Spätestens um die Mitte des 6. Jahrhunderts v. Chr. bricht die Besiedlung fast aller hallstattzeitlichen Höhensiedlungen und Burganlagen ab. Die Höhenburgen haben anscheinend schon vorher ihre Bedeutung verloren. Flachlandsiedlungen werden angelegt, die Menschen werden nunmehr nicht mehr in Hügelgräbern, sondern in Flachgräbern bestattet. Die Forschung spricht von "La Ténisierung" der Kultur, die vom Westen her erfolgte. Sie erfasst nicht alle Siedlungen gleichzeitig, in Ödenburg - Krautacker ist sie erst verhältnismäßig spät erkennbar. Im 5. Jahrhundert vor Christus wurde das nördliche Burgenland, im 4. Jahrhundert auch der südliche Landesteil von der La - Tène - Kultur erfasst. Das bedeutet freilich nicht, dass zu dieser Zeit schon Kelten einwanderten. Es kann auch sein, dass die einheimische Bevölkerung die neuen, im westlichen Mitteleuropa entwickelten Wirtschaftsformen, Vorstellungen und den Kunststil übernahm.

Eines der bedeutendsten Zentren der La - Tène - Kultur in Österreich ist der Dürrnberg bei Hallein in Salzburg, wo hunderte Bestattungen mit reichen Grabbeigaben gefunden wurden. Das Ausgangsgebiet der La - Tène - Kultur aber lag weiter im Westen, im Grenzgebiet von Frankreich und Deutschland, in dem damals schon Kelten, von den Römern Gallier genannt, siedelten. In den folgenden Jahrhunderten breitete sich die dort entwickelte Kultur über ganz Mitteleuropa aus. Die keltischen Völker begannen, sich auszubreiten: Sie erreichten Spanien, Oberitalien, die Balkanhalbinsel und sogar Kleinasien.

Im 5. Jahrhundert v. Chr. drangen die Kelten auch an den östlichen und südöstlichen Alpenrand vor. In der archäologischen Hinterlassenschaft kann man dies an mehreren Merkmalen erkennen. In den Funden tauchen nun die ersten Münzen auf. Die Kelten hatten das Geld als Söldner in Griechenland und Italien kennen gelernt. Die keltischen Fürsten begannen ebenfalls Münzen zu prägen, wobei sie griechische Vorbilder kopierten. Auch in der Art der Bestattung änderte sich einiges. Man ging von Begräbnissen in Hügelgräbern ab. Besonders reiche Beigaben sind selten. Daraus und auch aus den schriftlichen Überlieferungen, etwa aus den Berichten Cäsars, kann man schließen, dass die Kelten keine mächtigen Könige oder Fürsten hatten. Ein kriegerischer Adel war bestimmend. Die Adeligen ließen sich mit ihren Waffen, nicht selten auch mit Kriegs- oder Rennwagen, bestatten.

Im 2. Jahrhundert wurden die Einflüsse der städtischen Kulturen des Mittelmeerraumes immer stärker. Auch die Kelten errichteten auf Anhöhen stadtartige Siedlungszentren. In im ostösterreichisch - westungarischem Gebiet übernahmen sie die Anlagen aus der Hallstattzeit.  Diese Höhenstädte (oppida) waren Sitz der politischen Führung (also des Adelsrates), hier lebten die Handwerker und hier wurden Märkte abgehalten. Die Handwerker, insbesondere die Schmiede, genossen bei den Kelten hohes Ansehen.

In der La - Tène - Zeit kam es anscheinend auch zu tief greifenden wirtschaftlichen Veränderungen. Die Holzräder wurden mit eisernen Reifen beschlagen, was das Verkehrswesen erheblich verbesserte. Eiserne Pflugscharen und die Verwendung von Sensen statt der bisher üblichen Sicheln ermöglichten bessere Ernten. Die Bevölkerung stieg an, neue Siedlungen entstanden. Eine ganze Kette solcher Siedlungen kann man entlang des Ostalpenrandes von Bad Fischau über Mattersburg, Ödenburg und weiter bis Raab (Györ) erkennen. Dieser Linie folgte wahrscheinlich ein wichtiger Handelsweg. Die Siedlungen wurden planmäßig angelegt, die Häuser regelmäßig angeordnet. Sie waren von Äckern und Wiesen umgeben.

 

In der La - Tène - Zeit entstand auf österreichischem Boden aus dem Zusammenschluss mehrerer Stämme das erste Staatswesen, Norikum. Die Hauptstadt war Noreia, das manche Forscher mit dem Magdalensberg in Kärnten gleichsetzen. Die Ostgrenze Norikums lag anscheinend zunächst an der Mur.

Östlich davon siedelte zu Beginn des ersten Jahrhunderts vor Chr. der keltische Stamm der Boier. Diese waren von Böhmen her, wo sie von germanischen Völkern bedrängt wurden, in die westliche Slowakei eingewandert. Die Boierherrschaft erstreckte sich auch über das nördliche Burgenland. Das Stammeszentrum lag auf dem Burgberg von Preßburg (Bratislava).

Südlich davon, im heutigen mittleren und südlichen Burgenland, lebten die Arabiates, ein keltischer Stamm, der nach dem Fluß Raab (Arabo) benannt wurde. Stammeszentrum war vermutlich der St. Veitsberg bei Güns (Velem St. Vid). Zumindest zeitweise gehörte das Gebiet der Arabiates auch zum Königreich Norikum.

Um 70/60 v. Chr. fielen die Boier mit großer Streitmacht in Norikum ein und besetzten sogar Noreia. Dann aber wurden sie von den Norikern zurückgeschlagen. Ein Teil von ihnen zog zu den Helvetern, einem keltischen Stamm. der in der heutigen Schweiz lebte. Der Grund dieses Abzuges könnte in einer Niederlage gegen die Daker (etwa im Gebiet des heutigen Siebenbürgen) gefunden werden. Bald darauf verfiel aber auch die Macht der Daker. Das Königreich Norikum scheint diese Chance genützt zu haben: Die Noriker besetzten das ehemalige Gebiet der Boier südlich der Donau. Als Tiberius, der Stiefsohn des Kaisers Augustus, im Jahre 15 v. Chr. bis zur Donau vorstieß, gehörten das Gebiet um Carnuntum und vermutlich auch das gesamte heutige Burgenland einschließlich Westungarns zu Norikum.

In wirtschaftlicher Hinsicht spielte das Eisen eine zunehmend wichtigere Rolle. In der jüngeren La Téne-Zeit wurden mit Eisenbeschlagene Pflugscharen verwendet, mit vorgesetztem Pflugmesser (Sech). Damit war eine wesentlich größere Pflugtiefe möglich. Für die Heuernte wurden Sensen verwendet. Neu entwickelte Drehmühlen - mit Mühlsteinen etwa vom Pauliberg - erleichterten die Getreideverarbeitung. In der Töpferei entwickelte sich eine Massenproduktion, auf der Drehscheibe gefertigt. Es gab große Töpfereien, etwa in Ödenburg-Krautacker. Dem Ton wurde Graphit beigemischt, um ihn hitzebeständiger zu machen. Spezielle Verhüttungsöfen zeigen den hohen Standard in der Eisengewinnung. Das Eisen wurde durch Schmiede in den großen Siedlungszentren etwa am Föllik, am Draßburger Taborac, in Schwarzenbach, in Sankt Veit/Velem . Von "Städten" wollen die meisten Forscher noch nicht sprechen, allenfalls von einer "Präurbanisierung".


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