Ein Ausflug nach Forchtenstein am 25., 26. und 27. September 1805:

Im September 1805 beschloß Erzherzog Rainer mit kleinerem Gefolge und mehreren Wagen Westungarn bzw. das heutige Burgenland zu bereisen. Er schreibt:

Lange schon suchte ich eine Gelegenheit, die schönen und für die Naturgeschichte so merkwürdigen Gegenden des Schauerleithner Gebirges und des Neusiedlersees zu sehen. Endlich fand sich dieselbe: Mein Plan war, über Pitten durch des Schauerleithner Gebirge nach Forchtenstein, von da nach Rust längs dem See, nun fort bis Pamhagen, von da über den Damm nach Esterhás, von da nach Güns, Lukahaus nach Pernstein, dort mich etwas zu verweilen und dann über Kirchschlag nach Hause zurückzukehren. Meine Absicht war, die Eisenwerke in Pitten, die reichen Steinkohlenstöcke in Klingenfurth und Schauerleithen zu untersuchen. Die Raritäten und Altertümer des Schlosses Forchtenstein zu besuchen; dann in dem pflanzenreichen Hanság zu botanisieren; endlich die Werke und die sonderbare Gegend Pernsteins zu besuchen - Gegenstände, die mich sehr interessierten, da sie noch fast unbekannt sind. Früh an einem erblühten Morgen brach ich daher mit einer kleinen Gesellschaft auf, immer auf schönes Wetter hoffend. Wir folgten der Poststraße bis Neustadt, ein feiner Nebelregen, der eben zu fallen anfing gab uns wenig Hoffnung, jedoch setzten wir unseren Weg weiter fort.

Man besuchte Pitten, besichtigte die Burg, das Eisenbergwerk und den Hochofen. Dann ging die Reise nach Walperbach (Walpersbach) mit seinen Ziegelöfen und zu dem Steinkohlenwerk in der Schauerleithen. Auf der Weiterreise in Regen und Nebel verirrte man sich im Wald. Rainer berichtet: Nun mußten wir umkehren, welches nur mit viel Mühe gelang und wobey das zweyte Kales jedoch ohne Schaden umwarf. Wir fuhren nun lange auf dem nächtlichen Wege zurück, endlich wendet er sich rechts bergauf - ein elender und noch ganz vom Regen verdorbener Weg - steil zog er sich theils zwischen Feldern und ichten Walde bergauf. Bald erreichte uns die Nacht - und eine Weile zog sich der Weg so fort bis wir einige Häusergruppen erreichten; hier waren wir bey der so berühmten Rosalien-Kapelle! Sie lag links von uns auf einer kleinen Erhöhung; von hier soll die schönste Aussicht Oesterreichs seyn! den man übersieht die ganze Hügelreihe von Pitten, Frohsdorf, dann die ganze Ebene mit Wien in der Mitte und das Hochgebirge, zurück das Schloß Forchtenstein mit den Rebhügeln, dem Neusiedlersee und die Ebene Ungarns so weit das Auge trägt, nämlich eine große Strecke landaus. Sehr bedauernd, daß ich dieses Vergnügen nicht teilhaftig werden konnte, gingen wir von hier, wo wir die Ungarische Grenze überschritten, von einem Haufen Laternenträgern umgeben unter stärkstem Regen vorwärts.

Abb.: Forchtenau und Schloß Forchtenstein im 19. Jahrhundert, nach der Natur aufgenommenen von Ludwig Rohbock, in Stahl gestochen von F. Hablitschek.

Aus: Johann H u n f a l v y, Ungarn und Siebenbürgen in malerischen Originalansichten etc., Darmstadt 1860, S. 468 f.

Eine Weile zog sich der Weg gut eben fort. Bald jedoch kamen wir wieder in dichten Wald, nun ging es steil in einem engen Hohlwege bergab. Der Weg war elend, außerordentlich steil und schmal. Bald standen große Felsen hervor, bald hatte der Regen tiefe Furchen gewaschen, so daß wir fürchterlich geschüttelt wurden.

Lange, unter manchen Krümmungen ging es so, bis wir endlich den Wald verließen. Bald hatte uns auch der Hohlweg verlassen; sanfter bergab ging nun der Weg zwischen Feldern. Endlich erblickten wir gerade vor uns ein großes altes Schloß, ganz im Nebel. Bald erreichten wir die äußere Umfassung. Über eine Zugbrücke gelangten wir in einen großen Burghof, in dessen Mitte die Bildsäule eines Ritters steht und die Besatzung des Schlosses im Gewehr stand - wie eine Zauberei kam mir dies alles vor. Die Aussicht von hier ist herrlich, vor sich sieht man den ganzen Grundriß des Schlosses, dann einen schmalen von kahlen Hügeln begrenzten Graben der sich steil hinab zieht und in die nahe Ebene verbreitert in welcher das Dorf Forchtenau ausgebreitet liegt. Kahle Hügel zu beyden Seiten; über denselben erblickt man die bebaute Ebene Ungarns wo weit das Auge trägt in deren Mitte der große Neusiedlersee mit der Kette ihrer umgebenden Orte prangt. Schade! daß uns der deftige Regen nicht erlaubte diese Aussicht in ihrer ganzen Größe zu bewundern. Auf der ......anderen Seite erblickt man den waldigen Bergrücken samt der Rosalia-Kapelle auf dessen Gipfel; dann die zwey sich in das Thal zu beyden Seiten ziehende Gräben mit ihren Forellen Teichen. Wahrlich eine schöne Aussicht!

 
Da wir nun alles gesehen hatten, kehrten wir zurück, nahmen ein gutes Mittagmahl ein, worauf wir abfuhren, da wir noch hofften den nähmlichen Tag nach Hause zu kommen.

Fünf Canoniere und einige Invaliden sind immer hier, die Basatzung nun war noch ein Lieutnant mit etwa 20 Mann der fürstlichen Leibwache hier. Es sind meistens schöne Leute, sauber montiert und ganz ordentlich. Sie bilden eine Companie mit 3 Officiers und etwa 80 Gemeine. Der Weg zog sich gleich vom Schloßthor über den steilen Felsberg in vielen Krümmungen aber doch sehr steil bergab, lange windet man sich um denselben herum bis man den Graben des Dorfes erreicht. Herrlich und erhaben ist der Anblick des Schlosses von unten, es steht frey auf dem Gipfel eines hohen steilen Felsen. Kanonen wurden aus demselben nun gelöst, welche in den nahestehenden Bergen einen schönen Widerhall hervorbrachten.

Bald drehte sich nun der Weg bergab ins Dorf. Lange ziehen sich die Häuser desselben an der Straße fort, die alle sauber gebaut sind. Mitten stehet ein großes Servitenkloster und das herrschaftliche Schloß von dem Verwalter bewohnt. Die Einwohner dieses Dorfes nähren sich meistens vom Obstbau welches in Menge und vortrefflicher Gattungen erzeugt wird. Jedes Haus hat einen sehr großen Obstgarten. Dann von der Zucht der Kastanien. Zahlreiche Bäume derselben die sich durch ihre Höhe und Breite von weitem auszeichnen, stehen ganz ohne Pflege und bilden ganze Wälder in der Nähe der Häuser. Es werden ihrer alle Jahre eine sehr große Menge gesammelt, die alle nach Schlesien verkauft werden. - Bald hatten wir es verlassen. Die Berge wurden immer niedriger, der starke Bach, die Vulta, die nahe bey Forchtenstein entspringt, schlängelt sich am Wege. Er schäumte fürchterlich und überschwemmte schon eine ziemliche Strecke. Wir kamen aus einem Dorf ins andere, lauter große saubere Orte von den so genannten Hienzen bewohnet, die sich vom Acker und Weinbau gut nähren. Nach und nach bedecken sich die Hügeln mit guten kultivierten Weinbergen die jedoch sich bald in die Ebene verlieren. Wir wechselten Pferde in Mattersdorf und Vulkabrodersdorf, wo wir die von Wien nach Oedenburg führende Poststraße nicht weit von letzterer Stadt erreichten, der wir nachfolgten. Eben zieht es sich dort bis Höflein, zwischen wohl bebauten Feldern. Rechts zieht sich eine Bergreihe fort, an deren Fuße das kleine Städtchen Eisenstadt mit einem schönen füstlichen Esterhásischen Schlosse prangt. Nun zieht sich der Weg zwischen Hügeln die die Ausläufer der südlichen Gebirgskette gegen die Donau zu sind, sanft bergauf. Sie sind alle trefflich mit Getreyde bebaut; bald zieht er sich wieder gegen die Leitha bergab und wir erreichten den Markt Windpassing an derselben.

Hier verließ die Reisegesellschaft Ungarn und erreichte nach Einbruch der Dunkelheit Münchendorf, wo sie - wie der Erzherzog schreibt - in einem ellenden Wirtshaus übernachten mußten. Am nächsten Tag, dem 27. September 1805, fuhr man über Traiskirchen zurück nach Schloß Schönbrunn.

Quelle: Eine Beschreibung der Burgenländische Forchtenstein aus dem Jahre 1805. Aus dem Reisetagebuch Erzherzog Rainers Von: Gerald SCHLAG In: Wissenschaftliche Arbeiten aus dem Burgenland, Bd.71, Eisenstadt 1985, Seite 249 – 254


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