stdtewesen

Die Entwicklung des Städtewesens in Westungarn-Burgenland

Wenn man das heutige Burgenland als "Land der Dörfer", als "Land ohne Städte" bezeichnet, so mag dies oberflächlich betrachtet einige Berechtigung haben. Aus historischer Tiefe heraus ist es völlig unberechtigt. Es ist dies lediglich eine Folge der Grenzziehung von 1921, sagt aber nur wenig über die räumliche, kulturelle und geistige "Stadtnähe" der westungarisch- burgenländischen Bevölkerung aus. Diese war immer sehr ausgeprägt. Sowohl die niederösterreichisch - steirischen wie die ungarischen Grenzstädte wurden von Menschen "burgenländischer" Herkunft wesentlich geprägt und haben ihrerseits auf die Dörfer entscheidenden Einfluss ausgeübt. Die geschichtliche Entwicklung des Burgenlandes ist ohne die vielen und bedeutenden Städte entlang der österreichisch-steirischen wie entlang der ungarischen Grenze weder vorstellbar noch darstellbar. Ja man muss aus historischer Sicht sogar behaupten, dass Westungarn-Burgenland - egal, ob man es mit dem übrigen Ungarn oder mit dem alpinen Österreich vergleicht - zu den am stärksten verstädterten Regionen des Spätmittelalters und der frühen Neuzeit gehörte. 

Dies trifft vor allem auf das Nordburgenland zu, das im Einzugs- und Ausstrahlungsbereich der damaligen Großstädte Pressburg, Ödenburg und Wiener Neustadt lag. Dazu kamen noch die Mittelstädte Bruck, Hainburg, Wieselburg- Ungarisch Altenburg und zahlreiche kleine Herrschaftssitze mit Ansätzen zur Stadtentwicklung sowie viele Märkte, oft auf engstem Raum wie etwa zwischen Neusiedl und Eisenstadt. Auch das Mittelburgenland hatte an dieser Stadtnähe (Ödenburg, Wiener Neustadt) teil, dazu kam Güns, das sich vom Herrschaftssitz zur königlichen Freistadt mit beachtlichen Ansätzen einer bürgerlichen Kultur entwickelte.

 Stadtferner lagen manche Regionen des Südburgenlandes, obwohl natürlich auch hier Fürstenfeld, Hartberg, Güns und St. Gotthard, später immer mehr auch Steinamanger hineinwirkten. Im Südburgenland selbst entstanden beachtliche Ansätze städtischer Entwicklung, die allerdings im Verlauf des 16. und 17.Jahrhunderts dann zu sehr in Abhängigkeit von den Batthyany gerieten, im Falle von Güssing zur "Herrschaftsstadt" wurden, während Rechnitz und Schlaining verkümmerten. Eine etwas andere Entwicklung nahm die "Handwerkerstadt" Pinkafeld.

Man kann - in einem kurzen Rückblick in das Mittelalter - mehrere "Generationen" von burgenländischen Städten und stadtartigen Siedlungen erkennen. Die älteste Generation stellen die Komitatsburgen als befestigte und mit königlichen Gefolgsleuten besetzten Siedlungen des 12./13. Jahrhunderts dar. Vom Anfang an waren die hospites, also die von den ungarischen Königen herbeigerufenen deutschen Handwerker und Bauern, das entscheidende Element dieser Siedlungen, die zu ersten wirtschaftlichen Mittelpunkten wurden.

 Dazu gehörten neben Wieselburg, Ödenburg, Kapuvar und Eisenburg auch Lutzmannsburg und Deutsch Kaltenbrunn, wobei letztere im Zuge der feudalen Umgestaltung Ungarns und der Vergabe der königlichen Güter an den Adel aufgelassen wurden, manche Sonderrechte aber behielten. Zwei Sonderfälle stellen die beiden burgenländischen Gründungsstädte dar: Pinkafeld wurde bereits planmäßig als "Stadt", also als Wohnort von Handwerkern, angelegt, Schlaining entstand bekanntlich als Gründung des mächtigen Grundherrn Baumkircher.

Die zweite "Generation" von "Städten" sind diejenigen, die ab dem 13/14.Jh als Herrschaftssitze aus dörflich-bäuerlichen Siedlungen herauswuchsen. Güns, Rechnitz und Pinkafeld als "Städte" der Güssinger hatten schon früh Bedeutung. Schriftliche Privilegien erhielten sie unter den Anjou - Königen im 14. Jahrhundert. Güssing wurde später, unter den Batthyany, zum Prototyp der "Herrschaftsstadt", bevölkert von Herrschaftsangestellten, Offizieren und Personal, also von der zum Teil adeligen "Gefolgschaft" der Batthyany, einschließlich auch der Handwerker, die im Dienste der Herrschaft standen. Mit dem fortschrittlichen, mittel- und westeuropäischen Stadttypus, aus dem sich die bürgerliche Gesellschaft emanzipierte, hat diese "Stadtentwicklung" freilich wenig zu tun. Im Falle von Rechnitz und Schlaining war die Situation ähnlich, nur daß diese beiden Siedlungen als Herrschaftssitze zweiten Ranges kaum Bedeutung erlangten.

Zur "Bürgerstadt" im vollen Sinn des Begriffes, einschließlich bürgerlicher Kultur, wurde neben Pressburg nur Ödenburg, im geringeren Maße und verspätet auch Güns. Seine Blütezeit erlebte die königliche Freistadt Ödenburg im 15. und 16. Jahrhundert, im 17.Jh.verlor sie viele ihrer Freiheiten und ihren "bürgerlichen Geist"; auch in Ödenburg nistete sich der Adel ein. Die Ursachen dafür sind auch in der einseitigen wirtschaftlichen Struktur der Stadt zu suchen.

Im Mittelburgenland konnten sich Kobersdorf und Lackenbach, Lockenhaus und Deutschkreutz nur unvollständig zu Herrschaftszentren entwickeln. Sie blieben Märkte mit lokaler Bedeutung.

Im Nordburgenland sind Mattersburg und Eisenstadt Vertreter des Typus "Herrschaftszentrum", wobei Eisenstadt/Bürgerstadt die Lösung aus der Herrschaft gelang, wirtschaftlich aber die Abhängigkeit von der Fürstenstadt blieb. Rust ist wiederum ein Sonderfall. Der kleine Weinbauernort wurde nur deshalb zur königlichen Freistadt, weil die führenden Familien (Ödenburger Bürgerfamilien) diese Erhebung durchsetzten.

Man sollte im Rahmen einer burgenländischen Geschichte immer wieder darauf hinweisen, dass es in ganz Mitteleuropa wohl nur wenige Landstriche gibt, die eine derartige Dichte von kleinstädtischen Ansätzen aufweisen. Es gab rund um den Neusiedler See bei weitem mehr Marktsiedlungen als Dörfer!

Die "Stadtgründung" ist urkundlich meist nicht faßbar, ebenso wenig wie die "Stadterhebung", da es sich nicht um einen einzigen rechtlichen Akt, sondern um einen Prozess der allmählichen Privilegierung handelte. Ausnahme ist die "Gründerstadt" Schlaining. In Pinkafeld kann man anhand des Grundrisses, der Anlage der Siedlung, von vornherein annehmen , dass es als städtische Siedlung geplant war. Ähnliche Merkmale weist Rechnitz auf. In den meisten Fällen aber haben sich die Städte aus heranwachsenden, als Herrschaftssitze zu Bedeutung gekommenen Märkten entwickelt.

Die königlichen Freistädte waren als eigener Reichsstand im Landtag vertreten. Sie waren juristische Personen, die wie ein Adeliger ein freies Eigentum über das Stadtgebieterlangten. Sie konnten ihrerseits auch als Grundherrn auftreten. Der Stadt Ödenburg etwa gehörte eine bedeutende Grundherrschaft, die aus sieben Dörfern bestand. Die Stadtverwaltung der königlichen Freistädte bestand aus dem Bürgermeister, dem Stadtrichter und dem Rat, der sich aus dem Inneren und dem äußeren Rat mit je 12 Geschworenen zusammensetzte. Sie wurden von den Bürgern frei gewählt. In den grundherrschaftlichen Städten und Märkten gab es neben dem Richter zumeist vier Geschworene (Vierer). Der Richter wurde zumeist aus einem Dreier-vorschlag des Grundherrn gewählt. Rein formal beruhte das Ödenburger Stadtrecht zunächst auf dem Stuhlweißenburger Stadtrecht. Später bildete Ödenburg aber eine eigene Stadtrechtsprovinz. Wenn die kleineren Städte Probleme hatten, etwa in Verwaltungs- oder Rechtsfragen, wandten sie sich an Ödenburg um Hilfe und folgten dem Ödenburger Beispiel.

 Die Wirtschaft der Städte und Märkte

Lehensbauern und Söllner (Hofstättler) bildeten die eigentliche "Gemeinde" der Mitspracheberechtigten, der "Mitnachbarn" , wie sie in den Quellen genannt werden, zum Unterschied von den Inwohnern bzw. Holden , die keinerlei Rechte in den Gemeinden hatten. Tatsächlich war die Gruppe der "Mitnachbarn" aber alles andere als sozial homogen. Nach Besitz und Einfluss hob sich schon Anfang des 17.Jahrhunderts deutlich eine Gruppe von "Patriziern" ab, die etwa 5 bis 15 Familien umfasste und die nach H. Prickler über Vermögen von mehr als 5000, in einigen Fällen sogar von mehr als 20.000 Gulden verfügten. Neben Edelhofbesitzern waren sie Inhaber größerer Sessionen, meist nicht nur Weinbauern, sondern auch Fleischhauer, Hufschmiede, Kaufleute, Müller, Fassbinder...

(Beispiele dazu: H. Prickler, Städte und Märkte um den Neusiedlersee, S.270 f.)

In den Vermögensverzeichnissen dieser Familien werden vergoldete Silbergefäße, Schmuck, Zinn- und Messinggeschirr, prächtige Kleidung aufgezählt. Sie beherrschten das Gemeindeleben, stellten die Richter, Geschworenen und Bergmeister. Sie ließen sich (von den in Kaisersteinbruch ansässigen komaskischen Baumeistern) prächtige, sgraffitto - und arkadengeschmückte Häuser im Renaissance- und Frühbarockstil errichten, sie schützten ihre Märkte mit starken Mauern (Purbach, Donnerskirchen), Toren (Neusiedl) oder zumindest Wehrtürmen (Breitenbrunn). Neben diesen "Patriziern" gab es eine breite Schicht von Bauern und Handwerkern, die etwa ein Drittel der Gesamtbevölkerung stellte und über Vermögen von 1000 bis 2000 Gulden verfügte.

 
Den Großteil der Bevölkerung stellten kleine Lehensbauern und Handwerker mit Hofstattbehausungen sowie Handwerker, die als Inwohner in fremden Häusern lebten. Ihre Zahl nahm im 18.Jahrhundert stark zu, die vorher erwähnten Gruppen verarmten und sanken vielfach in diese Gruppe ab. Zur ärmsten Bevölkerungsgruppe gehörten die Weingartenknechte (Hauer), Dienstmägde, Taglöhner, Handwerksgesellen und Lehrbuben sowie Gelegenheitsarbeiter, die in Holdenschaft, also zur Untermiete, lebten. Auch sie brachten es gelegentlich zu einem kleinen Weingarten, waren aber ,da sie keine eigenen Keller hatten, gezwungen, ihren Wein zu verkaufen. Zahlenmäßig übertrafen sie im 17.Jh. in manchen Orten bereits die übrige Einwohnerschaft.

 Jedenfalls bestanden in den Städten und Märkten des Nordburgenlandes soziale Unterschiede und eine hochgradige soziale Differenzierung, die beweist, dass diese Siedlungen alles andere als reine Bauerndörfer waren.

 (Beispiel zur sozialen Differenzierung bei Prickler, Städte und Märkte rund um den Neusiedlersee..., S.274)

Die Weinhändler kamen nur ausnahmsweise aus Westungarn. Der "Ödenburger", wie der Wein der ganzen Region genannt wurde - ein Markenzeichen, das bis nach Norddeutschland wohlbekannt war - wurde von Händlern aus Böhmen, Mähren und Schlesien vermarktet. Im 15. und 16.Jahrhundert war Böhmen das Hauptabnahmeland, im 17.Jahrhundert rückte Schlesien, vor allem die Städte Breslau, Liegnitz und Neisse, in den Vordergrund. Der Wein wurde zumeist auf der "Preßburger Straße" und dann weiter durch Mähren mit Pferdefuhrwerken transportiert, zum kleineren Teil auch über Österreich, das aber meist nur geringe Kontingente an "Ungerwein" für den Import freigab. Dies galt allerdings nicht für jenen Wein, den die Wiener Neustädter und Brucker Bürger auf ihren eigenen, sehr umfangreichen Weingärten im heutigen Nordburgenland ernteten ( Wr. Neustadt: etwa 600 ha!). Er konnte zollfrei eingeführt werden. Einige Orte wie Rust, Eisenstadt und Güns hatten außerdem für den Weinhandel mit Österreich Privilegien. Insgesamt wurde etwa die Hälfte der Weinproduktion der Bürger in den Fernhandel gebracht. Um die Mitte des 17.Jahrhunderts wurden dann die Ein- und Durchfuhrrechte generell geregelt, wobei die westungarischen Städte und Märkte bestimmte Quoten zugesprochen erhielten.

In den Wein-, Vieh- und Getreidehandel zwischen Ungarn und Österreich konnten sich nur die größeren Städte Wieselburg, Ödenburg und Pressburg einschalten, im geringeren Umfang auch Güns, Eisenburg und Pinkafeld. Aber auch diese Handelsgeschäfte blieben begrenzt, etwa nur auf den Ochsenhandel oder auf den Tuchhandel. Den Umfang eines Großhandels wie ihn etwa die Firma Funk in Wiener Neustadt aufbaute, erreichten sie nie. In groben Zügen kann man sagen, dass aus unserem Gebiet hauptsächlich landwirtschaftliche Produkte, Wein und Getreide, geliefert wurden. Die Ochsen kamen aus Ober- und Innerungarn, es war also ein Transithandel. Aus dem Westen bezogen wurden Eisenwaren, Tuche, Salz und Kramerwaren. Sie wurden von niederösterreichischen, steirischen oder deutschen Handelshäusern geliefert und vom lokalen Kleinhandel verteilt. Von den burgenländischen Märkten und Dörfern konnten sich nur jene etwas stärker in den regionalen Handel einschalten, die entlang der Hauptverkehrsstraßen lagen.

Im 17.Jh. riss dann die Grundherrschaft den Handel mit Landesprodukten zunehmend an sich, den Kleinhandel übernahmen die herrschaftlichen Schutzjuden. Einen beträchtlichen Teil der Überschüsse verzehrten auch die Grenzbesatzungen, mit denen man nur widerwillig, auf Anordnung des Grundherrn, Handel trieb, denn die Soldaten verfügten oft nur über "schlechtes Geld" oder vergaßen überhaupt gerne aufs Bezahlen.

Produkte des einheimischen Handwerkes wurden auf den lokalen und regionalen Märkten abgesetzt. Häufige und große Märkte wurden in Ödenburg, Güns und Tschapring abgehalten. Ungarisch Altenburg war ein bedeutender Ochsenmarkt.

Der Handel musste mit zahlreichen Maut- und "Zollstellen" rechnen : Mautstellen gab es etwa in Wieselburg, Kittsee, Neusiedl, Müllendorf, Ödenburg, Güns, Pikafeld. Dreißigstämter bestanden in Ungarisch-Altenburg, Zurndorf, Deutsch Jahrndorf, Karlburg, Neusiedl, Ödenburg, Rust, St.Martin, Güns, Schlaining, Lockenhaus, Oberwart, Olbendorf, Rudersdorf, Jennersdorf...

Der wesentlichste Nachteil in der Entwicklung der Städte und Märkte Westungarns war also immer die Tatsache, dass es dem Bürgertum nicht gelang, sich maßgebend in den Handel einzuschalten. Zunächst waren es "ausländische" Großkaufleute wie die Wiener Neustädter Funk oder die Weinhandelsfirmen aus den "Oberländern", die den Handel beherrschten, dann die Grundherren, die den Handel an sich zogen. Den Klein- und Kramhandel hingegen übernahmen die im Schutz der Grundherrschaften angesiedelten Juden, die auch am florierenden Schmuggel über die ungarische Grenze beteiligt waren.

Das Handwerk hatte in einigen Märkten (Pinkafeld, Neusiedl, Lodenerzeugung in Lutzmannsburg) vom Anfang an größere Bedeutung, zumeist hatte es aber nur eine ergänzende Funktion. Es ist schwierig, die Zahl der Handwerker zu erfassen, denn sie wurden in den Urbaren zumeist nur dann erfasst, wenn sie auch eine Ansässigkeit hatten. Am höchsten entwickelt war das Handwerk in den wohlhabenden Bürgerstädten Pressburg, Ödenburg und Güns, in Güssing und Eisenstadt arbeiteten viele Handwerker für den fürstlichen Hof. In diesen Städten gab es auch solche Handwerke, die Luxuswaren erzeugten (Uhrmacher, Musikinstrumentebauer...) oder für den gehobenen Bedarf arbeiteten (etwa Glockengießereien, Buchdrucker...). Im 16.Jh. begannen sich die Handwerke nach dem Vorbild der großen Städte (vor allem Wiener Neustadts und Ödenburgs) in Zünften zu organisieren, in die auch die Dorfhandwerker als "Gäumeister" aufgenommen wurden, übrigens ohne Beachtung der Herrschaftsgrenzen. Dadurch blieben Westungarn die heftigen Konkurrenzkämpfe zwischen städtischen Handwerkerzünften und den ländlichen Gäumeistern, wie sie etwa in der Steiermark tobten, erspart. Zentren solcher Handwerkerzünfte waren neben Ödenburg, Güns und Eisenstadt vor allem Pinkafeld, Rechnitz, Neusiedl, Mattersburg, Neckenmarkt, Lutzmannsburg, Lockenhaus, Güssing und Steinamanger.

Die Juden erfüllten verschiedene Funktionen zwischen Herrschaft und Untertanen. Vor allem waren sie im Klein- und Kramhandel tätig, als Geldleiher gegen Zinsen, obwohl ihnen diese Geschäfte immer wieder verboten wurden, und als Pächter grundherrschaftlicher Betriebe und Rechte wie Mauten, Branntweinbrennereien, Bierbrauereien. In Ödenburg gab es schon im Hochmittelalter, in Eisenstadt im Spätmittelalter eine jüdische Gemeinde. Nach der Vertreibung aus Ödenburg und Wr. Neustadt wurden die Juden von einigen westungarischen Grundherrn aufgenommen und gegen Zahlung von entsprechenden Schutzgeldern unter herrschaftlichen Schutz gestellt. Judengemeinden entstanden neben Eisenstadt auch in Mattersburg, Kobersdorf, Güns, Neckenmarkt und Lackenbach, im 17.Jh. auch in Frauenkirchen, Kittsee, Neufeld, Deutschkreutz, Rechnitz, Schlaining und Güssing. Bis in das Jahr 1871 waren diese jüdischen Gemeinden autonom. Der Kleinhandel geriet allmählich völlig in ihre Hände, christliche Krämer wie noch im 15. und frühen 16.jahrhundert gab es kaum mehr. Sie handelten mit Häuten, Fellen, Honig, Obst , schmuggelten Textilwaren über die Grenze und verkauften allerlei Kramwaren. Sie taten dies mit Billigung und Förderung der Grundherrschaft, die davon ebenfalls profitierte. Gegen Geldpacht gab die Herrschaft das Sammeln der verschiedenen überschüssigen Landesprodukte in die Hände der Juden.

Ein Blick über die Grenze: Die Städte der Steiermark

In der frühen Neuzeit, besonders im 17. Jahrhundert, hatten die Städte der Steiermark jenseits der ungarischen Grenze große Probleme. Sie verloren ihre Fernhandelsfunktionen und beschränkten sich immer mehr auf die Versorgung der Umgebung, hauptsächlich mit Produkten des Kleingewerbes. Zu diesem im Vergleich zum Spätmittelalter relativen Bedeutungsverlust trugen die Kriege gegen Ungarn, dann gegen Türken und Kuruzzen wesentlich bei. Die Städte wurden zu hohen finanziellen Leistungen für die Türkenabwehr herangezogen. Besonders negativ wirkte sich die nach 1598 brutal durchgeführte Gegenreformation aus, die zur Abwanderung der kapitalkräftigsten und wirtschaftlich aktivsten Schichten der städtischen Bevölkerung führte. Handel und Handwerk der landesfürstlichen Städte litten durch das dörflich-grundherrschaftliche Handwerk und durch Kleinhändler. Auch der Schmuggel über die ungarische Grenze schädigte den städtischen Handel. Hartberg etwa sank von einer früher bedeutenden Fernhandelsstadt zu einer Ackerbürgerstadt herab. Die Stadt erholte sich erst durch die Ansiedlung der Tuchmacherei im Frühmerkantilismus. In Fürstenfeld wurde erst mit der Anlage der Tabakfabrik 1694 ein neuer Anfang gemacht. Friedberg galt nach 1529 sogar als "abgekommene Stadt".


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