thullner

Johann Thullner

 

* 29.8.1880 in Zanegg (Mosonszentjános)
† 9.6.1937 in Neusiedl a.See

 

Theologe
  

Seine Eltern, wohlhabende deutsche Bauern, schickten ihn in das Piaristengymnasium ins benachbarte Ungarisch Altenburg und dann ins Benediktinergymnasium nach Raab (Matura 1900). Er entschloss sich, Priester zu werden, und studierte nun Theologie in Raab (Györ). Nach seiner Priesterweihe 1904  kam er als Kaplan nach Markt St. Martin, Wieselburg, Tata und Ungarisch Altenburg. 1916 bis 1918 war er Domkaplan in Ödenburg, 1919 wurde er Pfarrer in Neusiedl a. See. Bald nach seiner Priesterweihe kam er unter dem Einfluss von Prälat Alexander Giesswein in die Politik, als er sich am Aufbau der Christlichsozialen Bewegung in Westungarn beteiligte. 1918 gehörte er zu den wenigen katholischen Priestern, die öffentlich einen Anschluss Deutsch-Westungarns an Österreich befürworteten, was ihm bald herbe Kritik eintrug ihn schließlich im September 1921 zur Flucht vor den Freischärlern nach Österreich zwang. In Wien fand er Kontakt  zu Ignaz Seipel, der ihm weitere Verbindungen zu führenden Persönlichkeiten der CsP in Wien eröffnete. So war Thullner 1922 einer der prominentesten Männer seiner Partei im Burgenland. Er wurde selbstverständlich Mitglied der neuen Landesparteileitung, kam 1922 als Abgeordneter in den Nationalrat und wurde im November 1923 zum Landesparteiobmann gewählt. Um sich dieser Aufgabe besser widmen zu können, übernahm er nun (1924) einen Sitz im Bundesrat. Sein Nationalratsmandat besetzte der bisherige Landesparteiobmann Michael Gangl. Thullner widmete sich zunächst der inneren Parteiarbeit und übernahm 1924 auch das Amt des Chefredakteurs der „Burgenländischen Heimat", des Parteiorgans der CsP.

1927 wurde er in die Regierung - als Landesrat für Schulangelegenheiten - entsandt. Nach dem Rücktritt von Anton Schreiner  im Sommer 1929 wurde er nach heftigem Tauziehen zwischen den Parteien zum Landeshauptmann gewählt, da ihn letztlich auch die Sozialdemokraten akzeptierten, die ihm seine pro-österreichische Haltung 1921 sowie seine maßvolle Politik zugute hielten. Tatsächlich bemühte sich Thullner, der nun den Posten des Landesparteiobmannes abgab, eine einigende Integrationsfigur zu werden, was ihm aber unter den Vorzeichen einer wachsenden Wirtschaftskrise und den damit verbundenen politischen Tendenzen hin zur Radikalisierung wenig überzeugend gelang. Nach den Wahlen 1930 konnte er seine Position als Landeshauptmann nicht halten und musste im Dezember 1930 auf den Posten des Ersten Landtagspräsidenten weichen. Die CsP versuchte ihn ein Jahr später neuerlich zum Landeshauptmann zu küren, doch diesmal legten sich alle anderen Parteien quer, es kam sogar zu einer Koalition der Sozialdemokraten und Landbündler, die in einer stürmischen Sitzung seine Wiederwahl verhinderten und den Landbundkandidaten Alfred Walheim  in dieses Amt hievten. Nur mit großer Mühe konnte Thullner in den folgenden Jahren die bereits schwer vergiftete Stimmung im Landtag meistern, bis er, in Entsprechung eines Beschlusses der Österreichischen Bischofskonferenz, alle Priester aus der aktiven Politik scheiden zu lassen, Ende 1933 alle politischen Ämter zurücklegte.

Die "Burgenländische Freiheit" (Sozialdemokratisch) schrieb über Thullner anlässlich seiner Wahl zum Landeshauptmann:

"Er ist ein guter Österreicher, ein überzeugter Deutscher und ein demokratischer Republikaner. Ein anständiger Priester ist als Landeshauptmann noch immer besser als ein Heimwehrkommandant (Binder) oder ein pflichtvergessener Priester (Gangl). BF 25. Juli 1929