Nach der Hinrichtung Baumkirchers war der Kampf um die westungarischen Herrschaften noch lange nicht zu Ende. Friedrich III. hatte weiterhin mit Adelaufständen seine Probleme. Schließlich riefen sogar die österreichischen Stände Matthias Corvinus, den ungarischen König, ins Land, der Wien zu seiner neuen Hauptstadt machte. Friedrich III. musste sich nach Linz zurückziehen.

Damit beherrschte Corvinus neben Ungarn und Böhmen auch Niederösterreich. Matthias Corvinus sollte in einer burgenländischen Geschichte mehr Beachtung finden, als dies in österreichischen Lehrbüchern der Fall ist. Er, der kunstsinnige, den Wissenschaften aufgeschlossene Renaissancekönig, machte seine Residenzen zu geistesgeschichtlichen Mittelpunkten seiner Zeit. Darüber hinaus ist er als "nationaler" ungarischer König für das Selbstverständnis der Ungarn und für ihr späteres nationales Erwachen von größter Bedeutung gewesen. Dabei spielt keine Rolle, dass die Familie Hunyadi vermutlich nicht magyarischer, sondern rumänischer Abstammung war.

Erst der unerwartet frühe und erbenlose Tod (ein außerehelicher Sohn mit einer Bürgertochter aus Stein/Donau wurde von der Nachfolge ausgeschaltet) am 16.4.1490 machte die Rückkehr der Habsburger nach Wien und auch in ihre westungarischen Besitzungen möglich. Maximilian, Friedrichs III. Sohn, machte sofort den Erbanspruch auf die ungarische Krone geltend.

Der erbitterte Wahlkampf wurde aber von König Wladislaw II. von Polen (1490- 1516) für sich entschieden. Maximilian machte allerdings noch einen Versuch, Ungarn zu gewinnen. Er marschierte in Westungarn ein, wo die früher habsburgischen Herrschaften sofort nach Corvinus Tod von seinen ungarischen Parteigängern aufgegeben worden waren. Eisenstadt öffnete Maximilian seine Tore, die Krönungsstadt Stuhlweißenburg musste erobert werden. Maximilian konnte allerdings seine Söldner nicht bezahlen und musste umkehren. Er ließ nun durch seine ungarischen Parteigänger Friedensverhandlungen anknüpfen.

1491 wurde in Pressburg folgendes ausgehandelt: Wladislaw II. wurde als rechtmäßiger König von Ungarn anerkannt, den Habsburgern wurde die Thronfolge versprochen, falls er keinen männlichen Thronfolger hätte. Die westungarischen Herrschaften Forchtenstein, Eisenstadt, Kobersdorf, Hornstein, Güns , Bernstein, und andere Plätze, die früher im Besitz Friedrichs III. waren, blieben auch weiterhin im Eigentum der Habsburger. Lediglich Rechnitz war ausgenommen, es war vom Kaiser an Wilhelm Baumkircher gegeben worden. Forchtenstein, Eisenstadt und Kobersdorf, von Anhängern Wladislaws besetzt, mussten ausgeliefert werden.

 
Dieser Preßburger Vertrag gilt, nach dem Ödenburger Vertrag, als weiterer Markstein in der Geschichte des Burgenlandes. Die ungarischen Grenzherrschaften kamen in die Verwaltung der niederösterreichischen Kammer, die sie zumeist als Pfandherrschaften österreichischen und steirischen Adelsfamilien übergab. Die unter habsburgischer Herrschaft stehenden Gebiete verschmolzen aber nicht mit dem Lande Österreich unter der Enns. Sie wurden als "intra fines regni Hungariae" gelegene, als "angefügte" oder "incorporierte" Herrschaften bezeichnet, später aber auch - nachdem die Habsburger auch Könige von Ungarn geworden waren- gelegentlich als Teil Niederösterreichs betrachtet.

Zu den Folgen des Preßburger Vertrages schreibt A. Ernst:

"Jedenfalls schufen die Habsburger durch den fast 200jährigen Besitz der Grenzherrschaften, in denen sie durch Einführung deutscher Rechtsgepflogenheiten und Kulturgewohnheiten sowie durch Festigung der deutschen Sprache in Schulen und Verwaltung auch das deutsche Element stärkten, die Voraussetzung für jenen großen staatspolitischen Akt im 20.Jahrhundert,der diese Teile mit der Republik Österreich vereinigte..... " (A. Ernst, Geschichte des Burgenlandes, S.99 f.)"

Der Übergang dieser Grenzherrschaften an das Haus Österreich gab dem deutschen Element in diesem Grenzgebiet naturgemäß neuen Auftrieb. Die deutschen Adelsgeschlechter wie die Weispriach, Königsberger, Fürst u. a. lösten die ungarischen Gara und Kanizsay ab. Fast der gesamte nord- und mittelburgenländische Raum - in Güssing saßen die Ujlaki, in Lockenhaus die Nádasdy und in Eberau die Erdödy - gelangte auf dem Weg der Verpfändung über die Habsburger in die Hände österreichischer Landherren, die alle an die niederösterreichische Regierung die Steuern zahlten , aber auch der Versuchung nicht widerstehen konnten, die Herrschaften frei eigentümlich an sich zu bringen".


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