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Kampf um as Burgenland

 

{AC}Die Freischärler, im Burgenland Banditen genannt, standen längst bereit, als es darum ging, den Anschluss des Burgenlandes an Österreich zu verhindern. Schon im Feber 1921 wurden zahlreiche Protestkundgebungen abgehalten, die unter dem Motto "Nein, Nein Niemals" standen. Protesttelegramme wurden abgeschickt. Sie wurden den Dörfern vorgegeben, von den Gemeinderepräsentanzen abgeschickt und von Graf Sigray veröffentlicht. Graf Sigray drängte in Budapest auf Aktion. Er forderte, nachdem der Übergabeplan bekannt gegeben war, Gendarmerieverstärkung an. So wurden zwei Gendarmeriebataillone nach Westungarn verlegt. Das unter dem Kommando von Julius von Ostenburg stehende Bataillon kam nach Ödenburg und Eisenstadt, das andere unter Jenö Ranzenberger in das Eisenburger Komitat.

Schon vor dem 27. August 1921 hielten sich Agitatoren wie Istvan Friedrich in Wolfs bei Ödenburg auf, in Begleitung zahlreicher Offiziere in Zivilkleidung. Viele andere Offiziere, die am 27. August Westungarn verlassen mussten, kehrten sofort in Zivilkleidung und bewaffnet wieder zurück. Die Entente - Generalkommission forderte Graf Sigray auf, Westungarn von den "unverantwortlichen Elementen" zu säubern. Sigray stritt jede Ruhestörung ab, man müsse vor den weder ordentlich Organisierten noch Bewaffneten  keine Angst haben.

Unter den Freischärlern gab es gefürchtete Schlägerhaufen wie die Keckemeter Scharen des Hejjas, die besonders schlimm hausten. Ihr Anführer wurde selbst von den anderen Freischärlern verachtet. Nicht viel besser war Paul Pronai, der vom Hauptquartier Oberwart aus operierte. Auch er schreckte vor persönlichen Gewalttaten nicht zurück. Insgesamt 500 Fälle von Mord und Totschlag warf man ihn vor. Verurteilt wurde er freilich nie. Die Entstehung der berüchtigsten Rongyos - Gárda, der "Lumpen - Garde" erfolgte nach Jenö Hejjas, dem Bruder des Freischarenführers Ivan Hejjas, am 5. August, wahrscheinlich aber schon Ende Juli 1920, in der Umgebung von Kecskemét. Dort sammelten sich "Landwirte" - tatsächlich wohl Aneghörige der unterbäuerlichen Schichten - in Arbeitskleidung, teilweise ohne Schuhe. In acht Lastwgen wurden 63 "Rongyos" an die Grenze gebracht. Am 6. August erfolgte der Überfall auf Fürstenfeld. Die Waffen aus dem Fürstenfelder Depot, neue Gewehre, Maschinengewehre, Granaten konnten abtransportiert werden.

Zu den Freischarführern gehörte Mihály Kiss, bekannt als Francia Kiss, der sich beim Zusammenbruch der Räterepublik als besonders brutal hervorgetan hatte. Er wurde zwar vor Gericht gestellt, aber freigesprochen, weil er aus "vaterländischem Eifer" gehandelt hätte. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er mit Ivan Héjjas zum Tode verurteilt. Héjjas wurde später Abgeordneter und vor dem Zweiten Weltkrieg Sektionsschef für Luftverkehr im ungarischen Handelsministerium. 1938/39 kämpfte er mit der Rongyos Gárda in der Karpatoukraine.  Héjjas flüchtete 1944 vor der Roten Armee nach Spanien, wo er 1950 starb. Kiss lebte mit falschen Dokumenten im Land, wurde 1957 verhaftet und hingerichtet.

Der Journalist Janos Komaromi beschrieb die Aufständischen als in Lumpen gekleidet, meist mit durchlöcherten Hosen, Schnürschuhe hatte kaum jeder Zehnte ... Neben Magyaren und vielen Szeklern gab es vereinzelt auch westungarische Deutsche, heimatlos gewordene Siebenbürger Sachsen, Bosniaken, Landsknechttypen aus Deutschland. Manche Gruppen nützten jede Gelegenheit, um zu plündern. Die "Disziplin" konnte von den Freischarführern oft nur mit drakonischen Strafen erzwungen werden. Ein Vizeleutnant Soós und seine Gruppe raubten einen Händler aus. Soós wurde mit 100 Stockschlägen bestraft. Die Leutnante Sátori, Bakonyi und der Kadett Bokor wurden erschossen. Sie hatten es gewagt, gegen die tyrannische Art des Hauptmannes Budaházy aufzubegehren und wurden wegen "Meuterei und Aufruhr" hingerichtet. In Eisenstadt wurde ein Plünderer, der einen Silberlöffel entwendet hatte, erschossen. In Mattersburg wurde ein "kommunistisch gesinntes Individuum", bei dem man "aufwieglerische Flugschriften" und Kartenskizzen der Freischärlerstandorte gefunden hatte, vor ein Standgericht gestellt und vom "Offizerskorps" in geheimer Abstimmung zum Tode verurteilt.

Umstritten ist in der Forschung die Rolle Paul Pronays. In Ungarn wird er eher positiv gesehen und bis heute um ihn ein Personenkult betrieben. Pronay war angeblich bei allen Freischärlern beliebt. Der Oberstleutnant wurde von Horthy aus der Armee entlassen und begab sich nach Westungarn, wo er den Oberbefehl über die Freischärler übernahm. Nach Sigray hörten mit Pronay "die einzelnen Übergriffe, zum Beispiel unbegründete und grundlose Belästigungen der steirischen Bevölkerung, ebenso die gegen die Bevölkerung begangenen Misshandlungen ... mit einem Schlage alle auf". Damit gab Sigray zu, dass es solche Übergriffe gegeben hatte. Die Regierung Bethlen ordnete die Entfernung Pronays an, notfalls mit Gewalt, dazu hat sich aber nach Sigray "niemand hergegeben". Sigray erklärte am 14. Jänner 1922, also nach dem Ende der Bandenkämpfe, dass "... zu den am Anfang aus patriotischen, selbstlosen Motiven aufgebrochenen Aufständischen sich später unterschiedliche Eelemente angereiht haben, und es unter diesen auch solche Personen gab, die mit sehr schweren Verbrechen belastet waren ... solche, die wegen 117-fachen Mordes und Raubmordes verurteilt waren". (Borus, S.61) Baron Anton Lehár, der im Regierungsauftrag eine Reise durch Westungarn unternahm, um die Bevölkerung zu beruhigen, beschrieb, was er dort sah: "...war erschütternd. Was aus dem braven, loyalen Volk in kurzer Zeit geworden. Gewalttaten im Inneren, eine maßlose Propaganda von außen". Auch Lehár wurde von den Freischärlern für kurze Zeit gefangen genommen. Um Pronay und Héjjas wurde ein Personenkult betrieben, der eine wichtige Rolle in den Freischarenverbänden spielte: "Und welch ein toller Rausch, welche Kraft der Ekstase hob diese Armee nach einem siegreichen Gefecht empor. In der von Blut riechenden Luft heulte das Gefühl des berauschenden Triumphs auf und diejenigen, die noch vor wenigen Minuten den Feind auf ihre Bajonette steckten stürzten jetzt zum Kommandanten, um seine Kleidung, seine Hände zu küssen." (Borus, S.63)

Andere Freischärlertruppen bestanden zum Großteil aus Hochschülern, die etwa der ehemalige Ministerpräsident Friedrich in Budapest anwarb. Diese "Grünhütler" hatten einen besseren Ruf und gingen sogar gegen die Héjjasleute vor.  Auch der im Südburgenland begüterte Graf Erdödy warb eine eigene Freischärlertruppe an, die einzige, der auch Burgenländer in größerer Zahl angehörten. Selbst die Gräfin Erdödy kämpfte mit und wurde sogar verwundet.

Eine besonders merkwürdige Rolle spielte die Truppe des Majors Julius Morawek (Edler von Ostenburg). Er war so wie Lehár ein hochdekorierter Offizier des Weltkrieges, diente der Räterepublik und ging dann zu Horthy über. Seine Truppe bestand aus Freiwilligen des Infantrieregimentes 69. Dieses wurde nun - als Reservegendarmerietruppe getarnt - nach Ödenburg verlegt, um die Bevölkerung proungarisch zu beeinflussen. In Budapest wusste man allerdings zunächst nicht, daß Ostenburg seine eigene Suppe bzw. die seines "Königs" Karl kochte. Als man diese Pläne aufdeckte und das Ostenburg- Detachement auflösen wollte kam es am 21.Oktober 1921 zum zweiten, überstürzten Restaurationsversuch Karls. Karl landete in Westungarn und marschierte mit den Ostenburg-Leuten in Richtung Budapest. Er wurde gestoppt, Ostenburg gefangengenommen aber dann stillschweigend wieder freigelassen. Er endete als Weinhändler in Budapest. Im Westungarn - Burgenland hatten er und seine Pläne durchaus Sympathien, da man durch eine Wiederherstellung der Monarchie aus dem Dilemma Ungarn oder Österreich herauszukommen hoffte. Manche der Burgenländer, die so dachten, landeten dann im Frontkämpferverband.

Dass man Waffengewalt als letzte Möglichkeit sah, Deutschwestungarn zu behalten, durfte die Regierung Bethlen nicht zugeben. Die ganze Aktion sollte einen "spontanen" Charakter haben, sollte als "patriotische Reaktion" der betroffenen westungarischen Bevölkerung ausgegeben werden. Dazu waren die Bewohner Westungarns aber kaum bereit. Die insgesamt etwa 10 000 Freischärler waren nicht nur bestens bewaffnet - auch aus Heeresbeständen - sie hatten außerdem tatkräftige Unterstützung von seiten der Großgrundbesitzer, deren Meierhöfe als Waffenlager und Stützpunkte dienten. Die Kampfmoral und Einsatzbereitschaft war in vielen Freischärlergruppen gut, man wußte ja, daß man für das "Heilige Ungarn" kämpfte. Österreichisch gesinnte Zeitzeugen, die etwa die Kämpfe um Agendorf beobachteten, mußten den Mut und die Einsatzfreude der Freischärler anerkennen. Die österreichischen Gendarmen kamen weniger gut weg ... Daß die burgenländische Bevölkerung vom Anliegen der Freischärler wenig begeistert war sah man nicht oder wollte man einfach nicht zur Kenntnis nehmen.

Gegen diese gut ausgerüsteten und zum Teil auch hoch motivierten Truppen musste nun die österreichische Gendarmerie eingesetzt werden. Der Einsatz des Bundesheeres wurde ja untersagt. Die Ungarn wußten geschickt die Angst vor dem "roten" österreichischen Heer zu schüren. So verbot die Entente den Militäreinsatz. Am Morgen des 28. August rückten 11 Kolonnen von Gendarmerie und Zollwache, etwa 2 000 Mann, in das Burgenland ein. Im gesamten Norden gab es zunächst keinen Widerstand, denn die Banden waren geschickt im Süden konzentriert worden. Die größten Abteilungen erreichten planmäßig Schattendorf und Agendorf am Stadtrand von Ödenburg. Lediglich in Siegendorf und St.Margarethen gab es unbedeutende Gegenaktionen.

Im Süden hingegen wurden alle Kolonnen sofort heftig angegriffen und über die Grenze zurückgetrieben. Vereinzelt drangen die Banden sogar auf österreichisches Gebiet vor und lösten dort eine Fluchtbewegung aus. Bundesheertruppen wurden an die Grenze verlegt.ACBR

Die Freischaren gruppierten sich unter Pronai im Raume Oberwart. Dort stand auch die Gruppe des Grafen Erdödy, die eines magyarischen Franziskanerpaters und eine Reitertruppe des Dr. Emmerich Egan, eines Bernsteiners irischer Abstammung. Bei Markt Allhau operierte der berüchtigte Hejjas. Sie griffen nun die Österreicher im Rabnitz- und Zöberntal an. Viele Gendarmen fielen dabei in Gefangenschaft. Die Freischärler drangen über die Grenze bis nach Kirchschlag vor, wo es zu einem heftigen Gefecht mit dem Bundesheer kam.

Der größte österreichische Gendarmerietrupp stand mit etwa 400 Mann bei Agendorf. Am 8.September wurde er von den Freischärlern angegriffen. Die Gendarmerie hielt etwa eine Stunde stand, zog sich dann aber auf das Gerücht hin, auch das Ostenburg - Detachment würde eingreifen, mit der Bahn nach Mattersburg zurück. Dort meuterten die Gendarmen und weigerten sich, erneut Verteidigungsstellungen aufzubauen.

Die vielen aus Westungarn vor dem Terror geflüchteten Menschen verfolgten ohnmächtig das Scheitern der Landnahme. Viele wären bereit gewesen, aktiv für die Befreiung ihrer Heimat zu kämpfen. Viele Arbeiter eilten an die Leitha, um sich dort den zum Grenzschutz eingesetzten Arbeiterwehren zur Verfügung zu stellen. Eine Gruppe von Arbeitern aus Hornstein, Steinbrunn und Siegendorf unter der Führung von Anton Probst versuchte, ein Waffendepot in Groß-Mittel zu stürmen, um der Exekutive zur Hilfe zu kommen. Sie wurden von der Volkswehr daran gehindert.

Die Verwaltungsstelle, deren oberste Leitung seit 2. September Landesverwalter Dr. Robert Davy innehatte, musste aus Mattersburg nach Wiener Neustadt zurückgezogen werden.

Schließlich wurde das ganze Land wieder geräumt, die Österreicher zogen sich über die Grenze zurück. Am 10. September waren alle österreichische Einheiten und alle Organe wieder jenseits der Leitha- und Lafnitz - Grenze. Diejenigen Burgenländer aber, die den Einmarsch begrüßt hatten, waren nunmehr der Rache der Freischärler ausgesetzt. Tausende Menschen mußten aus ihren Heimatgemeinden fliehen. Sie forderten jenseits der Grenze stürmisch Waffen von den Österreichern, um ihre Heimat zu befreien. Diese wurden ihnen jedoch verweigert.

Die ungarische Regierung sprach in einer offiziellen Note an die Alliierten davon, dass die "roten Banden" aus Österreich die "Kirchen geplündert und dann angezündet" hätten. "Die ganze kroatische Bevölkerung in der österreichischen Zone hat sich erhoben. Verzweifelt kämpfend drängt sie die österreichische Gendarmerie an die Grenzen zurück . . . ".

Die in Steinamanger erscheinende Zeitung Dunántuli Estelap schrieb am 29. August 1921 in einer Sonderausgabe: "Westungarn übergeben wir nicht!"

Die Freischärler waren untereinander keineswegs einer Meinung. Die Ostenburg-Leute und die Gruppe um den ehemaligen Ministerpräsidenten Friedrich waren Legitimisten, also Anhänger König Karls, Die Héjjas- und Pronayleute waren "Freie Königswähler" und Habsburg-Gegner. An den Ereignissen in Eisenstadt und Umgebung zeigt sich, dass diese Gegensätze sogar in bewaffnete Auseinandersetzungen münden konnten.

Am 27. August zogen das königliche ungarische Militär, die Polizei, Gendarmerie und die Zollwache aus Eisenstadt ab. Am 28. August überschritt die österreichische Gendarmerie die Grenze. Die Freischärler leisteten zunächst wenig Widerstand. Lediglich in St. Margarethen und Siegendorf kam es zu Schießereien. Stefan Friedrich organisierte inzwischen in Wolfs den Aufbau seiner Gruppen. Die für ihn vorgesehenen Waffen wurden allerdings in Raab (Györ) auf ein Abstellgleis gebracht und kamen schließlich in die Hand der Héjjas-Leute. Hinter dieser Aktion stand vermutlich der Abgeordnete Julius Gömbös, der ein Gegner der Legitimisten war.

Nach dem Rückzug der österreichischen Gedarmerie ließ Ostenburg die Héjjas-Leute, die die Umgebung von Eisenstadt beunruhigten, entwaffnen und schickte seine Leute nach Mattersburg und Eisenstadt. Zu einer kuriosen Situation, deren Hintergrund wenig erforscht ist, kam es in Eisenstadt, wo "österreichische" Freischärler einlangten. Es war dies anscheinend eine Gruppe von ungarischen Emigranten, die seit dem Ende der Räterepublik in Österreich lebten, anscheinend Kommunisten, die unter der Leitung des Oberstleutnants Farago standen. Als die Ostenburg-Leute eintrafen hatten sie aber Eisenstadt schon wieder verlassen. Am 16. September entstand in Mattersburg die Hauptgruppe des 5. Freischärlerkorps unter dem Kommando von Hauptmann Viktor Maderspach, eines gebürtigen Siebenbürgers, der an der "Schlacht von Agendorf" teilgenommen hatte. Maderspach ließ in folgenden Gemeinden Ortswehren aufstellen: Forchtenau, Wiesen, Sauerbrunn, Pöttsching, Krensdorf, Rust und Donnerskirchen. Später übernahm Hauptmann Paul Gebhardt, ein gebürtiger Walbersdorfer, das Kommando über das 5. Freischärlerkorps.  Maderspach schloss sich dem Ostenburg - Detachement an. Am 25. September trafen in Eisenstadt die Leute von Stefan Friedrich ein, die "Grünhütler" (sie trugen Jägerhüte). Es waren dies überwiegend Studenten der technischen Hochschule Budapest und Mittelschüler aus Raab. Sie richteten in Eisenstadt, in der Oberrealschule (Kaserne) eine Garnison ein. Das Kommando befand sich im Schloss. Kommandant war Hauptmann Dr. Deszö Wein. Mit ihm arbeitete eine proungarische Gruppe der Eisenstädter zusammen: Rechtsanwalt Giay, der ehemalige Oberstuhlrichter Pleininger, Stadtpfarrer Franz Schmidt, Bürgermeister Ladislaus Keller, Kaplan Anton Hackl, der vor dem Einmarsch der österreichischen Gendarmerie von der Kanzel zum bewaffneten Widerstand aufgerufen hatte, Lajos Csuppa, ein Bürgerschullehrer, der Notar Dr. Alexander Brada.

Die österreichische Gendarmerie unter Generaloberinspektor Berger hatte in Eisenstadt Geisel genommen, vermutlich um sie gegen gefangene österreichische Gendarmen auszutauschen. Auch die Friedrich-Freischärler brachten nun Geisel ein. Am 28. September drangen sie über die Grenze vor und nahmen in der Gendarmeriekaserne Au 11 Gendarmen gefangen. Am 5. Oktober kam es an der Kreuzung Neufeld-Hornstein- Müllendorf zu einem Kampf zwischen Patrouillen. Ein Budapester Hochschüler fiel, ein zweiter wurde tödlich verletzt. Am 4. Oktober plante Friedrich, in Eisenstadt ein unabhängiges Leitha-Banat auszurufen. Paul Pronay kam ihm in Oberwart um wenige Stunden zuvor. Die Ostenburg- und Friedrich -Leute mussten sich wohl oder übel anschließen. Friedrich plante die Aufstellung eines 6. Freischärlerkorps in Eisenstadt, konnte diesen Plan aber nicht mehr verwirklichen. Die Héjjas- Leute griffen die Friedrich-Freischärler an. Überfallsartig verhafteten sie am 15. Oktober die Wachposten in Donnerskirchen, St. Margarethen und Rost. Ein Teil der Gefangenen wurde sogar geschlagen. Am 18. August griffen die Ostenburg - Leute ihrerseits die Héjjas-Leute in Rust an. Die Friedrich - Freischärler mussten schlielich Eisenstadt und Umgebung räumen und zogen während Karls Restaurationsversuch nach Ödenburg. Das war das Ende des 5. Freischarkorps. Die Hejjas-Leute, das 4.Korps, war in Eisenstadt wenig gerne gesehen. Die etwa 30 Freischärler, die zurückblieben, machten die Stadt unsicher und plünderten. Aus Eisenstadt flüchteten mehr als 100 Jugendliche nach Österreich. Auf Anordnung Pronays besetzte das 2. Freischärlerkorps unter Hauptmann Budaházy und Pater Bonis den Eisenstädter Raum. Am 3. November zogen die Freischärler ab. Zehn Tage später marschierte das Österreichische Bundesheer ein, vom überwiegenden Teil der Bevölkerung freudig begrüßt. Bürgermeister und Pfarrer flohen nach Umgarn.

Die Schäden, die durch die Bandenkämpfe verursacht wurden, waren enorm. Im Süden hatten die Dörfer entlang der Bahnlinie nach Fürstenfeld durch Requirierungen besonders zu leiden. Das Krankenhaus in Güssing war schwer betroffen, ebenso der Gutsbetrieb in Rauchwart (Adolf Hirsch, Pächter Adolf Kalmar). In Winten wurde eine Person erschossen, eine zweite schwer verletzt. Im Oberwarter Bezirk wurden Kaufleute und Gewerbetreibende geplündert und Geldbeträge erpresst. Im Bezirk Oberpullendorf kam es zu besonders vielen Plünderungen. Den größten Schaden erlitt der Müller Karacsony in Bubendorf. Der Apotheker Göllner in Deutschkreutz wurde schwer misshandelt. Im Mattersburger Bezirk wurde die Hirmer Zuckerfabrik verwüstet und in Sauerbrunn, wo ein Freischärlerkommando untergebracht war, Schäden verursacht. Im Eisenstädter Raum wurde von den Freischärlern eine "Weinsteuer" erpresst, die besonders die großen Weinhändler traf. Am größten waren die Schäden im Neusiedler Bezirk, wo zahlreiche Plünderungen stattfanden und auch Personenschäden zu verzeichnen waren. Eine der schwer misshandelten Personen war Dr. Karl Amon in Neusiedl. Aus diesem Bezirk gingen besonders viele Flüchtlinge nach Österreich, etwa aus Bruckneudorf, Neusiedl und St. Andrä, im Jennersdorfer Bezirk kamen viele Flüchtlinge aus Neumarkt, St. Martin an der Raab und Welten, ferner aus Sauerbrunn und Neustift bei Güssing.

Nach dem Anschluss des Burgenlandes an Österreich wurde eine Kommission eingerichtet, die die Schäden erheben sollte. In zweijähriger Arbeit erfasste sie fast 4000 Schadensmeldungen. Aus ihnen geht hervor, dass mindestens zehn Personen von den Freischärlern getötet wurden oder an den Verletzungen, die ihnen zugefügt wurden, starben. Viele weitere Personen trugen infolge schwerer Misshandlungen bleibende körperliche Schäden davon. Die Übergriffe erfolgten auch gegen Personen, die sich in der Rätezeit exponiert hatten  (Dr. Szell, LAbg. Wolf, Grabenhofer in Landsee und andere). Auch persönliche Racheakte kamen vor. In Güssing etwa wurde der Notar Illés von einem Gendarmeriewachtmeister ermordet. Plünderungen dienten der Versorgung der Freischärler. Jüdische Kaufleute wurden besonders brutal ausgeraubt, etwa in Kobersdorf, Lackenbach und Deutschkreutz. Vor allem die Mühlen waren häufig das Ziel der Raubzüge. Große Mengen an Getreide und Mehl wurden konfisziert. Häufig wurden von den Freischärlern Vorspanndienste verlangt.

Die Hinterbliebenen der Ermordeten erhielten Geldabfindungen. Hausbeschädigungen gab es vor allem dort, wo schwere Kämpfe stattfanden, etwa in Bruck und Bruckneudorf. Hunderte Personen, die vor den Freischärlern hatten flüchten müssen, erhielten ebenfalls Entschädigungen. Mit der Auszahlung der Entschädigungen wurde im Sommer 1923 begonnen. Da Ungarn die zugesagten Zahlungen nur zögernd überwies konnte die Aktion erst 1926 abgeschlossen werden. Insgesamt wurde durch diese Zahlungen nur etwa die Hälfte der Schäden abgedeckt. Insgesamt wurden über 12 Milliarden österreichische Kronen geltend gemacht.

Literatur:

Tobler, Felix, Die Kommission für Privatgeschädugte im Burgenland. Wissenschaftliche Arbeiten aus dem Burgenland (Burgenland 1921), Heft 95, Eisenstadt 1996, S, 65 - 75

Borus, Josef, Freischärler in Westungarn (1921). Wissenschaftliche Arbeiten aus dem Burgenland (Burgenland 1921), Heft 95, Eisenstadt 1996, S. 51- 64

http://www.zobodat.at/pdf/Wiss-Arbeiten-Burgenland_095_0051-0063.pdf

Fogarassy, Ladislaus, Eisenstadt und Umgebung zur Zeit der Bandenkämpfe. Burgenländische Heimatblätter 1968, Heft 4, S. 159 - 167

http://www.zobodat.at/pdf/Burgenlaendische-Heimatblaetter_30_0159-0168.pdf

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