Rakoczi

Kuruzzeneinfälle1703-1709 (Rákócsi-Aufstand)

Wer waren die Kuruzzen?

Bocskai und Bethlen

Stephan Bocskai stand zunächst auf der Seite der Habsburger, ja er rief sie sogar gegen die aufständischen Szekler Bauern ins Land. Als aber die Söldner des berüchtigten Generals Basta ganz Siebenbürgen verwüsteten und auch in Oberungarn sich die Übergriffe gegen alle Nichtkatholiken häuften, stellte er sich an die Spitze des Aufstandes gegen Wien. Die kaiserlichen Armeen wurden geschlagen und Bocskai eroberte auch das gesamte habsburgische Ungarn. Aber schon 1606 schloss er den Frieden von Wien, in dem er selbst sich mit Siebenbürgen begnügte. Dem ungarischen Landtag aber musste der Kaiser das Recht auf Gesetzgebung und die Religionsfreiheit garantieren.... Eine Garantie, an die man sich kaum hielt. Bocskais Nachfolger in Siebenbürgen wurde Gabor Bethlen, eine der bedeutendsten Persönlichkeiten in der Geschichte Ungarns.

Georg I. und Georg II. Rákoczi

Georg I. Rákoczi wurde 1630 vom siebenbürgischen Landtag zum Fürsten gewählt. Auch er griff - im Bündnis mit den Schweden - in den Dreißigjährigen Krieg ein. 1644 scheiterte sein Versuch, das königliche Nordungarn zu erobern, im Linzer Frieden sicherte er aber erneut die Religionsfreiheit auch im habsburgischen Ungarn. Georg II. kam mit den Türken in Konflikt, die in Siebenbürgen einfielen..

Im königlichen Ungarn, auch in Westungarn, war man mit der Politik Wiens gegenüber den Türken unzufrieden, da man die Schwäche der Türken kannte und eine Befreiung des Landes erhoffte. Die Unzufriedenen sammelten sich um den bedeutenden nationalungarischen Politiker Nikolaus Zrinyi, der aus einer Familie berühmter kroatisch-ungarischer "Türkenkämpfer" stammte. Der Kaiser verweigerte Zrinyi jedoch die Unterstützung. Zwar wurden die Türken bei Mogersdorf geschlagen, der "Schandfriede" von Eisenburg(Vasvar) enttäuschte aber viele ungarische Adelige zutiefst. Zrinyi kam bei einem Jagdunfall ums Leben, in Ungarn glaubte man jedoch, der Kaiser habe ihn ermorden lassen. Er wurde zum Märtyrer für die "ungarische Sache"...

Die "Magnatenverschwörung"

Der Eisenburger Friede bewog sogar die bisher Habsburg treuen, katholischen Magnaten, abenteuerliche Umsturzpläne zu schmieden. Beteiligt waren der Palatin Wesselény, der Graner Erzbischof Lippay, Franz Graf Nadasdy, der Banus von Kroatien, Peter Zrinyi, der Bruder des Nikolaus Zrinyi, und andere. Der Beginn des Aufstandes wurde immer wieder hinausgezögert, während man in Wien längst Bescheid wusste. Die Verschwörer hatten außerdem wenig Anhang im Volk, das Unternehmen scheiterte. Zrinyi und Nadasdy, die in Wien um Gnade bitten wollten, wurden geköpft. In Wien nahm man diese "Magnatenverschwörung" zum Anlass, um mit den "Rebellen" endgültig "aufzuräumen". Dem Königreich Ungarn wurden alle Rechte abgesprochen, hunderte Adelige verfolgt und enteignet, Sondergerichte verurteilten hunderte reformierte und evangelische Pfarrer zu Galeerenstrafen - obwohl die Verschwörer Katholiken waren.

Emmerich Tököly

Die Verfolgten sammelten sich im Osten, an der Grenze zu Siebenbürgen, wo alsbald ein wilder Aufstand gegen die habsburgische Willkürherrschaft ausbrach. Die Aufständischen nannten sich "Kuruzzen" (Kreuzfahrer). Unter Tököly, dessen Familie selbst den Verfolgungen zum Opfer gefallen war, eroberten sie ganz Nordungarn, wo man sie als Befreier begrüßte. Erneut musste Wien nachgeben und am Ödenburger Reichstag die ungarischen Freiheiten und bedingte Religionsfreiheit zulassen. Tököly setzte dann ganz auf die türkische Karte, gemeinsam mit den Türken zog er 1683 vor Wien. Nach der Niederlage wechselten die meisten Kuruzzen die Seite und kämpften gemeinsam mit den Kaiserlichen für die Befreiung ihrer Heimat.

Der Rákóczy - Aufstand

Die Kuruzzen - einmal anders gesehen

In der österreichischen und in der burgenländischen Geschichtsschreibung hat man meist wenig Verständnis für die Rolle, die die Fürsten von Siebenbürgen und der antihabsburgische Adel bis hin zu den Kuruzzenkriegen spielten, gezeigt. Sie wurden meist als "Rebellen" und schlimmer noch, als Plünderer abqualifiziert. Natürlich ist dieser Standpunkt verständlich, wenn man sich die fürchterlichen Verwüstungen vor Augen hält, die die Kuruzzen etwa während der Bocskai - Rebellion in Westungarn anrichteten.

Obwohl dies über die engere "burgenländische" Geschichte weit hinausgeht, sei im folgenden die weitere Entwicklung des Großfürstentums Siebenbürgen und des königlichen Oberungarn kurz geschildert, und zwar so, wie sie die ungarische Geschichtsschreibung sieht. Für das ungarische Selbstverständnis und damit im weiteren Sinn auch für die Entwicklung Westungarns ist dieses Kapitel überaus wichtig.

Ungarns Türkenkampf und "Verrat" Habsburgs?

1540 starb Johann Szapolayi, sein Sohn Johann Sigismund war damals noch im Säglingsalter. Sein Vormund Georg Martinuzzi, der Bischof von Großwardein (Oradea), verteidigte Ofen (Buda) gegen König Ferdinand und rief dabei die Türken zur Hilfe. Sultan Soliman vertrieb zwar die deutschen Belagerer, nahm aber die Stadt für sich in Besitz. Weitere türkische Eroberungen folgten, bis sie schließlich durch den heldenhaften Widerstand der Stadt Erlau (Eger) gestoppt wurden.

1566 brach unter Sultan Soliman persönlich erneut ein großes türkisches Heer gegen Westen auf. Wieder war es eine kleine Festung, die sich in den Weg stellte: Szigetvar unter dem Burghauptmann Nikolaus Zriny hielt die Türken so lange auf, bis es für den Weitermarsch zu spät war. Außerdem starb der Sultan während der Belagerung. Zrinyi fiel mit seiner gesamten Besatzung bei einem Ausfall aus der Burg. Diese Heldentat wird neben der des Jurischitsch bei der türkischen Belagerung von Güns und der der Stadt Erlau bis heute in der ungarischen patriotischen Geschichtsschreibung besonders gefeiert.

Besondere Empörung rief und ruft bis heute hervor, dass Kaiser Maximilian II. inzwischen mit einem großen Söldnerheer bei Raab wartete und nicht eingriff - trotz Zrinyis wiederholter, verzweifelter Hilferufe. Er wollte das für die Verteidigung Wiens angeworbene Söldnerheer nicht aufs Spiel setzen. "Damit wurde endgültig klar, dass die Habsburger den ihnen unterworfenen westlichen Teil Ungarns lediglich die Rolle eines Aufmarschgebietes bei der Verteidigung ihrer österreichischen Erblande zugedacht hatten und diese zum ständigen Kriegsschauplatz zu machen beabsichtigten, ohne vorläufig an die Vertreibung der Türken zu denken."

Benda, Hanak u.a., Die Geschichte Ungarns, 1988,S.57

Für das weitere Verständnis der Ereignisse , vor allem des wiederholten Aufbegehrens des "nationalmagyarischen " Adels, ist es wichtig, diese Vorwürfe, die nicht ganz unberechtigt waren, zu kennen. 1568 wurde in Adrianopel zwischen dem neuen Sultan Selim II. und Maximilian II. Frieden geschlossen. Die Türken behielten alle ihre Eroberungen, es bildete sich eine starre "Front" von Grenzbefestigungssystemen auf beiden Seiten aus. "Friede" an der Türkengrenze hieß aber immer nur, dass größere Feldzüge unterblieben. Kleinere und größere Überfälle von beiden Seiten fanden tagtäglich statt. Unter ihnen aber hatten die Menschen auf beiden Seiten - bis weit in das "Hinterland", am meisten zu leiden.

1570 shloß Johann Sigismund Zapolyai mit den Habsburgern in Speyer einen Vertrag : Er verzichtete auf die ungarische Krone und wurde als Fürst von Siebenbürgen anerkannt. Sein Nachfolger wurde Stephan Bathori (1571- 86).

1591 flammten die Kämpfe zwischen den Habsburgern und den Türken wieder auf. Hassan, der Pascha Bosniens, griff die Burg Sissak an. Das Heer Rudolfs II. errang 1593 einige Siege, mit Hilfe deutscher und ungarischer Söldnerheere, die überaus wichtige Festung Raab allerdings fiel in die Hand der Türken. Siebenbürgen stand in diesen Kämpfen auf Habsburger Seite, ebenso wie die christlichen Fürsten der Moldau und der Walachei. Unter Stephan Bathoris Führung wurden die Türken aus dem Land geworfen. Dann erlitt das Habsburgerheer bei Mezökerezstes eine schwere Niederlage, Erlau wurde von den Türken erobert und in der Tiefebene verwüsteten die Tataren die Siedlungen, was ihnen die ungarischen Hajdu (Heiducken) mit ähnlichen Methoden heimzuzahlen versuchten. Ganze Landstriche wurden dabei entvölkert. 1598 konnte Raab zurückerobert werden, ein Ereignis, das man in der ganzen "Christenheit" feierte. Als Dank wurden die "Raaber Kreuze" aufgestellt. 1600 aber fiel Kanisza in die Hände der Türken - ein für die Geschichte des südlichen Burgenlandes folgenschweres Ereignis, denn der Süden geriet damit in Reichweite der türkischen Streifzüge.

1598 brachen in Siebenbürgen Parteienkämpfe aus. Der Adel des Landes, der vor den freiheitsliebenden Szekler Bauern nicht weniger Angst hatte als vor den Türken, rief den berüchtigten Habsburgergeneral Giorgio Basta ins Land. Seine Söldner verwüsteten das blühende Land und schufen bis 1604 "Friedhofsstille". Der siebenbürgische Adel war inzwischen längst wieder gegen die habsburgische Herrschaft, die auch tatsächlich alles andere als vorteilhaft war. Ein Aufstand scheiterte trotz türkischer Hilfe, einer ihrer Anführer, der junge Gabor Bethlen, ging ins türkische Exil.

Die Grundlinie der habsburgischen Politik zeichnete sich tatsächlich hier schon ab. Zu einem beträchtlichen Teil war sie durch Misstrauen dem ungarischen Adel gegenüber bestimmt. Die Art und Weise, wie Basta in Siebenbürgen wütete, kann man nicht allein der Undiszipliniertheit der Söldnertruppen zuschreiben. Es war auch das geringe Verständnis für die besondere Stellung dieses Landes, mangelndes Einfühlungsvermögen, der Hass auf die Ketzerei... immer wieder hat man den Eindruck, dass die habsburgische Ungarnpolitik die eigentlichen Interessen des Landes völlig negierte, ja den "eigentlichen" Feind nicht so sehr in den Türken, als in Ungarns Freiheitswillen sah. So gesehen wird die antihabsburgische Haltung des siebenbürgischen und oberungarischen Adels durchaus verständlich. Die Armeen, für die Ungarn zahlen musste, dienten in erster Linie der Unterdrückung Ungarns...

Die ungarische Geschichtsschreibung unterstellt, dass "ihre" habsburgischen Könige in Erbschafts- und Hochverratsprozessen bewusst den ungarischen Adel zu ruinieren versuchte, um dessen Güter einziehen und an katholische, habsburgtreue Familien vergeben zu können, an bedenkenlose "Aufsteiger" wie die Esterhazy, die aus nationalmagyarischer Sicht zunächst durchaus als Verräter an der ungarischen Sache gelten konnten. Ähnlich war es mit den mächtigen Batthyany, die etwa vom benachbarten steirischen oder österreichischen Adel keineswegs als gleichwertig akzeptiert wurden. Und all dies muss man auch vor dem Hintergrund ständiger Versuche einer äußerst rabiaten religiösen Unterdrückung sehen. In Kaschau etwa nahm der kaiserliche Burghauptmann Belgiojoso, so wie Basta aus der Schicht der neuen, landfremden Machthaber, 1604 der evangelischen Stadt ihre Kirche weg. Die Diskussion von Religionsfragen im Landtag wurde schlicht untersagt. So entstand Unzufriedenheit in allen Schichten, bei den ausgeplünderten Bauern ebenso wie bei den in ihrer geistigen Freiheit unterdrückten (überwiegend deutschen) Bürgern und erst recht beim Adel, der seine "alten Rechte" verlor.

Bocskai und Bethlen

Die Unzufriedenen fanden in Gabriel Bethlen einen Anführer und Stephan Bocskai, der zunächst Siebenbürgen auf die habsburgische Seite gebracht hatte, war nun bereit, mit türkischer Hilfe Fürst von Siebenbürgen zu werden. General Belgiojoso brachte eine große Armee ins Feld, aber seine ungarischen Heiducken gingen zu den Aufständischen über. Er wurde, ebenso wie Basta, geschlagen. Bocskai eroberte nicht nur Siebenbürgen, sondern auch das königliche Ungarn, schloss dann aber mit Wien Frieden und begnügte sich mit dem Großfürstentum Siebenbürgen. Der Friede von Wien 1606 garantierte dem ungarischen Landtag die Gesetzgebungsbefugnis und die Glaubensfreiheit. Bocskai starb noch 1606, und sofort machte König Rudolf II. Schwierigkeiten bei der Erfüllung des Friedens. Die Aufständischen griffen erneut zu den Waffen, nahmen im " Bruderzwist" der Habsburger Partei für Matthias, der den Wiener Frieden mit zweijähriger Verspätung in Kraft setzte.

 
Neuer Fürst von Siebenbürgen wurde Gabriel Bathori. Unter Bocskai und Bathori wurde das Land - von der habsburgisch - österreichischen Geschichtsschreibung bis heute kaum zur Kenntnis genommen - ein kulturelles Zentrum von gesamteuropäischer Dimension. Dichter und Geschichtsschreiber, aber auch bedeutende Theologen sammelten sich am Hofe der siebenbürgischen Fürsten und bewirkten eine Spätblüte des europäischen Humanismus.

Die Bocskai und Bathori, ebenso die späteren "Kuruzzenführer", waren also alles andere als "Rebellenhäuptlinge". Bethlen etwa fühlte sich - und wurde auch von den meisten Ungarn so gesehen - als Beschützer des Glaubens und der ungarischen Freiheit. Auf seiner Fahne reicht ihm Gott aus den Wolken heraus das Schwert. Bethlens Ziel war die Wiedervereinigung Ungarns und die Befreiung von habsburgischer wie türkischer Fremdherrschaft. Um dieses Ziel zu erreichen betrieb er erfolgreiche Politik im europäischen Rahmen: Der Kontakt zum böhmischen, mährischen, schlesischen und österreichischen Adel, der gegen Habsburg aufbegehrte, bestand schon lange. 1619 griff Bethlen in den 30-jährigen Krieg ein. Dass das große ständische Unternehmen in der Schlacht am Weißen Berg scheiterte, war nicht seine Schuld. Er war jedenfalls der einzige, der weiterkämpfte und damit seinem Land das traurige Schicksal Böhmens ersparte. 1620 brachte er das ganze königliche Ungarn unter seine Herrschaft, vom Landtag in Neusohl (heute Banská Bystrica in der Slowakei) wurde er zum ungarischen König gewählt. 1621 erzwang er den Nikolsburger Frieden, der erneut die Glaubensfreiheit zusicherte. 1623 und 1626 griff er erneut an und fand in Oberungarn immer wieder Zustimmung. Die kaiserlichen Armeen hatten keine Chance.

"Bethlen war ein großzügiger Außenpolitiker mit ausgezeichneter diplomatischer Begabung, er plante und organisierte europäische Koalitionen gegen die Habsburger. Er war von den Türken kaum abhängig, vielmehr nützte er sie für seine Ziele aus." (Geschichte Ungarns 1988, S.65) Was Bethlen aber bis heute rühmenswert macht, war seine Kulturpolitik. Er und nicht die Jesuiten waren es, der die erste Hochschule in Tyrnau gründete. Später musste er diese Einrichtung allerdings mehrmals verlegen, nach Kaschau (Kosice), Klausenburg (Cluj) und schließlich in seine Residenz Karlsburg ( heute Alba Julia). Hochschule, Druckerei und Bibliothek standen im Dienste des Kalvinismus, Bethlen selbst aber war - einzigartig im damaligen Europa - äußerst tolerant. Er holte die Jesuiten nach Siebenbürgen, finanzierte ihre Bibelübersetzung, schaffte die Diskrimi- nierung von Orthodoxen und Juden ab, nahm die in ganz Europa verfolgten Wiedertäufer auf.... schuf also jene Atmosphäre, die Siebenbürgen über Jahrhunderte, bis in das Zeitalter des Nationalismus, nicht nur wirtschaftlich, sondern auch geistig zu einem Musterland machte. Seine Residenz Karlsburg baute er prächtig aus, er gehörte etwa zu den ersten Förderern der italienischen Oper.

Georg I. und Georg II. Rákoczi

Es folgte die weniger glückliche Zeit unter den Rákoczi. Georg I., der 1630 vom siebenbürgischen Landtag von allen drei Ständenationen zum Fürsten gewählt wurde, schlug den Palatin Èsterhazy, dessen Söldner in Oberungarn 1631 so fürchterlich gehaust hatten, dass es zu einem Bauernaufstand kam, aus dem Land. Dann schloss er mit Ferdinand II. Frieden und warf den Bauernaufstand nieder. 1643 griff auch er im Bündnis mit den Schweden in den 30-jährigen Krieg ein. 1644 scheiterte er beim Versuch, das königliche Ungarn zu erobern, im nächsten Jahr war er erfolgreicher, kam bis nach Mähren, wurde aber dann vom Sultan zurückbeordert. Der Friede von Linz sicherte erneut die Religionsfreiheit, auch im königlichen Ungarn und selbst für die Untertanen katholischer Grundherrn. Auch unter dem ersten Rákoczy wurden die Bildungs-einrichtungen weiter ausgebaut.

Georg II., der 1648 folgte, sollte nach dem Willen der ungarischen Opposition, des Palatins Paul Palffy und des Banus von Kroatien, Nikolaus Zrinyi, zum ungarischen König gewählt werden. Es setzte sich jedoch die katholische und habsburgfreundliche Partei durch. 1657 wurde der Habsburger Leopold I. von ihr gewählt. Georg II. Rákoczy wandte sich anderen Zielen zu: Der Eroberung der Moldau und der Walachei sowie der polnischen Krone. Damit verletzte er den türkischen Anspruch auf Oberhoheit über Siebenbürgen, auf Befehl des Sultans fielen die Tataren ein. 1660 wurde Georg II. tödlich verwundet. Habsburg aber sah mit Schadenfreude dem Untergang Siebenbürgens zu.

Nikolaus Zrinyi

Inzwischen gärte es aber auch im königlichen Ungarn. Vor allem im westungarischen Adel, um Nikolaus Zrinyi, aus der Familie einer ganzen Reihe von kroatisch-ungarischen "Türkenkämpfern", wuchs die Unzufriedenheit, da man dort die Schwäche des osmanischen Reiches kannte und die Chance ergreifen wollte, die Türken endgültig aus dem Land zu jagen. Er war nicht nur ein erfolgreicher und tapferer Heerführer, er verfasste auch militärische Reform- schriften und ein großes Epos, in dem er den heldenmütigen Kampf seines Vorfahren bei der Verteidigung von Szigetvar schilderte. 1655 hatte er gute Chancen, auch mit den Stimmen der Adelsopposition zum Banus gewählt zu werden. Kaiser Leopold aber verweigerte ihm und jeder Angriffspolitik gegen die Türken die Unterstützung. Zrinyi wandte sich, obwohl aus habsburgtreuer Familie stammend, Georg II.Rákoczy zu. Diese Pläne scheiterten.

1663, während des großen türkischen Angriffs, wurde er und seine Pläne ebenfalls zum Teil boykottiert. 1664 siegte dann der kaiserliche Feldherr Montecuccoli bei Mogersdorf. Ganz im Sinne der Wiener Politik verfolgte man die Türken aber nicht und kurze Zeit darauf wurde der Friede von Eisenburg/Vasvar geschlossen, der aus ungarischer Sicht ein "Schandfriede" war und Ungarn verriet. Alle Eroberungen wie Kanisza, Großwardein und Neuhäusl blieben in türkischen Händen, den Grenztruppen wurde Zurückhaltung bei türkischen Provokationen befohlen. Die Empörung war grenzenlos. Als Zrinyi kurze Zeit später bei einem Jagdunfall ums Leben kam, glaubte man das nicht, man vermutete, der Kaiser habe ihn ermorden lassen...

Die "Magnatenverschwörung"

Die Unzufriedenheit nach dem Eisenburger Frieden bewog sogar die bisher habsburgtreuen, katholischen Aristokraten, abenteuerliche Umsturzpläne zu schmieden. Beteiligt waren der Palatin Wesselény, der Graner Erzbischof Lippay (beide starben noch in der Planungsphase), Franz Graf Nadasdy, der Banus von Kroatien, Peter Zrinyi (Bruder des Nikolaus Zrinyi), Franz I.Rákóczi von Siebenbürgen (von wo man ihn allerdings wegen seiner Konversion zum Katholizismus vertrieben hatte), und andere Adelige.

Die Vorbereitungen waren halbherzig und dilettantisch, der Beginn des Aufstandes wurde immer wieder hinausgezögert - während man in Wien längst Bescheid wusste. 1670 entschloss man sich dann doch, loszuschlagen. Rákóczi rief die oberungarischen Komitate auf - ohne Erfolg. Die hochadeligen katholischen Verschwörer hatten keinen Anhang im Volk. Die Verschwörer bekamen es mit der Angst zu tun, Zrinyi und sein Schwager Frangepan gingen nach Wien, um Gnade zu erbitten, denn die kaiserlichen Truppen hatten inzwischen den "Aufstand" ohne wesentlichen Widerstand niedergeworfen.

Was dann allerdings an habsburgischen "Gegenmaßnahmen" kam, entzündete die Brandfackel: 1671 wurden Zrinyi, Frangepan und Nadasdy geköpft. Rákocsy konnte sich für ein riesiges Lösegeld und die Fürsprache der Jesuiten freikaufen. Darüber hinaus aber wurde die Angelegenheit zum Anlass genommen, um in ganz Ungarn "aufzuräumen": Es wurde erklärt, das Königreich Ungarn hätte seine Rechte verwirkt, hunderte Adelige wurden der Verschwörung angeklagt und auch dann, wenn sie sich als unschuldig erwiesen, enteignet. Dem ganzen Land wurden hohe Steuern auferlegt. Alles, was protestantisch war, wurde als "Rebell" verfolgt. Schulen und Kirchen wurden eingezogen, evangelische Statdräte abgesetzt. Hunderte evangelische Pfarrer wurden vor ein Sondergericht gestellt. Auf die Folterungen folgten meist die Todesurteile. Vor einer Massenhinrichtung schreckte man dann doch zurück, die Pfarrer wurden nach Italien getrieben und in Neapel als Gallerensklaven verkauft - ein Skandal im ganzen damaligen Europa. Tausende Menschen flohen vor den Verfolgungen, sammelten sich im Osten, an den Grenzen Siebenbürgens, und bildeten den Grundstock der späteren Kuruzzen.

Emmerich Tököly

Kuruzzen, Kreuzfahrer, nannten sich die Aufständischen gegen die habsburgische Willkürherrschaft. Einen tüchtigen Anführer fanden sie im adeligen Emmerich Tököly, dessen Familie selbst den habsburgischen Verfolgungen zum Opfer gefallen war. Unter seiner Führung eroberten die Kuruzzen 1678 in nur wenigen Monaten ganz Nordostungarn, zwei Jahre später auch Oberungarn. Zumeist wurden sie als Befreier begrüßt und bekamen starken Zulauf. Auch die oberungarischen Bergstädte schlossen sich ihnen an. Tököly heiratete die Witwe Rákóczis, Ilona Zrinyi, und verfügte damit über große Mittel. Frankreich und der Sultan unterstützten ihn.

1681 musste die Wiener Regierung am Ödenburger Reichstag die Konsequenzen ziehen und die ungarische Verfassung sowie bedingte Religionsfreiheit zulassen. Tököly aber kämpfte weiter und setzte 1683 ganz auf die türkische Karte. Der türkische Großangriff aber scheiterte vor Wien, die Rückeroberung Ungarns begann. Die meisten Kuruzzen wechselten die Seite und kämpften nun für die Befreiung ihrer Heimat auf Seiten der Kaiserlichen. Tököly war isoliert und bedeutungslos.

Der Rákóczy-Aufstand

Nach der Rückeroberung und Vertreibung der Türken wurde Ungarn zwar wieder geeint, aber - wie die ungarische Geschichtsschreibung bis heute meint - um den sehr hohen Preis habsburgischer Willkürherrschaft. 1687 musste der ungarische Reichstag auf das Recht der freien Königswahl verzichten, die Habsburgerherrschaft wurde erblich. Die Rückeroberung wurde zu einem beträchtlichen Teil mit ungarischen Steuern finanziert, die Bevölkerung wurde von der kaiserlichen Armee drangsaliert, so wie früher von den Türken. Der kaiserliche General Caraffa soll noch ärger gewesen sein, er ließ Bürger willkürlich zum Tode verurteilen und ihre Vermögen einziehen. Ungarn wurde also nicht wie ein befreites, sondern wie ein erobertes Land behandelt. Dazu kam die gewaltsame Gegenreformation, in Ungarn als "Pfaffen-Herrschaft" empfunden.

Die Hoffnungen richteten sich in dieser Zeit ganz auf den jungen Franz II. Rákoczy, den die Habsburger als Kind verschleppen und in Böhmen von den Jesuiten "erziehen" ließen. 1694 kehrte er, wie beabsichtigt, als "Kaisertreuer" auf seine Güter zurück, übernahm aber bald die Führung der Unzufriedenen. Aus der Gefangenschaft in Wiener Neustadt konnte er fliehen, aus seinem polnischen Zufluchtsort soll ihn eine Delegation aufständischer Bauern mit den berühmten Worten geholt haben: "Das Bauernvolk steht bereit, es braucht nur einen Führer". 1703 rief er "cum Deo pro patria et libertate" die Ungarn zum Kampf. Dem Bauernheer schlossen sich auch Adel und Städte an, während Habsburgs Kräfte im spanischen Erbfolgekrieg gebunden waren.

Rakózci erhielt von Frankreich Unterstützung, wesentliche internationale Hilfe blieb aber aus. 1704 erreichten die Kuruzzen erstmals die österreichische Grenze, selbst Wien war gefährdet. Die Kuruzzen blieben aber eine irreguläre, wenig organisierte und wohl auch ziemlich undisziplinierte "Armee". 1704 und 1705 wurden sie zweimal schwer geschlagen. England und Holland versuchten, einen Frieden zu vermitteln, Wien aber blieb unnachgiebig, vor allem in der Frage der Religion. 1707 setzten die Aufständischen auf dem Reichstag von Onod das Haus Habsburg ab.

Entscheidend für das Scheitern der Rakoczy-Bewegung waren schließlich die inneren Spannungen, zwischen dem Anführer und dem Hochadel, aber auch den Bauern, die massenweise desertierten. Während Rákocsy in Rußland war um Zar Peter den Großen zu gewinnen, schloss sein Stellvertreter Karoly 1711 den Frieden von Szatmar, da der die Vergeblichkeit ihres Kampfes einsehen musste. Die Kuruzzen leisteten den Treueeid, erhielten Amnestie und das Versprechen, die Ständeverfassung und die Religionsfreiheit zu achten. Rákocsy ging ins Exil, nach Polen, Frankreich und in die Türkei, wo er 1735 starb.


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