Die schwere Krise, die 1951/52 Österreich erfasste, wirkte sich im Burgenland weit länger, bis in die Jahre 1953/54, aus. Die Arbeitslosigkeit war sehr hoch, 1953 etwa waren 8 607 Burgenländer arbeitslos, mehr als damals in der gewerblichen Wirtschaft beschäftigt waren. 3 286 Maurer und 1 776 Bauhelfer waren als Stellensuchende vorgemerkt. Auch in den folgenden Jahren blieb das Burgenland im Schatten der einsetzenden Hochkonjunktur. Der Bruttoproduktionswert der gewerblichen Wirtschaft betrug 1953 im gesamtösterreichischen Durchschnitt schon 24.330 S pro Einwohner, im Burgenland aber lag er bei 7.030 S. Es wurde bald klar, dass das Problem des Burgenlandes nicht nur ein konjunkturelles, sondern ein strukturelles war: es gab einfach nicht genug Dauerarbeitsplätze. Alarmierend war, dass viele Jugendliche keinen Lehrplatz fanden. Zwar wurde schon 1952 eine "Enquete" veranstaltet, bei der die Bundeskammer der gewerblichen Wirtschaft Vorschläge für eine Lösung des Problems machte, diese Vorschläge aber zeigten schon damals die Hilflosigkeit derartiger Versuche: vorgeschlagen wurden die Errichtung einer Seedammstraße zischen Mörbisch und Illmitz, Nutzung des Schilfes, Abbau von Braunkohlelager, Ausbau der Stoober Töpferei... Ähnliche Vorschläge machte auch die Arbeiterkammer. An eine weitergehende Industrialisierung dachte man nicht oder wollte man nicht denken. Das ging zunächst noch über den Horizont der "mittelständischen" burgenländischen Wirtschaftstreibenden in den Kammern. An ein wirtschaftspolitisches Gesamtkonzept dachte noch niemand.

In der Industrie herrschte in den ersten Nachkriegsjahren eine Scheinblüte, die durch den kriegsbedingten Mangel hervorgerufen wurde. Auf sie folgte ein umso schwerer Rückschlag Anfang der 50er Jahre. Auch noch 1953/54 stagnierte die burgenländische Industrie, obwohl im übrigen Österreich der Aufschwung längst wieder eingesetzt hatte. Die Struktur der Industrie (hauptsächlich Textilindustrie), die Größe der Betriebe (Klein- bis Mittelbetriebe), die mangelhafte Kapitalausstattung, aber auch der geringe Ausbildungsgrad der Facharbeiter erwiesen sich schon damals als schwere Nachteile. Ab 1953 mussten die burgenländischen Textilbetriebe ihr Personal erheblich reduzieren, bis 1954 auf etwa die Hälfte. Allein die" Hanf-Jute" in Neufeld baute zwischen 1952 und 1954 mehr als 1000 Beschäftigte ab.

 

Völlig am Boden lag nach dem Krieg und auch noch viele Jahre später der Fremdenverkehr. Die beiden Kurorte waren zerstört und in der Hand der Besatzungsmacht. Es gab kaum Hotels oder Beherbergungsbetriebe, bestenfalls einige Gasthöfe mit wenigen Fremdenzimmern. 1954 standen im ganzen Land erst etwa 1500 Betten in Beherbergungsbetrieben zur Verfügung ( 128 421 Übernachtungen, das waren etwa 40 % der Vorkriegsleistung; der Ausländeranteil betrug nur 6 %). Anfang der 50er Jahre zeichnete sich schon der neue Trend zum Camping ab, die ersten Campingplätze wurden eröffnet. Die ersten Bemühungen der Landesregierung zur Wiederbelebung des Fremdenverkehrs konzentrierten sich auf Bad Tatzmannsdorf. Es gelang, 4 Mill.S aus dem ERP-Fonds zu bekommen. Weitere Investitionen aus Landesmitteln in der Höhe von 16 Mill. folgten. 1953 wurde der Kurbetrieb mit 120 Betten im Kurhotel und 200 Privatbetten aufgenommen.

"Die Problematik der burgenländischen Wirtschaftsstruktur lag in den fünfziger Jahren weiterhin in der hohen Agrarquote (nach der Volkszählung des Jahres 1951 entfielen 63,1 % der berufstätigen Wohnbevölkerung auf die Land- und Forstwirtschaft), im geringen Entwicklungsstand der gewerblichen Wirtschaft und daraus resultierend in einer beträchtlichen Zahl von Wanderarbeitern (1957 stammten 40 % des Lohneinkommens oder 16 % des Volkseinkommens aus Wanderarbeit in anderen Bundesländern), starken saisonalen Schwankungen auf dem Arbeitsmarkt, einer im Vergleich zu anderen Bundesländern überproportionalen Arbeitslosenrate und in der bescheidenen Finanzkraft des Landes und der Gemeinden".

Karl Bachinger, Geschichte der gewerblichen Wirtschaft des Burgenlandes, S.210


pfeil top
footer-epochen zeitgeschichte 2
footer-epochen
pfeil top