Die Bereitschaft zum Anschluss an Österreich war auch in vielen kroatischen Gemeinden groß. Die wirtschaftlichen Beziehungen über die Leithagrenze hinweg waren ja schon lange sehr intensiv. In vielen Gemeinden des Nordburgenlandes waren bereits mehr als 50 % der Bevölkerung in Industrie und Gewerbe beschäftigt, als Wanderarbeiter und Pendler in das benachbarte Niederösterreich und nach Wien. Hier war auch in den kroatischen Gemeinden die deutsche Sprache stärker verankert.

Die politischen Strukturen der burgenländischen Kroaten wiesen schon in der Zeit der Anschlusskämpfe eine deutliche Zweiteilung auf. Diese setzte sich auch in der ersten Republik fort.

Im südlichen und mittleren Burgenland standen die überwiegend agrarisch geprägten Kroatendörfer unter dem Einfluss ihrer Pfarrer, sie waren konservativ, betont katholisch und vielfach ungarntreu und wählten zumeist christlichsozial. Der kroatische Klerus war weitgehend promagyarisch, ebenso die Intelligenz.Die Zeitung "Nase Novine" (Unsere Zeitung), die vom Klerus des mittleren Burgenlandes dominiert wurde, kämpfte entschieden gegen einen Anschluss an Österreich. Diese Kreise wandten sich aber auch im Oktober 1918 empört gegen die Zagreber Zeitung  "Obzor" (Horizont), die die westungarischen Kroaten zur Befreiung vom "ungarischen Joch" aufrief.

1918/19 gründeten kroatische Pfarrer und Lehrer im mittleren Burgenland einen "Kroatischen Volksrat", der für den Verbleib bei Ungarn (mit kroatischer Autonomie) eintrat. Einige der kroatischen Dörfer des Nordburgenlandes schlossen sich hingegen dem "Deutschen Volksrat" an. Die kroatischen Wanderarbeiterdörfer des Nordburgenlandes waren wirtschaftlich stark nach Österreich orientiert und hatten zum Teil schon sozialdemokratische Mehrheiten.

Am 10. November 1918 wurde in Mattersburg und dann in Ödenburg ein "Deutscher Volksrat für Westungarn" gegründet. Ihm schlossen sich auch zahlreiche kroatische Gemeinden an. Zwei Wochen später wurde der "Kroatische Volksrat" von einer Gruppe kroatischer Intellektueller um den Rechtsanwalt Stefan Pinezich gegründet. Dieser trat für den Verbleib bei Ungarn ein. Dem Kroatischen Volksrat schlossen sich nur wenige Gemeinden an. Dem Deutschen Volksrat gelang es, einen eigenen Gau mit eigener Gestzgebung und Verwaltung in Budapest durchzusetzen. Pinezich versuchte nun erneut, mit Hilfe der Pfarrer von Neudorf bei Parndorf, Demeter Rosenich, dem Pfarrer von Großwarasdorf, Martin Mersich d. Ä., und dem Pfarrer von Postrum. Josef Strassner, die kroatischen Gemeinden zu mobilisieren. Am 5. Jänner 1919 konstituierte sich in Kahlnhof ein "Kroatischer Volksrat". Sein Motto war Liebe zur Muttersprache und Treue zum ungarischen Vaterland. Unter anderem forderte dieser Volksrat auch Kroatischunterricht an mittleren und höheren Schulen, aber auch gute und freie wirtschaftliche Kontakte zu Österreich. Dem autonomen Gau Deutschwestungarn wollten diese Kreise nicht angehören.

Die Räteregierung wurde in vielen kroatischen Gemeinden vom Anfang an heftig abgelehnt. Als das Kirchenvermögen beschlagnahmt, die Schulen verstaatlicht und der Religionsunterricht aus den Schulen verdrängt wurden drohte offener Aufruhr. Als in den Apriltagen 1919 "Volkskommissare" in den Dörfern erschienen und "Revolutionäre Arbeiter-, Soldaten- und Bauernräte" einsetzten, kam es zur Explosion. Der Bezirkskommissar von Oberpullendorf, Geza Varádi, wollte am 6. April in Nikitsch eine Versammlung abhalten. Er wurde von den Bauern angegriffen und blutig geschlagen, ebenso die begleitenden Gendarmen. Daraufhin besetzte eine Abteilung der "Roten Garden" den Ort, verhaftete einige Bewohner und brachte sie nach Ödenburg ins Gefängnis. Die Nikitscher und eine Schar aus Kroatisch Minihof griffen zu den Waffen und überfielen die im Dorf gebliebenen Roten Garden. Während des Gefechts wurden zwei Menschen getötet. Ein verstärkter Truppeneinsatz schlug den Aufruhr nieder. Der Kommissar Deszider Entzbruder ließ Geiseln ausheben und den Pfarrer des Dorfes, Anton Szemeliker, verhaften. In Ödenburg wurde in aller Eile ein Standgericht zusammengestellt, der Pfarrer zum Tode verurteilt und erschossen. Diese Vorfälle belasteten in der Folgezeit nicht nur bei den Kroaten das Verhältnis zwischen den Sozialdemokraten, die ja Koalitionspartner der Kommunisten waren, und Christlichsozialen schwer. Die zahlreichen Requirierungen von Vieh und Lebensmittel durch "Produktionskommissare", oft gewaltsam, unter Einsatz von Militär durchgeführt, brachten die Bevölkerung immer mehr auf. Im Juni, als in Westungarn gegenrevolutionäre Erhebungen entstanden, waren die Kroaten des mittleren Burgenlandes wieder stark beteiligt. Obwohl der "Autonome Gau Deutschwestungarn" viele minderheitenfreundliche Maßnahmen setzte war der Hass auf "die Roten" groß. Nach der Niederschlagung der Räteregierung setzte der "weiße Terror" ein, nicht nur gegen die "Linken", sondern auch gegen die Österreichfreunde. Unter denen, die fliehen mussten, waren auch viele Kroaten, die im benachbarten Niederösterreich Zuflucht fanden.

Während der Friedensverhandlungen in Paris verlangte der tschechoslowakische Außenminister Edvard Benesch einen "slawischen Korridor" über Westungarn. Dieser Plan war schon lange vor dem Krieg diskutiert worden. Ein Hauptargument waren die kroatischen Siedlungsinseln in Westungarn. Vor allem Italien, später auch Großbritannien und die USA, lehnten diese Forderung jedoch ab. Die burgenländischen Kroaten wussten davon nichts und lehnten später, als sie davon erfuhren, den Korridorplan ausnahmslos ab. Im Staatsvertrag von St. Germain waren noch Minderheitenschutzbestimmungen enthalten, vor allem der Gebrauch der Muttersprache wurde zugesichert. Allgemein gehaltene Formulierungen wie etwa "verhältnismäßig beträchtliche Zahl" an Angehörigen der Minderheit und "angemessene Erleichterungen" im Schulwesen sorgten aber bald für Diskussionen und waren in der Konsequenz der Minderheit nicht sehr förderlich.

In der Frage des Anschlusses an Österreich trat der überwiegende Teil der kroatischen Wortführer, vor allem aber der Klerus, für Ungarn ein. Hauptargumente waren , dass Ungarn nun, nach dem Scheitern der Revolution, wieder ein Staat "auf christlicher Grundlage" war, während Österreich, das vielen Kommunisten Zuflucht gewährt hatte, als "Halbbolschewistisch" gesehen wurde. Ferner waren in Ungarn die Schulen in der Hand der Kirchen, in Österreich aber standen sie unter staatlicher Aufsicht. In den Dorfschulen sah man aber die Basis des Kroatentums. Die Pfarrer waren zu ungarischen Patrioten erzogen worden, die beiden Bischöfe Anton Fetser in Raab und Graf Johann Mikes in Steinamanger traten vehement für den Verbleib bei Ungarn ein. Der kroatische Klerus, an der Spitze Martin Mersich d. Ä., kämpfte mit allen Mitteln in Versammlungen, Predigten Schriften in oft sehr polemischer Form gegen den Marxismus und gegen das Judentum. Zugleich versuchten diese Kreise aber auch, ihr Volkstum in Ungarn abzusichern. 1920 gründete Mersich in Ödenburg den "Hrvatsko kulturno drustvo" (HKD. Kroatischer Kulturverein). Am 28. April 1921 fand die konstituierende Versammlung statt. Mersich wurde zum Vorsitzenden gewählt. Johann Dobrovich, Stefan Pinezich und der Stinazer Pfarrer Peter Jandrisevits waren die führenden Persönlichkeiten. Die ungarischen Behörden erkannten den HKD als Vertretung der Kroaten an. Der HKD richtete ein Memorandum an die Entente, das den Verbleib der Kroaten bei Ungarn erbat. Dieses Memorandum hatte zur Folge, dass im Frühjahr 1922 die interalliierte Grenzbestimmungskommission in umstrittenen Gebieten die kroatischen Dörfern Ungarn zusprach, etwa Bleigraben bei Güns, Groß- und Kleinnahring, Ober- und Unterschilding Kroatisch Schützen und Prostrum. Insgesamt blieben etwa 10 000 Kroaten bei Ungarn, was die die Volksgruppe im Burgenland deutlich schwächte.

Die österreichische Verwaltung gestand den Kroaten zwei Vertreter in der Verwaltungsstelle für das Burgenland in beratender Funktion zu: Matthias Jurassovich aus Klingenbach und Josef Vukovits aus Stegersbach. Im Ödenburger Heimatdienst arbeiteten Jurassovich, Vukovits, der Priester Johann Csukovich und die Lehrer Thomas Bedenik und Koloman Tomsich mit. Der Heimatdienst gab eine eigene kroatische Wochenzeitung "Novi Glasi" (Neue Stimmen) heraus. Sie erschien bis Juni 1922 und galt als proösterreichisches Sprachrohr.

Nach vollzogenem Anschluss gründete Martin Mersich d. Ä. eine "Christlich - kroatische Bauernpartei". Unterstützt wurde er von einem Emigranten aus Jugoslawien, den dort steckbrieflich gesuchten Wilhelm Stipetic. Die erste vorbereitende Sitzung wurde von der Gendarmerie aufgelöst, da die Behörden befürchteten, diese würden die Grenzregulierungskommission zu Gunsten von Ungarn beeinflussen. Weder Mersich noch Stipetic fanden in der Bevölkerung Rückhalt. Die Partei  benannte sich in Kroatisch - christlichsoziale Partei um. Da ein Wahlerfolg nicht zu erwarten war wurden Gespräche mit der Christlichsozialen Partei aufgenommen. Bei den Verhandlungen kam man aber zu keinem Ergebnis. Vor allem Stipetic wollten die Christlichsozialen nicht kandidieren.  Ein kroatischer Kandidat wurde schließlich der Zagersdorfer Pferdehändler Franz Bauer. Ein Erfolg war die Gründung der "Christlich-kroatischen Zeitung" mit Unterstützung der Wiener Reichspost. Redakteur war der Kittseer Kaplan Ignac Horvat. Die Zeitung wurde aber schon nach vier Nummern eingestellt. Eine zweite Gruppe bildete sich um den früheren Vertreter im Heimatdienst, Johann Csukovich. Sie stand ebenfalls den Christlichsozialen nahe. Sie forderte einen kroatischen Lehrstuhl an der Lehrerbildungsanstalt in Oberschützen und Kroatisch sprechende Beamte in den Gemeinden, aber auch in den Bezirks- und Landesämtern. Csukovits, inzwischen Pfarrer in Neufeld, versuchte eine eigene "Burgenländisch-kroatische Partei" und einen eigenen Kulturverein zu gründen, hatte aber keinen Erfolg.

Sehr interessant ist das Verhältnis der Kroaten zur Großdeutschen Volkspartei. Deren Führer Dr. Alfred Walheim führte mit Vertretern der Kroaten ausführliche Gespräche und kam zu einer weitgehenden Einigung. Walheim war zu großen Zugeständnissen bereit. Er stieß dabei aber in der Reichsparteileitung seiner eigenen Partei auf Widerstand. Als sich zeigte, dass die Kroaten keine eigene Partei bildeten, wurde erneut der Versuch unternommen, die Kroaten zumindest teilweise für die Großdeutschen zu gewinnen. Jurassovits, der Verhandlungsführer der Kroaten, sollte als Ersatzmann für die Verwaltungsstelle aufgestellt werden. Dieses Angebot wurde allerdings als zu gering erachtet und schließlich die Verhandlungen abgebrochen. Dr. Walheim genoss aber in der kroatischen Volksgruppe auch weiterhin großes Ansehen und Vertrauen und viele Kroaten standen der großdeutschen Idee durchaus positiv gegenüber.

1923 entschloss sich Martin Mersich, in der Landtagswahl die Kroatenpartei wieder zu unterstützen. Treibende Kraft war aber nicht mehr er, sondern eine Gruppe junger kroatischer Intellektueller in Wien. Dort hatten der Jurist Lorenz Karall, der Kunststudent Rudolf Klaudus und der Medizinstudent Matthias Ferschin Ende 1922 die Zeitung "Hrvatske Novine" (Kroatische Zeitung) gegründet. Koloman Tomsich schloss sich an. Man wollte die Gegensätze in der Volksgruppe überwinden. Finanziert wurde die Gruppe von der jugoslawischen Botschaft in Wien. Das war der Grund, warum die staatlichen Stellen äußerst misstrauisch waren. Erst langsam gelang es, die Zweifel an der Staatstreue zu zerstreuen. Innerhalb der Gruppe kam es aber zu Differenzen, da der Sozialdemokrat Tomsich die Annäherung an die katholisch-klerikale Seite nicht mehr mitmachen wollte. Er gründete im Mai 1923 die Zeitung "Nas glas" (Unsere Stimme). die der "Burgenländischen Freiheit" der Sozialkdemokraten entsprach. Die beiden Zeitungen bekämpften sich bald äußerst gehässig. Die vor der Landtagswahl 1923 gegründete "Kroatische Partei" (Hrvatska stranka) nahm in Anspruch, über den Lagern zu stehen, war aber vom Anfang an, schon bei der Gründungsversammlung am 13, September 1923 in Unterpullendorf, eine Partei der Priester, Lehrer und Bauern. Sowohl Sozialdemokraten wie Christlichsoziale wandten sich gegen diese Neugründung. Die Partei erhielt nur 2 454 Stimmen und war damit weit von einem Mandat entfernt. Im Wahlkreis Eisenstadt - Neusiedl mit vielen großen Kroatengemeinden bekam sie nur 129 Stimmen. Kroatische Mandatare gelangten über die beiden Großparteien in den Landtag: für die Christlichsozialen Peter Jandrisevits und Martin Millesich, für die Sozialdemokraten Koloman Tomsich und Anton Probst, ab 1925 auch Karl Zlatarits, ein Bergarbeiter aus Rauhriegel. Die "Kroatenpartei" verhandelte nunmehr mit den Christlichsozialen über einen Anschluss. Karall wurde ein sicherer Listenplatz eingeräumt. Im Landtag von 1927 saßen Lorenz Karall und Johann Kruesz aus Zillingtal. Anton Probst wurde in den Nationalrat gewählt. 1930 zog der Siegendorfer Bauarbeiter Stefan Springschitz in den Landtag ein. Karall machte rasch Karriere. Er wurde der Schwiegersohn des Landeshauptmannes Anton Schreiner und wurde erst 35jährig Landesrat. Bis 1934 blieb er in der Landesregierung.

Im Jahre 1922 wurde die Schulfrage akut. Obwohl Sozialdemokraten, Großdeutsche und Landbund die Abschaffung der konfessionellen Schulen verlangten und im Landtag dafür auch eine Mehrheit fanden blieben diese bis 1938 mit Holfe der Bundesregierung erhalten. Das Schulwesen stand auch weiterhin unter dem Einfluss der katholischen Kirche. Von den 64 kroatischen Ortschaften hatten nur 6 staatliche Schulen. An der Spitze des Schulstuhles stand der jeweilige Pfarrer, die übrigen Mitglieder wurden von der Kultusgemeinde gewählt, meist auf Vorschlag des Pfarrers und diesem treu ergeben. Ziel war die "christliche Erziehung der Jugend und die Erhaltung der kroatischen Muttersprache.  Im Zusammenhang mit den heftigen Auseinandersetzungen um die konfessionellen Schulen wurde auch das Problem der Minderheitenschulen diskutiert. Landesrat Walheim als zuständiger Schulreferent führte Gespräche mit Kroatenvertretern. Das Ergebnis wurde von einem kroatischen Lehrer in einer Denkschrift zusammengefasst. Sie sah eine Gliederung der Minderheitengemeinden  in drei Gruppen vor. In der ersten Gruppe - mit einem Anteil der deutschsprachigen Bevölkerung über 50 % - wurde Deutsch als Unterrichtssprache vorgeschlagen. In einer zweiten Gruppe -  bei Anteilen der deutschsprachigen Bevölkerung zwischen 10 und 30 % - sollte die Unterrichtssprache freigestellt sein, und in einer dritten Gruppe von nahezu rein kroatischsprachigen Gemeinden mit einem deutschen Anteil von nicht mehr als 5 bis 10 % sollte Kroatisch Unterrichtssprache sein. Prinzipiell sollte die Unterrichtssprache nach freier Entscheidung des Ortsschulrates gewählt werden. Gegen diese Denkschrift erschien ein Gegenbericht eines kroatischen Pfarrers, in dem die deutschfreundliche Haltung der Denkschrift scharf kritisiert wurde. Die kroatische Sprache würde auf diese Weise verdrängt. Walheim übermittelte beide Berichte der Großdeutschen Volkspartei in Wien und versuchte, eine Lösung zu finden, wobei er sich auch für Lehrpläne anderer Minderheitenschulen, etwa die der Tschechen in Wien, interessierte. Er war jedenfalls um eine Lösung ehrlich bemüht. Nachdem aber die Schulproblematik nicht gelöst werden konnte blieb auch dieses Detailproblem ohne Lösung. Es gab in der Zwischenkriegszeit schulen, in denen in den beiden ersten Schulstufen nur kroatisch und ab der dritten Schustufe wöchentlich 5 Stunden deutsch unterrichtet wurde, es gab Schulen, in denen durchwegs gemischtsprachig und solche, in denen in den ersten zwei Schulstufen kroatisch, dann aber unter starker Betonung des Deutschunterrichtes unterrichtet wurde. Konflikte entstanden zwischen den beiden parallelen Schulbehörden, der der Landesregierung und der der apostolischen Administratur. Noch schwerwiegender war aber die gespaltene Einstellung der Bevölkerung. Im Norden des Landes wurde ein verstärkter Unterricht in der deutschen Sprache gefordert. Der Landesschulinspektor stellte 1926/27 fest: "Wenn es auf das Volk allein ankäme, würde in vielen Schulen sofort die deutsche Unterrichtssprache eingeführt werden. Leider haben lokale Schulstühle, also wenige Männer, die aber nationalistisch gesinnt sind, über die Unterrichtssprache zu entscheiden". (nach Schlag, in Geosits, S.193). Hinter dem Schulstreit stand also eine Art Kulturkampf. 1924 wandelten sozialdemokratisch dominierte Gemeinden ihre konfessionellen Schulen in Gemeindeschulen um, darunter auch die kroatischen Dörfer Siegendorf, Trausdorf, Oslip und Zillingtal. Dort wurde der Deutschunterricht erweitert und deutsche Lehrer eingestellt. Auch in einigen Orten des Südburgenlandes verlangte die Bevölkerung die Anstellung deutscher Lehrer, etwa in Schandorf, Zuberbach, Weiden, Podgoria, Schachendorf und Dürnbach. In Kittsee, Gattendorf, Podgoria, Rumprsdorf. Hackerberg und St. Kathrein wurden "deutsche Schulen" eröffnet. Anfangs fehlte es auch an kroatischen Lehrern. Schließlich wurde aber an den Lehrerbildungsanstalten die Möglichkeit zur Ausbildung für den Kroatischunterricht geschaffen (siehe unten). Ein Kroatisch unterricht an den Haupt- und den höheren Schulen scheiterte oft an der mangelnden Bereitschaft der Schüler und Eltern. Der Versuch, Kroatisch dort als Pflichtgegenstand einzuführen, fand aber auch im Landtag keine Mehrheit.

1926 griff Martin Mersich den alten Plan, einen kroatischen Kulturverein als Vertretung aller Kroaten zu gründen, wieder auf. Nach vorbereitenden Besprechungen in Kroatisch Minihof und Wulkaprodersdorf wurden schließlich in Growarasdorf die Statuten beschlossen. Mersich war da aber nicht mehr dabei. Der Konkurs seines Großwarasdorfer Sparvereins und andere Vorfälle bzw. Gerüchte hatten zum Verfall seines Ansehens geführt. Dechant Anton Grubich, Pfarrer in Nikitsch, übernahm die Vereinsgründung. Am 8. August 1929 wurde schließlich in Wulkaprodersdorf der HKD, der "kroatische Kulturverein im Burgenland", gegründet. Vorsitzender wurde Johann Dobrovich, Schulleiter in Kroatisch Minihof. Die Sozialdemokratie begrüßte die Gründung, war aber skeptisch in Bezug auf die überparteiliche Ausrichtung, da nahezu ausschließlich Pfarrer und Lehrer in den Gremien saßen, für die Kroatentum und Katholizismus eine nicht zu trennende Einheit bildeten. Schon 1922 war auch in Wien ein Kroatenverein entstanden, der großen Zuspruch fand. Auch dieser Verein zerfiel aber 1927/28 wegen parteipolitischer Spannungen. 1930 wurde erneut ein Verein gegründet, der aber wenig Erfolg hatte. Martin Mersich erreichte, dass Kardinal Innitzer 1933 einen Seelsorger für die Kroaten in Wien bestellte. Es war dies der Spiritual Johann Herczeg, ein Kroate aus Güttenbach. 1934 wurde schließlich anlässlich des Jubiläums "400 Jahre burgenländische Kroaten"  von der Studentenverbindung "Kolo" initiiert der "Kroatisch - burgenländische Kulturverein in Wien" gegründet. Obmann war Karl Kruez. Dieser Verein war nicht nur ein geistiges sondern auch ein gesellschaftliches Zentrum.

Der burgenländischen Politik in der 1. Republik werden gelegentlich  "diffizile  Assimilationsformen" vorgeworfen, gefördert durch die Unterordnung der Volksgruppenfrage unter die Parteipolitik. Die Kirchen hingegen und die konfessionellen Schulen hätten die stärksten Integrationskräfte der Volksgruppe gebildet. Den Verlusten des kroatischen Volkstums hätten daneben Vereine und Publikationen entgegen gewirkt. In 21 Pfarren der Apostolischen Administratur wurde nur kroatisch gepredigt, in 20 weiteren deutsch und kroatisch, in zwei kroatisch und magyarisch und in drei Pfarren deutsch, kroatisch und magyarisch. Kroatische Wochenzeitungen waren Hrvatske Novine, Nas Glas und Male Crikvene. Mit Hrvatska Stranka wurde auch eine kroatische Partei gegründet.

Die Kontakte zu Jugoslawien bewegten sich auf persönlicher Ebene. Versuche, die burgenländischen Kroaten nationalistisch zu vereinnahmen, wurden zurückgewiesen. 1932 wurde im Rahmen der "Matica Hrvatska" ein "Verein der Freunde der burgenländischen Kroaten" in Zagreb gegründet. Im Burgenland wurden die Verbindungen zu Kroatien von Ignaz Horvat verstärkt, um die "verlorenen" Volkstänze, die Nationaltracht, Volksinstrumente und Volkskunst wieder zu beleben. So wurde die die bis dahin unbekannte "Tamburizza" bei den burgenländischen Kroaten eingeführt. Diese Bemühungen waren die Basis für das Aufblühen der kroatischen Folklore nach dem Zweiten Weltkrieg, 1933 wurde der Verein der Freunde ..." aus Geldmangel eingestellt. Die katholische Kirche pflegte die Verbindung aber auch weiterhin.

Die "roten" Kroatengemeinden im Nordburgenlandwaren schon früh Hochburgen des Schutzbundes. Der Bezirksführer Mattersburg, Thomas Presich, und der Landesleiter nach 1931, Koloman Tomsich, waren Kroaten. In den "schwarzen" Gemeinden hingegen fanden Frontkämpfer und dann die Heimwehr großen Zulauf. In den kroatischen Gemeinden lag der Organisationsgrad wesentlich höher als in den deutschen Gemeinden - sowohl im Schutzbund wie auch in der Heimwehr.

Der Schritt von Bundeskanzler Dollfuß zur autoritären Regierung wurde von Karall unterstützt. Er war Mitglied der christlichsozialen Bundesparteiführung. Auch Hrvatske Novine begrüßte den Schritt. Kroatisch - konservative, stark von der katholischen Kirche geprägte Kreise unterstützten also die Vaterländische Front, trotz deren massivem Bekenntnis zum Deutschtum.Nach dem Februaraufstand der Sozialdemokratie wurde Tomsich verhaftet. 1934 schloss sich auch der Kroatische Kulturverein in einem Manifest dem neuen politischen Kurs an. Dollfuß versprach, die Rechte der Kroaten immer zu achten. In der neuen Landesverfassung von 1934 wurde im Artikel 9 die Berücksichtigung der sprachlichen Minderheiten im Landtag festgelegt. Vier Kroaten saßen im neuen Landtag. Lorenz Karall wurde Landesstatthalter, legte dieses Amt aber bald zurück, da er in den Staatsrat nach Wien berufen wurde. Als kroatischer Schulinspektor wurde Rudolf Klaudusz, Hauptschullehrer in Deutschkreutz, eingesetzt und seine Kompetenz auch auf die konfessionellen Schulen ausgedehnt. Im neuen Schulgesetz wurde die Unterrichtssprache so geregelt, dass in Gemeinden mit über 70 % Kroaten kroatisch, in Gemeinden mit 30 bis 70 % Kroaten gemischt und in Gemeinden mit unter 30 % Kroaten deutsch unterrichtet wurde. In 16 Orten musste die kroatische Unterrichtssprache eingeführt werden, wogegen einige Gemeinden protestierten. Die für die Kroaten vielfach günstigen Maßnahmen der Regierung machte viele von ihnen zu Unterstützern des Ständestaates.

Dem Nationalsozialismus standen die kroatisch - konservativen  Kreise sehr skeptisch bis ablehnend gegenüber, mit ähnlichen Argumenten wie gegenüber der Sozialdemokratie. So schrieb im Jänner 1938 die Hrvatske Novine: "Kroaten, seiet vernünftig! In dieser neuesten Zeit trachtet in Gestalt eines nationalsozialistischen Agitators ein neuer Feind sich in unsere Reihen, in unsere Dörfer einzuschleichen, der unsere Jugend verwirren und zu unüberlegten, gegen das Vaterland gerichteten Taten bringen will. Verjagen wir ihn, bevor er sich unter uns festsetzen kann!" (zitiert nach Mullay, Klaus-Dieter, Zur "Eindeutschung" des Burgenlandes. In: Burgenland 1945. Eisenstadt 1985, S. 140).

Im Zuge der Wirtschaftskrise und der hohen Arbeitslosigkeit nahmen aber auch in den kroatischen Gemeinden die Zahlen der Anhänger der illegalen NSDAP zu. In den früher sozialdemokratischen Gemeinden des Nordens  waren natürlich auch viele Menschen wegen der Ereignisse im Feber 1934 verbittert und wandten sich den Nationalsozialisten zu. Ein prominentes Beispiel war Koloman Tomsich.

 

Der Kurswechsel der katholischen Kirche hin zum Versuch einer Koexistenz mit dem Nationalsozialismus beeinflusste auch die burgenländischen Kroaten, die "in einer wahren Euphorie zu Hitler entbrannten". (Klucsarits Richard, Die burgenländischen Kroaten im Jahre 1938. In: Zeitgeschichte, 4. Jahrgang, Heft 9/10, S.332). Der Anschluss an Deutschland löste auch in den kroatischen Gemeinden große Euphorie aus. Der damalige Obmann des Kroatischen Kulturvereines, Dr. Lorenz Karall, empfahl, in der Volksabstimmung mit "Ja" zu stimmen und verband damit die Hoffnung einer Absicherung der Volksgruppenrechte.  Der Kroatische Kulturverein versprach "Treue und Loyalität". Das Ergebnis der Abstimmung war in den kroatischen Gemeinden genau so eindeutig für den Anschluss an das Dritte Reich wie in den deutschen Gemeinden. Gauleiter Portschy versprach den Minderheiten die Beachtung aller kulturellen Rechte. Karall wurde nicht nur von Verfolgung verschont, er wurde sogar im Auftrag des Reiches zu einem Nationalitätenkongress nach Stockholm geschickt. Im Kulturverein kam es erst zu Veränderungen, als eine Gruppe von nationalsozialistisch gesinnten Akademikern und Studenten unter dem Großwarasdorfer Demeter Linzer gegen die klerikale Dominanz protestierte. Die Eingriffe hielten sich jedoch in Grenzen. Vorsitzender wurde der aus Dürnbach stammende Jusstudent Alois Bilisics, der schon lange illegales Parteimitglied und Freund Portschys war. Weiterhin großen Einfluss hatten Karall und Pfarrer Horvat.

Am 24. August 1938 wurde in Eisenstadt eine Volkstumsstelle eingerichtet.  Ihr Leiter war Paul Eitler, der Kroaten - Sachbearbeiter Franz Czizmazia.  Sie wirkten positiv für die kroatische Volksgruppe, etwa durch die Erhaltung des Kulturvereines nach der Aufteilung des Burgenlandes. 1941 traten sie gegen eine geplante "Rücksiedlung" von burgenländischen Kroaten nach Kroatien ein.

Im Kroatischen Kulturverein wurde also ein illegaler Nationalsozialist als Obmann eingesetzt. Unter den Kroaten gab es zahlreiche illegale Parteigenossen. Kroatische Beamte und Lehrer, die als entschiedene Gegner des Nationalsozialismus bekannt waren, wurden versetzt, Da es einen Mangel an zweisprachigen Lehrern gab  wurde von der Volkstumsstelle angeregt, an der Lehrerbildungsanstalt Kroatisch und Magyarisch für Lehrer mit deutscher Volkstumszugehörigkeit unterrichten zu lassen, mit dem Ziel der raschen Eindeutschung. Gauleiter Portschy schätzte im Nobember 1938, dass sich 25 - 50 % der Kroaten einwandfrei für das Deutschtum und die Partei entscheiden würden, "so dass wir in etwa zwei Jahren nicht 42 000 sondern 25 000 bis 30 000 volksbewusste Kroaten hätten".

Die Haltung der Reichsbehörden und auch der Parteistellen zu den burgenländischen Kroaten war uneinheitlich. Sie reichte von möglichst wenig Störungen im "natürlichen Assimilationsprozess" bis zu verstärkten Eindeutschungsbemühungen. Ein Referent beim "Reichskommissar für die Festigung des Deutschen Volkstums" sprach von einer Umsiedlung ins Innere des Reiches oder in den "Unabhängigen Staat Kroatien". Derartige Äußerungen, die die Bevölkerung stark beunruhigten, riefen aber sofort den heftigen Protest der einheimischen Nationalsozialisten hervor, die auf den hohen Anteil an kroatischen Parteigenossen schon in der Illegalität verwiesen. Dass im Falle eines deutschen Sieges im Weltkrieg eine Umsiedlung erfolgt wäre wird zwar immer wieder vermutet, kann sich aber auf keinerlei konkrete Pläne stützen.

Das Verhältnis zwischen vielen Kroaten und der Partei verschlechterte sich aber zusehends, etwa infolge der Auflösung der konfessionellen Schulen. In vielen Gemeinden wurde durch Unterschriftenaktionen die verstärkte Einführung des Deutschunterrichtes gefordert. Die Schulbehörde ordnete Befragungen an, die in 35 von 46 Gemeinden durchgeführt wurden. Etwa 70 % der Eltern erklärten sich für den Unterricht in deutscher Sprache und nur 8 % für die kroatische Unterrichtssprache. Auswirkungen hatten natürlich auch die Strafversetzungen von "politisch unzuverlässigen" Lehrern. Der Posten des kroatischen Schulinspektors wurde abgeschafft. Rudolf Klaudusz wurde, da er ein hoher Funktionär der Frontmiliz im Ständestaat war,in Schutzhaft genommen und dann aus dem Schuldienst entlassen. Auch die Abschaffung vieler katholischer Organisationen wirkte sich aus. Im September 1939 wurde die "Kleine Kirchen- und Schulzeitung", mit 3000 Exemplaren auflagenstärkste kroatische Zeitung, eingestellt. Eine zunehmende passive Resistenz vor allem der Bauern in den kroatischen Dörfern war die Folge all dieser Maßnahmen. Der Widerstand oder besser die mangelde Begeisterung wurde von der Volkstumsstelle vor allem auf das Wirken der Geistlichkeit zurückgeführt.  Der Kulturverein verfasste eine Denkschrift, in der er die Mindestforderungen der kroatischen Volksgruppe formulierte, unter anderem sollten in kroatischen Gemeinden nur Kroaten Bürgermeister und Oretsbauernführer sein., der Amtmann sollte zumindest die kroatische Sprache beherrschen. In den Volksschulen sollten  wieder wie 1937 ausschließlich kroatische Lehrer eingesetzt werden, die Versetzungen sollten rückgängig gemacht werden. Die Verbindungen zu Kroatien sollten gefördert werden. Die aufgelösten Burschen- und Mädchenvereine sollten wieder zugelassen werden. Die Stellungnahme des Reichsministeriums des Inneren sah - abgesehen von der Jugenderziehung - ein großes Entgegenkommen vor. Dem Kulturverein wurde sogar die "alleinige Verhandlungskompetenz" in Kroatenfragen zugestanden, auch dann noch, als Bilisics zur Wehrmacht eingezogen wurde und mit Josef Leibezeit und Karl Kruesz zwei Personen an die Spitze des Vereines traten, deren "Distanz zur NS - Bewegung bekannt" war. Die Zeitschrift Hrvatske Novine konnte weiterhin erscheinen, wenn auch mit Vorzensur. 1942 wurde auch diese Zeitung aus "Papiermangel" eingestellt. Viele Mitarbeiter waren außerdem inzwischen zur Wehrmacht eingezogen worden. Ähnlich erging es dem Kroatischen Kalender. Einige kroatische Geistliche hatten Verfolgung zu erdulden, bekamen Predigtverbot oder wurden versetzt. Pfarrer Matthias Semeliker kam in das Konzentrationslager Dachau.

Von 1934 bis 1939 nahm die Zahl jener, die sich als Kroaten bekannten, von 40 500 (13,5 % der Bevölkerung) auf 35 482 (13 %) ab. Dieser Trend setzte sich auch während der NS - Zeit fort. Ein Bericht des Sicherheitsdienstes aus dem Jahre 1943 stellte fest, dass "sie im Begriff waren, Deutsche zu werden", 1951 wurden dann nur mehr 12,4 % Kroaten gezählt. 1941 tauchte ein Plan zur "Rücksiedlung" der Kroaten in die "alte Heimat" auf. Er entstand in Kreisen der Führung des neuen "Unabhängigen Staates Kroatien". Dieser Plan wurde von der Volkstumsstelle sofort vehement abgelehnt, auch unter Hinweis auf die vielen "Illegalen", auf das Abstimmungsverhalten der Kroaten und auf deren Dienst in der Wehrmacht. Auch in Berlin wurde dieser Plan nicht ernst genommen. In den kroatischen Dörfern des Süsburgenlandes, wo entsprechende Gerüchte im Umlauf waren, lösten diese Panik aus.

Nach 1945 nahm der Kroatisch-burgenländische Kulturverein in Wien seine Tätigkeit wieder auf, 1947 wurden die Satuten des Kroatischen Kulturvereins bestätigt. Seine erste Generalversammlung hielt er jedoch erst am 8. Mai 1951 in Unterpullendorf ab. Ignaz Horvat wurde wieder Vereinspräsident (bis 1956), gefolgt vom Mittelschullehrer Adalbert Schreiner , 1962 von Demeter Linzer, 1965 von Alfons Kornfeind. 1971 wurde Pfarrer Leo Stubsits neuer Vereinspräsident, 1972 erneut Kornfeind, 1974 dann der ehemalige Landtagsabgeordnete  und Vorstandsdirektor der BEWAG, Johann Müller.  Stefan Horvath gab die Zeitschrift Crikveni Glasnik heraus, im Mai 1947 erschien die Wochenzeitschrift Nas Tajednik. Der in der nationalsozialistischen Zeit aufgelöste kroatische Studentenverein wurde unter der Bezeichnung Hrvatski Akademski Klub neu gegründet. 1949 und 1955 erschienen Neubearbeitungen kroatischer Schulbücher und es wurde wieder ein Schulinspektor für das kroatische Schulwesen eingesetzt. An einer Aufarbeitung der Ereignisse in der NS - Zeit gab es wenig Interesse, das Bekenntnis zur Volksgruppe wurde eher zurückhaltend geäußert. Einige Unruhe entstand durch die Einmischung Tito - Jugoslawiens in die Volksgruppenfrage. Eine burgenländisch - kroatische Delegation wandte sich 1945 an Tito mit der Bitte um Freilassung der kroatischen Kriegsgefangenen. Jugoslawien intervenierte während der Staatsvertragsverhandlungen und schlug sogar einen Bevölkerungsaustausch vor. Dieses Ansinnen wurde von den burgenländischen Kroaten sofort und entschieden zurückgewiesen. Hingegen wurde die Verankerung der kulturellen Autonomie im Staatsvertrag gefordert.

In der politischen Realität spielte die Volksgruppenproblematik auch nach dem Krieg eine sehr geringe Rolle. Ein Entwurf eines Autonomiestatuts wurde kaum diskutiert, eine Denkschrift des Kulturvereines vom Jahre 1955  dazu blieb unbeantwortet.  Der Kroate Dr. Karall wurde Landeshauptmann und konnte in seiner langen Amtszeit viel für die Integration der Kroaten in die burgenländische Gesellschaft tun, etwa durch Anstellungen im Landesdienst. Das SPÖ - nahe Präsidium der Bürgermeister- und Vizebürgermeisterkonferenz  sah die Volkstumsfrage stark aus dem Blickwinkel der sozialökonomischen Integration. Sie trat für die Zweisprachigkeit ein und fand damit in den Arbeiter- und Pendlergemeinden des Norburgenlandes viel Zustimmung. Im Staatsvertrag von 1955, Artikel 7, wurden die Minderheitenrechte verbrieft.  Der Kroatische Kulturverein verfasste dazu noch 1955 ein Memorandum an die Bundesregierung mit seinen Wünschen und war in den Folgenden Jahren bestrebt, die Durchführung der Bestimmungen des Artikels 7 auch einzufordern.

Haupttätigkeit des Kroatischen Kulturvereines war die Förderung der Tamburizza- und Folkloregruppen, der Liedpflege und des Laientheaters. 1961 wurde in Frankenau das Miloradic - Denkmal geweiht. 1964 erhielt der Verein eine hohe staatliche Subvention und konnte einen hauptamtlichen Sekretär in der Person von Robert Szucsich anstellen. 1969 wurde in einer Großveranstaltung in Loretto das 40 - Jahr - Jubiläum des Vereines mit 8000 Teilnehmern gefeiert. In Eisenstadt wurde ein Vereinsheim eröffnet.

Im Jahre 1931 ging aus der kroatischen Studentenverbindung "Rodobran" (=Volkswehr), gegründet 1930 an der Lehrerbildungsanstalt Oberschützen, die "Kolo" (Katholische burgenlandkroatische Studentenschaft) hervor. 1934 zählte Kolo bereits 100 aktive Mitglieder, davon 30 in Wien. Kolo trat für den Unterricht in kroatischer Sprache als Freigegenstand auch an den Mittelschulen ein. 1934 veranstaltete Kolo in der Wiener Hofburg eine Feier anlässlich 400 Jahre Ansiedlung der Burgenlandkroaten, In Anwesenheit von Dollfuß und Kardinal Innitzer. 1948 wurde der Kroatische Akademikerklub gegründet. Johann Müller wurde erster Vorsitzender. 1957 erschien erstmals "Glas" (Die Stimme), später Novi glas,  als Zeitschrift des Akademikerklubs. 1973 veranstaltete der Klub an der Universität Wien das I. Symposion Croaticon. 1978 verfasste man eine Petition an die in Belgrad tagende Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, in der auf die nicht gelöste Schulfrage hingewiesen wurde. 1983 wurde das II. Symposion Croaticon aus Anlass der 450 - Jahr - Feier der Ansiedlung veranstaltet. Im Mai 1985 organisierten 30 Mitglieder des KLubs vor dem Landhaus eine dreißigstündige Demonstration vor vor dem Landhaus für zweisprachige Schulen und Kindergärten sowie für die vollständige Erfüllung des Artikels 7 des Staatsvertrages.

In Wien bestand und besteht ein eigener Kroatisch - burgenländischer Kulturverein (KBKV). Er betreut in Wien lebende Kroaten  und kroatische Pendler aus dem Burgenland. Seit 1947 veranstaltet er den "Kroatenball" und unterhält eine Vereinstamburizza - Kapelle, einen Chor und eine Theatergruppe. 1964 entstand die Volkstanzgruppe "Kolo", die sich 1971 mit der Tamburizzagruppe "Slavuj" (Die Nachtigallen) aus Großwarasdorf zum Folkloreensemble Kolo - Slavuj vereinigte. 1981 begann der Wiener Kulturverein mit der Herausgabe eines Informationsblattes "Put" (Der Weg). In Zusammenarbeit mit den Volkshochschulen wurden kroatische Sprachkurse veranstaltet.

Als Gegenstimme zum Kulturverein, der stark ÖVP - dominiert war, wurde unter der Leitung des sozialdemokratischen Nationalratsabgeordneten und Bürgermeisters von Hornstein, Fritz Robak, das "Präsidium der Bürgermeister und Vizebürgermeisterkonferenz der kroatischen und gemischtsprachigen Gemeinden" gegründet. Bis 1977 war das "Präsidium" eine Arbeitsgemeinschaft, danach ein Verein.

 

Das kroatische Schulwesen in der Ersten Republik

Beim Übergang des Burgenlandes an Österreich war die Mehrheit der Volksschulen konfessionell. Die Schulen in den kroatischen Dörfern wurden von der katholischen Kirche geführt. Von den 64 Schulen in kroatischen Ortschaften waren 58 konfessionell und 6 staatlich. Der Schulerhalter konnte auch nach dem Anschluss an Österreich über über die Unterrichtssprache entscheiden. Die Schulaufsicht bestand aber darauf, dass die "Staatssprache" Deutsch im ausreichenden Maße gelehrt wurde. Mit Erlass der Landesregierung wurde das Mindestmaß des Unterrichts in deutscher Sprache ab 1922/23 ab der zweiten Schulstufe mit fünf Wochenstunden festgelegt. Die Schulfrage fand jedenfalls auch in den kroatischen Orten die größte Aufmerksamkeit. Dabei kam es zur Spaltung in zwei große Meinungsgruppen, die in der gesamten Zwischenkriegszeit anhielt. Die eine Gruppe sah in der Schule ein Bollwerk des kroatischen Volksbewusstseins. Die andere war für den stärkeren Ausbau des deutschen Sprachunterrichtes als Voraussetzung für den reibungslosen sozialen Aufstieg. Die Kirche, intellektuelle Kreise, die bäuerliche, christlich - soziale Schicht verteidigte die Muttersprache. Die Arbeiterschaft, die ja überwiegend in der deutschsprechenden Nachbarschaft beschäftigt warm sah die Notwendigkeit einer möglichst gründlichen Erlernung der Staatssprache.

Mit dem Anschluss an Österreich wanderte auch ein Teil der kroatischen Lehrerschaft nach Ungarn ab. Viele Lehrer mussten nun gründlicher Deutsch lernen. Die Ausbildung für den Unterricht in kroatischer Sprache erfolgte seit 1926 an der Lehrerinnenbildungsanstalt in Steinberg, ab 1929 an der Lehrerbildungsanstalt Oberschützen und ab 1935/36 auch an der katholischen Lehrerbildungsanstalt in Mattersburg. In den höheren Schulen war Kroatisch als Unterrichtsfach nicht vorgesehen. Kroatischkurse in Eisenstadt mussten vorübergehend wegen zu geringen Interesses eingestellt werden.Obwohl es keine geplante und systematische "Germanisierungspolitik" gab nahm die Bedeutung des Kroatischunterrichts ständig ab.

Zunächst stellten die Schulen mit kroatischer Unterrichtssprache und 5 bis 12 Stunden Deutschunterricht die Mehrheit. Später konzentrierten sich diese Schulen vor allem in den südlichen Bezirken. In den anderen Schulen war der Unterricht gemischtsprachig. In den ersten beiden Schulstufen wurde in kroatischer Sprache unterrichtet, in den oberen Klassen wurde halb deutsch, halb kroatisch unterrichtet oder die deutsche Sprache trat in den Vordergrund. Erst 1937 gab es eine landesweit einheitliche Regelung. Die Neuregelung sah vor, dass in Schulgemeinden, in denen über 70 % der Bevölkerung der Volksgruppe angehörten, Kroatisch die einzige Unterrichtssprache war. Deutsch musste mindestens 5 Stunden in der Woche unterrichtet werden. In Gemeinden mit 30 bis 70 % Kroaten mussten die Schulen gemischtsprachig geführt werden. Bei weniger als 30 % Kroaten war Deutsch die Unterrichtssprache. Die kroatische Sprache konnte als nicht verbindlicher Gegenstand unterrichtet werden. 

Anfangs fehlte es an Lehrern und Schulbüchern für den Kroatischunterricht. Erste Versuche, kroatische Bücher einzuführen, scheiterten am Widerstand der Lehrer. Erst 1924 wurde die "Anfangsfibel" von Andreas Kuzmits vom Bundesverlag gedruckt, 1927 das "Zweite Lesebuch" und 1929 das "Dritte Lesebuch" von Johann Dobrovich. Sie wurden, da ihre Herstellung zu teuer kam, von der Landesregierung subventioniert.

Die Auseinandersetzungen in den Dörfern um die Schulsprache verliefen zum Teil überaus heftig. 1922 wurde der Lehrer Koloman Tomsich zum Schulinspektor für kroatische Volksschulen berufen, aber ohne konkreten Wirkungsbereich. Er war eher Sachverständiger für kroatische Schulfragen. 1925 wurde er beurlaubt. Kirche und Land waren in der Frage des Schulinspektors in Kompetenzstreitigkeiten verwickelt.  Dazu kam persönliche Eifersucht. Eine Lösung der Frage des Schulinspektors scheiterte bis 1935, als Rudolf Laudus vom Unterrichtsministerium zum Schulinspektor ernannt wurde. Die katholischen Schulen hatten ihre eigenen Schulinspektoren. Die Auseinandersetzungen um die Schulen waren eng mit dem Kampf der deutschbewussten Parteien und der Sozialdemokratie gegen die katholischen Schulen, deren Schulstühle und gegen die Dominanz der Pfarrer verbunden. 1925 wandelten Parndorf, Trausdorf, Zillingtal, Oslip, Groß- und Kleinmutschen sowie Eisenhüttel ihre katholischen Schulen in Gemeindeschulen um. Diese Maßnahmen wurden aber 1927 vom Unterrichtsministerium für gesetzwidrig erklärt.

Die Verstaatlichung der konfessionellen Schulen in nationalsozialistischer Zeit sowie der Druck, der auf Pfarrer und Lehrer ausgeübt wurde hatten natürlich negative Auswirkungen auf den Kroatischunterricht.

Nach dem Zweiten Weltkrieg entbrannte der Sprachenstreit erneut, vor allem um die Standardsprache in den Schulen. 1950 gab es 42 kroatische Schulen mit 3 874 Schülern, die Kroatisch lernten. Im Vergleich dazu gab es 1937/38 43 Schulen mit 6 943 Schülern. Die Hauptschule Siegendorf hatte Kroatisch als Pflichtgegenstand. In der ersten Klasse der Volksschule wurde vorwiegend kroatisch, von der zweiten bis zur vierten Klasse zweisprachig, in der Oberstufe vorwiegend deutsch unterrichtet. 1950 wurde Rudolf KLaudus erneut zum Schulinspektor für das kroatische Schulwesen bestellt.  1962/63 gab es 40 kroatische Schulen, 1972/73 37 und 1082/83 29 Schulen. Der Rückgang war auf Auflassungen, vor allem aber auf Eingemeindungen in deutsche Mehrheitsgemeinden zurückzuführen. Von den 29 verbliebenen zweisprachigen Schulen wurde an 18 Schulen Kroatisch als Fach im Ausmaß von 3-4 Wochenstunden unterrichtet. Der Rückgang war aber auch eine Folge der starken Abwanderung. In etwa 10 Hauptschulen wurde Kroatisch als Freigegenstand unterrichtet, ebenso an den Gymnasien. Die im Staatsvertrag zugesicherte Höhere Schule wurde erst mit dem Volksgruppengymnasium in Oberwart geschaffen.


 

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