Die Siedler aus dem Westen kamen als Hospites, als "Gäste" in das ungarishe Königreich. Seit König Stephan dem Heiligen wurde die Ansiedlung solcher Hospites im gesamten ungarischen Königreich sehr gefördert. Es waren vor allem in der ersten Siedlungswelle neben den zahlenmäßig wohl auch damals überwiegenden Deutschen auch sehr viele Latini, also eine romanische Sprache sprechende Kolonisten aus dem Westen des Heiligen Römischen Reiches, aus Flandern etwa, vereinzelt auch Italiener, aber auch Slawen und selbst Magyaren, die nach dem Hospites- Recht angesiedelt wurden. Sie alle folgten dem Ruf der ungarischen Könige, verlockt durch große Privilegien und Freiheiten.

Die Anweisungen Stephans an seinen Sohn, in denen er die Stärke eines vielsprachigen, von Menschen verschiedenster Herkunft bewohnten Reiches rühmt, wurde viel diskutiert und sehr unterschiedlich interpretiert, je nach dem gerade herrschenden Zeitgeist. Sie wurde als Zeichen der "Großzügigkeit" und der Toleranz des magyarischen Volkes dargestellt, als besonders frühes Beispiel einer "miltikulturellen" Reichsidee gerühmt, gelegentlich aus nationalmagyarischer Sicht aber auch kritisiert. Vor allem aus deutscher und slawischer Sicht wurde immer wieder darauf hingewiesen, dass es letztlich diese Einwanderer waren, die erst die Errichtung des christlich – europäischen ungarischen Staates ermöglichten. Von der ungarischen Geschichtsschreibung wird dieser Einfluß aus dem Westen zwar nicht geleugnet, aber in seiner Beutung zumeist stark herabgespielt.

 
Zur frühen Ansiedlung von Hospites im westungarischen Raum seien einige Beispiele aufgezeigt. 1212 setzte König Andreas II. den Geistlichen Stephan in den Besitz von Kál ein, den seine Vorfahren von König Stephan erhalten hatten. Diese Vorfahren waren mit Königin Gisela aus Deutschland nach Ungarn gekommen und erhielten im Komitat Ödenburg, das nach der Urkunde damals dünn besiedelt war (quia temporis rarus habebatur incola in comitatu castri Supruniensis), Besitzungen. (Urkundenbuch des Burgenlandes, Band I., Nr.92, S.62 f.).

1156 schenkte König Geza II. den Rittern Gottfried und Albert, die auf seine Aufforderung nach Ungarn gekommen waren, Besitzungen im Ödenburger Komitat (Urkundenbuch des Burgenlandes I., Nr.40, S.21 f.).

Natürlich kamen diese Adeligen nicht allein. Sie waren die Anführer einer mehr oder weniger großen Gefolgschaft. In der ersten Zeit kamen die meisten "Gäste" wohl auf den Ruf des Königs und wurden auch mit königlichen Besitzungen belehnt. Aber schon 1223 genehmigte König Andreas II. dem Comes (Graf) Nikolaus von Csanád, Gäste auf seinen Besitzungen anzusiedeln und ihnen Steuerfreiheit zu gewähren. Die Ansiedler waren frei, sie wurden außerdem auf gewisse Zeit von Abgaben und Leistungen befreit, manchmal auch von Maut und Zoll. Die Gäste durften Grund und Boden erwerben. Manchmal war damit – soweit sie nicht schon als Adelige nach Ungarn kamen – auch die Erhebung in den Adelsstand verbunden, zumeist als Belohnung für Kriegsdienste.

Die wichtigsten Grundherrn in Westungarn waren Deutsche, allen voran die Grafen von Güssing. Die Mattersdorfer Grafen waren zwar spanischer Herkunft, hatten jedoch schon früh verwandtschaftliche Beziehungen zu den Adelsfamilien jenseits der Leithagrenze. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass diese auch deutsche Bauern in das Land holten. Slawen wurden rasch eingedeutscht, die meisten Grenzwächtersiedlungen, die nicht mehr zeitgemäß waren, ohnedies aufgelassen. So wurde Westungarn schon sehr früh nahezu zur Gänze ein deutsches Land. Das gilt insbesondere auch für die Städte, etwa für Ödenburg, wo man die Zuwanderung von Magyaren und deren Aufnahme in die Bürgergemeinde recht erfolgreich zu unterbinden versuchte.



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