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Ignaz Till

 

* 1891 in Csorna (Tschirnau) im Komitat Ödenburg
† 1945 in Eisenstadt

 

1922 bis 1934 war er Landtagsabgeordneter, 1923 bis 1934 Landesrat
  

Die Familie stammte aus Frauenkirchen. Der Vater war von Beruf Blaufärber. Till erlernte in Fünfkirchen den Beruf eines Kellners. Er kam früh mit sozialdemokratischen Ideen in Berührung und trat der Gewerkschaft bei. 1918 kehrt er aus dem Weltkrieg nach Frauenkirchen zurück. Dort versuchte er unter den Landarbeitern eine sozialdemokratische Organisation aufzubauen.  In der Räterepublik war er Bezirksbevollmächtigter des Neusiedler Bezirkes und Mitglied des Komitatsrates Wieselburg. Er war auch Mitglied des Gaurates für das autonome Deutschwestungarn.  Im August 1919, nach dem Sturz der Räte, floh er nach Wien. Dort wurde er Präsident des von  ihm gegründeten   "Verbandes der westungarischen Kriegsteilnehmer und Kriegsbeschädigten", einer Organisation westungarisch - burgenländischer Emigranten. Er war am 9. Jänner 1919 bei der Gründung der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei des Burgenlandes in Wr. Neustadt anwesend. Auch im Ödenburger Heimatdienst wirkte er maßgebend mit. Anfang 1922 wurde er Mitglied der Verwaltungsstelle für das Burgenland. 1922 zog er als Abgeordneter in den Landtag ein, dem er bis 1934 angehörte. Ab 1923 war er Landesrat für das Bauwesen und für die soziale Verwaltung. Anders als Leser war er kein Intellektueller und hatte in den Bürgermeistern und Wählern einen starken Rückhalt.

Am 12. Feber 1934 wurde er verhaftet,  bald darauf aber wieder entlassen. Er wurde Kohlenhändler und stand unter ständiger polizeilicher Beobachtung. 1935 und 1936/37 wurde er für kürzere Zeit verhaftet. Am 9. März 1938 wurde er von Landeshauptmann Sylvester zu einer Besprechung geladen. Mit Till sollte die Arbeiterschaft für die geplante Volksabstimmung gewonnen werden. Till sagte nach Zugeständnissen zu, konnte aber infolge der Machtübernahme der Nationalsozialisten nicht mehr allzuviel bewirken. Von März bis Juni 1938 war er in nationalsozialistischer Haft, wurde dann freigelassen und bekam einen Posten im Büro der Gauwerke Niederdonau (Elektrizitätswerke). Er galt aber weiterhin als politisch unzuverlässig. Ende August 1944 wurde er erneut verhaftet und nach Dachau gebracht. Im Juli 1945 kehrte er nach Eisenstadt zurück und übernahm als provisorischer Landesobmann die Führung der burgenländischen SPÖ. Er wurde auch Landesrat der provisorischen Landesregierung, starb aber schon wenige Wochen später.