Partei Stimmen Nationalratsmandate Landtags- mandate
Sozial- demokrat. Partei 55 256         3      13
Einheitsliste 57 765         3      14
Landbund 22 233         1        5

 Landtagswahl von 1927

Partei Stimmen Nationalrats- mandate Landtags- mandate
Sozialdemokrat. Partei 50 765         4      13
Christlich- soziale Partei und Heimwehr 55 447         4      14
Nationaler Wirtschaftsblock und Landbund  21 531         1        5
Heimatblock   5 105         0        0
NSDAP   1 014         0        0
KPÖ      632         0        0

 Landtagswahl von 1930

 

Im Burgenland  führten die Ereignisse von Schattendorf zur Beruhigung. Man hatte in allen Parteien die Gefahren, die von der Radikalisierung ausgingen, erkannt. Die Kompromissbereitschaft nahm zu. Die Wehrverbände wurden nicht weiter ausgebaut, der Wahlkampf relativ fair geführt.

Es gelang den Christlichsozialen, eine Einheitsliste mit den Großdeutschen und mit der Kroatenpartei zustande zu bringen. Den beiden kleinen Parteien wurden entsprechende Mandate zugestanden. Der Führer der Kroatenpartei, Lorenz Karall, sollte bald eine wichtige Rolle in der christlichsozialen Partei spielen. Lediglich der Landbund, früher Bauernbund, verschloss sich erneut dem christlichsozialen Werben. Die Einheitsliste bekam 14, die Sozialdemokraten 13 und der Landbund 5 Mandate. Die Nationalratsmandate wurden 3 : 3 : 1 aufgeteilt.

Nach langen Regierungsverhandlungen einigte man sich wieder auf eine Konzentrationsregierung. Landtagspräsident wurde Hoffenreich, Landeshauptmann Rauhofer. Leser, Till, Koch und Thullner sowie Pomper vom Landbund wurden Landesräte. Rauhofer schied jedoch bald aus seinem Amt und wurde, mit Zustimmung der Sozialdemokraten, durch den Walbersdorfer Ziegeleibesitzer Anton Schreiner ersetzt.

Am 24. Juli 1929 trat Landeshauptmann Schreiner aus persönlichen Gründen zurück. Landeshauptmann wurde der Neusiedler Pfarrer Johann Thullner. Inzwischen hatten sich die politischen Gegensätze erneut verschärft. Trotz aller Bemühungen um Zurückhaltung wurden nun vor allem im Südburgenland christlichsoziale Heimwehren aufgebaut und auch der Schutzbund erweiterte seine Organisation. In vielen Dörfern standen einander die bewaffneten Wehrformationen gegenüber.

Die ersten Zusammenstöße ereigneten sich im Oktober 1928. Beim Straßenbau Lockenhaus - Liebing verhinderte die sozialdemokratische Bauarbeitergewerkschaft unter ihrem einflussreichen Führer Hans Suchard die Beschäftigung von vier Bauarbeitern, nur weil diese in der christlichsozialen Gewerkschaft organisiert waren. Daraufhin erzwangen die Heimwehren durch einen Aufmarsch und Drohungen die Beschäftigung dieser Arbeiter. Nach diesem Vorfall brachen die Dämme erneut. Immer wieder marschierten die Wehrverbände auf. Im Sommer 1929 sah sich die Landesregierung gezwungen, ein generelles Aufmarschverbot zu erlassen. Die beginnende Arbeitslosigkeit im Gefolge der Weltwirtschaftskrise trieb immer mehr Männer in die Wehrverbände. Die Heimwehr hatte 1929 etwa 7000 Mann, viele davon freilich eher auf dem Papier als aktiv, der Schutzbund zählte 3000 Mann. Beide Wehrverbände waren bewaffnet.

 

Im Oktober 1930 fanden Neuwahlen statt. Die Heimwehren machten innerhalb der Liste "Christlichsoziale und Heimwehr" schon stark ihren Einfluss geltend. Diese Liste verlor etwa 2300 Stimmen. Noch dramatischer war mit etwa 4500 Stimmen der Verlust der Sozialdemokraten. Der Landbund bekam ebenfalls um 700 Stimmen weniger. Im Landtag erhielten die Christlichdozialen 14, die Sozialdemokraten 13, die Landbündler 5   Mandate. Der Landbündler Vass trat zu den Christlichsozialen über. Nationalsozialisten und Kommunsiten kandidierten erstmals im Burgenland.

Die Regierungsverhandlungen hatten gezeigt, dass die alte Garde der Christlichsozialen, die zu Verhandlungen und Konzessionen eher bereit war, immer mehr von jungen Funktionären bedrängt wurden. Diese waren unnachgiebig und schon stark von den Ideen eines autoritären Ständestaates geprägt. Zu diesen "Jungrürken" gehörten etwa Hans Sylvester, Lorenz Karall und Johann Wagner, die an die Macht drängten. Noch war aber Michael Koch einflussreich genug, um sie zu zügeln.

Am 5. Oktober 1931 trat Landeshauptmann Schreiner zurück. Bei den nun folgenden Verhandlungen zeigten sich die Christlichsozialen absolut unnachgiebig. Da erreichte Ludwig Leser noch einmal Handlungsspielraum. Er nahm Verhandlungen mit dem Landbund auf. Am 25. November 1931 wurde Dr. Alfred Walheim von Landbündlern und Sozialdemokraten zum Landeshauptmann gewählt. Dabei hat sich Leser aber offenkundig verspekuliert. Zwar hatten Walheim und die beiden sozialdemokratischen Landesräte in der Regierung die Mehrheit, doch konnten die drei Christlichsozialen Landesräte durch Fernbleiben von den Sitzungen jeden Beschluss verhindern. Und genau dies taten sie auch. Koch war es angesichts der Schlappe bei der Regierungsbildung, für die die radikalen Jungen verantwortlich waren, noch einmal gelungen, die Partei zu einen. Er verhinderte nun jeden Regierungsbeschluss.

Das Burgenland im "Ständestaat" 1934 bis 1938

Literatur:

  • A. Ernst, Burgenland
  • Charlotte Heidrich, Burgenländische Politik in der Ersten Republik. Deutschnationale Parteien und Verbände im Burgenland vom Zerfall der Habsburgermonarchie bis zum Beginn des autoritären Regimes (1918 - 1933), Verlag für Geschichte und Politik, Wien 1982
  • Um Freiheit und Brot. Geschichte der burgenländischen Sozialdemokratie von den Anfängen bis 1945. Eisenstadt 1984


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