Während die Großdeutschen und die Sozialdemokraten in Österreich entschieden für die Abtretung des Burgenlandes an Österreich eintraten gab es in der Christlichsozialen Partei immer wieder Stimmen und Gruppen, die die Beziehungen zu Ungarn nach der Niederschlagung der Räterepublik nicht gefährden wollten. Besonders  galt dies für die Monarchisten in der Christlichsozialen Partei. Sie bildeten eine Geheimgesellschaft mit der Bezeichnung "Recht und Ordnung", die aus Budapest finanzielle Unterstützung unterhielt. Es gab von dieser Seite Zusagen, dass man sich für den Fall der christlichsozialen Mehrheit für eine Lösung im Sinne Ungarns einsetzen würde. Es gab immer wieder geheime Verhandlungen, in denen mehr oder weniger verbindliche Zusagen gemacht wurden.

Als dann nach den Wahlen vom 17. Oktober 1920 die Christlichsozialen die Mehrheit hatten und die Regierung stellten waren die Erwartungen in Ungarn groß. Man hoffte auf eine enge Zusammenarbeit und insbesondere eine einvernehmliche Lösung der Burgenlandfrage im Sinne Ungarns. Diese Hoffnung wurde genährt durch den Besuch des einflussreichen Christlichsozialen und früheren Wiener Bürgermeister Richard Weißkirchner am 27. Oktober. Weißkirchner gehörte der Gruppe "Recht und Ordnung" an. Bei einem Empfang im Wenckheim-Palais für Weißkirchner erschienen alle Mitglieder der ungarischen Regierung. Weißkirchner versicherte dem Außenminister Imre Csáky, dass die christlichsoziale Regierung den Streit um das Burgenland im Einvernehmen mit Ungarn lösen werde. Österreich werde sich jedem Versuch, das ungarische Militär in Westungarn gewaltsam zu entfernen, widersetzen. Dafür erwarte sich Österreich größere Lebensmittellieferungen, um die Macht der Christlichsozialen zu konsolidieren.

Am 3. November teilte Ungarn der Wiener Regierung mit, dass man auf eine schriftliche Bestätigung der getroffenen Absprachen warte und bereit sei, 300 Waggons Mehl und Kartoffeln zu liefern. Man glaubte in Budapest tatsächlich, man würde das Burgenland dafür "verkaufen", Die verlangte Erklärung blieb freilich aus. Am 13. November berichtete der ungarische Botschafter Gustav Gratz nach Budapest, wie die Situation tatsächlich war. Er kannte die Verhältnisse in Österreich natürlich gut und ihm war klar, dass die Regierung Mayr es nicht wagen könnte und würde, auf diesen Kuhhandel einzugehen.

In Ungarn erfolgte inzwischen ein weiterer Versuch, Westungarn durch Autonomieversprechungen zu halten. Man benützte dazu die westungarischen deutschen Abgeordneten Dr. Johannes Huber, Edmund Scholtz, Franz Thomas, Mathes Nitsch und Johann Sabel, die den Autonomieplan unterschrieben. Man gab vor, diese würden die Interessen der burgenländischen Bevölkerung vertreten. Dies war natürlich längst nicht mehr der Fall und diese Abgeordneten waren voll und ganz auf der Seite Ungarns, eines christlich-konservativen Ungarn. Es soll ihnen aber nicht abgesprochen werden, dass sie tatsächlich glaubten, durch ein entsprechendes Entgegenkommen Österreichs könnte eine weitgehende Autonomie innerhalb Ungarns erreicht werden.

Von Seiten Ungarns unternahm man auch Versuche, die katholische Kirche für das eigene Anliegen einzuspannen. Fürstprimas Janos Csernoch bat den Pariser Erzbischof, für die ungarischen Wünsche bei den Siegermächten einzutreten, man versuchte auch den Wiener Klerus für einen Kompromiss zu gewinnen und Dr. Huber verfasste eine Denkschrift an den Vatikan. Rom hielt sich aber aus der Streitigkeit heraus.

Da alle diese Aktionen nichts nützten und der Vertrag von Trianon am 16. November 1920 ratifiziert werden musste, versuchte man von Seiten Ungarns, die Übergabe hinauszuzögern. Es wurde gegenüber der Entente damit argumentiert, dass, nachdem in Österreich die Regierung gewechselt hatte, man berechtigte Hoffnung habe, mit Österreich zu einer Einigung zu kommen. Frankreich gegenüber wurde das Argument vorgebracht, dass man mit dem Burgenland ein weiteres Gebiet für die Anschlusspropaganda an Deutschland öffne.

Bundeskanzler Mayr begründete in einem Gespräch mit dem ungarischen Gesandten Gustav Gratz die Problematik von Verhandlungen mit Ungarn. Ein Nachgeben würde in der Öffentlichkeit als Landesverrat ausgelegt werden und käme nur den Sozialdemokraten und den Großdeutschen zu gute. Solange die Stellungnahme der Regierung Mayr aber nicht eindeutig war versuchte Ungarn auch weiterhin, Westungarn zu retten. Im November 1920 wurde in Budapest ein Handelsvertrag abgeschlossen, wobei die Ungarn nochmals klar machten, dass die Wirtschaftsbeziehungen von einem Nachgeben in der Burgenlandfrage abhängig wären. Außenminister Csaky drohte, ein Beharren Österreichs auf dem Friedensvertrag hätte den endgültigen Bruch zur Folge, Ungarn müsste sich Jugoslawien und Rumänien annähern und die Inbesitznahme des Burgenlandes durch Österreich könnte nur mit hohen Blutsopfern erfolgen, da sich das Militär in Westungarn mit ganzer Kraft wehren würde. Die Vertreter Österreichs argumentierten immer wieder, dass ein Nachgeben der christlichsozialen Regierung schaden und den Großdeutschen und Sozialdemokraten nützen würde. Gratz machte noch einen Vermittlungsvorschlag. 1. Ungarn wäre bereit, bedeutende Grenzkorrekturen durchzuführen. 2. Ungarn würde die Rechte der deutschen Minderheit garantieren 3. Ungarn wäre auch im Burgenland zu weitgehenden wirtschaftlichen Konzessionen an Österreich bereit und würde 4. Österreich auch bei der Aufteilung des gemeinsamen Vermögens (Armeeausrüstung, gemeinsame Schätze des Kaiserhofes) bedeutende Zugeständnisse machen.

Nach langem Lavieren musste die österreichische Regierung schließlich eine eindeutige Stellungnahme abgeben. In der Nationalratssitzung am 4. Dezember musste Kanzler Mayr schließlich erklären: "... die Burgenlandfrage ist ist für uns eine res judicata, die wir ohne Verletzung der ungarischen Empfindlichkeit. aber im Sinne der uns im Friedensvertrag garantierten Rechte lösen werden". Diese Erklärung löste in Budapest große Empörung aus.

Ein Versuch Italiens, zu vermitteln, scheiterte schon bald an der unnachgiebigen Haltung der Ungarn, die wieder bedeutende Gebietsabtretungen, etwa das Nordburgenland, forderten. Große Erwartungen hatten die Ungarn auf eine Vermittlung Deutschlands in der Burgenlandfrage. Der Vorsitzende der Bayerischen Volkspartei, Dr. Heim,. hatte den Ungarn versprochen, auf die österreichischen Christlichsozialen einzuwirken und auch Baron Thyssen - Bornemisza agierte vehement für die ungarische Seite. Der Baron war der Sohn des rheinischen Großindustriellen und der Schwiegersohn von Hugo Stinnes. Er war auch Großgrundbesitzer in Ungarn, im Gebiet von Rechnitz. Schließlich bat Außenminister Csáky über den deutschen Gesandten Fürstenberg die deutsche Regierung um Vermittlung. Ungarn drohte damit, dass die Abtretung des Burgenlandes sich stark auf die deutsche Volksgruppe in Ungarn auswirken würde. Der deutsche Gesandte in Wien aber trat sofort gegen jeden Vermittlungsversuch auf. Er durchschaute das Spiel der Ungarn. Er argumentierte, dass sich die österreichischen Christlichsozialen sehr gerne mit Ungarn einigen würden. Das könnten sie aber nur wagen, wenn sie die Verantwortung für Zugeständnisse auf andere, also auf die Deutschen, abladen könnten. Die Reichsregierung lehnte schließlich jede Einmischung in den Konflikt ab.

Erneut wurden daraufhin Huber und Bleyer ins Feuer geschickt, um Verhandlungen anzubahnen. Sie fuhren zunächst nach Wien. In den Gesprächen mit den Parteiführern lehnte Renner sofort jedes Nachgeben ab. Dinghofer von den  Großdeutschen zeigte war viel Verständnis für die Lage der Ungarndeutschen, lehnte aber ebenfalls jede Diskussion zum Thema Burgenland ab.  Seipel und Weißkirchner von den Christlichsozialen befürworteten zwar eine friedliche Lösung, betonten aber, dass sie wegen der Opposition keine Zusagen machen könnten, denn die Sozialdemokraten und die Großdeutschen würden sie sofort als "Volksfeind" abstempeln. Auch in Bayern hatten die beiden wenig Erfolg. Große Aufregung verursachte eine Stellungnahme von zwei österreichischen Legitimisten, Oscar Teufel und Friedrich Wiesner, die am 1. Jänner 1921 im Grazer Volksblatt meinten, das Burgenland könne nur nach einer Volksabstimmung an Österreich abgetreten werden. Die sozialdemokratischen und großdeutschen Zeitungen antworteten empört und warfen der Regierung Mayr Doppelzüngigkeit vor. Sie waren der Meinung, unter  dem gegenwärtigen magyarischen  Terror könnte eine Abstimmung nur für Ungarn ausgehen.

Österreich wandte sich schließlich an die Pariser Botschafterkonferenz, die die Ungarn aufforderte, das Burgenland  der  Alliierte Militärkommission in Ödenburg zu übergeben. Dieses Vorgehen der Österreicher löste in Ungarn erneut Empörung aus. Die Ratifizierung des Handelsvertrages wurde verweigert und mit einem Wirtschaftskrieg gedroht. Die nationalistische Rechte erzwang die Auflösung des  Nationalitätenministeriums und der neue Regierungskommissar für das Burgenland, Graf Antal Sigray, arbeitete mit den Führern der Freischaren zusammen. Es setzte eine brutale antiösterreichische Propaganda und Verfolgung aller Anschlussfreunde ein. An die Botschafterkonferenz ging eine ungarische Note, in der man sich erneut auf direkte Verhandlungen zwischen Österreich und Ungarn berief. Die Entente gestand zu, dass man ein Ergebnis solcher Verhandlungen akzeptieren würde und lehnte damit erneut ein direktes Eingreifen ab, was ganz im Sinne der ungarischen Verzögerungstaktik war, obwohl eine österreichische Note auf die schweren Übergriffe gegen die Bevölkerung des Burgenlandes hinwies.

Am 23. und 24. Feber 1921 fanden Verhandlungen in Wien statt. Die Delegationen wurden von Außenminister Csáky und Landesstatthalter Davy geleitet. Die Verhandlungen wurden von einer heftigen ungarischen Propagandawelle begleitet. In Budapest liefen angeblich zahlreiche Telegramme aus dem Burgenland ein, die den Wunsch, bei Ungarn zu bleiben und die Bereitschaft, dafür auch mit der Waffe in der Hand einzutreten, ausdrückten. Diese Telegramme waren fingiert. Die Delegationen konnten keine Einigung erzielen. Der Vertreter der Pariser Botschafterkonferenz teilte schließlich mit, dass die Bestimmungen der Friedensverträge einzuhalten seien und lediglich kleinräumige Grenzkorrekturen erlaubt seien. Damit beendete er die ungarischen Spekulationen um die Millerandsche "Mantelnote", in der man in Budapest die Zusicherung auch größerer Grenzkorrekturen sah.

Die Ungarn - Außenminister Gratz leite inzwischen die  Verhandlungen - versuchten außerdem erneut, die Monarchisten ins Spiel zu bringen, da sich die Gerüchte um eine Restauration der Habsburgerherrschaft häuften. Gratz nahm Verbindung zu Ignatz Seipel auf, der der Beichtvater der Kaiserin Zita war, und zu Czernin, den letzten Außenminister der Monarchie. Die Besprechungen fanden am 13. Mai statt und es wurde eine Zusammenarbeit gegen alle linken Kräfte, die Aufrüstung der Heimwehren  und das Bemühen, einer "starken" Regierung in Österreich zur Macht zu verhelfen. Die Ungarn verlangten eine klare Stellungnahme in der Burgenlandfrage. Seipel verlangte 50 Millionen Kronen für die Aufrüstung der Heimwehr und gab die Versicherung ab, dass man die Burgenlandfrage nur im Einvernehmen mit Ungarn - unabhängig von den Friedensverträgen - lösen werde.

" Österreichischerseits wird erklärt, in der westungarischen Frage besteht die Bereitwilligkeit, auf die von Ungarn gewünschte Lösung einzugehen. Da jedoch ein förmlicher Verzicht Österreichs auf Westungarn derzeit Schwierigkeiten begegnet, müsse die Frage dilatorisch behandelt werden. Österreichischerseits wird die Verpflichtung übernommen, dass diese Frage nur im Einvernehmen mit Ungarn und mit der freien Zustimmung Ungarns gelöst werden wird und Westungarn bis dahin bei Ungarn belassen wird. Die Verhandlungen werden daher auch nach dem Inkrafttreten des Friedensvertrages von Trianon fortzusetzen sein, ohne dass eine Räumung des Gebietes verlangt würde und es werden auch österreichischerseits keine Schritte unternommen werden, damit die Räumung seitens der Entente gefordert beziehungsweise beschleunigt werde. Die Verhandlungen werden dann in entsprechenden Intervallen so lange fortgeführt werden, bis entweder eine Einigung oder ein freiwilliger Verzicht Österreichs auf Westungarn möglich wird".   (zitiert nach Lajos Kerekes, Von St. Germain bis Genf, S. 265, Anm. 28)

 

Ein Teil des versprochenen Geldes floss tatsächlich an die Heimwehren.

Auch Bleyer, Huber und Scholtz wurden erneut aktiv. Mit Wissen des Außenministers Gustav Gratz reisten sie nach Deutschland. In Österreich verhandelten sie mit den christlichsozialen Abgeordneten Teufel und Panz, in Bayern  mit Kahr, Luddendorf und anderen. Bleyer ersuchte in einem Brief Hugo Stinnes um Vermittlung. In den Gesprächen versuchten Bleyer, Huber und Scholtz vor allem die Angst vor dem "roten Österreich" in den Vordergrund zu stellen. In Bayern wurden langfristige Kontakte geknüpft, ohne verbindliche Zusagen zu erreichen. In Berlin konnten sie mit Stinnes und Stresemann sprechen, aber auch dort wurden sie nicht von offiziellen Regierungsvertretern empfangen. Zwar zeigte man überall große Achtung vor dem Kampf Ungarns gegen den Friedensvertrag, eine Unterstützung in der Westungarnfrage wollten die aber nicht geben. Das hätte der österreichischen Anschlussbewegung zu sehr geschadet.

Nach Karls erstem Restaurationsversuch  stockten die Verhandlungen. Erst am 25. Mai 1921 wurden sie in Wien wieder aufgenommen, nicht zuletzt deshalb, weil beide Seiten durch erneute Rufe nach einem "slawischen Korridor" zwischen Österreich und Ungarn alarmiert waren. Nur durch einen solchen trennenden Korridor könnten - so meinte man in Jugoslawien und in der Tschechoslowakei - könnte die Rückkehr der Habsburger endgültig verhindert werden. In den Wiener Verhandlungen verlangten die Ungarn nun das ganze Südburgenland, da dieses ohnehin für Österreich wertlos und nur eine Belastung wäre. Die Forderung wurde von Bundeskanzler Mayr sofort zurück gewiesen.

In einer Note hatte am 31. März 1921 Briand von der ungarischen Regierung die Durchführung der Friedensvertragsbestimmungen verlangt. In Paris gab es allerdings sehr viel Sympathie für Ungarn, wegen der damals in Österreich (Tirol, Salzburg) laufenden Volksabstimmungen für einen Anschluss an Deutschland, die in Frankreich Empörung hervor riefen. Auf die Einhaltung der Friedensverträge musste man aber bestehen, da man keinen Präzedenzfall schaffen wollte. Aus diesem Dilemma kam man in Paris nicht heraus, eine Neuaufrollung der territorialen Fragen wollte man sich auf keinen Fall einlassen. Die Entsendung von Truppen nach Westungarn lehnte die Pariser Botschafterkonferenz allerdings rundweg ab.

Die in Österreich noch immer starke Anschlussbewegung an Deutschland spielte also auch in die Burgenlandfrage hinein. Ungarn nützte die Situation geschickt. Es wird sogar vermutet, dass die ungarische Regierung deshalb auch in Westungarn "Anschlusskundgebungen" an Deutschland organisieren ließ und für diese Zwecke den westungarischen Abgeordneten Albin Lingauer einspannte. Auch von österreichischer Seite lief anscheinend ein doppeltes Spiel: In Graz tauchten "Abgesandte" aus dem Burgenland auf, die die Steirer baten, auf die geplante Anschlussvolksabstimmung zu verzichten, da eine solche die Abtretung des Burgenlandes gefährden könnte. Nach Meinung des deutschen Konsuls in Graz waren aber diese "Abgesandten" aber keine Burgenländer, sondern Wiener, von der christlichsozialen Regierung gesandt, um die Steirer von ihrem Vorhaben abzubringen (Kerekes, S.299).

Anfang Juni 1921 machte die ungarische Regierung erneut einen Vorschlag: Nur Ödenburg und Umgebung sollten bei Ungarn bleiben. Auch dieser Vorschlag wurde zurück gewiesen.

Nach dem Regierungswechsel in Österreich machten sich die Ungarn erneut große Hoffnungen. Der neue Bundeskanzler Schober hatte in Horthy-Ungarn einen guten Ruf. Als Wiener Polizeipräsident war er energisch gegen die linken ungarischen Emigranten in Wien energisch vorgegangen. Schon am 27. Juni wollte der ungarische Gesandte von Schober dessen Einstellung zur Burgenlandfrage wissen. Am 2. Juli erfolgte Schobers Antwort, die in Ungarn mit Enttäuschung aufgenommen wurde. Schober machte keine Zusagen, er versprach lediglich, die "Volkswehr" nicht zur Inbesitznahme des Burgenlandes nicht einzusetzen. Dahinter stand das noch immer starke Misstrauen der bürgerlichen Regierung gegen die "rote" Volkswehr.

In Ungarn verzögerte man die Übergabe des Burgenlandes auch weiterhin, ermutigt auch durch die antiösterreichische Stimmung in Frankreich. Am 26. Juli wurden dann die ratifizierten Verträge ausgetauscht und damit war das Burgenland rein rechtlich bereits ein Teil Österreichs. In Ödenburg wurde aus der alliierten Militärkommission die Generalskommission gebildet - Carlo Antonio Ferrario (Italien), Reginald Gorton (Großbritannien) und Jules Camile Hamelin (Frankreich). Die Übergabe wurde für den 29. August festgesetzt.

Am 3. August erschienen nochmals der ungarische Gesandte, begleitet von Gustav Gratz, bei Schober. Sie wollten nunmehr auf das Burgenland verzichten, verlangten dafür aber den ganzen Seewinkel, Ödenburg und Umgebung und einen 5 km breiten Streifen im Südburgenland, also etwa ein Viertel des burgenländischen Gebietes. Davy begutachtete den Vorschlag und wies ihn strikt zurück, da es sich dabei um - von der Stadt Ödenburg abgesehen - um rein deutsch oder kroatisch besiedelte Gebiete handelte.

Am 29. August 1921 begann der Einmarsch der österreichischen Gendarmerie und der bewaffnete Widerstand der Freischärler. In Budapest stellte man das Auftreten der Freischaren so dar, als ob man dagegen machtlos wäre. Tatsächlich aber waren die Aktivitäten von langer Hand und mit Unterstützung ziviler und militärischer Stellen vorbereitet worden. Die Botschafterkonferenz trug sich zwar mit dem Gedanken, bewaffnete Kräfte einzusetzen, keine der Großmächte war aber bereit, Truppen zur Verfügung zu stellen. Die ungarische Regierung ließ am 30. August eine Note überreichen, in der sie ihr Bedauern ausdrückte und versicherte, dass offizielle ungarische Organe nichts mit dem Widerstand zu tun hätten. Gratz reiste erneut mit einem Vermittlungsvorschlag nach Wien: man wolle das Burgenland abtreten, Ödenburg und Umgebung aber sollten bei Ungarn bleiben. In Wien geriet die Regierung Schober unter den Druck der Opposition, die ihr vorwarf, das Unternehmen nicht ausreichend vorbereitet zu haben und nach dem Scheitern des Gendarmerieeinsatzes untätig zu sein. In einer neuerlichen Note der Botschafterkonferenz vom 2. September wurde Ungarn zwar wieder gerügt und zur Räumung des Burgenlandes aufgefordert, aber keine Frist gesetzt. Bethlen zeigte sich über diese Note wenig beunruhigt, er wusste, dass Österreich nicht bereit war, sich an die Kleine Entente um Hilfe zu wenden. Benes hatte zwar Hilfe der Tschechoslowakei zugesagt, eine solche Hilfe wäre aber in Österreich außerordentlich unpopulär gewesen. Die Cristlichsozialen und besonders deren monarchistischer Flügel hofften außerdem noch immer auf eine Aussöhnung mit Ungarn und auf Zusammenarbeit nach der Lösung des Burgenlandproblems. Auch Italien erklärte, dass es eine Einmischung der Tschechen nicht dulden würde. Italien begann mit einer hektischen Vermittlungstätigkeit, um einer Einmischung der Kleinen Entente zuvor zu kommen. Der frühere Gesandte in Wien, Toretta, war nun italienischer Außenminister. Er wandte sich mit einem Vorschlag an Schober, die Vermittlung zu übernehmen. Die Antwort Schobers an Toretta am 19. September sollte sich als Wendepunkt erweisen, der Verlust Ödenburgs war vorprogrammiert. Auf den ungarischen Vorschlag, das Burgenland ohne Ödenburg und Umgebung zu übergeben, antwortete Schober zwar mit "prinzipieller" Ablehnung, eine Volksabstimmung wurde als "Verhandlungsgrundlage" akzeptiert. Aus innenpolitischen Gründen müsse die österreichische Regierung auf eine Volksabstimmung bestehen und diese müsse unter "annehmbaren internationalen Garantien", also unter Ententeaufsicht, stattfinden.

Natürlich war schon seit langem klar, dass eine friedliche Einigung nur durch einen Teilverzicht Österreichs möglich sein würde und die Wünsche Ungarns hatten sich schon seit einiger Zeit auf Ödenburg und Umgebung reduziert. Mit der Antwort Schobers an Toretta hatte man österreichischerseits aber erstmals signalisiert, dass man sich mit einem Verlust Ödenburgs abfinden könnte. Wie sehr man schon damals mit einem Verlust der Stadt rechnete zeigte die Forderung, dass dann ein neues Verkehrsnetz erforderlich sei und Ungarn dafür eine Entschädigung zu leisten hätte. (Kerekes, S.310).

Auch von Seiten Frankreichs gab es anscheinend Druck, den Ungarn Konzessionen zu machen. So berichtete der österreichische Gesandte in Paris, Eichhoff, der stellvertretende Leiter der politischen Abteilung im französischen Außenministerium habe ihm mitgeteilt, man möge irgend welche Konzessionen machen, um wenigstens etwas von Westungarn zu bekommen.

Die Botschafterkonferenz forderte Ungarn erneut zur Übergabe des Gebietes bis zum 4. Oktober auf. Ungarn zog tatsächlich alle regulären Truppen zurück und übergab das Gebiet formal an die Generalskommission. Die Freischärler aber blieben und übernahmen nun die ganze Macht im Burgenland. Sie riefen einen eigenen "Staat" aus, das Leithabanat mit Felsöör (Oberwart) als Hauptstadt.

Die Pariser Botschafterkonferenz akzeptierte die italienische Vermittlungsaktion. Am 11. Oktober begannen die Verhandlungen im Palazzo Corner in Venedig, unter dem Vorsitz Torettas. Die Verhandler waren Bundeskanzler und Außenminister Schober, Ministerpräsident Bethlen und Außenminister Miklos Banffy. Nach den Forschungen von Frau Lindeck-Pozza stand das Ergebnis praktisch fest und es ging nur mehr um die Einzelheiten. Die Behauptung, Schober hätte sich dem massiven Druck der Ungarn und der Italiener beugen müssen, muss daher in den Bereich der Legenden verwiesen werden. Beide Seiten wollten offenbar die Einigung. Österreich brauchte dringend Auslandskredite und in Ungarn alarmierte das Gerücht über einen neuerlichen Restaurationsversuch Karls. Man wusste ja, dass sich Karl vor allem auf seine Anhänger in Westungarn stützen würde.

Am 13. Oktober wurden die Venediger Protokolle unterzeichnet. Damit verzichtete Österreich de facto auf Ödenburg, die Abstimmung diente lediglich der Legitimierung dieses Verzichtes.

Gegen diese Einigung protestierte die Kleine Entente. Man hatte erstmals die Bestimmungen des Friedensvertrages missachtet. In Ungarn sah man den "Sieg" von Ödenburg ja auch tatsächlich als Anfang weiterer Revisionswünsche.

 Das Huber-Scholtz-Memorandum

Um in letzter Stunde einem dauernden unseligen Zwist, der zwischen Ungarn und Österreich, zwischen dem ungarischen und dem deutschen Volke infolge der westungarischen Frage droht, vorzubeugen, und um zu ermöglichen, dass Westungarn anstatt zu einem Keil, zu einer Brücke zwischen den beiden durch Natur Geschichte aufeinander angewiesenen Völkern werde, schlagen wir bodenständigen Vertreter des durch die Friedensverträge Österreich zugesprochenen Gebietes von dem innigsten Wunsch durchdrungen, einen Ausweg zu finden, folgende Punkte als Basis für eine Verhandlung vor:

1. Das strittige Gebiet wird nicht an Österreich angeschlossen, vielmehr wird das gesamte deutsche ethnographische Gebiet Westungarns bei Wahrung der völkischen Rechte der Kroaten in der Form eines autonomen Komitates als integrierender Teil der Sankt Stephanskrone erhalten bleiben.

2. Um zu verhindern, dass durch diese politische Lösung Österreich einen insbesondere für seine Ernährungslage bedenklichen Ausfall erleide, soll durch gegenseitige Vereinbarungen ein Weg gefunden werden, der die wirtschaftlichen Interessen Österreichs in diesem Gebiet gewährleistet.

3. Um etwaige strategische Bedenken Österreichs für Wien zu zerstreuen, soll die Besatzung des von diesem Gesichtspunkt in Betracht kommenden Gebietes nur aus einheimischer Miliz bestehen.


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