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Burgenland begrüßt den Führer
Der Landeshauptmann und Gauleiter des Burgenlandes Dr. Portschy hat an den Führer und Reichskanzler folgende Drahtung gerichtet:
" Das Burgenland, östliches Bollwerk des geschlossenen deutschen Lebensraumes, seit Karl dem Großen deutscher Volksboden, grüßt in diesen weltgeschichtlichen Stunden, die den heißesten Wunsch der Burgenländer in Erfüllung gehen ließen, den Retter aus tiefster Not, unseren Führer. Das ganze Burgenland hofft, dem Begründer des großdeutschen Reiches, das vom Rhein bis zum Neusiedler See reicht, in den kommenden Tagen auf diesem Boden, wo Theoderichs Wiege stand und Josef Haydn die Weise des Liedes der Deutschen schuf, seine Dankbarkeit und Treue erweisen zu können."
Nach den Wahlen Anfang 1932, die in Niederösterreich, Wien und Salzburg große Gewinne für die Nationalsozialisten brachten, gewann die NSDAP auch im Burgenland sichtlich an Bedeutung. Führende Persönlichkeiten waren Brauner in Eisenstadt, Ing. Silbernagel in Neusiedl und Dr. Portschy im Süden, wo sich vor allem in Unterschützen ein frühes Zentrum entwickelte. Nach  Adalbert Riedl, dem christlichsozialen Parteisekretär, wurden nationalsozialistische Zentren vor allem in den evangelischen Gemeinden vermutet ( Gols, Loipersbach, Mörbisch, Lutzmannsburg...). Dies war insofern verständlich, als sich die Christlichsozialen und  die Heimwehren immer stärker als "gut katholisch"  exponierten und der in den evangelischen Gemeinden traditionell starke Landbund nicht mehr besonders attraktiv war. Auch die Führungspersönlichkeit des betont deutschnationalen Lagers, Dr. Walheim, verlor durch seine zweite Wahl zum Landeshauptmann mit Hilfe Lesers und der Sozialdemokraten stark an Ansehen.
Sowohl von Seiten der Heimwehren wie auch der Sozialdemokraten kam es zu Übertritten zur NSDAP. So schloss sich etwa der Wiesener Schutzbundführer Mathias Strobl der NSDAP an, später ebenso der Gewerkschaftssekretär Hans Suchard und Paul Kiss.
Zu einem ersten Zwischenfall kam es am 3. Juli 1932 während eines SA-Aufmarsches in Eisenstadt. Am Sozialdemokratischen Parteiheim war ein Plakat angebracht, auf dem Hitler beschuldigt wurde, das Burgenland an Horthy ausliefern zu wollen. Das regte die Nationalsozialisten so auf, dass sie das Parteiheim stürmten. Landeshauptmannstellvertreter Leser, der dazu kam, wurde von SA-Leuten verprügelt.
Die Organisation der NSDAP erfolgte zunächst von Niederösterreich und der Steiermark aus. Am 19. Juni 1933 erfolgte das Verbot der NSDAP. 1935 wurde ein eigener Gau Burgenland der illegalen NSDAP gegründet. Gauleiter war Dr. Tobias Portschy, der auch den Aufbau einer illegalen SS organisierte. Propagandaleiter war Hans Goger.
Den Kern der Mitglieder bildete die deutschnationale Intelligenz, Studenten, Teile der Beamtenschaft, Bauern und Kleingewerbetreibende. Auch in der Exekutive gab es illegale NS. Frühe Zentren des Nationalsozialismus entstanden in Sauerbrunn, Mattersburg, Neufeld, Pöttelsdorf, Eisenstadt, Oberwart, Jennersdorf, Illmitz, Mannersdorf, Allhau, Buchschachen, Gols, Mörbisch, Neumarkt an der Raab.
Zeitungen: "Die Braune Front" (Untertitel: Kampfblatt des Gaues Niederösterreich und Burgenland NSDAP), ab Mitte 1936 der "Österreichische Beobachter". In Neufeld wurde eine nationalsozialistische Druckerei eingerichtet. 1936: Auflage 20 000, 1937 30.000 Stück. Die Druckerei in Neufeld flog auf. Eine zweite Druckstelle wurde im Antimonbergwerk Neustift eingerichtet. Von dort aus wurde auch die Verteilung organisiert. Sowohl die Gauleitung Burgenland wie auch die SS hatten einen Nachrichtendienst. Im allgemeinen waren die Nationalsozialisten hervorragend informiert, auch über die internen Vorgänge in der Vaterländischen Front.
1937 wurde eine große Propagandawelle organisiert, die 76 Gemeinden umfasste. Ab 18. Feber 1938 hatten die Nationalsozialisten die Möglichkeit der legalen Betätigung.
In den kritischen Tagen des März 1938 suchte Landeshauptmann Sylvester Gauleiter Portschy in Oberwart auf und bot diesem zwei Regierungssitze an. Portschy wies dieses Angebot als zu gering ab. Die Vorbereitungen auf die nationalsozialistische Machtübernahme hatten zu dieser Zeit schon begonnen.
Am 10 März 1938 gab die Parteileitung die Anordnung aus, an der Schuschnigg - Volksabstimmung nicht teilzunehmen. Am 10. März begab sich Portschy nach Eisenstadt und begann, die Nationalsozialisten des nördlichen Burgenlandes in der Stadt zu versammeln. Am 12. März wurden die Sicherheitsdirektion, die öffentlichen Gebäude, die Dienststellen der Vaterländischen Front und wichtige Betriebe besetzt. Die Regierungsmitglieder wurden in Schutzhaft genommen. Das Burgenland war damit das erste Bundesland unter nationalsozialistischer Kontrolle. Ebenfalls noch am 11. März übernahm Portschys Stellvertreter Arnhold die Macht im Südburgenland.Schon am 11. März ordnete Portschy Großkundgebungen der Nationalsozialisten in Eisenstadt und Oberwart an.
 
Die Presse wurde auf NS-LInie gebracht. Die Eisenstädter Zeitung wurde im April 1938 eingestellt. das Neue Burgenländische Volksblatt, die Zeitung der Vaterländischen Front,durch die "Grenzmark Burgenland", ab August 1939 "Grentmark-Zeitung", ersetzt.Auch die Güssinger Zeitung, seit jeher heftige Gegnerin des Landbundes, der Großdeutschen und dann der Nationmalsozialisten, wurde eingestellt. Die Oberwarter Zeitung hingegen konnte bis Kriegsende erscheinen und wurde zum Ptopagandablatt. Die kroatische Zeitung "Hrvatske Novine" erschien bis 1942. Die katholischen "Amtlichen Mitteilungen der Apostolischen Administratur des Burgenlandes konnten unter dieser Bezeichnung weiter erscheinen. Der Evangelische Kirchenbote wurde schon 1939 eingestellt.
 
Die Volksabstimmung vom 10. April 1938 wurde mit großem Propagandaaufwand vorbereitet. Zur "Renner - Erklärung" und zur "Einheitlichen Erklärung der Bischöfe" für den Anschluss kamen auf Landesebene ähnliche Empfehlungen der Kirchen, mit "Ja" zu stimmen. Karall empfahl den burgenländischen Kroaten ebenfalls ein "Ja", ebenso Vertreter der ungarischen Volksgruppe. Am 6. April kam der Reichsinnenminister Wilhelm Frick ins Burgenland. Er trat vor 62 000Teilnehmern in der Eisenstädter Kaserne auf.
Ab 22. Mai 1938 begann eine neue Verhaftungswelle anzulaufen. Die Spitzenbeamten des Landes wurden, sofern sie nicht bereits illegale Nationalsozialisten waren, auf ihre politische Verlässlichkeit überprüft. Sämjtliche Spitzenbeamte mussten Fragebögen ausfüllen und damit die politische Einstellung vor dem Anschluss überprüft. Von den am 10. März 1938 vorhandenen 45 Spitzenbeamten  des Höheren Dienstes wurden 10 verhaftet, einer beurlaubt und einer als politisch unzuverlässig kategorisiert. Vier Beamte wurden neu eingestellt. Die Personalkommission bezeichnete als politisch einwandfrei den Landesamtsdirektor Karl Heger und den Leiter der Personalabteilung Dr. Ernst Mayrhofer, "neutral" wurde der Leiter der Abteilung 1. Gesza Reverencis,k kritisch hingegen Simon Hagenauer beurteilt. Eugen Kollwentz musste als Bezirkshauptmann von Jennersdorf gehen. Streng überprüft wurde der Bezirkshauptmann von Oberpullendorf, Dr. Alois Schwartz.
 
Auch im Schulwesen gab es tiefgreifende Veränderungen. Vor dem Anschluss an Deutschland gab es im Burgenland 364 oft einklassig geführte Volksschulen. Davon waren 341 im Besitz der Kirchen, 7 wurden von israelitischen Kultusgemeinden geführt. An Höheren Schulen gab es in Eisenstadt ein Bundesgymnasium, in Oberscützen ein Realgymnasium und in Mattersburg ein Unterrealgymnasium. Lehrerbildungsanstalten gab es in Oberschützen, Mattersburg und Steinberg, kaufmännische Wirtschaftsschulen in Eisenstadt und Oberwart. 14 Hauptschulen waren über das Land verteilt.Im Ständestaat wurden die Schulen weltanschaulich - politisch instrumentalisiert, besonders im neuen Unterrichtsfach "Vaterlandskunde", in dem auch maturiert werden musste. Andere politische Äußerungen von Lehrern und auch Schülern wurden untersagt und verfolgt. Nationalsozialistische Propagandisten unter den Schülern wurden der Jugendstrafgerichtsbarkeit übergeben. Durch den "Portschy-Erlass vom 12. September 1938 wurden alle konfessionellen Schulen abgeschafft und - da es nur mehr je eine Schule pro Ort gab - auch die Zahl der Volksschulen stark reduziert. Die meisten Lehrer begrüßten die "Verstaatlichung" des Schulwesens.Auch die konfessionelle Lehrerausbildung wurde eingestellt. Neue Hauptschulen wurden gegründet. Statt der "Vaterlandskunde" wurde das Pflichtfach "Rassenkunde" eingeführt. Der Leibeserziehung und der Hauswirtschaft für Mädchen wurde besondere Aufmerksamkeit gewidmet.
 
Nach dem Anschluss wurden Lehrer. die sich zu sehr für den Ständestaat exponiert hatten, verhaftet, außer Dienst gestellt, zumeist aber versetzt. Allen voran wurde der Schulinspektor Wenzel Arthur Beza am 12. März 1938 verhaftet und nach einer Internierungshaft in das KZ Dachau überstellt. Rudolf Klaudus, Jakob Mädl und Josef Lentsch wurden aus dem Schuldienst entlassen.Neuer Leiter der Schulbehörde in der Landeshauptmannschaft Eisenstadt wurde Dr. Bayer. Jüdische oder "jüdisch versippte" Lehrer durften nicht mehr angestellt werden. Die jüdischen Schulen wurden geschlossen. Am 15. November 1938 wurde der gemeinsame Schulbesuch von Juden und Ariern untersagt. In vielen Volksschulen wurde ab März 1938 den Roma-Kindern der Schulbesuch untersagt, ab 1.Sept. 1938 wurde ihnen der Schulbesuch verboten. Der überwiegende Teil der Lehrerschaft trat dem nationalsozialistischen Lehrerbund bei, viele wurden auch NSDAP-Mitglieder.
 
Im Mai 1938 lief die "Burgenland - Aktion" an. 700 burgenländische Bau- und Straßenarbeiter wurden nach Deutschland vermittelt, bald darauf weitere zum Autobahnbau- Auf diese Weise wurde auch im Burgenland die Arbeitslosigkeit rasch abgebaut.Die ideologische Aufwerung der Landwirtschaft und des Bauerntums ("Blut und Boden") gewann viele Bauern für den Nationalsozialismus. Dazu kamen die rasch einsetzenden Unterstützungsaktivitäten und der steigende Absatz, besonders von Wein. Die bäuerlichen Organisationen wurden im natonalsozialistischen Sinn umgebaut. Alfred Simon aus Oberschützen wurde Verwalter des Burgenländischen Bauernbundes, Andreas Hutfleß Präsident der Landwirtschaftskammer, Dr. Hans Bruckner Kammeramtsdirektor. Die Kammer wurde schließlich aufgelöst. Der Reichsnährstand übernahm die Genossenschaften und den Handel. In den Dörfern hatten die Ortsbauernführer das Sagen. Die Einführung der Hofkarte ermöglichte die Steuerung und Überwachung der Landwirtschaft. Ein Modernisierungsschub wurde durch den Einsatz von Düngemittel und verbessertem Saatgut ausgelöst. Langfristige Darlehen ermöglichten den Ankauf von Traktoren, Sämaschinen, Mähmaschinen. Die Mechanisierung endete allerdings 1943, da nunmehr alle Mittel in die Rüstung flossen. Ersatzteile und Treibstoffe wurden knapp. Ziel der Agrarpolitik war die Autarkie des Reiches. So wurde etwa im Seewinkel der Hanfanbau begonnen, der Tabakanbau im Mattersburger Raum gefördert, der Rapsanbau gesteigert, ja sogar Experimente mit Reis- uns Baumwollanbau gemacht.
Besonders freudigg wurde von vielen burgenländischen Bauern die "Entschuldung" begrüßt, die eigentlich eine  Umschuldung war. Die Schulden wurden in Darllehen umgewandelt, die mit niedrigen Zinsen langfristig zurückgezahlt werden mussten. Ab Mai 1938 konnten Bauern diese Entschuldung beantragen. Ortsbauernführer und Bürgermeister mussten sie befürworten. Hauptsächlich kam die Aktion Mittel. und Großbauern zu gute. Die Erbhofgesetze, die die Höfe unbelastbar und unteilbar machten, zeigten bald ihre Nachteile, da sie die üblichen Erbteilungsgewohnheiten verhinderten. Viele Anträge wurden daher bald wieder zurückgezogen.  

Nach dem "Anschluss" stiegen die Preise, vor allem die Weinpreise. Weine aus Direktträgern durften allerdings nicht mehr verkauft werden. Die ganze Landwirtschaft wurde zur gelenkten Kriegswirtschaft, mit zahlreichen Produktions- und Ablieferungsvorschriften.Ernährungsämter kontrollierten den Markt, Lebensmittelkarten regulierten den Konsum. Im großen und ganzen funktionierte das System von Verordnungen und Zwangsabgaben, auch wegen des hohen Anteils von "Selbstversorgern" im Burgenland. Viele Bestimmungen und Vorschriften wurden aber auch umgangen, trotz der rigorosen Strafen. Schwarzschlachtungen etwa konnten auch durch Kontrollen nicht verhindert werden.        

Schon vor Kriegsausbruch war der Arbeitskräftemange ein großs Problem. Die Großbetriebe bekamen keine Arbeitskräfte mehr. Nach Kriegsausbruch verschärfte sich die Situation dramatisch. "Freiwillige" Arbeiotseinsätze im Rahmen des Reichsarbeitsdienstes brachten nur eine geringe Entlastung, ebenso die Anwerbung ausländischer Arbeitskräfte. Sie wurden im Laufe der Zeit immer mehr durch Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene  ersetzt.

 

 

 

 

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Quellen

  • Bayer, Pia/Szorger, Dieter, Schicksalsjahr 1938. Wissenschaftliche Arbeiten aus dem Burgenland 161. Eisenstadt 2018.
 

                                                                                                                   

 
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