Die Bevölkerung Westungarns lebte im 19. Jahrhundert überwiegend in Dörfern. Diese waren von ihrer Umwelt keineswegs isoliert. Vor allem die Märkte spielten eine wichtige Rolle - dort versorgte man sich mit den nötigen Konsumgütern und dort konnte man auch die eigenen Überschüsse der landwirtschaftlichen und handwerklichen Produktion verkaufen. Die wirtschaftliche Not und die explosive Bevölkerungsvermehrung zwangen viele Menschen hinaus in die "weite Welt", als Saisonarbeiter, aber auch als "Auswanderer" nach Übersee, wobei zumeist die Rückkehr in die heimatlichen Dörfer vorgesehen war. Der Ausbau der Eisenbahnen schloss Westungarn, vor allem das Gebiet des heutigen Nordburgenlandes, an den Zentralraum der Habsburgermonarchie, das Wiener Becken und Wien, an. Die Metropole Wien mit damals zwei Millionen Einwohnern bot mit der Industrialisierung und dem Bauprogramm der "Gründerzeit" zahlreiche Erwerbsmöglichkeiten, die natürlich auch die "überschüssige" Bevölkerung Westungarns anzog. Es entstand die für das Burgenland typische Lebensform des Wochenpendlers. Diese Außenkontakte wirkten natürlich stark auf die Dörfer, auf die Lebensweise, aber auch auf die dörfliche Kultur zurück. Der räumlichen folgte die geistige Mobilisierung.

Die materielle Kultur der dörflichen Bevölkerung änderte sich im Verlauf des 19. Jahrhunderts stark, wobei der Einfluss bürgerlicher Wohnkultur und städtischer Kleidung sich stark bemerkbar machte. Was wir heute als "Tracht" bezeichnen entstand im 18. und vor allem im 19. Jahrhundert unter Aufnahme von städtisch-bürgerlichen Elementen. Die Festtagstracht der wohlhabenderen Bauern wurde reichhaltiger: silberne Knöpfe und Schnallen, Stiefel, reich verzierte Röcke der Frauen - in den evangelischen Gemeinden meist schwarz, in den katholischen bunter. Auch das durchschnittliche Bauernhaus erfuhr Veränderungen: aus dem Haus mit zwei Zimmern (Rauchküche, Schlafzimmer) wurde das Haus mit drei Zimmern: gute Stube, Schlafzimmer, Küche - ausgestattet mit Rauchfang und Sparherd. Die Truhen wurden im 17. und 18. Jh. durch Schränke ersetzt. An die Stelle der gestampften Lehmfußböden traten Bohlenfußböden. Das Baumaterial, bisher zumeist Stampflehm, wurde durch Ziegel ersetzt, die Stroh- und Schilfdächer begannen gegen Ende des Jahrhunderts den Ziegeldächern zu weichen. Laubengänge wurden "modern".

In den Dörfern war der Einfluss der Kirchen noch immer maßgebend. Der Jahresablauf wurde neben den Erfordernissen der landwirtschaftlichen Arbeit von den kirchlichen Festen strukturiert. Pfarrer, Lehrer und Notär waren zumeist von der dörflichen Bevölkerung als Autoritäten akzeptiert und wachten über die Einhaltung der moralischen Normen. Eine "heile Welt" waren diese Dörfer aber keineswegs. Missernten, Seuchen, vor allem die häufigen und nicht selten ganze Ortsteile zerstörenden Brände erschütterten immer wieder die dörfliche Gesellschaft, hohe Abgaben und Steuern, die Kosten der Grundentlastung hatten Verschuldung zur Folge. Die soziale Ordnung mit der führenden Rolle der größeren und wohlhabenderen Bauern, die Richter und Räte stellten, lockerte sich auf, erzwungen durch den Bevölkerungszuwachs und die immer größer werdenden Zahl an Kleinhäuslern und Arbeitern. Das kulturelle Leben im Dorf - soweit es über das übliche Brauchtum hinaus ging -  hing stark von der Einstellung der Pfarrer und Lehrer ab. In vielen Gemeinden wurden bereits Formen der Erwachsenenbildung praktiziert, etwa Kurse zur landwirtschaftlichen Fortbildung  (Obstkulturen, Bienenhaltung, usw.) abgehalten. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts häuften sich die Gründungen von Vereinen. Neben den Freiwilligen Feuerwehren entstanden Gesangs- und Musikvereine in großer Zahl.

Das größte Problem in der kulturellen Entwicklung der Dörfer war die abnehmende Fähigkeit zu Lesen und zu Schreiben - bis an den Rand des Analphabetismus. Es war dies eine Folge der Einführung des Ungarischen als Unterrichtssprache (siehe: Schule im 19. Jahrhundert und Magyarisierung).

Die früheren Herrschaftsmittelpunkte wie etwa Güssing oder Schlaining verloren im 19. Jahrhundert an Bedeutung, ihr wirtschaftlicher Niedergang führte zur "Verbauerung". Auf die reichen Märkte und die Kleinstädte wie Rust oder Eisenstadt traf dies zunächst weniger zu. Die Ruster Bürgerhäuser mit ihren Barockfassaden und Erkern an der Straßenseite, ihren Arkaden und Loggien in den Höfen legen noch heute ein Zeugnis vom Wohlstand und Kultur ab, der vor allem auf dem Weinbau beruhte. Hier begann allerdings gegen Ende des Jahrhunderts, ausgelöst vor allem durch das Reblausproblem, ebenfalls eine Zeit der wirtschaftlichen Krise.

Die städtische Kultur Westungarns, die in Pressburg, Ödenburg, Güns, Steinamanger durch das deutsche Wirtschaftsbürgertum geprägt war und aus Renaissance und Barock großartige Beispiele bürgerlicher Baukultur hinterließ, erlebte im 19. Jahrhundert, vor allem in dessen zweiter Hälfte, tief greifende Umbrüche. Bahnbau und  Industrialisierung ließen neue Viertel entstehen, der Zuzug von Arbeitskräften veränderte die Struktur der Bevölkerung. Die Übernahme von immer mehr Verwaltungsaufgaben, der Ausbau des Schulwesens und die Stationierung von Militär veränderte neben der städtebaulichen Struktur durch Abriss der Stadtmauern,  zahlreiche neue Gebäude und Anlage von großen Plätzen und Grünanlagen auch die städtische Gesellschaft. Eine neue bürgerliche Oberschicht aus Beamten, Lehrern und Offizieren übernahmen die Führung und verdrängten das deutsche Wirtschaftsbürgertum, dessen Identität unter dem wirtschaftlichen wie kulturellen Bedeutungsverlust litt. Die neue Oberschicht war zwar ebenfalls zu einem beträchtlichen Teil deutscher Herkunft, aus einheimischen Familien und aus den im 18. und frühen 19. Jahrhundert aus Österreich zugezogenen Familien, die in Ödenburg etwa das aktivste Element stellten, wandte sich aber immer mehr der magyarischen Sprache und Kultur zu, da nur so vor allem nach dem Ausgleich der weitere soziale Aufstieg gesichert war. Im Kulturleben entstanden Parallelstrukturen durch die Gründung von magyarischen Vereinen, etwa die Frankenburg-Gesellschaft, ungarische Gesangs- und Musikvereine usw. Neben den dominierenden deutschsprachigen Zeitungen, wie etwa der Pressburger oder Ödenburger Zeitung, entstanden auch ungarische Zeitungen. Noch war in der ersten Jahrhunderthälfte die Geisteskultur zweisprachig und Pressburger und Ödenburger Schriftsteller, Gelehrte, Pfarrer, die Lehrer der evangelischen Lyzeen und des Ödenburger Benediktinergymnasiums  trugen viel durch Sprachforschungen und Übersetzungen zur Entstehung der magyarischen Nationalkultur bei. Der Geist des Nationalismus und der Unduldsamkeit gegenüber der deutschen Bevölkerung, die zahlenmäßig noch immer die Mehrheit stellte, zeigte es sich schon 1848 und nahm vor allem nach dem Ausgleich von 1867 zu.

Aus den Dörfern und Städten Westungarns stammte eine beachtliche Zahl von Künstlern, Wissenschaftlern und Geistlichen, Ärzten, Juristen und Militärs. Neben Franz Liszt wären Karl Goldmark, Johann Nepomuk Hummel, Joseph Joachim oder Franz Ermes an bedeutenden Musikern zu erwähnen. Die aus Eisenstadt stammende Baletttänzerin Fanny Elßler erlangte Weltruhm.Franz Faludi wurde zu einem Bahnbrecher der ungarischsprachigen Literatur. Ödenburger Herkunft war die Dichterin Marie Theres von Artner. Josef Reichl schrieb in der südburgenländischen Mundart. Der bedeutendste Dichter in kroatischer Sprache war Martin Mersic- Miloradic.

Unter den Naturwissenschaftlern sind vor allem der Biologe Paul Kitaibel, dann Karl Kalchbrenner, der Begründer der ungarischen Pilzkunde  wichtig, unter den Ärzten Joseph Hyrtl. Ignaz Semmelweis wurde in Budapest geboren, hatte aber burgenländische Vorfahren. Gustav Degen war in Pressburg Professor für Handels- und Wechselrecht und vertrat den Mattersburger Wahlbezirk im ungarischen Parlament. Ignaz Aurel Fessler, in Zurndorf geborener evangelischer Pfarrer, war Bischof der Wolgadeutschen und Superintendent von St. Petrsburg. Er verfasste eine Geschichte Ungarns.

Eine ganz besonders wichtige Rolle spielte der "Marzer Kreis", eine Runde von hervorragenden Naturwissenschaftlern und Archäologen um Eduard Sueß, dessen Gattin aus einer Marzer Familie stammte. Im Landhaus der Familie Sueß trafen sich die Gelehrten. Der Marzer Kreis stand auch in enger Verbindung mit der Ödenburger gelehrten Gesellschaft, etwa mit Ludwig Bela, der die Grabungen am Ödenburger Burgstall durchführte. Auch zahlreiche Hügelgräber in der Umgebung wurden erforscht.

In Ödenburg begann mit der archäologischen Sammlung Ivan Paurs und dem Aufbau des archäologischen Museums sowie des späteren Ferenc Lisz-Museums, um dessen volkskundliche Sammlung sich besonders Johann Reinhard Bünker verdient machte, die Sammlung der historischen Kulturgüter. Kunstsammlungen legten auch Privatpersonen wie etwa die Ödenburger Künstlerfamilie Storno oder der Essigfabrikant Zettl (heute Zettl-Langer-Sammlung) sowie der Weingroßhändler Sandor Wolf in Eisenstadt an. Die Wolf-Sammlung wurde zum Grundstock des Burgenländischen Landesmuseums.

 

Deutsche Kultur  in Ödenburg

Im gesamten 19. Jahrhundert ist das Kulturleben Ödenburgs stark durch die enge Bindung an den deutschsprachigen Raum und durch die Nähe zu Wien geprägt. Natürlich kann man das gesamte lange 19. Jahrhundert nicht als Einheit sehen.  Die Revolution von 1848 und  der Ausgleich  hinterlassen tiefe Einschnitte. Die schwerwiegendsten Folgen aber hat die Magyarisierung der Stadt gegen Ende des 19. Jahrhunderts, die mit einem relativen Bedeutungsverlust des deutschen Elementes und mit einer tiefen Verunsicherung bis hin zur Identitätskrise verbunden war.

So wie die Ideen des Humanismus kommen auch die Aufklärung und dann die Klassik und Romantik über Wien, zum Teil aber auch direkt aus den evangelischen Universitätsstädten Deutschlands nach Ödenburg. Vor allem die Praxis, dass angehende lutherische Theologen ein Jahr lang an einer deutschen Universität studieren müssen, wirkt sich aus. Daneben muss festgehalten werden, dass auch das magyarische Bildungsbürgertum ebenso wie der Adel zweisprachig war und am deutschen Kulturleben durchaus regen Anteil nahm.

Das literarische Leben der Stadt war auch noch im 19. Jahrhundert äußerst rege und brachte eine Fülle von großartigen Persönlichkeiten hervor. Obwohl noch überwiegend deutschsprachig und der deutschen Kultur eng verbunden, waren diese auch für die geistige Entwicklung Ungarns und auch den Aufstieg des Magyarischen zur Literatursprache von enormer Bedeutung. Zugleich spiegelt das Geistesleben des 19. Jahrhunderts geradezu exemplarisch die Verschiebung von einer übernational-humanistischen Prägung zu einer magyarischen Nationalkultur wider. In der ersten Jahrhunderthälfte sah man hier noch keinen Widerspruch. Szabolcs Boronkai weist darauf hin, „dass im 19. Jahrhundert das Zugehörigkeitsgefühl zum deutschen Volk und zur deutschen Kultur und Loyalität und Vaterlandsliebe Österreich (und/oder Ungarn) gegenüber einander noch nicht ausgeschlossen haben" (Boronkai , Bedeutungsverlust und Identitätskrise. S. 53).

Unter den Dichtern und Schriftstellern des 19. Jahrhunderts bezeichnet Grete Maar Therese Marie von Artner (1772 - 1829) als am meisten begabt. Sie stammte aus einer evangelischen Adelsfamilie und kam mit neun Jahren nach Ödenburg, wo sie von Professoren des Lyceums Privatunterricht erhielt. Zusammen mit Marianne Tiel, einer Freundin aus Wien, veröffentlichte sie in Jena einen Lyrikband mit dem Titel "Feldblumen auf Ungarns Fluren". Sie ist in der napoleonischen Zeit eine begeisterte österreichische Patriotin . In Freiburg im Breisgau findet sie Anschluss an den Literaturkreis des Johann Georg Jacobi  und an die Weimarer Klassik. In der Franzosenzeit war ihre Familie verarmt. Ab 1811 wurde sie im Literaturkreis der Gräfin Zay aufgenommen, wo sie Karoline Pichler kennen lernte. In deren Wiener Salon lernte sie Franz Grillparzer und  Friedrich Schlegel kennen. 1818 erscheint in Pest und Leipzig ein Gedichteband. Später schreibt sie für das Agramer Theater ein Lustspiel mit dem Titel "Rettung und Lohn". Nach Grete Maar spricht aus ihrer Gedichtesammlung "Mann und Weib" die emanzipierte Frau.

Karl Georg Rumy, der sich nur drei Jahre, von 1810 bis 1813, als Lehrer am evangelischen Lyzeum  in Ödenburg aufhielt, müsste in vielen Kategorien des Kulturlebens erwähnt werden, als Historiker ebenso wie als Agrarwissenschaftler und als Geograph. Er stammte aus einer eingedeutschten ungarischen Adelsfamilie aus Iglau. Seine umfassende Bildung erwarb er am reformierten Kollegium in Debrecen. Aus Ödenburg wurde er von Graf Festetics an die Agrarhochschule in Kestehy berufen. Sein Werk umfasst neben Büchern über Bodenkultur eine dreibändige historische Quellensammlung der Frühen Neuzeit und ein geeographisch-statistisches Wörterbuch des österreichischen Kaiserstaates (1809). Seine Bedeutung für die deutsche Sprache in Ungarn liegt einerseits in seinem Kontakt zu Johann Christian Adelung, dem berühmten Verfasser des großen deutschen Wörterbuches, andererseits in seinem entschiedenen Eintreten gegen einen übertriebenen magyarischen Sprachnationalismus.

Eine der ganz großen Gestalten in der Geistesgeschichte der Stadt Ödenburg war ohne Zweifel Leopold Petz (1794-1840). Er entstammte einer Ödenburger Tuchschererfamilie und besuchte das Ödenburger Lyzeum. Er studierte in Jena und beherrschte 15 Sprachen, darunter Sanskrit. Ab 1831 war er evangelischer Pfarrer in Ödenburg. Er übersetzte Aeschylos und Sophokles ins Deutsche. Gegen den Magyarisierungsdruck, der in seiner Zeit bereits spürbar war, trat er entschieden auf:

Auch Moritz Kolbenheyer (1810-1884) war evangelischer Pfarrer in Ödenburg. Er stammte aus einer Zipser Familie, besuchte das Lyzeum in Kesmark und studierte in Wien und in Berlin. 1846 kam er nach Ödenburg und geriet bald darauf in die Wirren der 1848er Revolution. Zwei seiner Predigten, in denen er sich eindeutig auf die Seite der Revolution stellte, wurden unter dem Titel "Das freie Wort" in Ödenburg gedruckt. Das brachte ihn die Untersuchungshaft ein, Erst nach Intervention seiner Verwandten wurde er frei gelassen. Kolbenheyer verfasste Gedichte und übersetzte ungarische Dichter ins Deutsche. Interessant ist, wie Kolbenheyer in einem Brief an Friedrich Hebbel 1856 seine Position in Ödenburg beschreibt: "Ich als Deutscher unter Magyaren, als Geistlicher unter Laien, als Mensch mit poetischem Anfluge ... unter Stockphilistern sehr isoliert". (zitiert nach Grete Maar, S.134)

Unter den aus Ödenburg stammenden Literaten ist auch Ludwig Dóczy zu nennen. Er hieß ursprünglich Dux  und war jiddischer Muttersprache. Er besuchte das Lyzeum in Ödenburg und studierte Jus in Wien. Er war Kosrrespondent der Neuen Freien Presse und unter Julius Andrassy Pressechef im ungarischen Außenministerium. Er verfasste Libretti für Johann Strauß und Karl Goldmark.

Ein Zentrum des deutschen Kulturlebens Westungarns war das evangelische Lyzeum. Allein die vielen bedeutenden Lehrer, die an dieser Anstalt wirkten, beweist dies eindeutig. 1849 geriet das Lyzeum in eine schwere Krise. Der "Entwurf der Organisation für Gymnasien und Realschulen in Österreich" wurde auch auf Ungarn ausgedehnt. Damit drohte den evangelischen Schulen der Verlust ihrer Autonomie. Kolbenheyer wies einen Ausweg: Das Patronat über das Lyzeum, das bisher beim Evangelischen Konvent lag, wurde der Superintendentur übertragen. Nach drei schwierigen Jahren konnte der Reformprozess abgeschlossen werden, das Lyzeum wurde zu einem achtklassigen Gymnasium. Als neuer Direktor wurde Paul Joseph Király berufen. Dessen Muttersprache war zwar ungarisch, sein gesamter Bildungsweg verlief aber im deutschen Kulturkreis. Er wurde in Nyiregyháza geboren, besuchte die Schule in der deutschen Zipser - Stadt Eperjes (Preschau) und studierte in Pressburg und in Wien. Er war zunächst Privatlehrer und Erzieher und lebte in den Wintermonaten in Wien, wo er Grillparzer, Anastasius Grün und auch Franz Liszt kennen lernte. Anschließend unterrichtete er am evangelischen Öyzeum in Schemnitz, von wo er 1853 als Direktor des Lyzeums nach Ödenburg berufen wurde. Von 1869 bis 1882 leitete er die Evangelische Lehrerbildungsanstalt in Ödenburg. Seinen Lebensabend verbrachte er in Eisenstadt.

Ödenburg weist eine faszinierende Kontinuität in seinem fünfhundertjährigen Theaterleben auf, die von mittelalterlichen Laienschauspielen über das berühmte Theater des evangelischen Gymnasiums, die aufwändigen und spektakulären Vorstellungen des Jesuitenkollegs bis zum frühen regelmäßigen Theaterbetrieb seit dem 18. Jahrhundert reicht. 1716 traten erstmals Berufsschauspieler auf, 1754 spielte eine Theatergruppe in der Trockenmühle (Ochsenmühle) beim Hinteren Tor. Diese wurde schon  1769 zum Theater ausgebaut und von Stefan Dorfmeister ausgemalt. 1779 war Kaiser Josef II. bei einer Aufführung anwesend. Das Publikum war anspruchsvoll, es forderte Stücke höchster Qualität
(Schiller, Lessing, Shakespeare...). 1810 begann Ferdinand Raimund seine Karriere in Ödenburg, Theresia Krones trat auf. Keine andere Stadt mit Ausnahme Pressburgs hat im Königreich Ungarn eine derartig großartige deutsche Theatertradition aufzuweisen. 1820 spielte aber auch schon erstmals eine ungarische Theatergruppe. In der Gesamtschau war die gebotene Qualität zumeist hoch, die Inszenierungen und die Schauspieler konnten sich durchaus mit Wien messen. 1841 wurde das neue Theater eröffnet. Es wurde im klassizistischen Stil vom bekannten Wiener Architekten Franz Lössl entworfen. Der Haupteingang war mit dem Gott Apollo und zwei Musen geschmückt.  Noch in der gleichen Theatersaison wurden in nur vier Monaten 22 Stücke gespielt, darunter Schillers Don Carlos und Goethes Egmont.  In den 1860er-Jahren gab es vermehrt Operettenaufführungen und es traten bereits vereinzelt ungarische Schauspieltruppen auf. Auch ungarische Stücke in deutscher Übersetzung wurden vermehrt gespielt. In den 1870er-Jahren hatte das deutsche Theater seinen Höhepunkt überschritten. In der Folgezeit wurden immer mehr ungarische Stücke gespielt, die Zahl der Theaterbesucher ging stark zurück. Es war ganz offensichtlich das Ziel des Budapester Kultusministeriums, das deutsche Theater abzuwürgen, indem man dessen Spielzeit begrenzte. Dieser Tendenz entsprach auch die bauliche Umgestaltung, vom klassizistischen auf den als „magyarisch" empfundenen sezessionistischen „Tulpenstil".


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