Für die ÖVP begann 1976 eine intensive Personaldiskussion um die Nachfolge von Franz Soronics. Die vom politischen Gegner als "Jungtürken" bezeichneten jungen Abgeordneten Dr.Sauerzopf, Dr.Widder und Dr. Rauchwarter drängten auf mehr Einfluss, zumal Umfragergebnisse für Soronics nicht sehr gut aussahen. Soronics ging daraufhin in die Offensive und griff die "brutale Machtpolitik" und "Selbstherrlichkeit" Kerys an.

Einer der "Jungtürken" aber, der Abgeordnete Rauchwarter, wurde seinerseits zuerst von den Sozialisten, dann auch von überregionalen Zeitungen, heftig angegriffen. Man warf ihm vor, seinen politischen Einfluss auch für geschäftliche Interessen zu missbrauchen und ein großes Wirtschafts- und Zeitungsimperium aufzubauen. Die Angriffe - zum Teil auch von Wirtschaftstreibenden aus der eigenen Partei - sollten nicht wieder verstummen und schließlich in den großen WBO - Skandal rund um Rauchwarter einmünden.

Im Jahre 1978 wurde - als Folge der schweren ÖVP-Niederlage bei der Landtagswahl - die Frage nach dem Rücktritt von Franz Soronics wieder akut. In der ÖVP drängte eine ganze Riege von jungen, sehr agilen ÖVP-Politikern nach, die auch Soronics und seine wenig aktive Politik für die Niederlage verantwortlich machten. Am 20.März 1978 fand in Wien eine Besprechung zwischen Soronics, Robert Graf, Polster, Grohotolsky und Wiesler statt, in der aber in der Nachfolgefrage zunächst noch keine Lösung gefunden werden konnte. Im April 1978 kam es schließlich zu einer Vorentscheidung: der ÖVP-Landesparteivorstand legte sich auf Dr.Franz (Ferry) Sauerzopf als Nachfolger von Soronics fest.

Die Diskussion um eine neue Verfassung kam erst wieder in Gang, nachdem in der ÖVP entscheidende personelle Veränderungen stattgefunden hatten. Am ÖVP - Landesparteitag am 27.Mai 1978 legte Soronics seine Funktion als Landesparteiobmann zurück. Sein Nachfolger wurde Dr.Franz Sauerzopf, der neue Parteisekretär Dr. Widder. Sauerzopf sollte Soronics bald auch als Landeshauptmannstellvertreter folgen. Diese neue Parteiführung schloss mit den Sozialisten am 24.Oktober 1978 eine Vereinbarung ab: Erhöhung der Zahl der Regierungsmitglieder von 6 auf 7, 36 Mandate im Landtag, vier Wahlkreise, zwei Ermittlungsverfahren, Grundmandat bei 5 % der Stimmen. Ein Kontrollausschuss, dem ein Kontrollamt unterstehen sollte, wurden beschlossen. Einem Drittel der Abgeordneten wurde das Recht zugestanden, ein Gesetz beim Verfassungsgerichtshof anzufechten. Die neue Verfassung sollte frühestens im Oktober 1982 in Kraft treten.

In einem von ÖVP und SPÖ beschickten Ausschuss, der erstmals am 31.August 1979 zusammentrat, wurde eine Gesamtreform der Verfassung vorbereitet. Es wurde ein neuer, vermittelnder Diskussionsentwurf von zwei von den Parteien ernannten Verfassungsexperten (für die SPÖ der Innsbrucker Univ. Prof. Wimmer, für die ÖVP der Univ. Doz. Dr. Helmut Widder) erarbeitet und eingebracht, der diskutiert und schließlich am 14.September 1981 beschlossen wurde. Die neue Verfassung trat aber erst einen Tag nach der Landtagswahl 1982 in Kraft. Die neue Wahlordnung sah vier Wahlkreise vor. Ebenso einigte man sich über die Schaffung eines Kontrollamtes und über die Referatsaufteilung in der Landesregierung. Daraufhin wurde die "längste und ungewöhnlichste Sitzung des Burgenländischen Landtages" nach einem Jahr geschlossen.

Die Regierungserklärung des Landeshauptmannes setzte neben dem Abschluss der Verfassungsfrage die Arbeitsplatzproblematik in den Vordergrund. Die Förderung der Gemeinden sollte die Lebensqualität heben, die Krankenhäuser wurden ausgebaut, eine Unfallstation in Frauenkirchen geplant und mit Eisenstadt und Oberschützen zwei weitere Kulturzentren vorgesehen. Auf das quantitative Wachstum sollte eine "Phase des qualitativen Wachstums" folgen (Karl Stix).

 Wieder Zusammenarbeit zwischen den Großparteien

Auf ihrem Landesparteitag in Neudörfl Ende 1978 demonstrierte die burgenländische SPÖ ihre "staatstragende" Rolle und feierte ihre vielen Erfolge. Landeshauptmann Kery sagte in seinem Referat: " Wir sind in der glücklichen Lage, auf diesem Parteitag eine beispiellose Serie von Erfolgen registrieren zu können. In allen Wahlauseinandersetzungen der letzten Zeit hat die Sozialistische Partei des Burgenlandes gesiegt. Wir sind zur bestimmenden Kraft in diesem Land geworden, - und zwar auf allen Ebenen ... Der Mensch, konkret der Burgenländer, ist das Ziel unserer Politik ... Im Leitspruch dieses Parteitages wird sie (die Situation im Land) prägnant zusammengefasst: sichere Arbeitsplätze, gesunde Wirtschaft, glückliche Familien... Wir werden noch mehr Arbeitsplätze schaffen und deren Sicherheit garantieren, wir werden die Wirtschaft weiterhin fördern, Betriebe ausbauen und neue ansiedeln. Das alles steht unter dem einen Ziel: Wie Sozialdemokraten wollen das Glück der burgenländischen Familie, wir wollen glückliche Menschen in einem glücklichen und freien Land...Wir Sozialdemokraten haben dieses Land lebenswert und liebenswert gestaltet. Wir werden in Zukunft mit allen, denen an diesem Land liegt, dafür sorgen, dass dieses neue Landesbewusstsein nicht unnötig in Frage gestellt wird. Denn diese Zukunft soll und wird lebenswert, liebenswert und sinnerfüllt sein." (Zitiert nach BF 6.12.78,S.2)

Im Dezember 1981 präsentierte die SPÖ ihr neues politisches Konzept: "Burgenland 80: Gutes bewahren - Neues gestalten". Es zeigte die bisherigen Leistungen auf, die große Vision für die Zukunft fehlte aber. Die SPÖ hatte - nach langer Zeit an der Macht - nicht mehr den Schwung und die Überzeugungskraft wie in den 70er Jahren. Anlässlich der 60 Jahre Burgenland-Feiern wurde zwar noch das neue, stolze Burgenlandbewusstsein zur Schau gestellt, die neuen Herausforderungen, die sich aus dem Umweltgedanken und aus vermehrten Anspruch des Bürgers auf Mitsprache ergaben, zu wenig beachtet. Eine neue Verfassung allein schien vielen bereits zuwenig, die Machtverhältnisse inzwischen zu starr. Noch aber konnten diese Spannungen überbrückt werden.

 

Die burgenländischen Freiheitlichen

Anders als in der ersten Republik spielten das national - freiheitliche, das "Dritte Lager", in der burgenländischen Politik zunächst eine bescheidene Rolle. Nach dem Übertritt des VdU- und dann FPÖ - Mannes Adalbert Görcz zur ÖVP übernahm der Jennersdorfer Dipl. Kfm. Richard Rezar die Führung der Partei. Rezar war auch der einzige Abgeordnete der FPÖ im Landtag. Er verlor in der Landtagswahl 1977 sein Mandat und kündigte daraufhin seinen Rücktritt an. Um seine Nachfolge bewarben sich der junge Agraringenieur Wolfgang Pelikan aus Hornstein und der Offizier Hans Bucher aus Oberwart, der 1977 bei den Gemeinderatswahlen zwei Mandate errungen hatte. Pelikan unterlag knapp, Bucher wurde Landesparteiobmann. Hinter Pelikan stand der nördliche Landesteil mit ökologisch und basis-demokratisch ausgerichteten jungen Funktionären, hinter Bucher der eher noch traditionell denkende Funktionärskreis des Südburgenlandes.

1979 wurde schließlich Dipl. Ing. Wolfgang Pelikan einstimmig zum neuen Landesparteiobmann der FPÖ Burgenland gewählt. Sein Ziel war es, die Partei für alle kritischen Menschen zu öffnen.

Volksabstimmung über Zwentendorf

Rundfunkansprache Landeshauptmann Kerys im Oktober 1978, vor der Volksabstimmung" Es geht bei der Volksabstimmung am 5.November um die Sicherung des Fortschrittes, um den wir alle so sehr gekämpft und für den wir Burgenländer besonders hart gearbeitet haben. Ich bin Vater und Großvater und wünsche für meine Kinder und Enkel eine gesicherte Zukunft. Deshalb bin ich für den Fortschritt, deshalb bin ich für die Inbetriebnahme von Zwentendorf., und ich bin überzeugt: Sie sind es auch! ...Wir haben zu den alten Energiequellen, über deren Begrenztheit wir Bescheid wissen, nur eine neue und rentable zur Verfügung - jene, die aus den Kernkraftwerken kommt. Dürfen wir überhaupt darauf verzichten und alles bisher Erreichte, den bescheidenen Wohlstand, die große politische Stabilität, und unsere Zukunft und die Zukunft unserer Kinder in Frage stellen, nur weil wir einem unbegründeten Irrationalismus nachgeben sollten? " (BF 11.10.1978,S.2)

 Die Volksabstimmung brachte dann österreichweit mit knapper Mehrheit eine Ablehnung: 49,53 % "ja" - 50,47 % "nein". Das burgenländische Ergebnis sah ganz anders aus: 59,81 % "ja", 40,19 % "nein". Die Enttäuschung der Sozialisten war groß, im Burgenland aber verwies man auf das "gute" Ergebnis. Minister Sinowatz zog den Schluss: "Das zeigt, dass die Mehrheit der Burgenländer das ernst nimmt, was die SPÖ ihnen empfohlen hat" - eine Aussage, die viele Burgenländer, die mit "ja" gestimmt hatten, verärgerte."Wir erstellen jetzt kein neues Programm, sondern stimmen die bewährten Grundsätze im Hinblick auf die gegenwärtigen und sich abzeichnenden Gegebenheiten ab. Der Grund dafür liegt in erster Linie darin, dass wir das Ziel unseres letzten großen Programms aus dem Jahre 1963 faktisch erreicht haben: den Anschluss an die anderen Bundesländer in allen Bereichen.Ohne Frage werden wir den Ausbau des Landes unvermindert weitertreiben. Wir stehen aber jetzt vor neuen Strukturproblemen, neue Technologien kommen und gleichzeitig ändern sich die Wertvorstellungen der Menschen: nicht nur mehr materieller Wohlstand, sondern auch Wohlbefinden, Geborgenheit, mehr Raum für die Entfaltung der Persönlichkeit, vielfältige Möglichkeiten einer Freizeitgestaltung sind gesucht - eben 'Qualität des Lebens'...Wir bereiten uns gründlich darauf vor - auch mit einem neuen Programm." (BF 11.2.1981,S.5)

Nationalratswahl 1979

Österreichweit erreichte die SPÖ wieder die absolute Mehrheit, ja sie konnte diese sogar noch ausbauen. Die FPÖ gewann ebenfalls ein Mandat dazu. Im Burgenland war das Wahlergebnis für die Sozialisten besonders gut, vor allem in den kleinen Gemeinden, in den Agrargemeinden und bei der Jugend.

Ergebnis im Burgenland: SPÖ 52,95 %, ÖVP 43,93 %, FPÖ 2,74 %.

Die burgenländischen Sozialisten sahen in diesem Ergebnis einen Beweis dafür, dass sich das Schwergewicht endgültig und bleibend zugunsten der SPÖ verschoben hätte.

Wirtschaftskrise und Budgetprobleme

Vermehrte Sorgen bereitete die Wirtschaftskrise, die auch das Burgenland erfasste und das Land zwang , die "Expansionsbudgets", die das Land beträchtlich verschuldet hatten, einzuschränken. Im Winter 1981/82 stieg die Arbeitslosigkeit erstmals wieder nach langer Zeit rapide an. Auch das Burgenland überrollte eine Welle der Betriebsschließungen, die Baukonjunktur war auf einem Tiefststand. Allerdings gelang es auch, einige neue Betriebe ins Land zu holen, mit Hilfe beträchtlicher Förderungen.


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