Im September 1920 wurde in Wien aus 17 Partei- und Ländergruppen die Großdeutsche Volkspartei gegründet. Sie war ein Zusammenschluss der verschiedensten Organisationen des deutschnationalen Lagers, das in den letzten Jahren der Monarchie noch eine entscheidende Rolle spielte. Nur die "Deutsche Bauernpartei", aus der später der Landbund wurde, und die Nationalsozialisten unter Walter Riehl blieben außerhalb dieses Zusammenschlusses. Gemeinsam hatten die vielen Gruppen die Idee der deutschen Volksgemeinschaft, die sie als Alternative zu Sozialismus und Klassenkampf sahen. Selbstverständlich traten sie - wie auch die anderen Parteien der ersten Republik - für den Zusammenschluss mit der deutschen Republik ein.

Im Burgenland kann man die Wurzeln der Großdeutschen bis weit zurück in das 19. Jahrhundert verfolgen. Ihre wichtigsten Persönlichkeiten waren im Süden Deutschwestungarns der Schönerianer  Karl Wollinger, im Norden Adalbert Wolf. Ihr Wirken für das westungarische Deutschtum schuf lange vor dem Anschluss an Österreich die Basis, auf der später die deutschnationalen Parteien, neben den Großdeutschen auch der Landbund, aufbauen konnten. Wollinger wirkte zunächst im Bildungs- und Kuturbereich (Eisenburger Volksbildungsverein, Deutsche Bibliothek, 1912 Westungarischer Volks und Fortbildungsverein), dann, nachdem die Magyaren alle diese Initiativen abwürgten, auch auf wirtschaftlichem Gebiet (Eltendorfer Raiffeisenkasse als erste in Westungarn). 1907 war Wollinger an der Gründung der Ungarländischen Deutschen Volkspartei beteiligt und gehörte deren Exekutivkomitee an. Er leitete diese Partei in Westungarn. Entscheidend waren die Wahlen von 1910, bei denen es der Partei jedoch nicht gelang, ihre Kandidaten in das Budapester Parlament zu bringen. Edmund Steinacker, der berühmte Führer der ungarländischen Deutschen, war der Kandidat der Partei im Wahlkreis St. Gotthard. Steinacker berichtete in seinen Lebenserinnerungen, dass er im Lafnitztal bereits Gemeinden vorfand, die von Wollinger für die Verteidigung deutscher Interessen gut vorbereitet waren. Wollinger hatte seit 1904 ein Netz von Vertauensleuten aufgebaut. Auf dieses Netz konnte er sich dann im Anschlusskampf und später, im neuen Bundesland Burgenland, beim Aufbau der Großdeutschen Partei, stützen.

Als organisatorische Vorläufer der Großdeutschen Volkspartei kann man in Deutschwestungarn - Burgenland zwei Parteigründungen sehen: einerseits die im Wieselburger Komitat am 11. Feber 1919 gegründete "Vierburgenländische deutsch - autonome Volkspartei". Jene aber, die im Feber 1919 nach der großen Enttäuschung durch das Autonomiegesetz der ungarischen Regierung, bereits auf den Anschluss an Österreich setzten, organisierten sich in der "Deutschen Freiheitspartei" unter der Führung von Karl Wollinger.

Wollinger unterstützte zwar auch die Autonomiebewegung, sein eigentliches Ziel war aber der Anschluss an Österreich.Schpn am 4. Dezember 1918 hielt er in Eltendorf eine Konferenz von Vertrauensmännern aus dem Komitat Eisenburg ab, die bedingungslos für den Anschluss an Österreich eintrat. Wollinger mißtraute den ungarischen Zusicherungen. Tatsächlich war dann das Autonomiegesetz enttäuschend und die Wahlen zum vorgesehenen Landtag in Ödenburg wurden hinausgezögert, bis es schließlich zu spät war, da in Budapest die Räteregierung ausgerufen wurde.

In der zweiten Februarhälfte 1919 wurden die Vorbereitungen zur Gründung dieser Partei getroffen. Am 14. Feber 1919 fand eine Vertrauensmännerkonferenz aus allen Teilen Westungarns in Wien statt. Es wurde die Frage Autonomie oder Anschluss dirkutiert. Die Entscheidung fiel eindeutig für den Anschluss an Österreich. Besprochen wurde auch die Bildung einer "Volksorganisation", die die Basis für die Freiheitspartei bilden sollte. Dann wurde das Programm der Partei beschlossen und Wollinger zum Obmann gewählt. Im Programm wurde die Vorbereitung und Durchführung der Landtagswahlen für das autonome gebiet Deutschwestungarn festgeschrieben. Mit der Freiheitspartei gelang es Wollinger erstmals auch im Norden Fuß zu fassen. Es folgten zahlreiche Versammlungen, um Kandidaten für die Wahlen aufzustellen. Im Süden begann Wollinger auch mit dem Aufbau der "Volksorganisation" aus Baurn-, Gewerbe- und Arbeitebünden. Er griff damit seine Aktivitäten aus der Vorlkriegszeit wieder auf.

Die wichtigste Zeitung dieses Lagers war der von Friedrich Gottschalk herausgegebene "Weckruf", der schon ab 12. Jänner 1919 erschien. Vom 22. Feber bis 14. März war Gottschalk im Gefängnis. In diesem Zeitraum erschien die "Deutsche Freiheit", erstmals am 11. März, eine Art  Parteizeitung der Deutschen Freiheitspartei.

Alle diese Aktivitäten endeten mit der Ausrufung der Räterepublik Wollinger, Wolf, Amon und viele andere Angehörige des deutschbewußten Lagers waren in ihren Aktivitäten stark eingeschränkt. Wollinger wurde von der Räteregierung verhaftet. Daran änderte sich auch nach der Niederlage der Räte und der "weißen" Gegenrevolution nichts. Die Autonomiegesetze wurden zurückgenommen, die deutschbewussten Persönlichkeiten verfolgt. Wolf war lange Zeit inhaftiert, Wollinger musste in die Steiermark fliehen. Ein weiterer Aufbau der Deutschen Freiheitspartei war unter diesen Umständen nicht möglich.

Eine weitere Wurzel der Großdeutschen  Volkspartei des Burgenlandes ist in Wien zu suchen. Es waren auch in Wien die Großdeutschen, die zuerst und maßgebend für den Anschluss des Burgenlandes an Österreich arbeiteten. Großdeutsche Kreise waren es, die schon seit dem Ausgang des 19. Jahrhunderts auf die deutsche Bevölkerung Westungarns aufmerksam machten (vgl. dazu Deutsche Landsleute aus Ungarn in Wien) und die ersten Anschlussforderungen erhoben. Auch der Verein zur Erhaltung des Deutschtums in Ungarn, der eine wichtige Rolle im Anschlussgeschehen spielte, war von Großdeutschen dominiert. Eine Versammlung am 15. Dezember 1918, auf der erstmals das zukünftige Schicksal Westungarns öffentlich diskutiert wurde, fand im Festsaal des Deutschen Schulvereins statt. Eintrittskarten dazu wurden vom "Deutschen Klub", vom "Deutschen Schulverein",  vom "Verein zur Erhaltung des Deutschtums in Ungarn", vom "Bund der Deutschen in Niederösterreich" und vom Verein "Südmark" ausgegeben. Als Zweck der Versammlung wurde die "Förderung der nationalen Bestrebungen der westungarischen Volksgenossen" angegeben.

Die führende Rolle, die der Verein zur Erhaltung des Deutschtums in Ungarn zunächst bei allen Bemühungen um Deutschwestungarn hatte, ging aber verloren, da im Verein Meinungsverschiedenheiten aufbrachen. Der Fabrikant Josef Breitenstein, der auch ein wichtiger Geldgeber des Vereins war, und der Staatsrat Raimunf Neunteufel waren sich nicht über den Kurs bezüflich Westungarns einig. Breitenstein wollte bei der bisherigen Linie, also Autonomie für die Deutschen Westungarns, bleiben, Neunteufel hingegen war für die radikale Lösung eines Anschlusses, wenn nötig auch unter Anwendung von Gewalt, also durch einen bewaffneten Aufstand. Durch den Streit wurden alle Aktivitäten des Vereins lahmgelegt. Eine der Unterorganisationen, der vom Mönchhofer Thomas Poltz gegründete Verein "Deutsche Landsleute aus Ungarn", übernahm nun die aktive Rolle. Im März 1919 wählte diese Gruppe Dr. Alfred Walheim zum Obmann. Er fand im

Siebenbürger Sachsen Dr. Ernst Friedrich Beer, im Schwaben Johann Umlauf und im Schlesier Rudolf Losert  wichtige Mitarbeiter. Die "Deutschen Landsleute" hielten vom März 1919 bis zum endgültigen Anschluss des Burgenlandes an Österreich jeden Dienstag eine öffentliche Versammlung in Matthias Stockingers Gastwirtschaft in der Gumpendorfer Straße ab.

Als Antwort auf das parteipolitisch ausgerichtete Auftreten der Sozialdemokraten und der Christlichsozialen in der (ersten) Verwaltungsstelle (siehe Vorbereitungen in Wien auf den Anschluss) gründeten auch die Großdeutschen in Wien eine burgenländische Parteiorganisation. Der vorläufigen Landesparteileitung gehörten bedeutende Persönlichkeiten an: Walheim, Beer, Schuster, Jungmann, Wienecke sowie der Redakteur der Ödenburger Zeitung, Hans Ambroschitz. Das genaue Datum der Wahl ist nicht eruierbar. Es muss in der zweiten Jahreshälfte 1920 gewesen sein. In Westungarn dürften die Großdeutschen nicht allzu viele Aktivitäten gesetzt haben. Lediglich eine Flugblattaktion ist bekannt.

Eine wichtige Rolle bei der Entstehung der burgenländischen Gtoßdeutschen spielte der Verein Südmark, der die Burgenlandfrage zu einem wichtigen Anliegen machte. Die "Deutschen Landsleute aus Ungarn" gingen in der Südmark auf.

Die vorläufige Landesleitung der Großdeutschen unter Walheim begann in Wien mit dem Aufbau der Parteiorganisation. Walheim hatte dabei gute Kontakte auch zu den anderen Parteien, insebsonders zu den Sozialdemokraten. Auch im Ödenburger Heimatdienst (siehe Die Volksabstimmung von Ödenburg) arbeitete man eng zusammen. Das sollte sich auf die burgenländische Politik in der ersten Republik entscheidend auswirken. Der Ödenburger Heimatdienst  schuf mit dem "Freien Burgenländer" eine eigene Zeitung unter der Leitung von Hans Ambroschitz. Diese Zeitung wurde dann zur Parteizeitung der Großdeutschen.

Die Großdeutschen stellten vier der zwölf Mitglieder in der Verwaltungsstelle in Wien, an deren Errichtung sie maßgebend beteiligt waren. Sie wurden aber durch den Landesverwalter Dr. Davy stark eingeschränkt. Mit ihm kam es zu schweren Spannungen. Die Großdeutschen drängten daher Ende 1921 auf möglichst rasche Neuwahlen und auf die Absetzung Davys. Die Großdeutschen setzten sich für Dr. Rauhofer als Nachfolger ein. Dieser war eben aus der christlichsozialen Partei ausgetreten. Die Christlichsozialen wollten allerdings Dr. Rausnitz als Nachfolger. Davy setzte sich für Rausnitz ein und auch die Sozialdemokraten stimmten zu.

Erst nach dem vollzogenen Anschluss gingen die Großdeutschen daran, die einzelnen Gruppen im Lande selbst zusammenzuschließen und zu organisieren - die Anhänger Wollingers im Süden, die Wolfs und Amons im Neusiedler Raum und die in Wien entstandene Organisation. Dabei muss berücksichtigt werden, dass die Gruppe um Wolf im Norden über zwei Jahre völlig lahmgelegt war. Wolf befand sich seit 31. August 1919 im Gefängnis, Amon hatte sich aus der politischen Tätigkeit zurückgezogen. Im Süden war die Situation in der Horthy - Zeit nicht viel besser. Auch dort wurden die deutschnational denkenden Westungarn verfolgt. Wollinger war mehrmals im Gefängnis und musste das Land schließlich verlassen, konnte aber von Fürstenfeld aus und bei gelegentlichen, für ihn sehr gefährlichen Besuchen auch weiterhin Einfluss auf die Entwicklung nehmen. In Wien hingegen, in der provisorischen Landesleitung, konnte Walheim mehr und mehr die führende Position gwinnen.

Ende 1921 waren zahlreiche Artikel im "Freien Burgenländer" bereits der Konstituierung der Großdeutschen Volkspartei gewidmet. Am 31. Jänner 1922 wurde der Ödenburger Heimatdienst aufgelöst, Ambroschitz führte nun den Freien Burgenländer als Zeitung der Großdeutschen weiter. Wollinger reichte Anfang Dezember 1921 die von ihm erarbeiteten Satzungen des "Großdeutschen Landbundes" bei der Verwaltungsstelle für das Burgenland ein. Am 8. Jänner 1922 wurde die Gründungsversamlung des "Großdeutschen Landbundes für das Burgenland" in Sauerbrunn abgehalten. Die komplizierte Bezeichnung wurde gewählt, weil man schon im Namen der Partei zum Ausdruck bringen wollte, dass man "alle Deutschen im Lande, seien es Bauern oder Bürger, Arbeiter, Beamte oder Gewerbetreibende" ansprechen wollte. Der "Vorbereitende Ausschuß" legte einen Wahlvorschlag für den Parteivorstand vor. Wollinger wurde als Obmann, Wolf als sein Stellvertreter vorgeschlagen. Ferner war ein Beirat aus 14 Personen vorgesehen, unter ihnen auch Walheim. Die konstituierende Versammlung am 2. Feber brachte aber ein anderes Ergebnis. Wollinger und Walheim wurden als Obmänner gewählt, Walheim bekam die aktivere Rolle des "geschätsführenden Obmannes". Wolf wurde Obmannstellvertreter. Diese Zurücksetzung Wolfs gegenüber Walheim wurde oft erörtert. Ursache war vermutlich die bereits erwähnte Tatsache, dass Wolf durch seine lange Haft im ungarischen Gefängnis ja ausgeschaltet war. Er wurde erst am 30. Dezember 1921 entlassen.

Nach der Gründung der Partei entfalteten die Großdeutschen eine umfangreiche Versammlungstätigkeit und gründeten zahlreiche Ortsgruppen. Schon damals zeichnete sich die relativ einseitige Ausrichtung der Anhängerschaft auf Intellektuelle und Gewerbetreibende ab, Bauern waren unterrepräsentiert, ebenso die Arbeiter. Ein Programm, die "14 Punkte des Großdeutschen Landbundes für das Burgenland", wurde erstellt und am 28. Feber 1922 im "Freien Burgenländer" veröffentlicht. Man trug der sozialen Struktur der burgenländischen Bevölkerung insofern Rechnung, als die meisten Programmpunkte sich auf die bäuerliche Bevölkerung und auf die Landwirtschaft bezogen. So wurde eine Landreform durch Bodenverbesserung, Grundzusammenlegung und eine Verkleinerung des Großgrundbesitzes "auf ein erträgliches Maß verlangt. Auch eine Förderung der Tierzucht, des Weinbaues und die Errichtung  von landwirtschaftlichen Schulen wurden verlangt. Das Genossenschaftswesen - ein altes Anliegen Wollingers - sollte ausgebaut werden. Für Schulen und Kirchen wurden deutsche Lehrer und Pfarrer gefordert. Man wandte sich entschieden gegen veraltete Privilegien der Kirche, etwa gegen noch bestehende Roboten oder auf Naturalabgaben. Am auffallendsten an diesem Programm ist die Zurückhaltung im Hinblick auf die Aufteilung des Großgrundbesitzes. In der nordburgenländischen Sozialdemokratie und in südburgenkändischen Landbundkreisen wurde hingegen entschieden die komplette Aufteilung des Besitzes der magyarischen Magnaten gefordert. Die Großdeutschen hatten Probleme mit einer möglichen Enteignung, sie wollten und konnten den bürgerlichen Eigentumsbegriff nicht in Frage stellen. Außerdem machte sich wohl schon die Erkenntnis breit, dass zumindest einige der Großgrundbetriebe rationeller zu führen wären als viele tausend Kleinstbetriebe. Ein weiterer Vorschlag, die Einführung des Anerbenrechtes (nur ein Kind erbt den gesamten landwirtschaftlichen Besitz) auch im Burgenland, ging jedoch weit an den burgenländischen Gegebenheiten  vorbei und beweist, wie wenig Fingerspitzengefühl man bei den Großdeutschen für die soziale Problematik vor allem des Südburgenlandes hatte.

Es gelang den Großdeutschen  im Burgenland nicht, alle deutschbewussten Kreise einzubinden. Von der Steiermark her wurde der Bauernbund (später Landbund) organisiert. Die größten Erfolge hatten die Großdeutschen ganz im Süden des Landes und im Neusiedler Raum, wo Wollinger und Wolf schon lange vorgearbeitet und entsprechende Strukturen geschaffen hatten. Stark vernachlässigt wurden das mittlere Burgenland und der Bezirk Güssing, anfangs auch der Bezirk Oberwart, obwohl dort in den zahlreichen evangelischen Gemeinden einen entsprechendes großdeutsches Potential vorhanden war. Erst mit der Entwicklung der Oberschützener Schulen zu Zentren deutschbewussten Denkens durch eine neue Generation von Professoren konnte auch im Oberwarter Raum ein neues Zentrum entstehen.

Problematisch war für die Großdeutschen, dass auch der Verein Südmark eine eigene Organisation aufbaute. Die Südmark sollte zwar ursprünglich die Großdeutschen unterstützen, nahm aber offenbar eine eigenständige Entwicklung und verfügte auch über eigene, offenbar beträchtliche Geldquellen. Der erste Bezirksparteitag der Großdeutschen fand in Jennersdorf statt. Er wurde zu einer Massenkundgebung, die bewies, dass dieser Bezirk nahezu ganz von den Großdeutschen dominiert wurde. Neben Wollinger und Walheim traten auch Abgesandte der Reichsparteileitung und Gäste aus der Steiermark und aus Salzburg auf. Der zweite Bezirksparteitag wurde im Oberwarter Bezirk, in Oberschützen, abgehalten. Auch er war sehr gut besucht. Die großdeutsche Landespartei war so im Hinblick auf die bevorstehenden Wahlen überaus optimistisch. Im Freien Burgenländer vom 7. Mai 1922 berichtete Ambroschitz von 100 Ortsgruppen und 12.500 Mitgliedern. Tatsächlich war die Situation aber auch im Südburgenland wenig rosig, denn dort wurde verstärkt die ebenfalls deutschnationale Österreichische Bauernpartei unter der Bezeichnung "Burgenländischer Bauernbund" (später Landbund) aktiv. Sie war dank der Hilfe der Steirer straff organisiert und hatte den Vorteil, dass sie ohne Rücksichtnahme auf andere Interessen konsequent für die bäuerlichen Anliegen eintreten konnte. Einigungsversuche mit dieser Gruppe, die ja weltanschaulich den Großdeutschen sehr nahestand, scheiterten unter anderem auch daran, dass der Bauernbund damals noch für den Anschluss des Südburgenlandes an die Steiermark eintrat.

Für den Wahlkampf 1922 wurde von den Großdeutschen eine "burgenländische Wahlkampfrede" entworfen, ein Schema, in dem alle Argumente gegen die anderen Parteien zusammengestellt waren. Den Christlichsozialen warf man vor allem die promagyarische Haltung vor, aber auch ihre habsburgerfreundliche Einstellung und den großen Einfluss des Klerus. Weniger scharf war die Frontstellung gegen die Sozialdemokraten, die man erheblich unterschätzte. Auch ihnen warf man ihre Einstellung in ungarischer Zeit, die Teilnahme an der Räteregierung, aber auch ihre Religionsfeindlichkeit vor. Man behauptete, die Sozialemokraten würden Privateigentum und Hausbesitz abschaffen  und den Achtstundentag einführen wollen. In wirtschaftspolitischer Hinsicht traten die Großdeutschen für die Schaffung besserer Arbeitsmöglichkeiten im Land ein.

Der Vorwurf der Kirchenfeindlichkeit, der von den Christlichsozialen und den Pfarrern gegenüber den Großdeutschen erhoben wurde, bewog diese, die Schulfrage im Wahlkampf nicht aufzugreifen. So wurden die schon im November 1921 in einer von Michael Gsell und Julius Polster verfassten  Denkschrift ausgearbeiteten Pläne zur raschen Einführung des österreichischen Reichsvolksschulgesetzes und damit zur Auflösung der konfessionellen Schulen zunächst nicht aktualisiert. Im Vorwurf der Kirchenfeindlichkeit sah man mit Recht eine große Gefahr.

Das Verhältnis der Großdeutschen zur Bauernpartei (Bauernbund, später Landbund) war zwiespältig. Ideologisch stimmte man weitgehend überein, beide Parteien waren deutschnational. Man hoffte daher lange auf eine Einigung. Es fanden Gespräche statt. Es scheint als ob die Bauernpartei vom Anfang an sehr hohe Forderungen gestellt hätte und auch die Konfrontation nicht gescheut hätte. Die Großdeutschen gingen aber erst in der letzten Phase des Wahlkampfes, nachdem die Verhandlungen endgültig gescheitert waren, auf Konfrontationskurs.

Die Großdeutschen gingen davon aus, ohne Schwierigkeiten die Mehrheit der Atimmen zu gewinnen und den Landeshauptmann stellen zu können. Man glaubte, die burgenländische Bevölkerung würde die Leistungen der Großdeutschen für den Anschluss entsprechend würdigen. Einen Sieg der Sozialdemokraten hielt man für völlig ausgeschlossen, angesichts der Rolle, die diese Partei in der Rätezeit gespielt hatte.   Wie sehr die Großdeutschen an ihren Sieg glaubten zeigt allein die Tatsache, dass sowohl Wollinger wie Walheim nur auf der Nationalratsliste, nicht aber auf der Landtagsliste kandidierten, also gar nicht daran dachten, sich abzusichern.

Das Ergebnis der Nationalrats- und Landtagswahl vom 18. Juni 1922 (siehe Landespolitik 1922 bis 1927) war für die Großdeutschen überaus enttäuschend. Die Sozialdemokraten wurden mit 38,1 % der Stimmen die stärkste Fraktion, die Christlichsozialen erhielten 31,2 %, der Burgenländische Bauernbund 17,1 % und die Großdeutschen nur 12,8 %. In den Nationalrat zog Karl Wollinger als einziger Großdeutscher ein, Landtagsmandate erhielten Adalbert Wolf, Johann Meixner, Diplomlandwirt aus Zurndorf, Michael Gsell ( Professor und Wirtschaftsbesitzer in Oberschützen) und Julius Fischl (Bürgermeister und Landwirt in Güssing).

Die Großdeutschen führten ihr schlechtes Abschneiden auf das Auftreten der Bauernpartei zurück, die man im Wahlkampf als nationale Bruderpartei geschont hatte. Nun war man der Ansicht, die Bauernpartei hätte die Kleinbauern und Kleinhäusler durch ihr Auftreten in das Lager der Sozialdemokraten getrieben. Viel entscheidender dürfte aber gewesen sein, dass sich die Großdeutschen zu sehr auf ihren guten Ruf aus der Anschlusszeit verließen, inzwischen aber längst den Ruf einer "Beamten- und Professorenpartei" hatten. Eine der Hauptursachen für die Niederlage war ohne Zweifel das geforderte Anerbenrecht, wie Walheim nach der Wahl auch zugab. Der zweite Schwachpunkt war mit Sicherheit die unklare Haltung der Großdeutschen zur Religion. Die Großdeutschen galten in der Öffentlichkeit - mit einigem Recht - als antiklerikal. Das war in einer Zeit, in der die Kirchenbindung nahezu der gesamten Bevölkerung noch sehr eng war, ein entscheidender Nachteil. Die Christlichsozialen hingegen konnten über die Pfarrer jedes Dorf und jeden Menschen ansprechen und entsprechend beeinflussen. Das gelang ihnen trotz des schlechten Rufes aus der Anschlusszeit.

Walheim versuchte nach diesem Wahldebakel, zusammen mit dem Bauernbund einen gemeinsamen Landtagsklub zu bilden. Bei den Regierungsverhandlungen zeigte sich zunächst die alte Aversion der Großdeutschen gegenüber den Christlichsozialen. Sie sprachen sich für eine Arbeitsgemeinschaft aller Parteien aus und - falls diese nicht zustande kommen sollte - für eine Koalition mit der Bauernpartei und den Sozialdemokraten. Die Bildung eines gemeinsamen Klubs mit der Bauernpartei wurde vor allem von Walheim vorangetrieben. Die ersten Gespräche fanden zwischen ihm und dem steirischen Landesrat Winkler statt - am 1. Juli 1922 in Sauerbrunn und am folgenden Tag in Graz. Der Bauernbund verlangte eine schriftliche Erklärung der Großdeutschen zu folgenden Punkten: Verhältnis zu den anderen Parteien, zur Mandatsverteilung und zur Rolle des gemeinsamen Klubs bei den folgenden Wahlen. Die Großdeutschen verabschiedeten am 1. Juli in Sauerbrunn ein Fünf - Punkte - Programm, das den Wünschen des Bauernbundes weitgehend entsprach. Die gemeinsame Bezeichnung sollte "Deutscher Verband im Burgenländischen Landtag" sein. Auch über die Mandatsverteilung einigte man sich. Landeshauptmann sollte ein unabhängiger Beamter werden. Man dachte im Bauernbund dabei an Rauhofer. Aber auch die Möglichkeit, Walheim zum Landeshauptmann zu machen, wurde erwogen. In Graz stimmte die Bauernpartei diesen Vorschlägen zunächst weitgehend zu, verlangte aber die Klärung einiger weiterer Punkte, etwa die Zustimmung der anderen Parteien zur Klubbildung. Auch inhaltlich konnte eine vollständige Einigung in den entscheidenden Bereichen (Schulfrage, Eherecht, Unteilbarkeit des Landes, keine ungarnfreundliche Politik) erzielt werden. Schließlich scheiterten die Bemühungen aber doch, und zwar an der Mandatsfrage. Zu Schwierigkeiten kam es bereits bei Verhandlungen am 10. Juli, als die Bauernpartei die bereits getroffenen Abmachungen wieder in Frage stellte. Sie wollte nunmehr dem gemeinsamen Klub nur dann zustimmen, wenn dadurch die Sozialdemokraten nicht in die Opposition gedrängt würden. Die Haltung der Bauernpartei schwankte in der Folgezeit, auch bei den Verhandlungen mit den Christlichsozialen. Sie verlangte schließlich die Stelle des Landeshauptmannes oder Landeshauptmannstellvertreters, die des Landtagsvizepräsidenten und das sichere Landesratsmandat. Den Großdeutschen wäre nur ein eventuelles zweites, höchst unsicheres Landesratsmandat und ein ebenfalls unsicheres Bundesratsmandat geblieben. Sie verlangten zumindest das sichere Landesratsmandat. Die Bauernpartei verweigerte dieses. Damit waren die Verhandlungen zur Bildung eines gemeinsamen Landtagsklubs endgültig gescheitert.

Die Großdeutschen gingen nun auf den Vorschlag der Sozialdemokraten ein, die Zahl der Regierungsmitglieder zu vermehren, um auf diese Weise ebenfalls einen Landesrat zu erhalten. Die Christlichsozialen stimmten dieser Lösung ebenfalls zu. Es kam also zu einer Arbeitsgemeinschaft, in der alle vier Parteien auch in der Landesregierung vertreten waren.

 

Die Regierung, die schließlich zustande kam, war keine Koalitionsregierung, sondern eine Arbeitsgemeinschaft, an der alle vier im Landtag vertretenen Parteien Anteil hatten. Die Sozialdemokraten verzichteten als stärkste Fraktion auf das Amt des Landeshauptmannes. Landeshauptmann wurde der unabhängige Beamte Dr. Alfred Rausnitz. Von den zwei Landesräten, die den Sozialdemokraten zustanden, traten sie einen an die Großdeutschen ab. Diese Position bekam Dr. Alfred Walheim. Mit diesem äußerst geschickten Schachzug erreichte Leser eine tragfähige stille Zusammenarbeit mit den Großdeutschen. Das Streben Walheims nach einem entsprechenden Amt mag eine wichtige Rolle gespielt haben. Man darf ihm jedoch nicht ausschließlich ein opportunistisches oder gar egoistisches Verhalten unterstellen. Die Verhandlungen mit der Bauernpartei waren schließlich auch an deren übertriebenen Forderungen gescheitert. Das Verhältnis zwischen Walheim und Leser war schon lange, seit der gemeinsamen Arbeit im Ödenburger Heimatdienst, gut und die beiden Parteien hatten ja manche gemeinsame Anliegen, etwa die Schulfrage. Walheim bekam das Schulreferat und damit die Schlüsselstelle in der sofort beginnenden Auseinandersetzung in der Schulfrage. Die Christlichsozialen, die als einzeige Partei das bisherige, konfessionelle Schulwesen beibehalten wollten, erkannten dies auch und wehrten sich heftig gegen die Bestellung Walheims als Landesrat. Sie hätten lieber einen Sozialisten in dieser Position gesehen. Leser aber erkannte, dass der Hauptgegner die katholische Kirche war und ließ nun Walheim die Kastanien aus dem Feuer holen (zum Schulkampf und dessen Hintergründe siehe Landespolitik 1921 bis 1927). Die Pläne zur Übernahme des österreichischen Reichsvolksschulgesetzes scheiterten schließlich am Widerstand der christlichsozialen Regierung unter Bundeskanzler Seipel. In der gesamten Schulfrage waren Großdeutsche und Bauernbund (Landbund) die treibenden Kräfte. Sie konnten aber stets mit der Unterstützung der Sozialdemokraten rechnen.

Am 1. August 1922 forderte die Bauernpartei (Landbund) die burgenländische Landesregierung auf, einen Gesetzesentwurf vorzulegen, der das gesamte burgenländische Schulwesen nach österreichischem Vorbild regeln sollte. Die Großdeutschen zogen sofort mit. Ende September wurde dann dieses Schulaufsichtsgesetz im Landtag zur Diskussion gestellt. Die Christlichsozialen versuchten vergeblich, diesen Punkt von der Tagesordnung abzusetzen. Das Gesetz sah die Abschaffung der bisherigen "Schulstühle" und die Errichtung von Orts-, Bezirks- und eines Landesschulrates vor. In ihnen sollten die Pfarrer nicht mehr automatisch vertreten sein. Für die Übernahme der Lehrer aus ungarischer Zeit wurde eine Prüfung in deutscher Sprache verbindlich. Das Gesetz wurde schließlich gegen die Stimmen der Christlichsozialen angenommen. Diese beschwerten sich wegen des Verhaltens der Großdeutschen in der Schulfrage bei der Reichsparteileitung der Großdeutschen in Wien. Wolf fuhr nach Wien und erläuterte der Parteileitung das Verhalten der Partei im Burgenland. Er wies darauf hin, dass die Großdeutschen zu vermitteln versucht hatten. Er vertrat aber auch die Notwendigkeit dieses Gesetzes, weil damit der Einfluss der magyaronischen Pfarrer auf die Lehrer und die Schulen zurückgedrängt werden könnte. Walheim berichtete außerdem, dass im urdprünglichen Entwurf der Pfarrer Sitz und Stimmrecht im Ortsschulrat haben sollte, dies aber von den Bauernbündlern und den Sozialdemokraten entschieden abgelehnt worden war. Walheim war - noch vor dem Gespräch mit dem chtistlichsozialen Unterrichtsminister - bereit, einer Kompromissformel zuszustimmen. Er versuchte in Gesprächen mit den Kirchenvertretern und den Sozialdemokraten, die in dieser Frage keineswegs geschlossen waren, eine Lösung zu finden. Noch komplizierter wurde die Schulfrage durch das Problem der Minderheitenschulen (siehe Kroaten).

Der Schulkampf wurde heftig und polemisch geführt. Die Christlichsozialen griffen Walheim immer wieder scharf an und schreckten auch vor persönlicher Verunglimpfung nicht zurück. Der enorme Druck der dadurch auch in der Bundespolitik entstand, veranlasste die Großdeutschen in Wien, sehr zurückhaltend zu agieren. Dadurch wurde es dem christlichsozialen Unterrichtsminister schließlich möglich, das burgenländische Schulgesetz zu verhindern. Das im burgenländischen Landtag beschlossene Gesetz musste der Bundesregierung vorgelegt werden. Um Widersprüche zwischen Bundes- und Landesgesetzen zu verhindern, war eine Genehmigung erforderlich. Diese Übereinstimmung wurde voll beachtet, das Gesetz hätte also genehmigt werden müssen. Trotzdem wurde es vom Unterrichtsminister wegen "Nichtbeachtung des Protestantengesetzes" (was ein völlig unberechtigter Vorwurf war) und wegen "stilistischer Mängel" am letzten Tag der Einspruchsfrist zurückgewiesen. Die Einwände waren äußerst fadenscheinig, es ging ausschließlich darum, das Gesetz im Interesse der Christlichsozialen zu verhindern.

Walheim musste nun erneut Verhandlungen in der Landesregierung und im Landtag führen. Auf Wunsch Lesers sollte auch ein Vertreter der Bundesregierung an den Verhandlungen aller Parteien teilnehmen. Die Gespräche in der Landesregierung wurden ergebnislos abgebrochen. Der Vertreter der Regierung war ein junger Abgeordneter, der nicht autorisiert war, verbindlich Stellung zu nehmen. Das heißt, man wollte in Wien keine Einigung. Die Verhandlungen wurden vertagt. Es sollten zunächst Gespräche zwischen Großdeutschen, Bauenbund und Sozialdemokraten stattfinden. In diesen Gesprächen versuchte Walheim erneut, Leser einen Kompromiss abzuringen, nicht zuletzt auf Wunsch der Christlichsozialen. Als man schließlich den Vertreter der Regierung aufforderte, deren Wünsche und die Wünsche der Christlichsozialen konkret vorzubringen, war dieser dazu   nicht in der Lage. Die Parteien waren darüber mit recht höchst verärgert. Trotzdem unternahm Walheim noch einmal einen Versuch. Er schlug den Christlichsozialen vor, eine Übertragung des Problems an den Rechtsausschuss des Nationalrates zu beantragen, um dadurch Zeit für eine Lösung zu gewinnen. Die Christlichsozialen folgten diesem Rat jedoch nicht. Damit war endgültig klar, dass sie an einer Lösung nicht interessiert waren. So wurde das Landesgesetz mit den Stimmen der Sozialdemokraten und der Großdeutschen erneut angenommen. Die Abgeordneten des Bauernbundes nahmen an der Abstimmung nicht teil. Die Bundesregierung lehnte das Gesetz aber auch weiterhin ab. Lediglich das Schulzeitgesetz und damit die Ausdehnung der Schulpflicht von sechs auf acht Jahre konnte verwirklicht werden.

In der Frage der Zivilehe waren die Fronten nicht so klar gezogen. In Ungarn war die Ehegesetzgebung weit fortschrittlicher als in Österreich. Das ungarische Gesetz sah obligatorisch die Zivilehe mit staatlicher Matrikelführung vor. Es gab keine konfessionellen Schranken und die Ehe konnte mit dem Recht auf Wiederverheiratung aufgelöst werden. Die kirchliche Heirat war eine rein private Angelegenheit. In Österreich hingegen wurde die Ehe kirchlich geschlossen, mit allen Problemen, die sich dadurch für konfessionelle Mischehen ergaben. Nur dann, wenn die kirchliche Ehe unmöglich war, konnte eine "Notzivilehe" geschlossen werden. Es ist verständlich, dass die meisten Burgenländer auf diesem gebiet die ungarische Gesetzgebung beibehalten wollten. Das Bundesverfassungsgesetz vom 1. Jänner 1924 sah die Angleichung an die österreichische Gesetzgebung vor - falls der burgenländische Landtag bis zu diesem Zeitpunkt nicht beschließen sollte, bei der ungarischen Gesetzgebung bleiben zu wollen. Das Eherecht wurde zunächst nicht für dringlich erachtet, sowohl Leser wie Walheim bremsten. Erst als Leser für einige Zeit abwesend war entschlossen sich die Sozialdemokraten zu einem Dringlichkeitsantrag. Der Bauernbund machte mit. Man wollte das Thema bei dieser günstigen Gelegenheit vom Tisch bekommen. Der Antrag auf Beibehaltung der ungarischen Ehegesetzgebung wurde vom Landtag mit nur fünf christlichsozialen gegenstimmen angenommen. Man sieht, dass in dieser Frage nicht einmal die Christlichsozialen ganz auf der Seite der Kirche waren. Diejenigen Christlichsozialen, die für die Zivilehe waren, blieben der Landtagssitzung fern.

Die beiden bisherigen Versuche vor und nach der ersten Wahl, Großdeutsche und Bauernbund als deutschnationale Parteien mit ähnlichen Zielsetzungen zusammenzuschließen, waren gescheitert. Für die Wahlen im Oktober 1923 wurde auf Bundesebene versucht, eine Einigung zwischen Großdeutschen und Landbund zustande zu bringen. Zunächst wurden der "Landbund für Österreich" und der "Bund deutschösterreichischer Bauern" zum "Landbund für Österreich" verschmolzen. Dann wurden die Verhandlungen mit den Großdeutschen geführt, die überraschender Weise schon im Oktober 1922 erste Ergebnisse brachten. Das gemeinsame Konzept sah vor, dass die Großdeutschen hauptsächlich in den Städten und Industrieregionen, der Landbund hingegen in den ländlichen Regionen kandidieren sollten. Im Burgenland hätte dies praktisch die Ausschaltung der Großdeutschen bedeutet. Am 21. Dezember 1922 wurden die Verhandlungen abgeschlossen.

Im Burgenland kam es schon vorher zur Kontaktaufnahme. Vor allem die Frage der Mandatsverteilung musste gelöst werden. Für die Mandatare der Großdeutschen ging es um die Entscheidung, ob sie sich nun dem Landbund anschließen wollten. Dafür entschieden sich neben Walheim auch drei der vier Landtagsabgeordneten. Lediglich Wollinger schloss für seine Person einen Übertritt aus. Als nichtbäuerliche Organisation zur Erfassung der deutsch - freiheitlichen Wähler sollte der "Deutsche Volksbund für das Burgenland" als Basisorganisation gegründet werden. Die Großdeutschen sollten im gemeinsamen "Verband der Großdeutschen und des Landbundes" von angenommenen zehn Mandaten zwei erhalten. Sie verlangten zusätzlich die Position des Landesrates. Der Landbund lehnte dies zunächst ab, erst als die Großdeutschen bei Nationalratswahlen auf die zweite Position verzichteten und sich mit der dritten zufrieden gaben, stimmte der Landbund zu. Unstimmigkeiten und Unklarheiten blieben aber bestehen und sollten sich später fatal auswirken.

Am 19. März 1923 erfolgte unter Vorsitz Wollingers in Sauerbrunn die konstituierende Sitzung des "Großdeutschen Volksbundes für das Burgenland". Vom Anfang an waren an dieser Organisation hauptsächlich Landesbeamte beteiligt. Sie waren es auch, die Wollinger ausbooteten. Er wurde nicht zum Vorsitzenden der Organisation gewählt. Obmann wurde Ludwig Holzer aus Sauerbrunn, sein Stellvertreter der Lehrer Franz Pauer aus Neudörfl. Wollinger bekam lediglich einen Sitz im Vorstand.

Im Mai 1923 traten schließlich alle vier großdeutschen Abgeordneten mit Klubobmann Wolf  und Landesrat Walheim an der Spitze zum Burgenländischen Bauernbund (Landbund) über. Damit verfügte die großdeutsche Partei im Burgenland mit Wollinger nur mehr über einen Sitz im Nationalrat. In Wien, in der großdeutschen Parteiführung, wurde der Entschluss zur Kenntnis genommen. Zugleich hielt man aber fest, dass der Übertritt nicht in Abstimmung mit dem Parteivorstand erfolgt sei.

In der Landespolitik, die durch diese Verschiebungen im freiheitlich - nationalen Lager kaum berührt wurde, beschlossen die Sozialdemokraten gemeinsam mit Walheim den Sturz des Landeshauptmannes Dr. Rausnitz, der sich in der Zwischenzeit immer mehr den Christlichsozialen angenähert hatte. Rausnitz trat, um seinen Sturz zuvorzukommen, zurück.

Zum neuen Landeshauptmann wurde nun von den Sozialdemokraten und vom Landbund Dr. Walheim gewählt. Seine Stelle als Landesrat ging an die Sozialdemokraten. Allerdings waren ja schon Neuwahlen sowohl für den Landtag wie für den Nationalrat am 21. Oktober vorgesehen. Man sah von sozialdemokratischer Seite Walheim also nur als Übergangskandidaten. Die Zusammenarbeit war insofern Österreich weit eine "Sensation", als auf Bundesebene zu diesem Zeitpunkt die Zusammenarbeit der beiden deutschnationalen Parteien mit den Christlichsozialen schon sehr weit gediehen war und sich in manchen Bundesländern bereits antimarxistische Einheitslisten der drei bürgerlichen Parteien abzeichneten. Bis heute interpretiert man dieses Zusammengehen entweder als Folge einer geschickten Taktik Lesers oder als Ausfluss der Eitelkeit Walheims. Man übersieht dabei die gute Gesprächsbasis, die zwischen Deutschnationalen und Sozialdemokraten im Burgenland immer geherrscht hatte. Walheim wurde jedenfalls von der christlichsozialen Presse scharf angegriffen.

Knapp vor der Wahl im Oktober 1923 brach allerdings die Basis, die Großdeutsche und Landbund im "Verband der Großdeutschen und des Landbundes" gemeinsam bilden sollten, erneut auseinander. Im Burgenland ging es wieder einmal um die Mandate, deren Zuteilung ja nur sehr vage geregelt worden war. Die Großdeutschen hatten im Juli 1923 nach der Übertrittswelle nur mehr etwa 1000 Parteimitglieder. Die vorgesehene Mandatsverteilung  für den Nationalrat führte bereits nahe an die Spaltung. Im Landtag wollte der Landbund den Großdeutschen ein bis zwei Sitze einräumen. Die Großdeutschen beriefen sich auf die Abmachung, wonach ihnen zwei Sitze und der Landesrat zustünden. Im Landbund hingegen vertrat man die Meinung, man hätte dieser Abmachung nie zugestimmt. Es gab im Landbund Kräfte, die die Trennung wollten. So konnte schließlich keine Einigung über eine Verbandsliste erreicht werden (auch nicht auf Bundesebene). Im Burgenland versuchte man nochmals einen Kompromiss auszuhandeln: ein auf der Landbundliste gewählter Abgeordneter sollte nach der Wahl wieder zu den Großdeutschen übertreten und diesen somit ein zweites Mandat verschaffen. Aber auch daraus wurde nichts. Schließlich wurde die gemeinsame Organisation vom Landbund aufgekündigt. Die früheren Großdeutschen, die zum Landbund übergetreten waren, blieben dort. Nur Wolf trat am Wahltag wieder der Großdeutschen Volkspartei bei.

Der Wahlkampf konnte in der kurzen Zeit, die noch zur Verfügung stand, mit nur sehr bescheidenen Mitteln geführt werden. Als Redner traten Wollinger und Ambroschitz auf. Im Freien Burgenländer wurde der Landbund scharf angegriffen. Auch Walheim wurde dabei nicht verschont. Trotzdem hatten die durch diese Ereignisse sehr geschwächten Großdeutschen keine Chance. Der Burgenländische Bauernbund (Landbund) war hingegen in einer weit besseren Position. Er vereinte nunmehr das gesamte nicht - christlichsoziale bäuerliche Lager. Noch immer sah man sich weniger als Partei denn als Standesvertretung der Bauern. Lediglich die Interessen des ländlichen Gewerbes wurden stärker miteinbezogen.

Die Wahl am 21. Oktober 1923 brachte für die Großdeutschen ein verheerendes Ergebnis. Nur 2,6 % der Stimmen bekam die Partei und damit kein einziges Landtagsmandat und kein Nationalratsmandat. Ein Drittel der Stimmen für die Großdeutschen wurde im Bezirk Jennersdorf, also im Wahlkreis Wollingers, abgegeben. Mit diesem Wahlergebnis verschwanden die Großdeutschen in der Bedeutungslosigkeit. In der gesamten Legislaturperiode 1923 bis 1927 hatten sie keine Möglichkeit, in der Landespolitik mitzumischen. Der Neuaufbau der Organisation gelang auch in dieser Zeit nicht. Immer wieder gab es personelle Veränderungen. Zwischen 1923 und 1927 hatten die Großdeutschen vier Landesgeschäftsführer.

Nach der Niederlage von 1923 blieb die bisherige Landesparteileitung im Amt, obwohl einige Mitglieder der Landesparteileitung dafür eintraten, Wollinger an die Spitze zu stellen. Die Neuorganisation sollte von Wollinger in Jennersdorf und Güssing, von Ambroschitz in Oberwart und Eisenstadt und vom Landesgeschäftsführer in Oberpullendorf und Mattersburg durchgeführt werden. In Neusiedl trat man erneut an Adalbert Wolf heran. Bezirksparteitage konnten aber nur in Jennersdorf und Oberwart erfolgreich durchgeführt werden. Stützpunkte der Reorganisation sollten jene Orte sein, in denen die Großdeutschen noch nennenswerte Stimmenanteile hatten (Jennersdorf, Heiligenkreuz, Eltendorf, Neusiedl bei Güssing, Stegersbach, Oberwart, Bad Tatzmannsdorf, Allhau, Sauerbrunn, Mattersdorf, Rohrbach, Pöttelsdorf, Eisenstadt, Rust, Neusiedl a. See, Apetlon). Die Landesleitung war nicht sehr erfolgreich. Landesgeschäftsführer Silberbauer war häufig krank, wurde aber von Ambroschitz auf seinem Posten gehalten. Schließlich musste er aber doch zurücktreten. Neuer Landessekretär wurde Mayer, der im April 1924 ein Parteisekretariat in Sauerbrunn eröffnete. Er erwies sich aber bald als unfähig, aktive Organisationsarbeit zu leisten. Ab 1. Oktober 1924 übernahm Klezander die Aufgabe. Er erwies sich als etwas erfolgreicher. Das Ziel, neue Mitglieder zu gewinnen und neue Ortsgruppen zu gründen, konnte jedoch nicht erreicht werden. Einer der wenigen, die noch aktiv waren und weder Kosten noch Mühen scheuten war Wollinger. Obwohl vom Landbund umworben, blieb er bei den Großdeutschen. Aber auch er musste in seinem Bezirk Jennersdorf Verluste hinnehmen. So stagnierte die Großdeutsche Volkspartei über Jahre hinweg. Die Landesleitung war passiv, tat kaum etwas, um aus diesem Tief herauszukommen.

Erst im Vorfeld der Wahlen von 1927 begannen die Großdeutschen wieder, sich zu regen. Dazu trug der neue Landesgeschäftsführer Ing. Rudolf Maier bei. Die Obmannstelle übernahm nun Rechnungsdirektor Max Vock. Bei den Landwirtschaftskammerwahlen traten die Großdeutschen nicht an, sie gaben eine Wahlempfehlung für den Landbund. Zu den Gemeinderatswahlen von 1927 traten die Großdeutschen an, wobei sie sich bei der Bildung von gemeinsamen Listen mit den Landbündlern und den Christlichsozialen als recht flexibel erwiesen. Mit einer eigenen Liste kandidierte man nur dort, wo man einigen Erfolg erwartete. Das waren aber nur wenige Gemeinden, selbst Wollinger setzte in Heiligenkreuz auf eine gemeinsame Liste mit dem Landbund. Diese Taktik der gemeinsamen Listen war erfolgreich, die Großdeutschen erhielten in 25 Gemeinden insgesamt 50 Mandate.

Nach diesen Erfolgen waren die Großdeutschen für die Landtags- und Nationalratswahlen recht optimistisch. Noch zwei Monate vor der Wahl trat die Landesleitung für eine gemeinsame Liste mit dem Landbund und den Nationalsozialisten ein. Eine gemeinsame Kandidatur mit den Christlichsozialen wurde von vielen Großdeutschen im Burgenland noch immer entschieden abgelehnt. Schließlich kam aber - vor allem auf Druck der großdeutschen Reichsparteileitung - doch die ungeliebte Zusammenarbeit mit den Christlichsozialen zustande. In den Verhandlungen ging es vor allem um Mandate und da zeigten sich die Christlichsozialen großzügiger als die Landbündler. Auf der Kandidatenliste für die Nationalratswahlen standen die Großdeutschen allerdings erst an 8. und 12. und damit an aussichtsloser Stelle. Auf den Listen für den Landtag sah die Liste für den Wahlkreis IV, Jennersdorf und Güssing, eine sichere Stelle für Wollinger vor. Inhaltlich stellte man im Wahlkampf vor allem den gemeinsamen Kampf gegen den Marxismus in den Vordergrund. Das Ergebnis der Wahl brachte dann das eine sichere Mandat, Wollinger zog in den Landtaf ein. Verglichen mit dem Landbund blieben die Großdeutschen allerdings auch weiterhin bedeutungslos.

Für den 9. November 1930 wurden Nationalratswahlen ausgeschrieben. Daraufhin beschloss der burgenländische Landtag ebenfalls seine Auflösung und Neuwahlen. Zusammen mit den Großdeutschen kandidierte der Landbund nun auf einer Liste  "Nationaler Wirtschaftsblock und Landbund" (=Schoberblock). Gerade im Burgenland war Schober aber ein wenig geeigneter Spitzenkandidat. Schober wurde ja im Burgenland vom deutschbewussten Lager für den Verlust von Ödenburg verantwortlich gemacht - nicht ganz zu Unrecht, wie wir heute wissen. An der Spitze der Nationalratsliste stand Schober persönlich. Dr. Dr. Schönbauer schied damals aus der Politik aus. Auf den Landeslisten waren die Großdeutschen so gereiht, dass sie gegenüber den Landbündlern keine Chance hatten. Walheim, der weiterhin den Posten des Landesrates anstrebte, kandidierte diesmal sicherheitshalber auf der Oberwarter Liste. Ein schwerer Schlag für den Landbund war der Übertritt zweier weiterer Funktionäre zu den Christlichsozialen: Kammerrat Fleischhacker und Johann Bauer aus Ritzing. Erstmals kandidierten bei den Wahlen von 1930 auch der Heimatblock, die Nationalsozialisten und die Kommunsiten. Alle drei erreichten kein Mandat und nur wenige Stimmen. Das Ergebnis der Wahl brachte im Burgenland wenig Veränderungen. Die Mandatsverteilung blieb gleich. Die Christlichsozialen erhielten 14 Mandate. Statt des Grodeutschen Wollinger zog nun der frühere Landbündler und jetzige Christlichsoziale Vas in den Landtag ein. Die Sozialdemokraten erhielten 13, der Landbund 5 Mandate. Landbundabgeordnete waren Lorenz Göltl (Landwirt und Bürgermeister in Apetlon, früher ein Großdeutscher), Martin Drescher, Bauer aus Raiding, Alfred Walheim, Josef Pomper (Bauer aus Bocksdorf) und Georg Fiedler (Bauer aus Jennersdorf). Insgesamt erhielt der Nationale Wirtschaftsblock und Landbund 16 % der Stimmen. Das Schwergewicht verschob sich erneut in Richtung Norden.

Die neue Landesregierung war eine Arbeitsgemeinschaft von Christlichsozialen, Sozialdemokraten und Landbündlern. Landeshauptmann war Anton Schreiner, Landeshauptmannstellvertreter Leser, Landesräte Dr. Karall, Wagner, Till und Walheim. Schreiner wurde Landeshauptmann, weil Thullner von den Sozialdemokraten nicht mehr akzeptiert wurde, Schreiner dankte aber bereits am 5. Oktober 1931 ab. Nach seinem Rücktritt war es die entscheidende Frage, wer nachfolgen sollte. Eine junge Generation in der Christlichsozialen Partei, der neben Karall etwa Sylvester, Wagner und andere angehörten, war nicht mehr bereit, dem Wunsch der Sozialdemokraten nach einem Kompromisskandidaten nachzugeben. Sie beharrten auf Thullner. Leser leistete entschieden Widerstand und kam schließlich auf die Idee, den Landbündler Walheim wieder zum Landeshauptmann zu machen. Am 25. November wurde Walheim schließlich mit den Stimmen der Sozialdemokraten und des Landbundes zum Landeshauptmann gewählt. Für Walheim, der unter dem Verlust an Einfluss durch den Niedergang der Großdeutschen und dann in den ersten Jahren seiner Zugehörigkeit zum Landbund sehr gelitten hatte, bedeutete diese Wahl sehr viel. Er war ehrgeizig und machtbewusst. Das Problem aber war, dass bei einem Fernbleiben der drei christlichsozialen Landesräte kein Regierungsbeschluss gefasst werden konnte. Dies hatte wohl auch Leser nicht bedacht, als er - gegen heftigen Widerstand in seiner eigenen Partei - Walheim zum Landeshauptmann gemacht hatte. Walheim aber hing so sehr an seinem Amt, dass er nun über Sylvester Verbindung zu den Christlichsozialen aufnahm und mit diesen ein Bündnis schloss. Er ging sogar noch weiter und erklärte, dass die Zeit für eine autoritäre Regierung gekommen, der Parlamentarismus am Ende sei. Er blieb noch bis zum 18. Feber 1934 im Amt, war dann noch für kurze Zeit Landeshauptmannstellvertreter, schied aber mit dem Beginn des Ständestaates ganz aus der Politik aus.

Mit dem Beginn der ständestaatlichen Ära wurden die Großdeutschen so wie auch der Landbund völlig in den Hintergrund gedrängt. Der Landbund löste sich am 18. Mai 1934 auf, so wie etwas später auch die Christlichsoziale Partei. Die Großdeutschen schlossen im Mai 1933 mit den Nationalsozialisten ein Abkommen, in dem sie sich der nationalsozialistischen Kampfgemeinschaft anschlossen. Die meisten Wähler der Großdeutschen waren ohnedies schon längst diesen Weg gegangen.

Literatur: Charlotte Heidrich, Burgenländische Politik in der Ersten Republik. Deutschnationale Parteien und Verbände im Burgenland vom Zerfall der Habsburgermonarchie bis zum Beginn des autoritären Regimes (1918 - 1933), Verlag für Geschichte und Politik, Wien 1982


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