badeorte19Jh

Badeorte und bedeutende Quellen im 19. Jhd. (Emtwurf: Gert Polster; Zeichnung: Michael Floiger)

Die Geschichte der westungarischen Badeorte kann man bis auf die Zeit der römischen Provinz Pannonien zurückverfolgen. Das Bad Wolfs ( heute Balf ) bei Ödenburg dürfte schon zur Zeit der Römer bekannt gewesen sein. Orte mit Mineral- und Sauerquellen zeigen römische Siedlungsspuren.

Das heutige Bad Sauerbrunn bestand 1852 als Pöttschinger Sauerbrunn erst aus einigen Häusern. Um die Jahrhundertwende waren sowohl der Pöttschinger Sauerbrunn als auch Wolfs und Tatzmannsdorf gut besuchte Kur- und Badeorte. Die Bade-Gäste kamen vor allem aus größeren Städten, wie Wien, Wiener Neustadt, Ödenburg, Güns und Steinamanger. Am 25. Mai 1901 wurde Sauerbrunn zum Kurbad und zum beliebten Sommerwohnsitz der Wiener-, Budapester- und Ödenburger Gesellschaft.

Noch älter ist der Kurbetrieb in Bad Tatzmannsdorf. Schon  um 1600  waren Trinkkuren unter den Adeligen der Region beliebt. Zur  Eröffnung eines Sauerbrunnens hielt  1620 der evangelische  Pfarrer  Mag. Johann Mühlberger eine Predigt unter dem Titel "Scaturigo salutis - Sprudelquell des Heils", die 1621 in Regensburg gedruckt wurde. Um 1650 wurde der Heilbadbetrieb aufgenommen, erstmals wird ein Kurarzt erwähnt. Das Wasser wurde auch nach Wien geliefert. Die Kuruzzenkriege unterbrachen dann die Entwicklung. Palatin Graf Ludwig Batthyány kaufte im Jahre 1752 das Bad, ein neuerlicher Aufschwung konnte beginnen. Noch im 18. Jahrhundert wurde das Mineralwasser wissenschaftlich untersucht und nachdem seine Heilkraft erwiesen war, die Anlagen entsprechend ausgebaut. Der Rundpavillon und der Kurgarten entstanden. 1795 wurde über der Quelle der "Tempel der Genesung", ein klassizistisches Brunnenhaus auf acht Säulen, errichtet.

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erlebte Bad Tatzmannsdorf einen ungeahnten Aufschwung, berühmte Persönlichkeiten wie etwa Adalbert Stifter oder Franz Grillparzer besuchten den Ort.

kurhof tatzmannsdorfDer Kurhof (später Kurhotel)

Das Kurhaus wurde 1856/57 errichtet. Jährlich verabreichte man 5000 bis 5500 Bäder in 30 "Badecabinetten" (1.und 2.Classe), ein Bad kostete 12-16 Kreuzer Conventionsmünze. Im Erdgeschoß des Kurhauses befand sich ein Café, in dem sämtliche Zeitungen der Monarchie auflagen. Der Anna Ball im darüber liegenden "Conversationssalon" war Höhepunkt der Badesaison, die von April bis September währte.

Im Jahre 1863 übernahm Graf Franz Batthyany das Heilbad. Tatzmannsdorf, ungarisch Tarcsafürdö, wurde zum wichtigsten Heilbad Ungarns. 1889 wurde das Moorlager aufgeschlossen, Tatzmannsdorf wurde zum  "Ungarisches Franzensbad". Das Moor galt als besonders heilkräftig. Im Jahre 1893 etwa fanden sich schon 1900 Kurgäste ein. Um die Jahrhundertwende entstanden mehrere Bauten auf dem Kurplatz:  1886 das Anna-Bad und der Quellenhof, 1887 die Marienvilla, 1890 die Carolinenvilla, 1894/95 der Kurhof, 1899 die Kaltwasserheilanstalt und 1907 das Hotel Batthyány.

 

Aus einem Kurprospekt um 1912:

Der Aufschwung wurde durch den Anschluss an das Eisenbahnnetz im Jahre 1903 beschleunigt. Nun wurde die Anreise der Kurgäste wesentlich einfacher. Während des Ersten Weltkrieges wurde der Kurort auch vom Militär benutzt, auf dem Sulzriegel wurde ein kleiner Militärflugplatz angelegt. Der Zerfall der Monarchie und die Wirren des Anschlusskampfes brachten dann aber einen schweren Rückschlag. Die Verarmung der Kreise, aus denen sich die bisherigen Kurgäste rekrutierten, die Unsicherheit und die schlechten Verkehrsverbindungen von Österreich aus stürzten den Kurort in eine schwere Krise.

1918 verkaufte Graf Gabor Batthyány die Anlagen an eine Finanzgruppe, die Kurbad Tatzmannsdorf AG, die die Geschicke des Bades bis 1938 leitete.  Der Kurbetrieb erholte sich in der Zwischenkriegszeit nur sehr langsam, aus dem früher mondänen Kurort wurde nun eine Heilanstalt für Herz- und Frauenleiden. 1938 wurden die Anlagen vom Reichsgau Steiermark übernommen. Während des Krieges waren in den Quartieren Bombenopfer untergebracht, der Kurhof (Kurhotel) wurde Feldlazarett. 1945 wurden die Anlagen nahezu vollständig zerstört..

Schon im ausgehenden 19. Jahrhundert wurde Westungarn - Burgenland auch verstärkt zum Ziel von Ausflüglern. Wichtige Ausflugsziele für "Sommerfrischler" waren die Badeorte am Neusiedler See, Bad Prodersdorf (=Leithaprodersdorf) "mit allen Bequemlichkeiten" - wie Badhaus, Spiegelbassin, Restaurant ( 1846 errichtet), in Purbach das "Türkentor" und die alte Weinschenke Neumayer "Am Spitz" , der Pöttschinger Sauerbrunn. Forchtenau mit Neustift an der Rosalia und Carl Wutzlhofers Gasthaus galten als beliebtes Ausflugsziel für Wanderer, die "Sauerquelle" und die Synagoge in Kobersdorf, die Burg-Ruine Landsee, die Burg Lockenhaus, die Burg Bernstein mit dem Gasthof J. Mager, Mariasdorf mit seiner gotischen Kirche, das Schloss der Familie Batthyany in Jormannsdorf, der Kurort Tatzmannsdorf, die Burg Schlaining und der Hauptplatz mit den Bürgerhäusern, das Rechnitzer Schloss, der Aussichtsturm "bei dem Geschriebenenstein", das Kastell Stegersbach, die Burg Güssing mit der Franziskanerkirche und dem Kloster, Deutsch Kaltenbrunn mit der Villa Georg Vogler, Mogersdorf mit dem Türkenkreuz am Schlösslberg wurden gerne besucht.

Eine besondere Form  des "Fremdenverkehrs" war das Wallfahrtswesen. Auf dem Gebiet des heutigen Burgenlandeslagen ja einige bedeutende Gnadenorte wie Frauenkirchen, Loretto, Kleinfrauenhaid und Unterfrauenhaid, Rattersdorf, Maria am Weinberg, Kleinzell in der Raabau. Besonders gerne besucht wurden Orte der Marienverehrung.

Grillparzer in Bad Tatzmannsdorf

1852 weilte  Franz Grillparzer als Kurgast in Tatzmannsdorf. Er entschloss sich zur Kur auf Anraten seines Freundes Dr. Karl Reinwald, der Regimentsarzt in Güns war. Grillparzer wohnte in einem Bauernhaus abseits der Ortsstraße. Nach seiner Anreise über Ödenburg und Güns nach Tatzmannsdorf schrieb Grillparzer an Kathi Fröhlich: "An vielen Leuten, besonders Frauenzimmern, tut das Bad wahre Wunder, wir wollen sehen, was es an mir für Naturwirkungen hervorbringen wird, denn ich bin - außer in der Poesie - kein Freund von Wundern."

Aus den Briefen Franz Grillparzers an die Schwestern Fröhlich

"...Wenn wieder jemand an mich schreibt, bitte auf die Adresse zu setzen: nicht über Güns, sondern über Pinkafeld nach Tatzmannsdorf. Über Güns fährt man zunächst zu Wagen, aber es geht keine Post. Auch muss eine 6 Kreuzer Briefmarke genommen werden und nicht eine zu 3 kr. Glücklicherweise bin ich bis jetzt der Poststrafe entgangen.....Auch ein paar Schönheiten befinden sich hier, die aber solche Gänse scheinen, dass ich noch kein Wort mit ihnen gesprochen habe, ja wohl auch nicht sprechen werde"


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