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person

Dr. h.c. Theophil Beyer

 

* 1875 in Güns
† 1952 in Oberschützen

 

Evangelischer Pfarrer und Superintendent
  


Theophil Beyer wurde 1875 in Güns geboren. Er wuchs zusammen mit zwei Brüdern in einer streng religiösen Familie auf. Sein Vater war Gymnasiallehrer. Verwandte waren Senioren der evangelischen Kirche. Er absolvierte das evangelische Gymnasium in Ödenburg und studierte Theologie in Pressburg und Erlangen. Er war 1898 bis 1901 Kaplan in Pinkalfeld unf dann Pfarrer in einer slawonischen Gemeinde. 1902 heiratete er in Güns Ida von Schönowsky, eine Katholikin, die konvertierte.1904 wählte ihn seine Heimatgemeinde Güns zum Pfarrer. Er blieb dort bis 1916. 1914 bis 1923 war er Senior des Obereisenburger Seniorats.  Nach dem Tod seines Onkels, des Oberschützener Pfarrers Julius von Stettner, wurde er in Oberschützen zum Pfarrer gewählt. Er war bis 1940 Pfarrer in Oberschützen. 1914 wurde er Senior des Obereisenburger Seniorats. In der Zeit des Anschlusskampfes war Beyer so wie die meisten Pfarrer für die deutsche Autonomie im ungarischen Staat.  Er hatte Bedenken gegen das katholische Österreich, zumal die Ausdehnung des österreichischen Protestantenpatents von 1861 ja eine Beeinträchtigung der rechtlichen und finanziellen Situation der burgenländischen Protestanten mit sich brachte. Nach dem Anschluss des Burgenlandes an Österreich wurde 1922 das selbständige südburgenläändische Seniorat eingerichtet.  1924 wurde Beyer mit Stimmenmehrheit zum ersten burgenländischen Superintendenten gewählt, mit Amtssitz in Oberschützen. Als Superintendent war er bescheiden und zurückhaltend, aller pompösen Repräsentation abgeneigt. Seine besondere Aufmerksamkeit widmete er dem evangelischen Schulwesen. 1936 verlieh im die Universität Marburg die Ehrendoktorwürde. 1952 starb er in Oberschützen.

Beyer war in der schweren Zeit des Ständestaates Oberhaupt der diskriminierten evangelischen Kirche und hatte unter Repressionen zu leiden. Ab Herbst 1934 durfte er nicht mehr Religionsunterricht an der Lehrerbildungsanstalt erteilen.  Er wurde unter Polizeiaufsicht gestellt. Es wurde ihm der Umgang mit nationalsozialistischen Parteigängern vorgeworfen. Die Oberschützener Lehrerbildungsanstalt galt als Hochburg der Nationalsozialisten. Fraglich ist, wie weit er selbst ein überzeugter Nationalsozialist war. In seinem Umfeld und in seiner Familie war jedenfalls der nationalsozialistische Einfluss stark: der Vikar Ernst Hildebrandt, Vikar Franz Böhm, die Ärztin Ada Smital, sein Ziehsohn Gustav Koczor waren Nationalsozialisten. Vor allem war sein Sohn THeophil Beyer jun. schon seit 1930 Parteimitglied. Dieser musste in der Verbotszeit mit seiner Familie nach Deutschland flüchten, wo er von 1936 bis 1938 blieb.  Nach Ursula Mindler wurden der Superintendent und seine Frau 1933 in die NSDAP Oberschützen aufgenommen. Er unternahm auch Reisen in das Deutsche Reich und stand mit deutschnationalen Verbänden in Verbindung. 

Auch mit dem Nationalsozialismus kam er in Konflikt. Die Enttäuschung über die kirchenfeindliche Haltung der NSDAP war groß.  Er musste die Verstaatlichung der kirchlichen Schulen hinnehmen. Es folgte "zunehmend innere Enigration, ja Teilnahmslosigkeit" (Reingrabner). Beyer zog sich aus der Öffenlichkeit zurück. Mit 1. Sept. 1938 übernahm sein Stellvertreter, Gustav Albert Dörnhöfer die Geschäfte. 1940 ging er offiziell in den Ruhestand, Dörnhöfer wurde neuer Superintendent. 1945 wurde sein einziger Sohn von den Russen verschleppt. Er kam in Sibirien ums Leben.

Nach Reingrabner verband sich bei Beyer "ein deutsch-nationales Bewusstsein mit mit einer lutherischen Theologie, in der der Gedanke des Volkes als Schöpfungsordnung wichtig war. Ohne einen nationaldeutschen Staat konnte nach der Meinung Beyers das sittlich religiöse Anliegen der Reformation nicht zur Durchsetzung und Vollendungkommen.Beyer übersah darum durch lange Zeit die kirchenfeindlichen Strömungen im deutschen Nationalsozialismus".

Literatur:

Schlag, Gerald: Burgenland. Geschichte, Kultur und Wirtschaft in Biographien

Mindler-Steiner, Ursula:Theophil Beyer Sen. Eine biographische Skizze. In: Ecclesia semper reformanda. Teil 2. Tagungsband der Schlaininger Gespräche. S.171 - 185