Ab 1681, nach dem Reichstag von Ödenburg, gärte es wieder im königlichen Ungarn. Die Neuaufnahme der Gegenreformation führte zu Unzufriedenheit, Emmerich Thököly scharte Unzufriedene, Flüchtlinge, arbeitslos gewordene Söldner und Heiducken um sich und strebte sein großes Ziel, die Krone des ungarischen Königreiches, an. Den Osmanen kam das alles gelegen. Sie hatten soeben einen Feldzug in Russland beendet und waren bereit, die Expansion in Ungarn wieder aufzunehmen. Thököly konnte sein Ziel natürlich nur mit osmanischer Hilfe erreichen. Die Osmanen legten den Köder aus und deuteten an, Thököly unterstützen zu wollen. Thököly erklärte gegenüber dem Pascha, dass er das angestrebte ungarische Königreich der Pforte unterstellen wolle. Im Frühjahr 1682 ließ ihn die Pforte durch den Pascha von Ofen, Ibrahim, rufen und verhandelte mit ihm. Der Inhalt der Gespräche ist nie bekannt geworden, doch aus dem Verlauf der Ereignisse kann man weit reichende Schlüsse ziehen. Im Sommer 1682 heiratete Thököly Helene Zrinyi, die Witwe von Franz I. Rákóczi. Damit gelangte er in den Besitz der riesigen Güter, die Georg II. Rákóczi seinem noch unmündigen Sohn hinterlassen hatte. Ebenfalls noch im Sommer überfielen die Kuruzzen Thökölys handstreichartig die Stadt Kaschau, die er zu seiner Residenz machte. Bei der Eroberung der Stadt halfen bereits 20 000 Mann türkischer Hilfstruppen. Auch die überaus wichtige Festung Fülek wurde erobert. Dorthin berief Pascha Ibrahim im Namen des Sultans Mehmed IV. die Stände und übergab Thököly die Insignien und eine Urkunde, die Thököly den Titel König von Ungarn und Erbgraf der Käsmark zusicherte, natürlich unter der Oberhoheit der Pforte. Gegen eine Jahreszahlung von 40 000 Talern sollten die Ungarn ihre ständischen Rechte und die Glaubensfreiheit garantiert erhalten. Den Königstitel wies Thököly allerdings zurück.

In Westungarn und in Wien war die Nervosität groß. Palatin Paul Esterhazy stellte fest, dass der Krieg bereits begonnen habe. Er schlug Maßnahmen vor, unter anderem eine Belagerung von Gran, um die Türken zu binden und von den Kuruzzen zu trennen. Die Belagerung der ehemaligen Hauptstadt, so hoffte Esterhazy, würde den Polenkönig und den Papst zum Eingreifen bewegen, ebenso die Russen, die die Krimtataren binden würden, und die Perser. Er wollte also die Türken von allen Seiten in die Zange nehmen. Inzwischen drangen die Kuruzzen weiter vor Eperjes (Preschau) und Leutschau fielen.  Esterhazy drängte auf Angriff und schreckte selbst vor Kritik an Kaiser Leopold nicht zurück. Thököly organisierte inzwischen seine Eroberungen als "Staat" und berief für 12. Dezember die Landesversammlung nach Kaschau ein. Der Aufruf war erfolgreich, viele Komitate, Freie Städte und zahlreiche Adelige folgten dem Ruf. Verhandlungen zwischen Wien, Konstantinopel und Thököly scheiterten. Der Aufmarsch der türkischen Truppen gegen Wien begann. Der Kaiser wurde vom Sultan beschuldigt, den Frieden gebrochen zu haben. Großvesir Kara Mustafa überschritt mit etwa 110 000 Mann türkischer Truppen die Drau. Dort traf Thököly im türkischen Lager ein. Der Großvesir teilte ihm seine Aufgabe zu: er sollte Niederungarn besetzen und das türkische Heer am linken Donauufer begleiten und Pressburg erobern. Thököly forderte die Städte und den Adel auf, ihm zu huldigen. In einer Proklamation versuchte er, sein Vorgehen zu rechtfertigen: Die Habsburger hätten nichts unternommen, um das Problem Ungarn zu lösen; die Türken hingegen wären bereit, alles zu unternehmen, um die einstige Freiheit wieder herzustellen ... Er drohte einerseits, andererseits versprach er allen, die huldigten, Schonung. Der Großvesir richtete ein Schreiben an die Magnaten, unter anderen auch an den Landesrichter Draskovich und an den Oberhauptmann von Transdanubien, Christoph Batthány, in dem er ankündigte, er wolle sich an den Deutschen für den Bruch des Friedens rächen und Ungarn vor der deutschen Tyrannei und Unverschämtheit befreien. Er rief die ungarischen Großen auf, Thököly, den der Sultan zum König von Ungarn gemacht habe, zu huldigen. Wer nicht huldigt müsse mit Feuer, Eisen und Sklaverei rechnen. Dem Palatin Esterházy bot er die Krone Ungarns an.

Der Palatin Paul Esterhazy forderte die Soldaten der Grenzburgen und die Truppen der Komitate auf, sich zu sammeln. "Durch Gott eröffnet sich uns jetzt eine Möglichkeit, unsere Heimat zu befreien. Wen die schönen Worte des Feindes betrogen haben, der wende sich nun von ihm ab und erweise unserm Gnädigen Gekrönten König die Treue. Der greife zu den Waffen und offenbare sein von unseren Vorfahren geerbtes, wirkliches Ungarntum. Der schließe sich uns an. damit wir im Namen Gottes zusammen gegen den Feind ziehen können." (zitiert nach J. János Varga, Palatin Paul Esterhazy ...S. 89). Die Komitate Raab, Ödenburg und Eisenburg beschlossen im April in Kapuvár, die Raablinie zu verteidigen. Brückenköpfe sollten gesichert werden, Furten zers6tört werden. Der Palatin persönlich leitete die Verteidigung nördlich der Donau, gestützt auf die Festungen, darunter die neu errichtete, sternförmige und mit Bastionen ausgestattete Festung Leopoldburg (Lipótvár).

 
Zur Verstärkung der Besatzungen und des Adelsaufgebotes wurden drei kaiserliche und ein kroatisches Regiment unter General Karl Johann Palffy geschickt. Die Anhänger Thökölys, etwa der übergelaufene frühere Vizegeneral in Oberungarn, Franz Barkóczy und andere erzwangen  mit einer Armee von 800 Kuruzzen und etwa 2000 türkisch-tatarischen Hilfstruppen die Huldigung der  transdanubischen Städte. Auch die Raab-Linie hielt nicht und als die Truppen Kara Mustaphas vor Wien eintrafen waren auch bereits Güns, Deutschkreutz, Rust und Eisenstadt, Donnerskirchen und Bruck  in den Händen der Kuruzzen. Ödenburg versuchte Widerstand zu leisten, musste aber am 17. Juli ebenfalls huldigen und den Kommissären Thökölys Treue schwören. Viele Adelige schlossen sich Thököly freiwillig, andere unter Drohungen an. Christoph und Adam Batthyány und Nikolaus Draskovich huldigten persönlich im Lager Kara Mustaphas. Die Kommissare Thökölys organisierten von Ödenburg aus den Nachschub für das türkische Heer vor Wien. Die Dörfer wurden nahezu völlig ausgeplündert und auch aus Ödenburg wurden immer wieder große Lebensmittellieferungen herausgepresst. Der Großvesir war der Meinung, die Stadt sei so reich wie das ganze übrige Ungarn und könne mehr liefern ... Schwer verwüstet wurden die Herrschaften Esterhazys, aber auch die Güter jener Adeligen, die gehuldigt hatten, waren keineswegs sicher. Die Tataren fragten nicht lange und es kam sogar vor, dass sie eine türkische Schutztruppe (Salva Guardia) vertrieben.  Entlang der Donau wurden die kaiserlichen Truppen vor dem anrückenden Hauptheer der Türken und Kuruzzen zurück gezogen, die Festungsbesatzungen blieben auf sich gestellt. In einem Brief an den Kaiser rief der Palatin verzweifelt um Hilfe - ansonsten möge man es den Menschen nicht übel nehmen, wenn sie huldigten - um das Leben ihrer Familien zu retten. "(jetzt) bricht alle Disziplin zusammen ... die ganze Truppe schwingt sich aufs Pferd und zerstreut sich in alle Winde, die einen reiten nach Hause, einige andere laufen auch zu den sich nähernden Kuruzzen über." (nach J. János Varga, S. 93). Paul Esterhazy selbst blieb an der Seite des Kaisers, obwohl er seit seiner Heirat mit Eva Thököly 1682 der Schwager Thölölys war.

Im Juli unterwarfen sich ohne größeren Widerstand Tyrnau und Pressburg, die Burg blieb aber in den Händen der Kaiserlichen.  Pressburg sollte die Hauptstadt von Thökölys ungarischem Königreich werden. Der kaiserliche General Karl von Lothringen konnte die Kuruzzen aber Ende Juli in der Schlacht von Pressburg-Csellész besiegen und Pressburg zurück gewinnen. In der Folgezeit machte Thököly keine allzu große Anstrengungen, die Türken vor Wien zu unterstützen. Der Druck auf den ungarischen Adel erhöhte sich während des Sommers und viele weitere Familien huldigten. Manche verbanden mit einem Sieg Thökölys weitgehende Eroberungspläne weit in die habsburgischen Kronländer. Ein in kaiserliche Gefangenschaft geratener hoher türkischer Offizier des Ofener Paschas, der maßgebend an den Verhandlungen mit Thököly beteiligt war,  berichtete, Thököly  sollte König von Ungarn  bleiben, Christoph Batthyany sollte die Steiermark, Nikolaus Draskovich, der ebenfalls übergelaufene Landesrichter, Niederösterreich, Adam Czobor Mähren und Nikolaus Erdödy Kroatien bekommen - unter türkischer Oberherrschaft.Auch Johann Zrinyi und Johann Esterházy, Vizegeneral von Raab, liefen zu Thölöly über.  Ungarn sollte den Türken jährlich 400 000 Reichstaler an Steuer abliefern. Das Geständnis des Türken belastete die beteiligten Magnaten schwer und  war keinesfalls erfunden, die Forschung hat derartige Pläne bestätigt.

Die meisten dieser zu Thököly übrgelaufenen Magnaten unterwarfen sich nicht bloß, um Schaden abzuwenden, sie trugen auch aktiv zu den militärischen Operationen der Türken, Tataren und Kuruzzen bei. Am 24. Juni 1683 nahm Thököly, der Christoph Batthyany zur Huldigung aufgefordert hatte, die Antwort Batthyanys entgegen. Dieser versprach, sich "mit den Seinigen und allen Kroaten in den Dienst des Großwesirs zu begeben." Einige Tage später unterschrieb er den Unterwerfungsvertrag im Lager von Stuhlweißsenburg. Seinen  Sohn Adam übergab er, da er schwer unter Gicht litt oder Krankheit vorschützte, den Befehl über die Grenzverteidigung an der Raab. Die zur Verfügung stehenden Truppen aus Grenzburgensoldaten und adeligen Servitoren waren allerdings sehr bescheiden. Dem großen Heer Kara Mustafas, das am 27. Juni 1683 aus Stuhlweisenburg aufbrach, wurden die Kommissare Thökölys  (Franz Barkóczy, Paul Szepessy und Paul Szalai) mit Truppen der Osmanen und Thökölys vorausgeschickt, die die Städte und Herrschaften zur Huldigung zwangen. Ein Ablenkungsmanöver Karls von Lothringen misslang. Südlich von Raab wurden deutsche Truppen aus den Grenzburgen von den Krimtataren abgeschlachtet. Die Truppen Adam Batthyanys sahen zu, ohne einzugreifen. Batthyany übertrug den Oberbefehl über das ungarische Militär dem Körmender Hauptmann Békássy, der sich den Tataren anschloss, um Beute zu machen. Christoph Batthyany stellte sich nun ganz in den Dienst Thökölys und der Oamanen, forderte Ödenburg zur Übergabe auf und bezeichnete sich als "Oberster Beamter und General des Königreiches Ungarn diesseits der Donau". Die Truppen Batthyánys überfielen die steirischen Granzdörfer und wollten die Stadt Fürstenfeld zur Unterwerfung zwingen - allerdings vergeblich. Kaiserliche Truppen zwange sie zum Rückzug. Ein neuerlicher Einfall in die Steiermark kostete Batthyany wieder schwere Verluste. Die Revanche der kaiserlichen traf Deutsch Kaltenbrunn und Rudersdorf, die in Schutt und Asche gelegt wurden, etwas später, nachdem Batthyanys Truppen viele Menschen verschleppt hatten, auch Pinkafeld.

Nach der Niederlage der Türken am Kahlenberg wechselten die Batthyány und viele andere Anhänger Thökölys sofort wieder die Seite. Christoph Batthyany ließ von seinen Husaren 300 Türken, die aus Kanizsa abzogen, niedermetzeln, schickte Gesandte nach Linz und bat um Vergebung. Es sollte schwere Strafen gegen die Empörer geben, mit dem Einzug ihrer Güter wurde begonnen. Dann aber überlegte sich Kaiser Leopold diese Angelegenheit und versprach 1684 im Linzer Manifest Generalpardon für alle, die vor einer Preßburger Sonderkommission ein Treuegelöbnis ablegten. Auch ihre früheren Würden bekamen sie zurück. Das Generalsamt erhielt aber nicht mehr Christoph Batthya´ny, sondern sein Sohn Adam, der weniger belastet war.

Paul Esterhazy brachte die ungarische Krone aus Pressburg in Sicherheit und floh dann aus seinen Besitzungen mit seiner Familie nach Passau. Als sich das Entsatzheer bei Tulln sammelte war Paul mit dabei. Unterwegs erfuhr er, dass auch sein jüngerer Bruder Franz gehuldigt hatte und Landsee den Türken übergeben hatte. An der Entsatzschlacht um Wien nahm er mit etwa 1000 Mann teil.

Die Beurteilung der Ereignisse von 1683 war in der ungarischen Geschichtsforschung höchst umstritten. Die "nationale" Sicht ging davon aus, dass es Thököly hätte gelingen können, ganz Ungarn wieder zu einen, zu einem "nationalen" Königreich. Demnach waren Esterhazy und jene, die kaisertreu blieben, Verräter am "Ungarntum". Heute sieht man Thökölys Chancen allerdings realistischer. Nach der Eroberung Wiens hätten die Türken alle Zusagen vergessen und Ungarn ihrem Reich eingegliedert. Die freiwillig oder unter Druck zu Thököly übergelaufenen Adeligen mussten einiges unternehmen, um die kaiserliche Gunst zurück zu gewinnen.

Literatur: Varga, J. Jànos : Palatin Paul Esterhazy und Emmerich Thököly, Fürst von Oberungarn, im Feldzug des Jahres 1683. In: Die Familie Esterhazy im 17. und 18. Jahrhundert. Wissenschaftliche Arbeiten aus dem Burgenland Band 128, Eisenstadt 2009. S.83 - 98

Varga, J. Jànos: Die Familie der Batthyány und der Feldzug von Kara Mustafa Pascha gegen Wien im Jahre 1583. In: Die Familie Batthyany. Band 1. Wissenschaftliche Arbeiten aus dem Burgenland Band 139, Eisenstadt 2015. S. 403 - 412


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