Seit der Christianisierung und der Einbindung Ungarns in die europäische Welt gab es in Ungarn grob gesprochen zwei innenpolitische Grundtendenzen, die aufs engste aber auch mit der Außenpolitik verbunden waren:

Die eine könnte man .- mangels eines anderen, besseren Begriffs als die "nationalmagyarische" bezeichnen, wobei Nation hier natürlich im früheren Sinn, als Ständenation, im wesentlichen also der Adel, gemeint ist. Sie war einerseits darauf aus, "nationale" Könige zu wählen, vor allem nach dem Aussterben der Arpaden und der Anjou, die ja auch noch als "einheimisch " gelten können. In die Reihe dieser Könige fällt vor allem Matthias Corvinus. Wenn man schon einen Ausländer als König haben musste, dann wurde von dieser Gruppierung stets ein nichtdeutscher Herrscher (Jagiellonen) vorgezogen, wenn möglich sollte es ein schwacher Herrscher sein. Die Anhänger dieser "national-magyarischen" Partei fanden sich zumeist in den mächtigen Adelsfamilien des Ostens und Innerungarns.

Die zweite Tendenz, die immer wieder, schon im 13.Jh. beginnend, auftaucht, ist die der Anlehnung an den Westen, verbunden meist mit deutschem Einfluss, mit deutscher Lehensherrschaft und später mit dem habsburgischen Königshaus. Die Anhänger dieser "deutschen" Partei - wieder ein Hilfsbegriff - saßen zumeist, wenn auch nicht ausschließlich, im Westen. Die burgenländischen Herrschaften und die westungarischen Städte gehörten meist dazu. Im 15.Jahrhundert tobte, wie gezeigt wurde, der Kampf um den Einfluss, wobei Westungarn die Schlüsselzone war. Die Jagiellonenherrscher Wladislaw II. und Ludwig II. waren schwach, die Adelsopposition unter Johann Zápolyai, dem Wojwoden von Siebenbürgen, machte ihnen schwer zu schaffen. Sie wandten sich bald - obwohl von der "nationalen " Partei auf den Thron gebracht, dem Westen zu. Die Folge dieser Entwicklung war die Doppelhochzeit zwischen Jagiellonen und Habsburgern. Ferdinand von Österreich heiratete Maria von Ungarn, Ludwig II. von Ungarn Anna von Österreich.

Schon lange war - nicht erst mit den Habsburgern - europäische Politik auch ostmitteleuropäische, polnische, böhmische, ungarische Politik. Die Luxemburger hatten ihre Basis in diesen Ländern, mit Albrecht II. gelang auch den Habsburgern eine erste, kurzfristige Zusammenfassung Österreichs, Böhmens und Ungarns, obwohl man darin natürlich ebenso wenig wie in der gleichen Konstellation unter Corvinus einen "Vorläufer" der Donaumonarchie sehen darf.

Aber eine Konstante zeigte sich immer mehr: Ungarn allein war nicht mehr in der Lage, mit seinen Kräften die Türkenabwehr zu tragen. Der Bedeutung aber, die der Türkenabwehr zukam, wurde sich ganz Europa immer mehr bewusst. Kaiser Maximilian wälzte Zeit seines Lebens Pläne für einen Türkenkreuzzug, und dies scheint keineswegs nur eine "propagandistische Masche" gewesen zu sein, zumal ja in dieser Zeit das osmanische Reich in eine neue, expansive Phase trat und immer mehr als das Schwert des Islam schlechthin zu agieren begann. Eine weitere Komponente darf nicht ganz vergessen werden. Das erzreiche Oberungarn wurde auch wirtschaftspolitisch für die Habsburger Politik immer wichtiger: Dem Leutschauer Bürger Johannes Thurzo war es gelungen, mit neuen Methoden den Gold-, Silber- und Kupferbergbau wieder in gang zu bringen - mit Hilfe von Fuggerschen Kapital. Aber am Beispiel Maximilians zeigt sich auch das Dilemma der habsburgischen Politik, die europäische Politik und Weltpolitik war. Die Auseinandersetzung mit Frankreich, die burgundischen und später die spanischen Interessen, die Auseinandersetzungen im Reich ließen die Südostgrenze in den Hintergrund treten, solange, bis dann die Katastrophe mit Mohacs eintrat, Ludwig II. fiel und die Habsburger nun das ungarische Erbe antreten mussten.

 
Der gleichzeitige Anfall Böhmens, Mährens und Schlesiens verbreiterte die Machtbasis Ferdinands erheblich. Die ungarische Adelsopposition aber wählte zunächst nicht den deutschen Ferdinand, sondern Zapolyai. Wie schon so oft zuvor waren es wieder die Magnaten und Städte Westungarns, die sich für den Habsburger entschieden. Im Dezember 1526 wählten sie ihn in Pressburg zum König. Sie schlugen Zapolyas Aufgebot. Im Oktober 1527 wurde Ferdinand von einem nach Ofen einberufenen Reichstag - nun mit Mehrheit - erneut gewählt. Zápolyai, der der Schwager König Sigismunds von Polen war, floh nach Polen und wandte, mit Hilfe französischer Diplomaten, an die Osmanen um Hilfe.

Die Folge war der erste Angriff auf Wien 1529, der Türkenzug von 1532, der vor Güns scheiterte, ein jahrzehntelanger Krieg und die Dreiteilung Ungarns in ein Türkisches Ungarn, in den westlichen und nördlichen kaiserlichen Teil und in das Großfürstentum Siebenbürgen, das mehr oder weniger vom osmanischen Reich abhängig war. Diese Dreiteilung blieb über 150 Jahre aufrecht. Es gelang nicht, die Türken zu schlagen. Ihr parallel ging die innere Zersplitterung, die heftigen Kämpfe in wechselnder Konstellation, meist jedoch des nationalmagyarisch- kalvinistischen Adels gegen das katholische Kaiserhaus.

 "In Ungarn aber herrschte Unzufriedenheit mit dem König, der die Einheit des Landes nicht herzustellen vermochte, mit seinen Truppen, die überwiegend deutscher Herkunft, oft schlecht bezahlt und daher zügellos waren, im Lande wie eine fremde Besatzung hausten und die man doch nicht zu entbehren vermochte. Denn auch im 'Frieden' dauerten die beiderseitigen Grenzüberfälle ständig fort". (Bgld.Landeskunde,S.291).

1354 überschritten die osmanischen Türken die Dardanellen,1366 verlegten sie ihre Hauptstadt nach Adrianopel, 1456 eroberten sie Konstantinopel und 1529 standen sie vor Wien. Bis 1683, also über eineinhalb Jahrhunderte, bestimmten sie wesentlich das politische Geschehen in Ungarn, über eineinhalb Jahrhunderte lag auch das Gebiet des heutigen Burgenlandes an der "Türkengrenze".

Nicht jedes Jahr war Kriegsjahr, es gab auch lange Phasen des relativ friedlichen Nebeneinanders, immer wieder unterbrochen von gegenseitigen, kleineren Überfällen. Aber mittelbar bestimmte selbst in diesen Phasen "der Türke" das Leben: Die Grenzverteidigung musste aufrechterhalten werden, Truppen mussten unterhalten werden, Steuern für den Türkenkampf gezahlt werden... Und die Grenze verlief kaum einen Tagesritt entfernt im Osten, an der Raab. Das Burgenland gehörte also zum unmittelbaren Hinterland und wurde dadurch natürlich wesentlich geprägt.

1412 sollen die Türken in Krain erstmals habsburgischen Boden betreten haben. Ab 1469, also zur Zeit Friedrichs III., fielen türkische Reiter, in den Quellen "Sackmannen" genannt, nahezu jährlich in Krain, Kärnten und in der Steiermark ein. Ihr Ziel war es, zu plündern und Gefangene zu machen. Meist verschwanden sie ebenso schnell wieder. Die Bevölkerung war ohnmächtig und beschuldigte ihre Herrn der Untätigkeit, ja sogar des Verrates.

Tatsächlich gab es kaum ein Mittel, dem starken Expansionsdrang der Osmanen entgegenzutreten. Nacheinander gerieten die Balkanvölker, die Bulgaren, Griechen, Serben in türkische Abhängigkeit. Der erfolgreiche Abwehrkampf des Johann Hunyadi verzögerte ihren Vormarsch für Jahrzehnte, aber mit der Niederlage von Mohacs 1526 war auch diese Barriere gefallen, die habsburgischen Erbländer waren unmittelbar bedroht. Erst jetzt wurde man sich im Westen Europas der Gefahr voll bewusst.


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