Die "Republik Heinzenland" war ein erster - erfolgloser - Versuch, aus dem Dilemma des Zerfalls der Habsburgermonarchie und einer neuen Staatsgrenze an Leitha und Lafnitz herauszukommen. "Heinzenland" sollte ein selbständiger Staat zwischen Österreich und Ungarn werden - als Vorstufe eines Anschlusses an Österreich. Der Name "Heinzenland" war eine Verlegenheitslösung, da man "Deutschwestungarn" nicht nehmen konnte und wollte. Eine andere, gemeinsame Bezeichnung für das hauptsächlich von Deutschen und Kroaten bewohnte Land im Westen Ungarns stand aber nicht zur Verfügung. Heinzenland ist vom Dialektausdruck "Hia(n)zn" abgeleitet, eine Spottbezeichnung für die Bewohner Westungarns, die in den angrenzenden Gebieten Niederösterreichs und der Steiermark üblich war. Die Herkunft dieser Bezeichnung ist nicht eindeutig geklärt.

Die Idee, Westungarn zunächst zu einem selbständigen Staat zu machen, wurde in erster Linie in Wien, in deutschnationalen Kreisen, geboren. In Wien gab es ja schon lange den "Verein zur Erhaltung des Deutschtums in Ungarn", den Verein Deutsche Landsleute aus Westungarn" und in ihm den Ausschuss "Deutsch - Westungarn zu Österreich". (Vgl. dazu: Die "Deutschen Landsleute aus Westungarn" in Wien).

 
In diesen Organisationen waren jene Persönlichkeiten tätig, die das Unternehmen "Heinzenland" planten. Zu ihnen gehörten der Sudetendeutsche Raimund Neunteufel, Josef Breitenstein und der Vorarlberger Albert Ritter. Sie hatten in den Vereinen auch Kontakte zu in Wien arbeitenden oder lebenden Personen aus Deutsch - Westungarn, die das geplante Unternehmen mit Begeisterung unterstützten. Unter ihnen war der aus Mattersburg stammende Bauschreiber  Hans Suchard, der als Funktionär der Bauarbeitergewerkschaft gute Verbindungen zu vielen Arbeitern aus westungarischen Dörfern hatte. Mit dabei war sein Bruder Josef Suchard, der ein Anhänger der Großdeutschen war und Verbindungen zu Politikern und Militärs hatte. Das Unternehmen wurde durch Waffenkäufe vorbereitet.

Die gescheiterte Ausrufung der Republik Heinzenland hatte aber durchaus auch positive Auswirkungen. Es wurde der ungarischen Regierung bewusst, dass man die Autonomieforderungen der Deutschen in Westungarn endlich ernst nehmen musste (vgl. dazu Autonomiebewegung). In Österreich wuchs das Bewusstsein, dass man sich für die Deutschen Westungarns einsetzen müsse.


Literatur:

  • Landestopographie, Bd.III/1, Bezirk Mattersburg
  • Gerald Schlag, Aus Trümmern geboren. Eisenstadt 2001

 

Aufruf

An die Deutschen Ungarns! An alle Völker und Staaten!

Wenn irgend ein Volksstamm Europas Ursache hat, das Selbstbestimmungsrecht, das Wilson als Grundgesetz der neuen Weltordnung verkündet hat, zur Errettung aus tiefster Not in Anspruch zu nehmen, so ist er das deutsche Volk in Ungarn, das seit Jahrzehnten von den Magyaren um alle seine nationalen Rechte betrogen wurde. Fast 300 000 deutsche Kinder mußten Jahr für Jahr ohne Unterricht in ihrer Muttersprache aufwachsen, von höheren Schulen mit deutscher Unterrichtssprache war überhaupt keine Rede. Verwaltung und Gericht redeten mit 2 Millionen Deutschen Ungarns nur in Magyarischer Sprache, der ganze gebildete Nachwuchs dieser Deutschen wurde seinem Volke entfremdet und zu Magyaren, zu Verächtern und Feinden ihres eigenen Volksstammes gemacht. Das solle nun anders werden, versprechen die Magyaren. Aber sie haben schon die schönen Gesetze von 1868 nicht eingehalten und würden ebenso sicher ihre neuen Versprechungen und Zusagen brechen, wenn die Deutschen des Landes nicht selbst die beste Schutzwehr gegen jede neue Vergewaltigung schaffen würden, dadurch daß sie Kraft ihres Selbstbestimmungsrechtes ein für allemal das Joch der Magyaren abwerfen und sich wie die anderen Völker Unngarns selbständig einrichteten.

Vor allem kommt es den 309 deutschen Gemeinden Westungarns, die an das geschlossene deutsche Siedlungsgebiet grenzen, zu, nicht länger die unnatürliche Verbindung mit dem Feinde ihres Volkstumes aufrecht zu erhalten. Sie gehören zum Westen, in die Kulturgemeinschaft des großen deutschen Gesamtvolkes. Es ist nicht an der Zeit, daß sie sich mit dem deutsch - österreichischen Nachbarstaate politisch verdingen, das verbietet die allgemeine politische Lage, aber sie wollen mit ihm vorläufig in Wirtschaftsgemeinschaft treten und die Zollschranken gegen Deutsch - Österreich niederlegen. Und sie wollen in staatlicher Hinsicht ein eigenes Gemeinwesen bilden, die selbständige neutrale Republik Heinzenland mit der Hauptstadt Ödenburg.

Die Errichtung dieses Staates wird am 6. Dezember 1918 in Oedenburg verkündet, und es werden alle 309 deutschen Gemeinden Westungarns aufgefordert, ihren Anschluß an die Republik Heinzenland öffentlich zu erklären.

Gleichzeitig tritt in Oedenburg die vorläufige Regierung des Heinzenlandes zusammen. Die Namen ihrer Mitglieder werden gesondert bekanntgegeben. Diese regierung wird Wahlen zu einer Nationalversammlung des Heinzenlandes ausschreiben, der die weiteren Beschlüsse und Arbeiten zur Errichtung des neuen Staates obliegen werden.

Gott segne und schütze das freie deutsche Heinzenland!

Der vorbereitende Ausschuss

 

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