Andreas Baumkircher ist ein hervorragendes Beispiel für den spätmittelalterlichen Typus des sozialen Aufsteigers, der durch militärische, aber auch wirtschaftliche Unternehmungen, durch besondere Tüchtigkeit, bis in den Herrenstand gelangt. In seiner Person spiegeln sich viele Tendenzen der Zeit, in sozialgeschichtlicher, militärgeschichtlicher, ja sogar kunstgeschichtlicher Hinsicht. Der Hauptteil seines Wirkens fällt in den westungarisch-burgenländischen Raum.

Andreas Baumkircher entstammt vermutlich einer bürgerlichen Familie  aus Tirol. Sein Großvater Jörg Baumkircher erwarb in Krain, um Wippach im heutigen Slowenien, Streubesitz, der von Baumkirchers Vater noch ausgebaut wurde. Der Vater stieg in den Kleinadel Krains auf und war als Verwalter wichtiger Herrschaften in Friaul  (Portenau/Pordenone) und in Krain tätig. Er konnte seinen Sohn Andreas am Grazer Hof unterbringen. Am Hof Friedrichs III. in Wr. Neustadt bekam er wegen seiner militärischen Tugenden bals großen Einfluss.  Trotzdem war die Ausgangsbasis höchst bescheiden.

Seinen Aufstieg verdankte Andreas Baumkircher nahezu ausschließlich seiner eigenen Tüchtigkeit als Söldnerunternehmer - im Dienste der Habsburger, Ulrichs von Cilli aber auch des ungarischen Königs Matthias Corvinus. Er nützte jede sich bietende Gelegenheit, um Macht und Einfluss zu gewinnen.  Er wird in allen Quellen als groß und stark und außerordentlich mutig geschildert. Diesen Mut stellte er mehrmals unter Beweis: vor Wiener Neustadt, als er angeblich allein das Stadttor verteidigte, in Wien, als er Friedrich III. erneut aus einer unangenehmen Situation rettete und in seinem legendären Drei Tages-Ritt Hilfe aus Prag holte, sowie in unzähligen Schlachten, die ihn berühmt machten. Wie alle Söldnerführer seiner Zeit war er aber auch gefürchtet. Die Wiener hatten angeblich vor ihm und seinen Kampfgefährten und späteren Rivalen Ulrich von Grafeneck mehr Respekt als vor dem Kaiser.

Seine Unternehmungen als Söldnerführer machten ihn seinem steirischen Landesherrn und späteren Kaiser Friedrich III. unentbehrlich. Der Kaiser war bei Baumkircher hoch verschuldet - mit ein Grund für die "Baumkircherfehde" und für das Ende Baumkirchers.

Der Werdegang Baumkirchers zwischen Österreich und Ungarn, seine Rolle in den Parteienkämpfen im Grenzraum und seine Hinwendung zu Matthias Corvinus wurde oben bereits in groben Zügen dargestellt. Hier soll er als Grundherr, als Unternehmer und als Herr von Schlaining etwas genauer geschildert werden.

Baumkircher bekam von Friedrich III. nach dessen Eroberungszug in Westungarn die Herrschaft Schlaining übertragen. Rechte, die die Vorbesitzer, die Tompek von Karlburg, noch hatten, löste er finanziell ab. Dazu kamen auf dem Gebiet des heutigen Burgenland noch die Herrschaft Burg und die Herrschaft Geresdorf bei Güssing sowie einige weitere kleinere Erwerbungen, die allmählich zu einem beachtlichen Herrschaftskomplex zusammenwuchsen. Weitere Herrschaften in Slawonien und Kroatien folgten, darunter die große Grundherrschaft Kaisersberg (Csász´rvár, heute Cesargrad bei Klanjec in Kroatien)  und die Herrschaft Samobor bei Agram/Zagreb.  Baumkircher war außerdem Burghauptmann und Gespan des Komitates Preßburg und vorübergehend auch im Besitz niederösterreichischer Herrschaften (Korneuburg, Weitra).

1459 erhielt er das Recht der Münzprägung, wie auch andere Söldnerführer, und war damit mitverantwortlich für den totalen Zusammenbruch des österreichischen Münzwesens. Die "Baumkircherpfennige" (Wiener Pfennige) galten sogar als die übelsten "Schinderlinge", deren Silbergehalt nur mehr ein Zwanzigstel betrug. Geprägt wurden sie vermutlich zuerst in Preßburg, später vielleicht auch in Schlaining. Matthias Corvinus erteilte Baumkircher  1469 ein Bergbauprivileg auf Eisen, Golf, Silber und andere Metalle in der Herrschaft Schlaining.

 
1462 gestattete der Kaiser Baumkircher, bei seiner Burg Schlaining und der alten Burgsiedlung (Altschlaining) eine neue Stadt zu errichten. Er gewährte allen, die bereits dort siedelten und sich in Zukunft ansiedeln würden, Handelsfreiheit in allen Ländern des Kaiserreiches. Maut und Zölle sollten sie bezahlen. Später wurden diese Privilegien auch vom Ungarnkönig Matthias bestätigt und neue,wie etwa Zoll- und Abgabenfreiheit für Baumkircher, hinzugefügt.

Baumkircher trachtete offenbar danach, die Stadt zu einem gewerblichen Zentrum und zum Handelszentrum für den Exporthandel nach Westen zu machen. Die Lage von Schlaining im Hauptverkehrsnetz war aber schon damals nicht sehr günstig. Ein "Stadtrecht" hatte die neue Siedlung vermutlich nie. Im 16. Jh. bekam sie eine Stadtordnung. Später, unter den Batthyany, war Schlaining eine bedeutungslose Kleinstadt. So blieb der Zustand, wie er zur Zeit Baumkirchers und seiner Erben erreicht wurde, im wesentlichen erhalten.

1469 bekam Baumkircher auch das Recht verliehen, in seiner Herrschaft Schlaining Bergwerke zu eröffnen. Es könnte sein, dass das spätere Schlaininger Eisenwerk schon zu seiner Zeit entstand. Dies würde zum Bild eines erfolgreichen, frühkapitalistischen "Unternehmers" passen.

Wenig bekannt ist über das Verhältnis Baumkirchers zu den Bauern seiner Herrschaften. In der Literatur gilt er gelegentlich als "Bauernschinder", was wohl eher auf die furchtbaren Auswirkungen der "Baumkircherfehde" in der Oststeiermark, wo tatsächlich ganze Landstriche von den Söldnern aus geplündert wurden, zurückzuführen ist. Als Pfandherr war Baumkircher jedenfals rücksichtslos und gefürchtet. Wie andere Grundherren seiner Zeit und seines Werdeganges ist es aber auch durchaus vorstellbar, daß auch Baumkircher aus seinen Herrschaften "herausholte", was nur ging. Das Bauprogramm in Schlaining erforderte sicherlich hohe Geldsummen. Die Haupteinnahmequelle Baumkirchers war aber sicher seine Tätigkeit als "Kriegsunternehmer", also als Söldnerführer, wobei er die Söldner, damals meist böhmischer Herkunft, auf eigene Rechnung anstellte und sich dann von seinem Auftraggeber bezahlen ließ. Ein ertragreiches, aber auch ein riskantes Geschäft. Dies zeigen vor allem die hohen Schulden, die etwa der Kaiser bei Baumkircher hatte.

Der rasche soziale Afstieg Baumkirchers sollte anscheinend durch sein großzügiges Bauprogramm in Schlaining, das immer Mittelpunkt seiner Ambitionen blieb, demonstriert und zugleich legitimiert werden. Als Herr von Schlaining wurde er ja auch in den österreichischen Herrenstand aufgenommen. Dieses Programm umfaßte den Ausbau der Burg zur starken Festung, die Errichtung des Schlaininger Paulinerklosters und der Ausbau seiner Stadt. Die Burg wurde - wie beim Militärfachmann Baumkircher nicht anders zu erwarten - nach den damals modernsten und die Wirkung der Artillerie bereits berücksichtigenden Gesichtspunkten umgebaut. Von Geschütztürmen und Plattformen aus konnte ein Großteil des Geländes bestrichen werden.

 Das Kloster wurde mit großem Aufwand gegründet und erbaut und dem "ungarischen" Orden der Pauliner übergeben (wie Grafeneckers Kloster Baumgarten und das Kloster Wandorf/Sopronbanfalva bei Ödenburg). Es sollte das Hauskloster und die Grablege der Baumkircher werden. Im Westteil der Klosterkirche (heute katholische Pfarrkirche) wurden Baumkircher, seine Söhne und Nachkommen dargestellt. Die Särge aus Terrkotta stehen über dem eigentlichen Gruftraum. Ein prächtiges, für den Paulinerorden eigentlich ungewöhnlich aufwendiges Westportal und die Westempore aus Terrakotta zeigen den Gestaltungswillen des Bauherren.

Die Stadt schließlich, zwischen Kloster und Burg gelegen, sollte nicht nur die wirtschaftliche Basis für die Familie Baumkircher neben ihren Grundherrschaften liefern. Auch sie zeigt in ihrem Grundriss und in ihrer Gestaltung den planenden Willen ihres Herrn. Sie kann als Musterbeispiel einer spätmittelalterlichen Gründerstadt gelten. In der Summe ergaben und ergeben Kloster, Stadt und Burg ein aufwendig und prächtig konzipiertes Gesamtes, ein "Fürstensitz", wie er in der damaligen Zeit verschiedentlich gebaut und errichtet wurde. Macht und Ansehen der Baumkircher sollten dadurch zum Ausdruck gebracht werden. Diesem Zweck diente auch eine "Schauwand", von der allerdings nur mehr ein Teil mit Inschrift erhalten ist. Die dargestellte Figur ist nicht Baumkircher selbst, sondern vermutlich einer seiner Söhne.


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