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Univ. Prof. Dr. Jakob Bleyer

 

* 1874 in Tscheb in der Batschka
† 5. Dezember 1933

 

Politiker und Herausgeber
  

Nationalitätenminister, Abgeordneter in der Ungarischen Nationalversammlung (gewählt im Wahlbezirk St. Gotthard), Gründer und Vorsitzender des Ungarländischen Deutschen Volksbildungsvereines, Herausgeber des "Sonntagsblattes" und der Deutsch-Ungarischen Heimatblätter

Bleyer entstammte einer bäuerlichen donauschwäbischen Familie der Batschka. Er studierte Germanistik und Hungarisitk in Budapest, München und Leipzig

Jakob Bleyer war vom 7. August 1919 bis 19. Juli 1920 Nationalitätenminister in Ungarn. Sein Wirken und sein Scheitern sind geradezu symptomatisch für das Schicksal der Ungarndeutschen. Er war kein "Volkstumspolitiker", kein "Minderheitenvertreter". Er sah sich als Angehöriger der ungarischen Staatsnation, in der und mit der er die "deutsche Frage" lösen wollte - ohne Einmischung von außen. Er wollte keine politische Autonomie, keine "deutsche" Partei, die nur deutsche Interessen vertrat. Ja er sah die Deutschen Ungarns nicht als "Minderheit". Erst als er erkannte, dass dies in Ungarn nach Trianon nicht möglich war - in dem die bloße Zugehörigkeit zu einer nichtmagyarischen Gruppe bereits als Zeichen der Illoyalität gesehen wurde - wurde er immer mehr in die Rolle des Minderheitenvertreters gedrängt.

Schon 1920 sagte er voraus, dass "der ungarische Nationalismus nach den vielen bitteren Erniedrigungen der letzten Jahre heller denn je lodert, das kleine Ungarn zu einem völkisch-einheitlichen Nationalstaat um jeden Preis umzugestalten bestrebt sein wird. Es wird eine Magyarisierung des Deutschtums erfolgen ...Das bei Ungarn verbleibende Deutschtum ist in Folge seiner Verquicktheit mit dem Ungarntum ohnehin bereits halb magyarisiert, und es wird für die ungarische Politik ein leichtes sein, dieses Deutschtum im Laufe einer Generation vollkommen zu entnationalisieren. Wohl ist auch dieses Deutschtum heute mehr oder weniger zum völkischen Bewusstsein erwacht. Wo aber könnte es Hilfe und Unterstützung finden ...?" (zitiert nach Schödl, Land an der Donau, S.460)