koenig karlAm 20.Oktober 1921 rief die Nachricht von der Landung Karls von Habsburg und seiner Gemahlin  mit einem Privatflugzeug in Ungarn große Aufregung hervor. Das Königspaar kam mit einem gemieteten Flugzeug auf dem Gut Denésfa des Grafen Jószef Cziráky ein, wo sich, angeblich zufällig, auch Gyula Andrassy aufhielt. Karl führ weiter nach Ödenburg, wo er die Nacht verbrachte.  Gestützt auf die Truppen legitimistischer Militärs in Westungarn (Osztenburg, Lehár) wollte er den ungarischen Thron in Besitz nehmen. Auch diesmal zeigten sich sofort erhebliche Organisationsmängel. Lehár hatte es verabsäumt, Eisenbahnzüge zu organisieren. Schon am nächsten Tag wollte nach den berichten von Gratz, der sich zusammen mit einigen anderen prominenten Anhängern Karls in Ödenburg eingefunden hatte, Minsiter ernennen, doch diese wichen, ebenso wie Gratz, aus, Andrassy lehnte jede Verantwortung ab.

Die Rückkehr wurde monatelang vorbereitet. Karl glaubte sich - so wie schon im ersten Versuch - auf die Zustimmung maßgeblicher französischer Kreise stützen zu können und hoffte, auch die Zustimmung Großbritanniens zu erlangen. Die Zeit schien zu drängen. Horthy versicherte in seinen Briefen an den König zwar immer wieder seine Treue, seine Politik aber lief auf das Gegenteil hinaus. Er säuberte die Armee und die Beamtenschaft von Anhängern des Königs und brachte seine eigenen Gefolgsleute in Position. Mit Horthys Unterstützung wurde eine Propagandaaktion gegen Karls Rückkehr gestartet. Die Zeit drängte auch, weil mit dem Venediger Protokoll die Anwesenheit legitimistischer Truppen in Westungarn überflüssig wurde. Am 23. Oktober etwa erhielt Osztenburg den Befehl zur Rückkehr nach Budapest. Seine Truppen sollten zum Teil aufgeköst, zum Teil der regulären Armee eingegliedert werden.

Am 21. Oktober vormittags wurden die Truppen, vor allem die Osztenburgs, die Karl den Eid zu leisten hatten, einwaggoniert und der Zug fuhr Richtung Budapest ab. Auch die Garnison von Steinamanger wurde auf Karl vereidigt. Man bemühte sich zwar, die Aktion geheim zu halten, der Regierungskommissar für Westungarn, Graf Antal Sigray, hatte Telefon- und Telegraphenverbindungen  unterbrachen lassen. Trotzdem gelang die Geheimhaltung nicht. Der Garnisonskommandant von Steinamanger hatte die Regierung benachrichtigt und auch der Zug kam nur langsam voran, da die Strecke genau kontrolliert wurde. Am nächsten Morgen hatte man erst Kapuvár erreicht, zu Mittag Raab erreicht. Die dortige Garnison leistete ebenfalls den Treueeid. Inzwischen hatte Bethlen in Budapest einen außerordentlichen Ministerrat einberufen, der erklärte, König Karl könne gegenwärtig die Herrscherrechte nicht übernehmen und hätte Ungarn wieder zu verlassen. Diese Entscheidung wurde veröffentlicht und die Truppen aufgefordert, Karl den Treueeid zu verweigern. Noch waren die Truppen Karls in der Übermacht. Im Verlauf des 23. Oktobers gelang es der regierung aber, Truppen nach Budapest zu verlegen. Auch Freiwilligenverbände wurden mobilisiert. In einer Botschaft bat Horthy den König, die Aktion abzubrechen, da der Einmarsch sämtlicher Nachbarländer drohe. General Pál Nagy, der Oberkommandierende der Regierungstruppen, hatte seine Streitkräfte in Budaörs (Wudersch) am Rande von Budapest zusammengezogen. Osztenburgs Truppen waren schon weiter vorgedrungen, wurden aber von studentischen Freiwilligen zurückgedrängt.

 
Nachdem es erste Tote gegeben hatte entschied Karl, sein weiteres Vordringen einzustellen und schickte den General Hegedüs zu Verhandlungen nach Budapest. Bethlen empfing diesen in Beisein des britischen Gesandten, der erklärte, die Entente wie auch die Kleine Entente würden die Rückkehr Karls auf den Thron nicht akzeptieren. Auch Horthy empfing Hegedüs und erklärte sich bereit, Karl persönlich von der Aussichtslosigkeit seines Unternehmens zu überzeugen. Eine militärische Auseinandersetzung war inzwischen aussichtslos geworden. So begannen Verhandlungen oder, besser gesagt, die Regierung stellte ihre Bedingungen: Dem König wurde seine persönliche Sicherheit garantiert, die loyalistischen Truppen sollten amnestiert, die militärischen und politischen Anführer vor ordentliche Gerichte gestellt werden. Der König sollte eine schriftliche Abdankung unterzeichnen. Karl weigerte sich. Als sein Zug beschossen wurde und immer mehr Truppen abfielen, beschloss der die Rückfahrt. Karl wurde am 25. Oktober in Schloss Esterhazy von der Gendarmerie in Schutzhaft genommen und in die Abtei Tihany gebracht. Mehrere Versuche, ihn zum Verzicht zu bewegen, scheiterten. Karl wurde nach Baja gebracht und unter dem Schutz der Entente am 1. November außer Landes gebracht. Die Entente wies ihm die Insel Madeira als neuen Aufenthaltsort zu, wo er am 1. April 1922 starb.

Letzten Endes scheiterte der Versuch an der geringen Bereitschaft der Bevölkerung, zur Monarchie zurück zu kehren. Der Mittelstand hatte sich längst mit Horthy arangiert und auch die Truppen, auf die Karl setzte, waren alles andere als zuverlässig. Es zeigte sich, dass man ihre "Treue" durch Vorspiegelung falscher Tatsachen erschlichen hatte. Viele glaubten, die Regierung hätte Karls Rückkehr akzeptiert, Horthy hätte den Treueeid geleistet und sie würden unter Jubel in Budapest einziehen. So wurden etwa die Garnisonen von Raab und Komarom gewonnen. Als sie von den tatsächlichen Vorgängen erfuhren kehrten sie sofort unter die Befehlsgewalt der Regierung zurück.

In der Tschechoslowakei und in Jugoslawien rief der Restaurationsversuch sofort große Empörung hervor, eine Teilmobilmachung wurde angeordnet. Diese Aufregung hielt auch noch an nachdem der Restaurationsversuch bereits gescheitert war. Vor allem Benes nützte die Gelegenheit, um seine Position in der Kleinen Entente auszubauen. Es ging auch darum, den in französischen konservativen Kreisen vorherrschenden Bestrebungen, eine Donaukonföderation unter Führung der Habsburger in Ungarn - die ihnen als beste Garantie eines antideutschen Kurses erschien - entgegenzutreten. Benes forderte nunmehr den endgültigen Verzicht Karls und unter anderem auch die Annullierung des Venediger Vertrages. Das Burgenland wäre nun mit Ödenburg an Österreich zu übergeben. Die Pariser Botschafterkonferenz stellte ebenfalls die Forderung nach Absetzung Karls, eine Annullierung des Venediger Vertrages wies sie aber zurück. Bis heute wird die Frage diskutiert, ob die Schober - Regierung mit der Restaurationskrise eine günstige Gelegenheit verstreichen ließ, auch Ödenburg zu retten. Wahrscheinlich hätte aber eine entschiedene Parteinahme für die Kleine Entente, für die weder die Christlichsozialen noch die Großdeutschen zu haben waren, nichts bewirkt, den Konflikt mit Ungarn aber erheblich verschärft.


pfeil top
footer-epochen der anschluss an oesterreich
footer-epochen
pfeil top