person

Dr. Johannes Huber

 

* 22.2.1877 in Donnerskirchen
† 13.12. 1945 in Ödenburg

 

Domherr in Ödenburg und christlichsozialer Politiker
  

Huber entstammte einer Donnerskirchener Bauernfamilie. Er besuchte das Benediktiner - Gymnasium und das bischöfliche Priesterseminar in Raab. Nach dem Theologiestudium absolvierte er in Budapest ein Studium der Rechte und der Philosophie. 1901 wurde er zum Priester geweiht. Als Priester war er in verschiedenen Gemeinden Westungarns, unter anderem auch in Eisenstadt, Neusiedl  und in Ödenburg, tätig und schon damals am Aufbau christlich-sozialer Vereine beteiligt.

1906 wurde dem gebildeten und engagierten Priester die Schriftleitung des in Ödenburg erscheinenden "Westungarischen Volksblattes" und 1908 die des "Christlichen Volksblattes"  in Budapest (ab 1912 Christlich - Soziales Volksblatt) übertragen. Ab 1907 war Huber Zentralsekretär der deutschen Sektion des "Katholischen Volksvereines" in Ungarn. Dieser zielte vor allem auf die Mobilisierung der katholisch-deutschen bäuerlichen Bevölkerung gegen die liberale Regierung ab und bediente sich dabei recht grober Angriffe auf den "liberalen Satan", auf Freimaurer und Juden. Großer Erfolg war dem  Katholischen Volksverein allerdings nicht beschieden. Huber wurde in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg ein wichtiger Mitstreiter Jakob Bleyers bei der Gründung eines deutsch - ungarischen Kulturvereines. Im August 1917 übernahm Huber auch die Redaktion der Tageszeitung "Neue Post", die er zusammen mit dem "Christlichsozialen Volksblatt" und der katholischen Wochenschrift "Das Herz" betreute.

Am 1. November 1918 war Huber an der Gründung des "Deutschungarischen Volksrates" in Budapest  beteiligt. In den Jahren 1919 bis 1921 war er dann eine der zentralen Persönlichkeiten im "Anschlusskampf" um das Burgenland und in der Ödenburger Volksabstimmung. Er war - zusammen mit dem evangelischen Pfarrer Edmund Scholz - einer der wichtigsten Gegner eines Anschlusses an Österreich. In unzähligen Reden und Zeitungsartikeln warnte er die Deutschen Westungarns vor dem "roten Österreich". Er war als Mandatar des Bezirkes Neusiedl am See und Abgeordneter der "Deutsch-Christlichen Wirtschaftspartei" Abgeordneter im Budapester Parlament. In der Abtretung des Burgenlandes sah er eine Schwächung des ungarländischen Deutschtums. 1920 gründete er die "Partei der christlichen Deutschen zum Schutz der Integrität Ungarns". Seine Kontakte reichten auch nach Wien und nach Deutschland, wo er unermüdlich für seinen Standpunkt warb. Für die proösterreichische Partei, besonders für den "Freien Burgenländer", wurde er ein immer wieder scharf attackierter Gegner.

Im September 1921 wurde er Mitglied des Kollegiatskapitels in Ödenburg, also Domherr. Viele sahen darin eine Belohnung für sein unermüdliches Eintreten für Ungarn. Nach der Ödenburger Abstimmung wurde Huber allerdings immer häufiger zum Ziel nationalmagyarischer Angriffe. Er verlor sein Mandat im Parlament 1922. 1925 übernahm er den Vorsitz in der Ödenburger Ortsgruppe des "Ungarländischen Deutschen Volksbildungsvereins" und setzte sich für die deutsche Unterrichtssprache in den Schulen ein. In Ödenburg forderte er vergeblich eine deutsche Lehrerbildungsanstalt. Er sah in der Muttersprache der Deutschen Ungarns auch die wichtigste Stütze der Religion. Wichtigstes Medium von Hubers Wirken war das "Neue Sonntagsblatt".1928 folgten schwere Angriffe auf Huber im Budapester Parlament. Er wurde als "Pangermanist" bezeichnet und man warf ihm "vaterlandsfeindliche Umtriebe" vor. Vorübergehend wurde er sogar wegen "nationaler Verhetzung" verhaftet. 1934 war Huber als Nachfolger Bleyers in der Volksgruppenführung im Gespräch, die Kirchenleitung verhinderte dies jedoch. Huber war außerdem längst nicht mehr der Typus des Volksgruppenführers, wie ihn die jüngere Generation der Ungarndeutschen wünschte.

Der verbitterte und enttäuschte Dr. Huber musste dann auch noch vor seinem Tod im Winter 1945 den Beginn des endgültigen Unterganges des Ödenburger Deutschtums erleben.