Viele Jahre hindurch war die Frage der Elektrizitätsversorgung ein politisches Problem des Landes. Von vielen Burgenländern wurde es als unerträglich angesehen, dass auf diesem Gebiet noch immer die niederösterreichischen und steirischen Landesgesellschaften tätig waren und das Burgenland als einziges Bundesland keine eigene Stromversorgung hatte. Die Gründung der BEWAG im Jahre 1959 hatte also eine große Symbolkraft. Schon 1953 wurde eine eigene Landesgesellschaft gefordert und daraufhin eine Kommission gebildet, die die Bedingungen dafür untersuchen sollte. Sie stellte schließlich fest, dass für die entsprechenden Einrichtungen auf Grund des Verstaatlichungsgesetzes keine allzu hohe Ablösen zu bezahlen wären. Von Seiten der SPÖ wurden immer wieder schwere Vorwürfe erhoben: die ÖVP würde die Bildung einer Landesgesellschaft verzögern und damit im Interesse der NEWAG handeln. Karall und Wagner hatten einen Sitz in den Vorständen von NEWAG und STEWEAG. Diesen Gesellschaften warf man vor, sie würden sich an den burgenländischen Stromkunden bereichern, im Energiebereich eine "Kolonialherrschaft" ausüben. Jedes Jahr würden aus dem Land 10 Mill. Schilling an Gewinn abfließen, die Ortsnetze im Burgenland aber würden vernachlässigt... Die Verhandlungen mit Niederösterreich und der Steiermark zeigten schon bald, dass eine einvernehmliche Lösung nicht möglich war, da NEWAG wie STEWEAG riesige Ablösesummen verlangten.

Am 28.Feber 1959 übernahm schließlich mit einer Verfügung des Landeshauptmannes Wagner die BEWAG "handstreichartig"alle Einrichtungen der Stromversorgung auf burgenländischem Gebiet Das hatte eine schwere Verstimmung mit den Nachbarbundesländern zur Folge und es dauerte noch lange, bis alle Beeinspruchungen und politischen Interventionen ausgestanden waren. Noch im Jahre 1963 wurde ein Teil jenes Landesgesetzes, das die Enteignung von NEWAG und STEWEAG betraf, für verfassungswidrig erklärt. 1964 wurde das Zweite Verstaatlichungsgesetz novelliert und das BEWAG-Gesetz beschlossen, nachdem zuvor in Wien mehr als 1000 Burgenländer - Angehörige der BEWAG, des Fernheizwerkes Pinkafeld und des Braunkohlenbergbaues Tauchen - gegen die Verschleppungstaktik der ÖVP demonstriert hatten. Auf zivilrechtlichem Gebiet gingen die Prozesse aber weiter. Schließlich mussten die enteigneten Elektrizitätsgesellschaften mit zusammen 62 Mill. S. entschädigt werden.

In der Frage der Erdölschürfrechte musste das Burgenland gegenüber gesamtösterreichischen Interessen nachgeben: Die ÖMV (Österr. Mineralölverwaltung) war an einer Erschließung nicht interessiert, die deutsche Preussag war interessiert, ihr durften die Schürfrechte aber aus politischen Erwägungen nicht übertragen werden. Später wurde eine burgenländische Erdölgewinnungsgesellschaft gegründet, aus der schließlich die BEGAS entstand.

In BEWAG und BEGAS war vom Anfang an der parteipolitische Einfluss stark. Ab 1970 wurde die BEWAG immer stärker von der SPÖ dominiert, die BEGAS wurde der ÖVP überlassen. Zusätzliches Material zur Geschichte der BEWAG in BF Teil 1-5 in 4.Feb.71- 4.3.71

Zur Vorgeschichte der Stromversorgung im Burgenland und zur Entstehung der BEWAG

Nach dem Anschluss  nahm auch der Ausbau der Stromversorgung ein etwas rascheres Tempo an. Im Süden entstanden kleinere Wasserkraftanlagen, Lichtgenossenschaften wurden gegründet, die meist vorhandene Mühlen ausbauten und einzelne Orte mit Strom versorgten. Zu einer grundsätzlichen Änderung kam es, als die STEWEAG 1925 eine Tochtergesellschaft, die OSTBURG (Oststeirisch-Burgenländische Wasserkraft - AG) gründete. Sie übernahm die Anlagen der Thalheimer, aber auch die Lichtgenossenschaft Stegersbach, verband diese Anlagen durch Hochspannungsleitungen.

 
Zur Versorgung des gesamten Südburgenlandes wurde eine für die damalige Zeit sehr moderne 20 kV- Leitung Graz-Gleisdorf-Hartberg-Oberwart errichtet. Dann wurden weitere Gemeinden an das Netz angeschlossen. Später, in der Krise am Ende der 20er Jahre, stagnierte aber der Ausbau. Im Nordburgenland hatte eine deutsche Firmengruppe, vertreten durch die Kreditanstalt für Verkehrsmittel in Berlin, später durch die Dresdner Bank, die Aktien des Eisenstädter E-Werkes erworben. Unter dem Namen "Eisenstädter Elektrizitäts-Aktiengesellschaft - Überlandwerke" wurde es zum Kern der Elektrifizierung des Nordburgenlandes. Begonnen wurde 1928 und bis 1930 waren fast alle Gemeinden der Bezirke Eisenstadt und Mattersburg und ca ein Drittel der Gemeinden der Bezirke Neusiedl und Oberpullendorf an das Netz angeschlossen. In Bruck und Aspang griff die Gesellschaft sogar über die Landesgrenzen hinaus. Aber auch diese Anlagen waren eher wenig leistungsfähig (zum Vergleich: die Gemeinde Weppersdorf brauchte damals 6000 kWh, 1960 aber schon 230 000 kWh; in den 30er Jahren wurden im ganzen Land etwa 3 Mill.kWh verkauft, 1960 aber das 30fache!). Die Strompreise waren damals noch extrem hoch.

Daneben gab es noch immer lokale Dieselzentralen, etwa in Frauenkirchen, Mattersburg, Deutschkreutz. Diese waren aber nicht mehr konkurrenzfähig.

Nach 1938 wurden große Pläne bezüglich des Ausbaues der Elektrizitätsversorgung gemacht, doch konnten diese nur mehr zum Teil verwirklicht werden.

Nach Kriegsende wurde die Elektrizitätsversorgung des wieder errichteten Landes der NEWAG im Norden und der STEWEAG im Süden übertragen. Die Leitungsnetze wurden wiederhergestellt. Vor allem die STEWEAG leistete dabei im Südburgenland gute Arbeit, die NEWAG investierte hingegen nur wenig. Erst nachdem finanzielle Mittel aus der Marshallplan -Hilfe zur Verfügung standen konnte die Stromversorgung vervollständigt werden. Alte Leitungsteile und auch die Umspannwerke aber blieben wenig leistungsfähig, so dass die Kritik an den beiden Landesgesellschaften bald zunahm. Es ging dabei auch um die Frage der weiteren "Abhängigkeit" von den beiden Landesgesellschaften und um burgenländisches Selbstbewusstsein. Schließlich wurde die BEWAG gegründet, die dann "handstreichartig" und gegen den Willen der bisherigen Eigentümer die Stromversorgung des Landes übernahm. Die Prozesse um das Eigentum zogen sich aber noch über viele Jahre hin. Ein Glücksfall war, dass das Verbundnetz bei Neudörfl auf eine sehr kurze Strecke über burgenländisches Gebiet führte. Dort konnte man das BEWAG-Netz anbinden. Eine 110 kV-Leitung nach Eisenstadt wurde errichtet und eine weitere Leitung in das Südburgenland gebaut, nachdem die STEWEAG den Stromliefervertrag gekündigt hatte. Alle diese Bauten verursachten enorme Kosten. Die BEWAG aber entwickelte sich bald zu einem großen Unternehmen, das etwa 1961 schon über 300 Beschäftigte hatte.

Die BEGAS

1968 begann die Erdgasversorgung des Burgenlandes. Es wurde ein Gasversorgungsvertrag abgeschlossen und die BEGAS begründet. Sie war zugleich Konzessionsträgerin zur Gewinnung von Erdöl und Erdgas im Burgenland. Probebohrungen im Seewinkel, im Eisenstädter und im Güssinger Becken blieben aber erfolglos. Schon 1972 verteilte die BEGAS 33,5 Mill Kubikmeter Gas an Großabnehmer und 5 Mill. Kubikmeter an private Abnehmer.


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