kroaten herkunft

Herkunft der burgenländischen Kroaten

 

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Kroatenansiedlung

Herkunft der Burgenland-Kroaten und Ursachen der Wanderung

 

Die Gründe für die Übersiedlung der Kroaten aus der alten Heimat in Kroatien und Slawonien waren vielfältig. Die ständige Bedrohung durch türkische Überfälle und die wirtschaftlichen Verhältnisse spielten eine wichtige Rolle. Die westungarischen Magnatenfamilien hatten auch Besitzungen in Kroatien und Slawonien und konnten so ihre Untertanen in die westungarischen Herrschaften umsiedeln. Aber auch in Herrschaften, die Österreich unterstanden, kam es zur Zuwanderung. Diese Wanderungen gingen weit über das heutige Burgenland hinaus bis nach Niederösterreich und Mähren sowie in die heutige westliche Slowakei. Entscheidend war die Initiative der Grundherrn.

In den Zielgebieten wurden Bauern benötigt. Zahlreiche Höfe standen leer. Die Ursachen waren vielfältig: Verwüstungen durch die Pest 1408/9, die Kriege zwischen Friedrich III. und Maximilian, die Bevölkerungsverluste durch die Türkenzüge von 1529 und 1532. Weit wichtiger aber waren sehr komplexe sozialökonomische Prozesse, die weit zurückreichten und die man heute unter dem Begriff "spätmittelalterliche Agrarkrise" zusammen fasst. Etwas vereinfacht dargestellt handelte es sich um Verschiebungen in der Bevölkerungsdichte und um Konzentrationsprozesse. Die sinkenden Getreidepreise hatten zur Folge, dass vor allem in den Dörfern, die hauptsächlich vom Getreideanbau lebten, die deutschen Bauern abzogen und sich in den Weinbaugemeinden nieder ließen. Der Weinbau bot weit günstigere Lebensmöglichkeiten. Es ist auffallend, dass die mehr oder weniger geschlossene Kroatenansiedlung hauptsächlich in den Getreidegebieten - etwa im Raume Parndorf, in der Wulkaebene und im Ostteil des Mittelburgenlandes erfolgte. Zugleich waren dies aber auch die Regionen, die unter den durchziehenden türkischen Heeren am meisten zu leiden hatten. Zur Kroatenansiedlung kam es aber auch in den Hügelregionen des Südburgenlandes und sogar in neu angelegten Rodungssiedlungen in den Waldgebieten.

Felix Tobler fasst die heutige Ansicht der Forschung folgendermaßen zusammen: "Nach neuesten Forschungen ist die gänzliche oder teilweise Verödung zahlreicher Ortschaften auf die spätmittelalterliche Agrarkrise zurückzuführen, welche vor allem im Getreideanbaugebiet, weniger im Weinbaugebiet, ihre Auswirkungen zeitigte. Ein allgemeines Sinken der Getreidepreise machte es dem Bauern, wo er unter ungünstigen natürlichen Voraussetzungen wirtschaftete, zunehmend unmöglich, unter den durch die Grundherrschaft festgesetzten Bedingungen seine Wirtschaft fortzuführen; er war zur Abwanderung (meist in die sich emporschwingenden Märkte und Städte der Umgebung wie z.B. Ödenburg, Wiener Neustadt, Pinkafeld, Rechnitz, Güns) gezwungen.Demgegenüber erlebte der Weinbau im 15. und 16. Jahrhundert eine Blütezeit, der auch flächenmäßig eine die heutige weit übertreffende Ausdehnung besaß. Orte mit bedeutendem Weinbau waren daher vom Verödungsprozess nicht so dtark betroffen wie Orte im Getreideanbaugebiet und zeigten einen wesentlich besseren Siedlungsstand. ...

Die Voraussetzung für die Ansiedlung kroatischer Kolonisten in weiterer Folgewar eine allmähliche Verbesserung der Absatzmöglichkeiten für Agrarprodukte gegen Ende der 20er und und zu Beginn der 30er Jahre des 16. Jahrhunderts, Jetzt zeigten auch die Grundherrn zunehmend Interesse, ihre verödeten Dörfer wieder zubesiedeln und mit der Zahl der Untertanen auch die Einkünfte der Herrschaften zu erhöhen. Insgesamt läßt sich feststellen, dass sich die kroatische Kolonisation hauptsächlich auf teilweise verödete Ortschaften (Einsiedlung) und auf Siedlungen, die infolge von Kriegsschäden (1529) verödet waren, erstreckte, während Siedlungen, die bereits im Verlauf des 15, Jahrhunderts aufgrund ökonomischer Ursachen völlig verödet waren, nur in Einzelfällen wiederbesiedelt wurden (z.B. Parndorf, Neudorf bei Parndorf, Steinbrunn, Zillingtal). Nur im Südburgenland kam es zu kroatischen Neugründungen in grö0erer Zahl und amit zu einer Verdichtung des Ortsnetzes" F. Tobler In: Geosits, Die Burgenländischen Kroaten im Wandel der Zeiten, S.6 f.)

Die Herkunftsgebiete

Kroatien war über 130 Jahre, von 1463 bis 1593, den Angriffen des ormanischen Reiches ausgeliefert. 1453 brach Serbien, 1463 Bosnien zusammen. Kroatien - Slawonien wurde damit unmittelbarer Grenzraum.  König Matthias Corvinus ließ 1463 - 1465 die Hauptmannschaften von Jaice und Srebrnik in Nordbosnien einrichten. Die Hauptmannschaft Zengg konnte die südlich des Gvosd gelegenen Gebiete nicht mehr schützen, sie waren immer wieder den Verwüctungen der türkischen Streifscharen ausgesetzt. Die Bevölkerung wurde in die Gefangenschaft verschleppt. Die Türken drangen über die Kulpa nach Istrien, Görz, Krain und in die Steiermark vor. 1463 verwüsteten die Türken die Landschaften zwischen Drina und Vrbas, 1467 die Grafschaft Krbava,  1469 fielen sie in Krain ein und 1478 kamen sie bis Friaul.Die Sitauation verschlimmerte sich 1490 mit dem Tod des Corvinus. Das stehende Heer wurde aufgelöst, innere Konflikte lähmten die Verteidigungskraft. 1491 begannen die Türken wieder mit ihren Angriffen.

Entscheidend für den Beginn der Kroatenwanderung war die schwere Niederlage auf dem Krbavafeld bei Udbina im Jahre 1493. Sie ermöglichte das Eindringen der Türken in Kroatien und Slawonien. Die Türken zerschlugen das Verteidigungssystem zwischen Gvozd und Cetin. Im Jahre 1513 wurden Süddalmatien und im darauf folgenden Jahr weite Gebiete, die Lika und Krbava von den Türken besetzt. Die Grundherrn wurden zur Zahlung der Kopfsteuer gezwungen. Nach einem Waffenstillstand   von 1503 bis 1510 eroberten die Türken die zuvor verwüsteten Gebiete. 1511 begannen sie, das Umagebiet zu verwüsten. Nikolaus Zrinski (Zrinyi) versuchte 1517 seine Besitzungen im Umagebiet mit eigenen Truppen zu schützen. 1524 bot er Erzherzog Ferdinand an, in einige Burgen, etwa Novigrad, Besazungen zu legen. Slawonien wurde zunächst durch die starken Burgen der Hauptmannschaft Jaice geschützt.  1512 eroberten die Türken die Hauptmannschaft von Srebrnik und mit der Eroberung von Belgrad 1521 fiel der kroatische Verteidigungsgürtel an der Drau. 1526 fielen Esseg und das nördliche Slawonien unter türkische Herrschaft. Nach der verheerenden Niederlage der Ungarn bei Mohács im Jahre 1526 beherrschten die Türken ganz Südkroatien und Ostslowenien. 1527 fiel auch die Festung Jaice. Nach und nach eroberten die Türken die slawonischen Burgen, darunter Burgen der Erdödy und der Nadasdy, 1552 nahmen sie die letzten Festungen zwischen Save und Drau ein. Die Draulinie konnte gehalten werden, die dortigen Herrschaften aber wurden schwer verwüstet. Nur wenige Burgen hatten königliche Besatzungen, die meisten wurden von grundherrschaftlichem Militär verteidigt. 1638 fiel die Festung Dubica, das Verteidigungssystem an der Una hielt zunächst aber bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts noch stand. 1556 wurde dann aber die wichtige Festung Kostajnica an der Una erobert. Vereinzelt gelang es, den Türken Niederlagen beizubringen, etwa 1565 wurde in der Nähe von Ivanic ein großes türkisches Heer unter dem Oberkommando des bosnischen Paschas aufgerieben. Die Grenztruppen unternahmen Einfälle in das türkische Territorium. Neuerliche Offensiven der Türken und ein gescheiterter Feldzug Georg Khevenhüllers hatten dann aber die Rücknahme der Verteidigung von der Una auf die Kulpa zur Folge. 1593 wurden die Türken bei Sisak schwer geschlagen, ihr Vormarsch kam zum Stillstand.

Auf beiden Seiten entstanden Militärgrenzen. Von der Drau bis zur Adria wurde ein System von Veteidigungsanlagen errichtet und mit "Grenzern" besetzt. Finanziert wurden diese Anlagen auch durch erhebliche Beiträge der innerösterreichischen Stände. Beiderseits der Grenze waren die Ländereien verödet und von ständigen Überfällen geplagt. Die Menschen wurden in die Sklaverei verschleppt, das Vieh weggetrieben und die Dörfer niedergebrannt. Die "Soldaten", meist Söldner an der Grenze waren oft schlecht versorgt und auf Beute aus. Auf türkischer Seite waren die Martolosen, christliches Militär im osmanischen Dienst, berüchtigt und galten als die übelsten Menschenräuber.

Ansiedlung

Unter diesen Umständen war es den in den ständig bedrohnten Gebieten den ansässigen Bauern nicht mehr möglich, ihre Existenz zu sichern. Die Bevölkerung nahm in vielen Gebieten stark ab. Viele Menschen wanderten in sichere Gebiete innerhalb Kroatiens ab, etwa in den Nordwesten, das Gebiet um Agram, oder in das Gebiet zwischen Save und Kulpa. Andere zogen in die Nachbarländer, nach Görz und Krain, in die Steiermark und eben auch nach Westungarn und Niederösterreich sowie nach Mähren, wo es nach der spätmittelalterlichen Agrarkrise einen Bedarf an Kolonisten gab. Jene Grundherrn, die Güter in Kroatien - Slawonien und auch in Westungarn besaßen, wie die Nadasdy, die Batthyany und Erdödy, förderten die Umsiedlung. Diese wurde planmäßig organisiert und durchgeführt. Angeregt durch diese Vorgänge sandten auch andere Grundherrn Werber aus, um Bauern für ihre Herrschaften anzuwerben. Auch auf eigene Initiative zogen Gruppen von Bauern aus, um eine neue, sicherere Heimat zu finden.

Vor 1515 tauchen in der Herrschaft Eisenstadt bereits vereinzelt kroatische Familiennamen auf. 1524 erhielt der kroatische Adelige Michael Butschitsch in Wien von Erzherzog Ferdinand die Erlaubnis, " mit ettlichen seinen Lewten heraus in Österreich zu ziehen und alda zu wonen" (zitiert nach Breu, S.16)  Der Beginn der Auswanderung wird zumeist in die Zeit zwischen 1493 und 1515 gesetzt. 1524 ersuchte Franz Batthyány, der Banus von Kroatien, König Ludwig um Erlaubnis, kroatische Bauern aus Kroatien und Slawonien in seinen westungarischen Herrschaften ansiedeln zu dürfen. 1522 bis 1527 wanderten Kroaten in einer ersten großen Auswanderungswelle aus der Lika, aus den Hochbecken von Gacka und Krbava und aus dem Küstenland zwischen Zengg (Senj) und Obrovac nach Westungarn, in die Umgebung von Ödenburg. 1627 weist das Urbar der Herrschaft Eisenstadt vor allem in Oslip eine größere Zahl von kroatischen Untertanen auf.  1532/33 folgten Aussiedler aus dem Gebiet zwischen Otocac und der Kupa in die Steiermark und in die Umgebung von Wien (Gerhard Neweklowsky, S.265). Der größte Wanderungsschub erfolgte 1537 bis 1543, als die Türken Westslawonien verwüsteten. Die Nádasdy, Batthyány und die Erdödy, die dort Besitzungen hatten, brachten ihre Bauern nach Westungarn. Die Umsiedlung erfolgte meist in Gruppen unter der Leitung von Kleinadeligen (Lokatoren). Das fahrbare Hab und Gut wurde auf den beschwerlichen, meist zwei bis drei Wochen dauernden Marsch mitgenommen. Die Konvois wurden immer wieder von Martolosen angegriffen. Über die großen Flüsse wurden Schiffsbrücken errichtet. Die große Wanderung fand vor allem in den 1540er und 1550er Jahren statt, setzte sich aber auch noch in der zweiten Jahrhunderthälfte fort. Die wichtigsten Herkunftsgebiete der burgenländischen Kroaten waren die Moslavina in Slawonien, Nordbosnien und das Gebiet zwischen Una und Kulpa. Die erste Hauptwelle kam in den Jahren 1533 bis 1545 in den Herrschaften Hornstein, Eisenstadt, Forchtenstein, Güns und Güssing an. Nach 1540 kamen die Kroaten der Herrschaften Rechnitz, Schlaining und Rotenturm. Nach dem Fall von Kostajnica 1556 setzte eine weitere Welle ein aus dem Gebiet zwischen Una und Kulpa, vor allem in das Wieselburger KOmitat, in das Ödenburger KOmitat, in das Marchfeld, nach Mähren und in die heutige Slowakei, aber auch in die Herrschaften Eberau und Rotenturm. Nach dem Fall von Szigetvár 1566 kam erneut eine Flüchtlingswelle. Damals wurden Parndorf und Neudorf neu besiedelt. Um die Mitte der 1570er Jahre ging der Einwanderungsstrom zurück, da man in Niederösterreich und in den verpfändeten Herrschaften in Wesungarn nicht mehr bereit war, diese aufzunehmen. In den 1580er Jahren endete die Wanderung. Einzelpersonen - Kleinadelige, Priester, Lehrer, Handwerker - kamen auch weiterhin.

"Nach dem Fall von Dubica 1538 berichtet der Banus Peter Keglevic, dass sich viele Menschen westlich von Cernik und Pozega auf die Auswanderung vorbereiteten. Thomas Nádasdy berichtet gleichzeitig, dass seine Besitzungen Velika und Medurjecje in Slawonien bereits entvölkert seien. Thomas Nádasdy besaß damals Güter in der alten Ödenburger Gespanschaft südlich und südöstlich des Neusiedler Sees ..." (Neweklowsky S.279)

Für die Abwanderungsgebiete  hatten diese Bevölkerungsverschiebungen negative Auswirkungen, da es an Menschen fehlte, die Abgaben zahlten und Burgrobot leisteten. Der kroatische Adel wehrte sich zum Teil gegen den Abzug der vielen Bauern und beschwerte sich etwa 1532 bei Kaiser Ferdinand. 1535 verlangte der kroatische Landtag vergeblich ein Verbot der Übersiedlung und sogar eine Rückstellung der Auswanderer (Breu, S.16). Alle diese Forderungen blieben wirkungslos, da der König seine Zustimmung verweigerte und viele kroatische Adelige ja selbst an den Umsiedlungen beteiligt waren.  Aber auch die niedrösterreichischen Stände sahen die Kroatenansiedlung teilweise skeptisch. Auf dem Landtag von 1571 wurden dem Kaiser Beschwerden vorgelegt und ein Verbot jeder weiteren kroatischen Einwanderung verlangt. 1573 erklärte der Kaiser diese Forderung für unklug und wies auf die Bedeutung der Zuwanderung und auf die bereits geleistete Arbeit hin. Er ließ aber an alle Herrschaften Geheimverfügungen versenden, in denen er befahl, frei werdende Hofstellen mit Deutschen zu besetzen und die Kroaten zu keinen Ämtern zuzulassen. Anscheinend wurde die weitere Ansiedlung verboten. In Urbaren taucht die Bestimmung auf, dass es Kroaten nicht gestattet sein sollte, sich in deutschen Orten niederzulassen.

Nach Neweklowsky besiedelten die Nádasdy Kohlnhof (Kópháza), Hidegség und Fertöhomok mit Kroaten, die Batthyány brachten Bauern aus dem Gebiet von Koprivnica, aus der Gegend zwischen Papuk, Psunj und Stupcanica in das südliche Burgenland, die Erdödy aus der Moslavina und Nordslawonien in ihre Herrschaft Rottenturm (Neweklowsy, S.265/66). 1556 fiel die Festung Kostajnica und die Türken eroberten die Gebiete zwischen Una und Kupa. Die Zrinski besaßen Güter zwischen Kostajnica und Hrastovnica. Von dort übersiedelten sie 1556 bis 1561 Bauern ins Pinkatal (Eberau, Rotenturm, Weppendorf/Vép) und auch ins mittlere Burgenland.  Von 1565 bis 1579 erfolgte die Abwanderung von Kladusa bis Stenicnjak, von Slunj bis Primislje und von Krstinja in das nördliche und mittlere Burgenland, in die Umgebung von Wien und auf die Güter der Grafen Illyésházy um Pressburg. Die Wanderungen endeten Ende des 16. Jahrhunderts, ab 1577 erfolgte bereits teilweise eine Rückwanderung aus Niederösterreich.

Im Komitat Wieselburg wurden folgende Orte von der kroatischen Kolonisation erfasst: Parndorf, Neudorf bei Parndorf, Potzneusiedl, Gattendorf, Kittsee, Pama, Kroat. Jahrndorf, Sarndorf, Karlburg, Ragendorf, Pallersdorf, Kroat. und Ungarisch Kimling, Leiden, Gahling, St. Nikolaus, Wiesenburg, Ungarisch Altenburg und Halaßen. In Parndorf, das zur Herrschaft Rohrau gehörte, erwarb der kroatische Kleinadelige Wyhyatitsch de Zelina Szentmiklos besondere Verdienste um die Kroatenansiedlung und bekam von Leonhard von Harrach 1573 in Neudorf einen Edelhof mit 66 Joch Grundübertragen. Gattendorf (kroat. Rauser) befand sich zur Zeit der Ansiedlung im Besitz der Familie Rauscher. Später hatten neben den Eszerházy zahlreiche weitere Familien Anteil an Gattendorf, Die Herrschaft Kittsee mit Pama und Kroatisch Jahrndorf war im Besitz der Grafen von St. Georgen - Bösing, später in dem der Liszty und Esterházy. In den zur Herrschaft Ungarisch Altenburg gehörenden Orten Wieselburg, Ungarisch Altenburg, Halaßen, Leiden und Gahling kam es nur zum Zuzug einzelner kroatischer Familien. In allen diesen Orten wurde Getreideanbau mit günstigen Vermarktungsmöglichkeiten betrieben. Die kroaten schalteten sich auch in den sehr umfangreichen Ochsenhandel ein. Auch der Ochsenschmuggel nach Niederösterreich spielte eine wichtige Rolle. Ende des 18. und im 19. Jahrhundert wurden große Schäfereien angelegt, nicht zur Freude der Bauern. Für die kroaten war auch der Fuhrwerksdienst nach Wien eine Einkommensquelle.

Im Wulkagebiet waren folgende Orte von Kroaten besiedelt: Der Markt und Herrschaftsvorort Hornstein, Steinbrunn, Zillingtal, Wulkaprodersdorf, Oslip, Trausdorf, Zagersdorf, Antau, Siegendorf, Klingenbach, Draßburg, Baumgarten, Rohrbach. In Sigleß bestand die Hälfte der Bevölkerung aus Kroaten, zur Hälfte aus Deutschen. In Krensdorf, Großhöflein, Müllendorf, Schützen a. Geb. blieben die Kroaten stets in der Miderheit und wurden schon im 17. Jahrhundert assimiliert. In der Grafschaft Forchtenstein wurden die Kroaten unter der Pfandherrschaft Jakobs von der Dürr schon ab 1533 und ab 1546 von Hans von Weißpriach angesiedelt. Siegendorf, Rohrbach und Baumgarten gehörten bis 1738 zur Herrschaft Landsee - Lackenbach. Auch die Stadt Ödenburg siedelte als Grundherr in Klingenbach und Kohlhof Kroaten an. In diesem Raum des Wulkabeckens fanden seit Ende des 18. Jahrhunderts auch die frühesten und stärksten Veränderungen in der sozialökonomischen Srtruktur der kroatischen Dörfer statt. Die Menschen fanden Beschäftigung in den Fabriken des benachbarten Niederösterreich. Auch in den Herrschaften Hornstein und Eisenstadt entstanden Fabriken. Der Braunkohlebergbau von Neufeld und die beiden Zuckerfabriken in Hirm und Siegendorf boten Arbeitsmöglichkeiten.

Im mittleren Burgenland wurden viele Orte von Kroaten aufgesiedelt. Neugründungen waren hingegen die Dörfer Weingraben und Kaisersdorf. In der Herrschaft Güns waren Großwarasdorf und Frankenau große kroatische Dörfer. Zur Herrschaft Lockenhaus gehörte der kroatischen Ort Nikitsch, Nebersdorf war im Besitz der Familie Niczky, die dann später auch Groß- und Kleinmutschen erwarben,  Langental war eine kroatische Neugründung. Die Dörfer im Ostteil des mittleren Burgenlandes lebten vor allem vom Getreideanbau, die Überschüsse wurden in Ödenburg und Güns verkauft. Der Weinbau spielte in den kroatischen Dörfern eine verhältnismäßig geringe Rolle. Bedeutend hingegen war der Viehbesitz. Rt übertraf den der deutschen Dörfer. Der Viehhandel war wichtig, zum Teil umging er den Grenzzoll. Der Umfang des Schmuggels wird auf jährlich einige tausend Ochsen geschätzt. Auch die Schweinemast und der Schweinehandel waren wichtig. 1835 wurden in Nikitsch von 21 Händlern 12 0 89 Schweine verkauft. Das Handwerk war in den kroatischen Dörfern eher schwach entwickelt. , Fabriken gab es nur in Dörfl. Erfolgreich war die Tabakfabrik des Johann Georg Lakitsch. Das starke Bevölkerungswachstum zwang schon in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zur landwirtschaftlichen Saisonarbeit.

Die kroatischen Dörfer des Südburgenlandes hatten so wie auch die deutschen Siedlungen unter den ungünstigen Marktverhältnissen zu leiden. Im Osten des heutigen Bezirkes Oberwart, in den Gemeinden Schachendorf, Schandorf und Dürnbach war der Getreideanbau wichtig, Weinbau und Tabakanbau spielten eine wichtige Rolle. Die Walachen beschäftigten sich bis Mitte des 18. Jahrhunderts überwiegend mit Schaf- und Ziegenzucht sowie der Schweinemast in den Wäldern. Am Viehmarkt waren die Bewohner von Nikitsch beteiligt. Man traf die Viehhändler auf den Rinder- und PFerdemärkten der Monarchie. Stegersbacher Kroaten waren als Fuhrleute bis nach Triest und Fiume tätig.

Die überwiegende Zahl der Neuankömmlinge waren Bauern. Unter den wohlhabenden Bauern gab es "libertini", die sich meist auf Zeit von Abgaben und Roboten freikauften. Aber nicht nur Bauern und Geistliche fanden in Westungarn Zuflucht. Unter den Flüchtlingen waren auch Kleinadelige, die von den Magnaten als Servitoren in Dienst genommen wurden und die Neuansiedlung übertragen wurde. Sie konnten sich oft eine bevorzugte Position sichern. Auch im herrschaflichen Militär fanden viele einen neuen Aufgabenbereich. Das heutige Hasendorf etwa erhielt 1530 der Kleinadelige Simon Zaychich, der hier einige kroatische Familien ansiedelte. Sulz wurde im Jahre 1539 dem Nikolaus Sankó de Ragusio, einem Kaufmann, übergeben, der dort einen Edelhof errichtete. Viele der Kleinadeligen magyarisierten sich aber rasch.

Einen guten Einblick in den Vorgang der Kroatenansiedlung gibt der Vertrag, den Franz Batthyány mit den Ansiedlern von St. Nikolaus bei Güssing schloss. (Ansiedlung St. Nikolaus).

Über die Herkunft der Vlahi ("Walachen") gibt es verschiedene Theorien. Sogar eine serbisch-orthodoxe Herkunft wollte man ihnen zuweisen. Heute ist die Forschung übereinstimmend der Ansicht, dass die Vlahi keine ethnische Sondergruppe darstellen. Sie waren Kroaten und wurden etwa gleichzeitig mit den übrigen Kroaten angesiedelt. Sie sind als Lebensformgruppe kroatischer Herkunft zu sehen. Sie waren überwiegend Hirten, deren Heimat Neweklowski in der Nähe von Kostajnica sucht (S.278). Vlahi-Dörfer sind Spitzzicken, Allersdorf, Allersgraben, Mönchmeierhof, Rauhriegel, Rumpersdorf, Podler, Weiden bei Rechnitz, Oberpodgoria (Podgoria) , Unterpodgoria (Geigermeierhof), Parapatitschberg und Althodis. Früher gehörten auch die aufgelassene Siedlung Stefanshof und das eingedeutschte Altschlaining dazu. Eine kleine Gruppe von Walachen gab es auch in Ritzing.  Die Walachen waren Wanderhirten, die die Wälder des Günser Gebirges mit ihren Schafen und Ziegen durchzogen. Die Walachen genossen eine Sonderstellung. "Walachische Freiheiten" wurden erstmals 1541 durch Dorothea von Puchheim verbrieft, dann 1549 durch Peter Erdödy und auch von den Batthyany. Die persönliche Freiheit wird in diesen Privilegien betont.Die Walachen wurden von den Grundherrn zu polizeilichen und militärischen Diensten herangezogen, etwa um die Abgaben von den Bauern einzutreiben. Um die Mitte des 18. Jahrhunderts wurden auch die Walachen verstärkt in die Grundherrschaften einbezogen.

Die kroatischen Kolonisten waren von allen staatlichen Steuern befreit, und zwar auf Zeit (zwischen drei und zwölf Jahren). Auch von den Abgaben an die Grundherrschaft waren sie zumeist auf einige Jahre befreit. Die Lokatoren erhielten manchmal befreite Edelhöfe. Zu Dorfneugründungen kam es nur im Südburgenland auf unbewohnten, öde gefallenen Plätzen oder im Anschluss an Meierhöfe. Eine Neugründung im Waldland war Punitz. Dort, wo die Kroaten in bestehende Dörfer eingesiedelt wurden, glichen sie sich rasch an. Sie übernahmen die bestehenden Hof-, Flur- und Dorfformen. Konflikte gab es vor allem dort, wo die bestehenden Dörfer Gund und Boden an die Neusiedler abgeben mussten. Langwierige Grenzstreitigkeiten waren nicht selten, etwa zwischen Eisenstadt und Trausdorf.

Felix Tobler nimmt an, dass im heutigen Burgenland insgesamt etwa 20 000 bis 25 000 kroatische Einwanderer angesiedelt wurden. Um 1600 waren dies etwa 25 bis 28 % der Gesamtbevölkerung. Ein Viertel aller Siedlungen waren ausschließlich oder überwiegend von Kroaten bewohnt.

Literatur:

N.Z. Bjelovucic, 1929, schrieb ein viel beachtetes Werk über die Volksgrenzen der Südslawen: Etnografske granice Slovenaca, Hrvata, Srba, Bugara. Zagreb 1929 und erneut: Etnografske granice juznih Slavena. 1. Teil Dubrovnik 1934. Bjelovucic hält das ganze Burgenland mit Ausnahme des Seewinkels, dazu Westungarn um Karlburg und Ödenburg sowie westlich von Steinamanger und Körmend sowie ganz Niederösterreich östlich der Linie Wr. Neustadt - Fischamend - Wagram Marchegg für kroatischen "Volksboden".

Tobler, Felix, Herkunft und Ansiedlung (der burgenländischen Kroaten. In: Stefan Geositz, Die Burgenländischen Kroaten im Wandel der Zeiten. Wien 1986. S.3 - 52 Das Standardwerk zur Ansiedlung!


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