod seines Bruders Ladislaus in der Schlacht von Vezkény wurde er Majoratsherr der Familie Esterhazy und Obergespan von Ödenburg. Bei der Krönung Kaiser Leopolds I. als König von Ungarn wurde Paul Ritter des Goldenen Sporns, Kammerherr, 1657 Hofrat, 1661 Obersthofmeister für Ungarn, 1674 wurde er in den Stand der Reichsritter aufgenommen, 1679 wurde er kaiserlicher Geheimer Rat. Er nahm an den Türkenkämpfen 1662 -1664 teil, ab 1661 war er Generalmajor, 16667 Feldmarschall und  Oberbefehlshaber der Militärgrenze in Südungarn.

Paul Esterhazy war in erster Ehe mit seiner Nichte Ursula, der einzigen Tochter seines 1641 verstorbenen Bruders Stephan verheiratet. Er bekam dafür die Erlaubnis des Kaisers und päpstlichen Dispens.  Stephan  hatte mit päpstlichem Dispens 1638 Elisabeth Thurzó, die Tochter seiner Stiefmutter aus ihrer ersten Ehe, geheiratet. So fiel der riesige Thurzó - Besitz ebenfalls in die Hände der Esterhazy. Aus der ersten Ehe entsprangen 18 Kinder. Ursula starb 1682.  Pauls zweite Gemahlin, die er noch im gleichen Jahr heiratete,  war Eva Thököly, die Tochter seines Schwagers Stephan Thököly. Diese war nach der Enteignung ihres Vaters als vermögenslose Waise an den Esterházy - Hof nach Eisenstadt gekommen, wurde dort als Katholikin erzogen und schließlich, nach Ursulas Tod, Pauls zweite Gemahlin. In Pauls Testament wurde ihr Schloss und Herrschaft Kittsee zugesprochen. Aus dieser Ehe stammten weitere sieben Kinder. Eva Thököly gründete die Eremitage der Kamaldulenserinnen in Landsee. Sie starb 1716 in Wien und wurde in Lanzendorf, bei den Minoriten, begraben.  Von den 25 Kindern erreichten nur 10 das Erwachsenenalter., sechs Söhne und vier Töchter. Drei der Söhne wurden Geistliche: Nikolaus Domherr in Gran und Titularbischof von Tinin, Ladislaus Propst von Radot und Adam Abt im Servitenkloster in Forchtenstein. Drei der Töchter wurden Nonnen. Für sie wurde das Augustinerinnenkloster in Eisenstadt errichtet.

In der "Magnatenverschwörung" stand Paul im kaiserlichen Lager und erwarb einen Teil der Güter, vor allem Franz Nadasdys. Diese Haltung sicherte ihm das Vertrauen der Habsburger und begünstigte seinen weiteren Aufstieg.

Der Reichstag von 1681 sollte die Gegensätze zwischen den protestantischen und den katholischen Ständen überbrücken. Der Kaiser/König selbst hielt sich zeitweise in Ödenburg auf, geschützt durch entsprechende Truppenkontingente: das kaiserliche Leibregiment, das Palffysche, das Mensfeldische und das Montecuccolische Regiment wurden in Walbersdorf, Mattersburg und  Pöttelsdorf einquartiert, dann aber nach Kohlnhof verlegt. Paul wurde auf dem Reichstag zum Palatin gewählt. 1682 erhielt er das Goldene Vlies.

Auch im Thököly - Aufstand blieb Paul kaisertreu, obwohl er in zweiter Ehe mit Eva Thököly, der Schwester der Kuruzzenführers, verheiratet war Vor der riesigen Armee der Türken und Kuruzzen floh er, nachdem er zuvor die Kroninsigneien aus Pressburg in Sicherheit gebracht hatte, 1683 mit seiner Frau und den vier Kindern und entsprechenden Bediensteten nach Wr. Neustadt, über den Semmering nach Bruck a.d.Mur und nach Linz. In Passau schloss er sich den kaiserlichen Truppen an. Ein Angebot des Großversirs, ihn zum König von Ungarn zu krönen, lehnte er ab. Seine Besitzungen wurden schwer verwüstet.

1687 wurde Paul I. in den Reichsfürstenstand erhoben, 1712 auch der jeweils älteste Nachkomme der Familie. Dar "L" für Kaiser Leopold wurde in das Familienwappen aufgenommen. Der Fürst durfte ein Majorat nach den Grundsätzen der Primogenitur errichten. Damit wurde der Besitz unteilbar und unverkäuflich und konnte jeweils nur an den ältesten Sohn vererbt werden. 1695 wurde im Testament Pauls dieser Esterhazysche Familien - Fideikommiss errichtet und 1699 von Leopold bestätigt. Ursprünglich war die Aufteilung des Besitzes in drei Primogarnituren vorgesehen. Tatsächlich wurde dann, nach dem Tod Gabriels, zwischen Michael und Joseph geteilt.

Unter Paul I. erreichten die Besitzungen der Esterhazy ihre größte Ausdehnung. Zusätzlich zum von seinem Vater übernommenen Besitz erwarb er die Herrschaften Lockenhaus, KLostermarienberg, Deutschkreutz, Kapuvár, Kittsee, Csobáncz, Hegyesd, Hartenstein, Schwarzenbach, Végles, Szadvár, Léva, Güns, Kesthely, Unterlimbach, Nempthi, Tetika, Rezi, Dombo, Sasd, Döbrököz und Tabor, eine Kurie auf dem Berg Strigo, das Schloss Sztrecsen mit fünf Dörfern und die Herrschaft Hornstein. Er löste zahlreiche verpfändete Orte und Besitzungen aus und entschädigte die weiblichen Nachkommen seiner Brüder Stefan (Landsee)  und Ladislaus (Forchtenstein, Eisenstadt). Das vom Palatin erworbene Vermögen wird auf etwa 2,5 Millionen Gulden geschätzt. Andererseits wurden infolge des ständigen Geldbedarfes immer wieder Verpfändungen vorgenommen, etwa 1697 in Zemendorf, Zillingtal, Müllendorf und Wulkaprodersdorf.

Paul beschäftigte sich mit Literatur, Theater und Musik. Er verfasste ein Predigtbuch, ein Gebetbuch und ein Werk über wundertätige Marienerscheinungen sowie ein Liederbuch (Harmonia Caelestis)  Viel Zeit widmete er offenbar der Genealogie seiner Familie, um deren Herkunft und Vorrangstellung entsprechend zu würdigen. Höhepunkt dieser Bemühungen war die Drucklegung des einzigartigen  "Trophaeum Nobilissimae et Antiquissimae Domus Esterhazianae im Jahre 1700. Das Werk war mit vielen Abbildungen und auch Urkunden versehen, manche davon freilich fingiert. Unterstützt wurde er dabei vom Dichter Pavao Ritter Vitezevic, der die von Paul persönlich verfassten Elegien anscheinend umdichtete.  Er folgte damit einem Trend der Zeit. Auch andere Adelshäuser wie die Zrinyi, die Nadasdy und die Draskovich ließen ihre Genealogien erarbeiten. Paul beschäftigte sich aber auch mit den Stammbäumen anderer Familien und plante offensichtlich die Herausgabe eines umfangreichen Werkes zur Geschichte der ungarischen Stände (Simulacrum Pannonicae Nobilitatis). Auch dabei kam es Paul darauf an, seine eigene Familie in diesem Umfeld zu verankern. Vieles davon war freilich frei erfunden.

Paul ließ die alte Ritterburg der Kanizsai in Eisenstadt 1663 bis 1672 zu einem barocken Schloss umbauen. Im Franziskanerkloster in Eisenstadt errichtete er seine Familienbegräbnisstätte. Ebenfalls in Eisenstadt stiftete er ein Spital, ebenso in Forchtenstein. Dort ließ er das Servitenkloster errichten, das 1708 von den Kuruzzen verwüstet wurde. Auch die Kirche in Frauenkirchen, die von den zurückflutenden Türken zerstört worden war, ließ er erneut und weit größer wieder aufbauen. Paul I. trieb die Gegenreformation mit Hilfe der Jesuiten und Franziskaner voran. Er selbst war ein glühender Marienverehrer. 1666 ließ er eine kleine hölzerne Kapelle auf der Rosalia errichten, die 1670 durch ein steinernes Gebäude ersetzt wurde. Der Rosalienkult breitete sich bald über weite Teile des Landes aus. In den Märkten und Dörfern wurden viele Pestsäulen und Dreifaltigkeitssäulen aufgestellt.  

Paul I. ordnete die Anlage neuer Urbare für die Herrschaften Forchtenstein und Eisenstadt an. (Das Urbar von Forchtenstein)

Fürst Paul I. starb im März 1713 in Eisenstadt an der Pest. Er war nicht nur ein barocker Machtmensch, er förderte auch die Künste, Er selbst verfasste fromme Werke in lateinischer und ungarischer Sprache und war als Musiker und Komponist tätig. Als Soldat nahm er unter Nikolaus Zrinyi an den Türkenkriegen 1662 bis 1664, an der Belagerung von Kanizsa und an der Schlacht von Mogersdorf/St. Gotthard mit einem Kontingent von 1500 Mann teil.

Pauls Nachfolger wurde sein Sohn Michael (1713 - 1721) und nach dessen Tod sein Bruder Joseph, der den fürstlich esterhazyschen Besitz wieder in seiner Hand vereinigte.