Die so genannte Magnatenverschwörung von 1670/71 wurde zum Anlass genommen, um erneut und besonders scharf gegen die noch bestehenden evangelischen Gemeinden vorzugehen. So wurden die zehn Jahre bis 1681 zum Trauerjahrzehnt für die Evangelischen Ungarns. Die Verfassung wurde außer Kraft gesetzt, die Pfarrer vertrieben, die Schulen zerstört, hunderte Kirchen den Evangelischen weggenommen. Leopold Kollonitsch, der Bischof von Wr. Neustadt und spätere Erzbischof von Gran, tat sich besonders hervor. Im Süden zog der Probst von Vasvar mit 200 Söldner von Dorf zu Dorf, um die noch bestehenden Reste evangelischen Lebens zu vernichten. In Pressburg wurde ein Sondergerichtshof eingerichtet, vor den evangelische Pfarrer und Lehrer unter dem Vorwurf des Landesverrates zitiert wurden. Freigelassen wurde nur, wer einen Revers unterzeichnete, daß er auf sein Amt verzichtet und das Land verlässt. Diejenigen, die sich weigerten, wurden gefoltert, verurteilt und schließlich als Galeerensklaven nach Italien verkauft - was nach dem Bekanntwerden in ganz Europa große Empörung auslöste. Erst nach vielen Jahren durften die noch Lebenden freigekauft werden. Völlig ausgerottet konnte aber auch dadurch der Protestantismus nicht werden, neue Aufstände brachen aus, sodass Kaiser Leopold schließlich 1681 den Ödenburger Landtag einberufen musste. Die evangelischen Stände waren stark in der Minderheit und es nützte nichts, dass sie ihre berechtigten Beschwerden immer wieder vorlegten. Kaiser und Kirchenfürsten waren unnachgiebig. Schließlich mussten die Evangelischen ein königliches Diplom akzeptieren, in dem ihnen nur minimale Rechte zugestanden wurden. Aber selbst diese wurden einige Jahre später wieder eingeschränkt.

In Artikel XXV wurde zwar ausdrücklich der Wiener Friede von 1606 und damit die allgemeine Religionsfreiheit bestätigt, allerdings nur mit Vorbehalt der Rechte der Grundherren. In Artikel XXVI wurden jene Kirchen festgelegt, in denen auch weiterhin evangelische Kirchen bestehen durften. (Artikularkirchen). Auf heute burgenländischem Gebiet war das nur eine einzige Kirche, die reformierte Kirche von Oberwart. Im Komitat Ödenburg gab es nur zwei solche Kirchen, in Nemeskér und Nemescsó. In Ödenburg durfte evangelischer Gottesdienst in deutscher Sprache gehalten werden. Aber immerhin wurde dekretíert, dass in Zukunft niemand in seiner Religionsausübung gestört oder zur Teilnahme am Ritus einer anderen Konfession gezwungen werden sollte. Die Evangelischen sollten auch Zugang zu allen Ämtern haben.

Trotz aller Unterdrückung war aber - anders als im benachbarten Österreich - ein Überleben der Evangelischen möglich. Nach der Niederschlagung des Kuruzzenaufstandes wurde die Unterdrückung allerdings fortgesetzt. Schon 1691 wurden die Zugeständnisse wieder eingeschränkt, 1711, im Frieden von Szatmar, wurde erneut Kultusfreiheit zugestanden, aber wieder nicht eingehalten. Der Landtag von Preßburg 1715 beraubte die Evangelischen weiterer grundsätzlicher Rechte, jede Diskussion von Religionsfragen wurde untersagt.

 
Auch noch zur Zeit Kaiser Karls VI. und Maria Theresias setzten sich die Verfolgungen fort. 1731 etwa verloren die Evangelischen weitere bürgerliche Rechte (Carolina resolutio). Wer ein Amt übernehmen wollte, musste einen Eid auf Maria und alle Heiligen ablegen, was die Evangelischen aus allen Ämtern ausschloss. Selbst ihre Hausandachten durften nur für Familienangehörige abgehalten werden, Fremde durften daran nicht teilnehmen. Evangelische Pfarren wurden vom katholischen Erzdiakon visitiert, Glaubenswechsel wurde strengstens bestraft, gemischte Ehen durften nur von katholischen Priestern geschlossen werden. Evangelische Schulen gab es nur in den Orten mit Artikularkirchen. In diesen weiteren 100 Jahren der Protestantenverfolgungen von 1681 bis 1781, bis zum Toleranzpatent, war es für die Evangelischen außerordentlich schwer, an ihrem Glauben festzuhalten, da sie praktisch Menschen zweiter Klasse waren.

 Im Jahre 1781 erließ Kaiser Joseph II. schließlich das Toleranzpatent, das den Evangelischen in Österreich und Ungarn die Wiedererrichtung ihrer Kirche und ihres Schulwesens ermöglichte. Im Einleitungssatz heißt es: " Da wir überzeugt sind, dass jeder Zwang, der das Gewissen vergewaltigt, sehr schädlich ist, die von der christlichen Frömmigkeit gutgeheißene Toleranz dagegen den größten Nutzen für die Religion und für den Staat einträgt, fassten Wir den Beschluss, diese Toleranz in all unseren Erbländern gesetzlich zu befestigen".

Die Duldung erfolgte also nur aus Nützlichkeitserwägungen, die katholische Religion blieb weiter Staatsreligion, die Zugeständnisse an die Evangelischen waren noch mit manchen Problemen verbunden und stellten diese noch keineswegs den Katholiken gleich.

 Die evangelisch-reformierte Kirche in Oberwart

Im Burgenland gibt es neben den lutherischen Gemeinden (evang.A.B.= Augsburger Bekenntnis) auch eine reformierte Gemeinde (evang.H.B. = Helvetisches Bekenntnis) . Diese calvinistische Gemeinde ist Oberwart. Sie war eine der wenigen Artikularkirchen, die auf dem Ödenburger Landtag den Evangelischen belassen wurde und so zum Zentrum für die ganze Umgebung in der Zeit der Gegenreformation wurde. Noch 1766 wurde der Oberwarter Pfarrer vor die Komitatsbehörden zitiert und bestraft, weil er auch lutherische Kinder taufte und am Unterricht der Schule teilnehmen ließ. Die neue Kirche wurde 1770-72, also noch vor dem Toleranzpatent, erbaut .Sie gehört damit zu den ältesten evangelischen Kirchen des Landes. (Katalog S.68)


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