Ein überaus schwerwiegendes Problem entstand durch den "Weinskandal": In Deutschland wurden in einigen Weinproben aus dem Burgenland Diäthylenglykol nachgewiesen. Europaweit wurde dies bekannt, der Absatz ging rapide zurück und brach schließlich vollständig zusammen. Es zeigte sich, dass einige Betriebe in verantwortungsloser Weise ihre Weine "gepanscht" hatten. Die Rufschädigung hatte gewaltige wirtschaftliche Verluste zur Folge. Es dauerte viele Jahre, bis diese Auswirkungen beseitigt wurden.

 Einen "Vorläufer" gab es schon 1980, als einigen Weinbauern vorgeworfen wurde, sie hätten ihre "Prädikatsweine" aufgezuckert. Im April 1985 trat dann der "große Weinskandal "in den Vordergrund. Zunächst wurde gegen zwei Weinhandelsfirmen im Seewinkel Anzeige erstattet. Die Kellereiinspektoren wurden bald in einigen weiteren Betrieben fündig. Dem Wein war das Frostschutzmittel Diäthylen - Glykol beigefügt worden, ein nach dem Lebensmittelgesetz verbotener Zusatz, wenn auch in geringer Konzentration nicht gesundheitsgefährdend. Es folgten zahlreiche Verhaftungen, im Burgenland, aber auch in Niederösterreich.

Im Juni 1985 erreichte der Weinskandal einen Höhepunkt unvorstellbaren Ausmaßes. 18 "Weinpantscher" waren bereits verhaftet. Mitte August waren schon 156 "Glykolverfahren" eingeleitet. Ausgehend von einigen Sensationsberichten in westdeutschen Zeitungen (Bild-Zeitung vom 12.Juli 85: "Frostschutzwein bei Omas Geburtstag - 11 vergiftet") brach eine Medienkampagne gegen österreichische und speziell burgenländische Weine los, die schließlich in ganz Europa ihren Niederschlag fand. Der Weinabsatz brach total zusammen.

Nach der Auflösung des Weinwirtschaftsfonds kam es im Juni 1986 zu Verhandlungen zwischen dem Landwirtschaftsminister und den Finanzreferenten der Länder. Die Länder sollten gemeinsam eine Marketingorganisation für den österreichischen Wein gründen. Der Bund bot finanzielle Zuschüsse für Mengenbeschränkungen, Ausbau der Lagerkapazitäten und ähnliche Maßnahmen an.

 
Bei der Errichtung dieser Weinmarketinggesellschaft kam es allerdings zu Meinungsverschiedenheiten zwischen den Ländern. Nach dem Rücktritt von Sinowatz wurde auch ein neuer Landwirtschaftsminister , E..Schmidt, eingesetzt. Er stellte einen neuen, gemeinsamen Initiativantrag von ÖVP und SPÖ zu einem allgemein akzeptierten Weingesetz in Aussicht. Noch immer bildete die Bandarole den umstrittensten Punkt, gegen den der ÖVP-Bauernbund Sturm lief. Das Ministerium bestand vor allem auf einer Mengenbeschränkung.

Im September 1986 löste sich der überschuldete Burgenländische Winzerverband auf, die einzelnen örtlichen Winzergenossenschaften wurden in den Raiffeisenverband Burgenland übernommen. Der Raiffeisenverband plante die Gründung einer eigenen Vertriebsgesellschaft. Die Auflösung des Winzerverbandes löste heftige Proteste aus, es wurde nach dem Verbleib der hohen Landessubventionen (1966-86: 22 Mill. S) gefragt. Außerdem hatte der Winzerverband zusätzlich 58 Millionen an Agrarinvestitionskrediten in Anspruch genommen; schließlich wurde auch das Landeskontrollamt eingeschaltet.

LH Kery zu den schweren Krisen 1985

" Warnen möchte ich vor zwei Entwicklungen, die in unserem Land in Ansätzen ebenfalls bereits feststellbar waren: Erstens vor dem Überhandnehmen von Schwarzmalerei und Pessimismus - dadurch wird die Suche nach neuen Lösungen nämlich nur erschwert, wenn nicht gar verhindert. Und zweitens vor jener Art von öffentlicher Diskussion, durch die die Politik in den Bereich der Intrige und der Ränkespinnerei verwiesen wird. Denn dadurch könnten wir Burgenländer, für die es ... handfeste Probleme zu lösen gibt, wirklich nichts gewinnen".

BF 2.1.1986,S.2


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