hoffenreich

Dr. Karl Ernst Hoffenreich

 

* 1890 in Wien
†1958 in Mattersburg

 

sozialdemokratischer Politiker
Landtagsabgeordneter und Landtagspräsident 

Hoffenreich stammte aus reicher Wiener Familie, der Vater war Bankdirektor. Er besuchte das Schottengymnasium und nahm anschließend das Jusstudium in Wien und Paris auf.   Er war hoch dekorierter Offizier im Ersten Weltkrieg. Nach einer Verwundung 1917 war er in Triest Beamter. Nach Kriegsende kehrte er nach Wien zurück und wurde 1918 in der Staatskanzlei angestellt. Er heiratete die Nichte des Wiener Bürgermeisters Karl Seitz, trat in den Dienst des Wiener Rathauses und wurde Mitglied der Sozialdemokratischen Partei.

Im September 1919 entsandte ihn die Gemeinde Wien in die "Verwaltungsstelle für den Anschluss Deutsch - Westungarns", später blieb er auf Wunsch Renners als Vertreter der Sozialdemokratischen Partei in der "Verwaltungsstelle für das Burgenland".  Renner hegte Misstrauen gegenüber den burgenländischen Sozialdemokraten, die ja in der Rätezeit bedeutende Positionen innehatten.

1922 bis 1934 war Hoffenreich Mitglied des burgenländischen Landesparteivorstandes der Sozialdemokraten. 1921 war er Abstimmungskommissär in Ödenburg, 1922 wurde er in den Landtag gewählt. Er wurde Landesrat und übernahm das Ressort Gemeindeangelegenheiten. Seine weitere Karriere wurde durch seine umstrittene Position in der Partei bestimmt. Viele burgenländische Sozilisten waren über den Wiener Hoffenreich und dessen großbürgerlicher Herkunft wenig begeistert. Er wurde schließlich auf den Posten des Landtagspräsidenten abgeschoben. Von 1927 bis 1930 war er erster, bis 1934 zweiter Landtagspräsident. Von 1927 bis 1934 war er außerdem Bürgermeister von Sauerbrunn. (Die Sozialdemokratische Partei in der Ersten Republik)

Im Feber 1934 wurde er verhaftet und nach seiner Entlassung im April 1934 in einem Rechtsanwaltbüro in Wiener Neustadt angestellt. Politisch trat er in der Folgezeit nicht mehr in Erscheinung. 1939 eröffnete er ein eigenes Rechtsanwaltsbüro in Sauerbrunn, trat in den nationalsozialistischen Rechtswahrerbund ein und wurde Kreisluftschutzführer.

Im April 1945, nach dem Einmarsch der Russen, nahm er an den Bemühungen um ein Provisorisches Landeskommitee teil, war Mitglied des Provisorischen Landesausschusses, wurde aber aus der Führungsspitze der SPÖ verdrängt. Er wurde aber erneut im Dezember 1945 in den Landtag gewählt und sogar wieder Landtagspräsident. Ab 1946 war er außerdem Vizepräsident der Kammer der gewerblichen Wirtschaft. 1950 schied er aus gesundheitlichen Gründen aus der Kammer aus, im Landtag blieb er bis 1953.