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Die NSDAP bis zum Verbot 1933

 

Obwohl schon früh, 1923 und 1925, erste Nachrichten über nationalsozialistische Aktivitäten im Burgenland auftauchen war die NSDAP bis Anfang der 1930er Jahre unbedeutend und im Lande kaum verankert. Burgenland war in der Parteiorganisation kein eigener Gau, Nord- und Mittelburgenland gehörten zum Gau Niederösterreich, das Südburgenland zum Gau Steiermark. In Oberschützen wurde anscheinend schon 1928 eine Gruppe der Hitlerjugend gegründet. Frühe Ortsgruppen gab es in Neusiedl a. See, in Oberschützen und in Eisenstadt, wo angeblich 1929 mit der Errichtung einer Ortsgruppe begonnen wurde.

Bei der Nationalrats- und der Landtagswahl von 1930 traten die Nationalsozialisten im Burgenland erstmals an. Es gab Versuche, Aufmärsche zu organisieren. Dazu wurde SA aus Niederösterreich eingesetzt. Auf einer Wahlversammlung in Eisenstadt forderte Dr. Walter Riehl, Rechtsanwalt aus Wien und prominenter Nationalsozialist, ein Gesetz, das Juden die Beteiligung an Unternehmen verbieten sollte. Der Wahlkampf wurde vermutlich durch Mitgliedsbeiträge, Verkauf von Broschüren und Zeitungen und Zuwendungen aus Deutschland finanziert. Die NSDAP kandidierte nur in den Wahlkreisen des Nord- und Mittelburgenlandes. Die Kandidaten waren jung. Im Wahlkreis Neusiedl - Eisenstadt  stand Edmund Brauner, Fahrdienstleiter in Eisenstadt, an erster Stelle, gefolgt Dr. Wilhelm Schneider, Rechtsanwalt aus Neusiedl. Beide waren auch Spitzenkandidaten im Wahlkreis Mattersburg - Oberpullendorf, gefolgt Otto Olasch aus Mattersburg und Matthias Reisner aus Walbersdorf. Die NSDAP  erreichte nur eine geringe Stimmenanzahl - 893 bei der Landtagswahl und 1015 Stimmen bei der Nationalratswahl -  und kein Mandat. Höhere Stimmenzahlen erreichte sie in Bruckneudorf, Halbturn, Mönchhof, Neusiedl a. See, Parndorf, Donnerskirchen, Mörbisch, Schützen s. Geb., Eisenstadt, Mattersburg und Steinberg.

Größere Erfolge konnte die NSDAP  erstmals bei den Gemeinderatswahlen von 1931 verbuchen. Die Wahlergebnisse ließen in einigen gemeinden bereits einen starken Zulauf erkennen.  Der Schwerpunkt der Agitation wurde auf den Bezirk Neusiedl gelegt. Am 25. und 26. April fand in Neusiedl ein "Deutscher Tag" statt. Parteimitglieder und SA wurden mit einem Sonderzug aus Wien herbeigebracht. Der Deutsche Turnerbund veranstaltete einen Übungsmarsch von Bruck a. d. L. nach Neusiedl. Ein Aufmarsch geschlossener Formationen vor dem Kriegerdenkmal wurde verboten, eine kurze Kundgebung fand trotzdem statt. Im Bezirk Neusiedl kandidierte die NSDAP in vier Gemeinden, wo sie 1362 Stimmen und 11 Gemeinderäte gewinnen konnte - in Neusiedl, Bruckneudorf, Parndorf und Mönchhof. In Mönchhof stellte die NSDAP mit Stefan Koch den ersten Bürgermeister.  In Eisenstadt  stellte die Partei mit Edmund Brauner und Joseph Hackl zwei Gemeinderatsmandate. In Steinberg wurde Josef Bauer gewählt, in Jennersdorf zog Mathias Neubauer in den Gemeinderat ein. Im August 1931 wurde im Bezirk Neusiedl ein "Großkampf" mit 20 Versammlungen durchgeführt, vermehrt traten nunmehr auch Redner aus dem Burgenland auf. Am 24. und 25. Oktober wurde ein "Großkampftag" in Oberpullendorf organisiert, wo der Boden durch die Haydn-Schule des Deutschen Schulvereins Südmark aufbereitet war.

1930 dürfte es im Süden des Landes noch kaum Ortsgruppen gegeben haben. Vorübergehend bestand ein Stützpunkt in Rechnitz. Auch in der Hochburg Oberschützen gab es relativ wenige Aktivisten.Überproportional vertreten waren die Nationalsozialisten in den evangelischen Gemeinden. Eine der frühesten Ortsgruppengründungen erfolgte in Oberschützen. Dort fand der Nationalsozialismus unter Lehrern und Schülern des Gymnasiums und der evangelischen Lehrerbildungsanstalt Eingang. Ein weiteres Zentrum war die Joseph Haydn - Schule in Oberpullendorf. Es war dies eine 1929 fertig gestellte Schule des Deutschen Schulvereines Südmark. Die Wahl des Standortes in der magyarischen Sprachinsel war nicht zufällig. 1932 kam es nach der Ausschreibung einer Planstelle an dieser Schule zu einem Konflikt. Die Ausschreibung war auf einen Nationalsozialisten zugeschnitten. Das hatte eine Anfrage im Landtag zur Folge. Der Landesschulinspektor bestätigte, dass es sich bei der Schule in Oberpullendorf um eine nationalsozialistische Kaderschule handelte. Es konnte aber nichts dagegen unternommen werden.

Im Frühjahr 1932 gab es in Oberwart 7 Ortsgruppen, in Jennersdorf 2. Die NSDAP erhielt zunehmend Verstärkung durch junge Akademiker, die an den Hochschulen in Wien und Graz mit deutschnationalen Organisationen in Verbindung traten, etwa mit der "Vereinigung der deutschen Hochschüler aus dem Burgenland". An der NS-Aufbauarbeit waren auffallend viele junge Lehrer beteiligt, die ihre Ausbildung in Oberschützen erhalten hatten (Arnhold, Goger, Rehling, Beier). So begannen einheimische Nationalsozialisten den Parteiapparat aufzubauen, vor allem im Raume Oberschützen-Unterschützen. Die nördlichen Bezirke wurden von Wien aus mit dem "Kampfruf" und dem "Volkskampf" beliefert, im Süden wurde die Grazer NS - Zeitung "Der Kampf" verteilt. Weit verbreitet war auch die Dötz, die Deutsch-Österreichische Tageszeitung, für die auch Heimwehrleute, Großdeutsche und Landbündler schrieben. Ab 1932 wurde sie Sprachrohr der Nationalsozialisten.

Ab 1932 gab es erste tätliche Auseinandersetzungen mit dem politischen Gegner. Im Feber 1932 etwa kam bei einer Wirtshausrauferei zwischen Christlichsozialen Turnern und SA in Donnerskirchen ein Nationalsozialist ums Leben. Später wurde eine SA-Einheit nach ihm benannt. In den Blickpunkt der Öffentlichkeit kam die burgenländische NSDAP durch den "Deutschen Tag" am 3. Juli 1932 in Eisenstadt. Etwa 1000 Uniformierte, SA aber auch schon SS, marschierten auf. Dabei wurden Schaukasten und Fenster des Parteiheimes der Sozialdemokraten zertrümmert, das Gebäude gestürmt, wobei ein Schuss fiel. Der Leiter des Bundespolizeikommissariates Eisenstadt, Dr. Benno Braitenberg, erschien und übertrug der SS Sicherungs- und Ordnungsfunktionen bis zum Eintreffen der Polizei. Es wurde von der Polizei eine Hausdurchsuchung durchgeführt, aber keine Waffe gefunden. Einige Sozialdemokraten wurden verhaftet. Am Schauplatz erschien Landeshauptmannstellvertreter Ludwig Leser, in Begleitung des Landesamtsdirektors Dr. Heger und des Gendarmerie-Vizedirektors Kuczynski. Leser wurde angegriffen und durch Peitschen- und Riemenhiebe verletzt. Die Vorfälle, besonders das Verhalten Braitenbergs, wurden untersucht. Ein Disziplinarverfahren gegen Braitenberg wurde niedergeschlagen, 1934 aber wurde er mit gekürzten Bezügen in den Ruhestand versetzt. 1938, nach der Machtergreifung der NSDAP, wurde er als SS - Sturmbannführer in Salzburg als Polizeidirektor eingesetzt. Zu kleineren Zwischenfällen kam es in Mörbisch - eine Schlägerei unter Beteiligung der HJ - und in Zurndorf, wo SA aus Wien als Saalschutz Sizialdemokraten verprügelte.

Im Frühjahr 1932 meldete die Gendarmerie schon 26 Ortsgruppen mit 844 Parteimitgliedern. Es setzte nunmehr die Gegenpropaganda ein, an der sich auch der katholische Klerus teilweise beteiligte. Pfarrer Bauer in Horitschon bekannte sich hingegen öffentlich als Nationalsozialist. Von Mai 1932 bis Juni 1933 wurden 68 Versammlungen der NSDAP registriert. Vor allem im Südburgenland konnte die Partei ihre Organisation wesentlich verstärken. Im Oberwarter Bezirk gab es nun schon 25 Ortsgruppen. Immer mehr Landbündler schlossen sich an. 105 Gemeinderäte wechselten zur NSDAP, davon 38 frühere Landbündler. Noch stärker war die Abwendung von der Großdeutschen Volkspartei, mit der am 15. Mai 1933 eine "Kampffront" geschlossen wurde. Die burgenländische Heimwehr war 1933 kaum aktiv und begann, sich aufzulösen. Innerhalb eines Jahres verlor die Heimwehr im Burgenland die Hälfte ihrer Mitglieder. Die Sozialdemokraten versuchten, durch Schulungen vor allem der Funktionäre den Nationalsozialisten Widerstand zu leisten. Unter den Schulungsteilnehmern war als sozialdemokratischer Vertrauensmann auch Paul Kiss, der 1938 Kreisleiter der NSDAP wurde. Auch eine kommunistische Ortsgruppe trat mit 10 Mann geschlossen zur NSDAP über.

Unter den frühen Nationalsozialisten waren viele Verkehrsbedienstete, Handelsangestellte, Beamte, freiberuflich tätige Akademiker wie Rechtsanwälte und Ärzte. Von den sieben Bezirksleitern waren drei Akademiker und drei Beamte. Die größeren Erfolge wurden zunächst in Gemeinden mit starkem Mittelstand erzielt - in Eisenstadt, Neusiedl a.S., Bruckneidorf. Ab 1930 kamen die Nationalsozialisten aus allen Bevölkerungsschichten. Die Gendarmerieberichte aus dem Jahre 1932 sprechen von großen Sympathien in der Bevölkerung für die Nationalsozialisten. Im Bezirk Neusiedl wurden im Sommer 1932 weitere 6 Ortsgruppen gegründet, in Neusiedl konnte die Mitgliederzahl verdoppelt werden. Im Sommer 1932 wurde die Ortsgruppe Zurndorf mit 40 Mitgliedern gegründet. Als eine "Nazihochburg" galt Donnerskirchen. Auch im Bezirk Mattersburg stieg die Zahl der Mitglieder rasch. Im Mai 1932 waren es 111, im Oktober bereits 600 Mitglieder. Bezirksleiter war ein Bahnhofsvorstand namens Brunner aus Schattendorf. Im Bezirk Oberpullendorf stieg im Sommer 1932 die Mitgliederzohl von 100 auf 200. Im Oktober 1932 begann Dr. Portschy aktiv zu werden. Im bisher sehr schwachen Bezirk Güssing begünstigte die Strafversetzung von Brettschneider,  eines Beamten aus Eisenstadt, den Aufbau der NSDAP. In Jennersdorf stieg die Zahl der Ortsgruppen von 2 auf 5. Bis Mitte 1933 gab es landesweit bereits 107 Ortsgruppen.

1932 wurde auch im Burgenland eine SA organisiert, in der man frühere Großdeutsche, Heimatblockführer und aus der Tschechoslowakei zugezogene sudetendeutshe  Ärzte, Juristen und Beamte zu organisieren versuchte. Besonders wichtig war, dass auch die Heimwehren stark unter nationalsozialistischem Einfluss standen. Im Oktober 1932 berichtete die Gendarmerie von 400 SA - Mitgliedern. Sie waren im Norden im Sturmbann 76 mit drei Stürmen, 1/76 in Neusiedl, 2/76 in Gols und 3/76-Sturm Hans Karner- in Eisenstadt organisiert. Im Süden unterstand die SA dem Sturmbann 27 in Weiz. Unter den Mitgliedern war vom Anfang an der Anteil der Arbeiter relativ hoch: in der SA 43 %, in der SS 30%). Überproportional waren auch Studenten und Schüler/Lehrlinge vertreten: 11 % in der SA, 4 % in der SS.

Nach der Machtergreifung Hitlers in Deutschland wuchs die NS - Propagandatätigkeit stark an. In Bonisdorf wurde Hitler die Ehrenbürgerschaft verliehen, ebenso in Unterschützen, wo der Bürgermeister und sieben Gemeinderäte vom Landbund zur NSDAP wechselten. Bis zum Verbot der NSDAP wechselten 105 Gemeinderäte die Partei, davon 51 in evangelischen Gemeinden. Die meisten kamen aus dem Landbund - 38 -, 5 vom Heimatblock, 20 von der Wirtschaftspartei, 2 von den Großdeutschen, 13 von den Christlichsozialen und 10 von den Sozialdemokraten. In Zurndorf traten 6 Gemeinderäte über, in Gols 5, in St. Georgen zwei. In Donnerskirchen traten 3 Gemeinderäte der Christlicsozialen über, in Loipersbach 5 Gemeinderäte des Landbundes, in Wiesen 4, darunter auch ein Sozialdemokrat, in Lockenhaus 2 von den Sozialdemokraten, in Lutzmannsburg einer von den Christlichsozialen, in Steinbach sieben Gemeinderäte, in Unterschützen 8 Gemeinderäte vom Landbund. Die NSDAP stellte nunmehr den Bürgermeister. In Oberschützen wechselten 3, in Neustift bei Schlaining 9, darunter drei Sozialdemokraten. , in Mariasdorf 3, in Glashütten 3, in Günseck 6, in Neustift bei Güssing 3, in Wallendorf 2 von der Großdeutschen Volkspartei, in Eltendorf 5 von der Wirtschaftspartei, in Bonisdorf 3. Die NSDAP stellte dort den Bürgermeister. 1934 wechselte ein prominenter Sozialdemokrat, Hans Suchard aus Mattersburg, Mitglied des sozialdemokratischen Landesparteivorstandes, zu den Nationalsozialisten.

Am 19. Juni 1933 wurde das Betätigungsverbot für die Nationalsozialisten erlassen. Alle Mandate der NSDAP wurden per Verordnung "ruhend" gestellt. Für den Fall der Beschlussunfähigkeit wurden Regierungskommissare eingesetzt. Schon vor dem Verbot wurde die Pressefreiheit erheblich eingeschränkt. Zeitungen konnten beschlagnahmt und verboten werden. Sofort nach dem Betätigungsverbot kam es zu Verhaftungen. Die Nationalsozialisten antworteten mit vermehrter Propagandatätigkeit, mit Streuen von Flugschriften und beschmieren von Hauswänden. Bekannte Nationalsozialisten wurden in die "Putzscharen" gezwungen, die die Parolen abwaschen mussten. Am 23. September 1933 erließ der Bundeskanzler eine Verordnung, nach der Personen ohne richterliches Urteil festgenommen und in ein Anhaltelager, meist Wöllersdorf, eingewiesen werden konnten. Ab 7, Juli 1933 konnte den Nationalsozialisten die Gewerbeberechtigung entzogen werden und ihr Vermögen beschlagnahmt werden. Bei Söhnen von Bauern, die ohne Ausreisevisum nach Deutschland gingen, wurde ihr Erbteil beschlagnahmt- Beamte konnten ihren Posten ohne Ansprüche verlieren. Am 10. November wurden Standrecht und Todesstrafe eingeführt.

Nach dem Verbot gab es in der burgenländischen NSDAP eine Phase der Unsicherheit, die erst im Frühjahr 1935 mit der Schaffung des selbständigen Gaues Burgenland beendet wurde. Der für das Nordburgenland zuständige Gauleiter Leopold wurde in Wöllersdorf interniert, Gauleiter Oberhaidacher der Steiermark floh nach München. Es gab als Folge des Verbotes kaum Parteiaustritte. Schon wenige Tage nach dem Verbot gab es Aktionen. Im Bezirk Jennersdorf etwa wurden Telefonleitungen durchschnitten. In Bad Tatzmannsdorf wurde ein Schulungskurs der NSDAP von der Gendarmerie ausgehoben. Schulungsleiter war Dr. Tobias Portschy. Die Teilnehmer wurden in das Anhaltelager überstellt. Bei Ing. Silbernagel in Neusiedl a. S. konnte die Gendarmerie belastendes Material sicherstellen. Ein geheimer Treffpunkt für die burgenländischen Nationalsozialisten wurde Ragendorf im benachbarten Ungarn. Propagandamaterial wurde auch in Ödenburg hergestellt. Bezirksleiter waren in dieser Zeit Dipl. Ing. Silbernagel in Neusiedl, Dr. Großmann in Eisenstadt, Brunner in Mattersburg, Dr. Portschy in Oberwart, Brettschneider in Güssing und Dr. Gross in Jennersdorf. Illegal vertrieben wurden im Nordburgenland "Die braune Front", im Süden "Der Kampf". In beiden Zeitungen wurde eine eigene Burgenlandseite erstellt. Die Verteilung erfolgte über Ungarn. Verteilerzentren waren Ödenburg und Rabafüzes. Das Material wurde von Einzelpersonen über die Grenze gebracht. Lokales Propagandamaterial wurde auch in ungarischen Druckereien hergestellt. Zentren der illegalen Tätigkeit waren die "Hochburg" Oberschützen, vor allem die Evangelische Lehrerbildungsanstalt und das Evangelische Realgymnasium, wo mit den beiden Professoren Wilhelm Ulreich  und Dr. Paintner überzeugte Nationalsozialisten wirkten. Ihnen wurde mit Einweisung in das Anhaltelager gedroht. Gegen Schüler gab es immer wieder Anzeigen und Strafen. Der Sicherheitsdirektor forderte die Säuberung des Lehrkörpers und die Kürzung der Bundesbeihilfe. Anschläge beschränkten sich damals. in den ersten Jahren der Illegalität,  im Burgenland hauptsächlich auf Werfen von Stinkbomben und Böller, Einschlagen von Fensterscheiben und ähnliches.

Der 12. Feber 1934 verlief in Mörbisch turbulent. Der Ort war eine Hochburg der Nationalsozialisten. Ein Regierungskommissar versah die Amtsgeschäfte. In der Nacht vom 12. auf den 13. Feber versammelten sich Nationalsozialisten vor dem Gendarmerieposten und dem katholischen Pfarramt. Steine wurden geworfen und Schüsse abgegeben, der Polizeikommandant leicht verletzt. Dieser rief Verstärkung aus Eisenstadt herbei. Unmittelbar danach wurden 39 Personen verhaftet und in das Bezirksgericht Eisenstadt eingeliefert, einige flohen nach Ungarn. Unter den Verhafteten war auch der evangelische Pfarrer, obwohl dieser versucht hatte, zu beruhigen. Er wurde von einem Heimwehrmann getreten, die Gendarmerie unternahm nichts dagegen. Er wurde unter Bewachung mit aufgepflanztem Bajonett nach Eisenstadt gebracht und zusammen mit 12 anderen zum Ersatz der Kosten für die Sicherungsmaßnahmen verurteilt. Der Oberkirchenrat protestierte und verlangte Genugttung wegen der herabwürdigenden Behandlung des Pfarrers. Die Verteidigung machte geltend, dass die Unruhen keineswegs politischer Natur waren sondern wegen fortgesetzter Beschimpfung der evangelischen Religionsgemeinschaft ausgebrochen waren. Die Heimwehr blieb über zwei Monate in Mörbisch, wodurch hohe Kosten entstanden. 1936 wurde der Kostenersatz durch Gnadenakt erlassen. Die Ereignisse hatten ein folgenschweres Nachspiel: Einer der nach Ungarn geflüchteten Mörbischer wollte seine Familie besuchen  und wurde beim Grenzübertritt von einem Grenzer erschossen. Die Regierungszeitungen stellten die Sache als Schmugglerangelegenheit dar.

 

Während des nationalsozialistischen Juliputsches blieb es im Burgenland ruhig. Nur im Bezirk Jennersdorf kam es zu einer Kampfhandlung. Am 25. Juli 1934, nach der Radiomeldung, dass Rintelen der neue Bundeskanzler sei, mobilisierte Ing. Franz Gallbrunner aus Jennersdorf die Nationalsozialisten des Bezirkes. Ziel war die Besetzung der Gendarmerieposten in Minihof- Liebau, Neuhaus und Neumarkt.  Die Parteimitglieder sollten sich in Bonisdorf versammeln. Der Bote wurde jedoch von der Gendarmerie verhaftet, sodass die Männer verspätet in Bonisdorf eintrafen. Anführer waren Karl Meitz, Wilhelm Koller aus Bonisdorf und Eduard und Alois Fischer aus Neumarkt. Der Posten Minihof - Liebau war bereits über den bevorstehenden Angriff informiert, der Angriff missglückte und die Beteiligten verschanzeten sich in einem Bauernhof. Dieser wurde gestürmt und ein Zollwachebeamter schwer verwundet. Die geflüchteten Nationalsozialisten wurden von Ungarn an Österreich ausgeliefert. Die Gruppe aus Neumarkt verletzte einen Zollwachebeamten so schwer, dass er Monate später daran starb. Ende August wurden die beteiligten 37 Personen abgeurteilt, 21 von ihnen mit schwerem Kerker zwischen 1 und 15 Jahren bestraft.

Im Zuge der Reorganisation nach dem Scheitern des Juliputsches wurde ein eigenständiger Gau Burgenland errichtet. Der Gauleiter wurde nach einer von Leopold angeordneten Beurteilung ausgewählt. Kandidaten waren Dr. Großmann aus Eisenstadt, ein Finanzfachmann, und Dr. Tobias Portschi aus Oberwart, damals Rechtsanwaltsanwärter. Am 7. Mai 1935 wurde Dr. Portschy als Gauleiter bestellt. Dr. Großmann trat in der Folgezeit in Opposition. Bei einem Treffen am Hochwechsel teilte Portschy die wichtigsten Funktionen auf. Zunächst wurden zwei, später drei Kreise gebildet - Nord, Mitte (Oberpullendorf und Oberwart) und Süd. Im Jänner 1936 wurde der Kreisleiter Nord seines Amtes enthoben, der Kreis dem Gau unmittelbar unterstellt. Es gab Unstimmigkeiten im Norden, wo es praktisch keine politische Organisation gab und die SA die Parteiarbeit in der Hand hatte. Portschy wurde in die Auseinandersetzungen an der Parteispitze hineingezogen, er galt als Anhänger Leopolds. Im Feber 1938 wurde er sogar einige Tage von dem ihm unterstellten SS-Standartenführer Breymann festgehalten. Portschy schwenkte zur neuen Landesleitung über und konnte so seine Position behaupten. Er drängte die SS in den Hintergrund. Nach der "Machtübernahme" wurden weder Breymann noch der SS-Sturmbannführer und stellvertretende Gauleiter Hans Arnhold in die Landesregierung berufen. Sie wurden lediglich Landtagsabgeordnete.

Im September 1937 hatte die Partei 2623 Mitglieder. Die meisten Gaufunktionen waren im Raum Oberwart konzentriert. Die Gaudienststelle und die wichtigste Druckerei waren im Keller des Bürohauses des aufgelassenen Antimonbergwerkes untergebracht.

Die SA trat im Burgenland im Sommer 1932 erstmals öffentlich auf. Im Herbst dieses Jahres meldeten die Sicherheitsbehörden bereits 400 Mann SA. In den nördlichen Bezirken bestand der Sturmbann 76, der der Standarte 84 in Wien unterstand. Er setzte sich aus drei Stürmen zusammen: 1/76 in Neusiedl, 2/76 in Gols und 3/& in Eisenstadt, der auch den Namen "Hans Karner" trug. Der Süden gehörte zum Sturmbann 21 mit Sitz in Weiz. Die Stärke 1932 war folgendermaßen: 215 in Neusiedl, 82 in Eisenstadt, 226 in Mattersburg, 168 in Oberpullendorf, 102 in Oberwart, 25 in Güssing und 35 in Jenenrsdorf. Am 2. Mai 1935 wurde die SA - Brigade Burgenland gegründet. Führer war Prof. Josef Palham aus Eisenstadt, Stellvertreter Dr. Friedrich Schirk. Die Brigade bestand aus der Standarte 76 unter Schranz aus Stoob und der Standarte 83, die von Franz Böhm, evangelischer Pfarrer in Oberwart, geführt wurden. 1937 umfasste die SA 1109 Mann.

Im August 1932 finden sich erste Hinweise auf SS im Burgenland. Der Aufbau erfolgte aber erst mit der Einrichtung des Gaues ab November 1935. Der SS-Sturm Mitte umfasste Oberpullendorf und Oberwart, Sturm 2 den Norden und Sturm 3 den Süden. Führer der SS war Helmit Breymann aus Pinkafeld. Im August 1937 hatte die SS 230 Mitglieder, mit Schwerpunkten in den Bezirken Neusiedl und Oberwart. Die SS betrieb einen eigenen Nachrichtendienst. 1937 flog dessen Zentrale in Kleinhöflein mit dessen Referenten Gabriel auf.

Die Hitlerjugend (HJ) hatte im Sommer 1937 1235 Mitglieder. In Oberschützen bestand anscheinend schon 1928 eine HJ-Einheit. 1933 wurde aus Rechnitz eine provisorische Ortsgruppe gemeldet. Immer wieder kam es zu Verhaftungen von HJ-Angehörigen. 1935 war unter den verhafteten Jugendlichen auch der Sohn des Oberwarter Bezirkshauptmannes. Im Oktober 1937 kam es zu einem Skandal, als bei einer gemeinsam mit dem Militär durchgeführten Übung in Pinkafeld von den Schülern aus Oberschützen nationalsozialistische Marschlieder gesungen wurden. Im November 1937 saßen 41 Burschen aus Oberpullendorf im Landesgericht Wien. 1933 gab es auch bereits Ansätze des "Bundes Deutscher Mädchen" (BDM). Die Bauerntochter Frieda Lang aus Pöttelsdorf sammelte Mädchen um sich. 13 Mädchen wurden im Mai 1937 verhaftet. Theresia Fleck aus Unterschützen war Untergauführerin. Bei einer Hausdurchsuchung wurde belastendes Material gefunden und sie wurde verhaftet. Sie heiratete 1938 Franz Böhm, den Standartenführer und Pfarrer. 1937 wurden 634 BDM - Mitglieder aufgelistet. Die NS - Frauenschaft im Burgenland wurde von Frau Dr. SSmital in Oberwart geleitet. Im Sommer 1932 hatte die Frauenschaft 552 Mitglieder. Die NS - Bauernschaft wurde erst ab 1936 aufgebaut. Gau - Bauernschaftsführer war Alfred Simon aus Unterschützen. Schon bald nach der Gründung wurden Funtionäre und Bauernsöhne, die der SA oder SS angehörten, zur Schulung nach Deutschland geschickt. Die wichtigsten Programmpunkte waren die "Entschuldung" und das Erbhofgesetz. Im Burgenland waren besonders viele Bauern von der Zwangsversteigerung bedroht und betroffen.

Das größte Problem des Landes im Gefolge der Weltwirtschaftskrise war die Arbeitslosigkeit, die rasant zunahm. Die NSDAP sah hier ein großes Potential und reagierte sehr flexibel. Sie vermittelte auch Parteigegner zur Arbeit in das 3. Reich. Diese kehrten vielfach als Nationalsozialisten zurück. Auch in der einheimischen Arbeiterschaft, etwa bei den Tauchener Bergleuten, war der Einfluss der NSDAP stark. Leiter der "Wirtschaft" und der "Betriebszellenorganisation" in der burgenländischen NSDAP war Dr. Friedrich Schirk.

Ab 1937 häuften sich in den illegalen NS-Medien - parallel zur Entwicklung in Deutschland - auch im Burgenland die Angriffe gegen den katholischen Klerus. Nach der Machtübernahme wurden die konfessionellen Schulen abgeschafft. 238 Volks-, 5 Hauptschulen, eine berufsschule, ein Knabenseminar und 6 Konvikte wurden der katholischen Kirche entzogen, 13 Frauenklöster und 14 klösterliche Niederlassungen wurden aufgelassen und deren Besitzungen beschlagnahmt. 20 Priester wurden eingekerkert, einer davon starb. Drei Priester kamen in ein KZ. 1 Priester wurde zum Tode verurteilt und hingerichtet. 23 Priester erhielten Freiheitsstrafen, 15 wurden des Landes verwiesen. Die evangelische Kirche war im "Ständestaat" starken Repressionen ausgesetzt, sie wurde überwacht. Kardinal Innitzer rief eine "neue Gegenreformation" aus. Unter den evangelischen Pfarrern gab es einige Anhänger des Nationalsozialismus. Der Sicherheitsdirektor berichtete über den Superintendenten Dr. Theophil Beyer, dass er und seine Familie  fanatische Parteigänger der NSDAP wären. Sein Stiefsohn Koczar war der illegale Leiter der Gaupresse, sein Sohn war nach dem März 1938 SA-Standartenführer und Schulinspektor. Sein Vikar Böhm war Standartenführer der SA im südlichen Burgenland. Es gab unter den Geistlichen aber auch Ausnahmen wie etwa Victor Robert Jacobi in Markt Allhau. Er wurde bedroht, er und sein Haus mussten von der Gendarmerie beschützt werden. Er verließ schließlich Markt Allhau und bewarb sich als Militärkurat. Nach dem Anschluss emigrierte er nach Ungarn. Angegriffen wurde auch Pfarrer Deutsch, dem man jüdische Herkunft und die Ehe mit einer Jüdin nachsagte.

Schon vor dem Verbot gab es auch in neun kroatischen Gemeinden Ortsgruppen der NSDAP. Den Kroaten wurde ethnische Autonomie versprochen. Auch in den Führungspositionen gab es Kroaten wie etwa Dr. Demeter Linzer, Alois Bilisics, Viktor Pichler und Johann Brezovich. Tomsich, sozialdemokratischer Landtagsabgeordneter und Inspektor der kroatischen Schulen, ging ebefalls zu den Nationalsozialisten über. Von den 65 Gemeinden mit kroatischer Bevölkerung hatten schließlich 30 illegale NS - Organisationen. Schließlich rief Dr. Karall, der Führer der "Vaterländischen Kroaten", dazu auf, mit "Ja" für den Anschluss zu stimmen. Vereinzelt kam es zur Versetzung kroatischer Lehrer.

1,2 % der burgenländischen Bevölkerung waren Juden. Ihre Zahl war gegen Ende des 19. Jahrhunderts durch Abwanderung in die Großstädte stark gesunken. In der Zeit der Illegalität rief die NSDAP häufig dazu auf, nicht bei Juden zu kaufen. Nach dem "Anschluss" an das Dritte Reich kam es zu einer ersten, "wilden" Serie von Übergriffen. Es wurden kommissarische Leiter über das Vermögen der Juden eingesetzt. Bald setzte die Vertreibung der Juden aus dem Burgenland ein. Ende Dezember 1938 lebten in Wien 1495 aus dem Burgenland vertriebene Juden. 1910 lebten auf dem Gebiet des späteren Burgenlandes 3000 Zigeuner, 1938 bereits 8000. Maßnahmen gegen die Zigeuner wurden schon in der ersten Republik und im Ständestaat getroffen. 1928 etwa wurde die "Ausforschungsstelle" in Eisenstadt errichtet, die die Zigeuner mit Lichtbild und Fingerabdruck registrierte. Immer wieder beklagt wurde schon damals die hohe finanzielle Belastung, die den Gemeinden durch die Zigeuner entstand, vor allem durch Spitalskosten. Sofort nach dem 13. März wurden Maßnahmen gegen die Zigeuner getroffen. Im Juli 1938 ordnete Portschy die Beschäftigung der Zigeuner bei öffentlichen Arbeiten an. Ein Schulverbot und ein Verbot für Berufsmusiker wurden verhängt.

Die Finanzen der NSDAP unterstanden dem Gaukassenwart Adolf Posch aus Oberschützen. Geld kam aus den Mitgliedsbeiträgen und auch aus Zuwendungen aus Deutschland. Gaupropagandaleiter war Hans Goger. Er vertrieb den "Österreichischen Beobachter". Flugblätter wurden in Bergwerk produziert. Das größte Problem war dabei die Beschaffung von Papier. Der Gendarmerie gelang es zunächst nicht, die Druckerei auszuheben, trotz eines Großeinsatzes und zahlreicher Verhaftungen. Propagandamaterial kam auch aus Steinamanger. In Neufeld arbeitete eine Druckerei ebenfalls für die NSDAP.

Die Einschüchterung der politischen Gegner, besonders der "Vaterländischen" erfolgte durch Drohbriefe und Überfälle. Bedroht wurden etwa der Bezirkshauptmann von Güssing, Dr. Emmerich Faludi, die  Bürgermeister von Loipersdorf, Zuberbach und Gols. In Frauenkirchen wurde am 1. Feber 1938 auf Johann Kober, den Ortsleiter der Vaterländischen Front und Landtagsabgeordneten, ein Anschlag verübt. In Oberschützen wurden Prof. Tylian, Jungvolksführer und ein Unterführer überfallen und misshandelt.  Schwerwiegend war der "Fall Weichselberger", ein Fememord, der großes Aufsehen erregte. Johann Weichselberger lebte in Neustift bei Schlaining, einer Hochburg der NSDAP. Der gesamte Gemeinderat war dort zur NSDAP gewechselt und ein kommissarischer Leiter eingesetzt worden. Mitte November 1937 ging im Polizeikommissariat in Eisenstadt ein anonymes Schreiben ein, in dem mehrere Personen der Zugehörigkeit zur NSDAP und zur SS beschuldigt wurden. Die Nationalsozialisten erfuhren von dieser Anzeige und von den verdeckten Ermittlungen. Sie verdächtigten den früheren Funktionär Weichselberger. Bei seinem Parteiaustritt war es zu heftigen Auseinandersetzungen gekommen. Weichselberger bezeichnete die NS-Führer als Gauner, die Parteigelder missbrauchen würden. Weichselberger wurde am 28. November 1937 erschossen. Vom Anfang an wurden Nationalsozialisten der Tat verdächtigt. Es wurden mehrere Personen festgenommen. Als Hauptverdächtige galten Breymann und Arnhold, die wegen Hochverrates zur Fahndung ausgeschrieben waren. Im Gefolge dieser Tat wurden die Nationalsozialisten stärker überwacht und es gelang der Gendarmerie, das geheime Gaubüro und die Druckerei sudfindig zu machen. Acht Personen wurden festgenommen und in das Landesgericht Wien eingeliefert. Im Feber 1938, nach der Amnestie für Nationalsozialisten, weigerte sich der Staatsanwalt, die Verhafteten freizulassen. Am 12. März 1938 wurden sie schließlich freigelassen. Ein Versuch, nach dem Krieg den Prozess aufzurollen, blieb ergebnislos, da Breymann als Hauptverdächtiger im Krieg gefallen war.

Am Sonntag den 27. Feber 1938 veranstalteten die Nationalsozialisten in Oberwart eine Großkundgebung mit 14 000 Teilnehmern. redner waren der Propagandaleiter Hans Gober und Gauleiter Portschy. Am 11. März wurde zur Großkundgebung in Eisenstadt aufgerufen. Um 13 Uhr zogen die Teilnehmer zum Landhaus, wo Portschy vor 8000 Menschen eine Rede hielt. Portschx erhielt von Bundeskanzler Seyß - Inquart den Befehl, er solle sich in das Landhaus begeben und die Regierungsgewalt übernehmen. Portschy erklärte die im Landhaus versammelte Landesregierung für verhaftet. Nur Landesrat Strobl war nicht anwesend und wurde bald darauf ebenfalls verhaftet. Die Verhafteten wurden zunächst eine Woche in Eisenstadt gefangen gehalten und dann nach Wien überstellt. Zur gleichen Zeit fand auch in Oberwart eine Großveranstaltung mit 20 000 Teilnehmern unter Arnhold statt.

Portschy setzte Breymann als Sicherheitsdirektor ein und ernannte am 12. März die neue Landesregierung: Landeshauptmann: Dr. Tobias Portschy; Landesstatthalter Prof. Joseph Palham, Landesräte: Ing. Heinz Bierthelmer, Dr. Friedrich Schirk, Anton Schlamadinger und Alfred Simon. Am 15. März löste Portschy den Landtag auf und ernannte den neuen Landtag mit 30 Mitgliedern. Zur geplanten Volksabstimmung über den Anschluss an Deutschland fanden zahlreiche Veranstaltungen statt. Propagandazüge unter der Leitung von Breymann, Arnhold, Dr. Groß, Lang, Dr. Beyer, Schlag und Dr. Ponstingl als Redner waren im Lande unterwegs.  Die Abstimmung ging wie erwartet aus: im ganzen Land stimmten nur 61 Personen mit "Nein". In 297 von 324 Gemeinden gab es nur "Ja"-Stimmen.

"Politisch Unzuverlässige" in der Exekutive, bei den Beamten und in der Lehrerschaft wurden aus dem öffentlichen Dienst entlassen oder mit gekürzten Bezügen in Pension geschickt -etwa der Direktor des evangelischen Realgymnasiums in Oberschützen, Alfred Putsch. Neuer Direktor wurde Hans Bulfon. Der Lehrkörper wurde "gesäubert", 10 Lehrer und Professoren wurden im Land ohne Bezüge in Pension geschickt, vier Lehrer mit verkürzten Bezügen pensioniert und vier weitere strafversetzt. Alle Schulen wurden den Kirchen entzogen und als öffentliche Schulen weitergeführt.

Portschy dürfte bereits Anfang April 1938 Informationen erhalten haben, dass der Gau und das Land Burgenland aufgeteilt werden sollten. Er erarbeitete eine Denkschrift "Mission des Burgenlandes", die er dem Reichsinnenminister Frick übergab. Zeitweise gab es Pläne, einen Gau Südost unter Einbeziehung von Teilen der Steiermark und Niederösterreichs zu bilden. Die Entscheidung fiel schließlich für eine Aufteilung des Landes. Sie wurde von Hitler am 31. Mai 1938 genehmigt. Der Bezirk Neusiedl wurde dem Verwaltungsbezirk Bruck a.d.L. zugeordnet, Mattersburg dem Kreis EWisenstadt angeschlossen, Neudörfl kam an Wr. Neustadt. Oberpullendorf wurde um den niederösterreichischen Gerichtsbezirk Kirchschlag vergrößert, Oberwart blieb ein Kreis, Güssing und der nördliche Teil von Jenenrsdorf wurde dem Kreis Fürstenfeld, der südliche Teil von Jennersdorf dem Kreis Feldbach angeschlossen. Portschy wurde stellvertretender Gauleiter der Steiermark-

Literatur: Otto Fritsch, Die NSDAP im Burgenland 1933 - 1938. Diss. Wien 1993

Felix Tobler, Zur Frühgeschichte der NSDAP im Burgenland (1923-1933) IN: Burgenland 1938. Burgenländische Forschungen 73

 


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